Wie geht Ihr mit sonderbaren Spleens um?

  • Mein dementer Vater entwickelt zunehmend sonderbare Spleens: Der Staubsauger MUSS in der Mitte des Zimmers platziert sein, die Schranktüren MÜSSEN offen stehen, alle Gegenstände MÜSSEN von der Wand abgerückt sein...(Es stört sein Empfinden, er hat da offenbar so ein eigenes "Fengshui" in seinem Kopf - es geht dabei nicht darum, den Kram wiederzufinden!)


    Meine Mutter findet das nicht so witzig - verständlicherweise, sie muss sich fast ohne Augenlicht zurechtfinden. Darum räumt sie alles immer schön wieder zurück.


    Und so räumen sie den ganzen Tag im Kreis.


    Ich schreibe manchmal mit Edding fett Nachrichten drauf wie: Diesen Stecker bitte stecken lassen! -

    Wer kennt weitere Tricks oder hat Tipps für mich?

  • Hallo verzweifelte Tochter.


    Haben deine Eltern einen Pflegegrad? Funktioniert der Alltag denn noch alleine, oder haben Sie Hilfe?


    Tipps für ein anderes Verhalten beim Vater ist nicht so leicht zu geben, weil jeder Demenzkranke anders ist.

    Wenn er einen Ersatz finden könnte, wäre das wohl am besten. Demenzkranke haben manchmal Phasen, in denen solche Sachen gemacht werden, aber sie können sich auch wieder ändern. Sie wollen auch ein Beschäftigung haben.


    Ich würde wahrscheinlich versuchen, eine Ablenkung zu finden, die ihn fesseln kann. Dafür wäre die Biografie wichtig. Mag er Haustiere? Es gibt ja inzwischen so künstliche Katzen. Hanne versucht das gerade mit ihren Eltern im Heim. Vielleicht wäre das eine Ablenkung oder etwas Malen. Es hängt davon ab, was der Vater früher gerne gemacht hat.


    Liebe Grüße

  • Guten Abend verzweifelte Tochter,

    ich bin auch eine :-) .....die Spleens am besten einfach sein lassen....dass endlos herumgeräumt wird, kenne ich auch...einfach machen lassen.....für Ihre Mutter ist das sicher schwierig....aber sie scheint ja mit zu räumen...

    sonst weiß ich leider keinen Rat...es gibt vermutlich auch keinen..man muß es aushalten...

    Liebe Grüße

  • Hallo VerzweifelteTochter, je stärker die Demenz zunimmt, desto mehr werden wir die Sonderheiten oder "Spleens" ertragen müssen, wir haben oft keine Vorstellung, was da im Kopf vor sich geht. Deshalb schließe ich mich den Vorschlägen mit einer Ergänzung an.


    Ein Problem ist die Gefährdung Ihrer Mutter, die sich schlecht orientieren kann und über den Staubsauger stürzen könnte. Da jede Form der Zurechtweisung die Abwehr stärkt, würde ich es mit pragmatischen Umdeutungen probieren: "Schön, dass Du den Staubsauger schon rausgestellt hast, ich werde ihn jetzt gut verstauen..." . Vielleicht gelingt es auch, alles als eine Art Spiel zu verstehen: "Du wolltest mit dem Möbelrücken Deine Frau wieder beschäftigen ... oder ... dass sie immer wieder neu üben muss, mit der Blindheit zurecht zu kommen. ... aber ich habe Angst, dass Sie stürzt und deshalb bitte ich Dich..."

    Ihnen alles Gute und schöne Ostern, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Verzweifelte Tochter,

    ich möchte Ihnen noch zusätzlich zwei Hinweise geben.

    Lassen Sie, wenn möglich von einem Neurologen, untersuchen, ob Ihr Vater neben der Demenz vielleicht noch eine (leicht) paranoide Störung hat. Eine solche könnte man medikamentös behandeln.

    Versuchen Sie doch auch herauszufinden, welche Bedeutung z.B. die offenen Schranktüren in der Realität Ihres Vaters haben. Es hilft ja nicht, "vernünftig" zu argumentieren, aber vielleicht können Sie auf der "verrückten" Ebene intervenieren, auch wenn es Ihnen selbst absurd vorkommt. Einen Versuch ist es wert.

    Beste Grüße von

    Klaus Pawletko

  • Hallo Verzweifelte Tochter,

    manche Menschen mit Demenz haben wie Babys das Problem, dass sie alle Dinge (KLeidungsstücke, Wertgegenstände...) für nicht mehr vorhanden halten, die sie nicht sehen können... deswegen haben sie große Probleme mit geschlossenen, blickdichten Schranktüren und entwickeln Verlustängste bzw. sogar einen Bestehlungs- oder Verarmungswahn. Hängt man die Türen aber aus, oder gestaltet sie "durchsichtig", dann beruhigen sie sich. Vielleicht wäre es (auch zum Schutz Ihrer Mutter) einen Versuch wert, die Schranktüren für eine Weile zu entfernen?

    Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie bald eine akzeptable Lösung finden...


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

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