Würdevolles Sterben, ist das mit Personalmangel und den jetzigen Möglichkeiten überhaupt immer möglich

  • Ich danke Ihnen, Herr Gust


    Das sind viele Hürden. Einerseits gut, andererseits nicht, wenn man Leid nicht mehr ertragen kann. Hier müsste es mehr individuelle Lösungen geben.


    Liebe Grüße

  • Hallo in die Runde


    Sonnenblümchen hat im "Wie geht es Euch-Thread" ein Buch über das Sterbefasten verlinkt.


    Tipp: Der Weg des Sterbefastens, Christiane zur Nieden im Gespräch...gibt es einen Youtube Betrag....bzw. auch ein Buch



    Ich habe hier auch noch etwas dazu gefunden.


    https://www.bibliomed-pflege.d…as-thema-kommt-auf-uns-zu


    https://www.sterbefasten.org/


    Mein Eindruck dazu ist zwiegespalten. Gegen Ende des Lebens und wenn der Körper sowieso fast nicht mehr kann, ist das sicher eine passende Methode, aber vorher kann es auch schon mal weniger schön sein.


    Liebe Grüße an alle

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, mit einem Beispiel aus dieser Woche möchte ich die Erfahrung aus der Palliativstation weiterführen.


    Ich wurde von unserem ambulanten Dienst zu einem Ehepaar geschickt, sie hatten sich vor 63 Jahren kennengelernt, viel gemeinsam erlebt, sie haben ein Patiententestament und ein stärkendes Umfeld. Der Ehemann war nicht dement, aber durch eine motorische Aphasie hindere ihn, das zu sagen was er dachte. In den wenigen klaren Momenten hatte der den Hausarzt um das Medikament zu Sterben gebeten und in der Klinik und auch in der Pflege wehrte er sich aktiv gegen die Versorgung und verletzte sich zusätzlich durch Stürze infolge der inneren Unruhe.


    Zunächst habe ich kurz mit der Ehefrau allein im Esszimmer gesprochen, Ihr Mann schlief. Wir sind dann gemeinsam in das Wohnzimmer gegangen, als er stöhnte.


    Ich sprach ihn immer mal kurz an, aber nach einer Minute sank er wieder weg in seine Welt, ganz friedlich vielleicht durch das Morphin. Er sagte immer wieder mit klaren Augen "ja" oder "naja", wenn ich ihn auf das gemeinsame Gespräch ansprach.


    Ich habe die Ehefrau gebeten ehrlich zu sein und auch Tränen zuzulassen, denn ihr Mann würde vermutlich ganz viel mitkriegen, auch wenn (oder weil) er in einem anderen Bewußtseinszustand ist. Wir haben dann alles besprochen, was ich hier an verschiedenen Stellen schon ausgeführt habe: Die Wage zwischen Abschied und Kämpfen, der Rückblick in eine schöne gemeinsame Zeit als Kraft für die Trauerarbeit, die Kraft des Glaubens und spiritueller Vorstellung und die Bedeutung des Sterbefastens als (in allen Religionen) erlaubte Form des schnelleren Abschiedsn usw.


    Die starken Erkenntnis waren: "dann brauche ich ihn ja gar nicht mehr mit dem Essen zu quälen" oder "wenn ich meinen inneren Stress loswerde, entspannt das aus seine Unruhe". Wichtig war auch, dass das "Stöhnen" nicht mit Leiden gleichzusetzen ist, sondern auch eine sehr wirkungsvolle Selbstsorge bzw. Selbsttherapie ist. Es gibt keine Maßnahme die so schnell gegen Stress wirkt, wie das mehrmalige tiefe und bewusste Stöhnen (und tiefe einatmen). Viele Menschen in tiefem Leid haben dies für sich entdeckt und was hindert uns Begleiter das auch zu tun?


    In Schulungen und Beratungsgesprächen üben wir diese oft gemeinsam. Leider hat es eine Nebenwirkung: Außenstehende denken es ginge uns sehr schlecht, obwohl wir etwas wertvolles für unsere Selbstpflege tun. In diesem Sinne verabschiede ich mich hier mit einem tiefen (gemeinsamen?) Seufzer, Ihr Martin Hamborg

  • Danke, Herr Hamborg,


    für die anschauliche Erfahrung, im Bezug zum Sterbefasten und letzte Reise.


    Meine Erfahrung ist, was das Stöhnen angeht, wie soll es anders sein, 8o zweischneidig.

    Ich kenne das Stöhnen bei älteren Menschen und auch von meiner Schwiegermama her, durchaus als Ausdruck von Schmerzen.

    So auch geschehen in der Sterbephase. Unruhe, Stöhnen, aber auch wieder wegdriften. Sie hatte echte Schmerzen und die mussten behoben werden, durch eine andere Lagerung.

    Auf der anderen Seite weiß ich, dass Stöhnen auch Erleichterung für den Körper bringen kann, um etwas Unangenehmes zu lindern.


    So pauschal würde ich das nicht als schmerzfrei ansehen. Man sollte immer achtsam sein und immer individuell prüfen.


    Liebe Grüße an Sie und an andere, die hier mitlesen

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Teuteburger, danke dass Sie es ergänzen! Natürlich darf das "Stöhnen" nicht von einer Schmerztherapie abhalten.

    Können wir uns darauf einigen: Die Erlaubnis zum Stöhnen und das gemeinsame Seufzen verstärken die Schmerzmedikation nicht nur durch die seelische Unterstützung sondern auch durch die körperliche Entspannung und Entlastung.

    Ihr Martin Hamborg

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