Ehemann der Demenzkranken verstirbt

  • Guten Tag,


    in der letzten Nacht ist der Ehemann meiner Mutter im Hospiz verstorben (nicht mein Vater). Meine Ma ist seit fast 2 Jahren in einem Pflegeheim, die beiden haben sich vor ca. 4 Wochen das letzte Mal gesehen. Heute war ich bei ihr im Pflegeheim und sie hat alle paar Minuten gefragt, was ihr Mann macht und wer sich um ihn kümmert. Ich habe ihr jetzt noch nicht gesagt, dass er gestorben ist ... Ihr geht es im Pflegeheim gut, sie ist wieder aufgeblüht ... jetzt weiß ich nicht, ob ich ihr sagen soll, dass ihr Mann verstorben ist. Bin mir sehr unsicher. Dann stellt sich mir auch die Frage, ob ich sie zur Beerdigung mitnehmen soll... sie ist zeitlich desorientiert,

    vielleicht kennt jemand auch so eine Situation

    Vielen Dank Melanie

  • Hallo Melanie,


    deine Mutter wohnt in ihrer eigenen Welt, ich würde ihr nur sagen, ein enger Freund der Familie sei verstorben.

    Vielleicht kannst Du ihr den Namen nennen und sie kann es einordnen.

    Auf alle Fälle würde ich jegliche Aufregung von ihr fern halten, denn das langsame Verschwinden von wichtigen Dingen aus dem Leben der Betroffenen ist schon schlimm genug.


    Gruss Merle

  • Hallo Merle,

    ich bin auch versucht ihr zu sagen, dass ihr Mann tot ist ... hoffe, dass sie das verkraftet ... werde Montag mal mit ihrem Arzt sprechen ...


    Danke für Deine Nachricht schönen Abend Dir 🙋🏼‍♀️

    Liebe Grüße Melanie

  • Hallo Melanie,

    diese Frage, ob man es sagt oder nicht, wird sich bei auch stellen, sobald ein Elternteil verstirbt...weil beide sehr demenzerkrankt sind.....und beide im Heim leben...aber in unterschiedlichen Zimmern.


    Ich habe öfters gelesen, dass man es genau 1 x sagen soll......und dann nicht mehr wiederholen.


    Bzgl. Beerdigungs-Teilnahme würde ich evtl auch die Pflegekräfte um Rat fragen.....die kennen solche Fälle und die Reaktionen und können auch Deine Mutter vielleicht insoweit einschätzen.....


    Irgendwie denke ich, ich würde versuchen, dass der überlebende Elternteil an der Beerdigung teilnehmen kann....aber ich würde ihn vorher auch fragen, ob er möchte...ob alles verstanden wird....wird sich zeigen...aber ich habe schon oft bemerkt, dass ganz wichtige Dinge dann doch halbwegs verstanden werden.


    Ich denke jedenfalls im Vorfeld jetzt schon öfters über diese Problematik nach und wäre froh, viele andere würden hier von ihren Erfahrungen berichten.


    Liebe Grüße

  • Hallo Hanne,

    vielen lieben Dank für Deine Meinung und Erfahrung. Ich habe mich dazu entschlossen den behandelnden Arzt zu fragen und dann zu entscheidend. Ich will meine Mutter auch nicht anlügen, sondern ehrlich mit ihr sein.

    Ich werde gerne hier berichten.


    Viele Grüße

    Melanie

  • Hallo Melanie,

    Du sprichst einen wichtigen Punkt an: ich habe meinen Eltern versprochen (versprechen müssen), dass ich im Fall des Falles auf jeden Fall immer ehrlich bin....und obwohl unsere Familiengeschichte sehr kompliziert ist..habe ich mich daran gehalten....und ich würde das auch selbst erwarten, falls ich einmal in dieser schlimmen Lage wäre, dass man ehrlich zu mir ist....das ist doch quasi eine Art Grundrecht....

    Ich handhabe es derzeit so..dass ich immer 1 x oder nötigenfalls wenn ein Elternteil von selbst nachfragt, auch noch weitere Male..die Wahrheit sage....aber jedenfalls mindestens immer einmal....


    und so möchte ich das auch bei mir selbst haben...


    Vielleicht hilft Dir dieser Gedanke etwas weiter


    liebe Grüße

    Hanne

  • Hallo Mela50, darf ich noch an die Gedanken von Hanne63 anknüpfen? Ich halt es auch lieber mit der Wahrheit. Oft habe ich erlebt, wie Kinder und Mitarbeiter*innen das Thema vermeiden oder sogar lügen (sollen). Das hat einen hohen Preis für beide Seiten, denn es erschwert die ehrliche Beziehungsgestaltung, denn ein schweres Geheimnis steh zwischen den Menschen.


    Wie oft haben mir Menschen mit Demenz gesagt: "Das muss einem doch mal gesagt werden" und sind dann nach Anteilnahme oder Trost erleichtert weiter ihren Weg gezogen. Natürlich hat auch ein Mensch mit Demenz in der Trauerphase das Recht, einen schweren Verlust nicht wahrhaben zu wollen (oder zu können) - das gehört zur Trauerphase dazu. Menschen mit Demenz lassen sich oft viel besser trösten und richten schneller den Blick auf die schöne gemeinsame Zeit. Meine Faustformel ist: Dasein- aushalten-trösten-Blick in die schöne Vergangenheit oder schöne Gegenwart (durch unsere tiefe persönliche Begegnung).


    Es hilft auch wie wir es sagen. Es gibt sogar eine positive und gut annehmbare Formulierung: "Er hat seinen Frieden gefunden" und "Du erinnerst Dich an eine so schöne gemeinsame Zeit ... weißt Du noch, als ..."

    Je stärker die Demenz, desto weniger wird sich Ihre Mutter an ihren letzten Mann vermissen und weiter im Heim aufblühen, Ihr Martin Hamborg

  • Dem Gesagten von MartinHamborg kann man eigentlich nichts mehr hinzufügen.

    Mit Ehrlichkeit kommt man selbst am besten klar und muss sich selbst auch keine Vorwürfe machen oder gefallen lassen, selbst wenn die Entscheidung schwer fällt oder vielleicht auch falsch sein sollte, was sich immer erst hinterher herausstellt.

    Jeder, und gerade der Ehepartner, egal wie gesund oder krank er ist, sollte erfahren dürfen, dass sein Lebensgefährte-gefährtin gestorben ist. Man muss es beim Demenzkranken nur richtig angehen, damit er es auch versteht und verkraftet.

    Ich wünsche viel Kraft!

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