Antrag auf höheren Pflegegrad

  • Guten Abend,

    ich habe eine Frage an diejenigen, die einen Angehörigen im Pflegeheim haben.

    Wie ist das übliche Procedere?

    Stellt das Heim den Antrag auf höheren Pflegegrad oder muß ich den als rechtliche Betreuerin stellen. Aufgabenbereich Gesundheitsfürsorge habe ich.

    Ich ging bisher davon aus, dass das Heim im eigenen Interesse einen Höherstufungsantrag von selbst initiieren wird.....weil es ja dann auch mehr Geld von der Pflegekasse erhält.

    Mein Vater ist seit 3 Jahren in Pflegegrad 2...damals wohnte er noch Zuhause, versorgte sich selbst und fuhr sogar noch mit seinem Kfz...

    Aktuell geht es darum, dass jedesmal hohe Fahrkosten anfallen, die er, also unsere Familie selbst tragen müssen, wenn er zum Facharzt außerhalb des Heimes muß....zusätzlich Kosten für Begleitperson, da er ja allein dort nicht in der Praxis bleiben würde und natürlich sind es wie üblich lange Wartezeiten.....ab Pflegegrad 3 würden Fahrtkosten von der Kasse übernommen...ich bin ziemlich ratlos und verärgert auch.


    Ich selbst kann meinen Vater nicht zum Arzt begleiten..weder habe ich ein geeignetes Fahrzeug dafür...noch kann ich das kräftemäßig....aber jedesmal werde ich vom Heim gefragt....ich wohne außerdem 2 Stunden Fahrzeit vom Heim entfernt. (Interessanterweise bräuchte ich dann keinen Besuchstermin(Corona) und auch keinen Test...wenn ich meinen Vater da zum Facharzt transportieren würde auf dem engen Raum in meinem Mini-Auto...das verstehe nun mal auch wieder wer mag...ich nicht).


    Die Pflegekräfte meinen, mein Vater sei noch zu fit für eine Höherstufung.....ich rief daraufhin die Krankenkasse meines Vaters an und erhielt von dort den Rat, eine Höherstufung zu beantragen.....die letzte Einstufung sei immerhin 3 Jahre her....

    Natürlich hat sich der Zustand meines Vaters seitdem verschlechtert..ich möchte den Pflegekräften bzw. dem Heim aber auch nicht ins Handwerk pfuschen....oder sonst wieder für Unmut sorgen....


    Also: was tun?


    Hat jemand damit Erfahrungen oder eine Idee....


    Was raten mir die Fachkräfte hier im Forum?


    Wer ist eigentlich dafür zuständig, wenn ein Heimbewohner zum Facharzt muß....? Wie läuft das ab?


    Viele Grüße

  • Hallo Hanne,


    da keiner hier geantwortet hat, versuche ich das mal mit meinem Wissen.


    Auch meine Schwiegermama hat eine Höherstufung im Heim bekommen, von drei auf vier.

    Weil der Pflegeaufwand höher geworden ist, hat das Heim den Antrag selbst gestellt.


    Wenn du jedoch wegen den Fahrten und der Mehrbetreuung eine Höherstufung willst, dann denke ich, dass du das selbst beantragen musst.


    Hanne, ich würde einfach beim MDK anrufen und schildern, was du hier gesagt hast. Bei Demenzen wird die Bedürftigkeit anders bewertet, als bei den sogenannten normalen älteren Menschen. Es wäre natürlich gut, wenn das Heim dich hier unterstützen würde. Auch da würde ich nochmals das Gespräch suchen.

    Denn wenn das Heim mitarbeitet, dann ist das am Tag der Beurteilung ein Vorteil.


    Das wäre das, was mir dazu einfällt. Leider nicht viel . . .


    Liebe Grüße an Dich

  • Liebe Hanne,bei meiner Mutter hat das Heim gleich einen Antrag auf Höherstufung gestellt,alles ausgefüllt,ich musste nur unter schreiben.Ich würde mich an die Heimleitung wenden und die Sachlage erklären,die sind doch auch daran interessiert und bekommen bei einer höheren Pflegestufe mehr Geld für die Pflege. Ich fahre meine Mutter auch zum Arzt,bleibe im Wartezimmer ,hole Rezepte und bringe sie ins Heim,aber ich wohne auch in der gleichen Stadt,nicht wie du 2 Stunden entfernt.Wir haben aber auch einen neuen Katalog bekommen mit den Preisen.So konnte man nachlesen,was alles kostet.Jede Fahrt zum Arzt kostet ,Chip Karte EINLESEN sogar.Alles eine Frage des Geldes.Versuche es über die Heimleitung,wäre meine Empfehlung. BEI mir ist aĺles noch wie bisher.Manchmal etwas besser,manchmal geht es schlecht.Ich lese immer bei euch mit,habe aber nicht viel Neues zu berichten.Viel Glück ,Rosina

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanna63, wahrscheinlich ist es sinnvoll, wenn Sie sich selbst in die Logik der neuen Begutachtung ein wenig einarbeiten. Nach meiner Erfahrung gehen viele Pflegekräfte immer noch von einem subjektiven Gefühl für einen zeit-orientierten Pflegebedarf aus, denn das alte System ist tief verinnerlicht, auch bei Gutachter*innen, die die innere Logik des neuens Systems offensichtlich noch nicht so ganz verinnerlicht haben.


    In meinen Fortbildungen mit meinen 10 Tipps zum Pflegegrademanagement sehe ich dies häufiger. Einige davon sind glaube ich auch für Angehörige nachvollziehbar und Sie müssen sich nicht in die - im Netz verfügbare - Richtlinie einarbeiten:


    1. Das neue System hat eine Stufenlogik in allen Modulen, d.h. die gewichteten Punkte springen bis zu 10 Punkten, wenn die Schwelle mit nur einer einzigen anderen Einschätzung überschritten wird. Ich habe dies in meinem Pflegegraderechner so berücksichtigt, dass ich erkenne, wie viel Einzelpunkte jeweils zum nächsten Stufensprung fehlen - und wo es sich lohnt genauer hinzusehen.


    2. Oft werden die Leistungen im Modul 5 nicht angemessen erkannt. Mit 5 Punkten mehr ist schnell der nächste Pflegegrad erreicht, wenn Bedarfsmedikation dokumentiert ist und eingetragen wird oder, wie bei Ihrem Vater, die Fahrten zum Arzt angegeben werden. Es zählen mind. monatliche Besuche bei Ärzten und therapeutischen Einrichtungen!


    3. Mit meinem Anliegen, dass im Modul 5 ärztlich angeordnete krankheits- und therapiebedingte Verhaltensvorschriften - oft mehrmals täglich - mitzählen, werde ich mich vermutlich nicht durchsetzen, auch wenn ich die Abschnitte aus meinem Buch an das BMG geschickt habe. Aber es hätte Chancen, wenn Angehörige einklagen, dass nicht nur die fachliche Intervention zur Einhaltung einer Diät zählt, sondern auch spezielle Maßnahmen im antidepressiven Milieu oder bei herausforderndem Verhalten. Dabei geht es mir nicht nur um einen höheren Pflegegrad, sondern viel mehr um Handlungssicherheit bei Pflegekräften und Angehörigen: Dahinter steht die sogenannte "Psychoedukation" und erfahrene Haus- und Nervenärzte können formulieren, wie das angemessene oder "richtige" Verhalten ist.


    4. In der neuen Logik wird im Pflegebedarf berücksichtigt, was der Mensch nicht mehr allein kann, um alles selbständig zu machen: wer reinigt regelmäßig den Rasierapperat, wer stellt die Zahnbürste oder das Glas in Griffweite...? Was geht nur, wenn jemand nachschaut, motiviert oder erinnert? Wer reicht das Telefon zum Geburtagsanruf? usw... Alles sollte mit einem Punkt berücksichtigt werden.


    Viel Erfolg! Ihr Martin Hamborg

  • Guten Abend,

    jetzt habe ich mit Heimleitung und nochmals mit den Pflegekräften gesprochen...und gesagt, dass ich es gut fände, wenn ein Antrag auf Höherstufung gestellt werden würde.....und siehe da...jetzt wurde dann initiativ vom Heim aus ein solcher Antrag gestellt...ich mußte dann nur noch unterschreiben......die Hintergründe und weshalb und wieso ich das "anstoßen" mußte...sind mir inzwischen egal...Hauptsache..es läuft jetzt mal...


    @Herr Hamborg..bei der Begutachtung bin ich doch selbst gar nicht dabei....das macht dann der Pflegedienst und der MDK "unter sich aus"...ich selber könnte ja auch wenig dazu beisteuern....also habe ich mich auch nicht in diese ganzen Links und 10 Punkte eingearbeitet....


    Ich werde berichten, wie es ausgegangen ist...


    viele Grüße

  • Guten Abend,


    inwischen hat mein Vater einen höheren Pflegegrad, nämlich 3 erhalten. Die Entscheidung erfolgte "nach Aktenlage" und wohl nach Telefonat zwischen Gutachter vom MDK und Pflegedienst.


    Damit dürften künftig dann auch Fahrkosten mit ärztlicher Verordnung und dem Kreuzchen bei dauerhafter Mobilitätseinschränkung (nämlich Demenz) von der Krankenkasse zu erstatten sein (abzüglich Eigenanteil Zuzahlung).


    Viele Grüße....

    ....und gebt einfach nie auf....machmal gibt es auch kleine "Siege" oder Erfolge....jedenfalls in Sachen Bürokratie

  • Guten Abend an alle Mitleser,

    die Krankenkasse hat sich jetzt bereit erklärt die Fahrtkosten (abzüglich Zuzahlung Eigenanteil) für meinen Vater zu übernehmen, nachdem die Höherstufung Pflegegrad erfolgt ist.....

    Die Erstattung ist auch postwendend auf das Konto meiner Eltern erfolgt.....nachdem ich zuvor die baldige Erteilung eines rechtsmittelfähigen Bescheides verlangt habe...das war wohl das Zauberwort...so schnell war noch nie eine Erstattung da....


    nur mal so als Tipp....


    weshalb das Heim von sich aus keine Höherstufung des Pflegegrades anregte, kann ich mir nur so erklären...dass große Personalnot herrscht...und bei höheren Pflegegraden ja wiederum mehr Personal tatsächlich vorhanden sein muß...das mag ja alles sein...ich vermute es auch nur...aber liege vermutlich richtig damit....jedenfalls sehe ich aber nicht ein...dass meine Eltern auch noch diese Zeche zahlen sollen....


    In diesem Sinne....gebt nicht auf in der Bürokratie...und legt den Finger auf jeden Posten einer Rechnung....meistens...kann man einen Fehler finden und was zurückbekommen...


    Liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne, Glückwunsch, dass es mit dem Pflegegrad 3 geklappt hat".


    Die Logik, dass Einrichtungen die Pflegegraderhöhung nicht wollen würden, weil sie dafür Personal vorhalten müssen, erschließt sich mir nicht.


    Für Heime ist das Entgeld für den Pflegegrad 2 oft ungüngstig im Pflegesatz verhandelt, deshalb nehmen viele Heime lieber Menschen ab Pflegegrad 3. Unabhängig vom Pflegegrad muss die Versorgung bedarfs- und bedürfnisabhängig erfolgen. Das Argument, es würde nur der Pfegegrad 2 berechnet und so könnten notwendige Leistungen nicht erbracht werden, zählt also nicht, erst recht nicht bei bei einer Prüfung durch den MDK oder durch die Heimaufsicht.

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,

    danke...

    Die Heimprüfungen über MDK sind ja seit mindestens Anfang 2020 wegen Corona ausgesetzt........ist denn ein Zeitpunkt in Sicht, ab dem solche Prüfungen wieder stattfinden werden?.....


    Viele Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne63, die MDK-Prüfungen haben mit dem Rückgang der Inzidenzzahlen wieder begonnen, wir hatten gerade im Wochenrhythmus Besuch. Es war fast wie immer und einige Dokumentationen wurden kleinteilig geprüft und z.B. lückenlose Hygieneschulungen erwartet, obwohl wir eine Pandemie bewältigt haben und gar nicht schulen durften...


    Ich bin gespannt wie sich das neue System einspielt und wie schnell die Einrichtungen auf die neuen Anforderungen reagieren, denn die Heime melden nun halbjährlich eine Vielzahl von Qualitätsindikatoren zu fast allen Bewohnern. Diese werden vom nächsten Jahr an veröffentlicht und mit den Ergebnissen aus diesem Jahr verglichen.


    Neu ist, dass es zwei Kategorien für die (veröffentlichte) Abwertung gibt: "C" wenn das Risiko einer Schädigung nicht erkannt und geplant wurde und "D", wenn der oder die Bewohner*in bereits Schaden genommen hat. Dabei geht es nicht nur um den Dekubitus, sondern auch um darum, wenn geäußerte Bedürfnisse, die Selbstbestimmung und biografische Hintergründe nicht beachtet werden. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Angehörigen wird immer wichtiger, mal sehen, wann Sie entsprechende Erfahrungen berichten können ...

    Ihr Martin Hamborg

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