Antrag auf höheren Pflegegrad

  • Hallo Hanne,


    da keiner hier geantwortet hat, versuche ich das mal mit meinem Wissen.


    Auch meine Schwiegermama hat eine Höherstufung im Heim bekommen, von drei auf vier.

    Weil der Pflegeaufwand höher geworden ist, hat das Heim den Antrag selbst gestellt.


    Wenn du jedoch wegen den Fahrten und der Mehrbetreuung eine Höherstufung willst, dann denke ich, dass du das selbst beantragen musst.


    Hanne, ich würde einfach beim MDK anrufen und schildern, was du hier gesagt hast. Bei Demenzen wird die Bedürftigkeit anders bewertet, als bei den sogenannten normalen älteren Menschen. Es wäre natürlich gut, wenn das Heim dich hier unterstützen würde. Auch da würde ich nochmals das Gespräch suchen.

    Denn wenn das Heim mitarbeitet, dann ist das am Tag der Beurteilung ein Vorteil.


    Das wäre das, was mir dazu einfällt. Leider nicht viel . . .


    Liebe Grüße an Dich

  • Liebe Hanne,bei meiner Mutter hat das Heim gleich einen Antrag auf Höherstufung gestellt,alles ausgefüllt,ich musste nur unter schreiben.Ich würde mich an die Heimleitung wenden und die Sachlage erklären,die sind doch auch daran interessiert und bekommen bei einer höheren Pflegestufe mehr Geld für die Pflege. Ich fahre meine Mutter auch zum Arzt,bleibe im Wartezimmer ,hole Rezepte und bringe sie ins Heim,aber ich wohne auch in der gleichen Stadt,nicht wie du 2 Stunden entfernt.Wir haben aber auch einen neuen Katalog bekommen mit den Preisen.So konnte man nachlesen,was alles kostet.Jede Fahrt zum Arzt kostet ,Chip Karte EINLESEN sogar.Alles eine Frage des Geldes.Versuche es über die Heimleitung,wäre meine Empfehlung. BEI mir ist aĺles noch wie bisher.Manchmal etwas besser,manchmal geht es schlecht.Ich lese immer bei euch mit,habe aber nicht viel Neues zu berichten.Viel Glück ,Rosina

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanna63, wahrscheinlich ist es sinnvoll, wenn Sie sich selbst in die Logik der neuen Begutachtung ein wenig einarbeiten. Nach meiner Erfahrung gehen viele Pflegekräfte immer noch von einem subjektiven Gefühl für einen zeit-orientierten Pflegebedarf aus, denn das alte System ist tief verinnerlicht, auch bei Gutachter*innen, die die innere Logik des neuens Systems offensichtlich noch nicht so ganz verinnerlicht haben.


    In meinen Fortbildungen mit meinen 10 Tipps zum Pflegegrademanagement sehe ich dies häufiger. Einige davon sind glaube ich auch für Angehörige nachvollziehbar und Sie müssen sich nicht in die - im Netz verfügbare - Richtlinie einarbeiten:


    1. Das neue System hat eine Stufenlogik in allen Modulen, d.h. die gewichteten Punkte springen bis zu 10 Punkten, wenn die Schwelle mit nur einer einzigen anderen Einschätzung überschritten wird. Ich habe dies in meinem Pflegegraderechner so berücksichtigt, dass ich erkenne, wie viel Einzelpunkte jeweils zum nächsten Stufensprung fehlen - und wo es sich lohnt genauer hinzusehen.


    2. Oft werden die Leistungen im Modul 5 nicht angemessen erkannt. Mit 5 Punkten mehr ist schnell der nächste Pflegegrad erreicht, wenn Bedarfsmedikation dokumentiert ist und eingetragen wird oder, wie bei Ihrem Vater, die Fahrten zum Arzt angegeben werden. Es zählen mind. monatliche Besuche bei Ärzten und therapeutischen Einrichtungen!


    3. Mit meinem Anliegen, dass im Modul 5 ärztlich angeordnete krankheits- und therapiebedingte Verhaltensvorschriften - oft mehrmals täglich - mitzählen, werde ich mich vermutlich nicht durchsetzen, auch wenn ich die Abschnitte aus meinem Buch an das BMG geschickt habe. Aber es hätte Chancen, wenn Angehörige einklagen, dass nicht nur die fachliche Intervention zur Einhaltung einer Diät zählt, sondern auch spezielle Maßnahmen im antidepressiven Milieu oder bei herausforderndem Verhalten. Dabei geht es mir nicht nur um einen höheren Pflegegrad, sondern viel mehr um Handlungssicherheit bei Pflegekräften und Angehörigen: Dahinter steht die sogenannte "Psychoedukation" und erfahrene Haus- und Nervenärzte können formulieren, wie das angemessene oder "richtige" Verhalten ist.


    4. In der neuen Logik wird im Pflegebedarf berücksichtigt, was der Mensch nicht mehr allein kann, um alles selbständig zu machen: wer reinigt regelmäßig den Rasierapperat, wer stellt die Zahnbürste oder das Glas in Griffweite...? Was geht nur, wenn jemand nachschaut, motiviert oder erinnert? Wer reicht das Telefon zum Geburtagsanruf? usw... Alles sollte mit einem Punkt berücksichtigt werden.


    Viel Erfolg! Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne, Glückwunsch, dass es mit dem Pflegegrad 3 geklappt hat".


    Die Logik, dass Einrichtungen die Pflegegraderhöhung nicht wollen würden, weil sie dafür Personal vorhalten müssen, erschließt sich mir nicht.


    Für Heime ist das Entgeld für den Pflegegrad 2 oft ungüngstig im Pflegesatz verhandelt, deshalb nehmen viele Heime lieber Menschen ab Pflegegrad 3. Unabhängig vom Pflegegrad muss die Versorgung bedarfs- und bedürfnisabhängig erfolgen. Das Argument, es würde nur der Pfegegrad 2 berechnet und so könnten notwendige Leistungen nicht erbracht werden, zählt also nicht, erst recht nicht bei bei einer Prüfung durch den MDK oder durch die Heimaufsicht.

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,

    danke...

    Die Heimprüfungen über MDK sind ja seit mindestens Anfang 2020 wegen Corona ausgesetzt........ist denn ein Zeitpunkt in Sicht, ab dem solche Prüfungen wieder stattfinden werden?.....


    Viele Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne63, die MDK-Prüfungen haben mit dem Rückgang der Inzidenzzahlen wieder begonnen, wir hatten gerade im Wochenrhythmus Besuch. Es war fast wie immer und einige Dokumentationen wurden kleinteilig geprüft und z.B. lückenlose Hygieneschulungen erwartet, obwohl wir eine Pandemie bewältigt haben und gar nicht schulen durften...


    Ich bin gespannt wie sich das neue System einspielt und wie schnell die Einrichtungen auf die neuen Anforderungen reagieren, denn die Heime melden nun halbjährlich eine Vielzahl von Qualitätsindikatoren zu fast allen Bewohnern. Diese werden vom nächsten Jahr an veröffentlicht und mit den Ergebnissen aus diesem Jahr verglichen.


    Neu ist, dass es zwei Kategorien für die (veröffentlichte) Abwertung gibt: "C" wenn das Risiko einer Schädigung nicht erkannt und geplant wurde und "D", wenn der oder die Bewohner*in bereits Schaden genommen hat. Dabei geht es nicht nur um den Dekubitus, sondern auch um darum, wenn geäußerte Bedürfnisse, die Selbstbestimmung und biografische Hintergründe nicht beachtet werden. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Angehörigen wird immer wichtiger, mal sehen, wann Sie entsprechende Erfahrungen berichten können ...

    Ihr Martin Hamborg

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!