Worauf achten bei Pflegeheime für Demenzkranke (Raum Bonn RheinErftKreis)

  • Hallo Zusammen,

    ich bin neu hier und habe einige Fragen: Meine Mutter (84 J. Pflegegrad 4) ist aktuell zur Kurzzeitpflege in einem "normalen" Pflegeheim untergebracht (3. Woche).

    Wir sind auf der Suche nach einem für sie guten Pflegeheim und haben Termine bei Demenzpflegeheime (Bornheim, Liblar, Bedburg). Worauf muss ich achten, welche Fragen sollte ich stellen.

    Die ganze Situation ist schwer für mich das alles so akzeptieren (das Mama ins Heim muss und einfach die ganze Situation).

    Im derzeitigen Heim wurde ihr nun neben dem täglichen Demenzmedikament 3 x täglich Respiridon gegeben (wir erfuhren es gestern per Zufall, ich habe nachgefragt, da sie so anders war) (Mama ist wohl sehr unruhig, nervös und rannte überall rum und suchte ihren Mann).

    Ist es nicht eigentlich üblich, die Angehörigen direkt zu informieren und auch zu fragen, ob sie damit einverstanden sind?

    Bereits jetzt vielen Dank für Ihre Rückmeldungen.

    Lg

    CvonDob

  • Danke Dir.

    Ich habe halt den Gedanken, dass Sie dort entsprechend besser betreut wird mit allem was bei dieser Art der Erkrankung ist/passiert. Auch möchte ich, dass sie nicht so alleine ist und mehr in der Gemeinschaft lebt.

  • Hallo vonDob,

    ergänzend zu den schon genannten wichtigen Aspekten könnten Sie, falls man Sie (wegen Corona) überhaupt ins Haus hinein lässt, darum bitten, eine Weile auf einem oder mehreren Wohnerbeichen verbringen und sich umsehen und umhören zu dürfen: Was für einen Eindruck macht das Personal auf Sie: Merkt man ihm Stress und Zeitnot an, oder haben sie eine gelassene, positive Ausstrahlung? Welchen Eindruck machen die Bewohner*innen auf Sie? Wie ansprechend sind die Räumlichkeiten eingerichtet? Könnte Ihre Mutter sich dort wohlfühlen? Wie können bzw. drüfen Sie das Zimmer mit eigenen Lieblingsmöbeln bestücken (falls Ihre Mutter etwa an einem Sessel o.ä. hängt und damit ein Zuhause-Gefühl verbindet)? Ist es dort düster und funzelig, was die Lichtverhältnisse angeht, oder schön hell? Riecht es "unauffällig", oder nach Urin (Das ist meist kein gutes Zeichen...)? Haben Menschen mit Demenz die Möglichkeit, selbstständig nach draußen in den Garten zu gehen...? Und fragen könnten Sie, wie man in den Häusern jeweils damit umgeht, wenn ein Mensch mit Demenz das Bedürfnis hat, sich mal "auszuklinken" und zurückzuziehen... wird ihm das zugestanden, oder ist er sozusagen verpflichtet, alle Angebote des Sozialen Dienstes in Anspruch zu nehmen und den ganzen Tag in einer großen Gruppe zu verbringen? Das tut nämlich vielen Erkrankten nicht gut, vor allem denen, die vor ihrer Erkrankung auch eher menschenscheu oder zurückgezogen gelebt haben - es stresst sie sehr und kann auch dazu führen, dass sie viel herum- oder weglaufen. Oder sogar anfangen zu schreien, weil sie ihr Gefühl von Reizüberflutung und Überforderung nicht anders äußern können...

    Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie ein möglichst gutes Haus finden!

    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

  • Hallo von Dob


    Unse Mum ist vor 8 Wochen ins Pflegeheim gekommen. Wir sind bei der Auswahl einer Empfehlung gefolgt, weil es zemlich plötzlich gehen musste. Nach den Erfahrungen bisher würde ich genau die von sonnenblümchen aufgezählten Punkte in den Vordergrund stellen, wenn du Gelegenheit bekommst, Heime zu prüfen.


    Lass dich nicht entmutigen und versuch immer das Beste, auch wenn du vieles nicht rauskriegen und kontrollieren kasst. Es ist in der Heimwelt anscheinend oft so, dass man nur das Beste aus dem machen kann, was möglich ist, und man mit Realitäten konfrontiert wird, die man sich und seinen Eltern nicht wünscht. Wir mussten uns daran gewöhnen, dass sehr vieles, was man sich an Informationsaustausch und empatischer Pflege und Einbindung von Angehörigen usw. gut vorstellen könnte, im Heimalltag mit riesigen Einschränkungen und Hindernissen verbunden ist, wegen der meist schlechten Personalsituation und der schwierigen Kommunikation unter allen Beteiligten, noch mehr jetzt in der Pandemie.


    Viel Glück bei der Suche, liebe Grüße

  • Hallo vonDob,

    Sie haben bereits eine Menge guter Ratschläge erhalten. Ergänzend möchte ich hinzufügen:
    Gehen Sie zum Besichtigungstermin nicht alleine. Sorgen Sie dafür, dass Sie jemanden haben mit dem Sie sich über Ihre Eindrücke austauschen können.
    Weiter legen Sie Ausnahmsweise nicht allzuviel Wert auf Pünktlichkeit zum Termin, falls möglich. Seien Sie ruhig etwas früher da und schauen Sie, wie man auf die "Störung" reagiert und welchen Eindruck Sie abseits vom offiziellen Termin gewinnen.
    Alles natürlich unter dem Vorbehalt, dass dies aufgrund aktueller Bestimmungen möglich ist.
    Sie können auch eine der im Internet erhältlichen Heim-Check-Listen nutzen, die Sie darin unterstützen können, Fragen zu klären und eine Einschätzung vorzunehmen.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.
    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Hallo von Dob,

    noch eine kurze Ergänzung zu Ihrer Frage nach der Medikamentengabe.

    Ein Neuroleptikum ohne die Einwilligung der Bevollmächtigten zu geben, ist nicht nur unüblich, sondern auch nicht statthaft.

    Haben Sie eine Vorsorgevollmacht oder eine Generalvollmacht? Ansonsten haben Sie leider als Angehörige wenig Einfluss auf die Behandlung.

    In dem zukünftigen Domizil Ihrer Mutter sollten Sie nach dem Prozedere bei der Medikation fregen, damit so etwas nicht noch einmal ohne Ihre Einwilligung erfolgt.

    Beste Grüße von

    Klaus Pawletko

  • Ganz lieben Dank für Ihre/Eure ausführlichen Rückmeldungen. Wir haben ein Heimplatz in meiner Nähe bekommen. Morgen kann meine Mama umziehen. Auch werde ich weiterhin auf Eure Ratschläge achten und sehen, wie manches umgesetzt wird oder nicht.

    Liebe Grüße

    CvonDob :)

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