Herausfordernde Verhaltensweisen einer Demenzkranken und ihre Unterbringung

  • Hallo liebes Forum,


    ich habe dieses Forum hier empfohlen bekommen und wende mich auch direkt mit einem schwierigen Thema an euch, in der Hoffnung ein paar gute Ratschläge zu bekommen.


    Meine Tante, 84, lebt seit ca. 7 Wochen erst auf einer Demenzstation einer großen Seniorenwohnanlage in Hamburg. Bis vor 2 Monaten hat sie noch alleine gelebt und ihren Alltag relativ selbständig gemeistert. Es zeichnete sich aber immer mehr ab, dass das nicht mehr lange gut gehen würde, da ihre Demenz immer weiter fortschritt. Leider fällt es ihr schon ihr ganzes Leben lang sehr schwer um Hilfe zu bitten und auch überhaupt Hilfe anzunehmen. Außerdem hat sie das Messiesyndrom. Meine Schwester und ich haben uns die letzten 2 Jahre intensiv um sie und ihre Wohnung gekümmert, soweit sie es zuließ. Mit der Zeit ließ sie uns immer mehr helfen und wir waren guter Dinge. Leider ging dann aber alles sehr schnell. Zuletzt wurde sie verwirrt und scheinbar mit Schmerzen von der Polizei aufgegriffen und ins Krankenhaus eingewiesen. Dort stellte man "nur" einen Harnwegsinfekt fest, da sie aber auf das Krankenhauspersonal aggressiv abwehrend reagierte und sehr verwirrt schien, wurde sie in die Gerontopsychiatrie überwiesen. Von uns durfte damals keiner zu ihr, aufgrund von Corona, sie war dort völlig alleine und verstand nicht was mit ihr geschah.

    Ich versuche mich ein bisschen kürzer zu fassen. Letztendlich mussten wir dann sehr schnell einen Pflegeplatz für sie finden, weil sie nicht mehr zurück in ihre Wohnung sollte/durfte.

    Tatsächlich klappte es auch recht schnell, dass wir in einer sehr schönen Anlage ein tolles Zimmer für sie bekamen, auf einer Demenzstation. Die ersten Wochen waren äußerst schwierig, sie wollte wieder nach Hause, fühlte sich nicht wohl, wollte niemanden an sich ran lassen, beim Abschied von uns wurde es jedes Mal sehr dramatisch. Wir besuchten sie so oft es ging und wenn wir da waren, war sie recht gut drauf und auch einigermaßen klar. Und mit der Zeit wurde es immer weniger schlimm, wenn wir wieder gingen. In den letzten Wochen schien sie sich wirklich dort einzuleben. Doch leider fing sie vor einiger Zeit an Dinge vom Balkon zu schmeißen, Kuscheltiere, Papiere, Taschen. Daraufhin wurde ihre Balkontür verschlossen. Dann ging sie in fremde Zimmer und warf dort etwas hinunter. Außerdem sammelte sie etliche Dinge aus fremden Zimmern zusammen, weil sie dachte es sei alles ihres. Letzte Woche warf sie leider dann einen Bilderrahmen hinunter, der auf dem Kopf einer Mitarbeiterin landete und sie leicht verletzte. Die stellvertretende Stationsleiterin wollte sie daraufhin eigentlich gleich in die Psychiatrie einweisen lassen, aber die Neurologin verschrieb erst einmal eine höhere Dosis Risperidon. Problem war bloß, dass die Einnahme nicht immer klappte, da meine Tante so misstrauisch ist. Aber es sollte erst einmal abgewartet werden, ob das Medikament bei dem Problem hilft.

    Heute dann ist es aber leider schon wieder passiert. Sie warf wieder etliche Dinge raus, woraufhin sofort die Einweisung in die Gerontopsychiatrie folgte, da die Station das Verhalten nicht mehr tragbar fand.

    Nun ist es so, dass dies kein aggressives oder böswilliges Verhalten ist, sagt auch ihre Bezugspflegerin. Keiner weiß was da in ihr vorgeht, wenn sie das tut und sie selbst erinnert sich im Nachhinein nicht mehr daran.

    Ich war dann heute direkt hingefahren und habe sie ins Krankenhaus und auf die Station begleitet. Die Ärztin des Krankenhauses erzählte mir dann, dass das Heim außerdem meldete, dass es halt schwierig mit meiner Tante sei, weil sie sich manchmal nicht anziehen möchte und dann unten herum nackt oder nur mit Unterhose bekleidet herumläuft.

    Es scheint als wolle man sie dort nicht mehr wieder aufnehmen, aber im Krankenhaus wissen sie auch gar nicht so recht wie eine Behandlung der Problematik gestaltet werden könnte. Sie bleibt nun dort zur Beobachtung und um zu schauen was und ob man was tun kann.

    Wir müssen nun einen neuen Pflegeplatz für sie suchen, befürchten aber, dass andere Einrichtungen auch nicht auf solch herausfordende Verhaltensweisen eingestellt sind. Wir sind gerade ziemlich verzweifelt, da wir nicht so recht wissen was jetzt das Richtige ist. Unserer Auffassung nach gehören solche Verhaltensweisen auch durchaus zum Krankheitsbild der Demenz und wir waren davon ausgegangen, dass eine spezielle Demenzstation mit so etwas umzugehen weiß. Wir sehen nicht so recht die Notwendigkeit der Psychiatrieunterbringung und befürchten sehr, dass der Aufenthalt dort ihren Zustand bloß verschlechtert. Auch wollen wir sie eben nicht in einer geschlossenen Einrichtung unterbringen. Was gibt es für Pflegeheime, die mit solch Fällen umzugehen wissen? Hat hier jemand Erfahrungen mit solch schwierigem Verhalten und demenzkranken Menschen, die nicht ins "System" passen?

  • Hallo Mathilda,

    jedes Krankenhaus hat eine sog.Sozialdienst oder Entlassungsmanagement...diesen unbedingt in die Pflicht nehmen und die müssen helfen bei der weiteren Unterbringung...selbst muß man dann natürlich sagen, dass man selbst die Pflege nicht gewährleisten kann und eben eine geeigenter Heimplatz gesucht werden muß....

    evtl kann vorübergehend eine geschlossene Unterbringung sinnvoll sein..aber da ist wiederum eine richterliche Genehmigung nötig....

    Ich rate das selbst aus eigener Erfahrung bei meinen Eltern....

    Bei Unterbringung gegen den Willen in eine geschlossene oder sog. beschützte Abteilung in einem Pflegeheim ist in der Regel eine richterliche Genehmigung nötig...sind Sie rechtliche Betreuerin oder haben Sie Betreuungsvollmacht?..

    Evtl ist auch sinnvoll vorab mit dem Betreuungsgericht, also dem Rechtspfleger dort einmal zu telefonieren und um Rat zu bitten..das ist oft hilfreich...


    Leider ist es so...das der "schwarze Peter" oftmals weitergeschoben wird....lassen Sie sich nicht abwimmeln...


    Lesen Sie noch einmal den Heimvertrag genau durch....was steht da..bzgl. Demenzerkrankung?....wieso sollten Sie jetzt gleich wieder von dort weg???


    Viele Grüße und viel Kraft...

  • Hallo hanne63,


    die Einweisung in die geschlossene Gerontopsychiatrie ist ja nun leider schon geschehen heute. Es ging alles so schnell und ich war selbst vollkommen überfordert mit der Situation. Wir wollten das überhaupt nicht. Im Krankenhaus habe ich dann aber blöderweise diesen Wisch unterschrieben, der die Unterbringung wohl beantragt. Kann ich das wieder zurücknehmen? Ich war selbst etwas neben mir, hatte noch im Kopf zu fragen was geschieht, wenn ich das nicht unterschreibe, aber im selben Moment habe ich einfach unterschrieben. Ich konnte nicht klar denken in dem Augenblick.

    Aber wo sollte sie sonst auch hin auf die Schnelle, wenn das Heim sie "nicht mehr will"?


    Aber die Psychiatrie ist in gar keinem Fall der richtige Ort. Dort hat sie letztes Mal schon so abgebaut, weil wir sie ja auch nicht besuchen durften und telefonieren aufgrund ihrer Schwerhörigkeit so schwierig war. Zum Glück sind wenigstens die Coronamaßnahmen zur Zeit wieder gelockerter und man darf wieder zu Besuch. Ich werde morgen gleich wieder hin.

    Sie ist dort leider auch in einem Zweibettzimmer. Ich habe ihre Zimmernachbarin vorhin kennengelernt. Sie wird sie noch viel verrückter machen, wenn die die ganze Zeit zusammen in einem Zimmer hocken müssen. Meine Tante ist es gewohnt alleine zu sein und braucht das auch.


    Meine Schwester und ich haben die vollumfängliche Vorsorgevollmacht, allerdings wurde diese schon beim letzten Aufenthalt im Krankenhaus angezweifelt, da wir sie erst im Dezember letzten Jahres mit ihr ausgefüllt haben und ihre Geschäftsfähigkeit zu diesem Zeitpunkt bezweifelt wurde. Wir mussten eine Stellungnahme an das Gericht senden und warten gerade auf Nachricht.

  • Guten Morgen Mathilda,

    in der Geropsychiatrie können vielleicht die Medikamente besser "zusammengestellt" werden, muß also nicht immer schlecht sein.

    Die Problematik der 2-Bett-Zimmer gibt es häufig....auch in Pflegeheimen....Einzelzimmer sind z.B. bei uns praktisch nicht vorhanden......und wenn, dann nicht zu bekommen.....das ist halt leider Realität.


    Vielleicht hilft es, vorab mit dem Rechtspfleger beim Betreunngsgericht zu telefonieren......er könnte dann auch sagen, ob es sinnvoll wäre....einen Antrag auf rechtliche Betreuung zu stellen und diese dann selbst zu übernehmen.....dann gäbe es die Probleme mit der Anerkennung der Vollmacht in den Krankenhäusern nicht mehr.....


    Ich hoffe, dass Ihnen bald hier auch die Fachleute im Forum weiteren Rat geben.Das dauert manchmal etwas länger....


    viele Grüße

  • Hallo Mathilda,


    Da hat sich inzwischen viel getan und es kommt vieles zusammen.


    Das Personen in andere Zimmer gehen und Gegenstände mitnehmen, das ist auf Demenzstationen oftmals die Realität.

    Ein Zimmer mit Balkon ist natürlich schön, aber man hat den ja absperren können, was man auch getan hat. Aber wenn die Tante wandert, dann kann sie auch von anderen Balkonen Gegenstände runterwerfen.

    Es ist schade, dass man die Ursache für das Werfen nicht herausgefunden hat, sonst hätte man hier, vielleicht über die Betreuung auf der Station, etwas machen können.

    Und leider muss man sagen, dass nicht jeder Pfleger das Einfühlungsvermögen hat, sich auf die Demenzkranken einzustellen. Das habe ich leider auch erleben müssen. Bei dem einen Pfleger, der ihr liebevoll jeden seiner Schritte erklärt hat und der empathisch in all dem Stress, den Patienten immer im Mittelpunkt gesehen hat, da ging dann viel mehr, als bei anderen Pflegern. Er sagte auch: Es kommt darauf an wie man das macht. Und bei meiner Bekannten war es auch so, dass das männliche Personal eher akzeptiert wurde als Frauen, aber es kam auch oftmals auf die Situation selbst an usw.

    Aber natürlich gab es auch Tage, da hat das auch mit viel Empathie kaum funktioniert oder erst Stunden später.

    Die Heime sind hier aber nicht immer flexibel, wegen Personalmangel, gestressten Mitarbeitern usw.


    Und leider hat man selbst oftmals keine andere Wahl, als ein Heim, wenn der oder die Patientin nachts Hilfe braucht und wenn sie sehr verwirrt ist und die Hilfe immer mehr abgelehnt wird. usw.


    Die bessere Lösung ist ja immer eine Demenzwohngruppe, wenn die betroffene Person rechtzeitig dorthin umzieht und sie hier noch den Alltag mitgestalten kann. Das wäre vor der Krankenhauseinweisung vielleicht noch möglich gewesen. Jetzt ist ihr Zustand wahrscheinlich so viel schlechter, dass hier erst einmal nichts geht.


    Richtig Mist ist, dass die Tante sich bereits in dem Heim gut eingelebt hat, bis auf ihre Macken, die man leider nicht deuten konnte und wo man ihr nicht helfen konnte.


    Das Medikamente nicht genommen werden, das kann an vielem liegen. Hilfreich ist es oftmals wenn jeden Tag eine Person zu Besuch kommen kann. Das müssen auch nicht die Verwandten sein. Das können auch ehrenamtliche Personen sein oder eine Seniorenbetreuerin, wenn man das Geld dafür hat. Wenn in dieser Zeit die Medikamente genommen werden, dann wäre das auch schon ein erster Schritt.


    Wie Hanne schon sagt, jetzt geht es darum, dass erst einmal ein Platz für die Tante gefunden wird. Und für dich Mathilda wäre eine umfangreiche Beratung in einem Demenzzentrum oder von einer Seniorenberaterin der Stadt sicher wichtig. Mir hat das immer sehr viel geholfen, so dass ich immer wieder Land gesehen habe.


    Am Wochenende wird sicher noch ein Experte antworten.


    Liebe Grüße an Dich

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Mathilda, über Ihren Bericht habe ich lange nachgedacht. Das Werfen über den Balkon gehört tatsächlich nicht zu den typischen Symptomen einer Demenz, denn eigentlich beschreiben Sie Ihre Tante biografisch als „Sammlerin“. Haben Sie eine Erklärung, warum sie jetzt das Gegenteil tut? Haben Sie eine Vorstellung, aus welchem Gefühl heraus Ihre Tante handelt? Jede Form von Verständnis gibt uns Handlungsmöglichkeiten, deshalb würde ich von einer Demenzeinrichtung erwarten, dass sie von sich aus nach Erklärungen oder „Verstehenshypothesen“ sucht. Dies fordert der „Expertenstandard zur Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“.

    Wenn ich in die Behandlung eingebunden wäre, würde ich zunächst ein „Spiel“ - z.B. ein provozierendes Motiv - und den Einfluss krankheitsbedingter Faktoren prüfen: Eine schmerzhafte Blasenentzündung ist oft mit akuter Verwirrtheit verbunden, die sich durch die richtige Behandlung auch bei einer Demenz schnell zurückbildet. Risperidon setzt an dem Erklärungsversuch an, dass ein wahnhaftes Erleben im Vordergrund steht, sie schreiben ja von dem Misstrauen.


    Sie können nicht von einer Demenzeinrichtung erwarten, dass dort alle Probleme gelöst werden – auch wenn die Einrichtung im Hamburger Modell ist und damit eine bessere Finanzierung und Ausstattung hat – eine 1:1 Betreuung ist bestenfalls kurzfristig möglich. Zudem ist ein großes Problem in den Demenzeinrichtungen, wenn dort Menschen leben, bei denen die Demenz nicht im Vordergrund steht, sondern eine psychische Erkrankung. Welchen Wert hat Ihre Tante bei dem sogenannten „Mini Mental State“?


    Es kann gut sein, dass der Wechsel in eine andere Einrichtung eine echte Chance für einen Neustart ist und die Einrichtung (mit aktiver Hilfe der Angehörigen) alles tut, dass sich ein altes Verhaltensmuster nicht wieder entwickelt. Aber vorher würde ich in der alten Einrichtung nach der „Verstehenshypothese“ und Interventionen für den Fall der Rückkehr fragen – der Vertrag ist ja sicher noch nicht gekündigt. Die Klinik kann auch eine „Belastungserprobung“ unterstützen, d.h. Sie würden Ihre Tante für einige Stunden in die Einrichtung bringen und die Rückkehr professionell mit vorbereiten.

    Die Klinik ist übrigens auch verpflichtet, den Expertenstandard umzusetzen. Ich bin gespannt, auf die weitere Entwicklung und die unterschiedlichen Erklärungsmodelle für das Verhalten.

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Mathilda,

    Möchte nur kurz beitragen, dass es durchaus spezielle Pflegeheime für Demenzerkrankte mit herausforderndem Verhalten gibt. Mein Vater war in einem solchen, nach richterlicher Anordnung durch die rechtl. Betreuerin organisiert. Man ging dort ausgesprochen liebevoll und mit mehr Personal auf die Bewohner ein. Es war ein offiziell geschlossenes Haus, aber so eingerichtet, dass sich niemand wie im Gefängnis vorkam, mit großem Garten etc.


    Im Heim meiner Mutter ist der Personalschlüssel vermutlich "normal" mit 1 vollzeitstelle auf 20 Bewohner. D.h.man kann nicht permanent alle Bewohner im Blick haben, schon gar nicht in deren Zimmer.

    Liebe Grüße

    Rose60

  • Hallo nochmals,

    ich möchte nach nachtragen: in dem Heim meiner Eltern sind z.b. auf der geschützten (geschlossenen) Station die Fenster und Balkontüren abgesperrt....so kann gar nichts rausgeworfen werden und was noch wichtiger ist: es kann auch kein Bewohner runterspringen etc.....so sollte es ja auch sein.....


    viele Grüße

  • Mathilda,


    wie geht es Dir und deiner Tante?


    Liebe Grüße

    Hallo Teuteburger und alle anderen,


    wie lieb, dass du fragst. Tatsächlich geht es mir überhaupt nicht gut. Ich bin am Ende meiner Kräfte und Nerven und nur noch erschöpft. Ich habe sowieso meine "eigenen Problemchen" und das mit meiner Tante belastet mich zur Zeit extrem, kann davon überhaupt nicht mehr abschalten und habe das Gefühl ihr nicht gerecht werden zu können und sie im Stich zu lassen.

    Es fing an entlastend zu werden als sie noch im anderen Heim war und es war so erleichternd, dass sie sich einlebte und nun alles auf Anfang. Nebenbei immer noch die Auflösung der Wohnung. Noch dazu die Enttäuschung über das Vorgehen des Heims, dass sie uns nicht eingebunden haben, sie so schnell aufgegeben haben. Es ist einfach richtig frustrierend wie es gelaufen ist.


    Ich war ja leider nie dabei als sie Dinge vom Balkon schmiss, aber ich denke es war vielleicht so eine Art Freiheitsdrang, sie wollte immer gerne rausgehen, durfte aber nicht, vielleicht wollte sie ihren Dingen die "Freiheit schenken" oder sie hatte Angst, dass die Sachen geklaut werden. Dann hat sie sie lieber rausgeschmissen. Es könnte auch einfach Frustration und Langeweile gewesen sein. Wir wissen es nicht. Und von Seiten der Pflege wurde nicht viel versucht zu verstehen. Wir hatten noch um Klärung der Situation gebeten, aber nie eine Rückmeldung bekommen. Uns persönlich wurde ja nie kommuniziert, dass sie nicht mehr zurück kann, nur über die Ärztin des Krankenhauses. Was wir doch als eine sehr fragwürdige Vorgehensweise empfinden. Auch dass wir nicht versucht wurden bei der Medikamenteneinnahme mit eingezogen zu werden oder überhaupt bei der Lösungsfindung. Eine derbe Enttäuschung. Wir hatten zu Anfang einen so guten Eindruck der Einrichtung.

    Na ja, ist jetzt gelaufen.

    Heute ist sie in ein neues Heim gezogen. Es ging jetzt alles sehr schnell. Wir haben uns einige Heime mit freien Plätzen angeschaut, ganz offen die Problematiken angesprochen und die Leitung des jetzigem Heims hat auch mit Krankenhaus und vorigem Heim telefoniert, um meine Tante einschätzen zu können. Da sie ja auf der Geschlossenen im Krankenhaus war, konnten sie dort natürlich nicht beobachten wie es sich inzwischen mit dem Hinauswerfen verhält, aber sie ist jetzt in einem Zimmer im Erdgeschoss, in dem man die Fenster nur klappen kann. Manchmal wird sie aufbrausend oder wirft auch mal was auf den Boden. Ansonsten war sie wohl recht umgänglich, keine Hinlauftendenz. Allerdings hat sie auch einige Male Melperon bekommen, Risperidon weiterhin als tägliches Medikament. Sie wirkt insgesamt ruhiger, aber auch konfuser. Leider. Vor dem Krankenhausaufenthalt hatte sie tatsächlich auch noch recht klare Tage, an denen man sich gut mit ihr unterhalten konnte, natürlich eingeschränkt, aber man wunderte sich manches Mal.


    Ich habe große Bedenken, ob das gut geht jetzt. Sie ist in einem Zweibettzimmer, die Station ist recht wuselig und einige Bewohner recht laut. Ich befürchte, dass es ihr vielleicht zu viel wird und sie mehr Ruhe braucht. Aber wir werden sehen.

  • ... Welchen Wert hat Ihre Tante bei dem sogenannten „Mini Mental State“?


    ... Aber vorher würde ich in der alten Einrichtung nach der „Verstehenshypothese“ und Interventionen für den Fall der Rückkehr fragen – der Vertrag ist ja sicher noch nicht gekündigt. Die Klinik kann auch eine „Belastungserprobung“ unterstützen, d.h. Sie würden Ihre Tante für einige Stunden in die Einrichtung bringen und die Rückkehr professionell mit vorbereiten.

    Die Klinik ist übrigens auch verpflichtet, den Expertenstandard umzusetzen. Ich bin gespannt, auf die weitere Entwicklung und die unterschiedlichen Erklärungsmodelle für das Verhalten.

    Ihr Martin Hamborg

    Guten Abend Herr Hamborg,


    von einem Mini Mental State habe ich noch nie gehört. Als sie noch alleine lebte, war ich mit ihr bei der Neurologin, dort wurde einiges abgefragt und getestet, auch ein MRT gemacht, aber so einen Wert haben wir nie bekommen. Es wurde nur gesagt, dass eine Alzheimer-Demenz vorliegt und es keine anderen Erklärungen für die Symptome gibt. Ich glaube die Untersuchung wurde recht kurz gehalten. Ich habe schon in anderen Foren von viel umfangreicheren Tests und eben solchen Werten gelesen, aber bei ihr wurde so etwas leider nicht durchgeführt. Würde das denn helfen können?


    Ich hatte mich mit der Bezugspflegerin über das Verhalten meiner Tante unterhalten als sie schon eingewiesen wurde und versucht herauszubekommen, ob es Hypothesen dazu gibt. Sie meinte nur sie wisse es nicht, sie hätte sie einmal beobachtet als sie ihr Lieblingsstofftier herunterschmiss und da sagte sie wohl noch zu "ihm": Hab keine Angst! Guten Flug! Von daher meine Hypothese, dass sie ihm die Freiheit schenken wollte. Ich würde es auch so gerne verstehen. Auch was vorher für Situationen herrschten und wie von Seiten der Pflege darauf reagiert wurde. Aber zu weiteren Gesprächen war man wohl nicht bereit. Gerne hätte ich solch Belastungserprobung einmal ausprobiert und unterstützt. Ich hoffe nun sehr darauf, dass es in ihrer neuen Unterbringung besser läuft und die Kommunikation und Einbeziehung der Angehörigen professioneller verläuft.

  • Mathilda, das ist harter Stoff


    Ich weiß auch wie es mit den eigenen Baustellen ist und dann die Zusatzbelastung. Man kann nicht wirklich so helfen, wie man es gerne möchte, weil man auf "äußere" Umstände und auf Personen angewiesen ist, wo man merkt, es läuft eben doch nicht so gut.

    Das dass Heim so schnell aufgegeben hat, finde ich unprofessionell.


    Jetzt gibt es einen Neustart. Ich würde der Sache Zeit geben, schauen, wie sie sich nach und nach einlebt. Vor allem würde ich darauf achten, welche Pfleger mit dir das Gespräch suchen und wie man auf die Tante eingeht. Man merkt auch mit der Zeit mit wem man ein kurzes Gespräch über die Tante führen kann.

    Hanne hat an einer Stelle hier im Forum von einer Demenzkatze etwas geschrieben. Diese hat ihrer Mutter gut getan. Vielleicht wäre das auch etwas für die Tante?


    Ich hoffe, dass es jetzt einfach besser läuft. Versuche dir selbst, wenn möglich irgendeine Auszeit zu geben, mit etwas, was dir kurzfristig etwas Freude bereiten kann. Bei mir war das ein kurzer Spaziergang um die vier Ecken, um mich zu sammeln und abends, nach getaner Arbeit, noch irgendeine uralte Serie, mit wenig Aufregung ect.


    Sei gedrückt und liebe Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von Teuteburger () aus folgendem Grund: Fehlerteufel

  • Es tut auf jeden Fall schon mal sehr gut sich hier auszutauschen. :)


    So eine Demenzkatze gab es tatsächlich im vorigen Heim, die hatte meine Tante auch eine Zeit lang für sich beansprucht. Sie sammelt sehr gerne aus sämtlichen Zimmern und Ecken alle Kuscheltiere zusammen und "füttert" und betüdelt sie dann. Ich glaube sie möchte sich gebraucht fühlen. Sie kümmert sich einfach gerne um andere. Sie hat schon seit mehreren Jahren (als uns noch nicht mal klar war, dass sie Demenz hat) eine Stoffmaus, die ihr Ein und Alles ist und die überall mit hin muss.

    Gerade heute habe ich eine Empathiepuppe für sie bestellt. Im Heim gab es so eine riesige Bauchrednerpuppe, die sie ganz toll fand, deshalb dachten wir wäre so eine menschliche Puppe vielleicht schön für sie. Ich bin gespannt was sie sagen wird.


    Ja, ich muss dringend mal wieder was Schönes für mich tun. Zur Zeit fehlt mir für alles die Energie. Wenn der Fernseher mal an ist, nervt er mich nur und ich brauche Ruhe. Wenn sich alles gut entwickelt, wird es mir sicher auch wieder besser gehen können. Ich hoffe es.


    Liebe Grüße und Drücker zurück!

  • Ich hätte noch eine Frage, vielleicht kann mir da jemand was zu sagen hier.

    Das Heim, in dem meine Tante jetzt ist, ist leider eines der teureren. Sie kann die Kosten einige Jahre von ihrem Ersparten zahlen, doch werden diese irgendwann aufgebraucht sein. Wir haben dies ganz offen im Heim angesprochen und dort meinte man, dass man darüber jetzt noch nicht sprechen müsse. Auch im vorigen Heim haben wir keine konkrete Antwort darauf bekommen wie es weitergeht, falls sie die Kosten nicht mehr tragen kann. Müsste sie dann ggf. in ein günstigeres umziehen oder wie wird so ein Fall in der Regel gehandhabt? Mir macht das jetzt schon Sorgen, obwohl es natürlich noch Jahre hin ist, aber ich möchte gerne darüber im Klaren sein was dann passiert. Weiß das einer von euch oder hat es vielleicht sogar schon einmal erlebt? Kinder hat sie keine.

  • Ja, ich bin eine ganz schlimme Nachteule, Vampir trifft's vielleicht sogar besser. ;)


    Das ist ja super. Vielen lieben Dank! Das werde ich mir anschauen.


    Liebe Grüße

  • Hallo,

    ich habe den Link jetzt mal durchgelesen...er ist insoweit nicht mehr aktuell, als dass Kinder nur noch unterhaltspflichtig sind, wenn sie über 100.000.-- € Einkommen jährlich haben.....da gab es kürzlich eine Gesetzesänderung.....(ich glaube ab 1.1.2020)

    ....auch geht die Broschüre nicht auf die Frage ein, ob das "Sozialamt" verlangen kann, dass der Bewohner im Unterstützungsfall in ein billigeres Heim umziehen muss......(dort müßte dann ja auch erst einmal ein Platz frei sein).....


    Liebe Grüße

  • Danke Hanne,


    leider bin ich zum gleichen Ergebnis gekommen. Das so etwas Unaktuelles noch gelesen werden kann, ist schon mal schlecht.


    Mathilda, ich werde weitersuchen. Leider kenne ich mich da selbst auch gar nicht aus. Es kann aber sein, dass wir irgendwann in eine ähnliche Situation kommen.


    Ich bin auch eine Nachteule, aber das hat auch mit den Arbeitszeiten meines Mannes zu tun. Ich bin aber auch eher der Typ Spätschicht. Dann passt es wiederum.


    ------------------------


    Ich habe jetzt etwas gestöbert und habe diese Anleitung gefunden.

    Ich denke das passt etwas besser, um die Frage zu beantworten.

    Es ist, so lese ich das hier heraus, ein individuelle Angelegenheit.


    https://www.biva.de/beratungsd…gern-bei-der-heimauswahl/


    Ich werde aber, um Sicher zu gehen, beim Heim selbst nachfragen, wie in solchen Fällen erfahrungsgemäß entschieden wird.


    Liebe Grüße an Euch beide

  • Hallo Mathilda und andere,

    mir wurde im Heim meiner Mutter mitgeteilt, wenn ihre Ersparnisse auf weniger als 10.000 Euro geschrumpft sind und auch das Eigenheim aufgebraucht ist, ein Pflegewohngeld vom Sozialamt zugezahlt wird. Von daher würde ich nicht davon ausgehen, dass meine Mutter umziehen muss. Das wäre schlimm. Hier sind aber die Heime eh ziemlich gleich teuer.

    Liebe Grüße

    Rose

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Mathilda, auf der einen Seite ist es hilfreich, wenn Sie sich mit der aktuellen Diskussion um die Zuzahlung beschäftigen. Tatsächlich möchte ich mich der Gelassenheit des Heimes anschließen, denn wir können in den nächsten Jahren politische Entscheidungen erwarten und wenn die nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind, auch juristische.

    Leider gibt es Sozialämter, die Auszüge aus teureren Einrichtungen fordern, aber ersten gehe ich davon aus, dass dies politisch gestoppt wird und falls nicht, werden die Sozialgerichte dies tun.


    Von allem was Sie schreiben, war die Entscheidung für die neue Einrichtung richtig und ganz offensichtlich bestätigt sich Ihre Verstehenshypothese, dass Ihre Mutter nun stärker aus dem Bedürfnis nach Fürsorge handelt.

    Den letzten Wert für den Mini-Mental-State müssten Sie eigentlich aus dem Entlassungsbericht des Krankenhauses entnehmen. Der Test ist Standard und wird (mindestens nebenbei) als Kurzform auch bei jeder MDK-Begutachtung und bei einer geriatrischen oder nervenärtzlichen Untersuchung genutzt. Die erste Frage ist: "Welchen Tage haben wir heute?"

    Eine Erkenntnis möchte ich noch dringend bestätigen: ... "dass Sie nun dringend etwas für sich tun" dürfen und ich würde sagen müssen!

    Ihr Martin Hamborg

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