"was soll ich in denn da?" (Tagespflege)

  • Hallo,


    seit etwa 10 Tagen lese ich hier mit und werde nun auch aktiv.


    Ich freue mich über kreative Ideen zu folgender Frage:


    Mein Vater soll ab morgen eine Tagespflege besuchen. Wie oft pro Woche ist noch nicht entgültig festgelegt.

    Natürlich stellt sich ihm (er weiß erst seit heute davon - wir wollten es nicht eher mit ihm besprechen, da er sonst tagelang "nervös" gewesen wäre) die Frage "was soll ich da?"


    - Leute kennen lernen

    - mal was Anderes sehen


    --> das "braucht" er seiner Einschätzung nach nicht


    Tatsache ist, dass ich es initiiert habe, damit meine Mutter als Hauptpflegeperson etwas entlastet wird (ich bin die Tochter, zwar täglich im Kontakt, aber nicht mit im Haushalt lebend). Natürlich soll er dort auch mental angeregt werden. Ich werde ihn morgen hinbringen zum "Schnuppertag".


    Vielleicht habt Ihr/haben Sie noch eine kreative Idee, womit ich ihm (noch nie ein geselliger Mensch gewesen) die Tagespflege noch schmackhafter machen kann.


    Interessierte Grüße

    Inkognita

  • Hallo Inkognita,


    ich denke, wirklich schmackhaft machen kann man die Tagespflege dem Vater nicht.


    Wenn er selbst keinen großen Wiederwillen hat, um überhaupt dahinzugehen, dann ist alles in Ordnung. Alles andere kommt von selbst, durch die eigene Erfahrung. So manch einer, der nicht dort hin gewollt hat, hat sich hinterher doch gut unterhalten und man wollte es dann auch regelmäßig machen.

    Bei anderen braucht das Eingewöhnen etwas Zeit oder es geht halt gar nicht.


    Wenn es nicht geht, dann bleibt einem immer noch, der Versuch mit einem Seniorenbetreuer oder einer Betreuerin. Auch dann kann die Mutter etwas anderes machen in der Zeit.


    Liebe Grüße

  • Wenn es nicht geht, dann bleibt einem immer noch, der Versuch mit einem Seniorenbetreuer oder einer Betreuerin. Auch dann kann die Mutter etwas anderes machen in der Zeit.

    Ja, vielen lieben Dank. Das ist unser "Plan B" :)

    Einmal editiert, zuletzt von Inkognita () aus folgendem Grund: Bearbeitet, da versehentlich die Antwort ins Zitatfeld mit eingefügt...

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Inkognita,

    das kommt natürlich auch auf den Grad der Demenz an: Ist Ihr Vater ein pflichtbewusster Mensch? Dann könnten Sie damit argumentieren, dass der Doktor den Besuch der die Tagespflege wenn nicht angeordnet, so doch angeraten hat, um das Gehirn anzuregen und den Abbau etwas zu verlangsamen.

    Darüber hinaus: Was hat Ihr Vater früher beruflich gemacht? War/Ist er beispielsweise handwerklich geschickt, oder im Umgang mit Menschen? Ist er ein sozialer (wenn auch nicht unbedingt geselliger) Mensch? Manch einen kann man damit aufgeschlossener stimmen, dass man ihm versichert, seine Hilfe sei dort gefragt (Das muss man natürlich vor Ort abklären, ob er dann wirklich irgendwie als Helfer beschäftigt und entsprechend gebauchpinselt werden könnte). Sei es als "Mann", sei es als "Kümmerer" für die hilfsbedürftigen älteren Menschen (So hat z.B. eine Angehörige ihren demenziell erkrankten Mann, der früher Arzt war, dazu gebracht, die Tagesstätte zu akzeptieren...).

    Mag er (noch oder überhaupt) Ratespiele, die man gewinnen kann? Oft werden in Tagesstätten ja Fragespielchen mit Gedächtnistraining verbunden, und wenn sein Allgemeinwissen noch abrufbar ist, könnte er daraus Befriedigung ziehen, oder einen gewissen Ehrgeiz entwickeln. Wird dort vielleicht manchmal zusammen gekegelt oder Fußball angeschaut? Das wären etwa Reize für sportbegeisterte Männer.

    Oder ist Ihr Vater ein emotionaler Mensch, und funktioniert die Beziehung zu Ihrer Mutter gut? Dann könnten Sie emotional argumentieren: Sicher möchtest du doch auch deine Frau entlasten, und dass sie sich keine Sorgen machen muss, wenn sie Dinge alleine zu erledigen hat.


    Ich drücke Ihnen die Daumen, dass irgendwas davon klappt!


    Freundliche Grüße,

    S. Sachweh

  • Hallo Inkognita,


    mein Vater geht seit ein paar Wochen in die Tagespflege (4x die Woche) und ihm tut es sehr sehr gut.


    Allerdings war/ist mein Vater ein geselliger Mensch, also stand ich nicht vor dieser Herausforderung.


    Ich hatte das kleine Glück das unser Schnuppertag Donnerstags war, an diesem Tag sind in unserer Tagespflege mehr Herren als gewöhnlich da und die Tagespflege organisiert Nachmittags einen Herrenstammtisch mit (alkoholfreiem) Radler, einer Brotzeitplatte und Kartenspielen. Das hat ihm sehr gut gefallen weil er auch früher gerne zu seinem Sonntagsstammtisch gegangen ist.


    Ich habe anfänglich auch nicht von Tagespflege sondern von einer Seniorengruppe/Seniorenbetreuung gesprochen. Auch ich konnte mir früher unter Tagespflege nichts vorstellen und wie vielen anderen auch die mit dem ganzen Pflegethema nie in Berührung gekommen sind (wie ich mittlerweile mitbekommen habe) ist die Assoziation zu Tagespflege eher in Richtung großem Krankenhauszimmer mit aufgereihten Pflegebetten. Das hat aber mit der Wirklichkeit nichts zu tun.


    Zu meiner Schwester meinte er kürzlich die Tagespflege wäre wie ein Kurhotel, diese Aussage hat mir recht gut gefallen.


    Ich habe als ich mir andere Angebote in meiner Gegend angeschaut habe mitbekommen das die meisten Tagespflegen (zumindest hier) einen ziemlichen Damenüberschuss haben, dementsprechend sind auch viele Aktivitäten ausgerichtet. Vielleicht mal Fragen ob einem Tag mehr Herren in der Tagespflege sind, vielleicht tut sich dein Vater an so einem Tag leichter? Wenn die Tagespflege in seiner Nähe ist und er schon lange dort wohnt vielleicht kennt er ja bereits einige Leute?


    Wenn mein Vater mal nicht so wirklich in die Tagespflege will zieht bei ihm eigentlich immer das Argument wie gut es ihm tut und das es ihm danach immer deutlich besser geht. (Was auch der Fall ist) Er will ja selbst das es ihm besser geht und da ist die Tagespflege halt die Medizin.

  • Oder ist Ihr Vater ein emotionaler Mensch, und funktioniert die Beziehung zu Ihrer Mutter gut? Dann könnten Sie emotional argumentieren: Sicher möchtest du doch auch deine Frau entlasten, und dass sie sich keine Sorgen machen muss, wenn sie Dinge alleine zu erledigen hat.

    Vielen lieben Dank für die vielen Ideen!


    Mit o. g. Aussage haben Sie mir den entscheiden Unterschied gegeben zu dem, was ich im Hinterkopf hatte, aber nicht sagen wollte. Denn ich hatte nur die Idee, ihm zu sagen, dass es auch der Entlastung seiner Frau dient. Und auch, wenn ich mir relativ sicher bin, dass er nicht auf die Idee käme (grundsätzlich wie von der mittlerweile ja etwas eingeschränkten Fähigkeit zum Reflektieren komplexer Zusammenhänge), dass er eine Belastung darstellt. Sehr schon "reframt" finde ich, dass sich meine Mutter dann weniger Sorgen machen muss. Denn das kann er dann nachvollziehen, denn meine Mutter ist oft recht besorgt.


    Alles Andere werde ich mal im Hinterkopf behalten, jedoch vielleicht wird das weniger "ziehen". Er ist gewohnt, dass sich die Welt um ihn dreht und alles ganz genau in dem Moment passiert, in dem er es erwartet/sich wünscht/verlangt/möchte....und das nicht erst seit der demenziellen Entwicklung...


    Ich werde berichten :)



    Ich hatte das kleine Glück das unser Schnuppertag Donnerstags war, an diesem Tag sind in unserer Tagespflege mehr Herren als gewöhnlich da

    Nach ebendiesem Argument hatte ich mit der Leiterin auch den Freitag für den Probetag (und ggf. die "Fortsetzung") ausgeguckt, dass da eine reine Herrenrunde ist.


    Danke fürs Mutmachen!!!


    Wie gesagt: ich werde berichten.
    Und wenn das noch nicht der für meinen Vater passende Weg ist, suchen wir einen anderen. "Versuch macht kluch" - mehr als Probieren kann ich im Moment wohl nicht.


    Herzliche Grüße in die Runde

    Inkognita

  • Einen schönen Freitag-Nachmittag,


    hier ein kleines Update: mein Vater war heute recht friedlich und still, als ich ihn zur Tagespflege daheim abholte. Er fragte weniger nach dem "was soll ich da" als auf der ca. 15-minütigen Fahrt etwa 10 Mal, wohin wir denn fahren. Er ließ sich dann aber von mir ablenken mit Hinweisen darauf, was er auf der Strecke sieht.


    Er blieb die vereinbarten 4 Probestunden dort. Meine Mutter holte ihn dann ab. Auf dem Heimweg ist er im Treppenhaus meiner Eltern kurz vor der Wohnungstür leider mal wieder kollabiert. Das hatten wir in letzter Zeit nach Arztbesuchen auch mehrfach, dass ihm einfach die Beine wegknicken. ...ob es für ihn körperlich zu anstrengend ist oder irgendwas auf psychosomatischer Ebene, wissen wir noch nicht. Der Hausarzt hat bereits "Feintuning" an der Medikation betrieben. Auch das bleibt zu beobachten.


    Der Empfang heute früh war seitens der Mitarbeitenden sehr herzlich, so dass ich ihn auch wirklich gut "dalassen" konnte. Am Montag telefoniere ich mit der Leiterin. Meine Mutter ist in Sorge, da er so gar nichts erzählt und den Mitarbeitenden gegenüber wohl sehr verschlossen war. Ich habe sie zu beruhigen versucht, dass Verschlossenheit für die zum Alltag neuer Besucher gehört und solange er nicht aggressiv reagiert und spuckt, kratzt, schlägt, alles für die okay sein wird. Und da bin ich mir ziemlich sicher, dass er zwar in sich gekehrt war und alle Angebote abgelehnt hat, aber nicht aggressiv wurde.

    ... ich schmunzele gerade: kennen Sie/kennt Ihr von Loriot den Knollennasenmännchen-Sketch "Feierabend", in dem Hermann im Sessel sitzt und einfach nur da sitzen möchte...keinen Spaziergang (den hat er übrigens tatsächlich abgelehnt heute in der Tagespflege 8)), keine Illustrierte usw.


    Am Montag telefoniere ich wie gesagt mit der Leiterin, bin aber optimistisch, dass wir einen zweiten Versuch starten dürfen seitens der Einrichtung.


    Auch, wenn es noch lange nicht das Ende ist, bin ich über diesen kleinen Teilerfolg heute relativ glücklich.


    Ihnen/Euch auch ein glückliches, sonniges und soweit möglich entspanntes Wochenende!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Inkognita,

    man kann Ihre Erleichterung und Freude richtig herauslesen - ist ansteckend. Ich kenne wirklich viele gute Berichte von Angehörigen, denen die Tagespflege eine wirkliche Unterstützung war und ist im aufreibenden Alltag. Meiner Erfahrung nach lohnt es oft, dranzubleiben. Auch wenn es zwischendurch mal nicht geht, keine Bereitschaft da ist in die Tagespflege zu gehen und der Gewöhnungsprozess länger dauert: versuchen. Ich hoffe und wünsche Ihnen und Ihrem Herrn Vater, dass es auch in Zukunft gelingt mit der Tagespflege.

    Auch Ihnen ein schönes Wochenende.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

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