Aktivieren von hochbetagtem Demenzkranken sinnvoll?

  • Guten Abend in die Runde,

    ich bräuchte bitte Euren Rat, Tipps und Einschätzungen.

    Mein Vater ist jetzt 88, fast taub, mittelgradig dement und in einem Pflegeheim untergebracht.

    Schon zu gesunden Zeiten und als er noch jung war, wollte er stets seine Ruhe haben und nach getaner Arbeit (viele schwere und lange Arbeit) einfach nur schlafen....manchmal auch tagsüber...wenn ihn da jemand störte, wurde er wütend...er schlief abends auch oft vor dem Fernseher ein.


    Mit zunehmendem Alter und mit zunehmender Demenz hat er auch tagsüber immer häufiger geschlafen.


    Im Pflegeheim wird er nun aktiviert, also man möchte, dass er aufsteht, nicht so viel tagsüber schläft etc.....auch zur Teilnahme an Aktivitäten wird er öfter aufgefordert, er lehnt es aber meistens ab....(so wie ich ihn kenne, nervt ihn das einfach).


    Jetzt meine Frage: kann man ihm nicht einfach seinen Willen lassen und eben nicht mehr aktivieren und auffordern an irgendetwas teilzunehmen (er versteht akkustisch ja fast nichts)...und auch einfach so lange schlafen und im Bett liegen lassen, wie er eben möchte?.....es ist doch sein Wunsch.....also ich selbst wäre sehr genervt, wenn mich ständig jemand aus dem Bett holen würde etc....


    Also, was hat es mit dem ganzen Aktivierungsgeschehen auf sich?....was würde Schlimmes passieren, wenn das nicht mehr erfolgen würde?


    Ich wünsche meinem Vater so sehr, dass er einfach in Frieden gelassen wird und letztlich in "Ruhe einschlafen kann"......und ich bin mir sicher, dass er selbst das auch so möchte....


    Liebe Grüße

  • Lange schon lese ich mit (Tochter einer an Alzheimer Erkrankten) und werde mich demnächst vorstellen und über mich berichten. Genau diese o.g. Frage hat mich nun bewogen, mich anzumelden. Meine Mutter ist noch bei uns zu Hause, sie hat Alzheimer und ist 88. Unser Leben ist seither nicht mehr dasselbe ... wie ihres auch nicht. Doch nun zu der Frage der Aktivierung: Unser Grundsatz ist, dass sie (sobald sie niemandem und sich selbst nicht schadet), tun und lassen kann, was sie will, z.B. Toilettenpapierrollen in kleine Schnippsel zerschneiden und stapeln, Fusseln aufsammeln (sie war schon immer auf Ordnung bedacht), massenhaft unreife Himbeeren ernten (die müssen dann heimlich entsorgt werden), manchmal ewig lange im Sessel schlafen, sich NICHT mit uns unterhalten und sich auch nicht unterhalten lassen, einfach vor sich hinstarren ... Ihr geht es bei alledem gut. Für uns ist das wirklich eine Grundsatzentscheidung, wenn wir ein Pflegeheim für sie suchen. Dann werden wir genau darauf schauen, ob man sie da auch genügend in Ruhe lässt. Wir machen ihr hier auch Angebote, aber wir lassen sie sofort in Ruhe, wenn sie das möchte. Mit 88 und Demenz darf sie sich dieses Recht herausnehmen. Und ganz ehrlich gesagt, ist das der Punkt, der uns am wenigsten Sorgen macht bei ihrer Pflege. Sie war schon immer auf ihren Freiraum bedacht und das ist auch so geblieben. Es steht ihr frei, sich mit Nichtstun oder für uns nicht sinnhaften Dingen zu befassen. Und das ist mir bei der späteren Heim-Suche sehr wichtig. (Wir hatten sie schon in Kurzzeitpflege - da hat sie die Angebote gern angenommen, war aber immer froh, wenn sie ihr eigenes Ding machen konnte.)

  • Hallo,

    sonnenblümchen :) meine "Marschrichtung ist jetzt wieder mal klarer..danke...ja..die Beschäftigungspauschalen werden munter abgerechnet in den Heimen...obwohl die Bewohner gar nicht daran teilnehmen können mehr..aber ich rege mich gaaar nicht mehr auf darüber...es ist einfach zum....na Du weißt schon :)

    @schwarzerkater...ebenfalls danke...ja genau..ich sehe das genauso..vielen Dank für die Bestätigung :)


    danke an Euch..ohne das Forum hier wäre ich echt aufgeschmissen.


    Ich selbst würde durchdrehen, wenn ich immerzu "aktiviert" würde..ich versuche schon mein ganzes Leben lang "mein eigenes Ding" zu machen..und wehe im Pflegeheim später will man das dann ändern!!!


    liebe Grüße

  • Guten Mogen Sonnenblümchen und an alle anderen....


    in dem Stadium, in dem meine beiden Eltern sind, ist an Waffelbacken oder ähnliches gar nicht mehr zu denken.....nicht mal an Bewegungsübungen......oder Komunikation mit anderen Bewohnern......deshalb hatte ich die Vorstellung jetzt, dass es besser sei, sie einfach in Ruhe zu lassen,....auch wenn das dann das Bild gibt.....das uns alles noch mehr traurig macht....nämlich, dass ein alter kranker Mensch allein irgendwo herumsitzt...bzw. -liegt....


    Es könnte aber ja auch sein, dass dieses fortwährende Aktivieren, den Kranken vielleicht quält und/oder den ganz Prozeß hinauszögert...also Leidensverlängerung schafft......


    Ich wäre froh, Herr Hamborg oder auch eine andere Fachkraft würde etwas dazu schreiben......





    liebe Grüße

  • Guten Morgen an alle, Ich denke, es ist eine Frage des Abwägens. ... und natürlich der Motivations"kunst" wie sonnenblümchen in den 4 Punkten andeutet. Da ich aus dem Bildungsbereich komme, weiß ich, dass man mit guter Motivation viel ausrichten kann. Zwang ist vielleicht manchmal auch notwendig, aber das schlechteste Mittel der Wahl. Und es hängt auch sehr vom Alter und vom Zustand ab. So darf meine Mutter Schokolade nach Herzenslust essen, Marmeladengläser auslöffeln usw. Auf Flüssigkeitszufuhr achten wir (haben da so unsere Rituale), aber auch da geht die Welt nicht unter, wenn mal nicht so viel getrunken wird. Irgendwie kann ich mit alledem gut umgehen. Nichtsdestotrotz IST alles (die Sache insgesamt) wahnsinnig traurig und man hat das Gefühl, niemals wieder froh werden zu können. Man muss so viel entscheiden, wovon man weiß, dass die Person zu gesunden Zeiten etwas GANZ ANDERES gewollt hätte ... und das über lange Zeiträume hinweg. DAS ist es, was ich schlimm finde, alles andere tritt dahinter zurück. Ich fand, dass das damalige Kurzzeitpflegeheim sehr lieb motivierend auf die Menschen einging - da hatte ich ein gutes Gefühl.

  • Hallo in die Runde,


    für mich ist die Antwort recht eindeutig, denke ich. Auch die Demenzkranken haben einen gewissen Rhythmus.

    Morgens wollte ich von keinem aktiviert werden. Das mache ich heute schon selbst. Die meisten Demenzkranken brauchen morgens ihre Zeit ect. Und wenn der- oder diejenige dann wach und angezogen ist, dann kann man auch mal ein Angebot machen. Wird dies abgelehnt, dann lässt man denjenigen einfach in Ruhe.

    Man kann es nachmittags auch noch einmal erfragen. Und wenn dann immer noch Ablehnung ist, dann ist es auch gut. Bei mittelschwerer Demenz kann derjenige noch gut wissen, was er jetzt tun will und was nicht.


    So wie schwarzer Kater es beschreibt, genauso sollte es sein.

    Man merkt ja auch recht schnell, ob derjenige bei Aktivitäten noch mitmachen will und ob er wirklich noch etwas Spaß daran hat oder ob da im Grunde nichts mehr kommt.

    Es ist auch verständlich, dass der Demenzkranke irgendwann bettlägerig wird, wahrscheinlich schneller, als wenn er noch einige Aktivitäten mitmacht. Aber das ist dann der Lauf der Dinge. Und dann kann es auch mal recht schnell gehen. Aber das ist alles spekulativ. Menschen sind immer für eine Überraschung gut.


    Liebe Grüße an alle

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Hanne63,

    Aktivierung ist grundsätzlich gut, unter anderem aus all' den Gründen, die Sonnenblümchen aufgelistet hat. Zudem versucht man auch, die Menschen tagsüber zu beschäftigen, damit sie abends/nachts müder sind und die Auswirkungen der krankheitsbedingten Tag-/Nacht-Umkehrung weniger zu Buche schlagen. Aber Sie haben natürlich vollkommen Recht: Wenn jemand schon immer lieber seine Ruhe hatte, kann es für ihn letztlich eine Qual sein, immer wieder zu Gesellschaft und Aktivität genötigt zu werden - vor allem, wenn er/sie aufgrund seiner Schwerhörigkeit praktisch nichts vom Geschehen mitbekommt.

    Um entscheiden zu können, wie das im Falle Ihres Vaters ist, müsste man vor Ort beobachten, wie er konkret auf solche "Angebote" reagiert - und vor allem auch, was für einen Eindruck er in dem Moment macht, in dem er in einer Gruppe sitzt: Sieht er dann doch interessiert oder entspannt aus, oder wirkt er ausnahmslos überfordert und genervt? Beobachtet er das Geschehen, oder sinkt sein Kopf schnell auf die Brust? Versucht er, wegzulaufen, oder schimpft er vor sich hin? Oftmals lehnen Menschen mit Demenz nämlich sämtliche Aktivierungsangebote ab... manche, weil sie gar nicht verstehen, was ihnen vorgeschlagen wird, andere, weil sie Angst haben, sich in einer solche Situation zu blamieren - aber wenn sie einmal in der Gruppe sind, leben sie dann plötzlich doch auf und beteiligen sich. Wenn bei Ihrem Vater also Worte und Körpersprache sowohl im Vorfeld als auch während solcher Veranstaltungen nach wie vor signalisieren, dass er keine Lust dazu hat, und ihm das Angebot außer Stress und Überforderung absolut nichts bringt, sollten Sie im Heim darauf dringen, dass sein Charakter und sein Wunsch nach Ruhe respektiert wird.

    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

  • Liebe Frau Sachweh,

    vielen Dank für Ihre Antwort.

    Ich fühle mich jetzt bestärkt und werde mit den zuständigen Pflegekräften im Heim darüber sprechen. Danke für die Anhaltspunkte, die mir bei dem Gespräch helfen werden.


    Viele Grüße

  • Ja, ich sehe es einerseits so wie Frau Sachweh eingangs sagt. Ich denke auch, dass es sicher viele Vorteile hat, auch Demente zu aktivieren. Dabei - das schreibt sie auch - muss man die Person im Blick haben und fühlen, was diejenige braucht. In einer Gemeinschaft (Heim oder auch Familie) klappt das nicht immer und man muss Kompromisse eingehen, weil alle anderen ja auch irgendwie leben müssen. Dabei muss ich sagen, wenn ich meine Mutter (wie gerade eben) Toilettenpapierschnippsel nach "Fusseln" absuchen sehe (sie war eine sehr penible Person früher), dann bricht es mir natürlich das Herz und ich weine mich manche Nacht in den Schlaf. Aber sie sieht sehr glücklich und zufrieden aus dabei - es ist das, was sie noch kann. Sie kann und mag aber nicht mehr sprechen, nicht spielen oder irgendwas. Dann soll und darf sie auf ihren letzten Wegen tun und lassen, was sie möchte. Es ist ja das einzige, was ihr mit schwerer Demenz noch bleibt. Ich bete darum, dass man in dem künftigen Pflegeheim auf das alles Rücksicht nimmt/nehmen kann.

  • Ach, Ihr sprecht/Sie sprechen mir größtenteils so aus der Seele.


    Die Beschreibung deines Vaters, liebe Hanne, könnte fast wortwörtlich so von mir über meinen Vater stammen.


    Und auch ich habe mich schon oft gefragt, was ist notwendig/hilfreich und für wen ist es hilfreich, wenn er aktiviert wird?


    Der Verstand sagt - was hier ja auch beschrieben wurde - dass Aktivierung "schult", also sowohl die mentalen als auch die körperlichen Fähigkeiten. Innerhalb der letzten 24 Std ist mein Vater zweimal gestürzt. Zum Glück ohne Blessuren. Da frage ich mich schon: sollte man ihn mehr zu Bewegung "zwingen". Sich zu fragen, ob wohl ihn hätten vor Jahren, als er noch klarer im Kopf war, zur Ergotherapie, die der Arzt dringend empfahl, zwingen sollen? Damals war ich "irgendwie" schon dafür. Gemacht wurde es dann aber nicht. Zu sehr alte Strukturen "er ist der Boss und entscheidet".

    Jetzt wo ich/wir für ihn entscheiden, fällt es mir auch schwer. Vor rund einer Woche stellte ich seine Frage zur Tagespflege hier in den Raum "was soll ich dort?". Aktiviert werden. Für einen Misanthropen natürlich im Rahmen einer Gruppe schwierig. Jedoch lässt er sich auch im Stillen Kämmerlein nicht aktivieren. Verschläft den Tag. Hält Mutter (auch hier schon gefallenes Stichwort: Tag-Nacht-Umkehr) die ganze Nacht auf Trab.


    Es tröstet mich manchmal, dass andere ähnliche Gedanken kennen.

    Eine finale Lösung habe ich nicht - leider.

    Es tut aber gut, dass hier Austausch möglich ist... <3


    LG

    Inkognita

    • Offizieller Beitrag

    Hallo,


    für mich ist ganz klar: es gibt auch ein Recht darauf, in Ruhe gelassen zu werden.
    Alles andere ist eine Frage der Motivierung, des Angebots. In meinen Augen haben wir zumindest in Einrichtungen zuviel Beschäftigungsangebote mit "Eventcharakter". Singrunde, Gymnastikkreis, Hockergymnastik, Kochgruppe etc. pp. . Wo Menschen das Spaß macht, sie zu motivieren sind teilzunehmen - prima. Aktivität ist wichtig, weil damit einer ganzen Reihe von Problemen vorgebeugt oder begegnet werden kann (z.B. hier schon genannte Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen, aber auch sicheres Gehen / Gleichgewicht wird eben durch Aktivität trainiert, nicht durch Liegen etc.).
    Meiner Erfahrung nach hilft es manchmal ungemein, an frühere Gewohnheiten - vor allem aber auch Aufgaben und Pflichten anzuknüfen, um Menschen in Aktivität zu bringen. Dabei geht es nicht immer nur darum, ob die Aktivität gerade Glücksgefühle auslöst.
    Es ist Normalität, Aufgaben zu haben, die uns nicht per se glücklich machen. Ich muss nachher noch den Abwasch erledigen. Das ist okay und gehört dazu - richtig glücklich macht es mich aber nicht.... . Eine Form von Aktivität ist es dennoch.
    Will sagen: manchmal hilft bei der Suche nach der richtigen Aktivität, nach der richtigen Beschäftigung und Aktivierung, nicht nur danach zu schauen was Freude bereitet oder "uns" sinnvoll erscheint. Es dürfen auch Pflichten sein - die gehören zu einem normalen Leben dazu. Natürlich müssen sie ggfs. angepasst werden, damit sie gefahrlos möglich sind. Ich erlebe aber auch, dass ein "Möchten Sie heute am Singkreis teilnehmen?" in einer Einrichtung eine so lebensfremde Frage für einen Betroffenen sein kannen, dass er gar nicht teilnehmen wollen kann. Manchmal ist es besser, den feuchten Lappen dazulassen und zu bemerken, dass hier "....aber mal wieder Staub gewischt werden müsste...".
    Ich hoffe, ich konnte verdeutlichen was ich meine.
    Pflegefachleute und Betreuungskräfte brauchen in dieser Hinsicht oftmals die Unterstützung der Angehörigen, gerade um zu erfahren was biographische Normalität war, was zum normalen Aktivitäts- und Interessenspektrum gehört(e), um auf den richtigen Dreh zu kommen. Und immer wieder bleibt es beim "Versuch- und Irrtumsystem", heißt: ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Ich lese hier mit und bedanke mich bei Euch allen, auch bei den Experten. Ich kann hier einiges für mich mitnehmen - für die Zukunft vielleicht.

  • Guten Abend in die Runde und vielen Dank für Eure vielfältigen Anworten,


    die haben mir sehr geholfen.


    Ich konnte inzwischen mit der zuständigen Pflegekraft sprechen...diese versicherte mir, dass man meinen Vater nicht etwa umerziehen möchte oder werde..und ihn weitgehend in Ruhe lasse....wenn man ihn auffordere, etwas zu tun bzw. zu unternehmen/teilzunehmen...würde er entweder freiwillig mitgehen...und wenn es ihm dann nicht mehr gefällt auch einfach wieder gehen...oder er geht von Anfang an schon gleich nicht mit.


    Da ich meinen Vater als Sturkopf mit einem starken Willen kenne.....bin ich sicher...dass er das so nach seinem Willen auch "durchzieht"...ich hab ihm immerhin jetzt noch mal Rückendeckung gegeben....


    Tatsächlich liegt er meist im Bett und tatsächlich war genau das auch schwierig für mich mit anzusehen, als ich ihn besuchte....zu strikten Corona-Zeiten...wurde er mir ja immer außerhalb seines Zimmers "fertig bereitet" präsentiert...aber soweit so gut....


    Seine Schwerhörigkeit scheint sogar für ihn einen gewissen Schutz zu bieten, weil man ihn gewähren läßt, anstatt lautstark mit ihm zu reden und dann eine Gruppe zu stören, wenn er wieder gehen möchte...so läßt man ihn ziehen....


    Ich bin jetzt etwas beruhigter, dass ich es nochmals angesprochen habe.


    Traurig gemacht hat mich allerdings folgende Info bei meiner Mutter...ich hatte ihr vor Monaten eine speziell Demenz-Nestel-Decke extra für sie anfertigen lassen...mit ihren Lieblingsfarben, Garten- und Tiermotiven....so könnten die unruhigen Finger eine zeitlang beschäftigt werden...Tatsächlich hat sie auch anfangs sich täglich damit beschäftigt....an Gruppenteilnahme ist bei ihr nicht mehr zu denken..also an sich eine feine Sache könnte man denken...der Kranke beschäftigt sich allein...und ist beschäftigt...und die Betreungskräfte können sich der Gruppe widmen...und wie ist nun die traurige Realität?...die Decke ist ganz einfach waschbar und kann in den Trockner...sie ist nur ca 60x60 cm groß....und dennoch...sind offenbar zu wenige Betreungs-oder Pflegekräfte oder sonstige Menschen da...und so kommt es dann, dass die Decke beim Frühstück noch nicht weggeräumt wurde und sie dann bekleckert wurde und gewaschen werden müßte...und und und...alles als zuviel Aufwand dort befunden....die Decke sollte jemand anderem gegeben werden, falls meine Mutter damit nichts anfangen kann, damit war ich einverstanden...aber hier konnte doch offenbar meine Mutter damit etwas anfangen....und der minimale Aufwand war dann schon wieder zuviel...jedenfalls ist die Decke jetzt erst mal verschwunden...meine Mutter hätte ja jetzt ihre Katze.....ähm........


    nein, ich will mich nicht mehr aufregen...es bringt nämlich rein gar nix....wichtig scheint mir allerdings schon, dass man immer mal nach dem Rechten schaut....


    viele Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von hanne63 ()

  • Hallo nochmals ich....an Alle...


    natürlich stelle ich auch mir die Frage: wem nützt diese Aktivierung..also cui buono...diese Fragestellung ist auch sonst hilfreich für das Finden von Antworten.... :-)....


    Tatsächlich ist es auch so, dass mein Vater gerne hilft, wenn er dazu aufgefordert wird..also Essenswagen schieben oder sonst welche "händischen" Dingen...aber wenn es ihn dann nervt, hört er einfach damit auf..und geht wieder weg...das wiederum finde ich schon genial an ihm...


    Liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, ich möchte nur noch ein Argument beisteuern, die fachliche Argumentation wurde schon sehr gut zusammengetragen.


    Die Einrichtung ist gut beraten, wenn sie die geäußerten und hoffentlich dokumentierten Bedürfnisse nach Rückzug, Ruhe und in-Ruhe-gelassen-werden respektiert. Eine Zwangsbespaßung gegen den Willen führt zwangsläufig zu schmerzhaften Abwertungen bei den nun wieder beginnenden MDK-Prüfung nach dem neuen System. Eigentlich sollte dies aus Gründen der Menschenwürde selbstverständlich sein, aber früher wurden Betreuungskräfte durch die Prüflogik unter Druck gesetzt, für alle ein angemessenes Angebot zu schaffen und nachzuweisen. Es geht also im Heim nicht um die Abrechnung dieser Leistung, sondern um die Erfüllung des Versorgungsvertrages bezüglich der zusätzlichen Betreuungsleistungen.


    Als Angehörige können Sie bei diesem Dilemma helfen, dass die Bedürfnisse "prüfsicher" dokumentiert werden, zitieren Sie einfach den Beitrag von Frau Sachweh, damit es fachlich wasserfest dokumentiert wird. Auf der anderen Seite können Sie über Hinweise aus der Biografie Hilfestellungen geben, wie eine Einzelbetreuung durch Gesprächsangebote geplant werden sollten. Wenn Hannes Vater das häufiger ablehnt, ist das völlig in Ordnung und die Betreuungskräfte sollten ein gutes Gewissen haben.


    Die wunderbare Therapiedecke für Ihre Mutter, Hanne, kann tatsächlich fachlich zu einem späteren Zeitpunkt wieder zum Einsatz kommen, wenn die aktuelle Verbesserung nicht mehr trägt. Jetzt ist sie mit allen Sinnen auf die Katze konzentriert und das würde ich auch nicht "stören". Wenn die Decke aber nicht mehr da ist, ist das ein gravierendes Problem.

    Ihr Martin Hamborg

  • Guten Abend in die Runde,

    @Herr Hamborg, ja es ist ein gravierendes Problem, ein immer wieder kehrendes.......so wie der Schwund von anderen Dingen auch.....aber es führt zu nichts, zu instistieren...gefunden wird auch fast nichts...selbst suchen darf ich nicht....da die Katze jetzt sicher eine Zeit lang meine Mutter trägt...warte ich erst einmal ab...


    Gesprächsangebote sind bei meinen Eltern nicht mehr möglich....die Demenz ist zu weit fortgeschritten.....Aktivierung allenfalls insoweit, dass einige Schritte gegangen werden sollen.....um dann irgendwo in einer Runde von anderen Bewohnern zu sitzen....oder gemeinsam zu essen und nicht auf dem Zimmer.



    Was mich schon von anfang an und insb.auch während der ganzen Corona-Zeit betrübt hat: die wöchentliche kirchliche Andacht findet in der Regel statt.....und mangels anderer Angebote oder zu wenig anderer Angebote....lassen sich die meisten Bewohner dann in den heimeigenen Kirchenraum fahren (Rollstuhl) bzw. laufen eigenständig dorthin...meine Eltern waren niemals Kirchgänger...aber dorthin gehen sie jetzt.....ich bin mir sicher, wenn es andere vergleichbare weltliche Angebote gäbe...würden sie dorthin lieber gehen....ich schätze das gerade nicht als eine Besinnung auf den Glauben am Lebensende ein, weil auch nicht darüber geredet wird....und auch sonst keinerlei Bezug zu Religion oder Gott vorhanden ist.....


    ....es erinnert mich etwas an die kirchlichen Messen in Haftanstalten....und die Häftlinge gehen regelmäßig hin, weil es eine der wenigen Möglichkeiten ist......

    Das ist jetzt kein Hoch auf die Kirchen, sonderen eher eine Anklage an die weltlichen Institutionen, die viel zu wenig leisten.....bzw. bieten.....in den Heimen meine ich jetzt.


    Ich hoffe, ich habe mit meinem Gespräch vor Ort errreicht, dass niemand ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn meine Eltern in Ruhe gelassen werden....und das meinetwegen auch 1000-fach dokumentiert werden kann inkl. meiner Äußerungen.


    Viele Grüße

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