Meine Mama ist neu im Pflegeheim

  • Guten Tag in die Runde, nachdem ich bereits mehrfach angedeutet hatte, in welchem Stadium wir uns alle befinden (meine Mutter, 88, dement) und wir (nebenan wohnend und irgendwie pflegend mithilfe eines Pflegedienstes, der mühsam einen Status quo irgendwie aufrechterhielt), möchte ich die neueste Entwicklung schildern.

    Vor etwa 1,5 Wochen fanden wir mittags meine Mutter im seltsamen Zustand auf (nicht ansprechbar, zusammengesunken im Sessel). Also ... Notdienst ... Verdacht auf Schlaganfall ... Krankenhaus. Dort wurde ein Schlaganfall sofort ausgeschlossen, aber eine totale Dehydrierung festgestellt. Und das, obwohl ich meiner Mutter oft gegen ihren Willen die Getränke tropfenweise einflößte. Was war das immer für ein Drama. Nein, sie wollte und wollte nicht. Ich hab sie gebettelt und Tricks angewandt. Nichts funktionierte wirklich gut. Letzeten Endes glaubte ich, dass es ausreichte, was sie trank. Aber das tat es nicht. Jedenfalls legte mir der Arzt (der mich sofort anrief) nahe, meine Mutter aufgrund der fortgeschrittenen Demenz besser nicht wieder in die Häuslichkeit zurückzulassen, wenn möglich. Auch im Krankenhaus versorgte man sie lieb, nahm sie aufgrund ihrer Unruhe mit ins Schwesternzimmer und "beschäftigte" sie sa.

    Und so verlegten wir sie in eine Art betreutes Wohnen mit Pflege (dies betreibt unser Pflegedienst). Das ist ein ganz kleines "Heim" in unserer Nähe auf dem Dorf mit kleinen Miniwohnungen. Es geht familiär zu. Jeder ist immer ansprechbar ... Es gibt Tiere (Kaninchen, Katzen, ...) Noch besuchen wir sie jeden Tag. Das freut sie sehr und sie möchte natürlich mit nach Hause, sagt sie uns. Andererseits fühlt es sich an, als wäre ein Wunder mit ihr geschehen. Vorher war fast keine Kommunikation mehr möglich, sie war missmutig und desinteressiert. Jetzt kann man mit ihr sogar Gespräche führen, sie scherzt und lacht mit den anderen. Und die Pflegenden dort sagen nur Positives über sie. Sie isst und TRINKT ... klaglos, sie "plaudert" mit den anderen angeregt und freundlich. Die Leiterin meinte aber, dass das eine durchaus typische Entwicklung ist. Auch wenn wir es ihr zu Hause so angenehm wie nur möglich gemacht haben, sehe ich am Verhalten der Pflegenden dort, dass sie mit einfühlsamen und wertschätzendem Verhalten (professionell und menschlich und auch sehr gelassen) sehr viel mehr bewirken können. Ich hoffe so sehr, dass es weiter positiv läuft.

    Für uns (so meinte die Leiterin) ist der Schritt noch schwerer als für sie. Denn wir haben fast zeitlebens vieles zusammen gemacht, haben dennoch immer noch unseren "normalen" Maßstab. Und jetzt müssen wir akzeptieren und respektieren, dass unsere Wege sich teilweise trennen bzw. auf einer anderen Ebene weiterlaufen müssen.

    Ich wollte diese positiven Gedanken hier hineinschreiben. Vielleicht macht es den anderen Verzweifelten Mut. Und Mut können wir alle gebrauchen. <3:!:

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Schwarzerkater,

    vielen Dank für diese schöne Geschichte! Nachrichten über positive Entwicklungen sind ja leider eher selten.

    Ihr Bericht macht vor allem deutlich, dass eine außerhäusige Versorgung auch positives bewirken kann, wenn es denn die richtige/passende ist.

    Vielleicht nimmt das einigen Lesern die Angst davor, ihren Angehörigen "abzuschieben", wenn es zu Hause nicht mehr geht.

    Die Schilderung der von Ihnen gefundenen "Einrichtung" macht aber auch deutlich, dass Sie hier wohl ein "glückliches Händchen" gehabt haben.

    Ich wünsche Ihnen, dass Sie weiterhin zufrieden mit Ihrer Entscheidung sind und sich der Zustand der Mutter weiterhin gut entwickelt.

    Beste Grüße von

    Klaus Pawletko

  • Das liest man wirklich gerne, Schwarzer Kater. Da freue ich mich wirklich. Solche Heime müsste es viel mehr geben.

    Das hätte meiner Schwiegermama sicher auch gefallen können, so wie Du das beschreibst.


    Dann hoffe ich für alle Beteiligten, dass das so weiter geht.


    Liebe Grüße

  • Ein Dank an alle Kommentatoren. Ich hoffe auch, dass es positiv weitergeht und dass ich die richtige Einrichtung ausgewählt habe. Nichtsdestotrotz liegt noch Arbeit vor uns, die in Bewältigung der Traurigkeit über diesen Schritt besteht, und zwar bei allen Beteiligten.

  • Hallo schwarzer Kater,

    Ich denke, solange es deiner Mutter gut/besser als vorher geht, wird es in puncto Traurigkeit gehen. Schwieriger, wenn sie eigentlich nachhause will, es aber nicht mehr geht, weil sie dort zuwenig geschützt und nicht adäquat betreut werden kann... dann kann man schon ziemlich in inneren Konflikt kommen. Und dafür ist es gut, wenn man für sich als betreuende Tochter/Sohn klar hat , was leistbar ist. Bei euch hat nun auch der Arzt den Wechsel angeraten, das nimmt etwas Verantwortung;)

    Demenz bedeutet eben ein Abschied in Raten, beinhaltet Trauer, bis man in die Phase der Akzeptanz kommt, was immer mal hin und her gehen kann.


    Meine Mutter hat zwischendurch mal gesagt, sie habe nun entschieden, dort im Heim zu bleiben, da war ich erleichtert, nach 2 Jahren immerhin. Letzte Woche rief sie mich an - hat sie seit Monaten nicht hinbekommen- sie sei nun wieder geimpft worden (3. Biontech), dann habe sie das erledigt, bevor sie bald wieder nachhause gehe. Ich habe erst gestutzt und dann bestätigt, dass sie das richtig gemacht habe... Vermutlich hält sie es besser aus, wenn sie sich was vormacht, das war vor der Demenz teils auch schon ihre Bewältigungsstrategie.


    Liebe Grüße

    Rose60

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Schwarzerkater,


    die Entwicklung ist wirklich erfreulich und schön zu lesen. Und es ist spürbar, wie erleichtert Sie darüber auch sind.
    Und ja, ich kann das aus eigener Arbeit ebenfalls bestätigen. So untypisch ist das nicht, dass sich die Dinge so entwickeln. Ich finde Ihre Beschreibung auch deshalb so wertvoll, weil immer wieder - meiner Erfahrung nach - mehr oder minder unterschwellig Angehörige unter Druck geraten, dass die Entscheidung zur Heimaufnahme quasi der "worst case" ist. Und das ist eben nicht wahr, sondern auch hier gibt es eine sehr große Erfahrungsbandbreite, ganz verschiedene Enwicklungen und Bedingungen.

    Alles Gute weiterhin.
    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Hallo Schwarzer Kater,

    das freut mich sehr...also wie sich alles nun entwickelt hat, ist doch sehr schön.


    Das mit der "Trauer-Arbeit" kann ich bestätigen....es dauerte, bis ich die neue Situation annehmen ....und auch die Verantwortung abgeben konnte.....und traurig war und bin ich auch darüber, dass die Situation eben so gekommen ist bei dieser Krankheit und dem Verlauf..es ja praktisch gar keinen Weg daran vorbei gab.....


    für mich war die Heimunterbringung nicht der worst case...ich sehnte vielmehr den Zeitpunkt dafür herbei und war sehr froh und erleichtert, als es dann soweit war....und tatsächlich geht es meinen Eltern im Heim auch besser, als es zu Hause möglich gewesen wäre.....und trotzdem bleibt meine Traurigkeit über diese Entwicklung jetzt noch einige Jahre danach bestehen....(hat natürlich abgenommen...ist aber vorhanden).


    liebe Grüße

    Einmal editiert, zuletzt von hanne63 ()

  • Hallo und danke für all die guten Gedanken. Ich mache mir keine Illusionen, dass die Traurigkeit schnell verschwindet, ist sie doch schon allzulange mein ständiger Begleiter. Man muss die schwere Krankheit Demenz akzeptieren lernen. Manche/r Angehörige mag sie für sich als Prüfung oder Aufgabe oder Chance begreifen und es leichter tragen können dadurch. Für mich/uns ist es eine schlimme Krankheit, die man niemandem wünscht und die nichtsdestotrotz leider da ist. Das "Heim" ist eigentlich ein Betreutes Wohnen, das ein Pflegedienst betreibt, so dass dieser Dienst auch ständig vor Ort ist und alles das tut, was in einem Pflegeheim auch passiert. Es wirkt aber ziemlich unaufgeregt, zudem wohnen auch relativ junge Menschen mit Einschränkungen da sowie Demente und Nichtdemente. Es ist alles organisiert, aber auch relativ frei. Wichtig ist auch viel Humor. Meiner Mutter scheint es zu gefallen.

    Rose60: Vielleicht ist die Demenz meiner Mutter auch schon fortgeschrittener als die bei Ihrer Mutter? Meine Mutter meint zwar auch, dass es demnächst nach Hause geht, aber so ein richtiges Konzept von ihrem eigenen Haus hat sie nicht mehr. Sie glaubt, dass wir jetzt da wohnen und das scheint sie nicht zu stören. Will sagen: Selbst wenn sie Inhalte scheinbar geordnet vorträgt, sind ihre Gedanken dahinter nicht unbedingt im Einklang mit unseren. Es ist eine ganz eigene Welt mit einer ganz eigenen Logik. Das zu beobachten, macht traurig. Meine Mutter stand bis zu ihrer Demenz voll im Leben, war sehr, sehr intelligent, dazu pragmatisch und lebensklug mit einem messerscharfen Verstand... damit hat sie selbst mich (als Wissenschaftlerin) oft übertroffen. Und sie hat sich nicht so schnell etwas sagen lassen. Da schnürt es einem die Kehle zu, diese Frau jetzt so zu sehen. Und doch: Ich MUSS es akzeptieren und muss mich darauf einstellen. Und bisher hoffe ich, dass ich mit diesem "Heim" alles richtig gemacht habe.

    hanne63: Nein der worst case war das Heim für uns auch gar nicht, ich habe eine solche Lösung genauso herbeigesehnt, denn zu beobachten, wie die eigene Mutter immer mehr im Treibsand versinkt, während man mit dem Eimerchen erfolglos den Sand beiseite schippt, so dass einem die Puste ausgeht, das hat mich an den Rand der Verzeiflung gebracht. Das hält man als halbwegs empathischer Mensch nicht aus. Liebe Grüße an alle hier.

  • Hallo schwarzer Kater,

    Das mit der Akzeptanz geht natürlich nicht wie einen Schalter umzulegen, ist ein längerer Prozess . Zum Lebensende stellen sich oft Krankheiten ein, die für die Angehörigen schwer mit anzusehen sind, das ist auch bei anderen Krankheiten so, die vllt mit starken Schmerzen verbunden sind oder Sprachlosigkeit mit klarem Verstand oder oder. Ich will da wahrlich nichts beschönigen, habe es aber bei meinem krebskranken Mann erlebt, dass es einen Punkt gab, wo ich innerlich eingewilligt habe, mit sehr starkem seelischen Schmerz, doch es wurde etwas leichter, weniger gegen die Unabwendbarkeit anzukämpfen. Also irgendwie das Beste daraus machen, solange die Stimmung nun besser ist, fällt es vllt leichter :)

    Liebe Grüße

  • Guten Abend Schwarzerkater,


    eure Geschichte kann ich zu 100% bestätigen. Es feut mich, das es hier auch solche Beträge gibt, die anderen Mut machen.

    Meine Mutter hat ihre letzten Lebensjahre auch im Pflegeheim verbracht, der Schritt dorthin war nicht leicht, im Ergebnis aber richtig.

    Gerade deine Schilderung zu den kommunikativen Veränderungen habe ich auch bei meiner Mutter mit freude registriert. Sie selber hat es manchmal noch bemerkt, wie schön diese Gemeinschaft ihren Lebensabend bereicherte.

    Mir hat es eine enorme Last genommen und ich bin heute sehr froh, dass es solche feinen Heime gibt.


    Gruß frase

  • Hallo frase, deine/Ihre Beiträge haben mir damals auch viel Mut gemacht, den Schritt für meine Mutter zu gehen. Natürlich ... nicht jeder Tag ist wie der andere: Vorgestern war meine Mutter total lustig, heute etwas verhalten und sie wollte bald "nach Hause". Wichtig ist aber immer, den Verlauf zu beobachten. Als dann die Pflegerin kam, waren wir schnell "abgemeldet" und es wurde wieder lustig. So gingen wir mit einem positiven Gefühl.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, auch ich habe mich sehr über Ihre Erfahrungen gefreut und möchte dazu einige Gedanken beitragen:


    Oft ist es ein hilfreicher Wendepunkt festgefahrener Muster - z.B. von Angebot und Nachfrage in der Hilfe zur Nahrungsaufnahme - wenn eine Austrocknung oder "Dehydratation" eine Klinikaufnahme erforderlich macht. In einer Krise ist die Bereitschaft zur Annahme von Hilfe immer am größten.


    Wenn dann schon im Krankenhaus die Mitarbeiter*innen in Beziehung gehen und mehr machen als üblich, ist das ein gutes Zeichen für die Zukunft: Wir lesen nicht oft, aber immer häufiger, z.B. dass Menschen mit Demenz mit in das oft so heilige Schwesternzimmer genommen werden.


    Dabei geht es immer um eine Wechselwirkung, d.h. der Mensch mit Demenz hat einen aktiven und wichtigen Part geleistet, konnte in Beziehung treten und wurde nicht selten zum Sympathieträger. So wie Sie, Schwarzer Kater Ihre Mutter beschreiben, kann ich mir das auch gut vorstellen.


    In ähnlichen Beispielen habe ich oft den Eindruck: Dieser Mensch braucht eine andere Form der Beziehungsgestaltung, um wieder aufzublühen und sich zu entfalten. Manchmal scheint es, als wachse dieser Mensch trotz oder wegen der Demenz noch einmal über sich hinaus und entfaltet neue tiefe innere Fähigkeiten zumeist auf der Gefühls- und Beziehungsebene. Ich bin sehr gespannt, ob Sie etwas ähnliches beobachten werden.


    Ihre ersten Erfahrungen im betreuten Wohnen bestätigten das, was in Zukunft politisch gewollt ist. "Neue Wohnformen" besonders wenn sie in einem Verbund - auch im quaisi-familiären Verbund wie in Ihrem Beispiel - organisiert sind, sollen besser ausgestattet werden, so das Fazit einer 1600-seitigen Evaluation, die Sie bei Qualtitätsausschuss der Pflege finden.


    In diesem Zusammenhang wurde auch ein umfangreiches Prüfverfahren entwickelt. Ich hoffe sehr, dass mit dieser Bürokratie nicht wieder das erstickt wird, was wir vor jahrzehnten als Aufbruch in der stationären Altenpflege erlebt haben. So werden heute in einem kleinen familiären Pflegeheim 9 Pflegebedürftige geprüft, immer noch fast ausschließlich die Dokumentation - obwohl sich alle wie in einer Familie kennen. In einem Heim mit 200 Bewohnern sind es auch 9 (und wie davon kennen sich?)


    Damit die Lebendigkeit und Beziehungsgestaltung im Heim trotz aller externen Anforderungen gefördert werden kann, haben wir seinerzeit im Auftrag von Ursula von der Leyen das IQM Demenz entwickelt, in dem sich neben der fachlichen Hilfe die gegenseitige Motivation für den Menschen trotz bürokratischer Windmühlen im Austausch und der Entwicklung untereinander entwickelt.


    Die ambulant organisierten neuen Wohnformen sind noch nicht so unter Druck - auch mit der Folge, dass nicht jede Demenz-WG von dem Geist getragen ist, der dieses Angebot so wertvoll macht. Herr Pawletko kann einiges dazu erzählen ...


    Ich weise immer mal wieder auf diese Zusammenhänge hin, weil es auch zusätzliche Motivation braucht, um eine Aufbruchstimmung zu halten.

    Die Anerkennung und Teilhabe von Angehörigen, Ärzt*innen und Therapeut*innen ist da besonders wichtig. Je mehr Sympathieträger es untereinander gibt, desto besser. Dies strahlt dann nach außen und es entstehen lebendige Nachbarschaften als eine Vision für die "inklusive Pflege", die Sie von dem ambulanten Dienst beschreiben!

    Danke für Ihren Beitrag, Ihr Martin Hamborg

  • Ich möchte noch einmal allen für die schönen Kommentare danken, auch/v.a. den Moderatoren. Es wird sicher immer auf den Einzelfall ankommen, welche Betreuungsform angemessen ist. Meine Mutter war vormals zur Kurzzeitpflege in einer größeren Einrichtung mit mehreren Wohnbereichen. Auch damit konnte ich mich arrangieren. Es gab feste Programme für die Bewohner (das erinnerte mich an meine Reha) und es war auch nett. Hier in diesem kleinen "Heim" auf dem Lande wirkt alles noch unaufgeregter ... und für mich sehr angenehm. Und gestern beim Besuch saßen alle auf der Terasse bei Kaffee und Kuchen in der Sonne und plauderten angeregt. Immer mal wieder kam eine Pflegerin dazu und erzählte mit ... Meine Mutter war fröhlich und kommunikativ. Dennoch kam immer wieder der Satz: "Ich geh dann ja bald nach Hause." mit sehr besorgtem Blick auf mich. Das erschüttert mich immer wieder. Getröstet hat mich dann nur der Satz: "Ich will ja nach Hause zu den Eltern." (diese sind seit 50 Jahren tot). Hieraus entnahm ich, dass es vielleicht (?) nicht um das tatsächliche Zuhause geht. Die Pflegerinnen sagten mir extra, dass meine Mutter sehr glücklich und zufrieden wirkt. So soll es sein! Und trotzdem ist es schwer ... Was auch eine Rolle spielt ... Die anderen Bewohnerinnen (teilweise nicht oder höchstens wenig dement) haben sich problemlos auf die teilweise wunderlichen Kommentare meiner Mutter eingelassen. Also mindestens so wichtig wie eine gute Einrichtung samt Personal ist, dass alle Mitbewohner gut zusammenpassen. Wir werden noch einige Aufs und Abs erleben und müssen da jetzt einfach durch.

  • Das klingt wie ein sechser im Lotto, Schwarzer Kater.


    Aufs und Abs wird es geben, aber die "Abs" wären Zuhause sicher schlechter aufzufangen als in dieser Gemeinschaft.


    Das Zuhause der Demenzkranken ist irgendwann recht diffus angelegt. Meist ist es das der Kindheit oder das aus mittleren Lebensjahren.

    Ich glaube sie brauchen diese Aussicht auf eine Heimkehr, um sich weiterhin an Ort und Stelle heimisch fühlen zu können. Meine Erfahrung ist die, dass das Heim auch irgendwann zu einer Heimat werden kann, ein Heim von mehreren Möglichkeiten.


    Das Heim liegt nicht zufällig in Rheinland-Pfalz? :)



    Liebe Grüße

  • Hallo Teuteburger, danke für die zuversichtlichen Worte. Ich hoffe, dass es so kommt. Es gilt, das Gefühl zu überwinden, eine (notwendige) Entscheidung getroffen zu haben, die die betroffene Person zu klaren Zeiten nie und nimmer hätte annehmen können (meine Mutter war die Eigenständigkeit in Person ... ich kenne niemanden, der das so verkörperte wie sie). Jetzt sitzt sie da und ich muss (wenn auch zu ihrem Besten) mit Tricks und Vertröstungen arbeiten. Auch wenn die Wahrheit als Option vorhanden ist ... sie würde sie nicht verstehen können und sie natürlich sofort wieder vergessen. Möge sich das eigentlich grausame Vergessen wie ein Balsam um ihre Seele legen.


    Das kleine "Heim" liegt in Sachsen, gleich neben (m)einer Kleinstadt auf dem Land und ich bin durch Zufall darauf gestoßen. Und so schwer jetzt alles ist, zu Hause hatten wir alle gar keine ruhige Minute mehr.

  • Danke schwarzerkater für die Info.


    Ich werde mich auch weiter bei uns umschauen. Ich habe zwar schon ein einigermaßen gutes Heim gefunden, aber die Zimmer wären meiner Mama sicher zu klein.


    Liebe Grüße

  • Hallo schwarzer Kater,

    Da kann ich deine Skrupel total gut verstehen . Ich bin auch ein Mensch, der die Dinge lieber klar und ehrlich ausspricht. Das hat aber bei meiner Mutter einfach nicht mehr funktioniert, sie sieht es ja nicht ein, meint ja, sie könne alles noch allein, das wird in ihrer welt auch so sein. Daher ging es nur mit Vertröstung "wir schauen mal ", "...wenn dir wieder besser geht" - das ging mir auch völlig gegen den Strich, meine Mutter konnte damit aber ruhiger leben.

    Liebe Grüße

  • Vielen Dank für eure Worte. Ich glaube auch, dass meine Mutter "die Wahrheit" nicht mehr erfassen kann. So nach und nach verblasst die Bewusstheit immer mehr ... wie ein Kerzenlicht, das manchmal noch aufflackert und doch bald verlöscht. Keiner weiß, wann das sein wird.

    Ich hoffe, dass es meiner Mutter dort wo sie ist, noch einigermaßen gut geht. Ich habe die Einrichtung durch Zufall gefunden. Sie wird wenig spektakulär angepriesen. An alle anderen: Diese Pflegeienrichtung wird von einem privaten Pflegedienst betrieben. Vielleicht kann man sich da mal umhören.

    Ich kam jetzt mit einer Frau ins Gespräch, deren 97j. Mutter seit 13 (!) Jahren dort lebt und zwar sehr zufrieden und glücklich.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, mir kommt noch ein Gedanke zur "Wahrheit":

    Gerade in der Demenz liegt die Wahrheit oft hinter den Worten. Oft sind es Bedürfnisse, Interessen oder Antriebe wie das Pflichtgefühl, die aus der subjektiven also ganz persönlichen inneren Welt heraus ausgedrückt werden.

    Das Verständnis und der Trost dafür ist oft viel wertvoller als die Diskussion über eine Entscheidung - über die auch ein Mensch mit Demenz immer wieder nachdenken darf - nur braucht er oder sie eigentlich keine Rechtfertigung sondern Verständnis oder?

    Ihr Martin Hamborg

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