Personalmangel in Pflegeheimen und wie könnte die Lösung aussehen? - Richard David Precht

  • Liebe Sonnenblümchen,


    Ja, die Ehrenamtler sind wichtige Unterstützung, aber sie sollten nicht als Ersatz für die gelernten Pflegekräfte hergenommen werden und sie sollten, wie Du richtig schreibst, nicht den zwischenmenschlichen Beistand ersetzen müssen, den die total überlasteten ausgebildeten Pflegekräfte nicht mehr schaffen.

    Ich kann dem aus meiner Perspektive nur zustimmen. Schon vor Jahren wurden "Ehrenamtler" sozusagen als "Ersatzkräfte" entdeckt wenn es um die Versorgung von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen oder Krankenhäusern geht. Das kann nur bedingt funktionieren, angesichts der Aufgabenstellungen. Mancherorts kommen die Ehrenamtler nicht "on Top", sondern sind die einzigen die neben der reinen pflegerischen Verrichtung noch etwas tun und bieten können, was über Verrichtungen hinausgeht. Ein Trauerspiel - mit handfesten, problematischen Folgen (die den Rahmen hier sprengen würden). Damit kein Missverständnis entsteht: nichts gegen Ehrenämter. Gar nichts. Aber notwendige und wichtige Prozesse im stationären Bereich dürfen und können sie nicht abdecken.
    Im ambulanten Bereich sind die Bedingungen zum Teil natürlich andere und gerade dort greift das Ehrenamt und nachbarschaftliches Engagement in meinen Augen viel mehr und besser. Nicht umsonst hat das Land Niedersachsen sich gerade entsprechend entschlossen, dies zu fördern (vielleicht den Erfolg in NRW gesehen).

    Pflegebedürftige können wir alle jederzeit sein, selbst wenn es nur vorübergehend ist - und ich möchte dann kein schlechtes Gewissen gegenüber den Pflegekräften haben, weil ich nun auch noch an ihnen zerren muss.

    Kürzlich gab es auf einem anderen Medium (Vögelchen) vielerlei Berichte von Pflegefachleuten wie von Angehörigen, die im Rahmen eines Klinikaufenthaltes den noch kränkeren Patienten geholfen haben, diese quasi mitversorgten. Weil nicht genug Pflegekräfte da waren.... .

    "Die" Lösung für den Kräftemangel wird es wohl auf die Schnelle nicht geben. Nicht unumstritten sagt Thomas Kalwitzki, dass vor allen Dingen mehr qualifizierte Hilfskräfte gebraucht werden.
    Der Mangel an qualifizierten Kräften ist sicher auch eine Ursache dafür, dass Menschen mit Demenz nicht selten zuviel Medikamente erhalten.


    Ein System, welches so auf die Hilfe von ehrenamtlichen Helfern aufgebaut ist, kann nur scheitern !

    Ja.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Guten Morgen Herr Gust,

    Guten Morgen an all die Anderen <3,

    schön finde ich es ,Herr Gust, dass Sie sich hier einbringen. Auf den betreffenden Seiten,die Sie vorgeschlagen haben, habe ich die betr. Beiträge gelesen. Auch das Interview,welches Sie mit Herrn Kalwitzki geführt haben. Ich denke, dass Krankenschwestern /-krankenpfleger deligieren können,wenn genugend ,,Hilfspersonal" da ist. Irgendwie wird das Problem aber verlagert. ....und welche Aufgaben kommen denn in Frage...Essensausteilung z.B wird in vielen Häusern schon von hauswirtschachtlichen Personal übernommen ...und dann bekommt der Patient der Schonkost bekommen sollte halt dann doch das falsche Essen. (Sorry ..ich bin zu negativ). Mich stört , dass die Anforderungen an Personen, welche im KH oder Altenheim arbeiten können ...immer weiter herunter gestuft werden. Was nützen Pflegekräfte, die aus anderen Ländern angeworben werden (Versuch), die der deutschen Sprache nicht mächtig sind? In einem Sprachkurs lernen sie dann diese..trotzdem sind sie doch mit der Pflege von Menschen ,die eine Demenz haben...bei denen viel nach dem Sinn geforscht werden muß, so nach dem Motto,, Was möchte der Patient jetzt eigentlich sagen und kann es nicht?", überfordert. Viele ,,alte " Menschen ,ob mit oder ohne Demenz, fallen im Alter in ihr ortgebundenes ,,Platt" (Dialekt) zurück. Wie soll dies eine Pflegekraft verstehen, die dem Hochdeutsch noch nicht mal mächtig ist? Lernen im Alltag ? Na super ! Der Mensch mit Demenz versteht die Pflegekraft und umgekehrt nicht.

    Die Arbeitsbedingungen müssen sich ändern, dann wird es auch mehr Pflegekräfte geben.

    Kurzer Beitrag von Westpol (WDR) ,10.10.2021..zusehen in der Mediathek ,ab Stelle 25:48 min....die Pflegekraft beschreibt...Warum sie zu einer Vermittlungsstelle gegangen ist !

    LG :thumbup:

  • Hallo Sonnenblümchen,

    ich stimme mit Ihnen in soweit überein, dass es keine (weitere) Deprofessionalisierung geben darf im Bereich der Pflege. Ohne bessere Arbeitsbedingungen wird man keine Kräfte gewinnen können bzw. nicht in dem Maß, in dem es notwendig ist. Um die Probleme in der Pflege zu lösen, muss es viele Ansätze geben die auch noch in ein Zusammenspiel gebracht werden müssen. Da sind viele dicke Bretter zu bohren. Es tut sich ja auch da und dort was, auch wenn ich persönlich Schwierigkeiten habe, die "Siebenmeilenstiefel" zu sehen. Dennoch machen mehr und mehr Pflegefachleute sich auch berufspolitisch stark und engagieren sich. Und auch pflegende Angehörige schließen sich in Vereinen und Vereinigungen zusammen, um gemeinsam auf ihre Probleme und Bedarfe aufmerksam zu machen.
    Ich denke aber, ich verstehe Ihren Punkt im Sinne der erforderlichen Qualifikation. Die sprachliche Anforderung ist in Deutschland B1 od. B2 m.W. . Meiner Erfahrung nach sind Kolleginnen und Kollegen mit mehrheimischem Hintergrund nachgerade nicht das Problem sondern diejenigen, ohne die viele, viele Stationen bereits dicht wären. Sprache kann man ja lernen. Und ja, fordern darf man das auch in sensiblen Bereichen, meiner Meinung nach.

    Den Beitrag den Sie nannten habe ich mir angeschaut. Schade, aber auch nicht ganz untypisch, dass er so kurz war. Leider klingt die Geschichte nicht "exotisch"..... . Ich habe nicht wenige (Ex-)Kolleginnen und Kollegen, die nur noch dabei sind weil sie zur Leiharbeit / Leasingfirma wechseln konnten. Sonst wären sie ganz ausgestiegen.


    Es grüßt Sie


    Jochen Gust

  • Vielleicht ist ja dieser Beitrag auch etwas für Euch ?!


    BR Mediathek: Campus Doku

    Schöne neue Pflegewelt? Digitalisierung im Altenheim

    ARD-alpha Beitrag vom 19.07.2021

    Dieser Beitrag zeigt,was heute schon in einem Altersheim möglich ist !

    LG

  • Wer noch etwas anderes schauen möchte! :/


    Beim SWR die Sendung : Zur Sache ! Baden-Würtenberg vom 15.07.2021

    Wird Vollzeitpflege zuhause unbezahlbar?


    ....soviel zum Mindeslohn in der Pflege. Eigentlich sind diese Umstände allgemein bekannt...doch wie im Beitrag auch erwähnt..wird das Problem nicht angegangen!

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!