Unzumutbarer Zustand für die restliche Familie, was kann ich rechtlich tun?

  • Hallo,

    mein Noch-Ehemann ist dement und es wird zusehends schlimmer. Ich suche schon seit längerer Zeit mit meinen noch minderjährigen Kindern eine andere Wohnung, habe aber noch keine zahlbare gefunden.

    Ich habe mich nicht wegen seiner Erkrankung getrennt, er war schon lange auch anderweitig unerträglich.

    Es ist für meine Kinder und mich unzumutbar, mit diesem Mann in einer Wohnung gemeinsam zu leben.

    Da er auch nicht in der Lage ist, den Kindesunterhalt einigermaßen pünktlich zu zahlen, wird es für mich noch schwieriger, eine passende Wohnung zu finden. Denn ich gehe mit einem Stellenumfang zu 50% arbeiten und bin deshalb auf den Unterhalt mit angewiesen. Er hat jetzt schon vier Monate nicht gezahlt, da er es vom geistigen Zustand nicht hinbekommt. Trotz Hilfe vom Jugendamt klappt es nicht.

    Er überweist nicht die kompletten Monate, er zahlt statt an mich an das Jugendamt usw. Und somit erschwert mir das alles noch mehr ein Umzug aus finanziellen Gründen.

    Meine Kinder leiden und ich auch.

    Er lässt alles verkommen, wirft seine benutzten Windeln im Schlafzimmer überall hin, in der Toilette ebenso, wäscht und duscht sich kaum. In der Toilette schmiert er immer wieder alles voll. Er trinkt aus schimmeligen Gegenständen, isst Essen, wo schon Fruchtfliegen aus der Tüte kommen. Er sammelt alles voller Müll in seinem Schlafzimmer, dass die Maden und Fliegen in Massen angelockt werden. Sagt man etwas, wird er laut und streitet es ab.

    Wegen seiner Windeln kommen ständig Schmeißfliegen. Es stinkt überall wegen ihm.

    Ich muss täglich alles putzen. Er sieht es nicht ein, Müllbeutel für seine Windeln zu kaufen, also sammelt es sie halt auf dem Boden oder direkt in einem großen Sack. Er findet es nicht schlimm, einen großen Müllsack gefüllt mit benutzten Windeln in der Toilette stehen zu haben, obwohl es schlimm riecht. Er riecht nichts!

    Räumt man ihm seinen Müll weg, wirft er kurz danach alles wieder hin. Putzt man, sieht kurz später alles genauso aus.

    Für uns ist es schon gesundheitsgefährdet, ständig sind irgendwelche Fruchtfliegen in unserem Trinken oder Essen, weil er wieder alles da rumliegen hat.

    Es muss dringend etwas passieren.

    Wo kann ich mich hinwenden? Es kann sein, dass seine Eltern eine Vorsorgevollmacht haben, da hätte sich ein Betreuungsantrag erledigt. Es muss aber auch vor allem zeitnah etwas passieren.

    Mein Noch-Ehemann ist ja selbst sehr gefährdet, da er eben aus den schimmeligen Gefäßen trinkt und Verdorbenes isst, es aber nicht einsieht.

    Werfe ich ihm diese Sachen weg, mache ich die Hölle durch.

    Gibt es eine Stelle, die mich beraten kann, was ich machen kann, da dringend etwas passieren muss?

    Danke im voraus!

  • Hallo Madeline,

    ja es gibt eine solche Stelle: den sozialpsychiatrischen Dienst, der in der Regel beim Gesundheitsamt/Landratsamt, das örtlich für Sie zuständig ist, angesiedelt ist. Dort ist auch ein Amtsarzt, der gegebenenfalls einen Hausbesuch machen kann etc.....

    Liebe Grüße

  • Hallo Madeline,

    in Deiner Situation ist es schwierig Dir zu raten. An einer Stelle hast Du in einem älteren Beitrag geschrieben, dass dein Mann im Elektrorollstuhl sitzt.

    Bei der Umschreibung Deiner Verhältnisse würde ich meine Kinder nehmen und gehen. Hast Du Eltern , Schwiegereltern oder gute Freunde...wo hin Du erst mal flüchten kannst? Es gibt Frauenhäuser, an die man sich wenden kann. Ich weiß, dass die Plätze knapp sind,aber ein Versuch wäre es wert. Ich würde die Zustände photografieren und dann dem Jugendamt zeigen mit der Bitte, dass sie Dir bei der Wohnungssuche helfen. Was bindet Dich noch an Deinen Mann ? Liebst Du ihn noch ? Wenn ja, kann ich verstehen ,dass Du versuchen willst an der Bezeihung zu arbeiten. Wenn nein, was hält Dich noch bei ihm in der schmutzigen Wohnung. Nimm Deine Kinder und gehe ! Sie haben auch ein Recht auf eine saubere ,gewaltfreie Umgebung...und Du auch. So wie Du schreibst...möchte sich Dein Gatte auch nicht helfen lassen. Wenn Du weiter dort wohnen bleibst würde ich die Müllbeutel mit Attends entsorgen und auch ,,hinterher putzen" auch wenn er dann ausrasten würde. Dann gibt es halt Streit. Kannst Du dies aber aushalten? Möchtes Du dies für Deine Kinder und Dich? Die Antwort ist wohl nein ! Dann gehe! Wenn Gewalt im Spiel kommt (wie das Überfahren mit dem Rollstuhl, was Du schon früher beschrieben hast) ist eine Grenze überschritten und Du mußt gehen.....meiner Meinung nach!

    Alles Gute !

    Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) hat telefonische Beratungung rund um die Uhr für Frauen in Notsituationen , in Gewaltsituationen ....in einer anderen Abteilung für Pflegefragen. Telefonnummer findest Du im Internet. Vielleicht hilft Dir ja die Beratung weiter.

  • Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) hat telefonische Beratungung rund um die Uhr für Frauen in Notsituationen , in Gewaltsituationen ....in einer anderen Abteilung für Pflegefragen. Telefonnummer findest Du im Internet. Vielleicht hilft Dir ja die Beratung weiter.

    Diesen Hinweis finde ich tatsächlich sehr gut. Außerdem könnte durchaus auch das Jugendamt behilflich sein, da diese Zustände wirklich schon das Kindeswohl gefährden. Da ist es allerdings dann wirklich wichtig, dass Du, Madeline, aktiv auf die Behörde zugehst und Hilfe erbittest. Dann hast Du auch Möglichkeiten, die Art der Hilfe selbst auszusuchen im Rahmen dessen, was das Jugendamt überhaupt anbieten kann.

    Auch ich halte es für sehr wichtig für Dich und Deine Familie, diese Zustände schnellstmöglich zu beenden.

    Viel Kraft und Mut

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Madeleine,

    Sie sollten tatsächlich als erste Handlung- am besten mit Hilfe des sozialpsychiatrischen Dienstes - eine rechtliche Betreuung für Ihren Noch-Ehemann beantragen.

    Ein Betreuer könnte dann die notwendigen Schritte einleiten: Unterhalt, ggf. Scheidung, Wohnsituation etc.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

  • Hallo Madeleine,

    ich gebe zu bedenken, dass ein rechtlicher Betreuer sich immer zuvorderst um die Interessen des Betreuten kümmern wird und nicht um die Interessen der Angehörigen...deshalb würde ich mich unbedingt vorab, also vor Anregung einer rechtlichen Betreuung erst einmal selbst beraten lassen,...dieses dann schon vom sozialpsychiatrischen Dienst, weil der die gesamte Familie im Auge hat.......


    Bei allen Schritten oder auch beim evtl. Abwarten: haben Sie bitte immer zuerst Ihren eigenen Schutz im Auge......und natürlich den Ihrer Kinder......


    liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Madeleine, gut, dass Sie sich an unser Forum gewendet haben, denn es ist ganz dringend Hilfe von außen notwendig. Die Vorschläge wurden schon gemacht: Das Jugendamt zum Schutz der Kinder, die Beratungsstellen zu Ihrer Unterstützung und Begleitung und der sozialpsychiatrische Dienst für eine schnelle Hilfe für Ihren Mann.

    Er braucht dringend psychiatrische Hilfe und eine entsprechende Diagnostik. Sie So wie Sie berichten, spricht viel für eine "frontotemporale Demenz", es kann auch eine schwere Psychose sein oder eine andere seltenere Krankheit. Vermutlich gehört Ihr Mann ganz schnell in eine Klinik, bevor die Betreuung offiziell geklärt ist. Der Sozialpsychiatrische Dienst kann dies über eine "Zwangseinweisung" unmittelbar veranlassen. Dann wird ein Richter sofort hinzugezogen, der sonst vielleicht Monate später für eine Betreuung einen Hausbesuch machen würde...


    Bis dahin möchte ich Ihnen noch einen "Tipp" geben: Sie haben so viel gelitten und sich für die Kinder entschieden. Vermutlich werden Sie durch keinen Streit der Welt eine Einsicht bei Ihrem Mann erreichen. Er braucht eine Hilfe, die Sie ihm nicht geben können und er braucht kompetente Fachleute, die dafür verantwortlich sind. Bis dahin: Kämpfen Sie bitte nicht zu sehr, vermeiden Sie eine Eskalation und schützen Sie sich und Ihre Kinder. Für Ihren Mann ist es vielleicht das beste, wenn Sie so ruhig und klar bleiben, wie es irgend geht. Wie Sie das machen können, sollte Ihnen der Sozialpsychiatrische Dienst sagen, wenn Ihr Mann tatsächlich nicht eingewiesen werden kann, um eine unmittelbare Selbst- und Fremdgefährdung zu vermeiden.

    Ihnen wünsche ich viel Kraft in den nächsten Tagen, Ihr Martin Hamborg

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!