Gibt es einen Leitfaden, wie es weiter geht, wenn es nicht mehr geht???

  • Hallo ihr Lieben,


    ich bin neu hier und habe auch gleich eine Frage.


    Mein Vater ist seit 2018 dement und es verschlechtert sich jetzt sehr schnell. Meine Mutter pflegt ihn zu Hause und ich unterstütze so gut wie es geht.

    Nun zu meiner Frage. Gibt es irgendwie einen Leitfaden, wie es weiter geht, wenn man es selbst nicht mehr schafft? Meine Mutter opfert sich auf und das auf Kosten ihrer Gesundheit. Bitte nicht falsch verstehen, wir lieben ihn und versuchen so lange es geht ihn zu Hause zu halten. Aber was ist wenn es nicht mehr geht? Meine Mutter hat angst vor den Kosten. Sie bekommt nur eine mini Rente, da sie Hausfrau war. Sie hat angst aus der Wohnung zu müssen.

    Wo kann man sich Rat holen?

    Bei Ärzten erfährt man nicht viel. Sie kann zweimal die Woche ihn in Pflege geben, aber keiner sagt, wo man sich hinwenden muss.

    Meine Mutter kann nirgendwo mehr ohne ihn hin, er mag auch nicht mehr bei mir bleiben, seit seinem letzten Schub.


    Ich hoffe ihr könnt mir helfen.


    Vielen Dank im vorraus.

  • Liebe KiKi77,

    Du könnest Dich beim Sozialamt vorab informieren, welche Voraussetzungen vorliegen müssen, damit "der Staat" eventuelle Pflegeheimkosten (also hier meine ich den Eigentanteil ......den anderen Anteil übernimmt ja die Pflegekasse) übernimmt....


    in der Regel darf der andere Ehegatte in der bisherigen gemeinsamen Wohnung wohnen bleiben (außer es wäre eine sehr sehr große Luxusvilla etc.....), das gilt auch bei Wohneigentum oder kleinerem Haus.....


    Deine Mutter wäre ihrem Ehemann unterhaltspflichtig. Wenn Sie aber selbst nur eine Minirente hat und sonst kein weiteres Vermögen, das einzusetzen wäre.....dann erst wären die Kinder an der Reihe mit Unterhaltspflicht, aber nur dann, wenn das Einkommen jährlich über 100.000.- € liegt,......ansonsten kommt dann die Grundsicherung...also früher Sozialhilfe zum tragen.....deshalb mein Tipp, sich wirklich vorab dort zu erkundigen......es könnte sein, dass dann auch Deine Mutter Grundsicherung beantragen könnte, wenn die Rente deines Vaters für das Pflegeheim eingesetzt werden müßte.....das läßt sich alles meist im Vorfeld klären......manchmal beraten auch die Verwaltungen der Heime (falls Ihr schon eines ausgeguckt habt)...über Finanzierungsmöglickeiten....


    Du kannst Dich ferner bei einem Pflegestützpunkt beraten lassen, die informieren auch über die verschiedenen Möglichkeiten, finanzielle Zuschüsse zur Pflege zu erhalten...und darüber welche Möglichkeiten es überhaupt gibt...meist aber in de Regel nur soweit die Pflege noch zu Hause stattfindet.


    Dann gibt es Angehörigenberatungen verschiedener caritativer Verbände oder auch von Kirchen....Diakonie etc......dort erhält man gute und wertvolle weitere Infos und Tipps.....


    Die Sorge und Angst der Angehörigen bzgl. ihrer eigenen finanziellen Lage wird leider viel zu wenig gesehen und berücksichtigt....


    Das ist das, was mir auf die Schnelle einfällt......ich hoffe Du erhältst in Kürze noch von den Fachleuten hier weitere Tipps und Hinweise.



    Liebe Grüße

  • Hallo kiki,

    Zunächst mal hat hier sicher jeder Verständnis dafür, dass man als Pflegende/r irgendwann selbst nicht mehr kann und gesundheitliche Probleme bekommt.

    Mir fällt auch spontan ein, dass es Pflegestützpunkte in Städten gibt zur Beratung. Die sollten sich mit den entsprechenden Netzwerken und rechtlichen Rahmenbedingungen auskennen. In unserer Kleinstadt wird regelmäßig sogenannte "Pflegeberatung" über die Zeitung beworben.

    Dann kann ich beitragen, dass man pflegewohngeld beantragen, sobald das eigene Ersparte unter 10.000 Euro liegt, sofern keine eigene Immobilie vorhanden ist, auf die man vermutlich dann eine Hypothek aufnehmen müsste.

    Eine Bekannte musste wegen demenz mit kleiner Rente und unverheiratet ins Pflegeheim, da übernahm das Sozialamt den Eigenanteil.

    Zunächst könnte man für Ihren Vater mal einen Versuch über kurzzeitpflege zur Entlastung Ihrer Mutter überlegen..

    Auf der Seite Pflege.de kann man sich auch seriös informieren..


    Alles Gute und viel Erfolg!

  • Hallo Kiki,


    erstmal herzlich willkommen hier im Forum.

    wie hanne und rose bereits geschrieben haben wäre zunächst einmal der Gang zu einer Beratung sinnvoll. Das ist überall ein wenig anders geregelt, mal Pflegestützpunkte mal Rotes Kreuz, Caritas etc..


    IHabt ihr bereits eine Pflegestufe für deinen Vater? Falls nicht wäre das schon mal einer der ersten Punkte die man aktiv angehen kann. Die Pflegestufe betragt man bei der Pflegekasse(Krankenkasse) bei der dein Vater versichert ist. Danach folgt eine Begutachtung (während Corona war diese nur Telefonisch). Zur Begutachtung kannst du in diesem Forum wie auch im Internet viel nützliche Tipps finden.


    Wenn eine Pflegestufe (ab 2) festgestellt wurde habt ihr Anspruch auf verschiedene Leistungen und damit finanzielle Entlastung.


    Mir persönlich hat eine Tagespflege bei meinem Vater sehr sehr viel Erleichterung gebracht und ich konnte den phasenweise auch keine 10 Minuten allein lassen. Tagespflege war dagegen nie ein Problem weil er dort nicht allein ist (aktuell sind in seiner Tagespflege 16 Personen) sein Gesamtzustand hat sich dadurch bei uns auch deutlich gebessert, lässt aber langsam nach wenn z.b. die Tagespflege wegen Krankheit eine Woche ausfällt. Da reagiert aber jeder anders. Die meisten Einrichtungen bieten einen Schnuppertag an.


    Sofern du nicht genau weißt was Tagespflege genau ist (ich habe festgestellt das Menschen die damit keine Berührungspunkte hatten oft eine sehr falsche Assoziation damit haben) kannst du dir das ein wenig wie einen Kindergarten für Senioren vorstellen. Da gibt es Gemeinschaft, Aktivitäten, Bewegung, Essen, Unternehmungen, bei uns z.b. 2-3x wöchtl. Maks(motorisch, alltagspraktisch, kognitiv, sozial)-Therapie. Das könnte auch deiner Mutter wieder etwas Erleichterung schaffen.

  • Lieben Dank für die Antworten.

    Dann werde ich mich mal durchfragen, welche Organisation hier zuständig ist.

    Auch das mit der Tagespflege ist interessant. Ich glaube meine Mutter hat erwähnt, das sie zwei Tage in der Woche Betreuung bekommen könnte.


    :):thumbup::thumbup::thumbup:

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Kikki77, auch von meiner Seite, willkommen im Club. Den Vorschlägen und Tipps kann ich wieder mal nur wenig hinzufügen, dank der kompetenten Beiträge.


    Zuständig sind tatsächlich alle genannten Personen, jeweils für unterschiedliche Fragestellungen. Das Ziel ist aber klar: Die Versorgungssicherheit und eine Pflege zuhause sichzustellen, solange dies möglich ist. Leider gibt es noch immer keine offizielle Person, die Pflegebedürftige in den vielen Möglichkeiten begleitet. In einer früheren Pflegereform waren dafür Fallmanager in den Pflegekassen vorgesehen und finanziert. Ich hatte damals mit meinem §8 Projekt "Nordlicht" Anregungen erarbeitet, worauf so eine "Kümmer*in" nach der Entlassung aus dem Krankenhaus besondes achten muss. Diese Rolle, also der (menschgewordene) "Fahrplan" durch die individuellen Angebote und Möglichkeiten fehlt offiziell immer noch.


    Haben Sie sich schon in das Forum "Gesetzliche Leistungen" eingelesen? Dort wird am deutlichsten, wie das ganze Versorgungssystem um einen pflegebedürftigen Menschen mit Demenz zusammenhängt.


    In unserem Forum finden Sie moralische Unterstützung, herzliche Anteilnahme, Erfahrungsaustausch und Anregungen für die Herausforderungen des Alltags.


    Aus den vielen Vorschlägen würde ich mit dem Pflegestützpunkt anfangen. Dort sollten Sie in zwei Richtungen fragen:

    - Welche zusätzlichen Hilfen gibt es, dass Ihr Vater zuhause bleiben kann? Neben der angesprochenen Überprüfung des Pflegegrades, der Tagespflege oder einer Betreuungsgruppe wird vielleicht eine ehrenamtliche Hilfe oder Ansprechpartner der regionalen Alzheimer Gesellschaft oder einer Beratungsstelle vemittelt.


    - Die zweite Richtung nenne ich immer "PlanB": Was können Sie tun, wenn es zuhause nicht mehr geht. Wo könnte Ihr Vater in einer Kurzzeitpflege gehen? Welches Heim gefällt Ihnen, gibt es eine Demenz-WG in der Nähe? Für den schlimmsten Notfall hat Hanne63 schon auf den "Sozialpsychiatrischen Dienst" hingewiesen, auch hier können wir uns beraten lassen, bevor es zu Gewalt oder anderen Grenzsituationen infolge der Demenz kommt.


    Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen, Ihr Martin Hamborg

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