Einfache Regeln

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  • Hallo,


    kennt Ihr einfache Regeln, an die man sich immer halten sollte im Kontakt mit einem Dementen?

    Ich lese so viel zum Thema. Auch gibt es viele online Kurse die man machen könnte. Aber schon die Beschreibung lässt mich oft zweifeln, ob ich das übehaupt versteh :/ bzw. mir alles merken kann. Und sehr teuer sind sie zum Teil auch.
    Habt Ihr eigene Regeln, an die Ihr Euch haltet? Sowas wie...."Bevor ich die Autotür öffne, immer Schulterblick!". Ich weiß, doofer Vergleich.....aber um sowas gehts mir....keine ewiglangen Erklärungen...sondern was, was man sich für den Alltag gut merken kann.


    Viele Grüße


    Sabine

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SabineK,


    Ihre Frage trifft offenbar einen Nerv.
    Ich kenne das Problem des "Informationsoverkills" auch aus dem beruflichen Kontext heraus. Es wird viel mit "Schlagworten" gearbeitet und lange Erklärungen geliefert, die jedoch mit der tatsächlichen (Arbeits-)Situation einer Pflegefachfrau *-fachmann wenig bis nichts zu tun haben (aufgrund des Personal- und damit Zeitmangels) bzw. diese nicht berücksichtigen. Da gibt es dann für den Nachtdienstler im Pflegeheim schon mal den Ratschlag, sich "einfach mal eine Stunde" zum Bewohner zu setzen....
    Ebenso kann ich gut nachvollziehen, dass die ohnehin belasteten An- und Zugehörigen weder Zeit, noch Energie noch Muße haben jede ihrer Fragen durch zusenden einer 50seitigen Broschüre beantwortet zu bekommen und damit dementsprechend unter Umständen nicht sehr "glücklich" sind...
    Kurse gibt es jedoch wirklich gute, auch für Angehörige - und auch kostenlose (weil Sie die Kosten ansprechen). Ggfs. erkundigen Sie sich dazu bei Ihrer regionalen Alzheimergesellschaft, die solche immer wieder anbieten. Auch Krankenhäuser haben zum Teil entsprechende Angebote, die auch kostenlos sind ebenso wie Kranken- bzw. Pflegekassen. Schauen Sie bitte unbedingt dort nach bzw. fragen Sie dort, bevor Sie Geld dafür ausgeben.
    Aber zurück zu Ihrer Frage:
    Sie haben hier ja schon viele Antworten von erfahrenen Angehörigen erhalten. Ergänzen möchte ich daher nur, dass es bestimmte Kommunikations-"Regeln"auch in diesen Kurzformen gibt (in relat. freier Übersetzung):

    ABC-Methode (J. Powell)
    A avoid confrontation = vermeide Konfrontationen (mit seinen Defiziten)
    B be practical = sei praktisch / handle zweckmäßig
    C clarify the feelings / comfort = formuliere, akzeptiere die Gefühle und gehe

    auf diese ein (bzw. Spende Trost)
    und Focused
    F face to face = Blickkontakt aufnehmen (Aufmerksamkeit sicherstellen)
    O
    orientation = Begriffe u. Sätze wiederholen / Zeit geben Gesagtes zu

    verstehen
    C
    continuity = Gesprächsthemen nicht abrupt wechseln
    U
    unsticking = Unterstützung bei Worftindungsstörungen ("Meintest Du.....?")
    S
    structure = möglichst kurze Fragen stellen. Entscheidungen auf zwei

    Optionen begrenzen.
    E
    exchange = Gespräche mit angenehmen u. alltäglichen Themen beginnen /

    bevorzugen.
    D
    direct = kurze, einfache Sätze u. Gestik, Mimik und Bildprache einsetzen.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SabineK.

    Sie haben ja bereits eine Reihe von Hinweisen bekommen, die gut und praktikabel sind. Ich möchte nur ergänzend ein paar Tipps beisteuern, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe:

    1. Denken Sie immer daran, dass der oder die Demenzkranke eine erwachsene Person ist, auch wenn das Verhalten noch so "kindlich" erscheint. Das Gefühlsleben bleibt erwachsen!

    2. Bestärken Sie den Demenzkranken in seiner Identität: Machen Sie mal ein Kompliment (schöne Frisur, hübsches Kleid, schicke Krawatte etc.). Auch ein Demenzkranker ist immer ganz Frau oder Mann.

    3. Lachen Sie mit dem erkrankten Menschen (nicht über). Demenzkranke produzieren häufig - mitunter skurrile - Situationskomik. Darüber kann gerne mal gemeinsam lachen.

    4. Bleiben Sie geduldig, wenn mal (wieder) was misslingt. Reagieren Sie eher mit: "das passiert mir auch manchmal" oder ähnlich.

    5. Versuchen Sie Themen anzusprechen, die bei dem Demenzkranken gute Gefühle auslösen. Das kann der alte Beruf sein, ein Lieblingsschauspieler oder ähnliches. Wahrscheinlich werden es meistens Dinge sein, die schon weit zurück liegen. Solche Dinge verbleiben aber lange im Gedächtnis des Erkrankten.


    Das soll es auch schon gewesen sein. Vielen Dank für Ihre Anregung, die mich an den Satz von Albert Einstein erinnert:

    "Wenn Du es nicht einfach erklären kannst, hast Du es nicht richtig verstanden".

    beste Grüße von

    Klaus Pawletko

  • Wow. Das sind gleich viele Tipps. Hätte ich gar nicht erwartet. Ich lese das mal in Ruhe. Vieeel besser als das was man mir geschickt hat. Danke an alle. :!:

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