Papa an Demenz erkrankt

  • Hallo und zuerstmal vielen Dank für dieses Forum, ich habe schon viele Threads gelesen, nur keinen passenden für unsere Situation gefunden.

    Vielleicht hilft es mir auch erstmal nur, mir das von der Seele zu schreiben.


    Mein Papa (67) ist vor etwa 4 Jahren an Demenz erkrankt, kurz nach dem Renteneintritt. Meine Mama hatte zu der Zeit auch noch ihre Mutter (95) zu versorgen, die nun aber in diesem Februar in ihrer Wohnung friedlich einschlafen durfte.


    Mit meinem Papa wird aber in letzter Zeit vieles schwieriger.

    Er hat Pflegestufe 3, sollte eigentlich 3x/Woche in eine Tagespflege (nicht unbedingt wegen ihm, sondern eher, um meine Mama zu entlasten), was er bis vor kurzen auch tat. Nun will er nicht mehr dorthin, sowieso, er will gar nirgends mehr hin, auch nicht zum Arzt, nicht zu uns.

    Er liegt die meiste Zeit des Tages auf dem Sofa, laufen geht, allerdings nur in Trippelschritten. Er ruft dauernd nach meiner Mama (abends eher schlimmer), fragt, ob er morgen arbeiten müsse, ob er hier wohnt. Steht auf, sagt, er müsse auf die Toilette, nur um dann in die Küche abzubiegen und sich dort eine Zigarette anzuzünden (meine Mama toleriert mittlerweile das Rauchen im Haus).

    Den nun "vererbten" Rollator meiner Oma will er nicht benutzen.


    Meine Mama (65) ist eine sehr fitte Frau, die eigentlich noch gerne ihr Leben genießen möchte, was ich auch sehr verstehe und unterstütze. Solangsam geht es allerdings an die Substanz und gestern ist Papa wohl das erste Mal "ausgebüchst". Daraufhin sagte meine Mama zu mir, dass dies eine Grenze für sie sei.

    Nun überlegen wir, Papa auf eine Liste in einem speziellen Pflegeheim zu setzen (wir haben im Umkreis 3 Stück dieser speziellen Stationen).

    Sie hat Angst davor, dass er nach einem Aufenthalt während Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege sie nicht mehr erkennt und ihr zu Hause dann das Leben noch schwerer macht (ab und an erkennt er sie schon jetzt nicht mehr und will sie aus dem Haus werfen).

    Aber ich merke solangsam, dass meine Mama am Limit ist und auch mal etwas Veränderung bräuchte, wenn nicht sogar eine Kur.


    Meine Mama hat die letzten Jahre sehr viel geopfert, war viel unterwegs für meine Oma und Papa, hat sich selbst sehr zurück genommen.

    Ich bin berufstätig (zwar nur Teilzeit, habe aber auch noch 2 Kinder hier nach der Schule zu versorgen).


    Vielen Dank, auch nur fürs Lesen.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Verena 84,

    vielen Dank erst einmal für Ihre eindringliche Schilderung der Situation.

    Mit der Überlegung, den Vater auf eine Warteliste für eine spezielle Pflegeeinrichtung zu setzen, liegen Sie auf jeden Fall richtig.

    Sie sollten mit Ihrer Mutter jetzt intensiv das Für und Wider einer außerhäusigen Versorgung besprechen.

    Neben den emotionalen Aspekten (schlechtes Gewissen, den Ehemann "abgeschoben" zu haben) gilt es auch die möglichen finanziellen Auswirkungen zu bedenken. Eheleute haften in der Regel mit den gemeinsamen Einkünften/Vermögen für den zu erbringenden Eigenanteil bei den Pflegekosten. Dies kann bei dem zurück bleibenden Ehepartner (also Ihrer Mutter) gravierende Einkommensverluste bedeuten.

    Für den Fall, dass Sie derartiges befürchten müssen, empfehle ich Ihnen eine Beratung beim Sozialamt oder bei einem Wohlfahrtsverband.

    Viel wichtiger ist aber die Auseinandersetzung mit der Frage, ab wann die Situation mit dem Vater für Ihre Mutter und Sie selbst nicht mehr erträglich ist. Bis dahin sollten Sie alle Möglichkeiten der Entlastung ausschöpfen. Wenn Tagespflege nicht funktioniert, könnten Sie es mit einem Besuchsdienst probieren, den Sie - zumindest teilweise - über den sog. Entlastungsbetrag nach § 45b Pflegeversicherungsgesetz finanzieren können (bis 125 € monatlich).

    Zudem rate ich Ihnen, das Risiko einer Kurzzeitpflege trotz der Befürchtungen Ihrer Mutter einzugehen. Neben dem Entlastungseffekt bekommen Sie vielleicht auch Aufschluss darüber, wie sich der Vater in einer Pflegeeinrichtung verhalten würde. Sie sollten in diesem Falle unbedingt besprechen, wie die Einrichtung mit dem Nikotinverlangen des Vaters umgehen soll. In der Regel verfügen die Einrichtunen über Erfahrungen damit.

    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Mutter viel Mut und Kraft und alles Gute!

    Klaus Pawletko

  • Vielen herzlichen Dank Herr Pawletko, die Möglichkeit eines Besuchsdienstes war mit noch nicht bekannt. Vielleicht wäre das eine Möglichkeit, meiner Mutter etwas Luft zu verschaffen.

    Ich werde auf jeden Fall nochmals mit ihr über eine Möglichkeit der Kurzeitpflege sprechen.

  • Guten Abend,


    jetzt ist es schneller als gedacht soweit und meine Mama hat eine Zusage für einen Kurzzeitpflegeplatz Ende Mai. Es sind 2 Wochen, die mein Papa dort verbringen kann.


    Und nun ist die Situation folgende, dass meine Mama schon überlegt, den Platz auszuschlagen, da sie solche Angst hat, vor dem was kommt.

    Wie er da hinkommt. Was er anstellt, wenn er sieht, wo er hinkommt. Wenn sie ihn wieder abholt.


    Sie haben nächsten Monat ein Gespräch mit der Neurologin, da soll sie die Situation besprechen (evtl leichte Beruhigungstropfen; die Ärztin ist sowieso eher pro- Pflege). Ich werde ein Büchlein erstellen mit Fotos der Familie und ihn regelmäßig besuchen.


    Überlegt hatte ich nach Studium im Forum, ihm zu erklären, dass meine Mutter zur Kur muss (Krankenhaus fände ich zu arg; Urlaub ist kein Argument) und er nun diese Zeit in dem Heim verbringen muss.

    Und das auch nicht unbedingt mit ewig langer Ankündigung, sonst ist meine Mama sich nur am erklären und er vergisst das sowieso.


    Ich wünsche mir für meine Mama, dass mein Papa sich dort gut einfindet und auch die "Rückführung" nach Hause gut läuft.


    Vielen Dank fürs lesen und einen schönen Abend noch.

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