Demenz und Alkohol

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    Hallo OiOcha, zunächst Respekt, wie Sie dass alles in einer Woche durchgestanden und gestaltet haben!


    Meine Meinung zu den Besuchen kennen Sie, alles was die alten Muster aktiviert ist nicht förderlich. Mich wundert es nicht, dass die Neurologie überfordert war, denn die unheilvolle Mischung aus Korsakov, psychiatrischen Symptomen und einer würdevollen Restfassade eines Sympathieträgers gehört eher in die Gerontopsychiatrie. Der Sozialdienst dort wird sicher konkrete Empfehlungen für Heime in der Umgebung geben können, sodass Sie gezielter Ihren eigenen Eindruck bekommen.

    Ich denke, Ihr Vater kann in neuen Mustern eines Heimes seine Ressourcen besser entfalten als zuhause.

    Für Ihre Mutter ist die Mischung aus Erleichterung, Trauer, Sehnsucht usw. schwer auszuhalten, da die schlimmen Erfahrungen verblassen. Ob und wann es wichtig wird, ihr auch von den Problemen in der Klinik zu berichten, werden Sie sicher einschätzen können.

    Ihnen also viel Kraft und Klarheit, Ihr Martin Hamborg


    PS: Bitte ändern Sie Ihren Beitrag noch mal: Ortsangaben der Ausflüge sind nicht in unserem Sinne, denn dieses Forum lebt davon, dass wir ein hohes Maß an Offenheit mit dem Datenschutz verbinden

  • Jeder hat seine eigene Situation. Aber am besten erzählen Sie Ihre Geschichte einem Psychologen, der Ihnen sagt, wie Sie sich in dieser Situation verhalten sollen. Ich trinke wein alkoholfrei nur auf Empfehlung meines Psychologen. Dadurch konnte ich wieder ein normales Leben führen und mit Freunden kommunizieren.

  • Habe gestern auf Drängen der Stationsärzte meinem Vater einen Besuch abgestattet. Drei Ärzte meinten, die meisten Patienten werden einmal pro Woche besucht, das sei vonseiten der Psychiatrie auch gewünscht.


    Es ist ein nagelneues Gebäude und strahlt eigentlich einen sehr positiven Eindruck aus. Das Personal war sehr freundlich, auch im Umgang mit den Patienten.


    Mein Vater hat mich wohl durch die Glas-Eingangstür gesehen, und ist hingestürtzt, um mir zu öffnen (was natürlich nicht ging,aber es kam dann schnell eine Pflegerin, die die Tür aufgemacht hat). Er stand ganz eindeutig unter starkem Beruhigungsmittel-Einfluss und hatte dann eigentlich keinerlei Interesse an mir. Keine Konversation, immer nur verwirrt am Tresen der Station gestanden bzw. herumgeirrt. Beim Kaffeetrinken auf der Station hat er nur gelallt und sich gelegentlich mit anderen Patienten unterhalten, sie gedutzt, und so getan als wären sie alte Freunde. Er lebt wohl in seiner Jugend, es ging um seinen Bruder und seine Geburtsstadt. Irgendwann wollte er zahlen und von mir die Autoschlüssel haben, "komm, wir packen's." Er begann, sich von den Patienten zu verabschieden und dachte, ich würde ihn mitnehmen. War dann natürlich schlimm, die Pfleger haben ihm etwas zur Beruhigung gegeben (ein kleines Plastikglas mit einer Flüssigkeit -- "so Herr XYZ, noch ein Schnapserl" -- er hat sich bedankt und es getrunken) und ihn abgelenkt, und ich bin gegangen.


    Einerseits denke ich mir, warum soll ich mir (und ihm) das jede Woche antun, andererseits war ich erschrocken, wie verwarlost er aussah. Hatte 2 verschiedene Socken an und keine Schuhe, war wochenlang nicht rasiert und tagelang nicht gekämmt und keine Zähne geputzt. Der Koffer, den wir ihm vor 2 Wochen in die Klinik mitgegeben hatten stand praktisch unberührt in einem Schrank. Ich habe den Schrank eingeräumt und dann mit der Pflegeleitung gesprochen, dass man ihm Anziehsachen rauslegen und ihn zur Körperpflege anleiten muss. Insofern wahrscheinlich schon ganz gut, dass ich da war, und deshalb wird man sich wahrscheinlich auch öfter sehen lassen müssen.

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    Hallo OiOcha, eine solche Begegnung ist schwer auszuhalten und ich wünsche sehr, dass Ihr Vater wieder zu seiner Würde findet. Haben Sie mit den Ärzten*innen sprechen können, ob und wie sich der Entzug vom Alkohol auf die gesundheitliche Lage auswirkt?

    Immerhin war ein Abschied möglich, denn den gilt es ja auch bei einem Heim zu üben. Viel Kraft Ihr Martin Hamborg

  • Oh OiOcha, als ich deine Beschreibung las, musste ich auch sofort an "Würde" denken, so wie es Herr Hamborg erwähnt.

    Hoffentlich muss dein Vater dort nicht so lange bleiben und hoffentlich macht man trotzdem alles Notwendige, was halt möglich ist.

    Ich würde auch sagen, dass deine Besuche eher dazu wichtig sind, dass man dort weiß, dass Angehörige "ein Auge darauf haben.


    Ich bin heute noch dankbar, weil meine Mutter bei ihren kurzen Krankenhausaufenthalten so gut versorgt wurde und jetzt im Heim freue ich mich immer, dass meine Mutter ganz gut angezogen ist. Ich bringe ihr auch immer schöne Sachen hin. Manchmal leiden diese zwar und müssen weggeworfen werden, aber es ist mir wichtig, dass meine Mutter würdevoll behandelt wird. Dazu gehört aber auch - das möchte ich auch erwähnen - dass ich gut aushalte, dass meine Mutter jetzt in der Demenz eine andere "Ansprache" braucht als früher. Und trotzdem steht das einer würdevollen Behandlung nicht entgegen.


    OiOcha ich wünsche dir/deiner Familie, dass dein Vater da "ankommen" kann, wo es ihm gut tut (und euch auch). Du wirst alles Mögliche unternehmen, um ihm in seinen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das finde ich ganz toll und es ist ein grpßes Glück für deinen Vater, so einen Sohn zu haben.

  • Vielen Dank für den Zuspruch! Habe mittlerweile mit der Sozialstation und Pflegeleitung gesprochen. Die bemühen sich wohl schon, es werden tägliche Protokolle geschrieben. Das Problem ist wohl, er wehrt sich, wenn man ihn an/umziehen oder waschen will, besonders bei weiblichen Pflegekräften. Da ist es natürlich dann schnell so, dass gesagt wird, dann lassen wir das heute. Habe jetzt einige Tricks meiner Mutter weitergegeben, die ja mit der Thematik vertraut ist. Z.B. wird jetzt erstmal versucht, ihm morgens neue Anziehsachen ans Bett zu legen, was früher immer ein Signal war, du musst dich duschen und neu anziehen. Eigentlich kann er es ja noch, man muss ihn nur erinnern.


    Werde nächste Woche wieder vorbei gehen, wobei ich keine Termine ausmachen will, sondern lieber mal spontan zu verschiedenen Zeiten aufkreuze. Habe beim letzten Mal eine 500g Packung Lindt Kugeln (€10) für das Personal mitgebracht; da arbeiten Dutzende Leute, und es hat jeder sicherlich nicht mehr als 2-3 Kugeln bekommen. Sind solche Kleinigkeiten als Mitbringsel ok, oder soll man das lieber nicht machen?

  • Ich finde schon allein die Geste ist doch super, Süßkram geht in sozialen Berufen immer massenweise weg :)

    Alles Gute weiterhin

    Super, vielen Dank! Ich wollte auch nicht Sonderbehandlung rausschinden, sondern dachte, die arbeiten so hart für wenig Geld, da bringe ich ein kleines Dankeschön mit. Ich habe die Dinger während der Kaffeepause kurz abgegeben wo nur eine Person in der Station war und die anderen beschäftigt, da weiss eh niemand, wer sie mitgebracht hat. Werde ich dann immer so machen.

  • OiOcha, ich möchte mich anschließen ... Wir haben inzwischen ein herzliches Verhältnis zu den Pflegerinnen und die Pflegerinnen/Heimleiterin betonte, dass das durchaus nicht selbstverständlich ist. Folge einfach deinem Gefühl und sei herzlich und großzügig, wenn du das kannst und es richtig findest. Das kommt immer gut an. Alles Gute!

  • Liebe OiOcha -


    Kleine Gesten helfen immer. Das Pflegepersonal muss mit so viel umgehen, sie freuen sich über jede Anerkennung. Als meine Oma im Pflege heim war, haben meine Eltern zu Feiertagen, aber auch mal so zwischendurch eine Kleinigkeit mitgebracht: Pralinen oder eine Flasche Sekt (Silvester...). Das kam immer gut an und auch wenn man das nicht wegen einer Sonderbehandlung macht: Im Hinterkopf der Pflegekräfte bleibt es hängen.


    Liebe Grüße

    Tanja

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