Mutter wird immer schwieriger und akzeptiert keine Hilfe

  • Hallo,

    hier mal kurz - oder auch länger eine Schilderung der Situation meiner Mutter (82 Jahre).

    Seit ca. 5 Jahren bemerke ich bei ihr zunehmend Auffälligkeiten, die ich am Anfang halt auf eine gewisse altersbedingte Problematik schob. Sie behauptete Sachen, die überhaupt nicht sein konnten, wollte nicht zum Arzt, sah es nicht ein, dass ich nicht gleich zu ihr kommen kann, wenn sie anruft - ich bin Vollzeit berufstätig - und so allerhand anderes.

    Es lief aber so weit noch alles einigermaßen, sie lebt allein in einer großen Wohnung und kam mit meiner Hilfe bei Haushalt, Einkaufen, etc ganz gut zurecht. Ihren Papierkram und alles Administrative mache ich schon, seit mein Vater vor 20 Jahren gestorben ist, das ist aber nie ein Problem gewesen.

    Naja seit ihrem letzten Krankenhausaufenthalt 04/21 wegen eines häuslichen Sturzes geht es rapide bergab. Sie ist zwar körperlich für ihr Alter noch relativ gut in Schuss, außer Diabetes Typ 2 keine weiteren Erkrankungen, aber der Kopf lässt rapide nach. Im KH wurde auch eine Art Demenztest mit ihr gemacht, da hat sie von 10 Punkten 3 erreicht, was genau müsste ich nochmal im Arztbrief nachlesen. Aber eine Demenz-Diagnose haben wir nicht, denn sie geht ja nicht zum Arzt.

    Mit dem Diabetes ist sie auch nie klargekommen. Sie hat einen Sensor am Arm, ich rufe dreimal täglich an, dann messen wir und ich sage ihr, wie viele Einheiten Insulin sie spritzen soll. Bisher auch okay, auch wenn ich dabei ein zunehmend schlechtes Gefühl habe. Wir hatten mal für 6 Wochen einen Dienst, der das übernommen hat, aber damit konnte sie gar nicht umgehen, weil der halt nicht wie ich zu ihren bevorzugten Zeiten verfügbar war sondern immer unterschiedlich. Dann hat sie mich ständig im Büro weinend angerufen und mir Vorwürfe gemacht, warum ich ihr das antue.

    Naja also Dienst wieder weg und wieder unser altes System


    Seit einigen Wochen nimmt die Verwirrtheit aber Fahrt auf. Sie behauptet, während sie letztes Jahr im KH war hätte jemand ihre Wohnung durchwühlt....dieser Jemand hat aber nichts gestohlen sondern ihr Müll in den Keller gestellt, an ihre Halsketten andere Verschlüsse gemacht, irgendwelche Zettel mit geheimen Botschaften hinterlassen und so einiges anderes. Sie findet quasi täglich neue "Beweise" und ruft mich dann zu jeder Tages- und Nachtzeit an, um mir ihre neuen Entdeckungen zu schildern.

    Mittlerweile ist es so schlimm dass sie sogar bei der Hausverwaltung den Einbau eines neuen Schlosses veranlasst hat und niemandem mehr einen Schlüssel gibt - mir nicht und auch dem Hausnotruf nicht. Und trotzdem behauptet sie weiterhin dass dieser Jemand regelmäßig ihre Wohnung durchwühlt. Sie ist keinerlei logischen Argumenten zugänglich. Dabei räumt sie den ganzen Tag rum, sie ist extrem aktiv, unruhig, rennt ständig in der Wohnung hin und her und kann nicht mal 5 Minuten in Ruhe sich irgendwo hinsetzen.


    Im Moment verweigert sie auch z.B. dass ich für sie einkaufe, dabei geht sie selber nicht mal mehr zu Briefkasten, mit der Begründung, dass in dieser Zeit (Aufzugfahrt innerhalb eines Mietshauses) der berühmte Jemand ihre Wohnung durchwühlen würde.

    Bisher habe ich trotzdem immer noch für sie eingekauft und sie hat es auch dann nach Diskusssionen akzeptiert. Gestern jedoch gab es eine Eskalation. Habe eingekauft, fahre zu ihr, sie macht die Tür nur einen Spalt auf, schreit mich an, dass sie nichts bestellt hätte und ich das wieder mitnehmen soll. Habe es ihr einfach durch den Türspalt in die Wohnung gestellt und bin kommentarlos wieder gegangen.

    Naja heute war ich wieder bei ihr, da stand die Einkaufstasche von gestern immer noch unangetastet da...wunderbar, denn es sind Joghurt, Milch, Obst, Salat etc drin. Also reif für den Müll.

    Habe in ihren Kühlschrank geguckt, leeeeeer.....frage, was das soll, sagt sie: Das könnte mir egal sein, sie lässt sich von mir nicht mehr bevormunden.

    Ich bin so hilflos und weiß nicht, was ich machen soll. Habe eine Schwester, die hat aber seit einigen Monaten wegen ihrer "Verrücktheiten" jeglichen Kontakt zu ihr eingestellt. Das oben geschilderte ist auch nur die Spitze des Eisbergs.

    Am schlimmsten für mich ist, dass sie keinerlei Hilfe annimmt und sich total in ihren Fantasien verliert. Sie sagt auch ständig, dass sie Angst hat. Vor allem und jedem, vor dem Telefon, vor der Türklingel, vor Corona, vor dem Krieg, einfach alles.

    Wenn ich mir vorstelle in welcher psychischen Not sie sein muss, dass sie so um sich "schlägt" kommen mir die Tränen, gleichzeitig bin ich manchmal - wie gerade heute wieder - total wütend auf sie, weil sie mir seit Jahren das Leben zur Hölle macht. Ich weiß, dass klingt hart, aber ich bin echt am Ende, denn alles was ich mache ist falsch.

    Jetzt habe ich für nächsten Donnerstag hier der Nähe in einem Seniorenwohnheim einen Besichtigungstermin vereinbart, dorthin könnte sie sogar ihren Kater mitnehmen und es wäre direkt in der Nähe, aber sie zickt rum und will da nicht mitgehen, obwohl ich ihr schon zig Mal gesagt habe, dass wir uns das nur mal anschauen wollen, ob sowas evtl. was für sie wäre.

    Sorry für den langen Text, aber es tut gut, sich das mal von der Seele zu schreiben.

    Vielleicht - oder ganz sicher - hat ja jemand schon Ähnliches erlebt und hat ein paar hilfreiche Tipps für mich.


    Danke :)

  • Zuerst mal will ich Dir mein Verständnis für Deinen Schmerz und Kummer mitteilen.

    Wir alle müssen uns hineinfinden in die Veränderungen, die die Demenz unserer Angehörigen mit sich bringt. Das ist schwer.

    Waren früher die Eltern diejenigen, die uns (im guten Fall) den Weg ins Leben zeigten, uns führten und anleiteten, uns auf Irrwegen Halt und Orientierung gaben, so sind sie durch die dementiellen Veränderungen zunehmend selbst ohne Orientierung und bräuchten Halt.

    Aber den Halt wollen einige nicht ausgerechnet bei ihren Kindern finden, das trifft sie immer noch in ihrer elterlichen Würde.

    Gerade bei Deiner Mutter könnte ich mir vorstellen, dass es gar nicht so sehr psychische Not ist, die sie um sich schlagen lässt, sondern Wut darauf, dass sie selbst vieles von ihrem Alltag nicht mehr versteht. Sie möchte noch eigenständig sein (wie meine Mutter auch) und nimmt aber immer wieder ihre Grenzen wahr, ohne zu wissen, wie sie damit umgehen könnte.

    Da empfindet sie dann vermutlich Hilfe tatsächlich als Belästigung, weil ihr Deine Hilfeversuche nur noch deutlicher machen, dass sie einiges alleine nicht mehr bewältigen kann.

    Ich weiß nicht, wie andere das hier sehen, aber ich würde tatsächlich vermutlich in diesem Fall auch mal nichts für sie einkaufen und die Reaktion abwarten - natürlich schon unter "heimlicher" Beobachtung, damit sie nicht länger ohne Nahrungsmittel bleibt.

    Ich würde einfach versuchen, meine Hilfe im für sie wahrnehmbaren Bereich zurückzunehmen, ohne sie einzustellen. Und ihr signalisieren: natürlich respektiere ich Deinen Willen. Es macht auf mich wirklich den Eindruck, sie glaubt, ihre Selbstständigkeit gegen Dich verteidigen zu müssen.

    Die Besichtigung des Heimes würde ich vermutlich schlimmstenfalls alleine machen und dann immer wieder mal Ausschnitte in Erzählungen einfließen lassen.

    Vielleicht bekommst Du sogar bei der Besichtigung von den dortigen Fachleuten auch einige Tipps, wie Du mit der schwierigen Situation so umgehen kannst, dass Du sie leichter ertragen kannst.

    Auf jeden Fall: Du darfst wütend sein, weil Dich diese Situation auch massiv fordert und hilflos macht - aber vielleicht kannst Du auch versuchen, zu sehen, dass Deine Mutter sich u.U. manchmal von Deinen hilfsbereiten Einsätzen überrumpelt fühlt und vorher gerne gefragt würde, was ihr denn Hilfe wäre. Evtl. nähme ihr das wenigstens ein bisschen das Gefühl, bevormundet zu werden?

  • Hallo KO72 -


    ich kann vollkommen nachvollziehen, dass es gut tut, sich mal alles von der Seele zu schreiben. Das habe ich mit meinem ersten Beitrag in diesem Forum auch gemacht. Und gesehen, dass es viele Leute gibt, die in einer ähnlichen Situation sind. Das tut einem gut, auch wenn man diese Situation niemandem wünscht. Aber es hilft, wenn man merkt, dass man nicht alleine ist.

    Du hast jedes Recht, wütend zu sein. Und ja: Man denkt, man macht alles falsch, wird angeschrien, usw. Ein Tipp, den mir Mitglieder in diesem Forum gegeben haben und der mir geholfen hat: Bei aller Liebe zur Mutter und so schwer es fällt: Man muss Gelassenheit üben, sonst geht man kaputt. Das stimmt wirklich. Bei mir waren es kleine Schritte: Nachts das Handy ausstellen, als ist festgestellt habe, dass sie sich an Anrufe um 3 oder 4 Uhr morgens nicht erinnert und dass ihr nichts fehlt. Manchmal auch den Flugmodus am Tag einschalten, um Ruhe zu bekommen. Oder wie ecia25 vorschlägt, mal nichts einkaufen (unter Beobachtung) und schauen, was passiert oder die Hilfe in anderen Bereichen zurückfahren. Und nicht immer verfügbar sein, vielleicht merkt Deine Mutter dann, was sie noch alleine kann und wo sie Hilfe benötigt.

    Von meiner Seite wünsche ich Dir viel Kraft und Durchhaltevermögen.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo KO72,

    Sie haben ja hier bereits viel Zuspruch und Verständnis erfahren. Ich möchte noch einige weniger emotionale Hinweise ergänzen.

    Zuvorderst möchte ich Ihnen raten, mehr Führung zu übernehmen - auch wenn es Sie bei Ihrer Mutter nicht unbedingt beliebter macht.

    Als erstes scheint mir dringend eine umfängliche Diagnose angeraten, am besten in einer so genannten Gedächtnissprechstunde (wenn es die in Ihrer Nähe gibt). Anhand der von Ihnen geschilderten Symptome könnte bei Ihrer Mutter auch eine Altersdepression mit im Spiel sein.

    Vielleicht müssen Sie die Dringlichkeit eines Arztbesuchs anders begründen, z.B. mit einer Sorge vor möglichen Auswirkungen der Insulingabe oder ähnliches.

    Dann gibt es viel Praktisches zu regeln: Leistungen bei der Pflegekasse beantragen (Pflegestufe, Hilfen nach § 45), Vorsorgevollmacht (evtl. separate Bankvollmacht) etc.

    Wenn Ihnen die ganze Situation zu sehr "an die Nieren" geht, könnten Sie auch über die Beteiligung eines rechtlichen Betreuers nachdenken, der oder die Sie unterstützen könnte. Hierzu würde ich Ihnen eine Beratung bei einem sog. Betreuungsverein empfehlen. Sie geben damit nicht die Verantwortung und den Einfluss ab, aber können sich in schwierigen Situationen mit einem Menschen vom Fach austauschen.

    Mit dem Termin in der Pflegeeinrichtung haben Sie ja bereits einen "Plan B" in Erwägung gezogen. Ob so ein Schritt zum jetzigen Zeitpunkt der richtige ist, kann ich aus der Distanz nicht beurteilen. Das wird entscheidend davon abhängen, wie sehr Ihre Mutter zukünftig Unterstützung (und Führung) akzeptieren wird.

    Ich wünsche Ihnen jedenfalls alles Gute in dieser für Sie schwierigen Zeit.


    Beste Grüße von

    Klaus Pawletko

  • Hallo KO72,


    leider kann ich dir auch nur mein Mitgefühl aussprechen. Deine Wut und Verzweiflung sind absolut verständlich. Ich wünsche dir da ganz viel Kraft.


    Diese innere Zerrissenheit, das schlechte Gewissen das kennen wir hier leider alle. Ich würde dir gerne etwas sagen damit das weg geht aber das ist ein Prozess der (wie auch bei mir) mal besser mal schlechter funktioniert. Du leistest unheimlich viel das ist bewunderswert. Auch die Erfahrung das man von Geschwistern, Verwandten etc mit der Situation allein gelassen wird ist leider nicht ungewöhnlich. So unterschiedlich wie alle Fälle sind so sehr ähneln sie sich in vielen Bereichen.


    Ganz wichtig ist was Hr. Pawletko gesagt hat, Vollmachten, Pflegestufe etc. Gerade ohne die Vollmachten bist du oft außen vor.


    Was mir beim lesen deines Beitrages durch den Kopf ging. Schläft deine Mutter? Also in der Nacht ? (sofern das für dich überhaupt überwachbar ist). Oder ist der Tag/Nacht Rythmus komplett durcheinander?

    Du schreibst ja die Anrufe kommen zu jeder Tages und Nachtzeit.

    Wie gesagt jeder Fall ist anders aber bei meinem Vater hat der Nachtschlaf gigantische Auswirkungen auf die Tagesform. Mit 7-8 Stunden Schlaf am Stück (mit Hilfsmitteln) konnte ich viel erreichen, gerade im Kontrast zu Tagen wenn das nicht funktioniert.


    Zu guter letzt, schreibe dir hier alles von der Seele, wir haben da auch einen ganz tollen "Wie geht es Euch" Thread. Das aufschreiben und teilen hilft ungemein.

  • Hallo KO72 -


    ich kann mich Sohn83 nur anschließen: Meine Mutter hat mich eine Zeitlang um 3 oder 4 Uhr morgens angerufen, da war ihr Schlafrhythmus deutlich gestört. Bei ihr hat sich das aber wieder gelegt und mittlerweile schläft sie morgens länger als früher. Seitdem geht es ihr an vielen Tagen besser. Ich weiß leider nicht, warum sich das wieder gelegt hat, sonst würde ich den Tipp hier aufschreiben. Aber es kann sich wieder ändern. Vielleicht ein kleiner Funken Hoffnung für Dich.

    Liebe Grüße

    TanjaS

  • Hallo,

    vielen Dank für euren Zuspruch, das tut so unheimlich gut, denn in meiner unmittelbaren Umgebung (Familie und Bekannte) bekomme ich nur zu hören, ich soll sie hängen lassen, dann würde sie schon merken, was ich für sie alles tue.

    Sagt sich leicht, aber kann ich nicht....sie ist von mir total abhängig, würde keinen Tag überleben, weil sie mit ihrem Diabetes überhaupt nicht umgehen kann. Den Rest mit Haushalt und so könnte ich schon mal ein paar Tage schleifen lassen, aber der Diabetes duldet ja leider keine Pause.

    Pflegegrad 3 hat sie schon seit April 2020 und Vorsorgevollmachten habe ich schon seit 2014, also da bin ich auf der sicheren Seite.


    Für Montag hatte ich den ersten Termin mit einem Betreuungsdienst für Demenzkranke vereinbart. Die sollten an zwei Tagen die Woche für jeweils zwei Stunden mit ihr was unternehmen, sei es nur Kaffee trinken oder spazieren gehen - ich wollte eigentlich bei dem ersten Termin dabei sein, das hatte sie mir aber unter großem Geschrei am Telefon verboten, sodass ich mich zurückgenommen habe und ihr das Feld überlassen habe.

    Ergebnis: Sie hat die Dame an der Tür angeschrien, dass sie keine Hilfe braucht und die Tür wieder zugeschmissen. Dabei hatte sie mir Montagmorgen noch gesagt, dass sie sich freut, wenn sie mal wieder Besuch bekommt.

    Tja, also Dienst gleich wieder gekündigt, wäre ja auch zu schön gewesen.


    Morgen um 9 Uhr haben wir jetzt doch den Termin im Seniorenwohnen (ich muss aufpassen, dass ich nicht Heim sage) und ich hoffe, dass sie auch mitgeht. Das ändert sich bei ihr ja minütlich zur Zeit.

    Gerade erst hat sie mir am Telefon wieder gesagt, dass ich mir nicht einbilden soll, dass sie da was unterschreibt, denn ihr geht es ja gut und sie lässt sich nicht von mir ins Grab treiben.....was soll man da noch sagen.

    Habe diese Woche echt versucht, auf ihre böse Art nicht zu reagieren und es ist mir auch weitestgehend gelungen, aber nach jedem Telefonat mit ihr bin ich am Ende und weiß nicht, wie ich weitermachen soll.


    Wenn das jetzt morgen auch nix wird, dann bin ich überfragt. Ich kann einfach nicht mehr und sehe auch kein Licht am Horizont, denn im Moment wird es mit ihr immer schlimmer.


    Ach ja, das mit der Depression stimmt auf jeden Fall, denn das hat ihr Hausarzt schon vor 15 Jahren diagnostiziert und wollte sie zu einem Facharzt überweisen - ihre Antwort damals: Ich gehe doch nicht zum Irrenarzt.


    Naja, bitte für morgen die Daumen drücken, das Seniorenwohnen ist aktuell meine einzige Hoffnung......


    Danke

  • Liebe KO72, zuerst herzlich willkommen im Forum. Auch ich möchte dir mein größtes Verständnis signalisieren. So vieles passt auch auf meine Situation mit meiner Mutter, so wie eben viele Dementen und ihre Angehörigen ähnliche Phasen durchlaufen. Auch wir (ich und mein Mann) haben über Jahre das Leben meiner Mutter noch aufrecht erhalten. Offensichtliche Hilfe wurde von ihr (weil als unnötig empfunden) mehr oder weniger abweisend bis hochaggressiv abgelehnt, die von mir engagierten Pflegekräfte schlug meine Mutter verbal aggressiv in die Flucht. Sie wären aber bitter nötig gewesen, denn weder sorgte meine Mutter für die Nahrungsaufnahme noch für die eigene Hygiene. Von anderen Notwendigkeiten ganz zu schweigen. Ihr Bett lehnte sie ab und schlief über Monate sporadisch im Sessel (natürlich in ihrer Tageskleidung). Gesundheitliche Probleme gab es auch - ich allein war dafür zuständig - die eigene Gesundheit blieb dabei auf der Strecke.


    Im Gegensatz zu vielen anderen Fällen hier haben wir (warum auch immer) keine Vollmachten von ihr bekommen, d.h. wir mussten/müssen uns auch noch mit behäbig arbeitenden Gerichten herumplagen. Die Einzelheiten will ich hier nicht aufschreiben. Aber da wir keinen Zugriff auf das Konto meiner Mutter hatten, lief über Monate alles (außer der automatischen Abbuchungen) über unsere Konten. Und jetzt möchte das Gericht erneut eine nahtlose Aufstellung des Vermögens und vieler anderer Daten meiner Mutter (auszufüllende Listen, Fragen usw.). Es ist der Horror. Wir haben hier ihr Haus und Grundstück mit zu bewältigen und wissen nicht, was wir damit in Zukunft machen sollen/dürfen/können. Dabei sind wir auch selbst nicht mehr jung ...


    Nun ist meine Mutter in einem Pflegeheim, das uns sehr zusagt. Wie meine Mutter das findet, kann sie uns nicht mehr mitteilen, da in ihrer Welt die Dinge anders laufen ... Ich finde das alles furchtbar, aber es gab einfach keinen anderen möglichen Weg, weder für sie noch für uns.


    Du siehst also, du bist nicht allein ... Man macht auch als Angehörige die Hölle durch. Wie man es auch dreht und wendet: Es ist und bleibt eine schwere Erkrankung.

    Ich denke, die einzige Strategie ist, dies so gut es geht in das eigene Leben als Tatsache zu integrieren (die Dinge sind wie sie sind) und nicht in einen unnötigen Widerstand zu gehen (denn leider haben wir keine Macht, diese Krankheit und ihre Symptome zu ändern). Wir können nur nach bestem Wissen und Gewissen helfen, wo es möglich und nötig ist. All das ist sehr schwer, natürlich!


    Ich wünsche dir, dass der Weg bis zu einer einigermaßen guten Entscheidung nicht allzu lang wird. Manchmal bessert sich im Pflegeheim tatsächlich das aggressive Verhalten wieder. Bei meiner Mutter ist das der Fall, wenngleich die Probleme nicht alle schlagartig aufhören. Aber man hat wieder Luft zum Atmen und das ist ein großer Gewinn.

    Einmal editiert, zuletzt von schwarzerkater () aus folgendem Grund: Fehler korrigiert.

  • Liebe schwarzerkater (während mein rot-weißer neben mir schläft)


    Deinen letzten Beitrag finde ich unglaublich einfühlsam und hilfreich, obwohl ja bei meiner Mutter alles etwas anders ist. Aber ich möchte Dir dennoch meinen Dank direkt mitteilen, da es ja per Smiley leider nicht mehr möglich ist.

  • Danke sehr, liebe ecia25, wir haben aufgrund der Demenz unserer Angehörigen alle ein jeweils spezielles (schweres!) Päckchen zu tragen. Ich habe auch oft profitiert ... unter anderem von deinen Beiträgen und gebe daher den Dank gern zurück.

    "schwarzerkater" war übrigens mein früherer Kater-Gefährte, jetzt haben wir ein dreifarbig-geringeltes Katzenmädchen. Alles Liebe!

  • Vielen Dank für eure Anteilnahme.


    Also der Termin im Heim fand am Donnerstag statt, erstaunlicherweise kam sie auch mit. Wenn auch ohne Rollator, was dann damit endete, dass der Hausrundgang im Rollstuhl stattfand, weil meine Mutter natürlich nicht so viel laufen konnte ohne Hilfe, denn sie sitzt ja seit Monaten nur in ihrer Wohnung.


    Zuerst fand eine Besprechung im Büro statt, die Dame war sehr nett und fragte meine Mutter, was denn gerade so ihre größten Probleme zu Hause wären.

    Naja wie ihr euch bestimmt denken könnt, bin ICH ihr größtes Problem.

    Die Antwort war eine einzige Tirade gegen mich, was ich alles von ihr verlange, was ich alles für sie entscheide, was ich alles NICHT mache und und und. Und dass ihre andere Tochter dagegen eine Traumtochter wäre - diese Traumtochter, die seit Wochen nicht mal anruft und zu mir gesagt hat, ich soll sie verrotten lassen.....

    Habe sie einfach reden lassen.....als sie sich dann ausgepowert hatte, guckte mich die Dame vom Heim mitleidig an und sagte: Das tut mir sehr leid, dass Ihre Mutter derzeit nicht anerkennen kann, was Sie alles für sie tun, aber diese Problematik haben wir ganz oft.

    Naja dachte ups, hoffentlich steht Muttern jetzt nicht gleich auf und geht raus, aber sie hat das wohl nicht kapiert, was die Dame gesagt hat.


    Naja die Dame fragte dann, wer sie denn derzeit versorgt, wenn ich das alles nicht mache und sie mich nicht um sich haben will.....sagte Muttern: Das weiß ich nicht....naja was soll sie auch sagen, es gibt ja niemanden.


    Wir sind dann los, zuerst oben auf die Dachterrasse, da saßen einige beim Frühstück draußen, auch Personal einfach so dazwischen.

    Auf jedem der vier Stockwerke hat sie uns dann ein Zimmer gezeigt. Echt schön das Heim, vor allem ist mir aufgefallen, dass nicht einfach so Leute aufm Gang im Rollstuhl saßen und es war alles sauber, keine Gerüche, kein Weinen oder Schreien, einfach gemütlich, soweit man das von einem Heim sagen kann.

    Wir sind auch in jedem Stockwerk an den Gemeinschaftsräumen vorbeigegangen, da saßen viele beim Frühstück, da ist in jedem so eine Art Theke, und die Leute bekommen das Essen dann am Tisch serviert.

    Meine Mutter hat auch vom Gang aus immer den Leuten da gewinkt und einige haben zurückgewinkt.....also die Kontaktfreude hat sie immer noch.


    Auf dem Gang hat sie auch das Personal angesprochen, wie fleißig die sind und die haben alle nett reagiert, einige haben sie sogar am Arm gestreichelt und mit ihr ein paar Worte gewechselt. Also für mich einfach sympathisch.

    Sie war ja vor drei Jahren mal für 6 Wochen in einer Kurzzeitpflege und das Heim damals war dagegen ne Katastrophe.

    Sogar mit dem Friseur hat sie ein paar Worte gewechselt, der machte gerade seinen Laden auf und der sagte, er sieht schon, sie wird eine neue Kundin, bei ihr wäre gut was zu schneiden. Nett :)


    Naja dann wieder zurück ins Büro und die Dame fragte, wie es ihr den gefällt.

    Ja gut sagte sie, aber sie weiß gar nicht warum sie hier ist, denn sie kommt ja zu Hause gut klar und daher würde das für sie gar nicht in Frage kommen.

    Und erstmal auf die Warteliste, nein, macht keinen Sinn, sie zieht eh nicht ein.

    Die Dame sagte dann noch zu meiner Mutter, dass sie es schon mal anerkennen soll, dass ich mit ihr da heute hingekommen bin, denn viele Angehörige kommen ohne den Betroffenen und entscheiden dann einfach über dessen Kopf hinweg, und daran müsste sie doch sehen, dass ich es gut mit ihr meine....naja nett gemeint, aber kam leider nicht an.


    Okay, hatte die Anmeldeunterlagen schon fertiggemacht, Medicproof-Gutachten und Vollmachten dabei und habe diese Unterlagen unauffällig auf dem Tisch liegen lassen. Die Dame hatte das schon gesehen und hat zu mir gesagt, dass wir bei Gelegenheit mal telefonieren und das Gelegenheit so betont, dass ich dann gleich, nachdem ich Muttern nach Hause gebracht hatte nochmal dort angerufen habe.

    Wollte sie auf jeden Fall auf die Warteliste setzen lassen und die Dame sagte, das hätte sie eh schon gemacht, weil sie gemerkt hätte wie sehr mich die Situation belastet.

    Sie meinte noch, meine Mutter hätte wohl aktuell nur eine leichte Demenz, sie würde eher auf Depressionen gemischt mit Einsamkeit und ausgeprägter Sturheit tippen.

    Und sie meinte auch, dass meine Mutter ideal da aufgehoben wäre, weil sie da viele Kontakte hätte und sie wäre ja sehr kontaktfreudig und das könnte sie nochmal richtig aus ihrem Loch rausholen - das denke ich ja auch. Nur wie????


    Danke und ein schönes Wochenende :)

  • könnte sie nochmal richtig aus ihrem Loch rausholen - das denke ich ja auch. Nur wie????

    Ein erster Schritt ist getan, war entgegen einiger Befürchtungen möglich, das lässt doch ein wenig Hoffnung keimen, dass auch weitere Schritte möglich werden.

    Es war gut, dass die Dame vom Heim auch so verstehend reagiert hat und Dir signalisieren konnte, dass Du mit den Problemen keinesfalls ein Sonderfall bist, sondern sie das kennen. Vielleicht können Dir weitere Kontakte mit ihr bei weiteren Schritten helfen.

    Auch ein schönes Wochenende! :) 34

  • Hallo KO72 u.a.

    Das klingt ja wirklich gut mit dem Heim!!

    Meine Mutter ist auch in einem sehr schönen mit nettem Personal, schönem Ambiente etc. - Nur leider heimatfern, das tut mir oft leid, weil ich damit meist die einzige Besucherin bin und die noch übrigen vereinzelten Bekannten nicht hinkommen.

    Also bei uns wurde es durch Stürze, zuletzt mit gipsarm eingeleitet und wir haben quasi meine Mutter immer weiter vertröstet bzgl. Heimkehr, weil meine Schwester vorort nicht mehr konnte, in den Augen meiner Mutter alles falsch machte, meine Mutter oft bis nachmittags im Nachthemd, antriebslos, depressiv, was sie natürlich alles abstritt. Und dann kam corona und wir waren froh, dass sie versorgt war und dauernd Leute zum reden, eine Zeit lang sogar verliebt in einen Bewohner, das war so schön zu sehen. Er ist leider verstorben vor 1 Jahr. Doch meine Mutter ist auch sehr kommunikativ und mit einer pflegekraft, die vllt kaum Deutsch kann, wäre es sicher nicht besser, sage ich mir nun, wenn mich das schlechte Gewissen packt.

    Also es kann sich schnell mal eine Situation ergeben, die eine Wende bringt. Momentan kannst du wohl nur abwarten und sehen, dass du bei Kräften bleibst..

    Liebe Grüße

  • Hallo KO72 -


    meistens verstehen die Leute um die Mutter herum die Situation und wissen auch, was Du leistest. Die Betroffenen selbst erkennen das nicht mehr. Ich weiß, wie nahe es einem geht, wenn man quasi nur angeschimpft wird, man sich immer wieder anhören muss, dass man nichts tut usw. Der Besuch im Heim und das Heim selbst hört sich nach einem Schritt vorwärts an. Ich drücke Dir die Daumen, dass es klappt. Und wünsche Dir viel Kraft, alles durchzustehen.

    Liebe Grüße

    TanjaS

  • Hallo KO72, wie die anderen schon schrieben, ist tatsächlich der erste Schritt gemacht. Es ist einfach ein komplexer und oft schwieriger Weg, den man noch nie im Leben vorher gehen musste. Dabei wird jeder Weg individuell sein, und doch können viele Betroffene ähnliche Dinge berichten. Besonders wichtig ist, dass einem als Angehörige das Heim sympathisch ist .... und dass man das Gefühl hat, die Mutter ist da gut aufgehoben. Die Demenz wird auf jeden Fall fortschreiten und die Erinnerung an zu Hause wird kleiner werden .... Auch meine Mutter spricht immer mal wieder davon, dass sie wohl bald nach Hause kommt. Heute hat sie mir Arm in Arm mit einer lieben jungen Pflegerin nachgewunken. Ganz entspannt! Das war ein sehr schöner Moment für mich.

    Wir haben ganz andere Situationen hinter uns (wie ich schon schrieb.).

    Manchmal helfen auch plötzlich sich ändernde Umstände, die eine neue Tür öffnen (Kurzpflege - Pflegeheim ...). Das ist bei vielen so und so war es auch bei uns ... Viel Kraft weiterhin.

  • Danke für eure Unterstützung.


    Für morgen habe ich einen Telefontermin mit der Pflegeberatung vereinbart, denn ich muss irgendwie aus dieser Situation raus, merke, wie auch bei mir alles den Bach runter geht.

    Kann mich nicht mehr konzentrieren, kann nicht mehr schlafen und habe regelrecht Widerwillen, bei meiner Mutter anzurufen bzw. zu ihr zu fahren.

    Will einfach mal klären, was ich für Möglichkeiten habe, denn auch mir kann ja mal was passieren und dann wäre sie von heute auf morgen unversorgt.

    Wobei sie momentan auch alles torpediert, was ich ihr vorschlage....ja ich habe von euch gelernt und schlage nur noch vor, man könnte doch dies oder das mal machen.

    Aber sie schreit alles nieder, mittlerweile redet sie nicht mal mehr normal mit mir sondern schreit mich nur noch an, egal in welcher Situation.

    Heute habe ich wieder mal für sie einkaufen dürfen, habe strikt nur das gekauft, was sie mir aufgetragen hat - naja fast, hatte noch bissl frisches Obst, aber das hat sie aussortiert und ich musste es wieder mitnehmen.

    Dann sagte sie, ihr TV wäre kaputt, ich soll den mitnehmen - ich schalte den an, läuft.....sie schreit mich an, wenn sie sagt, der wäre kaputt, dann wäre der kaputt.

    Habe nix gesagt und bin einfach zur Tür und weg......


    In diesem Sinn, ich hoffe auf morgen :)


    VG

  • KO72 du machst das sehr gut. Der gang zur Pflegeberatung ist auf jeden Fall der richtige Schritt. Es ist überall etwas anders organisiert, in vielen Gegenden bieten noch das Rote Kreuz oder Malteser ein umfangreiches Angebot mit Unerstützung.
    Das ist eine schwierige Situation und ich wünsche dir viel Kraft. r


    Es ist zwar das kleinste Problem, aber der kaputte TV. Den hatte ich schon öfter bei meinem Papa sowie meiner Tante (ein Haus weiter). Da waren es ganz oft die fast leeren Batterien der Fernbedienung.

  • Hallo KO72 -

    ich fühle wirklich mit Dir. Ich kann Dir leider nicht versprechen, dass es besser wird - meine Mutter scheint in einem ähnlichen Stadium zu sein, auch wenn ich es etwas besser habe, da ich einige Hundert Kilometer von ihr entfernt wohne. Gestern war auch so ein Tag, an dem ich x-mal per Telefon angerufen und angeschrien wurde. Irgendwann abends habe ich das Handy dann ausgeschaltet und habe heute früh entsprechend viele Nachrichten auf dem AB. Auch den kaputten Fernseher kenne ich. Bei meiner Mutter war es so, dass sie das Telefon mit der Fernbedienung verwechselt hat. Aber da muss man erst einmal drauf kommen.

    Mittlerweile kann ich zumindest - auch dank der Ratschläge der Mitglieder dieses Forums und zwei guter Freundinnen - zumindest wieder schlafen. Und mich auf meine Arbeit konzentrieren, die hat anfangs am meisten gelitten. Aber ich kenne den Widerwillen, mit der Mutter zu telefonieren oder hinzufahren. Mir geht das genauso, weil ich weiß, sie schreit wieder, sie beleidigt mich usw. Daher: Zieh öfter die Tür hinter Dir zu und geh. Das ist sicherlich nicht einfach, aber es wird Dir helfen.

    Liebe Grüße & viel Kraft

    TanjaS

  • Liebe KO72, liebe TanjaS, lieber Sohn83, ich habe das mit meiner Mutter ähnlich erlebt. Es begann vor Jahren und ich ahnte damals nicht, dass so ein Verhalten am Beginn der Demenz stehen kann.


    Es war aber eben auch nicht so, dass meine Mutter sich im Wesen völlig verändert hätte. Sie verhielt sich schon so, dass man ihre Persönlichkeit noch sehr gut erkannte. Aber es waren eben v.a. die aggressiven und dominanten Anteile ihrer Persönlichkeit, die voll zum Ausdruck kamen. Vor allem ich als Tochter war Adressatin und habe viele Narben auf der Seele davongetragen als damals schon erwachsene Frau im fortgeschrittenen Alter und ansonsten sehr stabil im Leben stehend. Nichts (!!!!) passt meiner Mutter mehr, was ich machte. Die Sache mit dem Fernseher kenne ich u.a. auch. Die ganze Welt wurde beschimpft ....

    Meine Tochter, die damals im Ausland arbeitete und seltener nach Hause kam, traute ihren Augen und Ohren damals nicht, was aus ihrer lieben und zupackenden Oma geworden war ...


    Niemand, nicht einmal meine Mutter, hat damals an Demenz gedacht ... Aber - wie ich schon mal schrieb - das Verhalten kann sich auch wieder verändern. Die Pflegedienstler (meine Mutter hat sie damals schimpfend in die Flucht geschlagen) haben mir damals erklärt, meine Mutter wäre halt sehr auf mich fixiert und es würde besser werden, wenn sie nicht mehr in ihrem häuslichen und damit in meinem Umfeld ist.


    Ich konnte das damals nicht glauben, aber es wurde tatsächlich im Pflegeheim (das dieser Pflegedienst betreibt) viel besser. Man nimmt sie dort genauso, wie sie es mag - das ist der Anspruch dieses Pflegeheimes. (Sie sortiert da z.B. Papier und die Post, sitzt mal hier, mal da ...und schaut dem Geschehen zu :-).


    Das führt dazu, dass sie sehr gelassen und entspannt wirkt und - abgesehen - von ihrer Demenz - so gesund ist, wie selten zuvor in ihrem Leben. Sie wird ja auch ärztlich ständig überwacht, gepflegt und gehegt .... Sie kümmert sich nun um keins der großen derzeitigen Probleme in der Welt mehr.


    Also es kann wieder besser werden, wenn man ein paar Hürden überstiegen hat. Anschließend muss man an sich selbst arbeiten, damit die Narben heilen und man sich in die neue Position hineinfindet. Das kostet Zeit, manchmal mehr als einem lieb ist. Ich habe damals keine Hoffnung gehabt, aber nun ist mehr als ein Silberstreif davon am Horizont zu sehen.


    Das wird sicher bei euch auch so kommen, selbst wenn man sich das nicht vorstellen kann. Eine Beratung habe ich damals übrigens nicht in Anspruch genommen, sondern viel gelesen (auch hier), mir selbst viel hergeleitet und auch mit Menschen gesprochen, die praktische Erfahrungen mit Demenzkranken haben (v.a. unser Pflegedienst). Man braucht halt Menschen, die das Erlebte einordnen können ..., so dass man nicht in falschen Schlussfolgerungen hängen bleibt. Das kann sicher auch so eine Beratungsstelle sein.

  • Guten Abend,

    hier mal kurz das Neueste:

    Das Telefonat mit der Pflegeberatung war nicht sehr erfolgreich, weil die Dame doch etwas überfordert wirkte, aber ich hatte bei den regelmäßigen Telefonterminen, die ja jedes halbe Jahr stattfinden auch den Eindruck, dass das alles bissl nach Schema F geht. Die hat wohl einen Fragebogen und fragt der Reihe nach das ab.

    Naja sie hat mir dann den Tipp gegeben, mich an einen Betreuungsverein zu wenden, um da zu klären, ob ich mit meiner Vorsorgevollmacht eine Einweisung in ein Heim veranlassen kann oder ob ich dafür eine rechtliche Betreuung einleiten muss - abgesehen von dieser Problematik stelle ich mir auch die Frage, wie man das bewerkstelligen soll. Ich kann sie ja nicht an den Haaren aus der Wohnung ziehen und beim Heim vor die Tür stellen.

    Sie wehrt sich nach wie vor gegen alles.

    War erst heute wieder bei ihr, weil sie mich morgens weinend angerufen hatte, dass sie die ganze Nacht den Staubsauger gesucht hätte und der wäre weg.

    Naja als ich hinkam stand der Staubsauger da wo er immer steht. Sie meinte, den hätte ich jetzt da hingestellt um sie zu ärgern.....

    Gehe jetzt auch etwas robuster mit ihr um, natürlich nicht körperlich, aber ich gebe ihr auch mal Antworten, die ihr nicht so gefallen und ich versuche nicht mehr, ihr alles recht zu machen.

    Heute als ich kam, jammerte sie zum Beispiel, dass sie so müde wäre und so wackelig. Habe nur gesagt, das tut mir leid für dich, mir geht es super.....

    Okay böse, aber ich merke, wie mir das gut tut.

    Ihr Gesicht nach dieser Antwort brachte mich fast zum Lachen - man merkte richtig, dass sie das nicht erwartet hatte.


    Naja heute Abend gabs dann noch nen Knüller. Ich rief sie wie immer gegen 18 Uhr an wegen Messen und Spritzen und sie sagte ganz hektisch, dass sie keine Zeit hätte, denn sie wartet auf die Polizei.....öhm warum das?

    Naja sie wäre beim Briefkasten gewesen und als sie wieder in die Wohnung kam, wäre ihre Garderobe durchwühlt gewesen und alle Schuhe und Jacken lägen davor auf dem Boden.

    Habe gefragt, ob ich kommen soll.....oh je, den Schrei habe ich jetzt noch in den Ohren....NEIIIIIIIN

    Naja habe dann abgewartet, ob sich bei mir jemand meldet. Als sich bis 19 Uhr nix tat rief ich nochmal an und fragte, was sich ergeben hätte.

    Sie sagt, sie hätte dreimal mit der Polizei telefoniert, weil die heute nicht mehr kommen können, weil so viel los wäre. Die würden aber morgen kommen und sie wüsste auch genau wann. Die wollen auch einen Hund mitbringen.....ach ne doch nicht, denn als sie sagte, sie hätte ne Katze, sagte der Polizist, dann kann er den Hund nicht mitbringen.

    Klar :)

    Hört sich wieder alles nach Fantasie an, aber mal gucken, was der Tag morgen bringt....ich bin gespannt.


    In diesem Sinne, ein schönes Wochenende

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!