Mutter wird immer schwieriger und akzeptiert keine Hilfe

  • Liebe schwarzerkater, liebe Rose60 -


    vielen Dank für die lieben und aufmunternden Worte. Ich weiß leider auch nicht, in welcher Phase sie sich befindet. Da sie sich generell weigert, zum Arzt zu gehen, ist die Demenz offiziell nicht diagnostiziert. Massiv widersprechen oder auch mal Kontra geben, führt dazu, dass sie das Telefon einfach auflegt. Aber mittlerweile nehme ich das hin - früher habe ich zurückgerufen und wollte alles erklären. Und ich gebe Dir recht, schwarzerkater, wir Töchter sind da häufig anders erzogen. Von Seiten meiner Mutter sicherlich. Hier muss ich meinem Vater danken, der immer gesagt hat, dass ich alles werden und machen kann, was ich möchte und mir nie einreden lassen soll, dass es nicht geht, weil ich eine Frau bin. :) Dafür bin ich ihm heute noch sehr dankbar. Und ich habe einen ganz tollen Arbeitgeber, der sehr verständnisvoll ist und mich unterstützt - mal ganz abgesehen von meinem Team. Ich habe gerade auch die ersten beiden Termine bei einer Psychologn gehabt und bin optimistisch, dass mir dies auch helfen wird.

    Ich kann jetzt nur schauen, wie es weitergeht. Ich wünsche euch allen viel Kraft!
    Schönen Sonntag!
    TanjaS

  • Hallo Herr Hamborg -


    ich gebe Ihnen recht: Kinder sind nicht auf der Welt, um von ihren Eltern beschimpft zu werden. Nach zwei Terminen mit einer Psychologin und auch Tipps aus dieser Gruppe, geht es mir besser und ich habe die letzten aggressiven Telefonate meiner Mutter gut überstanden. Ich habe auch gemerkt, dass mich die bösartigen Kommentare mich nicht mehr schlimm getroffen haben. Ich weiß nicht, ob das so weitergeht, aber es macht mir Mut. Momentan ruft sie mich nicht an, vielleicht auch, weil sie nicht mit mir sprechen will. Wenn ich sie anrufe, ist das Telefonat meist recht kurz: Sie denkt, hetze "die" gegen sie auf. Dann legt sie auf. Ich rufe deswegen auch weniger an - sie bemerkt das allerdings nicht. Nächste Woche bin ich 4 Tage auf Geschäftsreise, ich habe es ihr gesagt, aber wahrscheinlich vergisst es sie wieder. Ich freue mich auf diese (und kommende) Reise und darauf, nach über 2 Jahren ein paar Kollegen wiederzusehen.

    Viele Grüße & einen schönen Sonntag,

    TanjaS

  • Hallo Tanja,

    Ich freue mich, dass du unterstützende psychol. Beratung bekommen kannst. Natürlich kann uns kein Psychologe das Problem des dementen Elternteils nehmen, man kann aber doch gemeinsam überlegen, wie man evtl.anders damit umgehen kann, warum einiges uns so besonders trifft, wir uns evtl.nicht so gut abgrenzen können etc. Unsere Denk- und Verhaltensweisen sind nun mal sehr früh und anhaltend geprägt worden. Auf manches kommt man gar nicht von allein.

    Besonders diejenigen von uns, die als Kind sich nicht angemessen gesehen und/oder geliebt fühlten, laufen oft ein Leben lang dieser Anerkennung nach und gehen lange und immer wieder über die eigenen Grenzen bis zur absoluten Erschöpfung und es bereitet uns dann oft Ängste, Grenzen aufzuzeigen .

    Das musst du , Tanja , nicht auf dich beziehen, ich kenne es nur noch von mir selbst und anderen.

    Also ich selbst hätte es ohne die psychol. Begleitung nicht so geschafft, wir hatten mit meinem Vater schon so eine schlimme Zeit mit Alzheimer und heftigen Aggressionen bis zur richterl. Einweisung. Die meisten Außenstehenden wissen doch gar nicht, was alles mit Demenz verbunden sein kann. Dass man nicht mit allen schön im Demenzchor singen kann etc , so wie es teils im TV aussieht.


    Liebe Grüße an alle

  • Hallo Herr Hamborg, Sie bringen es auf den Punkt in ihrem Kommentar für TanjaS: "Kinder" sind nicht auf der Welt, um sich von den Eltern demütigen zu lassen, ......

    Hinzufügen möchte ich: .... auch wenn die Ursache dafür eine schlimme Krankheit der Eltern ist.

    Auch wir "Kinder" haben nur dieses einzige und kurze Leben ... und irgendwann ist die demente Mutter 90+ und wir Kinder marschieren auf die 70 zu ...


    Die Situation müssen wir also JETZT lösen, so dass alle Beteiligten damit leben können, so gut es geht. Wir können die Demenz nicht heilen und auch nicht die Fehlstellen im Leben unserer Mütter ausgleichen. Für mich war genau dies mein langwährender Anspruch ... und ich denke nicht einmal, dass dieser Glaubenssatz direkt auf meine Erziehung zurückgeht ... man bastelt sich ja auch später noch so manches (nicht immer taugliche) Prinzip zusammen ...


    Nebenbei gesagt, finde ich es aus diesem Blickwinkel besonders grausam, ständig in Filmen und auf Plakaten auf lachende Demenzkranke in fröhlichen Chören zu stoßen, deren Pflege sich easy händeln lässt. Da bekommt man ein Bild serviert, das man mit noch so großer Anstrengung nicht hinbekommt.


    Jetzt müssen wir auch begreifen, dass keine der alten Rechnungen mit unseren Angehörigen sich noch begleichen lässt. Das erlaubt schon mal die Krankheit nicht.

    Ich arbeite hart an mir, meine Mutter ausschließlich in ihrer Bedürftigkeit zu sehen und genau zu überlegen, was ich ihr noch Gutes tun kann, ohne selbst dabei unterzugehen. Nicht leicht, aber einen anderen Weg gibt es nicht.

    Liebe Tanja, es ist genau richtig, jetzt den Kontakt zu minimieren. Vielleicht kommt irgendwann ein Zusammenbruch bei der Mutter (im günstigsten Fall ein Einsehen!!!???? ... aber darauf sollte man nicht hoffen), wodurch die Weichen sich neu stellen lassen.

    Es scheint manchen von außen grausam, darauf wissentlich hinzusteuern. Aber es ist eine elende Krankheit, die uns zwingt, manchmal die Samthandschuhe auszuziehen (was nicht heißt, dass man sie auch mal wieder anziehen kann).


    In diesem Sinne einen lieben Gruß an alle. Wünschen wir uns gegenseitig Kraft, Weisheit ... und Lebensfreude für uns selbst.

  • Hallo zusammen,


    lese hier immer wieder mit, schreibe nicht regelmäßig, aber dieser Thread bringt genau das auf den Punkt, was ich auch empfinde.


    Über meine Mutter habe ich schon das eine oder andere geschrieben, sie leidet auch unter dem, was mein Mann so schön als "frackige Demenz" bezeichnet. Auch ich bzw. wir sind an allem schuld und sie wirft mir immer wieder vor, daß ich sie gezwungen hätte, dort zu leben, wo sie jetzt ist. Sie wird von uns ziemlich gepampert, ich schaue jeden Tag bei ihr vorbei, sie verbringt jeden freien Tag mit uns. Gestern war ausnahmsweise ein Sonntag, den mein Mann und ich ganz für uns haben wollten. Ich habe ihr das erklärt, sie schien verständig, aber wir waren gerade nach Hause gekommen, da überschüttete sie mich mit Vorwürfen. Aber mittlerweile habe ich gelernt, nicht mehr über jedes Stöckchen zu springen, und mir ist ein dickeres Fell gewachsen. Ich muß mir nichts vorwerfen, weil wir alles für sie tun, was geht, aber ich bin auch nicht vollständig für ihr Leben verantwortlich, Demenz hin oder her. Sie lehnt alle Angebote des Seniorenhauses, in dem sie lebt, ab (Essen, Veranstaltungen, Gruppen). Ich habe mir früher den Mund fusselig geredet, daß sie doch etwas machen soll, mittlerweile nehme ich das hin. Sie trinkt nicht genug, kratzt sich die Haut auf, ich habe sie wiederholt auf alles hingewiesen, sie weigert sich, und ich lasse sie machen. Ich greife selbstverständlich ein, wenn etwas zu eskalieren droht, ansonsten habe ich einen gewissen Fatalismus entwickelt.


    Und wenn sie mich einmal doch zu sehr piesackt, brülle ich für mich selbst auch einmal herum, um mich abzureagieren, versuche aber, bei ihr nicht zu viel Öl ins Feuer zu gießen. Du hast recht, und ich meine Ruhe. Das fällt mir nicht immer leicht, weil ich es eigentlich nicht leiden kann, wenn jemand Tatsachen verdreht und falsche Behauptungen aufstellt, aber da arbeite ich noch an mir. Gelegentlich mache ich aber auch eine klare Ansage, das hat sie nicht gerne, aber nach einer gewissen Bedenkzeit backt sie kleine Brötchen. Dann merke ich, dass ihr doch ein gewisser Rest Selbstreflektion geblieben ist, es dauert nur alles etwas länger.


    Mit ihr zusammen zu sein, ist mühsam. Es ist ein Energieräuber, danach bin ich meistens erschöpft. Die Konversation ist stereotyp geworden, sie begreift das meiste nicht mehr. Ich bin da ehrlich, ich muß mich schon manchmal überwinden. Aber ich lasse sie nicht hängen, das ist nun einmal meine Aufgabe als einzige Bezugsperson. Ich bin dankbar, daß mein Mann mich dabei so unterstützt und es ihm nichts ausmacht, daß meine Mutter fast immer dabei ist.


    Wir können unsere Angehörigen nicht mehr ändern, mit Argumenten nichts mehr erreichen. Aber wir dürfen uns nicht daran aufreiben. Ihr alle hier unterstützt Mutter/Vater nach Kräften, aber man hat auch noch sein eigenes Leben. Ansonsten dickes Fell bekommen, ohne abgestumpft zu sein. Das ist ein langer Prozess, das gelingt auch nicht immer, aber wenn man sich gewisse Mechanismen aneignet, die genauso stereotyp sein dürfen wie die des Angehörigen, kann man schon einiges erreichen.


    Euch alles Gute, viel Kraft - und paßt auf Euch auf.


    LG Zimt

  • Hallo Oiocha, die Gedanken der letzten Beiträge möchte ich auch Ihnen schicken! Bei Ihren Eltern stellen sich gleich zwei Tabus gegen die Fassade: das Wissen um Demenz und um den Alkoholismus. Wie viele Familien sind allein am Alkohol zerbrochen und bei Ihrem Vater braucht die Demenz noch einen zusätzlichen Selbstschutz.

    Vielleicht wird eine Suchtberatungsstelle meine Einschätzung teilen, dass Sie trotz der wenigen Handlungsoptionen auf dem richtigen Weg sind - leider ist das nur ein schwacher Trost!

    Haben Sie schon Zeit für die Beratung gefunden? Meine fachliche Position ist, dass bei Doppeldiagnosen zunächst die Sucht, Depression oder Psychose behandelt werden sollte, - bevor wir das machen, was bei Demenz empfohlen wird.
    Alles Gute Ihr Martin Hamborg

    Hallo Herr Hamborg -- vielen Dank für die Nachricht, die ich nicht sofort gesehen habe! Ich habe eigentlich nicht vor, meinen Vater bei einer Suchtberatungsstelle vorzustellen. Es spricht ja eigentlich alles dagegen -- er denkt nicht, dass er zuviel trinkt, er weiss nicht wieviel er trinkt, er will keinerlei Hilfe und geht generell nicht zu Ärzten. Ich hatte in Amerika eine Freundin, die mit den anonymen Alkoholikern (AA) nüchtern geworden ist, aber das war harte Arbeit und sie wollte es auch. Für jemanden ohne Einsicht und Erinnerungsvermögen halte ich es für aussichtslos.


    Guten Abend, TanjaS, es berührt mich sehr, was du schreibst ... Es erinnert mich auch an die relativ lange unzufrieden-egiostische Phase bei meiner Mutter (obwohl wir sie praktisch auf Händen getragen haben). Ich bin mir heute immer noch nicht sicher, dass diese Phase endgültig zu Ende ist ...

    Hallo schwarzerkater -- ich finde den Ausdruck, unzufrieden-egoistische Phase sehr treffend! Werde ich nächstes Mal der Neurologin erzählen, die meinen Vater so nett findet. Was für eine Phase kommt denn danach?

  • Hallo OiOcha, ich habe inzwischen gelernt, dass es mit jedem Demenzkranken nur ein langsames Vortasten sein kann. Mal hilft es, sich an die "alte Persönlichkeit" mit ihren Besonderheiten zu erinnern, mal muss man die kontinuierlich sich neu ausbildenden Eigenschaften berücksichtigen. Für die meisten Betroffenen ist es eine private Hölle und man kann sich nur langsam vorantasten, um irgendwann wieder atmen zu können. Bei meiner Mutter ging das wirklich vor ca. 10 Jahren los. Da wir nicht wussten, dass sich eine Demenz so ankündigen kann, haben wir uns buchstäblich Arme und Beine ausgerissen, um es ihr recht zu machen. Irgendwann hatten wir einen Dreh gefunden und es wurde besser. Der Vorteil war, dass meine Mutter (welch ein Glück) nicht zu den anhänglichen Dementen gehört(e), sondern sich eher zurückzog. Allerdings warf sie postwendend jede Person wütend raus, die ihr helfen sollte/wollte. Auch mich betraf dies einige Male. Das war die Karastrophe pur.

    Aber du fragst, was danach kam ... Mir hat damals die Pflegedienstleiterin gesagt, dass es meist besser wird, wenn die Personen in eine andere Umgebung (Heim) kommen. Ich habe das insbesondere in Bezug auf meine Mutter nicht glauben wollen. Aber es war genauso! Eine wichtige Voraussetzung war allerdings, dass ihr Erinnerungsvermögen immer weiter schwand. So schlimm das ist, meine Mutter hat das ruhiger gemacht. Wir haben ihr gesagt, es ist vorübergehend und damit konnte/kann sie leben. Dieses Heim ist 1000prozentig ihren Bedürfnissen angemessen (meine Mutter will in Ruhe gelassen und nicht bevormundet werden, sie will NICHT unterhalten werden). Wir haben danach gesucht und hatten riesiges Glück. Alle mögen dort meine Mutter sehr und sind ganz liebevoll mit ihr. (Sie darf sich z.B. um die Post ... ;) kümmern und ist einfach überall dabei, wenn sie will)

    Am Ende wäre dies über eine Kurzzeitpflege eine Option. Ich würde aber genauestens nachprüfen, was für ein Heim das ist. Unseres sieht nicht wie eins aus und es gibt die unterschiedlichsten Bewohner. Vielleicht mag dein Vater eben auch grundsätzlich keine Betreuenden in den eigenen vier Wänden. Man sagte mir damals auch, dass meine Mutter scheinbar ihr Territorium verteidigen möchte.

    Meine Mutter wollte sich umbringen, bevor sie in ein Heim geht. Und nun hat es sich gefügt und die jetzige Phase ist - so schlimm die Umstände insgesamnt sind - eine Wohltat für ALLE (für sie und für uns). Alles Gute, es wird sicher besser - man muss durchhalten und Alternativen suchen (auch solche, die einem erst einmal völlig fremd sind). Das gibt Lichtblicke.

  • Vielen Dank für die einfühlsame und hilfreiche Antwort, schwarzerkater!


    In der Rückschau hatten wir auch schon vor fast 10 Jahren Dinge, die ich heute als Vorboten der Demenz erkenne. Da war er so richtig aggressiv, hat offensichtlich begonnen, zu merken, dass was nicht stimmt, und egal wie sehr man in verhätschelt hat, war er ständig schlecht drauf. Die Aggression und Unzufriedenheit ist seitdem eher besser geworden, aber halt auch immer eine Frage der Tagesform. Meine Mutter und ich denken häufig drüber nach, ob wir lieber den unzufriendenen-egoistischen Frühdementen zurückhätten, oder jetzt den hilflos-egoistischen Klammerer.


    Zum Thema Heim stimme ich mit Dir voll überein. Es ist ein Segen! Ich habe ja schon in anderen Diskussionen geschildert, wie gut diese Lösung bei meinem Großvater funktioniert hat. Da war es allerdings so, meine Großmutter (die ihn versorgt hatte) war gestorben, und er hatte die Wahl zwischen 300km entfernt alleine leben oder bei uns in ein Heim. Er hatte dann noch die Einsicht, zu sagen, da ist das Heim besser. Er dachte dann auch oft, er wäre im Krankenhaus und hat immer mal wieder erzählt, er würde ja bald entlassen, oder wolle mal heimfahren, um sein Haus anzuschauen. Aber im Allgemeinen hat er sich gefügt, und eigentlich war's dann auch für ihn ganz schön, weil wir uns ständig um ihn gekümmert haben. Bei meinem Vater sehe ich den Umzug ins Heim jedoch nicht. Er meint ja, im fehle nichts, er lebt in seinem wunderschönen Haus, seine Frau bekocht und umsorgt ihn. Warum sollte er ins Heim ziehen? Das wird also höchstens über einen Sturz/Krankenhausaufenthalt/Selbst-/Fremdgefährdung/o.ä. gehen, und das wird sicherlich nicht lustig. So schlimm es klingt, man muss eigentlich hoffen, dass er gedächtnismäßig weiter abbaut, damit solche Widerstände gebrochen werden, und er Hilfe annimmt.

  • Liebe Mitkämpfenden,


    da bin ich wieder nach anstrengenden Tagen....leider hat sich nicht alles so entwickelt, wie ich gehofft hatte.

    Seit 8.6. ist sie nun an dem Ort, der sich Heim nennt, aber dieser Ort ist schrecklich und leider empfindet sie das auch so, obwohl ich versuche, ihr das alles schmackhaft zu machen....aber an einen dauerhaften Aufenthalt ist gar nicht zu denken.

    Ich habe schon Mühe, sie dort bis zum Ende der Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege, also bis 9.7. zu halten.

    Dieses Heim wurde zum 1.1. von einem privaten Träger übernommen und leider hat wohl auch die Qualität darunter zu leiden, denn die guten Bewertungen kann ich allesamt nicht nachvollziehen, diese sind auch alle älteren Datums....das Personal ist unverschämt wohl wegen Überforderung, der ganze Laden ist total desorganisiert - unter anderem wurde von mir schon zum dritten Mal ein Lastschriftmandat verlangt, obwohl ich das schon zweimal abgegeben habe.

    Wenn ich dort bin und ich bin jeden zweiten Tag dort, höre ich viel Geschrei aus den Zimmern und auf den Gängen, keinerlei liebevoller Umgang mit den Einwohnern, wie ich es in dem von uns besichtigten Heim sehen konnte.

    Es war bisher noch kein Arzt bei meiner Mutter obwohl sie ein dickes Bein hat und über Schmerzen klagt....habe heute nochmal nachgehakt, da sagte der Pflegeleiter zu mir, er wird dem Arzt eine Mail schreiben. Habe nur gesagt, die macht Freitag Nachmittag bestimmt viel Sinn....sagte er nur, ich könnte ja meine Mutter selber zum Arzt bringen....ja so ist das da.

    Zu allem Unglück ist sie in einem Doppelzimmer mit einer vollständig dementen Dame, das heißt sie hat keinerlei Ansprache und musste sogar mal nachts Hilfe holen, weil die Dame aus dem Bett gefallen war und mit blutiger Kopfwunde auf dem Boden lag.

    Seitdem hat sie Angst nachts zu schlafen, weil die Dame wohl nachts sehr aktiv ist und immer wieder versucht, übers Bettgitter zu klettern.

    Immerhin muss das Essen gut sein und die Spiele, die gemacht werden, machen ihr auch Spaß, sei es Bingo, Sitzgymnastik oder Kegeln.

    Aber diese kurzen Auflockerungen trösten leider nicht über den Rest hinweg. Es gibt kein Bad im Zimmer sondern so Sammelbäder auf dem Gang, auch Toilette gibts keine im Zimmer und wenn sie nachts mal raus muss, ist alles dunkel auf dem Gang...

    Natürlich kann ich ihr nicht alles glauben, was sie so erzählt, z.b. versteckt sie überall ihre Wäsche und behauptet, die wird ihr geklaut, ich finde aber ständig in ihren Schubladen, unterm Kopfkissen, unter der Matratze, in ihrer Handtasche die Sachen....wenn ich frage, warum sie das versteckt, hält sie sich die Ohren zu.

    Heute hat sie mir gesagt, dass sie heute nacht über die Terrasse abhaut und sich dann irgendwo hinlegt bis sie kalt ist.....naja bei den Temperaturen eher unwahrscheinlich.

    Habe dann die Pflegerin gefragt, die meinte nur gleichgültig, dass sie auch schon öfter gesagt hätte, dass sie runterspringt....und lachte dann und sagte, naja sie ist ja im Erdgeschoss....


    Also es läuft darauf hinaus, dass sie wieder nach Hause kommt, wie auch immer das gehen soll.

    An dem anderen Heim bin ich dran, aber da ist gerade nix zu machen....die haben zu wenig Personal und können deswegen nicht alle Zimmer belegen.

    Das Heim wo sie aktuell ist, interessiert das nicht, die packen jede Ecke voll, so mein Eindruck. Da gehts nur ums Geld.


    Heute hat sie mich wieder ordentlich angeschrieen, dass sie wüsste, dass ich das alles eingefädelt habe und ich werde schon sehen, was ich davon habe und und und.....habe meine Schwester gebeten, mal kurz zu ihr zu fahren, weil mich mal interessieren würde, ob sie bei ihr auch so ein Theater macht. Die hat nur gesagt, sie hat keine Zeit für sowas, sie verbringt die Zeit lieber mit ihrer Familie...und sie wohnt mit dem Auto ca. 20 Minuten weg, näher dran als ich.....und das ist ihre sogenannte Traumtochter.


    Bin gerade wieder etwas verzweifelt, denn so eine richtige Erleichterung ist das gerade nicht.

    Mache mir totale Vorwürfe, dass ich sie da sitzen lassen muss, denn es ist wirklich schrecklich....und ich habe Angst vor der Zukunft.
    Was muss noch alles passieren.....meine einzige Hoffnung ist das besichtigte Heim....bis dahin muss ich durchhalten....irgendwie.


    Euch allen ein schönes und hoffentlich ruhiges Wochenende

  • Hallo KO72,

    Diese Erfahrung mit dem Heim klingt echt nicht schön. Ich habe ja schon im guten Heim ein schlechtes Gewissen gehabt, weil meine Mutter nicht da bleiben wollte.. sehr blöd für dich!

    Ja, irgendwie durchhalten geht da wohl nur. Aber toll, dass deine Mutter Spiele mitmacht, das macht meine überhaupt nicht und beschwert sich, dass es langweilig ist.

    In ihrem Heim sind tatsächlich alle sehr liebevoll mit den Bewohnern, das finde ich auch wichtig für das eigene Gefühl. Ich drücke die Daumen, dass ihr bald im besseren Heim einen Platz bekommt. Ich würde da nun sehr oft anrufen , die Situation kann sich ja schnell ändern, z.b.nun mit der Hitzewelle.

    Liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Oiocha, es klingt so zynisch, dass wir in solchen Fällen auf eine Krise oder ein schlimmes Ereignis warten müssen, damit ein Mensch endlich die Hilfe annehmen kann, die er oder sie braucht. Aber gehört es nicht zu den großen Errungenschaften, dass sich ein Mensch schädigen kann und diese zweifelhafte Freiheit nur mit hohen Hürden eingeschränkt werden kann- der gerichtlich und psychiatrisch begutachteten Not-wendigkeit?

    Angehörige die das liebevoll aushalten und den PlanB vorbereitet haben verdienen weit mehr Respekt, als sie derzeit bekommen. Zudem erhalten sie viel zu wenig Unterstützung in dem ethischen Dilemma.


    Aus diesem Grund habe ich die Suchtberatung vorgeschlagen - nicht mit ihrem Vater, sondern für ihn. Üblicherweise werden dort Angehörige beraten und begleitet und der oder die Kranke muss es nicht einmal wissen. Ich weiß, dass dort Sucht im Alter immer wieder ein Thema ist. Natürlich bin ich sehr gespannt, was Sie dann berichten würden. Ihr Martin Hamborg

  • Liebe Zimt, schön, mal wieder von dir zu lesen. Es scheint so, dass sich der Prozess der Demenz bei deiner Mutter unaufhaltsam weiter entwickelt. Da hat aber jeder seinen individuellen Weg. In deinem letzten Abschnitt steht bereits, wie wir das als Angehörige überleben können.

    Aus heutiger Sicht haben wir meine Mutter auch in den ersten Jahren der Demenz praktisch auf unsere Schultern genommen.

    Vielleicht prüfst du mal ganz vorsichtig, wie es ist, wenn du nicht jeden Tag bei ihr bist? Wie geht es deiner Mutter damit? Bemerkt sie (noch) den Unterschied? Ich will nicht sagen, dass man nun gar nicht mehr hingehen soll. Aber es lohnt sich vielleicht, ab und zu mal den Ist-Zustand zu prüfen.

    Meine Mutter weiß fünf Minuten später schon nicht mehr, dass wir da waren. Was ihr allerdings auffällt, ist, dass es Stress ist, wenn wir mit ihr reden. Dabei lassen wir uns aber genau auf sie ein. Nur, da kommt eigentlich nichts mehr. Außenstehende würden es vielleicht nicht merken, aber die meisten Äußerungen sind Floskeln/Versatzstücke, die mal passen und mal auch nicht. Sie fragt z.B. innerhalb von ein paar Minuten mehrmals dasselbe (und es sind auch immer dieselben Themen).

    So traurig es ist, ich kann mit meiner Mutter kein Gespräch mehr führen ... Sie war früher klug, interessiert und kommunikativ ... und auch dominant. Davon ist nichts mehr übrig, nur vielleicht die Dominanz in Ansätzen.

    Wenn deine Mutter gut versorgt und betreut wird, lohnt es sich vielleicht, ein wenig mehr loszulassen, so dass deine Mutter in ihrer eigenen Welt ankommen kann.

    Während ich das schreibe, weiß ich, wie schwer auch mir das fällt. Ich denke immer noch teilweise im früheren Rahmen. Mir hilft aber dann ein kurzes Gespräch mit den Pflegerinnen, die prima mit meiner Mutter auskommen.

    Alles Gute für dich und deine Familie.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Zimt, dank Ihnen für die Bilder, mit der Sie Ihre aktuelle Situation beschreiben


    - Sie "Springen nicht über jedes Stöckchen". Wenn das schwierige Verhaltensmuster Ihrer Mutter eine Provokation, ein Teufelskreis oder ein "Spiel" ist, aus dem sie nicht allein rauskommt, dann ist der spielerische Abstand und eine Portion innerer Humor vielleicht genau das Richtige.


    - Wenn die Kommunikation Ihrer Mutter krankheitsbedingt stereotyp wird, nennen wir Ihre gleichbleibende Reaktion ein geplantes "Ritual", dass vielleicht 10.000 wiederholt werden muss, bis es plötzlich wirkt. "Fatalismus" klingt so abwertend, ich finde Ihr Zwischenbericht liest sich eher wie eine gesunde Gelassenheit. Hilft Ihnen diese Sichtweise, dass die Besuche nicht so viel Energie rauben.


    - Bemerkenswert finde ich zwei Aussagen:

    - Ihre Mutter kann sich nach einer "klaren Ansage" für eine Zeitlang kontrollieren. Vielleicht können Sie eine solche "Intervention" planen, ohne dass es für Sie so groß und anstrengend ist - also ohne jedes schlechte Gewissen!

    - Wir haben uns hier intensiv über das "Kratzen" ausgetauscht, habe ich richtig gelesen, dass das Problem nicht mehr so dramatisch ist? Haben Sie eine Erklärung dafür?

    Ihnen eine schöne Woche, Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo KO72, es ist sehr schade, dass das Heim so desorganisiert und unprofessionell wirkt! Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie die Kraft behalten, die Vorwürfe ertragen und den Blick Ihrer Mutter immer auf das richten können, was ihr Spaß macht und wo sie helfen kann. Natürlich ist es nicht die Aufgabe der Mitbewohner schwierigen Mitbewohnern zu helfen, aber könnte Ihre Mutter darin vielleicht einen kleinen Sinn sehen?


    Vermutlich können Sie Ihrer Mutter sogar versprechen, dass sie nie wieder in dieses Heim muss - aber bitte sagen Sie dann nicht: Nie wieder in ein Heim...

    Ihnen viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,


    sehe gerade, dass Sie hier Sonntag Vormittag online sind und wollte Danke sagen für all die Mühe, die Sie sich mit uns geben und die vielen hilfreichen Ratschläge. Ich hoffe, ihre Beiträge hier fressen nicht zuviel Zeit, die Sie mit Ihrer Familie verbringen sollten.


    Wünsche einen schönen Sonntag und hoffe, dass Sie es relativ kühl haben!

  • Hallo KO72, auch mir tut das leid, dass dieses Heim anscheinend nicht die richtige Wahl ist ... Aber ein Gutes hat die Sache. Man sieht, dass Beschäftigung der Mutter gut tut. Mir hat immer geholfen, aktiv nach der bestmöglichen Lösung zu suchen, um sich dann sagen zu können, dass ich wirklich das Menschenmögliche getan habe. Sicher lohnt sich die Suche nach einem alternativen Heim (oder das jetzige Heim hat doch bessere Vorzüge als gedacht). Wichtig ist, dass man selbst das Gefühl hat, die Mutter ist in guten Händen. Dann wird es sicher erträglicher ... Liebe Grüße

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