Mutter wird immer schwieriger und akzeptiert keine Hilfe

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  • Liebe KO72,


    ich freue mich so für Dich. Es ist so schön zu lesen das es auch gut funktionieren kann ihm Heim und der Bewohner glücklich ist. Gibt auch mir unheimlichen Auftrieb. Danke fürs teilen!



    Ist es eigentlich so wichtig, eine genaue Diagnose zu erhalten?

    Hallo PausE,


    Eine Diagnose ist sinnvoll. Wie genau diese sein muss steht auf einem anderen Blatt. Es gibt halt verschiedene Formen von Demenz, darunter auch welche die durch organische Ursachen (z.b. Niere, Blutdruck) oder auch durch eine Depression ausgelöst werden. Daher ist es sinnvoll das abzuklären da man evtl. die Ursache behandeln kann um den weiteren Verlauf evtl. aufzuhalten/verlangsamen.


    Z.b. bei meinem Vater haben wir zwar die Diagnose vaskuläre Demenz, der Neurolog meinte damals aber das es auch eine leichte Mischform Alzheimer/vaskulär sein könnte. Vaskulär ist aber klar der Hauptteil.

    Das genau abzuklären wäre möglich aber aufwendig/anstrengend für meinen Vater. Am Ergebnis ändert es aber nicht wirklich etwas. Also haben wir es gelassen.

  • Ja, @Buchenberg, das denke ich in der Tat. Sie haben ja auch noch den Abstand, der einem als Angehöriger fehlt.


    Ich musste erst lernen, dass ich meine Mutter nicht mit zu vielem überfrachte. Das ist für mich auch schwierig, da ich sie nur einmal in der Woche sehe.

    Meinem Vater versuche ich beizubringen, dass er nicht immer meine Mutter berichtigt, ihr Vorwürfe macht.

    Aber es ist für ihn auch nicht leicht. Er müsste mal Urlaub machen. Oder ich meine Mutter mal für eine Woche zu mir holen, damit er verschnaufen kann.


    Jetzt fällt´s mir wieder ein, der höhere Pflegegrad für meine Mutter sollte auch einen "Kurzurlaub" in einem Pflegeheim ermöglichen.

  • Das genau abzuklären wäre möglich aber aufwendig/anstrengend für meinen Vater. Am Ergebnis ändert es aber nicht wirklich etwas. Also haben wir es gelassen.

    Bei meiner Mutter wird es wohl auch auf vaskulär hinauslaufen. Jedenfalls ist in den beiden Arztberichten aus 2020 immer von Polyneuropathie die Rede.

    Ich glaube, das hängt zusammen?

    Boah, ich muss noch so viel lernen!


    Wir waren im Februar auch noch in einer Memory Clinic. Dort wurde bescheinigt, dass die Anfänge der Demenz vorhanden sind. Eine genauere Abklärung würde noch eine Lumbalpunktion bringen. Die will meine Mutter auf keinen Fall machen lassen, wobei ich sie da auch verstehen kann.

  • Hallo Pause,

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Polyneuropathie mit der Demenz zusammen hängt. Kenne ich als Folge von Diabetes. Aber bin natürlich auch Laie. Jedenfalls ist der Pflegegrad tatsächlich gut für evtl Kurzzeitpflege in einem Heim. Man weiß ja nie, was kommt, durch plötzlichen Sturz o.ä.

    Liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, wenn ein Mensch mit Demenz eine Polyneuropathie hat, müssen wir besonders auf eine gute Schmerzbehandlung achten, auch wenn die Schmerzwahrnehmung infolge der Demenz verändert sein kann.

    PausE, vielleicht finden Sie noch Erhellendes in dem Forum zur Diagnostik/ Therapie.

    Zum Thema Wechsel des Heimes, UteSchnute stellen ich gern die Frage: Ist ein kleineres Heim besser für Ihre Mutter oder für Ihr Gewissen? Es schadet nie, sich in der Umgebung immer mal umzuschauen, manchmal aber selten ändert ein neues Umfeld sogar den Charakter...

    Bis zur nächsten Woche, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo in die Runde, wenn ein Mensch mit Demenz eine Polyneuropathie hat, müssen wir besonders auf eine gute Schmerzbehandlung achten, auch wenn die Schmerzwahrnehmung infolge der Demenz verändert sein kann.

    PausE, vielleicht finden Sie noch Erhellendes in dem Forum zur Diagnostik/ Therapie.

    Zum Thema Wechsel des Heimes, UteSchnute stellen ich gern die Frage: Ist ein kleineres Heim besser für Ihre Mutter oder für Ihr Gewissen? Es schadet nie, sich in der Umgebung immer mal umzuschauen, manchmal aber selten ändert ein neues Umfeld sogar den Charakter...

    Bis zur nächsten Woche, Ihr Martin Hamborg

    Hallo,

    Wechsel: wäre wohl wirklich eher für mein Gewissen.

    Meine Mutter fand es zuerst ganz gut in der Einrichtung- bis Sie verstand: es ist für immer.


    Ihr ein und alles war Ihre Wohnung. Für die sie so gerne bewundert wurde.

    Als sie da noch wohnte war ihre Laune aber auch nicht besser nachdem es ihr schlecht ging: Ute kümmert sich nicht bla bla siehe oben.


    Temporär und hoffentlich nachhaltig hat geholfen, dass sie, als sie abends in unserer Firma anrief, nur noch den Chef also meinen Mann antraf (sie ruft wirklich ÜBERALL an): er hatte sich etwas von ihr zurückgezogen, da sie auch über ihn völlig unbegründet so extrem schlecht gesprochen hatte und weil er es bei Besuchen bei Ihr einfach nicht ertragen konnte, wie böse sie zu mir ist- er wollte da aber natürlich nicht massiv werden.

    Nunja meine Mutter fragte ihn dann warum er sie so hasse- und er erklärte ihr dann ganz ruhig und sachlich dass er sie nicht hasse, sich aus den o.g. Gründen aber zurückgezogen hätte.

    Und wie sehr ihre permanenten Hasstiraden auf mich sich auch unsere ganze Familie auswirken würde, da ich oft so verzweifelt sei.

    Das kam für meine Mutter sehr überraschend.


    Freitag war sie dann zwar niedergeschlagen, ihr war wie so oft sehr schwindelig, redete wieder voller Selbstmitleid nur von sich, ABER zu mir war sie fast nicht unfreundlich.


    Na um was hab ich meinen Mann wohl gebeten? Genau- so alle paar Wochen kommt er mit.


    Letzte Woche gab es in der Abteilung einen Krätzeausbruch. (Kicher) meine Mutter wurde ausgerechnet von der Heimleiterin geduscht und eingecremt: sie bietet ihr RICHTIG Paroli, deshalb hasst meine Mutter sie natürlich aber: sie musste anerkennen, dass Frau X das richtig richtig gut gemacht hat.


    Es kamen wohl auch Hautprobleme bei meiner Mutter zutage: ich hatte mich eh gewundert, dass sie immer nur etwas von Waschlappen erzählt: sie gebärdet sich immer so super top fit aber ich hab’s dann den Pflegerinnen in der Abteilung erzählt: meine Mutter bitte auch ohne Aufforderung durch sie regelmäßig duschen. Das ist wie mit dem Essen/ Trinken/ Medikamente: klappt nicht mehr alleine.


    Alles Gute Ute 🍄

  • Guten Morgen zusammen,


    vielen Dank für alle Hinweise, ich brauchte nach letztem Freitag erst mal eine Pause.


    Ja, Ihr hattet natürlich recht, die Polyneuropathie hat nichts mit der Demenz zu tun.


    Ich will den Thread von K072 nicht kapern, daher meine Frage:

    ist es hier eher üblich, dass jedes neue Mitglied seinen eigenen eröffnet?

    Ich bin nicht unerfahren in Foren, war auch mal Moderatorin, aber jede Community hat ja ihre eigenen Regeln.


    Oder ist es in Ordnung, dass ich hier weiter schreibe?

  • Ich schreib dann mal kurz hier weiter... bis ich andere Order bekomme.


    Ich war mit meiner Mutter am Freitag bei ihrem Neurologen zur Schlussbesprechung.

    Er fragte sie ein bisschen nach diesem und jenem, sie plauderten nett, er hat uns lange das MRT erklärt und heraus kam: nein, keine Demenz, nur altersbedingte Vergesslichkeit.

    Ich habe beim Arzt nichts gesagt, hätte ich da direkt einschreiten sollen/müssen?


    Ich wollte meine Mutter nicht "schlecht machen", wie verhält man sich denn da?

    Soll ich noch mal hin, einen Brief mit meinen Beobachtungen abgeben?


    Ach und dann wollte ich noch eins wissen: wie haltet Ihr es mit Gingko? Der Oberarzt in der Memory Clinic meinte, ja, aber nur das höchstdosierte.

    Der Neurologe sagte, nein, um Gottes Willen, das sind 250 € rausgeschmissenes Geld im Monat. (Ich zahle 100 € für 4 Monate)

    Im Studium hätten sie Probanden das Zeug gespritzt, die wären davon durchgedreht. *ratlos guck*


    Ich möchte hinzufügen, dass der Arzt nicht erst im letzten Jahrzehnt sein Studium abgeschlossen hat.


    Herzliche Grüße

    von der PausE

  • Hallo Pause, ich möchte dich auch hier begrüßen. Deine letzten Beiträge habe ich aufmerksam gelesen.

    Die Sache mit dem Neurologen (eigentlich Neurologin) hatten wir auch, aber ohne MRT. Ich habe meine Mutter dorthin bugsiert, weil die Hausärztin schon lange (!) vorher von Alzheimerdemenz sprach. Meine Mutter nahm Tabletten nicht mehr oder doppelt. usw. usf. Inzwischen haben wir deutliche Ausfälle bemerken können: Einkauf, Rechnungen bezahlen klappte nicht mehr, nicht einmal das Schreiben eines akzeptablen Einkaufszettels für uns (da stand über Wochen im mer dasselbe drauf), Termine entfielen. Später erfolgte keine Körperpflege mehr.


    Meine Mutter hatte aber über lange Zeit eine absolut intakte Fassade. Die Neurologin stellte nach einem Test (obwohl der nicht gut ausfiel) dennoch keine Demenz fest. Sie sprach auch von altersbedingter Vergesslichkeit und machte mir noch Vorwürfe, warum ich meine Mutter zu ihr gebracht hätte. Inzwischen lebt sie in einem kleinen Pflegeheim, hat eine Merkspanne von 1 Minute, erkennt ihre Enkeltochter nicht mehr, weiß nicht, ob morgens oder abends ist, ob Sommer oder Winter ist usw. Auch ohne Diagnose einer Fachärztin dürfte die Sache klar sein. Der MDK wollte auch nie eine Diagnose wissen, sondern die nette Begutachterin stellte SOFORT fest, was hier Sache war. Ich hatte sie auch vorher informiert - demzurfolge stellte sie die richtigen Fragen.


    An Medikamenten bekam meine Mutter damals auf meine Bitte hin (man will ja immer alles Menschenmögliche versuchen) Donezepil. Davon wurde sie psychotisch - also wurde es schnellestens wieder abgesetzt. Ginkgo fand speziell die Hausärztin nicht schlecht, aber da meine Mutter Blutverdünner nimmt, darf sie es nicht nehmen.

    Allerdings heilt kein Medikament eine Alzheimerdemenz, man kann die Symptome nur kurzzeitig bessern. Aber ehrlich gesagt: Die Phase, in der meine Mutter merkte, was mit ihr geschah, aber dennoch keine Krankheitseinsicht hatte (Symptom der Demenz) war die Hölle. Je mehr sie ins Vergessen glitt, umso entspannter wurde sie selbst. Daher bin ich nicht sicher, ob ich auf eine frühere Stufe ihrer Demenz mithilfe eines Medikaments zurückkehren möchte. Das würde weder ihr noch mir gut tun.


    Ich lebe zwar noch immer in der Furcht, dass die vorherige Phase (in der meine Mutter nicht aushaltbar war) zurückkommen könnte (das alles hat mir zugesetzt), aber an sich hat meine Mutter im Moment selbst mit Demenz gar kein so schlechtes Leben. Sie macht sich um nichts mehr Sorgen und lebt im Moment.


    So viel erst mal an Berichten über meinen Fall - hoffentlich teilweise passend zu deinen persönlichen Erfahrungen.

  • Hallo Pause,


    du weißt, deine Mutter ist ein Pflegefall. Das hättest du dem Neurologen auch aufzeigen können. Das hat nichts mit „schlecht machen“ zu tun. Die Wahrheit soll ans Licht. Jeder Arzt stellt seine Diagnose aufgrund eigener Beobachtungen und den Erfahrungen der Patienten (und ihrer Angehörigen). Wenn da nichts kommt, kann er denken, dass da nichts ist.

    Du weißt, deine Mutter ist ein Pflegefall. Also musst du irgendwie nach einer pflegerischen Versorgung suchen. So viele verschiedene Möglichkeiten gibt es da nicht, aber ein guter Anfang ist immer der Pflegegrad. Je höher der Pflegegrad, desto besser die finanzielle Unterstützung. Auf eine ärztliche Diagnose (Bestimmung der Krankheitsursache) kommt es da nicht an. Vielmehr kommt es darauf an, ob deine Mutter alle ihre Alltagsverrichtungen selbständig und ohne Unterstützung erledigen kann oder nicht.

    Grüße von Buchenberg

    Einmal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Hallo PausE,


    Zum Ginkgo, die Aussage das es rausgeschmissenes Geld ist habe ich auch von zwei Neurologen bekommen. Der Hausarzt hat es befürwortet. Mein Papa bekommt es weiterhin. Wie schwarzerkater schreibt aber bzgl der anderen Medikamente aufpassen. Ginkgo muss auch vor Operationen abgesetzt werden.

    Glaubt man der Werbung gibt es unterschiedliche gingko biloba Extrakte ob das stimmt kann ich nicht beurteilen.


    Mein Vater nimmt Gingko jetzt ca 9 Jahre (seit das erste mal der Hausarzt von Demenz gesprochen hat) Vor etwa 4 Jahren hatte er einen Leistenbruch und musste operiert werden. Zu diesem Zeitpunkt war er mit 78 noch total fit, allenfalls leicht vergesslich. Hat im Betrieb noch so 30 Stunden pro Woche mitgearbeitet. Der Chirurg wollte das er Gingko zwei Wochen vor der Operation absetzt. Da waren dann sehr schnell Unterschiede/Verschlechterungen bemerkbar. Nach der OP bekam er es wieder und es wurde wieder besser, aber nicht mehr so wie vor der Op. Es war aufällig kann aber halt auch Zufall sein. Der Hausarzt meinte damals bei manchen scheint Gingko nichts gross zu bewirken andere scheinen gut darauf anzusprechen.


    Ich könnte mir vorstellen das die Art der Demenz eine Rolle spielt. Bei Papa ist es vaskuläre Demenz.

    Einmal editiert, zuletzt von Sohn83 ()

  • ....

    So viel erst mal an Berichten über meinen Fall - hoffentlich teilweise passend zu deinen persönlichen Erfahrungen.

    Vielen Dank fürs Teilen Deiner Erfahrungen.

    Du schreibst das, was ich mich fast nicht traue zu denken.


    Diese Phase, in der meine Mutter jetzt ist, muss auch für sie die Hölle sein.

    Sie merkt, dass ihr die Kontrolle über sich entgleitet.

    Wir hatten vor dem Arztbesuch zwei schwierige Situationen.

    Meine Mutter sucht andauernd etwas und sie wiederholt sich ständig, weil sie es vergisst, dass sie 5 Minuten vorher das gleiche gefragt hat.


    Zum einen war ein Schlüssel verschwunden und dann die Krankenversicherungskarte. Das mit dem Schlüssel dauerte schon Tage an, mein Vater und sie sprachen kaum noch miteinander.

    Sie aber meinte, nein, den hätte sie nie und nimmer abgezogen.


    Wir wussten, dass sie es war. Es ist ihr immer schlimmer werdender Kontrollwahn, gepaart mit Angst vor Einbruch.

    Sie würde auch nie einen Hausnotruf akzeptieren, da man da einen Schlüssel abgeben sollte.


    Sie lässt sich auf niemanden ein. Einmal sagte sie mir, sie glaube, dass sie manches Mal Tabletten vergesse. Ich wollte sie dann in diese Medikamenteneinteiler sortieren in ihrem Beisein. Keine Chance. Sie weiß ja dann nicht, was sie alles einnimmt.


    Als ich mal eine Überweisung vom Hausarzt abgeholt habe und die an mich genommen hatte, weil ich die ewige Sucherei vorm Termin satt war, gab es größten Ärger für mich.


    Auf meine Frage nach dem Neurologen-Termin, warum sie ihm denn nicht von dieser ewigen Sucherei erzählt habe, antwortetet sie: "Ich muss das ja nicht jedem auf die Nase binden."


    Ich finde diese Zeit gerade ganz schwierig. Und da bin ich bei Dir, liebe(r) schwarzerkater, die Zeit in diesem "Zwischenstadium" ist kräftezehrend

    Eine Medikation, die aufhält, diesen Zustand quasi konserviert, kann auch nicht gewollt sein.

    Wenn man wüsste, wie der einzelne Mensch wird, kann man ihm nur solch einen Zustand, den Deine Mutter nun erreicht hat, nur wünschen.

  • Hallo Pause,


    du weißt, deine Mutter ist ein Pflegefall. Das hättest du dem Neurologen auch aufzeigen können. Das hat nichts mit „schlecht machen“ zu tun. Die Wahrheit soll ans Licht. Jeder Arzt stellt seine Diagnose aufgrund eigener Beobachtungen und den Erfahrungen der Patienten (und ihrer Angehörigen). Wenn da nichts kommt, kann er denken, dass da nichts ist.

    D.....

    Hallo Buchenberg,

    ja, ich hätte es ihm aufzeigen sollen. Aber wie, in ihrem Beisein? Ihr das letzte bisschen Würde noch nehmen?


    Ich verstehe aber da ehrlich gesagt auch den Arzt nicht. Kann er nicht sagen, okay, Frau Tochter/Herr Sohn, kommen Sie 15 Minuten früher zum Termin oder schildern Sie mir in einem Brief Ihre Sicht.

    Denken die alle, wir Kinder wollen die Eltern nur schnellstens ins Heim verfrachten und erfinden mal kurz die Befindlichkeiten unserer Eltern?


    Ich muss heute dort noch mal hin, die Versicherungskarte nachreichen, dann gebe ich einen Brief ab.

  • Hallo Sohn83,


    dass das Gingko für meine Mutter nichts mehr groß ausrichten wird, denke ich auch. Sie klammert sich dran. Sie nimmt keinen Blutverdünner, aber ich muss dran denken, ihrem Hausarzt eine aktualisierte Medikamenten-Liste zu geben.


    Ehrlich gesagt, ich hab wegen dem Gingko in erster Linie für mich gefragt.

    Ich hab eine scheiß Angst vor der Krankheit.


    Wie geht es Euch damit eigentlich?

  • Hallo Buchenberg,

    ja, ich hätte es ihm aufzeigen sollen. Aber wie, in ihrem Beisein? Ihr das letzte bisschen Würde noch nehmen?

    Hallo PausE,

    müssen wir nicht auch einer Krebskranken sagen, dass sie Krebs hat? Hilft es der Würde, wenn wir eine Demenzerkrankung verleugnen? Ich denke, das Gegenteil trifft zu.

    Wenn ich eine Meinungsverschiedenheit mit meiner dementen Schwiegermutter habe, und sie vernünftige Gründe ablehnt, dann sage ich zu ihr: "Du hast Demenz, für dich ist das Beste, wenn du uns vertraust."
    Manchmal akzeptiert sie, dass sie Demenz hat, manchmal leugnet sie es.

    Wer seine/ihre Demenzerkrankung leugnet, macht sich selber das Leben schwer, denn er/sie meint, er/sie benötige keine Hilfe.


    Grüße von Buchenberg

  • Hallo PausE! Herzlich Willkommen in diesem Forum! Ich hoffe, du wirst Dich hier wohlfühlen und viele hilfreiche Informationen finden!

    Wir wussten, dass sie es war. Es ist ihr immer schlimmer werdender Kontrollwahn, gepaart mit Angst vor Einbruch.

    Sie würde auch nie einen Hausnotruf akzeptieren, da man da einen Schlüssel abgeben sollte.

    Schlüssel waren bei uns auch ein ganz großes Thema. Von Anfang an wurden sie versteckt, verlegt, verloren. Leider wohnen meine Eltern in einem viel zu großen Haus, wo es erstens unheimlich viele Schlüssel gibt und zweitens unheimlich viele mögliche Verstecke. Natürlich war immer meine Mutter an den fehlenden Schlüsseln schuld. In den letzten Monaten wurde jeden Tag stundenlang Schlüssel gesucht, mit großer Panik und gelegentlich Aggression -- teilweise Schlüssel, die es gar nicht gab, und wenn sie gefunden waren, waren sie nach Minuten wieder versteckt. Seit einer gute Woche ist mein Vater in einer Klinik, und ich habe kurz nach seiner Versichertenkarte gesucht und dabei 4 Schlüssel gefunden, die in verschiedenen Verstecken waren, z.T. beschriftet "funktioniert nicht" und z.T. ganz vorsichtig verpackt.


    Das alles hilft Dir nicht weiter, aber folgender Ratschlag vielleicht schon: Ich habe erstens Unmengen von Schlüsseln neu machen lassen (was bei uns nicht einfach war, weil es eine Schliessanlage gibt, und man Schlüssel nur mit einer Sicherungskarte nachmachen kann, die natürlich weg war), so dass meine Mutter immer wieder neue Schlüssel hervorzaubern konnte. Und zweitens habe ich bei Amazon Schlüsselfinder bestellt, die man an den Schlüsselbund dranmachen kann. Es gibt verschiedenste Modelle; wir hatten eine Packung mit 6 Stück, die man mit einem Gerät suchen konnte (man drückt z.B. die rote Taste, dann fängt der Schlüssel mit dem roten Anhänger an, zu piepsen). Das hat bei uns oft funtktioniert, weil mein Vater die Schlüssel im Haus versteckt hatte. Wenn Du befürchtest, dass Deine Mutter Schlüssel ausser Haus verliert, dann gibt es andere Modelle, z.B. Apple iTags, die irgendwie an alle umliegenden iPhones senden, und mit denen man recht genau orten kann. Problem bei all diesen technologischen Lösungsversuchen ist natürlich, dass der Patient die Anhänger nicht mag und abmacht.


    Ich würde auch empfehlen, einen kurzen Bericht vorher abzugeben, maximal eine dreiviertel Seite mit Spiegelstrichen. Ich habe immer angerufen und gefragt, ob es eine E-Mail Adresse gibt, und dann kurz vor dem Termin nochmal dran erinnert, dass die Ärztin es lesen soll. Mit meinem Vater im Raum hätte ich NIEMALS offen sprechen können -- er hatte eine großartige Fassade und wäre sofort wieder gegangen, wenn man gesagt hätte, dass ihm etwas fehlt.


    Meine Erfahrung mit Ärzten war insgesamt schlecht. Die ersten drei haben uns (über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren) abgetan, weil mein Vater erstens keine Hilfe wollte, und zweitens er sich so großartig gab, die dachten eher, was will diese Raben-Familie dem armen Mann antun? Die vierte Ärztin wurde von einer Demenz-Beratungsstelle empfohlen, und hat sich dann ganz toll gekümmert. Es ist also meiner Meinung nach auch immer eine Glückssache, an den richtigen Arzt zu gelangen.

  • Herzlichen Dank @Buchenberg,

    ich bin da wirklich zwiegespalten. Ich weiß nicht, was die endgültige "Keule" Demenz mit meiner Mutter macht.


    Ich weiß ja auch nicht, was überhaupt bei ihr noch hängenbleibt. Einerseits eine Gnade, der Knatsch von vorhin ist vergessen, es wird einem nichts nachgetragen.

    Ist aber diese Diagnose auch etwas, das man vergisst?


    Ach, ich weiß es auch nicht.



    Danke auch OiOcha fürs Willkommenheißen.


    *lach* Den Schlüsselfinder habe ich nach der letzten Aktion schon bestellt. Genau dieses 6teilige Ding. Ich finde nur, die Farben hätten etwas kontrastreicher sein können.

    Mein Vater hat schon alle möglichen Zweitschlüssel anfertigen lassen, dieser letzte fehlt noch.

    Die lagern dann im Tresor, zu dem meine Mutter aber auch Zugang hat.


    Ich glaube, ich lasse noch eine Garnitur für mich anfertigen, die ich mit nach Hause nehme.

  • Die lagern dann im Tresor, zu dem meine Mutter aber auch Zugang hat.

    Da wäre ich sehr vorsichtig! Wir haben auch einen Tresor, den mein Vater irgendwann mal ausgeräumt hat. Er hat wohl Impfpässe gesucht, hat es erst nicht geschafft, den Tresor aufzubekommen, dann doch. Er hat ALLES ausgeräumt, irgendwo versteckt. Es gab drei Ordner mit Dokumenten (alles von meinem Abiturzeugnis bis zu den Zulassungspapieren der Autos) -- ALLES WEG! Wir haben tagelang gesucht, mittlerweile denke ich, vielleicht hat er es in einem Plastiksack im Teich versenkt oder sowas.


    Wenn man von den wichtigen Dokumenten nichts mehr hat wird alles unheimlich schwierig -- zur Wiederbeschaffung der o.g. Schlüsselkarte musste ich mit meiner Vollmacht zuerst Grundbuchauszüge beschaffen, dann einen Packen Papier einschicken (Grundbuch und Vollmacht). Teilungserklärung des Hauses und Kaufvertrag scheinen unwiederbringlich verloren zu sein, obwohl ich da seit Monaten dran rumdoktore (wegen Grundsteuererklärung) -- Notare, Behörden abtelefoniert, erfolglos. Jede Kleinigkeit wird ein Kraftakt (z.B. Verkauf eines Autos ohne Papiere).


    Ich kann nur empfehlen, wichtige Dokumente so zu verwahren, dass der Demente da nicht drankommt, gerade wenn Schlüssel und beklaut werden ein Thema sind.

  • Hallo PausE,


    zuerst mal zu den Ärzten, hierzu können viele richtige Romane verfassen was wir zu diesem Thema schon durch haben. Es ist nichts verwerfliches daran sich bei einem anderen Arzt eine zweite Meinung zu holen (idealerweise einen der sich mit Demenz auch auskennt). Es ist auch nichts verwerfliches daran einen Arzt zu wechseln. Gerade der Hausarzt ist extrem wichtig, ein verständiger und engagierter Hausarzt ist Gold wert.


    Ich habe z.b. damals nach einer großen Pleite vor Ort direkt bei der Pflegeberatung vor Ort (in meinem Fall Rotes Kreuz) angerufen und nach Arztempfehlungen (Neurologe) gefragt. Die wollten verständlicheweise keine direkte Empfehlung geben aber konnten mich doch in die passende Richtung weisen (Viele unserer Klienten sind bei Dr. Soundso)


    So wie du die Lage beschreibst ist ein ganz wichtiger Punkt

    - Vorsorgevollmacht -> Link zur Vorlage des Justizministeriums ( https://www.bmj.de/SharedDocs/…re/Vorsorgevollmacht.html)


    hast du eine solche? Dabei geht es auch daraum wie weit die Ärzte mit dir sprechen dürfen. Aktuell verlangt das vielleicht noch kein Arzt von dir, aber glaube mir sollte einmal z.b. ein Notfall oder Krankenhausaufenthalt anstehen wollen die plötzlich alle sehen. Gerade Krankenhaus und Demenz sind wichtige Punkte weil nicht absehbar ist wie der demente in dieser Situation reagiert (z.b. Delir)


    Evtl. auch an eine Patientenverfügung denken.


    Ein weiterer Punkt, besorge dir (da brauchst du wieder die Vollmacht) von allem kopien. Lass dir Arztbriefe, Befunde, Blutwerte ausdrucken und führe deine "eigene" Krankenakte, bei Bedarf hast du so alles zusammen. Die Kommunikation unter Ärzten/Praxen ist oft mangelhaft.


    Ich hab eine scheiß Angst vor der Krankheit.

    Wie geht es Euch damit eigentlich?

    Die Angst, die können wir wohl alle mitfühlen. Ich glaube wir beobachten uns selbst auch intensiver als Personen die nichts mit Demenz zu tun haben.

    Wenn ich meine väterliche Erblinie betrachte stehe ich schon wo es her kommt. Seit kurzen betreibe ich Ahnenforschung, da habe ich mittlerweile mehr erfahren als ich eigentlich wollte.

    Meine Urgroßmutter war den früheren Erzählungen meines Vaters nach wohl Dement wurde aber 92 (für Geburtsjahr 1874 nicht schlecht). Von Ihren Kindern starben die meisten recht jung, die die alt wurden wurden ebenfalls alle dement und eine Generation später sind auch einige Demenz Fälle bekannt.

    Anderseits starben auf Seiten meier Mutter (inkl derselbigen) viele an Krebs.


    Sich darüber Gedanken machen hilft aber nicht weiter. Man kann versuchen Risikofaktoren zu minimieren (weil Stressreduktion als pflegener Angehöriger ja so eine einfach Sache ist ;-)). Aber Garantien gibt es nicht. Man kann Vorkehrungen treffen (Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung), sich bereit erklären im Fall der Fälle in ein Pflegeheim zu ziehen. Ob das alles etwas hilft ... man weiß es erst wenn es zu spät ist.

    Für mich persönlich denke ich über eine Mitgliedschaft bei Dignitas nach. Das mag sich aber im Laufe meines lebens noch ändern.

  • Guten Morgen,

    PausE: soweit ich mich mal schlau gemacht habe, wirkt Gingko im Anfangsstadium und meine liebe Schwiegermutter, für die das Medikament wirklich teuer war wegen kleiner Rente, berichtete, dass sie damit konzentrierter und weniger vergesslich war. Sie war aber nur kurz in einer Art Demenz am Ende ihres Lebens.

    Bei meiner Mutter haben wir es vor drei Jahren anfangs im Pflegeheim noch versucht, da gab es schon lange die ersten Anzeichen und es hat meiner Meinung nach nichts bewirkt. Habe von einer Studie gelesen, nach deren Ergebnis es im Anfangsstadium noch wirkt.

    Ich habe auch mehrere Menschen (Pfleger, Neurologe) befragt, ob ich meiner Mutter die Diagnose mitteilen soll, es wurde definitiv verneint, weil es nichts bringt, jedenfalls im Alter von Ü80/90. Sie würde es nun eh dauernd wieder vergessen. In einer vorherigen Phase hat sie sich mal fürchterlich aufgeregt, dass sie GEspräche mitangehört hätte, sie sei nun dement, dabei seien alle anderen verrückt und bestehlen sie u.v.m. Der Neurologe sagte, man mache das heutzutage nicht mehr, es habe sich nicht als förderlich gezeigt, mache nur Angst. Und da meine Mutter schon meinen Vater durch Alzheimer lange begleitet hat, würde ihr das mega Angst machen, also gebe ich eher Ausreden vor, dass doch ihr Gehirn schon so viel speichern musste, da vergisst man eben einiges o.ä.

    Sie weiß nun weder wie alt sie selbst ist, noch wie alt ich bin, ist zeitlich schon lange nicht mehr orientiert, lebt total im Moment, was eine riesige Erleichterung im Umgang ist, freut sich immer wenn ich komme, ohne zu zetern. Man muss einen Umgang damit finden ähnlich wie bei Kindern, nur dass die dementen Menschen sich zurück entwickeln..

    Die Angst vor eigener Erkrankung schiebe ich weg, habe gelesen, dass die sehr frühe Demenz (mit ca. 50-60 J.Beginn) ein höheres Risiko zur Vererbung hat. Bei meiner Mutter kann gut das metabolische Syndrom (Übergewicht,Diabetes, Hypertonie) Auslöser sein, daher versuche ich dies mit entspr. Ernährung und Bewegung zu vermeiden, habe noch über eine App mit einem Instrument begonnen um meinen Geist anzuregen. Und solange ich das Gefühl habe, ich kann noch etwas vorbeugend tun, hilft mir das. Angst blockiert nur.

    Und ich kann den Vorschreibern zustimmen, dass es gerade sicher die unangenehmste Phase der Demenz ist, die aber vorübergehend ist - was es gerade für dich nicht einfacher macht.. Also letztendlich bringt dir momentan eine ärztliche Diagnose nicht viel.

    Du musst übrigens keinen eigenen Thread aufmachen, kannst du gerne, aber es geht hier tatsächlich munter durcheinander .

    Liebe Grüße

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