Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

  • Hallo,

    ich versuche mich kurz zu fassen:

    Meine Mutter, 87, wohnte bis 11/21 in NRW, seit dem Tod meines Vaters vor 4 Jahren alleine.

    4. Stock ohne Aufzug, keine Verwandten oder Bekannten in der Nähe, nur ein sehr nette Nachbarsfamilie.


    Meine Familie (16-jährige Drillingsjungs und mein Mann) und ich wohnen in Niedersachsen, 430 km entfernt.


    Meine Mutter hatte in 8/21 eine HerzklappenOP.

    Ich hatte schon seit 2 Jahren Veränderungen an Ihr bemerkt: Sie rief mich nicht mehr an, wenn ich mich dann ein paar Tage nicht meldete war sie richtig böse auf mich. Als ich einmal einen Besuch aus beruflichen Gründen meines Mannes verschieben musste hat sie mich unvermittelt total angeschrien. Ich war nicht nur danach sehr traurig. Eigentlich nach jedem Telefonat, da sie immer irgendetwas sehr böses sagte.


    Nach der Herzklappen OP ist sie nun wirklich nur noch boshaft zu mir.

    Mittlerweile habe ich mich ein bisschen daran gewöhnt, aber mein Mann hat mich da auch wirklich ernsthaft + besorgt ermahnt: ich muss hier den ganzen "Betrieb" der Familie + Firma "wuppen" - mein Mann ist die ganze Woche auf Baustellen unterwegs - und ich hatte nur noch das "eine Thema" - s.o..


    Meine Mutter wollte natürlich verständlicherweise in keine Einrichtung - so habe ich einen Pflegedienst gebucht - sehr gut waren die - aber meine Mutter hat die Damen nur von oben herab behandelt, mir gesagt ich was ich da übles gemacht hätte etc.

    Meine Mutter kam dann ab 8.21 5x ins KH mit 2 Schlaganfällen, blutendem Magengeschwür, starkem Schwindel, Lungenentzündung.

    Sie rief ständig die Nachbarn und den Notarzt an - um dann den Notarzt als "unqualifiziert" wieder wegzuschicken - teils 2x täglich.


    Die enge Straße am Mehrfamilienhaus war dann ständig total blockiert.


    Die Nachbarn haben mir sehr geholfen, da ich nicht immer sofort kommen konnte und haben dann schon mal Anziehsachen ins KH gebracht, die Wohnung gehütet...


    Über mich hat sich meine Mutter nur noch übelst geäussert und mich auch wirklich böse behandelt.

    Wenn ich sagte, ich könnte erst am nächsten Wochenende kommen, hat sie aufgelegt.


    Ende November, wieder ein KH-Aufenthalt nach einem Schlaganfall, habe ich dann meiner Mutter gesagt dass ich ihr entweder einen Heimplatz in NRW oder bei uns in der Nähe besorgen werde.

    In allen KHs waren wirklich alle Teams ausnahmelos lieb, geduldig + erfahren: meine Mutter titulierte alle als kalt, frech und unqualifiziert.


    Eine Vorsorgevollmacht hatte sie mir in 9/21 unterschrieben.


    Sie war einverstanden - konnte aber auch wirklich nur noch schlurfend gehen, ihr war nur schwindelig und sie redete immer wieder der gleichen Satz "ich bin ganz alleine".


    Ich habe mich so gefreut und mir war ganz warm ums Herz:

    ich hatte doch wirklich ein 31-qm Zimmer mit Terrasse und grossem Bad gefunden, in einer sehr ordentlichen sauberen Einrichtung mit sehr guter Leitung.

    Eigene Möbel hat mein Mann nach einer Woche die 430km herangeschafft, damit sie es schön hat.


    Sie wurde von 2 DRK-Männern im KH abgeholt: Sie wissen schon: schlechter Service (nein nein die beiden waren super!!!.)

    Das Zimmer: "eine Abstiege"

    ich: "kalt und herrisch"

    die anderen Bewohnender: "einfach und dumm" - also die sind alle sehr nett da von der ehemaligen Cafebesitzerin bis zur Zahnarztgattin) (meine Mutter ist Verkäuferin gewesen, also nix weltbewegendes)

    Das Essen: zu wenig und schlecht (es gibt sogar eine eigene Küche, seeehr leckeres Essen)

    Das Personal: nett, aber sie wechseln ja in Schichten, versteht sie nicht- will sie nicht verstehen

    ich komme 1x pro Woche: das ist natürlich viel zu wenig (ganz ehrlich? 1. bin ich ja auch noch berufstätig und ich halte die Beschimpfungen nicht öfter aus)

    Bad Bevensen: das Klima macht sie krank

    Bad Bevensen: nur Billighäuser (es ist eine wunderschöne Kurstadt, meine Mutter hat in 90qm 60er Jahre Bau an einer Hauptstrasse gewohnt)


    Durch die gute Pflege kann meine Mutter an guten Tagen sogar mit dem Kurbus kostenlos in die Innenstadt fahren - mit einem schönen leichten Rollator, den ich besorgt habe - also den findet sie mal gut


    Meistens nehme ich einen meiner Söhne mit - meine Mutter redet garnicht mit ihm sondern beschimpft nur mich (er möchte gerne zur Unterstützung mit, danach gehen wir immer zu MC Donalds, dann sagt er immer dass sich wieder alle gleichen Szenen wiederholten).

    Und zuhause besuchen möchte sie uns nicht: "was soll ich in der fremden Wohnung". Eine Zeitlang wollte sie, dass wir ihr ein Zimmer im Haus freimachen (in den letzten 20 Jahren haben uns unsere Eltern 2x je 1nen Tag besucht, zur Taufe der Drillingsjungs oder so waren sie auch nicht da - also Fuerteventura und Co waren wichtiger - daran waren wir gewöhnt, ich ja eh)


    Es kristallisierte sich heraus, dass meine Mutter wohl nie ihre Medikamente richtig genommen hat, ist nichts getrunken hat (war schon früher so )"Wasser schwemmt auf" und sich auch schlecht ernährt hat.


    Also jetzt kann sie eigentlich schön leben - beschimpft mich aber seit den 7 Monaten, die sie in der Einrichtung ist ,nur übelst: sie sei jetzt wieder gesund und will in ihre Wohnung zurück.


    Die Pflegerinnen erzählen dass sie sehr viel liegt. Aber wenn ich komme takelt sie sich richtig auf und „spielt die Gesunde“


    Ich bin wirklich verzweifelt.

    Die Nachbarn schlagen auch die Hände über dem Kopf zusammen.


    Sie glaubt mir einfach nicht, sie glaubt der Pflegeleitung nicht, die Ärztin (sie hatte den fast deckungsgleichen Fall mit ihrer Grossmutter) hat ihr auch schon schriftlich versichert, dass sie nur die Weiterführung des Wohnens in der Einrichtung befürworten kann...


    ...ich fahre immer Freitags nach Bad Bevensen: mein Magen bekommt vorher schon immer so eine Art Klammer, ab Freitag schlafe ich superschlecht und dann geht das wieder von vorne los.


    Wird das je mal besser? Was soll ich nur tun? Aushalten? <3


    Ok soviel dazu dass ich mich kurz fassen wollte - Alles Gute Ute

    2 Mal editiert, zuletzt von UteSchnute () aus folgendem Grund: Rechtschreibung ☀️

  • Liebe Ute,

    Wenn du hier mal in den Foren liest, wirst du sehen, wie sich deine Geschichte schon viele Male bei anderen zugetragen hat - du hast also keine wirkliche Schuld an der Misere, hast dich gekümmert und hättest am liebsten Dank dafür. Den scheint es eher selten zu geben;)

    Für mich klingt es nach einer Depression bei deiner Mutter, die man evtl.medikamentös behandeln kann. Für mich ist nicht ganz klar: ist deine Mutter im betreuten Wohnen oder vollstationären Seniorenheim, wo sie regelmäßig Ansprache hat?

    Ich bin auch länger mit Tränen bei meiner Mutter weggegangen oder wenn wir sie aus dem Heim mal zu uns eingeladen hatten, das ist sehr schwer und ich bin auch ziemlich konstant nur einmal pro Woche hin, weil es mir immer schlecht ging danach. Seit über 1 Jahr ist meine Mutter deutlich zufriedener, (bekommt auch Antidepressiva zu den sonstigen Medikamentn, was sie nun nicht mehr so wahrnimmt) angeblich will sie immer noch mal nachhause, kann angeblich alles wieder allein.. das muss sie sich vllt selbst vorsagen gegen ein Gefühl der Hilflosigkeit.

    In dieser Phase der Veränderung unserer Elternteile scheinen oft nochmal alte Konflikte hochzukommen.. gut ist, wenn man sich professionelle Hilfe holt, das hat jedenfalls mir Entlastung und Wegweisung gegeben. Sich hier einiges von der Seele zu schreiben und/oder auszutauschen ist ein gutes Puzzle Teil im ganzen Prozess.

    Es wird bei Demenz meist irgendwann besser durch das zunehmende Vergessen schon. Man muss ja auch sehen, dass es für die alten Menschen schwer ist sich von der Eigenständigkeit zu verabschieden, von gewohnten Nachbarn und der jahrelangen Wohnung. Also aushalten ist tatsächlich ein Teil der Strategie..

    Liebe Grüße

  • Nachtrag: bei einer Demenz gehört übrigens fehlende Einsicht zu den Symptome n, da fehlen wohl die Denkstrukturen für.. gibt es schon eine Diagnose Demenz ? Im Heim meiner Mutter kommt regelmäßig ein Neurologe auf die Station, der die altersbedingten Veränderungen(Depression, Demenz, sonst.psychiatr. Symptome) behandeln und erkennen kann, zusammen mit der Dokumentation aus der Pflege..

  • Hallo Ute, auch von mir ein "Willkommen". Rose hat schon alles genau benannt. Professionelle Hilfe ist sicher wichtig, um selbst dabei nicht auf der Strecke zu bleiben. Der Prozess kann sich leider lange hinziehen, bis die Demenz in eine Phase kommt, wo dieser Widerstand auf beiden Seiten (aber v.a. beim Dementen) kleiner wird oder sich verliert.


    Gestern sprach ich mit meiner Tochter,(die zusätzlich ein schweres Schicksal anderer Art durchlebt, das uns auch betrifft und zu der ein enges Verhältnis besteht.


    Wir kamen überein, dass uns Folgendes beim Überleben geholfen hat und noch hilft: Wir füllen auch die schweren Zeiten mit gutem "Leben", mit positiven Ereignissen und Unternehmungen, so gut es geht. Manchmal muss man sich dazu aufraffen und sich überwinden - es kostet Kraft. Aber uns hat das wirklich geholfen nicht zu verzweifeln. Manche hier schreiben ja ähnliche Dinge: Man liest ganz bewusst ein schönes Buch, geht zu einem Konzert, verreist, trifft liebe Menschen. Das gibt Energie, um das Düstere zu ertragen und zu tragen.


    Will sagen: Ich erwarte eher nicht, dass vonseiten meiner dementen Mutter plötzlich der Sonnenschein kommt. (Obwohl ich zugeben muss, dass ich scheinbar oft genug darauf noch spekuliere). Aber an sich selbst und sein eigenes Leben und die Freude zu denken, sich das zur Aufgabe zu machen, ist vielleicht ein erster Schritt. Das ist nicht einmal Egoismus in negativer Form, sondern geradezu unsere Pflicht.


    Ich wünsche Ute (und uns allen), dass wir das vielleicht so besser schaffen können.

  • Hallo Schwarzerkater, Dankeschön. Heute war meine Mutter, als ich sie besuchte, so gut beieinander dass ich die Idee hatte, mich einmal beim Betreuten Wohnen auch in der Anlage zu erkundigen.

    Und dann erinnere ich mich wieder an die 4 Monate im Letzten Jahr vor dem Einzug in eine stationäre Einrichtung: teilweise mehrmals täglich Notarztrufe, Weigerung, ins KH zu gehen auch bei den 2 Schlaganfällen, Weigerung Medikamente zu nehmen, Weigerung, zu trinken, Ablehnung von jedem helfenden Pfleger.

    🤷‍♀️🥺Alles Gute Ute

  • Hallo Ute, meine Mutter hat sich auch eine Zeit lang im Heim stabilisiert, regelmäßiges Essen und Trinken, die Ansprache etc. Von daher würde ich lieber keine neue Veränderung herbeiführen, denn im betreuten Wohnen ist man ja eigentlich auf sich allein gestellt und kann bei Bedarf Unterstützung anfordern, die demente Menschen nach ihrem Gefühl wiederum nicht brauchen... Da würde ich auch eher an die Noteinsätze denken und dass aktuell alles genauso gut und richtig ist, wie es ist - bis zum nächsten Ereignis wie Sturz, Demenzschub o.ä. dann wirst du froh sein, nicht wieder von vorn anfangen zu müssen mit Suchen und Kümmern;)

    Liebe Grüße

  • Hallo Ute,


    ich denke auch, dass es fürs Betreute Wohnen deiner Mutter schon 'zu schlecht' geht. Diesen Plan hatte ich für meine Eltern auch und deshalb mit meinem Onkel (jüngerer Bruder von Vater) gesprochen. Er hat mir erklärt, dass meine Eltern beide dafür schon in zu schlechtem Zustand wären. Eben weil das BW ganz erheblich auf die Eigenständigkeit der Bewohner eingeht.


    Böse, verbale Angriffe gibt es von meiner Mutter auch schon mehrfach - was Zeit ihres Lebens niemals der Fall war. Mir, meinem Vater und auch ihrer Freundin/Nachbarin gegenüber. Obwohl ich vor dem ersten Mal wusste, dass meine Mutter nicht mehr die ist, die ich seit immer kenne, hat mich diese verbale Entgleisung ziemlich getroffen.


    Gleiches bei ihrer Freundin. Da ist sie richtig ausgerastet. Die hat mich anschließend angerufen und bitterlich geweint, so geschockt war sie. Auch sie kannte das von meiner Mutter nicht.


    Wir haben uns jetzt alle darauf eingestellt und nehmen diese Entgleisungen als das, was sie sind, Erscheinungsbilder der Demenz. Es schmerzt uns trotzdem noch, aber nicht die Entgleisung an sich, sondern das, was aus dieser aufopfernden, fürsorglichen, zu jedem freundlichen Frau geworden ist.


    Ich wünsche Dir, dass Du schnell Frieden mit den Bosheiten deiner Mutter finden kannst. Es ist nicht sie, die da spricht <3


    Alles Gute und durchhalten!


    LG Zebulon

  • Liebe Ute -


    ich kann mich den anderen nur anschließen. Auch meine Mutter ist richtiggehend bösartig geworden. Ab und an gibt es gute Tage, aber meistens beschimpft sie mich entweder oder sie sagt, dass sie immer nur alleine ist, keinen hat, der mit ihr spricht usw. Wenn ich ihr sage, dass sie das ändern kann, geht die nächste Tirade los. Dazu kommen manchmal 60 Anrufe am Tag. Meine Mutter ist allerdings körperlich noch so fit, dass sie in der eigenen Wohnung wohnt. Aber auch bei ihr ist die Vorstellung, dass alle Bekannten sie mobben, die Kirchengemeinde kontinuierlich lästert usw. Ich fürchte, das wird sich weder bei ihr noch bei Deiner Mutter ändern. Ich habe mir einige "Abwehrmechanismen" (ähnlich wie die anderen) angeeignet: Belohnung nach besonders schweren Besuchen, am Wochenende essen gehen, wenn sie mal wieder komplett bösartig war, mit Freunden treffen oder eines meiner Lieblingsbücher lesen. Es ist kein einfacher Weg, aber Schritt für Schritt kommt man voran.

    Liebe Grüße

    TanjaS

  • Hallo Ihr, oh ich freue mich so doll über Eure Briefe!


    Erzählen denn Eure Eltern auch immer, dass sie so unglücklich in der Einrichtung sind? Es ist immer etwas anderes: die natürlich oft noch viel dementeren Mitbewohner (in ihrer Abteilung sind jedoch nur leicht demente Fälle), abends gibt es angeblich immer nur ein Kösebrot, die ganze Wäsche ist schmutzig (es gibt eine Wäscherei im Haus die sehr gut geführt wird, feinere Wäsche kann in einem Beutel für 10 Eur abgegeben werden)- habe meiner Mutter gesagt dass ich ihre Wäsche NICHT mit nach Hause nehme, da ihre Wäsche super gewaschen wird ooooh da war und ist was los, sie hat nichts zum Anziehen(der Schrank ist voll, die Nachbarn haben schon kistenweise Sachen geschickt (Eigentumswohnung, besteht noch, wird vermietet, auch so ein Thema könnt Ihr Euch denken), alle Bewohner sind einfache Landleute die nur auf dem Feld gearbeitet haben (stimmt nicht und wenn wäre das ja wohl kein Problem), alle Bewohner reden nur von früher (also sie ja gaaaar nicht), ….ich bin kalt…als ich einmal in Tränen ausbrach: „Du schaffst das doch garnicht, mich zu betreuen, ich will einen gesetzlichen Betreuer“…sie denkt das ist dann eine Person die 24 Std für sie da ist und mit Pflegepersonal dafür sorgt, dass sie in ihrer Wohnung, 4. Stock, wieder wohnen kann….


    Ach ja habe auch schon Abwehr gelernt:

    Ich habe wirklich die Zimmertelefonnummer meiner Mutter gesperrt: sie hat mich sonst jeden Tag angerufen und gesagt sie bringt sich um wenn ich sie nicht „da raushole“


    Ich führe keine Streitgespräche und sage lieber nichts. Dann geht es mir einfach besser.


    Alles Gute Ute

  • Noch ein ach ja: meine Mutter lebt in der Einrichtung eigentlich ein ruhiges friedliches Leben und die Pfleger mag sie auch: nur dass sie halt immer sagt sie da nicht hingehört🤷‍♀️

  • Hallo Ute, zuerst einmal mein großes Mitgefühll!!!! Es ist einfach eine schlimme Krankheit und eine der größten Herausforderungen für alle Beteiligten. Das muss man sich zuerst mal eingestehen. Punkt!


    Bei meiner Mutter habe ich die Anzeichen der Demenz nicht wirklich wahrhaben wollen. Nach dem Tod meines Vaters hat sie speziell mir das Leben zur Hölle gemacht, obwohl wir (meine ganze Familie) sie auf Händen getragen haben - wir haben ihr Leben auf unsere Schultern genommen, sie auch in jeden Urlaub mitgenommen ... Als klar war, dass sie mehr Pflege brauchte, hat sie uns und die Pfleger raussgeworfen. Das nur als Kurzbericht, um zu zeigen, dass ich verstehe ....


    Zum Heim: Meine Mutter ist in einem, dass nicht wie ein Heim aussieht. Es nennt sich "Betreutes Wohnen", aber dort ist eine feste Pflege installiert. Ich habe den Eindruck, dass das Pflegeheim meiner Mutter in ihrem Wesen entspricht, wenn ich das mal so sagen darf. Das gibt mir Zufriedenheit. Ob meine Mutter zufrieden ist, weiß ich nicht. Sie kann das nicht sagen und sie wird es mir nicht sagen. Niemand sagt ihr, wo sie ist und was das für sie bedeutet. Meine Mutter ist einfach DA. Man geht dort völlig unspektakulär mit ihr um, so als wäre es das Natürlichste von der Welt, dass sie da ist. Jemand nimmt sie in den Arm, sagt ihr ein paar liebe Worte, bringt ihr Kaffee ... wie in einer Familie, völlig unaufgesetzt und natürlich. Und wenn sie morgenss nicht unter die Dusche will, macht man das da eben abends. Und wenn sie abends nur Marmelade möchte, kriegt sie Marmelade. Auch die anderen Bewohner (viele nicht dement) verhalten sich so, als seien sie alle immer schon dort gewesen.


    Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich es sehr schön finden und es rührt mich in tiefster Seele an, diese Gruppe von Menschen zu sehen, die freiwillig wohl nie miteinander in einem Raum gesessen hätten, aber die so selbstverständlich miteinander umgehen.


    Man muss dazu sagen, dass meine Mutter die individualistischste Person ist, die ich kenne. Sie war so couragiert, klug ... und auch dominant. Sie wusste immer Rat, hatte für alles eine Lösung. Sie hätte sich wohl eher ins Feuer gestürzt, als in ein "Heim" zu gehen. Ich bin deswegen nachts aus Alpträumen aufgewacht, weil ich plötzlich glaubte, meine Mutter versteht irgendwann doch noch, WO sie jetzt ist und wird wieder aggressiv. Bis jetzt ist es nicht der Fall und ich hoffe, das bleibt so.


    Liebe Ute, es ist sicher gut, wenn DU das Gefühl hasst, deine Mutter ist dort gut aufgehoben und sie wird in ihrer jetzigen Schutzlosigkeit (die sie ja trotz Aggressivität hat) gut umsorgt.

    Außerdem wird ihr Widerstand brechen. Die Krankheit schreitet wohl oder übel voran und ihre Erinnerungen an früher werden verblassen. Wenn sie dann mehr und zunehmend nur noch im JETZT lebt, wird es bessser für alle. Wir alle wisssen, dass Widersstand nicht immer das Beste ist, wenn das Unvermeidliche zu durchleben ist. Und so ist es vielleicht ein Vorteil, dass dieser innere Widerstand (der jetzt noch verständlich ist) den Dementen abhanden kommt.


    Ich wünsche dir (und allen anderen) weiterhin viel Kraft und heute eine gute Nacht.

  • Hallo Ute, diese schwierige Situation, wie du sie beschreibst und wie sie sich mitnimmt, liest man hier im Forum immer und immer wieder. Man selbst denkt zunächst doch, es sei nur in der eigenen Familie so ... Ich habe mich anfangs längere Zeit regelmäßig bei den Pflegern gemeldet und nachgefragt, wie meine Mutter unbeobachtet so drauf ist. Da ich immer wieder hörte,dass es ihr gut geht, anfangs aber auch mal verständlicherweise traurig war und getröstet würde, war ich beruhigter. Für mich wurde es leichter, als ich entschlossener war, dass die Unterbringung richtig ist und ich ihr das auch klar gesagt habe. Ich musste lernen, dass sie umso schwieriger wurde, je mehr ich mit schlechtem Gewissen vor ihr saß. Oder auch wenn es mir gesundheitlich schlecht ging - das verunsichert sie offensichtlich. Und unsicher macht"ich will wieder nachhause" - in die Vorstellung von Sicherheit und Gewohnheit, denke ich.


    Bleib beharrlich! Einige hier haben schon berichtet, dass sie Mutter oder Vater wieder nachhause geholt haben und es schlimmer und unerträglicher wurde. Also wenn du ein gutes Gefühl bei dem Heim hast - ich habe auch regelmäßig nach dem Rechten geschaut - dann wird es OK sein . Die Vorstellung vom rechtl. Betreuer bei deiner Mutter spricht ja wohl Bände...

    Meine Mutter hatte sogar nach einem halben Jahr einen Bewohner als Freund, der sie immer total verliebt angeschaut hat und mit dem sie täglich zusammen saß. Leider starb er dann (mit 98). Doch das sind so Dinge, die kein Mensch voraussehen kann.

    Sie wollte auch unbedingt, dass ich die Wäsche mache, das Essen sei ohne Vitamine, die Männer verfolgten und bestahlen sie... Statt dagegen zu reden und alles damit noch anzuheizen habe ich mir angewöhnt zu sagen "das geht aber nicht, da werde ich mich mal kümmern, mit den Pflegern sprechen" o.ä. - das nahm dann den Wind aus den Segeln. Also sie wollen sich ernst genommen fühlen, dann kann es sich beruhigen.

    Habe auch manchmal gesagt, ich spreche mit meiner Schwester wie wir das machen bzgl.nachhause - nunja, wir gesprochen, aber es war klar, dass meine Schwester nicht mehr kann und will, ihre Ehe war fast darüber zerbrochen..

    Liebe Grüße für heute

  • Liebe Ute -


    ich kann mich Rose60 und schwarzerkater nur anschließen: Bitte denk auch an Dich und Deine Gesundheit. Das habe ich auch erst lernen müssen. Und wenn Du der Ansicht bist, dass Deine Mutter im Heim gut aufgehoben ist, dann ist sie das auch - Du kannst das sehr viel besser beurteilen als Deine Mutter das kann. Und ja: blockier ihre Telefonnummer. Ich habe mich das nach fast einem Jahr "getraut". Ansonsten wäre ich sicherlich irgendwann zusammengebrochen. Heute habe ich seit ca. 9.30 Uhr schon 42 Nachrichten auf meinem Handy von ihr - und das geht fast jeden Tag so. Ohne Blockierung lässt sich das nicht aushalten. Und das kann auch niemand von uns verlangen.

    Alles, alles Gute und viel Kraft!!

  • Liebe Tanja Dankeschön ❤️

    Hast Du auch manchmal so einen kleinen Wicht der Dir ins Ohr säuselt „sie ist doch fast garnicht dement, suche eine andere Lösung“- auch wenn Du beim Besuch fies angegangen wurdest?


    Alles Gute Ute ❤️

  • Liebe Ute -


    gerne. Mir hat es auch sehr geholfen, als ich in diesem Forum gelesen habe, dass es anderen ebenso geht wie mir. Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden - an manchen Tagen klappt es besser als an anderen. Meine Mutter denkt immer, sie ist geistig super-fit und ich rede Unsinn. Ich habe ab und an eher einen kleinen Wicht, der mir sagt "ruf nicht zurück, sie hat den Anruf eh schon vergessen" oder "ruhig bleiben". Aber ich weiß auch, dass ich irgendwann meine Sachen packen werde, wenn sie wieder sagt, dass ich meine Sachen packen und abhauen soll.


    Dir auch alles Gute!
    Tanja

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