Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Liebe Nelly, Gottseidank sind unsere Eltern so gut aufgehoben!!!

    Ich dachte, ich bin stark: aber nein 👎 ich würde es nicht verkraften, meine Mutter zuhause zu pflegen.

    Wieviel Leid gibt es wohl überall da zuhause, wo die dementen Angehörigen eher supernegativ gestimmt sind.


    Mir geht es richtig gut, seitdem die Pflegeleiterin Freitag mal wieder zusammen mit mir bei meiner Mutter war.


    Muss ich unbedingt öfter wahrnehmen und nicht denken, ich stresse damit zuviel. So alle 6 Wochen sollte reichen.

    Kann ich nur empfehlen wenn Frau so vor Widerstandswänden steht wie ich.


    Alles Gute Ute

  • Mit meiner Mutter wird es nun immer schlimmer.. heute hat sie (vermutlich durch Hilfe der Pfleger) bei mir Zuhause angerufen, ich war nicht da und ließ mir ausrichten, sie sei nun wieder da, wo sie vorher war und wo sie davor war, wisse sie nicht mehr :| was erwartet mich als nächstes?? Bisher erkennt sie mich noch. So traurig..

  • Liebe Rose,

    Ach Mensch.

    Ich aus meiner Position bin ja fast ein bisschen..neidisch auf die Situation, aber so ist es nun deshalb wirklich nicht, weil deine Gefühlswelt davon so arg angegriffen wird 🥹.


    Meine Mutter hat heute irgendwie die Büronummer meines Mannes herausgekramt „warum hasst Du mich nur“- mein Mann ist bei ihr auf Distanz gegangen weil sie auch ihn persönlich angegangen hatte. Davon wusste sie nichts mehr.


    Und dann hat sie wieder den üblichen Plan erzählt: sie kann alleine in ihrer Wohnung leben, jemand täglich 3 Stunden reicht, Ute hasst sie, Ihr kennt die Texte auswendig.

    Mein Mann kennt ja wir Ihr ❤️alle Fakten und hat sie meiner Mutter auch ganz sachlich gesagt.


    Habe ihn jedoch gebeten, nicht mit zu meiner Mutter zu kommen- er ist ja da wenn sie Weihnachten zu uns kommt, kommen sollte.

    Sie sieht ihn leider nur auch als mögliches Instrument für ihren üblichen Plan.

    (Und er hat ihre Nummer gesperrt: wenn seine Mitarbeiter am Telefon sind wenn sie anruft: das ist unnötig aufreibend für alle)


    Letztenendes hat sie dann das Telefonat dann höflich beendet- irgendwann ist immer Ihre „ich will in meine Wohnung Attacke“ vorbei und sie geht sonderbarerweise zu einem anderen Thema über. Bei mir leider nicht so höflich.


    In meinem Buch über narzisstische Mütter steht auch, dass sie immer „etwas besseres“ als das aktuell vorliegende wollen: besseres Heim, Kleidung, Essen, Besuchsfrequenz, etc. - und uns damit in ewige Gewissensbisse treiben.


    Die Pflegeleiterin erzählte mir ja, wie zufrieden meine Mutter sich in der Anlage verhält.


    Rose ich wünsche Dir viel Kraft in dieser neuen Phase, die ja - verdammt noch mal- schon wieder so schrecklich schmerzhaft ist.

    Deine Ute 🌸

  • Schwarzerkater das mit dem „nicht mehr berühren wollen“ ist bei Mutter seit 3/4 Jahr auch so. Sie vereinsamen innerlich irgendwie wie jemand, der innerlich verdurstet 🥹

  • Lieber Herr Hamborg, liebe alle -


    ich komme erst jetzt dazu, mich für Ihre netten und einsichtsreichen Zeilen zu bedanken. Ich habe lange mit einer Beraterin ihrer Krankenkasse telefoniert, die mir einige wertvolle Tipps gegeben hat. Nachdem der Fuß meiner Mutter manchmal immer noch schmerzt, habe ich jetzt einen Termin bei ihrer Ärztin ausgemacht. Der Dame, die den Termin gemacht hat, habe ich von der Demenz erzählt und ob die Ärztin das ebenfalls checken könnte. Wir haben jetzt besprochen, dass ich vor meiner Mutter kurz alleine reingehe, die Situation schildere und die Ärztin dann sagen kann, sie checkt nicht nur den Fuß, sondern sie auch mal allgemein durch, weil meine Mutter so lange nicht mehr da war. Ich hoffe, dass klappt.

    Was sicherlich für Krach sorgen wird: Ich habe ein Hotelzimmer gebucht und werde nicht bei meiner Mutter übernachten. Das letzte Mal war schlimm, das möchte ich nicht nochmal durchmachen. Und ich möchte auch in Ruhe duschen können - beim letzten Besuch kam meine Mutter dauernd hinterher, auch bis ins Bad. Argument: Sie wusste nicht, wo ich war. Und da sie schlecht hört (was sie bestreitet), hat sie die Dusche nicht gehört. Der Plan ist, dass ich morgens hinfahre und dann gegen 18/18.30 Uhr wieder zurück ins Hotel. Sie wird immer früh müde, das sollte dann kein Problem sein. Problem ist dann eher, dass ich generell im Hotel schlafe.

    Aber den Arzttermin sehe ich gerade als einen kleinen Schritt nach vorne.

    Liebe Grüße, Tanja

  • Ute, schwarzerkater: danke für euer Mitgefühl . Gestern war mein wöchentlicher Besuch im Heim und meine Mutter ausgeglichen und rel.zufrieden. sie möchte so gerne nachhause, solange ihre Mama noch lebt..(seit 45 Jahren verstorben) immer wieder Sprünge in den Zeiten. Also man muss flexibel reagieren, durch meinen früheren Job mit behinderten Kindern fällt mir das wohl nicht so schwer. Beim nächsten Mal kann alles wieder anders sein, aber ich bemerke auch die Vorteile des Vergessens.

    Und wenn ich nicht so sehr oft mit ihr spreche, merkt meine Mutter umso seltener, was sie vergessen hat. Ich korrigiere sie nicht ständig natürlich, aber wenn sie mich fragt, ob ihre Mama noch lebt, antworte ich wahrheitsgemäß und wechsle das Thema meist.

    Und aktuell bin ich besonders froh über die Unterbringung, weil man ja auch noch ein eigenes Leben mit oft vielen Anforderungen hat, mein Oma Dienst bei schwer kranken Zwillingen ist öfter gefordert, mit teils weiteren Wegen. So geht es halt immer weiter und viele von uns finden sich - anstatt auf ruhigen Pfaden - in der "Sandwich-Generation" wieder, einerseits Anforderungen der alten Eltern, andererseits oft Enkel mit Betreuungsbedarf.

    Langweilig wird's irgendwie nicht

    Liebe Grüße an alle

  • Hallo Tanja -- ich drücke Dir die Daumen mit dem Arzttermin! Ich habe Deine schlimme Schliderung letzte Woche gelesen, und einige Male an Dich gedacht, als ich hier im Raum München Heime u.ä. angeschaut habe. Falls Deine Mutter irgendwann mal hier runter ziehen sollte, kann ich Dir vielleicht Anregungen geben.


    Zum Thema auf die Dusche und Toilette folgen, das hatte ich auch, als ich meinen Vater Anfang Oktober einige Tage betreut habe. Er war so anhänglich und ich hatte keine ruhige Minute. Das war bei mir einer der Gründe zu sagen, meine Mutter kann nicht dauerhaft so leben, und mich trotz aller Bauchschmerzen in Richtung Heim zu orientieren. Also auf jeden Fall gut, dass Du im Hotel unterkommst!

  • Liebe Rose60, liebe OiOcha -

    danke für die aufmunternden Worte. Es ist auch gut zu lesen, dass ihr ähnliches erlebt habt. Ich kam mir beim Thema Dusche echt irgendwie blöd vor oder wie ein Kleinkind, bei dem man nachschauen muss, dass alles okay ist. Aus meiner Sicht ist Hotel auch eine gute Lösung.

    Momentan denkt sie, meine Telefonnummer wäre die Universal-Telefonnummer der Welt und hinterlässt Nachrichten für alle Bekannten - oft ab 5 Uhr. Da bin ich froh, dass sie um die Uhrzeit nicht bei denen anruft. Lichtblicke gibt es gerade keine - ich hoffe auf den Arzttermin.


    Rose60: Meine Mutter erzählt mir gerade auch des Öfteren, dass ihre Mutter da war oder dass sie zum Bäcker geht, weil ihre Mutter doch nachmittags kommt und sie doch so gerne Kuchen isst. Ich lasse sie da mittlerweile erzählen. Es scheint ihr gut zu tun.

  • Hallo Tanja,

    Ja, am besten so hinnehmen, wie deine Mutter es erzählt. Sie erlebt es ja wirklich so.. das zeigt aber wirklich auch, wie weit die Demenz schon fortgeschritten ist und dass sie mit dem Alleinleben eigentlich überfordert ist. Für ein Kind auf diesem Entwicklungsstand würde man ja auch eine Betreuung suchen - also der Vergleich hinkt sicher, aber manches erkläre ich mir so.

  • Liebe Rose60, liebe OiOcha -

    danke für die aufmunternden Worte. Es ist auch gut zu lesen, dass ihr ähnliches erlebt habt. Ich kam mir beim Thema Dusche echt irgendwie blöd vor oder wie ein Kleinkind, bei dem man nachschauen muss, dass alles okay ist. Aus meiner Sicht ist Hotel auch eine gute Lösung.

    Momentan denkt sie, meine Telefonnummer wäre die Universal-Telefonnummer der Welt und hinterlässt Nachrichten für alle Bekannten - oft ab 5 Uhr. Da bin ich froh, dass sie um die Uhrzeit nicht bei denen anruft. Lichtblicke gibt es gerade keine - ich hoffe auf den Arzttermin.


    Rose60: Meine Mutter erzählt mir gerade auch des Öfteren, dass ihre Mutter da war oder dass sie zum Bäcker geht, weil ihre Mutter doch nachmittags kommt und sie doch so gerne Kuchen isst. Ich lasse sie da mittlerweile erzählen. Es scheint ihr gut zu tun.

    Tanja gut das mit dem Hotel!!! Das hörte sich sonst mehr als besorgniserregend an.

  • Hallo in die Runde,

    so traurig und schlimm die Demenz und die Erfahrungen damit sind, muss ich doch oft schmunzeln, wie sehr sich unsere Erfahrungen ähneln! Und das eben nicht nur bei den grundsätzlichen, sondern auch bei den kleinen Dingen. Heute ging es mir mit Tanjas "Universalnummer der Welt" so. Genauso war es bei meiner Mutter, als sie das Telefon noch bedienen konnte. Rund um die Uhr liefen bei mir auf dem AB Anrufe ein; mal wurde der Polizei von Einbrüchen berichtet, dann ein Telefonat mit einer Bekannten, ein Gespräch mit einer imaginären Auskunft, bei der sie um einen Rückruf bat und viele Gespräche mit ihrer Schwester, bei der sie sich dann gern mal über ihre missratene Tochter (also mich) beschwerte....Seit etwa einem dreiviertel Jahr kann sie ihr Telefon nicht mehr bediene und ehrlich gesagt, bin ich dafür sehr sehr dankbar! Anrufe entgegennehmen funktioniert zum Glück noch, d.h. ich kann sie jederzeit anrufen.


    Tja und dann unsere lieben Verstorbenen, die immer präsent sind! Interessanterweise hat meine Mutter kein Problem damit, wenn ich sage, dass ihre Mutter, mein Sohn, mein Vater leider nicht mehr vorbeikommen können, weil sie schon vor 50, 10 und 8 Jahren verstorben sind. In Ratgebern habe ich gelesen, dass man das im Sinne einer guten Validierung nicht tun soll, weil die an Demenz erkrankte Person dann immer neu vom Tod der Person erfährt. Meiner Mutter geht jedoch da immer sehr locker drüber hinweg und sagt z.B.: sie meint ja auch nur den Mann der so ähnlich, wie mein Vater aussieht.


    Liebe Tanja; gute Entscheidung mit dem Hotel!!! Du musst deiner Mutter ja nicht sagen, dass du ins Hotel gehst. Vllt. fährst du ja nach Hause und kommst am nächste Tag wieder?


    LG never

  • Liebe alle -


    eure aufmunternden Worte! Und dass ich manche Erfahrungen nicht alleine durchmache.

    Liebe never20: Ich denke, es läuft darauf hinaus, dass sie das Telefon bald nicht mehr bedienen kann. Seit gestern ist zumindest Ruhe, keine Nachrichten mehr.

    Da ich Hunderte Kilometer von ihr weg wohne, sage ich lieber nicht, dass ich nach Hause fahre. Sie kann die Entfernung zwar nicht einschätzen, aber ich möchte vermeiden, dass ihr irgendwie die Idee kommt, dass ich mal schnell vorbeikommen kann.

    Ich wünsche euch allen einen guten Freitag & schonmal ein erholsames Wochenende!!

    Tanja

  • Guten Tag in die Runde,


    wie gut, dass es dieses Forum gibt. Um mich herum erzähle ich immer weniger, ich merke, wie es nervt oder langweilt.

    Mein Mitgefühl für Euch alle.


    Seit meine Mutter aus dem Krankenhaus zurück ist mit ihrem Oberschenkelhalsbruch, ist sie sehr viel verwirrter, weiß nicht, wo sie ist, und weint extrem viel. Trösten darf ich sie nicht, dann wird sie grätzig. Mein Vater hat sich den Katheter rausgerissen und musste für einen Tag in die Klinik. Die meiste Zeit des Tages schläft er, den Rest beschimpft er meine Mutter. Man kann ihn nur noch ganz schlecht verstehen, aber ich höre, dass er ununterbrochen Pläne schmiedet, wie er nach Hause kommen kann. Man kann ihm einfach überhaupt nichts mehr entgegnen, er hört nicht zu und alles ist sowieso Schxxxx. Am liebsten möchte ich gar nichts mehr reden. Es ist alles so sinnlos, all' mein Kümmern.

    Wenn ich mal schlafe, träume ich immer von ihnen, sie sind zurück etc.

    Ein Pfleger sagte mir, sie seien das Sturste, was er je erlebt habe. Sie geben sich so viel Mühe mit ihnen, aber es passiert ständig etwas, weil sie nie klingeln oder um Hilfe bitten.

    Vielleicht ist es doch falsch, ihnen die Illusion gelassen zu haben, dass es ihre Wohnung noch gibt, vielleicht macht das alles noch schlimmer, diese ewige Hoffnung, die doch vollkommen vergeblich ist. Die Diskrepanz zwischen ihrem tatsächlichem Zustand, vollkommen auf Hilfe angewiesen zu sein, beide im Rollstuhl, und diesem einzigen abgrundtiefen Bedürfnis, nach Hause, ist schwer auszuhalten. Es saugt mir die Energie aus.


    Liebe Grüße an alle und noch mal ganz viel Mitfühlen!

    Nelly

    Einmal editiert, zuletzt von Nelly ()

  • Es ist alles so sinnlos, all' mein Kümmern.

    Liebe Nelly,

    Mit Demenzkranken zu argumentieren ist sinnlos. Mit ihnen reden ist gut, mit ihnen streiten ist schlecht.
    Alte Menschen bessern zu wollen ist sinnlos.


    Kümmern ist niemals sinnlos. Aber Kümmern ist kein "gerechter Tausch", du bekommst nicht das zurück, was du gibst. Von den einen bekommst du weniger zurück, von anderen mehr.

    Mehr Gelassenheit wünscht dir Buchenberg

  • Ja, Nelly, das verstehe ich/verstehen bestimmt alle hier. Man muss sich auch mal ausk... Das entlastet und hilft bei der Verarbeitung :) es ist doch verrückt, wie fast alle hoffen, dass da nochmal irgendeine Anerkennung kommt, am besten sogar Einsicht. Dafür reicht meist das Denkvermögen der dementen Menschen schon nicht. Sie fühlen sich ja (in ihrer Vorstellung) meist viel jünger und fitter.

    Bei meiner Mutter ist nun nach über 3 Jahren das Thema "nachhause" wieder ganz groß, wie sie dort hin kommen kann, wie man es organisieren kann, sie könne doch eigentlich wieder alles , jedenfalls Kartoffeln schälen(scheint eine Grundvoraussetzung zu sein..) . Sie zetert aber nicht mehr so, ist umgänglicher als die ersten beiden Jahre. Ich habe ihr mehrmals im Verlauf gesagt, das geht nicht und warum(sollte ich vom Personal aus mal wegen der vergeblichen Hoffnung) . Es kommt aber nicht mehr an und bleibt vor allem nicht hängen.

    Du kannst für deine Eltern bestenfalls tröstend da sein und wenn es zu anstrengend ist, versuch dich zu lösen und dich irgendwie für den Stress zu belohnen, abzulenken! Du weißt es letztendlich und spürst es und doch gehen Kopf und Bauch auseinander. Dein Vater kämpft seelisch und verbal, andere Schwerkranke kämpfen zum Ende ihres Lebens gegen Angst und Schmerz, längst nicht alle Menschen sterben friedlich.

    Das gilt es auszuhalten als Angehörige, nur bist du jetzt in der Position, in der du bestimmen kannst, wann und wie oft du dich dem Stress aussetzt - und das ist schon sehr viel wert!

    Liebe Grüße

    Rose 60

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die "Schicksalsgemeinschaft"!

    Am Ende der Woche möchte ich wieder den vielen wertvollen Beiträgen ein paar Gedanken hinzufügen.

    Es ist eine gute Idee, eine Betreuungskraft zu dem Elternbesuch hinzuzuziehen, um einen Weg bei negativen alten Mustern und neuen Unsicherheiten zu finden. Auch die Betreuungskräfte "haben etwas davon", denn sie bekommen viele Anregungen für die eigene Arbeit.


    Schwarzerkater, es ist schmerzhaft, wenn die Mutter Ihre Kinder nicht mehr erkennt, aber es bietet auch neue Möglichkeiten, die Seiten der Mutter kennenzulernen, die Kindern verschlossen sind. Haben Sie mit den Betreuungskräften gesprochen, was Sie tun können, damit Sie sich nicht als "Falschgeld" bei dem Besuch fühlen? Ich empfehle in solchen Situationen oft, gemeinsam etwas Schönes zu machen, geliebte Musik oder Fernsehsendungen, und sich eher gemeinsam zurückzuziehen und nicht im Gemeinschaftsraum zu bleiben, wenn dies möglich ist.


    TanjaS, Ihr "Universalnummer der Welt" hat mir als Bild auch sehr gut gefallen. Bei Ihnen kommt jetzt die ganze Welt Ihrer Mutter an, aber Sie werden damit nicht zur ganzen Welt Ihrer Mutter. Ihre Mutter braucht eine andere Hilfeform und Sie haben darauf einen sehr begrenzten Einfluss.

    Sie können immer mehr in den Abstand gehen und es vielleicht sogar "wissenschaftlich"-sportlich sehen: Wie verändern sich die Botschaften, die Negativität und Aggression gegen Sie als Tochter? Wo kommen Aufträge für eine echte Hilfe? Welche Nachbarn und Freunde sollten sie mal anrufen, welche besser nicht?


    Wenn die "lieben Verstorbenen" wieder präsent werden, never20, ist es hilfreich so zu handeln wie die Ratgeber es vorschlagen, auch wenn die Realitätskonfrontation gelingt und Einsicht gezeigt wird. Validation ist, wenn ich ausdrücke, dass die (verstorbene) Person sehr nah ist, es gute Erinnerungen gibt. "Ich denke auch oft an ...weißt Du noch wie wir..." sind Formulierungen die Wohlbefinden fördern - und genau darauf kommt es an.


    Ähnlich kann ich es mir bei Ihrem Vater, Nelly, vorstellen, so wie Sie schreiben ist er in fixen Gedanken gefangen, die ihm den Selbstschutz geben, alles noch in der Hand zu haben.

    Seine unermüdliche Planung können Sie würdigen, es hört sich nicht nach einer echten Hoffnung und einem Handlungsauftrag an. Sie haben jetzt erlebt, das Ihre Eltern einzeln umgänglicher sind, aber nicht ohneeinander können. Ganz viel "kümmern" wird damit sinnlos, weil die gegenseitige Abhängigkeit viel stärker ist und alle Kraft in die "Sturheit" geht und nicht in die Annahme von Hilfe. In solchen Konstellationen empfehle ich den Pflegekräften kurze engmaschige Besuche, um Risiken zu vermeiden. Dies schafft gegen alle Erwartungen mehr Vertrauen, als wenn die Hilfe nach entwürdigenden Situationen, Stürzen oder anderen Unglücken angenommen werden muss in denen der letzte Selbstschutz nicht mehr funktioniert, mit welchen Folgen auch immer.


    Allen viel Kraft auf diesem langen Weg, den wir irgendwie auch gemeinsam gehen, Ihr Martin Hamborg

  • Wir haben es alle sehr nötig, uns auch ungefiltert austauschen zu können. Danke dafür.

    ...dem kann ich mich nur anschliessen. Man fühlt sich einfach weniger allein, mit Euren Zuwendungen, Empfehlungen, Erfahrungen und handfesten Ratschlägen!


    Bei meinem letzten Besuch hat mein Vater die ganze Zeit geschlafen und kein Interesse gezeigt. Meine Mutter pendelt im Minutentakt zwischen Verwirrung und Realität, weint immer noch viel, weil sie nach dem Bruch noch nicht laufen darf und schwankt zwischen "Ich muss das schaffen, damit ich nach Hause kann" und "Ich bin kaputt, ich kann nicht mehr" hin und her. Sie ließ sich ein bißchen von mir betütteln und die Hand halten.

    Sie sagte, wenn mein Vater nicht schläft, beschimpft er sie und sei auch unfreundlich zum Pflegepersonal, das wäre ihr unangenehm, aber die würden sie dann beruhigen. Leider, lieber Herr Hamborg, habe ich nicht den Eindruck, dass man in kürzeren Abständen nach ihnen schaut, obwohl jetzt immerhin die Zimmertür offensteht.

    Ein Pfleger, mit dem ich sprach, sagte, er würde sich wundern, dass die Bestrebungen nach Hause immer noch so stark seien, er habe den Eindruck, sie hätten resigniert, und verstanden, dass sie bleiben müssten. Ich bin der Trigger.


    Ich bin in einer recht friedlichen Stimmung von ihr weg, aber bis ich zu Hause war, hatte sie schon wieder angerufen, warum ich sie denn nicht mitgenommen hätte.

    Meiner Mutter täte es gut, wenn sie ab und zu im Gemeinschaftsraum säße, aber da er nicht mitkommt und sie ihn immer sehen muss, in ihrem alten Kontrollzwang und ihre neuen Angst, er könne vor ihr sterben, sind sie den ganzen Tag zusammen im Zimmer.


    Mittlerweile bin ich mir auch ganz sicher, man kann ihnen nicht sagen, dass es keine Wohnung mehr gibt, man muss einfach weiter alles verschleiern.


    Ganz langsam verspüre ich eine Veränderung an mir, ein Sich-Arrangieren (haha, schreibe ich jetzt, bis zur nächsten Attacke...) in Sachen "Kopf und Bauch", liebe Rose60, und versuche wirklich, mehr auf mich zu achten.


    Viele liebe Grüße an alle

    Nelly

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