Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Liebe Alfskjoni -


    oh nein, ich leide mit Dir. Ich fahre am Wochenende wieder hoch und besuche meine Mutter. Bekomme jetzt schon zwischendurch ein mulmiges Gefühl.

    Das das Heim zwischenzeitlich mit einem Hotel verwechselt wird, hatte ich bei meiner Mutter auch mal, da wollte sie auch für Kaffee & Kuchen zahlen.

    Meine Mutter hat auch diese Stimmungsschwankungen. Als würde innerhalb von Sekunden ein Schalter umgelegt und das sich freudig anhörende "Tanja" zur Begrüßung wird dann später zu Beleidigungen. Nur sagt sie mittlerweile insgesamt weniger.

    Ich hoffe, das Sushi war lecker. Und: Eine sehr gute Idee, eine Sabbatwoche einzulegen. :)

  • Liebe TanjaS und Alle❤️


    Das Sushi war so lala und teuer…


    Weißt Du am meisten finde ich nervig dass

    1. ich weiß wie meine Mutter immer tickte

    2. ich weiß dass Demenz auch heißt immer weniger Hemmungen zu haben


    …ich immer noch getroffen bin von Titulierungen wie „Teufel“.


    Ich weiß auch, dass sich meine Mutter immer über die Bewunderung anderer und deren vermeidlichen Neid definiert hat: aber wenn ich dann sagen würde: ja ich weiß dass Du in einer großen Wohnung leben möchtest- dann fangen wieder endlose Sackgassendiskussionen statt, da sie nichts mehr einsieht und ihren Status Quo auch garnicht mehr erkennt.

    Natürlich habe ich ihn ihr- erfolglos- schon wirklich bestimmt 50x erklärt, so wie auch alle Ärzte, Pfleger, Psychologen.

    Eine einsame Geschichte dieses Demenz-log-in-Ding🤷‍♀️.


    Gepaart mit ihrem Charakterzug, immer, wirklich immer anderen an allem die Schuld zu geben: früher Ihre Mutter, dann mein Vater und ich, nun nur noch ich.

    Dieses über ihre Mutter herziehen hat erst mit dem Tag des Todes meiner Oma aufgehört. Schlagartig. Danach hat sie meine Oma nur noch in den Himmel, wo sie auch hingehört, gehoben.

    Bei meinem Vater hat es nach seinem Tod noch 5! Jahre gedauert.

    Auch bei seiner Beerdigung, die meine Mutter und ich alleine und eigentlich friedlich unternommen haben, hat sie nur übelst über ihn geschimpft.

    Ich war ganz sprachlos und verstummt und…etwas „froh“ mal nicht im Kreuzfeuer zu stehen…bis sie dann ab ca. 1/4 Jahr nach der Beerdigung anfing, mir vorzuwerfen, wie kalt 🥹 ich bei der Beerdigung war. Und ich d… Nuss hab mich dann auch noch gerechtfertigt 🥹.


    Aussetzer: also ich reite ja seit 45 Jahren.. (silbernes Reitabzeichen und so) gestern konnte ich beim Traben nicht mit Bestimmtheit sagen, auf welchem Fuß man leichttrabt. Das ist etwas ganz elementares Simples. So 3. Reitstunde.

    Schluck.

    Ich vermutete äußere Schulter, was natürlich auch stimmte, musste es nach dem Reiten erst mal heimlich googeln.

    Was war DAS denn?🎃


    Lg Alfi

  • Liebe Alfskjoni -


    unsere Mütter sind Schwestern im Geiste (okay...). Teufel wäre bei mir neu, aber Mistvieh, Trampeltier, alte Zicke oder dumme / fette Kuh sind die "netteren" Beschimpfungen.

    Und ja, mein Vater hat nach seinem Tod auch sein Fett weg bekommen, nicht zu knapp. Aber bei ihren Bekannten ist sie immer zuckersüß gewesen.

    Das mit der Beerdigung kenne ich auch - "Du hast ja gar nicht geweint. Aber der Papa war Dir wahrscheinlich nicht wichtig genug" Äh... alles klar. Irgendjemand musste die Beerdigung planen... Da war nicht viel Zeit zum Weinen. Das mache ich dann heute ab und an. Alleine. Ist mir lieber.

    Kopf hoch. Krönchen richten. Und nächstes Mal wieder McDonalds. :)

  • Da war nicht viel Zeit zum Weinen. Das mache ich dann heute ab und an. Alleine. Ist mir lieber.

    Dito.

    Und dann kritisiert sie mich wenigstens nicht dass ich wieder flenne oder so🥹🐞🌼


    Mir geht es aktuell seeehr gut: sitze beim Inder und warte auf meine Freundin und hab schon mal einen MangoLassi bestellt❤️

  • Liebe schwarzerkater ,


    Danke Dir ❤️

    Krass war ja vor allem, dass ich erst durch die Demenzerkrankung meiner Mutter, der Unerträglichkeit ihres Verhaltens und diesem Forum „dem Narzissmus auf die Schliche“ gekommen bin.🎃

    Da war immer noch „irgend was anderes“.


    Bin ganz froh 😌 endlich Klarheit zu haben und mich vor allem nicht als Opferlamm der Situation ergeben zu haben❤️.


    Mein Rezept habe ich so zusammengemischt:

    meine Familie, ich selbst als erwachsene Frau, dieses Forum und ab und zu mal Coaching durch Therapeutin. Ach ja und das Fachpersonal im Heim.


    Gute Nacht 😴

  • Liebe Alfskjoni, liebe Alle -


    Inder ist immer eine gute Idee. Liebe ich auch. Und ich halte es ein wenig ähnlich wie Alfi: Essen mit guten Freunden, ab und an ein Termin bei der Therapeutin und ansonsten generell: Sich selbst etwas gönnen.

    Liebe schwarzerkater: Vielen Dank für den Tipp mit der Therapeutin und ihren Videos - da schaue ich direkt einmal.

    Ich wünsche euch allen einen schönen Tag!

  • mich vor allem nicht als Opferlamm der Situation ergeben zu haben❤️.

    Danke für diese Formulierung. Du hast mich aufgeweckt (und schwarzerkater damit, dass Du es zitiert hast, so hab ich es erst wirklich wahrgenommen) Nachdem ich eben ein einstündiges Telefonat mit meiner Mutter hinter mich brachte, das mir allmählich schon fast zur Qual wurde - Wiederholungen, Kreisrunden - und trotzdem immer ihr Bessersein als andere in Darstellung, hat mir genau diese Formulierung die Augen geöffnet: alltäglich mehrfach, wenn sie mich anruft, stehe ich als Opferlamm ihr zur Verfügung und erdulde die "Gespräche", die mich eigentlich nur Zeit kosten.

    Bisher in der Vorstellung, dass ich ja die Zeit dafür habe (auch wenn ich sie anderes verwenden wollte(!)) und außerdem dadurch meine Schwester davon freihalte. Opferlamm, weil ich es auf mich nehme und so auch mein schlechtes Gewissen beruhige, weil ich nicht alle zwei Monate wie meine Schwester für eine Woche zur Mutter fahre. Unterschied: ich habe hier Familie mit vielen Problemen, meine Schwester ist alleinstehend und total allein und tut es aus eigenem Antrieb.

    Danke für die Aussage an Alfskjoni und Danke an schwarzer Kater für Zitat und Kommentar dazu.

  • Ja, ecia, bei mir ist es auch nach und nach durchgesickert, wofür ich mich "geopfert" habe, weil meine Mutter wesentliche Veränderungen ihres Lebens schon früher nicht geschafft hat. Darüber musste ich quasi fast 60 Jahre alt werden, bevor ich eine Art innere Grenze gezogen habe. Man kann das noch lernen und auch das schlechte Gewissen abbauen. Dafür hat mir das Forum hier und der Austausch mit ähnlich Betroffenen fast mehr geholfen als Therapie -Stunden lang. Von daher meinen Glückwunsch, wenn es bei dir nun auch besser durchgekommen ist :!:

    Schon irgendwie verrückt, wie "wir alle" uns hier gefunden haben :love:

  • Schon irgendwie verrückt, wie "wir alle" uns hier gefunden haben

    Ja, allerdings. Danke für den Glückwunsch :) Bei mir war es bis jetzt so, dass ich glaubte, mit ihr und mit mir im Reinen zu sein, erst durch den Text hier und unser heutiges Telefonat begriff ich, dass da doch noch was schwelt.

    Bei mir gibt es in Kürze ein weiteres Enkelkind und sie bedauert den kleinen Buben dann immer, weil er eine größere Schwester haben wird. Da erinnert sie sich dann immer dran, dass ihr ein Jahr jüngerer Bruder so unter ihr gelitten hat. Sie meinte aber, als Erwachsener habe er ihre Bevormundung überstanden. Da konterte ich, dass ich sie als Erwachsene ja auch überstanden habe. Aber in mir klingelte es: warum tust du dir dann ständig die Telefonate an?

    Dazu kamen dann diese Posts hier im Forum und ich wachte auf!

    Nächsten Monat werde ich 71 Jahre und hatte diese "Erleuchtung" erst jetzt, dank der Hilfe von Euch lieben Mitbetroffenen.

    Danke Euch allen fürs Hier-dabei-sein :!: <3

  • Es ist nie zu spät :) .. dann kannst du dir jetzt einen Modus überlegen, bei dem es dir besser geht und bist halt öfter mal "nicht da" ;)

    Genau so! Sie weiß eh nach zwei Stunden nicht mehr, ob sie mich schon angerufen hatte oder nicht (sie fragt immer, ob sie schon hat...), von daher wird es ihr nicht auffallen. Danke Dir.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo ecia25, das ist eine gute Frage: Warum tust Du Dir das immer wieder an?

    Oder wie ich es hier oft formuliert habe: Warum wählen Sie immer wieder die alten Muster, die Ihre Mütter mit Persönlichkeitsstörungen oder zumindest einem schwierigen Charakter und Demenz triggern?


    Hat es für Sie einen Sinn, "hilft" es Ihnen vielleicht dabei eine innere Erkenntnis zu stärken und den eigenen Weg mit besten Gewissen zu gehen?


    Für Ihre Mutter ist es vermutlich "besser", wenn Sie ein neues Muster aufbauen und die Gespräche so früh wie möglich abbrechen, sobald alte Muster oder Teufelskreise beginnen. Dabei helfen die Demenz und das Vergessen und es treten irgendwann die liebenswerten Anteile in den Vordergrund.


    Dabei denke ich auch an Sie Alfkjoni, Sie haben Ihrer Mutter nun mindestens 1000 Chancen gegeben, das ist auch für eine sehr gute Tochter sehr viel.


    Vielleicht können Sie diese Chancen etwas verändern: Sie gehen, bevor die Stimmung kippt oder zumindest sofort danach. Vielleicht finden Sie einen guten Abschied, wie "das hast Du mir schon 1000 Mal erzählt, das habe ich verstanden daran kann ich leider nichts ändern. ... Deinen Kampfgeist kann ich nur bewundern ... Ich wünsche mir, dass Du hier ankommst ... gegen mich hast Du jetzt genug gekämpft ... Wir müssen alle das Beste daraus machen..."


    Gibt es hier in der Runde noch weitere Ideen für eine solche Grenze zum Selbstschutz und zur Verhinderung der Teufelskreise?

    Ihr Martin Hamborg

  • Dabei denke ich auch an Sie Alfkjoni, Sie haben Ihrer Mutter nun mindestens 1000 Chancen gegeben, das ist auch für eine sehr gute Tochter sehr viel.


    Vielleicht können Sie diese Chancen etwas verändern: Sie gehen, bevor die Stimmung kippt oder zumindest sofort danach. Vielleicht finden Sie einen guten Abschied, wie "das hast Du mir schon 1000 Mal erzählt, das habe ich verstanden daran kann ich leider nichts ändern. ... Deinen Kampfgeist kann ich nur bewundern ... Ich wünsche mir, dass Du hier ankommst ... gegen mich hast Du jetzt genug gekämpft ... Wir müssen alle das Beste daraus machen..."

    Hallo Herr Hamborg,

    Jepp werde ich genau so, wirklich genau so machen!!!


    Situationswechsel: meine Mutter ist seit einer üblen Herzattacke gestern morgen im Krankenhaus.


    Als ich gestern Nachmittag da war, wurde ich lieb und freundlich begrüßt. Das war schon wieder komisch.


    Ich hätte mir darüber keine „Sorgen“ machen müssen 😉 denn heute, ich kam mit Anziehsachen aus dem Heim, war ich wieder die böse Tochter.


    Sie schreibt wohl auch Briefe an entfernteste Bekannte, die näheren Bekannten hat sie alle durch, die reagieren nicht mehr. Tenor: Ihr wisst schon. Böse Tochter hält sie von Wohnung fern.


    Im Krankenhaus nun wirkt sie sehr wirr und verwechselt immer das KH mit dem Heim und hat wieder diese Rastlosigkeit wie vor 2 Jahren vor dem Heim.


    Und sie klaut Ihrer Zimmernachbarin wohl Sachen. Huch. Als ich das heute beim Taschepacken im Heim erzählte, sagte mir die Pflegerin, das würde sie such im Heim machen. Nochmal huch. War mir neu.


    Heute sagte sie mir dann noch dass sie meine Schulkameradin P. anschreiben werde, sie ist Anwältin. Sie soll ihr helfen in die Wohnung zurückzukommen🤷‍♀️.


    Ich muss das wohl so laufen lassen. Bis jetzt hat sie ihre Drohungen nie umgesetzt und wenn ich sagte „dann musst Du das tun“ dann greift sie mich auch wieder an und sagt mit mir kann man nicht reden.


    Aktueller Plan: solange sie im KH ist jeden 2. Tag vorbeischauen.

    Heim: wirklich nur noch jede 2. Woche.

    Nochmal Herr Hamborgs Plan verinnerlichen


    ecia25 : wie toll ist das denn dass wir Die helfen können ❤️


    Alles Liebe an alle von der mehr als üblich aufgewühlten Alfi die ihren linken Außenspiegel heute am eigenen Gartentor abgefahren hat. Also echt durchn Wind 💨

  • Ja, ecia, bei mir ist es auch nach und nach durchgesickert, wofür ich mich "geopfert" habe, weil meine Mutter wesentliche Veränderungen ihres Lebens schon früher nicht geschafft hat. Darüber musste ich quasi fast 60 Jahre alt werden, bevor ich eine Art innere Grenze gezogen habe. Man kann das noch lernen und auch das schlechte Gewissen abbauen. Dafür hat mir das Forum hier und der Austausch mit ähnlich Betroffenen fast mehr geholfen als Therapie -Stunden lang. Von daher meinen Glückwunsch, wenn es bei dir nun auch besser durchgekommen ist :!:

    Schon irgendwie verrückt, wie "wir alle" uns hier gefunden haben :love:

    Rose wie cool dass wir Dir helfen❤️ manchmal denke ich: Rose gibt sooo viel Hilfe: kann ich ihr überhaupt helfen? Sie weiß schon so viel….

  • Bei anderen erkenne ich auch vieles viel besser und nehme es offensichtlicher wahr, als bei mir selbst - da gibt es halt Scheuklappen und außerdem so viele eingespielte Mechanismen, für die bin ich trotz aller Aufmerksamkeit auch immer wieder blind.

    Letztlich, Alfi,helfen hier alle mit, indem sie von ihren Erfahrungen schreiben, aber genauso mit ihren Fragen, weil dadurch andere erleben, dass sie gar nicht allein sind. Lasst uns einfach so weitermachen und die Demenz unserer Angehörigen gemeinsam tragen. Hier können wir uns doch auch recht ungeniert austauschen und müssen uns für nichts schämen.

    Gute Nacht.

  • Und trotzdem hätte ich eine von Euch gerne bei den Besuchen ab und zu dabei . Einfach nur mal kurz nicken oder ein Zeichen an mich oder mich zum Aufbruch mahnen.

    Aber unser Forum ist trotzdem Lebenselixier 🐞Dankeschön

  • Liebe Alfskjoni -


    wir stehen alle hinter Dir, wenn Du Deine Mutter besuchst - stell es Dir vielleicht einfach in Gedanken vor. So wie eine Reihe von Schutzengeln, wir geben Dir Kraft und denken an Dich.

    Übrigens: Meine Mutter hat auch immer gedroht: "Dann rufe ich xy an, der macht das, wenn Du Dir dafür zu schade bist." Die ersten 2-3 Mal bei so einer Drohung habe ich die Bekannten kurz angerufen und vorgewarnt. Aber: Sie hat nie angerufen. Bei der nächsten Drohung dieser Art war ich deutlich entspannter und habe gar nicht mehr drauf geantwortet.

    ecia25: Ich habe die Erfahrung gemacht (auch von meinem Job aus), dass man von außen eine sachlichere Perspektive einnehmen kann, man hat Abstand. Ich versuche, dass mittlerweile auch bei meiner Mutter zu machen, aber das ist natürlich sehr schwer. Und gerade zu Beginn ihrer Krankheit war das unmöglich, ich wusste ja nicht spontan "das ist die Demenz", sondern habe mich gefragt, warum sie auf einmal so ist. Und wir suchen dann die Schuld bei uns selbst. Bzw. meine Mutter war schon immer gut darin, anderen den Eindruck zu vermitteln, dass sie Schuld hätten.

    Ich wünsche euch alles Gute!!

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