Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde und danke für die Gedanken zu meiner Frage: Können Sie sich vorstellen, dass sogar narzisstische demenzerkrankte Mütter Ihren Töchtern danken könnten, dass diese für sich selbst so gut gesorgt haben, sodass sie trotz allem die Kraft behalten konnten, bis zuletzt für eine Mutter da zu sein, die das Leben der Kinder so schwer gemacht hat...


    Hinter dieser - zugegeben - umständlichen und schwierigen Frage stehen zwei psychologische Gedanken:


    1. Irgendwann im Laufe der schweren Demenz werden die Ursachen, Auslöser, Trigger oder Verstärker der schwierigen Persönlichkeit vergessen.


    Vielleicht sind diese durch verletzende frühkindliche Erfahrungen entstanden, weil es niemanden in der Kindheit gab, der dieses unvoreingenommene unerschütterliche Vertrauen dem damaligen Kind schenken konnte, egal wie trotzig, selbstgefällig, ... oder "böse" es sich zeigte.


    Wir haben hier oft miterlebt, dass diese Verhaltensmuster aufhören, wenn sie nicht mehr bedient werden. Ein schönes Beispiel dazu haben Sie, Alfskjoni gerade gegeben, Sie sind bei sich und stark geblieben, obwohl es so schwer war!


    Wenn an diese alte verletzte Stelle nun die Tochter als eine starke Person tritt, die für sich sorgt - ohne z.B. abzuwerten und zu kränken - entsteht das, was wir auch in einer Psychotherapie erleben können: Eine Erfahrung von grundlegendem Vertrauen und Bindung.


    Das Problem ist nur, dass solche Erkenntnisse oder Aha-Erlebnisse aufgrund der Demenz immer wieder vergessen werden. Wir - das Umfeld des Menschen mit Demenz - können oder sollten sie also ganz selbstverständlich wiederholen - so oft es geht, am besten mit einem validierenden Ritual.


    Vor vielen Jahren habe ich unter diesem Gedanken ein Konzept für eine Kurztherapie für Menschen mit Demenz konzipiert. In einigen Sitzungen oder Gesprächen habe ich die wichtigsten Themen herausgearbeitet und erprobt, welche Interventionen sinnvoll oder wirksam sind. Dieses Therapeuten-Wissen habe ich dann an Angehörige und Mitarbeitende weitergegeben, damit "meine" Interventionen so oft wie irgend möglich gemacht werden konnten - von Menschen die in einer täglichen Bindung stehen.


    2. Der zweite Gedanke steht für eine Grundlage der Pflegeversicherung, in der viele Leistungen für die pflegenden Angehörigen geschaffen wurden, aus einem einfachen Grund:

    Wenn es den Pflegenden gut geht soll, muss es auch der Hauptpflegeperson gut gehen.


    Bei Kindern von narzisstischen Menschen mit Demenz ist dies besonders schwierig, denn die Selbstpflege ist (eigentlich) nur im Außen möglich, zu stark sind die alten abwertenden toxischen Muster, die einen Dank für sich aufopfernden Kinder unmöglich machen.


    Umso wichtiger ist genau das, was wir hier in diesem Forum gemeinsam erleben dürfen: Anstelle des schlechten Gewissens (als logische Folge der toxischen Muster) trat immer mehr ein gutes Gewissen durch die gegenseitige Unterstützung und durch (Aha-)Erkenntnisse.

    Aus diesem Grund habe ich Ihnen hier im Forum oft gewünscht, das "richtige" Verhalten, also z.B. die Abgrenzung, mit dem besten Gewissen zu üben.

    Vielleicht gelingt dies leichter, wenn Sie sich vorstellen können, dass tief im Inneren eines narzisstischen Menschen mit Demenz eine Art Dankbarkeit vorhanden ist, dass die Kinder trotz Allem den Kontakt aufrechterhalten, sich kümmern und sich "richtig" verhalten, weil sie toxische Muster nicht mehr verstärken.


    Können Sie sich das vorstellen oder ist es abwegig?

    Ihr Martin Hamborg

  • Lieber Herr Hamborg,

    Ihr Text ist seltsam beruhigend. Seltsam deshalb, weil ich mich eigentlich so hilflos fühle.


    Aber…also ich muss Ihren Text wirklich noch einige Male lesen, vielleicht sogar laut: er ist voller Wissen. So wie ein Konzentrat.

    Dankeschön Lg Alfi🐽

  • Hallo alle, martinhamborg

    wenn Sie sich vorstellen können, dass tief im Inneren eines narzisstischen Menschen mit Demenz eine Art Dankbarkeit vorhanden ist,

    Es ist schon seltsam ... meine Mutter bedankt sich oft bei mir - für den Anruf, den Besuch, das Mitbringen von Wein und Schokolade, etc. ... aber ich habe festgestellt, dass es mir schwer fällt, die Dankbarkeit anzunehmen. Es ist fast so, als ob ich misstrauisch bin, inwieweit ich der Situation trauen kann ... Da kann man mal sehen, was die vielen Jahre im Umgang mit meiner Mutter mit mir gemacht haben ...

    Alfskjoni

    Traurig, dass Du wieder so eine negative Erfahrung mit Deiner Mutter machen musstest ... es liest sich ein bisschen so, also ob Deine Mutter ihre Defizite und den Verlust ihrer Fähigkeiten spürt, aber mit dem verbliebenen Willen dagegen ankämpft ... Bleib' Du nur schön bei Dir und sichere Deine Grenzen, mit dem Fortschreiten der Zeit - und der Demenz - wird es sicher ruhiger werden.


    Noch ein schönes Wochenende!

    SunnyBee

  • es liest sich ein bisschen so, also ob Deine Mutter ihre Defizite und den Verlust ihrer Fähigkeiten spürt, aber mit dem verbliebenen Willen dagegen ankämpft ...

    Liebe SunnyBee, das ist irgendwie das einzige, was meiner Mutter geblieben ist, der mehr als eisenharte Wille. Und der ist nicht einmal zu definieren.

    Ganz ehrlich? Ich dachte es geht schneller dass sie sanfter wird. Mittlerweile weiss ich: das wird nicht passieren. Vielleicht schwächer, aber nicht sanfter. Alles Gute Alfi

  • Liebe schwarzerkater ,

    Du hast das lieb und richtig ummantelt: Eure Texte helfen.so.viel!!!


    Heute bin ich wieder bei mir und konnte sogar eine ellenlange Siesta genießen.

    Nun gut also ich habe da von meiner Mutter geträumt die in ihre Wohnung zurückwollte, ich habe sie hingebracht und sie wollte nicht mehr zurück und sie war da wieder hilflos. Irgendwie so. Aber es war immerhin kein Albtraum 👍🏻.


    Plötzlich eine Jahr vor dem Abi wollte dann einer meiner Söhne plötzlich mit der Schule aufhören und nur Fachabi machen, er ist ein sehr guter Schüler. Ales gut mit Fachabi, Lehre finde ich auch super (und preiswerter für uns 😉), aber er hatte so eine schwarze Wolke um sich, die wir in langen Gesprächen aber vertreiben konnten, er lächelt wieder.

    Vielleicht war die Ursache dass ich im Gegensatz zu sonst doch sehr down war. 🤷‍♀️


    Ich wünsche Euch eine schöne Woche Lg Alfi🐽

  • Hallo,

    Ganz ehrlich? Ich dachte es geht schneller dass sie sanfter wird. Mittlerweile weiss ich: das wird nicht passieren. Vielleicht schwächer, aber nicht sanfter.

    Alfskjoni

    Das ging mir am Anfang genauso ... mittlerweile ist meine Mutter seit 3 Jahren im Pflegeheim und es hilft mir, wenn ich zurückblicke und mir selbst aufzähle, was alles besser geworden ist ... es sind oft nur Kleinigkeiten, aber in der Summe macht es einen Unterschied.

    Zum Beispiel: ich muss mir nicht ständig Sorgen machen, ob sie isst, ob sie gestürzt ist, ob sie ihre Medikament vernünftig nimmt, weil ich weiß, dass das Pflegepersonal ein Auge drauf hat. Sie wird bespasst von der Alltagsbetreuung.

    Sie jammert weniger als am Anfang und sie fragt nicht mehr ständig, wann sie nach Hause kann.

    Ihr starker Wille ist immer noch da und zeigt sich z.B. darin, dass sie sich weigert, zu duschen oder die Kleidung zu wechseln. Aber weißt du was: solange es nicht gefährlich für sie wird, lasse ich sie machen ... irgenwann wird sie schwächer werden und dann stellen wir die Situation neu ein.


    never20

    Genauso empfinde ich das auch: die Dankbarkeit fühlt sich nicht "richtig" an ... es ist schwer, das für Außenstehende zu beschreiben. Das Mißtrauen sitzt tief bei mir, wenn man ein Leben lang auf Zuspruch und Anerkennung gewartet hat und es nie kam ...


    Euch noch eine schöne Woche!

    LG, SunnyBee

  • Dankeschön SunnyBee ,


    Bei meiner Mutter hat nun totale Verweigerung eingesetzt.

    Die Pflegeleiterin spricht von Depression.

    Ich von absoluter Eigenwilligkeit: ihr Erkennen irgendwie, dass nichts mehr geht und sich nichts ändern wird. Denn vorher hatte sie ja immer diese „Fluchtgedanken“, die sie hoffen ließ.

    Das kenne ich schon von froher von ihr: wenn irgendetwas nicht nach ihrer Idee klappte, dann wollte sie lieber…sterben…sagte sie zumindest.

    Und das ganze eingebettet in eine satte Demenz.


    Aber: ich bin nur Fortgeschrittene Laiin, und so höre ich sehr auf die Fachleute.


    Wir beobachten weiter, sie bekommt zusätzlich Nahrung. Wenn es noch weiter rapide abwärts geht und die neue Psychologin es befürwortet, geht meine Mutter in eine Klinik um neu eingestellt zu werden.


    Achtung habe ich eigentlich auch vor dem natürlichen Willen bei sehr alten kranken Menschen, wenn sie nicht mehr möchten.


    Ich hatte letztens ein langes Gespräch mit einer Freundin, die auch Augenärztin und auch Mutter von 4 Kindern ist: bei ihrer Oma war es so dass diese, obwohl immer sehr sparsam und vernünftig gewesen, anfing, das Essen in die Toilette zu spülen. Und alles andere zu verweigern.

    Das war der Anfang vom Ende.


    Aber ich kann es dem Heim nicht zumuten, nichts zu unternehmen: das wäre ja sogar unrechtmäßig denke ich.


    Alles nicht einfach.


    Und dieses dumme Schuldgefühl.


    Alles Gute 🐽

  • HAST ALLES MÖGLICHE GETAN!!!!

    Danke Dir mal wieder schwarzerkater , wie oft hast Du mir das schon gepredigt? 😉

    Du hast recht mit dem Menschlichen Wesen: Man (Frau) ist halt fürsorglich und ich sollte mich für wegen der Fürsorge nicht sorgen.

    Hat man wohl im Blut wie unsere Schäferhündin, die immer direkt angerannt kommt, wenn jemand traurig ist oder sauer oder wenn der uralte Hund 🐶 von uns jault. Sie scheint davon ja auch nicht belastet zu sein, es ist für sie selbstverständlich. Ok das entspannt Lg Alfi 🐽

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, danke SunnyBee und Alskjoni für Ihre Beispiele wie Ihre Mütter an kleinen Dingen diese Dankbarkeit zum Ausdruck bringen können. Auch wenn es immer wieder Rückfälle gibt - mir wird damit deutlich, wie viel Sie schon erreicht haben!

    Es hat mich sehr berührt, never20, von Ihnen zu lesen, wie nun (nach so langer Zeit) Ihre Mutter milder geworden ist und vielleicht irgendwie Ihren Frieden gefunden hat!

    Ihnen allen noch ein schönes Wochenende,

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Alle,

    Heute war Besuchsfreitag.

    Ich war wie immer in Habachtstellung.


    Tür geöffnet: meine Mutter saß zurechtgemacht in ihrem Sessel. Sie hatte gerade eine Stunde zu früh zum Mittagessen aufbrechen wollen und lächelte (!!!) mich an.


    Die Tunika, die ich ihr mitgebracht hatte, war auch ok.


    Wir redeten 10 Minuten belanglos daher und ich musste dann schnell „zum Orthopäden“: bloß keine Eskalation!

    Nun da sagte sie dann wie ein Kind „nimm mich mit nach Hause“ „Ich wollte heute zu Dir fahren ich hatte Heimweh“. Und als ich sagte „mach’s gut“ „ich mache es nicht gut“ und dann bin ich schnell gegangen.


    Die leitende Schwester erzählte mir dass, meine Mutter immer einen Tag übel drauf ist mit Zimmer nicht verlassen wollen und totaler Verweigerung und am nächsten Tag wieder klassischer Zustand (normal ist anders 😉).

    Und sie ist zu bestimmten Pflegern übelst unfreundlich: zu all denen, die nicht extrem auf sie eingehen.

    Sie verweigert auch waschen und so: „kann sie alles selbst“.


    Als sie dann so in ihrem Sessel saß und normal mit mir sprach war da wieder dieses Trugbild, das mich ganz fertig macht und mich (fast) (ver)zweifeln lässt.


    Neu: seit ich nur noch alle 2 Wochen komme bin ich nicht mehr im Fokus der Aggression.


    Dieses lieb kindliche macht auch fertig.


    Aber hey wir lassen uns ja nicht fertigmachen❤️

    Tschüss von Alfi 🐽

  • Genauso empfinde ich das auch: die Dankbarkeit fühlt sich nicht "richtig" an ... es ist schwer, das für Außenstehende zu beschreiben. Das Mißtrauen sitzt tief bei mir, wenn man ein Leben lang auf Zuspruch und Anerkennung gewartet hat und es nie kam ...


    Als sie dann so in ihrem Sessel saß und normal mit mir sprach war da wieder dieses Trugbild, das mich ganz fertig macht und mich (fast) (ver)zweifeln lässt.

    Wie ich das alles nachfühlen und nachvollziehen kann... und dann ist es wieder da, dieses schlechte Gewissen, dieses Nagen, ob man der armen alten Frau (die einen in früheren Zeiten mehr als ein mal verletzt und gedemütigt hat) Unrecht tut...

  • Wie ich das alles nachfühlen und nachvollziehen kann... und dann ist es wieder da, dieses schlechte Gewissen, dieses Nagen, ob man der armen alten Frau (die einen in früheren Zeiten mehr als ein mal verletzt und gedemütigt hat) Unrecht tut...

    Liebe Taybeere ja Dankeschön ❤️.


    Ich möchte ja nicht nachtragend sein aber das ist der einzige Weg, die Situation zu meistern: zu schnell, oft blitzschnell, ändert sich der Geisteszustand der Demenzmutter wieder.

    Alles Gute Alfi 🐽

  • Hallo liebe Alfi,


    ich würde es ein wenig anders betrachten. ;)


    Du kennst die wehrhafte. und wahrscheinlich auch narzisstische Seite Deiner Mutter, der Du nichts wirklich recht machen kannst. Das ist ein Hauptcharakterzug von ihr.


    Der Mensch besteht trotz allem, aus mehreren Seiten, auch wenn die meist verschüttet zu sein scheinen.


    Diese kindliche Seite haben viele Demenzkranke und sie kann herzerwärmend sein. Die andere Seite verschwindet deshalb natürlich nicht, zumindest bei vielen nicht. Das das ungewohnt ist, dass das misstrauisch macht, das ist verständlich.

    Bei Dir stelle ich aber fest, wie sehr Dich das belastet. Es bewirkt sogar das Du Dich selbst schlecht fühlst, so als währe Deine Mutter ihr leben lang anders gewesen und Du bist im Grunde das Problem.


    Da sehe ich tiefe Verletzungen und Furcht, an den Gemütszuständen der Mutter einen Anteil zu haben.

    Du weist sicher tief in Dir, dass es nicht so ist, aber trotzdem ist die Reaktion darauf vorhanden, was absolut verständlich ist.


    Ich glaube, was uns am schwersten fällt, ist die demenzkranke Person trotz allem als eigenständige Person anzusehen und sich selbst auch. Die negativen Verbindungen, die man einst hat leben müssen, dürfen auch mal schwächer werden. Jetzt ist sie kindlich freundlich, morgen ist es wieder anders. Beides ist ihr Leben und nicht Deines.


    Und wenn sie mal kindlich, freundlich ist, dann würde ich das als netten Moment versuchen anzunehmen, aber trotzdem keine Schuld für irgendetwas auf mich nehmen. Leicht gesagt, aber man kann auch langsam selbstständiger werden, vor allem, da sie gut versorgt zu sein scheint.


    Liebe Grüße an Dich

  • Hallo Teuteburger ,

    Da ist viel wahres und wichtiges dran. Ich kenne ja selbst diesen langen Prozess. Für mich war dazu noch eine wichtige Erkenntnis (aus einem psychologischen Vortrag), dass wir als Kinder von der Liebe und Anerkennung unserer Mutter abhängig waren, dass dies aber als Erwachsene/r nicht mehr gilt, da darf man sich auch innerlich befreien.

    Ich habe für mich nun den Gedanken, dass sowohl meine Mutter als auch ich einen eigenen "Film"(des Lebens) laufen hat. Wie oft ich nun noch darin vorkomme, ist meine Entscheidung. Sie lebt nun eh gefühlt in einer anderen Welt, einer viel früheren, da gibt es seit längerem nur noch die Gedanken an ihre Ursprungsfamilie..

    Allerdings hat sie nun schon zweimal nach meinem Bruder, also ihrem Sohn gefragt, der letztes Jahr verstorben ist. Ich denke beim nächsten Mal sage ich ihr die Wahrheit. Vllt kann sie dann loslassen..er war ja immer ihr Sorgenkind wegen der Behinderung etc

    Liebe Grüße

    Rose60

    • Offizieller Beitrag

    Danke Teutoburger für diesen Gedanken! Oft habe ich den Eindruck, dass unterschiedliche Persönlichkeitsanteile in dieser Phase der Demenz nebeneinander stehen und immer weniger miteinander verbunden sind. Aber der Anteil in der sich ein Mensch mit Demenz wie ein Kind fühlt und die Welt aus der Perspektive seiner Herkunftsfamilie wahrnimmt, wird meist im Laufe der Zeit stärker.

    Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Rose60, das Bild der unterschiedlichen Filme in denen ein Mensch mit Demenz lebt, nutze ich auch manchmal. Bei Ihrer Mutter ist es zumeist die Phase der Kindheit.


    Die Information über den Tod Ihres Bruders ist vermutlich für Sie persönlich wichtiger als für Ihre Mutter. Vielleicht finden Sie eine positive Formulierung, z.B. "... es ist nicht leicht für uns alle, aber er ist jetzt bei seinem Vater...".

    Haben Sie eine Idee, wie Sie Ihre Mutter dann trösten können?


    Es kann auch sein, dass Sie so reagiert wie bei Ihrem Vater und plötzlich auf ein ganz anderes Thema kommt.


    Diese "Strategie" können Sie natürlich auch nutzen, indem Sie ein emotional bedeutsames Thema zur Ablenkung ansprechen. Denn so wie Sie schreiben, lebt Ihre Mutter überwiegend in den Filmen ihrer Kindheit, so dass es immer eine ethische Frage ist, die Wahrheit mitzuteilen.

    Haben Sie eine Idee, wie Sie dies Gespräch führen können?

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Ihr,

    Teuteburger tja…Du hast Recht.

    Aber auch in ihrer Kindlichkeit schafft es meine Mutter, mir die Schuld zuzuweisen, dass sie „mit diesen Behinderten“ in einem Heim ist.

    Das hat mich halt über Jahrzehnte zermürbt dass sie immer absolut nur anderen die Schuld an allem gibt.

    So mir sogar am Tod meines Vaters - ich hatte vor seinem Tod sehr ernsthafte Zwistigkeiten mit meinen Eltern, mein Vater und ich haben uns aber, wie immer, ausgesprochen: meine Eltern hatten mich finanziell sehr sehr arg übervorteilt und waren ganz erstaunt, dass ich mal nicht den Kopf eingezogen habe.


    So ist das Schema halt immer bei meiner Mutter: freundlich, lieb, normal und dann ein Hieb schlimmer als ein Faustschlag.

    O-Ton meines Vaters zu meiner Mutter immer: „Du prügelst Deine Tochter mit Worten“. (Zu ihm war sie genauso)


    So bin ich halt auf Habacht programmiert und es hilft nur Distanz.


    Und so kann ich leider auch bei Kindlichkeit nur Kalkül sehen : umschwenken kann sie immer noch super.


    🤷‍♀️die Probleme fangen ja immer nicht erst mit der Demenz an.


    Was ich aber kann: Freundlichkeit mit Freundlichkeit begegnen, weil ich so gerne freundlich bin (also ich bin jetzt kein Engel 😇 oder so😉).


    Resümee: Danke Heim dass es dich gibt❤️ Lg Alfi 🐽

  • Hallo Rose,


    die Metapher mit dem Film gefällt mir gut. Danke dafür. :)

    Das der Bruder tot ist, ich glaube, die Frage wird auch dann auftauchen, wenn man ihr gesagt hat, dass er tot ist. Ich kenne es so, dass im Heim der ein oder andere auch mal wieder aufersteht, weil man diesen oder jenen Verwandten im Heim gesehen hat. Ich würde es aber ganz nach Deinem Gefühl machen, da jeder Demenzkranke anders ist.


    Danke, Herr Hamborg für die Hoffnung, dass das kindliche mit der Zeit zunimmt. Sofern das Wehrhafte dann schwächer wird, wäre das natürlich schön. ;)


    Alfi,

    🤷‍♀️die Probleme fangen ja immer nicht erst mit der Demenz an.

    das kann ich bestätigen. Insofern kann ich Deine Habachtstellung gut verstehen. Ich drücke die Daumen, dass es durch die Demenz vielleicht doch irgendwann besser wird. Soll möglich sein. 8)


    Liebe Grüße an alle

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