Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Bei Menschen, die sich auf den Weg machen können, verabschiede ich mich oft so, als wäre es ein letzter Abschied und ich habe das Gefühl, dass tief im Inneren etwas ankommt. Aber vielleicht ist es nur gut für mich, weil ich selbst loslasse und den inneren Frieden nicht durch Festhalten erschwere.


    Sie können Ihre Mutter nun nur noch in ihrer eigenen Welt begleiten und die Häufigkeit der Besuche ist weniger wichtig als deren Qualität. Stress, Überforderung und Sorgen nehmen Menschen mit Demenz genauso intensiv wahr, wie Freude und Geborgenheit.

    Lieber Herr Hamborg, danke für Ihre Worte - sie helfen mir momentan sehr!!!! Liebe Grüße

  • Hallo Herr Hamborg, Hallo Schwarzerkater, Hallo ALLE,


    Hach wieder sehr gut beschrieben von den beiden erstgenannten.


    Nach 2 Wochen war ich wieder im Heim.


    Ich betrat den Raum mit „guten Tag“ meine Mutter, im Bett liegend, drehte sich kurz um, erwiderte freundlich den Gruß und drehte sich wieder zur Wand.

    Ok. Dann saß ich da mit latent klopfendem Herz, auf eine verbale Attacke gefasst. Es nervt aber ich befinde mich dann immer „in Stellung“ wie im Schützengraben.


    Nach ein paar Minuten beschloss ich, wieder zu gehen, sie schien zu schlafen.


    Als ich aufgestanden war, ging es los. Natürlich. Mit recht handfester Ausdrucksweise. Ich wäre leider hinterfotzig geworden und sie weiß dass sie im Heim krepieren wird.


    2 noch für das KH angeschaffte hochwertige Nachthemden hat sie natürlich komplett abgelehnt. Eine totale Zumutung.


    Sie schreibt weiter entfernteste Bekannte mit immer wirrer werdenden Schreiben an mit dem Tenor- ja genau die Tochter ist an allem Schuld.


    Status Quo:

    Ein bisschen in den Magen gerutschtes schweres Herz.

    Aber durch den 2wöchentlichen Abstand kann ich die Situation viel mehr von außen betrachten und das alte Schema erkennen:


    Es sind an allem zuerst meine Oma, mein Vater und ich Schuld gewesen, und jetzt, da ja Oma und mein Vater nicht mehr da sind- na da hab ich Pech: da bin ich zu 100% die Schuldplattform.


    Meine Mutter wird körperlich rapide immer weniger.


    Weitermachen.


    Alles Gute Alfi

  • Liebe Alfi -


    das tut mir so leid, das zu lesen. Ich kann mir so gut vorstellen, wie Du Dich "in Stellung" fühlst. Und leider wird man ja dann auch nicht enttäuscht, sprich: Man wieder niedergemacht. Auch wenn meine Mutter mittlerweile nicht mehr viel spricht, oft kommt dann so ein Kommentar "Du mieses Stück". Neue Klamotten gebe ich ihr nicht mehr direkt, da mäkelt sie auch immer dran rum. Ich gebe sie jetzt bei der Hausdame ab, die sich darum kümmert, dass sie mit Namensschild versehen werden, d.h. die Klamotten hängen dann im Schrank und meine Mutter sieht sie als Teil ihrer bestehenden Garderobe. Das hat letztes Mal geholfen, weil sie der Meinung ist, sie hat alles schon länger (und vor allem: Sie hat es selbst ausgesucht).

    Ich fahre am nächsten Wochenende wieder hin. Mal sehen, wie sie da drauf ist.

  • Liebe Alfi,

    Das ist wirklich schlimm zu lesen und du wirst es wirklich nicht verdient haben. Daher: wie wäre es mit Zeitraum verlängern?

    Ich habe gestern zum Glück noch eine Verlängerung für die Klinik bekommen, 5. Woche dann. Ich habe selbst den Plan meine Besuche bei meiner Mutter weiter auseinander zu ziehen. Mir fehlt in der Hinsicht wirklich NICHTS, was mich selbst erstaunt.

    Ich schreibe meinen Plan also hier um mich selbst zu stärken. In meinem Fall werden die Heimmitarbeiter sicher sagen "aber Ihre Mutter ist doch so lieb und nett", da geht es um andere Dinge, womit sie mich nachhaltig und ungünstig triggert. Viele schlimme Szenen kommen mir in dem bisher wöchentlichen Kontakt immer wieder hoch.

    Ich kann und WILL das nicht mehr..

    Also erinnert mich gerne, wenn ich demnächst was anderes schreiben sollte.

    Liebe Grüße an alle

  • Liebe Alfi -


    das tut mir so leid, das zu lesen. Ich kann mir so gut vorstellen, wie Du Dich "in Stellung" fühlst. Und leider wird man ja dann auch nicht enttäuscht, sprich: Man wieder niedergemacht. Auch wenn meine Mutter mittlerweile nicht mehr viel spricht, oft kommt dann so ein Kommentar "Du mieses Stück". Neue Klamotten gebe ich ihr nicht mehr direkt, da mäkelt sie auch immer dran rum. Ich gebe sie jetzt bei der Hausdame ab, die sich darum kümmert, dass sie mit Namensschild versehen werden, d.h. die Klamotten hängen dann im Schrank und meine Mutter sieht sie als Teil ihrer bestehenden Garderobe. Das hat letztes Mal geholfen, weil sie der Meinung ist, sie hat alles schon länger (und vor allem: Sie hat es selbst ausgesucht).

    Ich fahre am nächsten Wochenende wieder hin. Mal sehen, wie sie da drauf ist.

    Liebe Tanja,


    Ja es ist schon unentspannt.

    Meine Mutter als verdeckter Machtmensch (in der Familie, nach außen das kleine tapfere Frauchen) hat auch mit fortgeschrittener Demenz damit zu tun, dass ich das Zepter übernommen habe.

    Wie Du es ja auch immer schilderst: es ist uns nicht neu und doch treffen uns die Attacken zumeist schmerzlich.

    Verschlimmert dadurch bei meiner Mutter, dass sie mich aus ihrer Sicht nicht hm - umhauen kann.


    Nun um so krasser diese gleiche Mutter letztens im Krankenhaus, die plötzlich locker mit mir reden konnte und erzählte: „wenn man alt wird weiß man oft garnicht mehr, wo man ist“. Als ich dann schulterzuckend (ich räumte gerade etwas in ihren Kleiderschrank) sagte:

    „Ja so ist das“ hat sie richtig gekichert und fand das lustig.

    Aber das ist wieder vorbei 🤷‍♀️.


    Klamotten: jepp mach ich jetzt auch so. Ab und an 3 Teile zum Etikettieren bei der Rezeption abgeben und dann die Pflegerinnen selbst einräumen lassen.


    Wie habe ich das nur ausgehalten und zeitlich geschafft mit 1x die Woche?


    2 Wochen ist traumhaft: ich schalte komplett ab❤️


    Alles Gute Alfi

  • Liebe Alfskjoni, liebe Rose60,

    ich möchte euch heute einfach mal liebe Grüße senden.

    Dir, liebe Rose, wünsche ich eine gute Zeit in der Reha (ich meine das wörtlich, denn die brauchst du/brauchen wir hier alle). Lass es dir gut gehen, genieße es, dass es da vor allem um dich geht, um deine Bedürfnisse!!!!

    Deine Mutter wird gar nicht bemerken, wenn du seltener kommst, vielleicht sogar im Gegenteil: du stehst gefestigter da und das wirkt sich auch auf deine Mutter gut aus.


    Liebe Alfi, ich wollte etwas aus deinem Zitat zitieren, das geht natürlich nicht. Daher schreib ich es hier einfach so und du findest selbst, wozu das gehört:

    Beim Geburtstag meines 99jährigen Schwiegervaters bekam ich als Seitenhieb von einer angeheirateten Verwandten zu hören: "Na bloß gut, dass meine Mutter NICHT ins Pflegeheim musste (Erklärung: Diese war aber auch nicht dement.) und dass der 99jährige Vater zu Hause bleiben darf. Ich würde es nie fertigbringen, meine Mutter ins Heim zu geben."

    Ich war in diesem Moment ganz ruhig, hatte danach aber ein derartiges Tief, dass ich nur noch weinen konnte, tagelang ....

    Da nützt einem dann alle scheinbare gefestigte Weisheit nichts. Soviel dazu!!!!

    Es sagt natürlich etwas ÜBER DIESE MENSCHEN aus, die uns so etwas sagen. Das ist ein Schlag mitten ins Herz! Das ist nichts anderes als pure Bösartigkeit oder zumindest dummes Gerede!!!


    Es ist aber doch so, dass unsere Mütter jetzt sehr gut aufgehoben sind .... so schreibt ihr es ja auch. Und egal, was früher war oder nicht war: Sie sind in ihrer jetzigen Situation gut untergebracht und werden umsorgt, selbst wenn sie das jetzt nicht mehr schätzen können (oder nie hätten schätzen wollen oder uns auch das Leben schwer gemacht haben).


    Ich war gestern im Pflegeheim und fand viele Bewohner gemütlich beim Kaffee versammelt. Es war eine wundervolle Stimmung und eine beinahe heilige Ruhe. Meine Mutter spielte hingebungsvoll mit einem Plüschhasen einer anderen Bewohnerin (die mich eifrig darauf hinwies, dass das ihr Hase sei) - das ist neu und war ganz ungewohnt für die einstige unbeugsame Persönlichkeit meiner Mutter, fühlte sich aber irgendwie stimmig und sehr lieb an.

    Bei den Pflegerinnen merke ich, dass ihnen ihre Schützlinge alle ans Herz gewachsen sind ... und so soll es auch sein. So ist es gut und ich freue mich für alle Beteiligten. Ein so schönes Pflegeheim ist doch kein schlimmer Ort und ich bin froh, dass es heutzutage tatsächlich viele davon gibt.


    Widmen wir uns also unseren Aufgaben - die haben wir ja auch noch.

    Das wollte ich euch unbedingt schreiben. Alles Liebe für euch!

  • Liebe Schwarzerkater,

    die Verteufelung von Alters- und Pflegeheimen ist ein Reizthema, das aber jede/n von uns berührt.

    Im Falle des Schwiegervaters meiner Schwägerin wurde „das Heim“ ständig als Drohung eingesetzt („wenn du das nicht machst, kommst du ins Heim!“). In der Folge wurde die schließlich notwendig gewordene Pflege im Heim so spät gewählt, dass der Schwiegervater noch in der ersten Nacht nach der Übersiedelung starb.

    Ich denke, es spielen bei der Verteufelung von Alters- und Pflegeheimen zwei Dinge eine Rolle: Erstens eine Überschätzung der eigenen Fähigkeiten bei der Pflege alter und kranker Menschen – so als wäre das eine ganz einfache Sache, die frau wie Kindererziehung so ganz nebenbei miterledigen kann. Wer es nicht kann, ist eine Loserin.
    Und zweitens steckt in dieser Verteufelung eine Geringschätzung und mangelnder Respekt vor der Pflegearbeit professionell ausgebildeter Altenpflegerinnen – so als wäre das ein Job, der wie „Raumpflegerin“ gar keine professionelle Ausbildung nötig hätte.

    Drittens, ja drittens, macht es einen erheblichen Unterschied, wenn zu der altersbedingten Pflegebedürftigkeit noch Demenz hinzukommt.
    Sind wir Loser, weil wir die Eltern ins Pflegeheim gebracht haben? Nein, wir haben schmerzlich erkennen müssen, dass unsere Fertigkeiten und unsere Zeit für die zunehmend schwierigere Pflege von zwei Demenzkranken nicht ausgereicht haben. Wer deshalb scheel auf uns herabsieht, der hat einfach keine Ahnung von der Sache. Die Wahl für das Pflegeheim war für uns ebenso richtig und nötig wie für die demenzkranken Eltern.

    Liebe Grüße (auch an Rose60)
    Buchenberg

    Einmal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Liebe Alle,


    Auch noch mal zum Reizthema Heim:


    Wir sind auch so etwas wie Pioniere:


    Nie wurden Eltern so alt und damit so dement (was sagte letztens ein Anwalt zu mir, der als Zivi mit Dementen zu tun hatte: irgendwann erwischt es jeden).


    Heim: das ist in den Köpfen der Leute noch eine kalte hässliche „Irrenanstalt“.


    Früher kannte kaum jemand einen der im Heim wohnte. früher lebte auch kaum noch jemand mit über 80.

    Und früher gab es auch nicht so tolle Heime, so liebevoll geführt wie ein hochwertiger…Kindergarten…ich meine damit dass so sehr auf jeden Bewohner eingegangen wird.


    Und Pioniere haben es immer schwer. Oft zu schwer.


    Alles Gute Alfi🌼

  • Wer deshalb scheel auf uns herabsieht, der hat einfach keine Ahnung von der Sache. Die Wahl für das Pflegeheim war für uns ebenso richtig und nötig wie für die demenzkranken Eltern.


    Und früher gab es auch nicht so tolle Heime, so liebevoll geführt wie ein hochwertiger…Kindergarten…ich meine damit dass so sehr auf jeden Bewohner eingegangen wird.


    Und Pioniere haben es immer schwer. Oft zu schwer.

    Lieber Buchenberg, liebe Alfi, eure Worte sind sehr wichtig für mich - mir kommen gerade die Tränen, aber vor Freude ... und das ist gut so.


    Ich finde, es ist den tollen Pflegerinnen und Pflegern gegenüber auch nicht fair, Pflegeheime so zu verteufeln. Natürlich gibt es überall Personen, die da besser nicht sein sollten (Lehrerinnen, Dozenten, Kindererzieher/innen, Verkäufer, ....), aber ich bin froh, dass wir ein gutes Domizil mit guten Leuten für meine Mutter gefunden haben.

    Sie leben von Herzen mit ihren Schützlingen und haben sie lieb, so wie sie sind.

    Ich kenne es ja, ich habe auch mit Menschen gearbeitet, die mir ans Herz gewachsen waren und für die ich alles getan habe, was möglich war (sie unterstützt und gefördert).


    Also noch einmal dankeschön ... an euch Pioniere im Geiste <3 :!:

  • Obwohl ich noch keine direkte Heimerfahrung habe (indirekt schon), kann ich Euren Worten überzeugt zustimmen.

    So wie uns Müttern lange unterstellt wurde, Rabenmütter zu sein (die in Wahrheit übrigens sehr liebevolle, sorgsame Mütter sind), wenn wir unsere Kinder den Kindergarten besuchen ließen, geht es dann weiter, wenn die Eltern Pflege benötigen.

    Da werden in beiden Fällen Kräfte extra dafür jahrelang ausgebildet, auf viele speziellen Situationen vorbereitet, aber ungeschulte (meist) Frauen sollen es besser können, weil sie Mütter, Töchter, Schwiegertöchter... sind.

    Natürlich ist die persönliche Beziehung eine andere, aber normalerweise verschwinden die pflegenden, betreuenden Angehörigen ja auch nicht völlig aus dem Leben ihrer Schützlinge oder Kinder, sondern überlassen den Fachleuten auch nur einen Bruchteil.

    Wenn es anders nötig ist, auch zum Selbstschutz, dann stecken einfach noch viele andere Ursachen dahinter - und auch da ist es besser, das Alltägliche den Fachleuten zu überlassen und nicht die Kämpfe aus Vorzeiten weiter zu pflegen.

    Jetzt fällt mir wieder zu viel zum Thema ein. Deswegen gute Nacht, weil ich es heute nicht mehr sortiert bekomme.

  • Alfskjoni : eine "Kur" hätte nicht gereicht, ich bin in psychosomatischer Akutklinik, da habe ich mehr psychoTherapie etc.bekommen, es war eine sehr gute Entscheidung, die fünfte Woche ist gerade noch sehr wichtig und danach werde ich ambulant hoffentlich wieder klarkommen. Hat mich sehr gut weitergebracht bisher, es braucht aber diese Zeit.

    Liebe Grüße

  • So wie uns Müttern lange unterstellt wurde, Rabenmütter zu sein (die in Wahrheit übrigens sehr liebevolle, sorgsame Mütter sind), wenn wir unsere Kinder den Kindergarten besuchen ließen, geht es dann weiter, wenn die Eltern Pflege benötigen.

    Da werden in beiden Fällen Kräfte extra dafür jahrelang ausgebildet, auf viele speziellen Situationen vorbereitet, aber ungeschulte (meist) Frauen sollen es besser können, weil sie Mütter, Töchter, Schwiegertöchter... sind.

    Natürlich ist die persönliche Beziehung eine andere, aber normalerweise verschwinden die pflegenden, betreuenden Angehörigen ja auch nicht völlig aus dem Leben ihrer Schützlinge oder Kinder, sondern überlassen den Fachleuten auch nur einen Bruchteil.

    Danke, liebe Ecia!!! Meine Tochter hat übrigens auch die Kita besucht (ebenso wie jetzt ihr kleiner Sohn). Das hat an unserem guten Verhältnis zueinander nichts geändert. Man schiebt ja auch niemanden ab, weder demente Mutter noch Kind, sondern kümmert sich, ob menschlich alles in Ordnung bzw. zum Besten ist. Es muss für alle Beteiligten passen!!!! Liebe Grüße ecia.

  • Alfskjoni : eine "Kur" hätte nicht gereicht, ich bin in psychosomatischer Akutklinik, da habe ich mehr psychoTherapie etc.bekommen, es war eine sehr gute Entscheidung, die fünfte Woche ist gerade noch sehr wichtig und danach werde ich ambulant hoffentlich wieder klarkommen. Hat mich sehr gut weitergebracht bisher, es braucht aber diese Zeit.

    Liebe Grüße

    Liebe Rose,

    Oh! Du wirst in der Zeit bestimmt tolle Hilfe bekommen und ungeahnte eigene Kräfte mobilisieren.

    Ein HOCH auch hier auf die Fachleute ❤️


    Alles Gute Alfi 🌼

  • Ecia total auf den Punkt gebracht ❤️


    Ein Dank von Alfi

  • Liebe Alle -


    ich bin voll und ganz der Meinung von Alfskjoni und schwarzerkater: Die Pflegekräfte leisten einen super Job. Auch im Heim meiner Mutter merkt man, wie sehr den Pflegerinnen das Wohl der Bewohner am Herzen liegt. Vielleicht war es früher so, dass Heime nicht gut zu ihren Bewohnern waren oder sich der ein oder die andere "abgeschoben" fühlten - oder es auch Leute gab, die einen für herzlos hielten, wenn ein Elternteil ins Heim kam. Ich persönlich könnte die Arbeit nicht leisten, wenn meine Mutter bei mir wohnen würde. Mit Vollzeit-Job, ohne jeglichen Support, geht das nicht. Als ich meine Mutter noch in ihrer Wohnung besucht und vielleicht 1-2 Tage von dort gearbeitet hatte, war das zum Schluss kaum noch möglich. Bei Telefonkonferenzen kam sie alle 5 Min. und erzählte mir irgendwas. Ich konnte kaum der Telco folgen. Gemeinsam einkaufen, Essen kochen, Wäsche waschen und bügeln ging noch nebenher. Jetzt benötigt sie ja viel mehr Unterstützung. Das würde nur gehen, wenn ich max. einen Halbtagsjob habe. Dann sieht es aber Renten-technisch für meine Zukunft düster aus. Das ist ja auch nicht das Wahre.

    Daher schließe ich mich Alfi an: ein Hoch (und ein großes Lob) auf die Fachleute <3

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, beim Lesen der letzten Beiträge kam mir viele Fragen:

    Würden die lieben entfernten Familienmitglieder anders - nicht abwertend, nicht verletzend - reagieren, wenn sie so wie wir hier im Forum die Auf und Abs und das Ringen um den richtigen Weg mitbekommen hätten?


    (Für wen in der Familie) wäre es besser, mehr über die enorme Belastung zu sprechen, die pflegende Angehörige leisten, besonders wenn die Menschen mit Demenz einen herausfordernden Charakter oder eine handfeste Persönlichkeitsstörung haben?


    Ehrlichkeit und das Zugeben von Zweifeln, "Schwächen" und inneres Wachstum machen manchmal nicht nur sympathisch, sie können auch in der Familie ein Vorbild sein.


    Je kränkender Abwertungen von einzelnen Verwandten sind, desto höher ist vermutlich die hinter der Aggression verborgene Angst, die ja leider auch medial geschürt wird. Aber wie erfolgreich für ein gesundes Altern ist die Botschaft: Du musst für mich da sein, sonst bist Du schlecht?


    Wie viel verbindliche Liebe entwickelt sich aus einem solchen Angriff und wer ist der Adressat in der Familie? Wer soll als nächstes an oder über den Rand der Erschöpfung aus einer zweifelhaften Familienehre gejagt werden?


    Aber vielleicht steht dahinter auch die Botschaft: "Ich möchte gern über meine Angst sprechen, wenn ein Heim so unvermeidlich ist wie für Deine Mutter... "

    Dieses Gespräch ist vermutlich erstmal nur unter 4 Augen möglich.


    Aggressivität hat immer auch diese andere Botschaft oder?

    Kann es uns schützen, wenn wir das erkennen?

    Ihr Martin Hamborg

  • Oh, mein Thema. Mein Mann hat eine Nichte, die ewig weit von uns entfernt in Husum wohnt. Diese Nichte ist mit samt der beiden Kinder mindestens 1x im Jahr für mind. 3 Wochen gekommen und hat dann auf Kosten der Oma gelebt. Grade, als wir Ruhe in der Sache hatten und Schwiegermutter sich mit dem Heim abgefunden hatte, platze die Nichte auf. "Oma, wenn ich bei Dir wäre, dann müsstest Du in kein Heim. Ich würde mich selbstverständlich um dich kümmern. Aber ich bin ja soweit weg." Hinzufügen muss man, dass diese Nichte es NIE mit wirklicher Arbeit probiert hat. Vermutlich hatte man sich die Rente nebst dem Pflegegeld bereits ausgerechnet. Ich habe dann angeboten, den Umzug nach Husum für Schwiegermutter zu organisieren. Mit samt ihren Plünden. Allerdings als One-Way-Ticket. Schwups, keine Rede mehr. Angeblich muss man sich um die Mutter des Lebensgefährten kümmern. Was waren wir froh, dass sie wenigstens die Kraft gefunden hat, das Familiensilber abzuholen. War aber noch nicht mal in der Lage, die Kuchengabeln zu finden. Das Auflösen der Wohnung und die Entsorgung aller Sachen hat man dann großzügig uns überlassen.

  • Liebe Schwiegertochter71 -


    ich musste so schmunzeln, dass nach dem One-Way Ticket auf einmal keine Rede mehr von Kümmern war. Das ist wahrscheinlich bei den meisten hier im Forum so. Bei uns gibt es nur noch meine Mutter und mich - da bin ich dem Thema "Heim ist schlecht und Du bist böse" entgangen. Im Gegenteil: Die meisten Bekannten aus ihrer Kirche haben jemandem mit Demenz in der Verwandtschaft oder erweiterten Bekanntenkreis und haben mich unterstützt, dass meine Mutter am besten in einem Heim aufgehoben wäre. Die Wohnung habe ich alleine aufgelöst, danach war ich platt, aber es war ein wichtiger und richtiger Schritt. An alle, die dies geschafft haben: Habt ihr richtig gemacht.

  • Hallo Ihr ALLE aus diesem für mich so wichtigem Forum,

    (Ich wollte nicht polemisch klingen und „überlebenswichtig“ schreiben- aber es trifft zu. Also hab ichs doch geschrieben.)


    Wir haben doch in diesem Jahr alle viel für unsere Dementen und auch für uns Co-Demente erreicht. Mit viel viel Kraft, Liebe, Beharrlichkeit, Tapferkeit und Wahnsinn 🥺.


    So sehe ich noch aus wie immer, aber nur fast: in den 2 Jahren negativem Dauerbeschuss durch meine Mutter (ich KANN nicht um mich ein bisschen zu distanzieren „Frau Mutter“ sagen, denn dann geht der Ulk mit mir durch und ich singe innerlich …war die Euhele…fiderallala…) habe ich doch unerhört viele nicht nur graue sondern weiße 🥺Haare bekommen. So ganz rapide. Ok das mag auch damit zusammenhängen dass ich 58 werde, aaaaber so krass plötzlich. Diese endlosen schlaflosen Nächte , das viele Herzklopfen, die Trauer- also schon schlimm.

    Ganz gut: bin dunkelblond mit ganz vielen sehr hellblonden Strähnchen auf Kinnlänge, da spielen mir die weißen Haare in die Karten. Trotzdem: will.ich.nicht!!!


    Status Quo bei mir: meine Mutter hat aktuell irgendwie realisiert, dass sie wirklich nicht mehr alleine leben kann. Es geht ihr körperlich auch wirklich schlecht mit sehr schwacher Pumpe etc., sie schläft sehr viel.

    So ist sie nur passiver hasserfüllt zu mir, haut mich aber immer mit ein paar Sätzen aus der Fassung wie: „das Klima hier ist schuld“ (also ich, das konnte sie schon immer dieses subtile- ich hab sie ja 400 km hergeholt). „Sie wollte nie in dieses xxx“ (Kreissstadt, da ist sie garnicht, sondern in einem benachbarten Luftkurort, den sie aus wenigen Besuchen mit meinem Vater kannte und gut fand und da auch hinwollte) diese Antwort ist mir aber garnicht eingefallen aaaaber wir sollen und wollen ja auch garnicht diskutieren. Dann würde eh der nächste Giftsatz kommen und im Ball zurückschlagen war ich auch früher beim Tennis nicht gerade talentiert.

    Jetzt da sie aktuell ihre Lage irgendwie erfasst hat sie leider wenig Lebensmut. Wenn früher mal irgendetwas war, zB sie hatte mal mit 70 geschwollene Augenlider: da sprach sie auch direkt davon dass sie sterben möchte.

    So lange ich lebe hat sie solche Sachen von sie gegeben. So wird sie damit auch nicht mehr aufhören. Aber ich schaffe es ihr nicht genervt ins Wort zu fallen. Grund: s.o., bringt nix.


    Aber: alles erträglich, auch wegen der sehr guten Hilfe im Heim an meine Mutter und auch mich.


    Also Ihr Lieben guten Rutsch an Euch, liege auf der Couch, mein Mann bringt 2 der Jungs zum erst mal Silvester „wo hin“, Sohn Nr. 3 genießt das partielle Einzelkinddasein und geht um 24 Uhr mit Papa raus knallen, ich bestimmt nicht, seit ich in Köln und Berlin gewohnt habe hab ich da nen Schaden (schon mal auf ner Rheinbrücke gefeiert? Also muss Frau nicht haben 🧨 🎊🎊🎊)


    Alles Gute von Alfi mit Greisenhaar

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