Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Alles Gute von Alfi mit Greisenhaar

    :) :) :) Hallo Alfi, auch für dich alles Gute für 2024. Ich mag deinen "Galgenhumor". Er ist eine besondere Gabe und hilft dir auch, immer oben zu bleiben, mag die See noch so stürmisch sein.


    Freu dich jedenfalls des Lebens, es werden noch viele schöne Jahre kommen, auch wenn dich die momentanen Situationen ein bisschen heftiger gerüttelt und geschüttelt haben.


    Ich kenne das: Eben noch war man blutjung und sah auch so aus ... und schwupps ... scheint man um Jahre gealtert zu sein.

    Für graue Haare gibts übrigens wunderbare Farben (falls man das möchte) und im Herzen kann man laaaange cool und jung bleiben, da gibt es kein Verfallsdatum.

    Und bei dir mach ich mir da gar keine Sorgen, von wegen Greisen...haar.


    Alles Liebe für dich von einer noch viel älteren Person, die sich auch noch nicht "alt" fühlt.

  • Liebe Schwarzerkater, danke Dir, hab beschlossen meine weissen Strähnen zu lieben.


    Ich fahre ja immer mit so einem schweren Herzen zum Heim, der Herzschlag wird ein bisschen schneller etc..


    Da gibt es ein (also für mich) superwirkendes Zaubermittel - durch Zufall hab ich die Wirkung entdeckt:


    Das Eau de Toilette "Un Jardin A Cythere" von Hermes, 30 ml (keine Panik kostet ca. 50 EUR aktuell im Sale). in dem YouTube-Video sieht man auch nur Sonne, Wind, Wärme, Wäsche im Wind - das fand ich sehr ansprechend - ich mags leicht und sonnig ohne Ausrufezeichen, auch im Winter.


    Nun also ich habe am 24. diesen Duft auf der Autofahrt zum Heim getragen - der Duft verursacht bei mit so ein kleines Glückskribbeln im Magen - er hat mir sowas von geholfen. Unglaublich. Ich blieb viel besser bei mir.


    Also als wenn Ihr alle + Herr Hamborg mir zureden würdet.


    Und da er so leicht ist ist er immer in meiner Handtasche und ich trage ihn bei Bedarf auf: keiner wird umgehauen, höchstens ich vor Wohlgefühl.

    Düfte machen schon was.


    Nur so als klitzekleine Idee von mir.


    Und da ich mich gerne in einem Thema verliere hab ich mit meinem Mann schon besprochen, dass ich irgendwann dieses Jahr eine knappe Woche (och warum eigentlich knapp) nach Cythere (Kythera) - griechische Insel, Peloponnes, fliege. ;) Der Gedanke reicht fast schon.


    Ein Hoch auf das Hochgefühl.


    Bis bald von Alfi 8)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Alfskjoni, über Ihren erfolgreichen, gelassenen und humorvollen Jahresrückblick habe ich mich sehr gefreut, Sie haben so viel geschafft, man könnte sagen, die weißen Strähnen sind wie Zeugen dieser neuen Weisheit...


    Herzlichen Dank, dass Sie Ihre Erkenntnis mit ihrem persönlichen "Zauberduft" geteilt haben! Tatsächlich wirken Düfte direkt und unmittelbar auf unser Gehirn und werden als Aromatherapie in manchen Heimen angewendet. Dies wirkt für Menschen mit Demenz genauso wie für die Besucher und Mitarbeitende.


    Vor einigen Jahren hat eine Einrichtung - die ich seinerzeit mit IQM Demenz zertifiziert habe - ein kleines Experiment gemacht: Im Tagesraum wurde etwas Lavendelöl getropft - so wenig, dass es nicht bewusst wahrnehmbar war. Dazu wurden die Reaktionen dokumentiert: Alle Beteiligten wirkten ruhiger und selbst die Ärzte bemerkten die andere Atmosphäre.


    Bitte vergessen Sie dieses starke Mittel zur Selbstpflege und Abgrenzung nicht - bitte berichten Sie davon, wenn neue Teilnehmer*innen hier von ähnlichen Gefühlen bei der Fahrt zu ihren demenzkranken Eltern berichten! Vermutlich haben wir alle irgendeinen persönlichen Zauberduft....

    Ihnen wünschen ich einen (wirklich verdienten) schöne Urlaub!

    Ihr Martin Hamborg

  • Liebe Alfi -


    das hört sich toll an - Duft für die gute Laune und Urlaub hört sich klasse an. Weiter so! Und die grauen Haare sind hart erarbeitet. Die sehen bei blonden Haaren sicherlich auch gut aus. Ich habe mich nach Weihnachten auch belohnt, mit Restaurant-Hopping. Steakhouse mit Freunden, dann noch indisch und italienisch. Und dann Gulasch (selbst gekocht). Das war auch was für die Seele. Dazu Lieblingsbücher und heißen Kakao.

    Aber der Tipp mit dem Parfum ist ein guter. Ich denke, den kupfere ich mir ab.

    Ich wünsche Dir ein ganz wunderbares Jahr - wie euch allen.

  • Liebe Tanja, bin gespannt was Du zu dem Duft sagst - es ist echt ein Glücksserum.


    Du hast es Dir seeehr gut gemacht Weihnachten❤️


    Alles Gute Alfi 🐞

  • Und da ich mich gerne in einem Thema verliere hab ich mit meinem Mann schon besprochen, dass ich irgendwann dieses Jahr eine knappe Woche (och warum eigentlich knapp) nach Cythere (Kythera) - griechische Insel, Peloponnes, fliege. ;) Der Gedanke reicht fast schon.

    Sehr gute Idee! Bin gerade auch schon halb im Urlaub ... ins Warme. Mit Tochter und Enkel (die sich aus ihrem Schicksal auch immer wieder freikämpfen müssen). Wir tun uns alle bewusst etwas Gutes. Ob das nun ein Duft, ein gutes Essen, ein Urlaub ... ist.

    Ich habe mich nach Weihnachten auch belohnt, mit Restaurant-Hopping. Steakhouse mit Freunden, dann noch indisch und italienisch. Und dann Gulasch (selbst gekocht). Das war auch was für die Seele. Dazu Lieblingsbücher und heißen Kakao.

    Liebe Tanja, auch sehr schön!


    Liebe Grüße an euch!

  • Vielen Dank für den Lacher am Morgen!


    Ich lese seit ein paar Wochen Abstinenz wieder hier rein und kann zum ersten Mal mich so richtig herzhaft freuen.


    Alfskjoni, die grau-weisen (absichtlich anders geschrieben) Haare im Blond finde ich sehr schön und würde es auch so lassen. Genauso mag ich den Pfeffer und Salz-Effekt bei ergrauendem schwarzen Haar.


    Nur mit meinem Grau in der Straßenköterfarbe ist es nicht weit her. Vorne habe ich eine grau-silbrige "Aureole" ums Gesicht, dahinter ist noch alles hellbraun. Also klassisch: von hinten Lyzeum, von vorne Museum.


    Diese Duftsache ist auch etwas, das ich in der letzten Zeit verstärkt beobachtet habe. Und zwar dass ich daraus Beruhigung, Trost und Wohlgefühl erfahren kann.

    Angefangen mit einem Parfum, dann Vernebler und für die schnelle Hilfe ein indisches Gewürz, das ich in einem kleinen Döschen , mmer in der Tasche parat habe.


    Umso schlimmer war es für mich als ich vor Weihnachten den Coronavirus erwischte und der Geruchssinn plötzlich weg war!

    Mittlerweile geht es wieder, noch nicht in der gewohnten Intensität, aber immerhin.



    Ein Satz in Ihrem Beitrag, martinhamborg, macht mich nachdenklich: ob wir uns vorstellen können, dass unsere Mütter es uns irgendwann danken werden, dass wir trotz allem gut für uns sorgen können.

    Dieses auf die Zukunft gerichtete verwirrt mich ein bisschen.


    Ich mache bei meiner Mutter die Beobachtung, dass sie sich zum einen sorgt um mich (manchmal behandelt sie mich zwar wie 13, nicht wie 63), aber natürlich die Gegebenheiten durch ihre Krankheit nicht mehr erkennt.

    Ich bin eher bemüht meinen Kindern JETZT zu vermitteln, dass sie gut für sich sorgen sollen.

    Das bedeutet auch, dass sie mich bitte bitte in ein Pflegeheim bringen sollen, wenn es so sein sollte wie bei meiner Mutter jetzt. Auch wenn ich mich dann mit Händen und Füßen wehren sollte.


    Meine Jüngste hat mir beim letzten Einsatz bei meiner Mutter, als mein Vater im Krankenhaus war, sehr geholfen. Sie hat eine Engelsgeduld bewiesen und ich war richtig beschämt, weil ich nicht so gut mit meiner Mutter umgehen konnte.



    Vielen Dank möchte ich sagen für den tollen Austausch hier und wünsche ein gutes 2024.

  • Liebe alle -


    nachdem sich meine Mutter ein eher "traditionelles" Leben für mich vorgestellt hat, kann ich den Satz von Herrn Hamborg nur mit "Nein" beantworten. Wenn ich über eine Reihe von Situationen nachdenke, wird mir bewusst, dass meine Mutter nicht viel Sinn in meinem Studium sah (Kommentare wie "Was hast Du davon, wenn Du heiratest") und über viele Jahre - also vor ihrer Demenz - häufiger sagte, dass sie von mir erwartet habe, dass sie mal Enkelkinder hat. Aber ich hätte ja nicht einmal einen Ehemann. Wollte ich auch nicht, was sie noch weniger verstand. Aus ihrer Sicht habe ich nicht gut für mich gesorgt. Aus meiner eigenen schon. Mit einem guten Job, der mir Spaß macht, mit wenigen, aber sehr guten Freunden, mit Reisen, mit einer schönen Wohnung, mit vielfältigen Interessen.

  • Hallo zusammen,

    war ein bisschen weg, lese aber immer mit ...

    Können Sie sich vorstellen, dass Ihre Mütter es Ihnen irgendwann danken werden, dass Sie trotz allem gut für sich sorgen können?

    Ganz klar: Nein! Ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, dass meine Mutter sich je Gedanken gemacht hat, ob ich gut für mich sorge. Schließlich war sie zuallererst mit sich selbst beschäftigt ...

    Ich habe spät in meinem Leben erst lernen dürfen, dass meine Bedürfnisse legitim sind und dass es okay ist, wenn ich mich um mich kümmere. Und wenn das bedeutet, dass ich mal "Nein" zu meiner Mutter sage, dann ist das eben so.


    In diesem Sinne liebe Grüße,

    SunnyBee

  • Alfskjoni

    hab beschlossen meine weissen Strähnen zu lieben.

    Das ist die richtige Einstellung!


    Das Schöne am Älterwerden ist für mich, dass ich festgestellt habe, dass es mir herzlich egal ist, was andere (einschl. meine Mutter) über mich denken. Ich bin tatsächlich früh grau geworden, trage heute kurze grau-weiße Haare, bunte Ohrringe und liebe schöne Brillen!

    Alles Gute für Dich!

    SunnyBee

  • Ich habe über die Frage von martinhamborg auch nachgedacht und würde es verneinen, denn wenn ich bei meiner Mutter mal anklingen ließ, dass ich dies und das zur Erholung bräuchte, kam "tja, das konnte ich auch alles nicht"..

    Liebe Grüße

  • Hallo in die Runde, ... da kann ich mich nur anschließen: Genießen Sie mit bestem Wissen und Gewissen! Können Sie sich vorstellen, dass Ihre Mütter es Ihnen irgendwann danken werden, dass Sie trotz allem gut für sich sorgen können?

    Allen eine schöne Woche, Ihr Martin Hamborg

    Hallo ALLE, Hallo Herr Hamborg,


    ich hatte ja nur mal so einen wirklich klitzekleinen Moment, als meine Mutter im KH war: "Du hast Dir ja Mühe gegeben, dass Deine Mutter gut aufgehoben ist" - ungefähr so war der Wortlaut.

    Aber davor und danach im KH hat sie sich überall nur über ihre kalte Tochter aufs Allerübelste beschwert.


    Nun, heute war der alle-14-Tage-Besuchsfreitag.


    Meine Mutter war nicht da, Augenarzt (kam aber dann unverrichteter Dinge wieder: Taxi hatte Augenarzt im falschen Ort angesteuert - Memo an mich: Pflegeleitung daran erinnern, dass meine Mutter solche Termine nicht mehr alleine kann, auch wenn sie anscheinend so kommunikativ ist - ich mache das ja aus bekannten Gründen nicht mehr: Launenwechsel sekündlich, ständige Drohungen an mich)


    Die Pflegerin erzählte mir, bevor meine Mutter wiederkam, dass es immer schlimmer würde.

    1. sie verweigert Essen, Tabletten, Körperpflege, alles
    2. sie ist nun zu den Pflegern so böse wie zu mir schon seit 2,5 Jahren
    3. sie redet vom Sterbenwollen
    4. sie spannt alle ein, als wenn sie alleine auf der Station wäre

    RESUME: GENAU so war meine Mutter als sie noch in ihrer eigenen Wohnung fristete und alle PflegerInnen, ich sowieso, ÄrztInnen, Notärzte etc. "unqualifiziert" waren und sie wöchentlich eingeliefert werden musste.


    Die Pflegerin meinte vielleicht wäre eine Woche in der Psychiatrie beim betreuenden Psychiater sinnvoll.


    Nun als meine Mutter aus dem Taxi stieg und mir dann mit dem Rollator entgegenkam war sie eigentlich wie immer, hat mich sogar freundlich begrüsst (im Kalender notieren).


    Als ich dann mit ihr den langen Gang zu ihm Zimmer ging fing sie mit den üblich Sätzen an "was hab ich denn verbrochen" "ich kann nicht mehr" "keiner versteht mich". Und sie fing an zu weinen und ich hatte schon Bedenken dass sie sich einfach fallen lässt.


    Nun ich bin dann geübt ruhig geblieben, habe sie aber auch nicht angefasst und hab ihr gesagt "komm wir gehen erst mal in dein Zimmer" - es wurde nicht besser. Ich brauchte einen Szenenwechsel - der kam in Form der Versichertenkarte, die meine Mutter dann doch in ihrer Tasche fand und die ich dann ins PflegerInnenzimmer brachte. Ich liess sie mit Bedacht stehen und das Weinen war auch sofort versiegt und alles ging wieder.

    Das kann und konnte sie immer schon auf Komando - es soll wirklich nicht kalt klingen, aber mit dieser Ruhe ging ich "damals" (sie werden im März 18 <3 <3 <3 )auch an unsere bockigen Drillingsjungs ran - einfach erst mal stehenlassen - oder auf dem Weg knien lassen, natürlich wenn nicht grad gefährlich).


    Mir scheint, bei meiner Mutter ist mal wieder durchgedrungen, dass sie nicht mehr alleine existieren, geschweige denn leben, kann. Das betonte sie dann auch wieder heute "ich die immer so freiheitsliebend war" - als ich ihr sagte dass das aber auf alle alten Leutchen im Heim zutrifft, schaute sie mich richtig ungläubig an. Wir alle anderen existieren (und existierten) für sie einfach nicht.


    Mein armer Papa. Ruhe in Frieden.

    Ich verstehe mittlerweile so gut, dass er nur mit der nicht-hinhören-Taktik neben ihr überleben konnte.

    Ich verstehe aber nicht warum. Aber das ist ja auch nicht meine Baustelle/ Angelegenheit.


    Also es fiel fast keine Anschuldigung gegen mich, wenn man mal davon absieht, dass sie wie immer anklagend sagte dass sie im "Heim" wäre. Aber sie sagte sogar dass ihre Nachbarn (zuhause) ihr in ihrem Zustand wohl auch nicht mehr helfen könnten oder sie immer fahren könnten. Immer der gleiche Kreislauf. Oh ich war sogar mutig: "die Pflegerin sagte mir dass Du sehr unhöflich bist" "Bin ich nur zu unhöflichen Pflegerinnen" "Weiss Du mich mal zurecht"-aber nicht sooo böse gesagt. Als sie sich wieder über die anderen Bewohner ausgelassen hatte "Mutti Du bist genauso alt" "Aber wenigstens bin ich noch ganz klar" ooooh und ich antwortete "das denkst Du" ohhhh....und sie sagte ...nichts.


    Nun nach einer undramatischen Verabschiedung (wieder im Kalender notieren) rief ich die Heimleiterin an (die mit der narzistischen Mutter, sie versteht alles sehr gut).

    So waren wir uns auch heute einig: meine Mutter ist wie sie ist, da verwirrt ein Tapetenwechsel in die Psychiatrie nur arg. Sie erzählt e auch dass meine Mutter sich im Heim wie immer verhält und auch isst, den "Rest" haben sie im Auge.


    Auf so viel Action war ich heute garnicht gefasst. Bin aber gefasst. Und ein klitzekleines Bisschen gestresst.


    <3 Alles Gute Alfi <3

  • Status Quo heute morgen: echt gestresst. Es.kommt.einfach.keine.Ruhe! Immer diese 2 Extreme: entweder aggressive Grundstimmung und 100% Selbstüberschätzung oder darliegendes klagendes Elend.

  • Liebe alfskjoni,


    ich muss immer schmunzeln über deinen Humor, trotz der ernsten Lage. Was du so schreibst, ist eine bestimmte Art von Verhalten in der Demenz, die öfters vorkommt, mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt.

    Für die Demenzkranke ist ihr Erleben absolut real, aber das weißt Du selbst auch. Umso mehr freut es mich, dass es einigermaßen gut für Dich gelaufen ist zumindest gestern.

    Und heute wieder das komplette Programm für Dich.


    Fühle Dich verstanden und gedrückt

  • Liebe SunnyBee, Grau-Weiß und kurz: liebe ich. Hatte auch ganz lange sehr kurze Haare mit der kurzen Pony. 🤩

  • Liebe Teutoburger,

    Ja las sich echt eher witzig.

    🤔 bin ich ein Spaßvogel oder Meisterin im Verdecken? Beides.


    Heute hatte ich immerhin so eine feste Klammer um mein Herz, dass ich meine Trainerin bat, meine pompöse flauschige hellbeigefarbene Stute 👿 zu reiten.

    Dann war ich noch mit meinen Jungs na wo wohl 🍟 und die Klammer am Herz ist wieder weg.

    Alles Gute Alfi🐽

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde und danke für die Gedanken zu meiner Frage: Können Sie sich vorstellen, dass sogar narzisstische demenzerkrankte Mütter Ihren Töchtern danken könnten, dass diese für sich selbst so gut gesorgt haben, sodass sie trotz allem die Kraft behalten konnten, bis zuletzt für eine Mutter da zu sein, die das Leben der Kinder so schwer gemacht hat...


    Hinter dieser - zugegeben - umständlichen und schwierigen Frage stehen zwei psychologische Gedanken:


    1. Irgendwann im Laufe der schweren Demenz werden die Ursachen, Auslöser, Trigger oder Verstärker der schwierigen Persönlichkeit vergessen.


    Vielleicht sind diese durch verletzende frühkindliche Erfahrungen entstanden, weil es niemanden in der Kindheit gab, der dieses unvoreingenommene unerschütterliche Vertrauen dem damaligen Kind schenken konnte, egal wie trotzig, selbstgefällig, ... oder "böse" es sich zeigte.


    Wir haben hier oft miterlebt, dass diese Verhaltensmuster aufhören, wenn sie nicht mehr bedient werden. Ein schönes Beispiel dazu haben Sie, Alfskjoni gerade gegeben, Sie sind bei sich und stark geblieben, obwohl es so schwer war!


    Wenn an diese alte verletzte Stelle nun die Tochter als eine starke Person tritt, die für sich sorgt - ohne z.B. abzuwerten und zu kränken - entsteht das, was wir auch in einer Psychotherapie erleben können: Eine Erfahrung von grundlegendem Vertrauen und Bindung.


    Das Problem ist nur, dass solche Erkenntnisse oder Aha-Erlebnisse aufgrund der Demenz immer wieder vergessen werden. Wir - das Umfeld des Menschen mit Demenz - können oder sollten sie also ganz selbstverständlich wiederholen - so oft es geht, am besten mit einem validierenden Ritual.


    Vor vielen Jahren habe ich unter diesem Gedanken ein Konzept für eine Kurztherapie für Menschen mit Demenz konzipiert. In einigen Sitzungen oder Gesprächen habe ich die wichtigsten Themen herausgearbeitet und erprobt, welche Interventionen sinnvoll oder wirksam sind. Dieses Therapeuten-Wissen habe ich dann an Angehörige und Mitarbeitende weitergegeben, damit "meine" Interventionen so oft wie irgend möglich gemacht werden konnten - von Menschen die in einer täglichen Bindung stehen.


    2. Der zweite Gedanke steht für eine Grundlage der Pflegeversicherung, in der viele Leistungen für die pflegenden Angehörigen geschaffen wurden, aus einem einfachen Grund:

    Wenn es den Pflegenden gut geht soll, muss es auch der Hauptpflegeperson gut gehen.


    Bei Kindern von narzisstischen Menschen mit Demenz ist dies besonders schwierig, denn die Selbstpflege ist (eigentlich) nur im Außen möglich, zu stark sind die alten abwertenden toxischen Muster, die einen Dank für sich aufopfernden Kinder unmöglich machen.


    Umso wichtiger ist genau das, was wir hier in diesem Forum gemeinsam erleben dürfen: Anstelle des schlechten Gewissens (als logische Folge der toxischen Muster) trat immer mehr ein gutes Gewissen durch die gegenseitige Unterstützung und durch (Aha-)Erkenntnisse.

    Aus diesem Grund habe ich Ihnen hier im Forum oft gewünscht, das "richtige" Verhalten, also z.B. die Abgrenzung, mit dem besten Gewissen zu üben.

    Vielleicht gelingt dies leichter, wenn Sie sich vorstellen können, dass tief im Inneren eines narzisstischen Menschen mit Demenz eine Art Dankbarkeit vorhanden ist, dass die Kinder trotz Allem den Kontakt aufrechterhalten, sich kümmern und sich "richtig" verhalten, weil sie toxische Muster nicht mehr verstärken.


    Können Sie sich das vorstellen oder ist es abwegig?

    Ihr Martin Hamborg

  • Lieber Herr Hamborg,

    Ihr Text ist seltsam beruhigend. Seltsam deshalb, weil ich mich eigentlich so hilflos fühle.


    Aber…also ich muss Ihren Text wirklich noch einige Male lesen, vielleicht sogar laut: er ist voller Wissen. So wie ein Konzentrat.

    Dankeschön Lg Alfi🐽

  • Hallo alle, martinhamborg

    wenn Sie sich vorstellen können, dass tief im Inneren eines narzisstischen Menschen mit Demenz eine Art Dankbarkeit vorhanden ist,

    Es ist schon seltsam ... meine Mutter bedankt sich oft bei mir - für den Anruf, den Besuch, das Mitbringen von Wein und Schokolade, etc. ... aber ich habe festgestellt, dass es mir schwer fällt, die Dankbarkeit anzunehmen. Es ist fast so, als ob ich misstrauisch bin, inwieweit ich der Situation trauen kann ... Da kann man mal sehen, was die vielen Jahre im Umgang mit meiner Mutter mit mir gemacht haben ...

    Alfskjoni

    Traurig, dass Du wieder so eine negative Erfahrung mit Deiner Mutter machen musstest ... es liest sich ein bisschen so, also ob Deine Mutter ihre Defizite und den Verlust ihrer Fähigkeiten spürt, aber mit dem verbliebenen Willen dagegen ankämpft ... Bleib' Du nur schön bei Dir und sichere Deine Grenzen, mit dem Fortschreiten der Zeit - und der Demenz - wird es sicher ruhiger werden.


    Noch ein schönes Wochenende!

    SunnyBee

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