Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Hallo Ihr alle, hach, dieses Forum ist Lebenselixier. Ihr glaubt garnicht, wie oft ich Euch und Herrn Hamborg zitiere bei meinem Mann, Pflegern, Ärztin etc.


    Also jaja - es gibt keinen Holzhammer als Emoji. Aber den habt Ihr mir ja alle auf den Kopf gekloppt: Abstand.

    Und nicht die Ute-Methode: wenn ich noch ein bisschen warte/ lieber bin/ mehr erkläre.


    Jaja Ute! 8)

  • Liebe UteSchnute, auch für dich freue ich mich über deine letzten positiven Erfahrungen - da gilt dasselbe, was ich auch für Rose60 schrieb.

    Und ja, schreib doch ein Buch ... eins, das sehr realistisch über all die eigenen Erfahrungen berichtet ... und das trotzdem Hoffnung gibt, dass man das alles überstehen kann (und ja auch muss). Ich selbst konnte mich und meine Erfahrungen in manchen sehr rührend geschriebenen Erfahrungsberichten nicht wiederfinden ... erst in diesem Forum traf ich auf Menschen, denen es ähnlich ging wie mir. Liebe Grüße

    Schwarzerkater ich bin nächstes Jahr 2 Wochen auf Römö. Nur ich, kein Hund, kein Mensch. Da wird der 1. Entwurf zusammengebaut. Bin schon beim Strukturieren. :/LG Ute <3

  • Und nicht die Ute-Methode: wenn ich noch ein bisschen warte/ lieber bin/ mehr erkläre.

    Liebe Ute,


    ich habe da auch meine Erfahrungen mit gemacht. Wenn wegen der Demenz arge Charaktereinbrüche da waren und meine Anwesenheit dem anderen nicht gut getan haben, dann habe auch ich den Raum verlassen, war spazieren, habe andere Sachen im Heim erledigt (Gespräche) oder ich war etwas einkaufen gegangen. Entweder war danach alles besser, dann bin ich geblieben und wenn nicht, dann bin ich ohne schlechtes Gewissen gegangen.


    Ich denke, man sollte hier immer individuell entscheiden. Meine Erfahrung ist auch die, dass es manchmal klar und offensichtlich gewesen ist, wenn schlimme Aussetzer da waren, und man praktisch zum schlimmsten Dieb und Mörder abgestempelt worden ist oder wenn es eher etwas diffus gewesen ist.


    Anfangs ist das tatsächlich nicht so leicht, aber es wird mit der Zeit bei einem selbst besser. Aber es gibt natürlich auch immer mal wieder Situationen, die einen überfordern können. Da war und ist dieses Forum, und seine Mitschreiber, einfach nur Gold wert.


    Beste Grüße an Dich und alle anderen, die hier mitlesen

  • Hallo Ihr, ich habe in den letzten 2 Tagen hoffentlich einen neuen Meilenstein genommen.


    Nach dem freitäglichen Besuch bei meiner Mutter war ich niedergeschlagen wie lange nicht/ noch nie.

    Und dann war ich auch noch nicht mal bei Mc Donalds, weil die Kinder Ferien haben und zuhause warteten 🫤ich muss mich ja selbst ein bisschen verulken und „gutlaunen“🥹.


    Nun Ihr habt mir ja alle zu Recht entgegengerufen HALTE ABSTAND.


    Aber da war immer noch so ein Gefühl: da ist noch mehr.


    Und dann habe ich gegoogelt: Demente Narzisten“…

    ….und dann habe ich gedacht: Hey!


    Ich zitiere:


    „….

  • Danke, Ute, da sind viele hilfreiche Gedanken auch für mich dabei.

    Ich würde meine Mutter zwar nicht als narzistisch bezeichnen , aber durch die Demenz mit deutlich eingeschränkter Wahrnehmung eher ich-bezogen.

    Den Punkt "Verzeihen" finde ich wichtig, da man mit innerem Groll auf Dauer auch die eigene Seele verletzt. Ich hatte vor einiger Zeit ein wichtiges Gespräch mit dem Heimseelsorger, saß in Tränen aufgelöst vor ihm, hatte permanent das Gefühl nicht genug zu tun, nicht genug zu sein , das war schlimm.. Er empfahl mir, dringend "die Fäden in der Hand " zu behalten, also grundsätzlich den Rahmen, die Dauer von Besuchen vorzugeben. Das war für mich sehr hilfreich. Immer noch habe ich das Gefühl eines (mittlerweile kleineren) inneren Magneten, doch mit der Zeit stärkt es mich eben so zu handeln wie mir empfohlen wurde und meine Mutter scheint mehr Respekt mir gegenüber zu haben.

    Was, denkst du, würde schlimmstenfalls passieren, wenn du mehr auf Abstand gehst? Liebesverlust von deiner Mutter? Bist du davon noch abhängig im jetzigen Alter? Kannst du deine Energie mittlerweile auch mehr in die Menschen geben, die dir guttun?

    (Nur zum Nachdenken ;) )

    Bin auch gespannt, was andere zum obigen Text meinen.

    Liebe Grüße

    Rose60

  • Liebe Rose,

    ja was habe ich für Ängste bei dem Abstand?

    Meine Mutter hat zwischen bettlägerigen Demenzen Phasen immer sehr rüstige: ich glaube, das liebe Kind ist mal wieder das Problem: ich kann schlecht ertragen, wenn sie jedem Taxifahrer, der einen entfernten Bekannten, die sie wöchentlich anruft, jedem Pfleger, jedem Bewohner erzählt, dass ich sie eingesperrt habe gegen ihren Willen.


    Und dass Sie einfach und nie Ruhe gibt bis sie ihr Ziel erreicht hat.

    Auch wenn mir die Pflegeleitung, die Heimleitung, die Ärztin, mein Mann sowieso, die Nachbarn F., die so traumhaft die letzten 5 Monate geholfen haben,... versichern, dass sie definitiv nicht mehr alleine leben kann.

    Ich hab da noch dieses dumme Kinderohr, das es der Mutter recht machen will. Und das nervt mich auch, wie alle anderen.



    Aber ich trete bei ihr wirklich gut und ruhig auf. Da bin ich recht zufrieden.

    Nur innendrin ist dann bei mir anschliessend oft Wirbelsturm.



    Das mit dem Verzeihen geht interessanterweise. Unglaublicherweise. Zumeist.



    Alles Gute Ute

  • Liebe Ute -


    danke für's Googlen: Ich erkenne meine Mutter darin wieder. Ich habe ein paar Tage jetzt nur mitgelesen, mit meiner Mutter lief es recht gut. Wir haben telefoniert, unterschiedliche Bekannte haben sie mit zum Gottesdienst genommen. Am Freitag bin ich dann zu ihr gefahren, wollte eigentlich bis einschl. heute bleiben, bin aber gestern schon zurück. Es war nicht mehr auszuhalten. Ab 3.20 Uhr (ca.) war jedes Mal die Nacht zuende. Meine Mutter ist ja immer schon nachts ab und an aufgestanden, hat alle Türen aufgemacht und ist dann wieder ins Bett. Dieses Mal ist sie aufgestanden, schimpfte vor sich hin, dass ich ihr "alles genommen" habe, sie "fertigmachen will" usw. Tür zu meinem Zimmer aufgerissen, Licht im Flur an (ich habe die Birnen in meinem Zimmer deswegen lose gedreht). Das Ganze alle 15 Min. bis ich dann gegen 4.30 Uhr einfach aufgestanden bin. An Schlafen war eh nicht mehr zu denken. In der Nacht von Sonntag auf Montag der nächste "Höhepunkt": Ich wurde nicht nur beschimpft, sondern mit irgendwelchen Sachen (Hosen, T-Shirts, Taschen) beschmissen. Da hatte ich schon beschlossen, am Montag zu fahren. Fazit: ich werde das nächste Mal im Hotel schlafen. Da kann ich schlafen und auch in Ruhe duschen - meine Mutter ist jedes Mal hinterher ins Bad, wenn ich geduscht habe, weil sie nicht wusste, wo ich bin. Obwohl ich es ihr gesagt habe.


    Ihre Nachbarn hatten mich da schon abgefangen und mir gesagt, dass sie 2x hingefallen ist, aber nicht ins Krankenhaus wollte. Dass sie ja keinen Adventskranz kaufen solle, weil sie Angst wegen Feuer haben (also habe ich erst einmal alle Streichhölzer eingesammelt und weggeworfen) usw. Das hat meine Mutter bei einer der Nachbarinnen mitbekommen und sich fürchterlich aufgeregt. Da war sie auf einmal offen für Umzug in betreutes Wohnen, Vorsorgevollmacht usw. Leider war kein Drucker da, um das Papier auszudrucken und direkt unterschreiben zu lassen. Aber von da an ging es bergab.


    Wenn sie sich aufregt, bekommt sie jetzt Wutanfälle und schmeißt Dinge durch die Gegend. Als sie mitbekommen hat, dass ich am Nachmittag fahre, hat sie meine Tasche, Schuhe, Klamotten durch die Gegend geworfen, dann die Sachen in meinem bereits fast gepackten Koffer rausgeholt und im gesamten Zimmer verteilt, ebenso Kissen, Bettdecken usw. Aber sie ist das ja nicht gewesen.


    Sie wollte dann ihre Bekannte anrufen, hatte aber meine Telefonnummer gewählt. Dann wollte sie zur Bekannten gehen, die habe ich dann erst einmal vorgewarnt, aber sie ist dort wohl nicht aufgetaucht. Woher sie meine Telefonnummer hat, weiß ich nicht - ich leere den Telefonspeicher, wenn ich bei ihr bin, weil ich keine 60 Nachrichten bekommen möchte. Auch wenn sie geblockt ist, es stresst mich, wenn ich so viele Nachrichten dann sehe. Momentan geht alles wieder von vorne los: Um 9 Uhr haben wir telefoniert. Jetzt habe ich schon wieder ein gutes Dutzend Nachrichten auf der Voicemail. Ich hatte dann nochmal kurz angerufen, da ging sie auf mich los: ich hätte irgendwelche Zettel bei ihr rumgeschmissen (nein, habe ich nicht), ich soll gefälligst kommen und die einsammeln. Nein, ich werde mich jetzt nicht 8 Stunden in den Zug setzen und ein paar Zettel einsammeln, die sie rumgeschmissen hat. Ich bin dabei wirklich ruhig geblieben, aber sie flippte immer mehr aus. Fazit: Sie meinte, ich soll meine Klappe halten und legte auf. Die Nachrichten hören natürlich nicht auf.


    So kann das wirklich nicht weitergehen. Wenn sie die Vorsorgevollmacht nicht unterschreibt, dann muss ich leider den Gerichtsweg einschlagen. Ich sehe nicht, wie sie noch lange in ihrer Wohnung wohnen kann. Deswegen werde ich diese Woche bei einem Heim nachfragen, was Konditionen für betreutes Wohnung etc. sind. Mein Vater war dort in Kurzzeitpflege und der demente Vater einer Freundin war dort - beide wurden dort sehr gut betreut. Meine Mutter hat seit meinem letzten Besuch deutlich abgebaut und wird mir gegenüber immer aggressiver. Ich hatte gestern mit Bekannten von ihr gesprochen und ihnen davon erzählt, sie haben mich wirklich aufgebaut und unterstützt. Ich bin mir sehr bewusst, dass es sein kann, dass meine Mutter nie wieder ein Wort mit mir spricht, wenn sie in betreutes Wohnen / Heim gehen muss. Und ich werde einen Arzttermin (vorgeblich wegen einer anderen Sache) ausmachen und dort mit ihr hingehen. Ich hoffe, das sind erste Schritte, die funktionieren werden. Sie sieht immer noch nicht, dass sie abbaut - ich bin ja diejenige, die "sie nicht alle hat" und "bekloppt ist".

    Sorry für den langen Post, aber alles runterzuschreiben hat mir gerade wirklich geholfen.

  • Liebe Tanja,

    Was Du aushältst!

    Auf jeden Fall würde ich, auch für Deine Gesundheit, nur noch zu klar definierten Zeiten zu Deiner Mutter fahren und definitiv im Hotel übernachten. Sie könnte Dir auch mal gefährlich werden? Und Du brauchst unbedingt Erholungsphasen beim Besuch.


    Kaputter Drucker? ohje! Du hast Recht Vorsorgevollmacht/ ges. Betreuung müssen sofort her.

    Hast Du keinen „Charmbolzen“, der beim Unterschriftstermin dabei ist? Bei mir war es mein Mann. Freund/ Bekannter/ Nachbar/ Arzt? Denn sie braucht Hilfe.und DU auch❤️.


    Meinst Du, zu ihr passt noch betreutes Wohnen?

    Die Heimleiterin sagte mir, man kann das mit einer Frage abklären: Kann sie noch nachts alleine sein? nein! Würde ich auch mal sagen bei Deiner Mutter. In fremder Umgebung ist sie (anfangs) vielleicht noch …spezieller.


    Langes Schreiben: Du es ging doch nicht kürzer bei Dir…sonst hättest Du nicht alles gesagt! Ich fand’s interessant und spannend und hab mich gefragt, wie Du DAS aushält.


    Ich nehme mir auch immer vor: also Ute nur 3 Sätze…alles klar.


    Alles Gute Ute 🌸

  • Hallo Tanja,

    "Betreutes Wohnen" bedeutet eigentlich eine eigene seniorengerechte Wohnung mit der Möglichkeit einen Pflegedienst dazuzubuchen.. das meinst du vermutlich nicht, oder?

    Da ist wohl ein Pflegeheimplatz notwendig, erstmal über Kurzzeitpflege oft möglich. Wenn du die Vollmacht nicht bekommst , Antrag auf rechtliche Betreuung stellen, geht formlos beim zuständigen Betreuungsgericht, dauert aber ne Zeit.

    Hausarzt einschalten? Begib dich bitte nicht mehr in Gefahr, im aktuellen Zustand kannst du deine Mutter nicht "retten", aber dich erstmal. Es tut mir sehr leid für dich, du hast soviel Einsatz gezeigt und trotzdem diese Entwicklung und immer den Wind von vorne...

    Hast du schon mit dem sozialpsych. Dienst der Stadt gesprochen? Die kennen sich vor Ort ja gut aus. Notfalls die Nachbarn instruieren den RTW zu rufen?

    Meine Güte, welche Auswüchse diese Krankheit haben kann.. ich weiß aber wirklich von einigen solcher Fälle, die dann durch die Psychiatrie gezähmt wurden, leider nicht selten und dafür gibt's die!!

    Liebe Grüße und alles Gute für dich und deine kämpfende Mutter,

    Rose 60

  • Liebe Tanja,

    ich habe vieles ähnlich wie du (und andere) erlebt. Meine Mutter ist vermutlich auch eine Narzistin. Hauptopfer war mein Vater - ich habe sie in meinem Erwachsenenleben intuitiv immer auf Abstand gehalten. Und als ich Kind war, hatte sie meist keine Zeit für mich, dafür hatte ich in den ersten Jahren eine sehr liebevolle Oma und bis heute eine ebensolche Tante.

    Meine Mutter und ich hatten immer eine sehr distanzierte Beziehung, ich war mir immer bewusst, dass alles was ich tue falsch und nicht gut genug ist. Mit Beginn der Demenz hatte meine Mutter einen schweren Unfall, ein Sturz bei einer ihren nächtlichen Aktivitäten. Und ab da konnte ich den Abstand nicht mehr halten, weil ich ja helfen musste. Und da ging es richtig los: Beschimpfungen, Lügen, Anschuldigungen, Telefonterror rund um die Uhr. Ich fühlte mich regelrecht erschlagen. Bsp.: ich putze bei ihr die Fenster, habe wie jede Woche den Einkauf erledigt, gekocht.....Madame liegt auf ihrem Pflegebett und telefoniert: "mir geht es ja so schlecht, keiner hilft mir und meine Tochter hat sich auch seit Monaten nicht mehr blicken lassen".

    Ich war völlig fertig, mein Sohn war zwei Jahre zuvor gestorben und ich noch dabei, mich selber wieder zu finden und zusammenzusetzen. Ich konnte damals nicht mehr schlafen, hatte schlimme Panikattacken, viel zu hohen Blutdruck u.s.w. Eine Psychologin hat damals festgestellt, dass es sich bei meiner Mutter vermutlich um eine Narzistin handelt. Mir hat diese Einsicht sehr geholfen, vieles was passiert war, konnte ich verstehen und bestimmte Muster bei mir selbst erkennen. Kennst du die Seite "Töchter narzistischer Mütter"? Fand ich damals sehr hilfreich. Auf jeden Fall weiß ich nicht, ob ich ohne diese Einsichten den weiteren Weg meiner Mutter in die Demenz hätte so gut begleiten können. Vermutlich wäre ich gesundheitlich auf der Strecke geblieben.

    Auf jeden Fall, hat die Demenz meine Mutter sehr verändert, sie ist zwar immer noch die barsche Frau, die meint, außer ihr sind alle doof und unfähig, aber mir gegenüber ist sie sehr friedlich geworden und letztens hat mir doch eine Bekannte, die sie im Pflegeheim besucht hat, erzählt, dass sie gesagt hat "wie lieb ich sei"!!!!????

    Also an alle die noch in der "kriegerischen Phase" sind - bitte nicht den Mut verlieren!

    LG never

  • Liebe alle -


    ganz lieben Dank für's Zuhören, für die guten Tipps und vor allem auch für euren Zuspruch. Das hat mir Mut gemacht und mich auch bestärkt, dass es so nicht weitergehen kann.

    ich bin mir tatsächlich nicht mehr sicher, ob betreutes Wohnen das richtige für sie ist. Ich habe aber noch den Kontakt vom Seniorenheim / betreuten Wohnen gefunden, wo mein Vater zur Kurzzeitpflege war. Dort war auch der Vater einer Freundin in der Demenzabteilung untergebracht und sie hatten nur Gutes zu berichten. Ich werde morgen Kontakt aufnehmen und dort mal nachfragen bzw. mir alles erklären lassen.

    Und dann mal wieder die Krankenkasse anfunken, wobei die sehr hilfreich sind.

    Der Tipp, dass die Nachbarn im Notfall ein RTW holen, ist gut - eine Nachbarin (die nervigste, muss ich zugeben) hat angedroht die Polizei zu holen, wenn irgendwas ist. Die anderen beiden sind da verständnisvoller. Einmal ist sie gefallen, da hat sie ihnen verboten, ein RTW zu holen. Die beiden netteren meinten schon, dass sie sich davon nicht noch einmal abbringen lassen.

    Ute: Charmebolzen - da muss ich überlegen. Vielleicht ihre Bekannte Ulla. Ansonsten gibt es niemanden - ich habe keine Geschwister oder einen Partner.

    Ich weiß jetzt zumindest, wie es weitergeht und auch wenn es hart wird, es ist der richtige Weg.

    Ich wünsche euch allen einen schönen Abend. Danke euch, dass ihr mir Mut macht.

    Alles Liebe, Tanja

  • Liebe Tanja,

    Wenn einmal ein entscheidender Weg eingestielt ist, sollte es entspannter werden, jedenfalls wenn du das Gefühl hast, deine Mutter ist dann unter Beobachtung und Versorgung. Ich habe mehrmals erlebt, dass eine Stabilisierung erfolgte, wenn die alten Menschen nicht mehr sich selbst überlassen waren und vorher mit dem selbstständigen Leben überfordert waren.

    Daher nochmal der Hinweis, dass ein Altenwohnheim nun eigentlich angesagt ist, in einer eigenen Wohnung findet keine obligatorische Betreuung statt. So ist es jedenfalls in NRW, da lebt man im sogen.betreuten Wohnen trotzdem einsam auf sich gestellt, könnte nur bei Bedarf einen Notknopf drücken, damit jemand kommt. Im Altenheim schaut man nach meiner Erfahrung regelmäßig nach den Bewohnern unter irgendeinem Vorwand und es gibt ein Angebot zur Beschäftigung. Die Pflege wird dokumentiert und regelmäßig kann ein entspr.Arzt hinzugezogen werden, die Wäsche und medik. Versorgung wird erledigt. Damit könntest du viel ruhiger werden..

    Ich war heute noch bei meiner Mutter und statt der anfangs lange Zeit vielen Vorwürfe und Anschuldigungen gegenüber Freundin, ich habe sie unter Vortäuschung falscher Tatsachen hierher gebracht, reiße mir ihre ganze Rente unter den Nagel etc., bin ich nun die liebe Tochter, die als einzige vernünftig mit ihr redet etc. Geht doch ;)

    Freu dich auf die Zeit, wenn es hoffentlich bald eine gute Lösung gibt - nun, wo es sich zuspitzt und deine Betreuung ganz offensichtlich nicht mehr ausreicht!

    Liebe Grüße

    Rose 60

  • Liebe Rose60, liebe schwarzerkater -


    lieben Dank für eure aufmunternden Worte. Heute früh geht es mir nicht so gut, wahrscheinlich noch die Nachwirkungen vom Besuch. Meine Mutter "malträtiert" mich wieder mit Anrufen, aber dank neuem Handy sehe ich die SMS nur, wenn ich aktiv nachschaue. Das senkt den Stress-Level schon deutlich, habe ich festgestellt.

    Rose: Danke für die Info zum betreuten Wohnen in NRW. Das hilft mir sehr.

    Ich habe gestern noch die Einrichtung angeschrieben und gefragt, was machbar ist. Als nächstes kommt der Antrag für eine Pflegestufe. Das hatte ich meiner Mutter so verkauft, dass sie dann Hilfe bekommen könnte, wenn sie sie benötigt, sie aber nicht zwangsweise annehmen muss. Das kam in dem Moment auch gut an. Vielleicht klappt es ja.

    Liebe Grüße & einen schönen Tag euch,

    Tanja

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, wieder ein mal war ich beeindruckt von den wertvollen Gedanken und Anregungen. Einige möchte ich aufgreifen und weiterführen.


    Demenz verstärkt das Widerstandsmuster, danke für diese "Weisheit der Stunde", SchwarzerKater! Ich möchte nur hinzufügen: Dann sollten wir es nicht noch mehr verstärken und mit dem besten Gefühl jeden gegenseitig aufschaukelnden Konflikt vermeiden! Mit dieser Erkenntnis oder wie es die Pflegekräfte lernen (sollen) "Verstehenshypothese" ist es mit besten Gewissen möglich, aus dem Konflikt zu gehen, Grenzen zu setzten und die Situation zu verlassen! Sie hilft uns vorher die "Schwimmweste" anzulegen, für manche auch eine "kugelsichere Weste" - bitte immer schon vor dem Besuch!


    Die andere "Verstehenshypothese" lädt zum Handeln mit einem guten Gewissen ein: Vielleicht bin ich die Tochter einer narzisstischen Mutter, die nur aus der Beziehungsfalle kommt, wenn sie sich selbst ändert.

    Dabei ist nicht die Diagnose mit Krankheitswert wichtig, sondern die Frage, wie sehr war das Persönlichkeitsmerkmal für mich toxisch, wie sehr haben meine Eltern auf meine Kosten mit mir ein giftiges Spiel gemacht?


    Wenn wir auf Grundlage dieser Erklärung das Spiel nicht mehr mitmachen und (endlich mal) an uns denken, uns schützen und unsere Liebe durch Abstand und Klarheit zeigen... hat das weniger Nebenwirkungen als die "Ute-Methode" - Ihre humorvolle Selbstbetr-achtung freut mich immer wieder neu!


    Manchmal hilft es ein wenig, wenn wir uns klar machen: Das was wir unseren Eltern erklären wollen, erklären wir eigentlich uns selbst - so oft bis wir es verstanden haben!

    Dann ist es auch einfacher, den "inneren Wirbelsturm" in die richtige Richtung abziehen zu lassen ... und sich das selbst zu erlauben oder noch einmal die Erlaubnis hier aus unserer Runde zu holen!


    Bei Ihrem Gedanken, Rose60, kam mir der Gedanke Verzeihen ist auch ein Selbstschutz der sogar alte Verletzungen heilen kann - aber der Weg dahin ist oft sehr steinig und es ist schwer dabei die Orientierung zu behalten.

    Wie geht es uns, wenn wir sagen: Wir verzeihen Dir jetzt Deine Bosheit gegen mich ...? (obwohl sie immer wieder weh tut, sie unrecht ist und Folge einer schweren Krankheit)


    Allen eine eine gute Woche und ich bin gespannt auf die neuen "Weisheiten der Stunde"!

    Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo TanjaS,

    Bei dem was ich in meinem vorherigen Beitrag schrieb, habe ich besonders an Sie gedacht.


    Das was Sie gerade durchmachen, kann alles in ein toxisch-narzistisches Spiel beschrieben werden, in dem nur Sie die Spielregeln ändern können, denn Ihre Mutter ist dement und Ihre mutmaßliche Persönlichkeitsstörung schaukeln sich in diesem kranken Spiel gegenseitig auf. Ich schreibe bewußt von einem Spiel, weil Sie sich mit diesem Perspektivenwechsel leichter aus der Verstrickung lösen können - und dabei auf einem guten Weg sind.


    Kleine Rückschritte können Ihre Erkenntnis verstärken: Ihre erneute Übernachtung war ein Experiment mit dem Sie noch einmal Ihren Eindruck bestätigen können. Sie müssen sich das nicht immer "antun".

    Ihre Mutter steigert sich immer mehr rein bis zur klärenden Krisis - Sie steigen aus und handeln.


    Auch ich sehe Ihre Mutter eher im Heim als im Betreuten Wohnen, aber der Weg kann über eine Klinik einfacher sein. Deshalb ist es m.E. kein Fehler, wenn eine Nachbarin die Polizei einschaltet und damit die not-wendenden Wege eingeleitet werden.


    Da Sie Ihre Mutter schützen wollen, können Sie den sozialpsychiatrischen Dienst ausführlich informieren, Ihre Erlebnisse haben sie hier eindrücklich beschrieben und Sie können auf unsere Empfehlungen in einem offiziellen Forum hinweisen.


    Never20 hat Ihnen geschrieben, wie hilfreich dieser neue Blick auf das Problem sein kann. Wenn Sie jetzt konsequent als Tochter einer narzisstischen Mutter handeln ist das m.E. richtig, weil die Richtung stimmt.

    Wenn Sie durch die "Diagnose" ein schlechtes Gewissen bekommen sollten, - bitte denken Sie daran: Auch der schlimmste Narzisst hat noch seine guten Seiten, die uns bei dem Aufbau einer neuen besseren Beziehung helfen. Übrigens, auch die zunehmende Demenz wird irgendwann einen positiven Effekt haben.

    Ihnen viel Kraft und Klarheit, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo alle,

    mein gestriger Freitagsbesuch war gut überlebbar: ich hatte mich mit der Pflegeleiterin bei meiner Mutter verabredet, wir haben dann beide ein bisschen Smalltalk mit meiner Mutter gemacht - in Anwesenheit Dritter ist sie ja immer wesentlich höflicher und hört mir sogar zu - hach wie angenehm.

    Ihr schlechter Gesundheitszustand war Thema - mein Alter wusste sie auch nicht mehr ganz genau.

    Bin dann mit der Pflegeleiterin auf den Flur gegangen, habe mich inbrünstig bedankt und sie sagte mir auch: bei Unfreundlichkeit direkt gehen: nun als ich dann zurück zu meiner Mutter ging und ihr sagte "Frau B. ist aber auch wirklich nett"...da ging es schon wieder los: "nett - ich finde keinen mehr schnell nett" Tenor sie vertraut keinem. Und dann ging es wieder los. Nungut als fortgeschrittenere Demententochter wusste ich dann ja von ALLEN :* dass ich den freundlichen Abgang zum rechten Bühnenrand vollziehen sollte.


    Also da ich mich immer bei ihren Anschuldigungen so gelähmt und schuldig fühle habe ich eine Termin bei einer mir empfohlenen Psychotherapeutin gemacht - um den Sorgenkreisel in meinem Kopf mal zu stoppen. Ich bin gespannt. Auch wortwörtlich: ein bisschen weniger Anspannung täte mir gut.


    Habe mir das Buch "Die narzistische Mutter" von Seven Grüttefien gekauft - es liest sich für mich wie ein Krimi: mit vielen OHs und AHs.

    1. zB hat meine Mutter mich immer als extrem schwierigen Teenager beschrieben - und ich fühlte mich deshalb immer schlecht - und andere nahmen mich eher als viel zu liebes (Spiessiges) Mädchen wahr - das hab ich immer nicht kapiert - die narzistische Mutter redet einem das ein
    2. sie sagte und sagt auch immer: ab 7 war es mit mir vorbei - das tat und tut immer sehr weh: sie hat hellblond gefärbte Haare und bis 7 war ich weissblond - danach dunkelblond - und mein Charakter formte sich. Aber wie sagt sie immer so schön: man möchte ja am liebsten eine Tochter, die genauso ist wie man selbst. Das konnte ich irgendwie immer alles nicht verstehen. ;)Haha da hat sie aber auch Pech mit einer Tochter, die eigentlich immer nur Natur und Pferde im Kopf hatte und die sich nie "fein" anziehen wollte - sie hätte ja auch eine geschniegelte Tochter haben können.
    3. ich habe in einigen Städten bis Anfang 30 ein bisschen Karriere gemacht - mit längeren Beziehungen (natürlich in ihren Augen "Finten").
      "Dich heiratet sowieso keiner - ICH konnte mich vor Verehrern garnicht retten" (also mal ganz ehrlich wenn ich so ihre Fotos von 20-30 anschaue - hab ja grad die Wohnung ausgeräumt - ich lobe mich ja nicht gerne selbst, aber...)
      Und dann habe ich meinen Traummann kennengelernt - super aussehend, beruflich erfolgreich, gross, sportlich - und offensichtlich superverliebt in mich (keine Sorge nach 22 Jahren ist alles in wesentlich ruhigeren Fahrwassern ;)) - der mir auch noch ein Haus auf meinen Namen gekauft hat uuuund wir haben auch noch 3 schöne Drillingsjungs bekommen. Ihr versteht?
      Ratet mal wer nicht zur Hilfe mit den Babys, zur Taufe, zur Einschulung und überhaupt kam...da war immer so ein surrealer Schmerz, ich fühlte mich immer schlecht und unwert und entsetzlich traurig ach ja und natürlich irgendwie böse.

    Tjaaaa ....bin ja mit 21 ausgezogen...hat keiner verstanden aus meinem Umfeld, weil ich doch so einen "Liebes Mädchen-Eindruck" gemacht habe. Hab dann ganz gute Ute gesagt, ich wolle die Welt sehen - weil Schuld war ja immer ich.


    Also diese Demenz ist nicht einfach nur eine Demenz - sie kehrt alles upsite down.

    Plötzlich wieder Nähe zur Mutter, und es KANN mit den alten Mustern garnicht funktionieren.


    Aber wisst Ihr was? Ich bleibe dran: Ruhig und nicht vergessend: es ist meine Mutter. und auch sie wurde irgendwann so zu der geformt, die sie ist.


    Wie bei meiner hellen Stute (Isabellfarbend) - habe sie sehr günstig gekauft, sie war noch vor 4 Jahren doppelt so teuer - weil sie einfach so unbändig war und so hypernervös. Und dadurch kaum halt- und reitbar. Ich hab sie im Internet gesehen und wusste, das ist MEINE. Die Besitzerin war ganz glücklich, dass das Pferd in ihrer komplizierten Verfassung nicht auf Tunieren „plattgeschrubbt“ wurde. Es gab Interessenten bis aus Österreich. So gab sie mir die wunderschöne native Isländerin zu einem sehr niedrigen Preis. Also für mich war es viel.

    Jetzt wo ich älter werde werde ich beim Reiten immer vorsichtiger - also hab ich schon ganz schöne innere Kämpfe ausgetragen - wegen Panik - aber ganz ehrlich war Sie nie gruselig zu mir - ich kann sehr stoisch ruhig sein - und wisst Ihr was? Wir sind heute sehr schnell und kraftvoll getöltet (Islandpferd) - zum Schluss hab ich zu Ihr gesagt: Ran das war sooo supersupertoll ich liebe Dich - und da hat sie gewiehert - das hab ich noch nie erlebt - klar war das auch ihre Vorfreude auf ein Leckerlie, wenn Ute schon so überschwänglich lobt. Aber egal.


    Alles Gute Ute

    2 Mal editiert, zuletzt von Alfskjoni () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Liebe Ute,

    Nach dem was du aus deiner Kindheit und Jugend schreibst, wird mir klar, warum du dich so anstrengst und schlecht loslassen kannst. Du hast dich (verständlicherweise) nach den früheren Reaktionen deiner Mutter nicht richtig und gut genug gefühlt und dann rennt "man/Frau" typischerweise ein Leben lang dieser gewünschten Anerkennung hinterher - also vielleicht nicht jeder, aber nach dem was ich so gelernt habe in Psychologie, ist es relativ typisch.. ich finde es eine Superidee, dies professionell aufzuarbeiten mit einer Psychotherapeutin. Das ist ein längerer Prozess, lohnt sich aber, weil man noch viel an persönlicher Freiheit und Selbstbewusstsein für sich rausholen kann.

    Habe mich selbst mehr als 50 Jahre "falsch" gefühlt, viel gelesen, beraten lassen etc. Da ist mir vieles wie Schuppen von den Augen gefallen. Du schaffst das, nicht mit dir ist etwas falsch, sondern deine Mutter hat ihre Rolle nicht angemessen eingenommen, ihre Aufgabe war, dich für die Welt stark zu machen, nicht runterzumachen!!

    Liebe Grüße

    Rose 60

  • Hallo alle zusammen,


    nach einer Woche, die ich gefühlt in meinem Auto verbracht habe, zwischen Heim und Krankenhaus , melde ich mich zurück: Meine Mutter hat sich am letzten Sonntag den Oberschenkelhals gebrochen, als sie meinem Vater beim Ausziehen der Hose helfen wollte - man klingelt ja nicht nach Hilfe, man fällt lieber. Es war nur eine Frage der Zeit, wann es passiert. Auch er stürzt ja immer wieder, weil er nicht um Hilfe bittet, "da kommt ja nie jemand", was natürlich nicht stimmt.

    Seit sie operiert ist und vor allem, seitdem sie am Freitag zurück ins Heim gekommen ist und im Bett bleiben muss, weint sie nur noch. Trösten darf ich sie nicht, dann werde ich nur angemotzt - "Du weißt, dass ich weinen muss ..." Aber das Lästern über die Mitpatientinnen im Krankenzimmer ging ganz gut, zwischen den Tränen, und mir eine reinwürgen auch.

    Mein Vater hat sie vermisst, man musste ihm jeden Tag von Neuem erklären, wo seine Frau ist, wobei er Frau und Mutter und Tochter als Begriff nicht mehr richtig einordnen kann. Er tat mir leid, weil er sie immer suchte, also habe ich ihn öfter als sonst besucht, dann erklärte er mir genaustens, welche Pläne er hat, wenn sie wieder zu Hause sind... Ich müsse mich gar nicht kümmern, nur Brot kaufen. Ich habe immer nur genickt und gesagt, ich habe verstanden.

    Seit sie wieder zusammen sind, beschimpft er sie wie zuvor und sie weint, weint, weint und beleidigt mich. Aber ich weiß es ja, ich konnte ihr ja noch nie etwas recht machen.

    Fast schon lachen musste ich, als sie meinte, "Ich weiß nicht, warum wir so kaputt sind, aber in ein Altenpflegeheim möchte ich nicht - oder sind wir schon in einem?"

    Für mich kann ich nur feststellen: Wie emotional erschöpft man sein kann, immer noch kaputter, und trotzdem macht man immer weiter. Ein Hoch auf die Resilienz.

    Liebe Grüße an alle, besonders an den Club mit den narzisstischen Müttern, gemeinsam sind wir erfahren(er) ;)

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