Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

    • Offizieller Beitrag

    Hallo UteSchnute, ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie in Ihrem 9-Punkte-Programm klar bleiben, Ihre Mutter (ab)lenken, Ihre ansteckende gute Laune behalten und sich nicht in die Töchterchenrolle drücken lassen!


    Hoffentlich gelingt es Ihnen Zimt, sich nicht zermürben zu lassen und die "Ich-kann-doch-alles-Fassade" als wichtigen Selbstschutz zu sehen und nicht als Angriff gegen Ihre richtigen und wichtigen Entscheidungen. Können Sie sagen, was früher geholfen hat, wenn "die See rauher" wurde?

    Hilft Ihnen die neue Perspektive, Großzügig-zu-Sein und das Loslassen von dem Ecia und SchwarzterKater schreiben, diese Erlaubnis der Tochter, "mit Hingabe nichts tun dürfen"?

    Dahinter steht auch die Frage, wie dement darf Ihre Mutter jetzt sein!?

    Es gibt Menschen, für die ist es auch ohne Demenz gut, dass es immer einen Schuldigen gibt. Wenn wir das erkannt haben, müssen wir diesen Schuh nicht anziehen, erst recht nicht bei einer Demenz, oder?

    Ihnen eine schöne Woche Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Zimt -


    ich kann wie Ute nur Respekt zollen und Dir alles Gute wünschen. Die Bezeichnung Energieräuber ist eine sehr gute Beschreibung. Ich hatte - in Anlehnung an die Harry Potter Romane - einer Freundin mal gesagt, dass meine Mutter zumindest zeitweise wie ein Dementor ist, sie saugt jede Freude aus einem raus. Deine Magenschmerzen sind wahrscheinlich eine Reaktion auf den psychischen Stress. :-(


    Halte durch!!

  • Heute mal etwas positives ;)

    nach den Zeiten der vielen Vorwürfe meiner Mutter, was wir bloß mit ihr machen, sie sei als einzige Normale unter lauter Verrückten, das Essen habe zu wenig Vitamine, Pfleger xy habe auch gesagt, sie solle wenigstens ins betreute wohnen umziehen, überhaupt sagen ALLE Pfleger, sie sei dort falsch, könne doch noch alles allein usw... Das was viele hier so kennen.. meine Mutter ist nun fast drei Jahre im Heim, versinkt zunehmend in ihrer eigenen Welt. Sie wird immer zufriedener, kann noch allein in den Garten gehen, spricht andere Bewohner an, wartet ständig auf das nächste Essen, freut sich wenn ich zu Besuch komme etc.

    Sie meint, sie habe ihre Cousine letztens im Fernsehen gesehen bei einer Vorführung, der Seelsorger habe ihr sein Amt angeboten, bevor er in Rente ging, aber das wolle sie nicht - ich sage dann, das es okay ist, wenn sie das nicht möchte. Und so verlaufen die Gespräche nun entspannter.

    Die Zeit und die Zunahme der Demenz spielt uns in die Karten .

    Eine gute Entwicklung wünsche ich auch anderen hier, die aktuell noch in der schwierigeren Phase stecken.

    Herzliche Grüße

  • Oh Rose wie toll ist das denn!!!!


    Da hast Du nun diese Phase, von der so viele reden und von der ich immer denke „jaja alles klar“. 3 Jahre!!!


    Fast „gruselig“ ist, dass Du doch von meiner Mutter schriebst 😳 aaaber es war Deine:

    „…Pfleger xy habe auch gesagt, sie solle wenigstens ins betreute wohnen umziehen, überhaupt sagen ALLE Pfleger, sie sei dort falsch, könne doch noch alles allein usw...“- denken sich das unsere Mütter komplett aus?

    Freu Dich des Lebens, Lg Ute🤩

  • Hallo Ute,

    Es waren nicht 3 Jahre durchgehend, als ich nach Beratung meinen Umgang mit ihr geändert habe, wurde es für mich einfacher, aber es gibt schon unterschiedliche Tagesformen. Solange man selbst noch zweifelt, ist es vermutlich besonders schwierig für uns..

    Ich glaube eher nicht, dass die dementen Menschen sich das ausdenken, vermutlich erleben sie das Meiste in ihrem Kopf wirklich so oder interpretieren Aussagen mit ihrer Wahrnehmung, eben wie Kinder ;)

    Liebe Grüße

  • Guten Morgen Rose60 (und alle anderen),

    so wie du es beschreibst, ist es tatsächlich eine Wende - das "Loslassen" wird endlich sichtbar. Sicher hat das mit der fortschreitenden Demenz zu tun, die diese Schwelle überschreitet. So traurig es ist, kann man sehr dankbar sein dafür.

    Jeder Demente durchläuft offensichtlich diese Phasen anders. So ist meiner Mutter die Gesprächsfähigkeit bereits vor mehr als einem Jahr verloren gegangen, obwohl sie durchaus komplette sinnvolle Sätze bilden kann, die sich immer noch vernünftig anhören (wenngleich sie nicht immer passen). Aber man findet einfach kein einziges Thema mehr, das zu ihr durchdringt. Ein totaler Widerspruch zum früheren Leben - da hat meine Mutter ALLES interessiert und besonders meine Tochter und sie waren die besten Gesprächspartnerinnen und haben stundenlang miteinander telefoniert, mit Gewinn für beide Seiten. (Nun interessiert sie sich für ihre Enkeltochter nicht mehr und für uns ganz sicher auch nicht.)


    Heute ist sie in dem kleinen Pflegeheim ... neben all den anderen Leutchen, die sich alle gegenseitig friedlich leben lassen. Ein Wunder, wie man das dort hinkriegt. Darunter sind auch welche, die - glaube ich - jünger sind als ich: nicht dement, aber nach Schlaganfall und schweren Unfällen, dazu eine 100jährige, ...


    Vorige Woche überreichte mir meine Mutter ein von ihr selbst ausgemaltes Bild als Geschenk - das hat mich sehr berührt.

    Und wenn die Pflegerinnen (die mittendrin sitzen) dann begeistert von ihren Hühnern und Tomaten erzählen, während sie mal eben ein Stück Kuchen auf den Teller der Bewohnerinnen legen, dann könnte ich - ganz ehrlich - einfach da bleiben. Wirklich. Es ist nicht der schlechteste Ort für jemanden wie meine Mutter.


    Liebe Rose60, genauso ein Gefühl hatte ich bei deiner Schilderung. Da müssen wir alle irgendwie innerlich ANKOMMEN: Angehörige und Kranke. Die Traurigkeit und Wehmut geht nicht weg, aber sie ist dann erträglich.

    Hoffen wir, dass die jetzige zufriedene Phase bei unseren Müttern und uns möglichst von entsprechend langer Dauer ist. In diesem Sinne Grüße an alle.

  • Liebe schwarzer Kater,

    es freut mich wirklich sehr, dass es für deine Mutter offensichtlich auch ein angemessen guter Ort ist für die letzte Lebensphase.

    Also momentan bin ich tatsächlich nicht mehr traurig, sondern erleichtert, dass meine Mutter gut versorgt und zufrieden ist. Ich glaube , ich kann mich nun gut auf ihre Ebene begeben so wie ich es in meinem Beruf mit behinderten Kindern sowie bei meinen eigenen Kindern gelernt habe. Das Zauberwort ist hier vermutlich "Akzeptanz", was ja ein verschieden länger Prozess sein kann. Manches kann man sich vllt auch ein bisschen schön reden ;) so finde ich bei meiner Mutter gerade den Vorteil, dass sie sich durch das schnelle Vergessen viel weniger Sorgen macht als früher, weder um Krieg noch Corona, sie fühlt sich jünger als sie ist und hat scheinbar nun auch einige sehr belastende Dinge aus ihrer Vergangenheit vergessen.

    Vllt bin ich auch etwas abgehärtet, da ich meinen Mann ein paar Jahre durch eine sehr schwere, schmerzhafte Krebserkrankung bis zum Tod (mit klarem Kopf ) begleitet habe.

    Ich denke, diese Übergangszeit in der Demenz bis zum vergessen ist vllt die schwierigste..

    Liebe Grüße an alle :)

  • Guten Abend, Rose60, da haben wir einiges gemeinsam: ich habe auch (allerdings vor Jahren) mit behinderten Kindern gearbeitet, auch meinen Vater (der mit uns wohnte) an eine schimme Krebserkrankung verloren. Sehr, sehr schlimm, aber halt mit der Demenz trotzdem nicht zu vergleichen. Andererseits ... wenn die Demenz einen Vorteil hat, dann den, dass an meiner Mutter das Leben mit all seinen Katastrophen vorbeimäandert ... und das, wo ich sie früher kaum zu bremsen vermochte mit all ihren Besorgnissen ... Ich werde dieser Seite ihrer Person von Herzen gern Lebewohl sagen, Hauptsache, es geht IHR gut, da wo sie jetzt ist. Hoffen wir, dass alles mit unseren Müttern weiter einen friedlichen Verlauf nimmt.


    Wir räumen gerade sukzessive das Haus meiner Mutter aus - 89 Jahre gelebtes Leben ... das ist eine emotionale Achterbahnfahrt und solange wir es finanziell stemmen können, wird dieses Haus einfach leer bleiben, bis uns etwas Vernünftiges einfällt, das uns allen gerecht wird.

    Liebe Grüße

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