Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Liebe schwarzer Kater,

    es freut mich wirklich sehr, dass es für deine Mutter offensichtlich auch ein angemessen guter Ort ist für die letzte Lebensphase.

    Also momentan bin ich tatsächlich nicht mehr traurig, sondern erleichtert, dass meine Mutter gut versorgt und zufrieden ist. Ich glaube , ich kann mich nun gut auf ihre Ebene begeben so wie ich es in meinem Beruf mit behinderten Kindern sowie bei meinen eigenen Kindern gelernt habe. Das Zauberwort ist hier vermutlich "Akzeptanz", was ja ein verschieden länger Prozess sein kann. Manches kann man sich vllt auch ein bisschen schön reden ;) so finde ich bei meiner Mutter gerade den Vorteil, dass sie sich durch das schnelle Vergessen viel weniger Sorgen macht als früher, weder um Krieg noch Corona, sie fühlt sich jünger als sie ist und hat scheinbar nun auch einige sehr belastende Dinge aus ihrer Vergangenheit vergessen.

    Vllt bin ich auch etwas abgehärtet, da ich meinen Mann ein paar Jahre durch eine sehr schwere, schmerzhafte Krebserkrankung bis zum Tod (mit klarem Kopf ) begleitet habe.

    Ich denke, diese Übergangszeit in der Demenz bis zum vergessen ist vllt die schwierigste..

    Liebe Grüße an alle :)

  • Hallo Rose60, hallo schwarzerkater -


    es freut mich so zu lesen, dass euch bei euch besser geht. schwarzerkater: Meine Mutter wohnt "nur" in einer Wohnung, aber ab und an schaue ich mich um und realisiere, was es für eine Arbeit wird, wenn sie nicht mehr dort wohnt. Über 40 Jahre an einem Ort (bei meinen Eltern) - da sammelt sich einiges an.


    Liebe Grüße

    TanjaS

  • Hallo Alle,

    Nach einwöchigem Urlaub war ich heute doch recht nervös bei dem Besuch meiner Mutter.


    Ihr geht es so Lala, sie lag schwach auf dem Bett. (Wem geht es aktuell nicht so😅).

    Zuerst haben wir noch eine nahezu normale Konversation betrieben, nach ca. 1/4 Stunde schleichen sich die ersten Boshaftigkeiten in meine Richtung ein, die ich zuerst noch freundlich abfedern kann.

    Gewohnheitsmäßig ist danach das Gespräch gekippt, ich bleibe freundlich und ruhig und beherzige all Eure Tipps und mein bischen Erfahrung.

    Nach 1/2 Stunde verabschiede ich mich dann wegen meiner zu erhaltenen Spritze ins Knie (Ihr wisst schon)…sie beschwerte sich wie immer dass ich so wenig Zeit hätte…und habe gesagt dass ich dann nächste Woche Freitag wiederkomme (in der Schulzeit ist das der beste Vormittag).

    Natürlich rief sie mir dann noch hinterher hoffentlich würde es noch länger dauern bis ich käme.


    Nunja. Bin auf keine Streitgespräche eingegangen…etwa dass sie uns mit den Drillingsjungs in den letzten 16 Jahren grade 2x besucht hat (mit meinem damals noch lebenden Vater, sonst wäre sie garnicht gekommen)


    Weiiiiil ich ja weiß dass ab der Demenz überhaupt keine guten Situationen für alte Konflikte mehr vorkommen.


    Also ich hatte jedenfalls das Gefühl ihr steht alle hinter mir wie in dieser Auxmoney- Reklame wo auf einem Felsvorsprung die große Menschenkette von Helfern auftaucht❤️ 💁‍♂️ 👩 💁‍♂️💁‍♂️👩👩🤷‍♀️🤷‍♀️🤷‍♀️🌞🌞💁‍♂️👩💁‍♂️👩💁‍♂️🌞❤️

  • Ach, Ute, da bist du deiner Mutter offensichtlich nichts schuldig!! Du hast Drillinge und ich kann erahnen, wie gut du deine Mutter hättest brauchen können, meine Tochter hat Zwillingsbabys und ein weiteres Kind, da helfe ich aktuell öfter aus, jeden Monat ein paar Tage, nicht um die Ecke leider. Also von daher..

    Mach das mit den "Knie-Spritzen" mal weiter;)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo UteSchnute, die 15 Minuten im guten Gespräch sind m.E. das worauf es ankommt. Wenn Sie danach noch üben, die Boshaftigkeiten an sich abperlen zu lassen und sich zu schützen kann das auch sehr wertvoll sein und ich freue mich, dass Sie verschieden Ideen aus unserem Forum ausprobieren.

    Aber Sie können auch nach 15 Minuten gehen, damit sich die eingespielten Muster langsam löschen können. Wenn Ihnen die Zeit zu kurz ist, würde ich mit der ersten Boshaftigkeit eine kleine Auszeit nehmen, zur Toilette, etwas im Heim klären, etwas aus dem Auto holen usw. Wenn Sie dann ganz unvoreingenommen zurückkommen, kann es vielleicht wieder eine kurze gute Zeit geben und Sie geben sich und Ihrer Mutter eine Chance die angemessene Kommunikation selbstverständlich zu "üben".


    Ein weiterer Tipp kann noch - die nachlassende Merkfähigkeit Ihrer Mutter - zu früh sein, Sie können - wenn Sie wollen und das innerlich o.k. ist - den Ärger auch validieren und damit von sich selbst ablenken, z.B. "es ist wirklich ärgerlich, wenn die eigenen Kinder so selten kommen (können), da kann man richtig sauer werden..."

    Letztlich kommt es auf die "Milieutherapie" an, die unvoreingenommen jeden Ausdruck der Demenz akzeptiert und einen Raum zum Wohlbefinden schafft. So wie SchwarzerKater schreibt, eine familiäre Atmosphäre ...


    neben all den anderen Leutchen, die sich alle gegenseitig friedlich leben lassen

    Ihr Martin Hamborg

  • Morgen ist wieder Besuchsfreitag. Die Nervosität steigt, das schlechte Gewissen klopft an.

    Hab grad noch mal Herr Hamborgs letzte tolle Mail gelesen. 15 Minuten gute Atmosphäre sind das Ziel. Wenn die Stimmung kippt werde ich meine Mutter fragen ob ich noch schnell etwas für sie einkaufen soll: ach ja und mein Knie bekommt wieder eine 💉 zum Ende 😉 alles Gute Ute (bitte denkt an mich ab 10.30)

  • Naturlich werde ich an Dich denken, schick das schlechte Gewissen weit weg oder überleg Dir, ob es eine bessere Lösung gäbe: Du wirst kaum eine finden!

    Halt gut durch, wird schon! ;)

  • Dankeschön Schwarzerkater 🌸, die Einrichtung, in der meine Mutter wohnt lässt auch „jedem Jeck sein Käppchen“- so macht meine Mutter halt keine Aktivitäten mit: alle anderen sind dementer, niveauloser, irgendwas.

    Was sie an guten Tagen gerne macht ist ein bisschen shoppen gehen.


    Also denke ich einfach auch an mich und sehe dem morgigen Tag entgegen.


    Gute Nacht von Ute🌸

  • Ach Schwarzerkater das ist wirklich schön bei Euch geworden.


    Heute war leider wieder ein maximal schrecklicher Tag.

    Meine Mutter lag auf dem Bett, es geht ihr mit ihrem Herzen bei dem schwülen Wetter nicht gut.


    Aber böse zu mir sein ging. Resümiert: alles ist schrecklich und ich bin oberschrecklich. Ach ja und wie eine Landpommeranze kleide ich mich (also sooooo hässlich bin ich garnicht und sooo hässlich kleide ich mich auch nicht, und wenn dem auch so wäre…)


    Ich hab dann versucht alle Eure Tipps einzuhalten und bin zwischendurch für sie Obst kaufen gegangen.


    Danach wurde es nur noch mal richtig schrecklich, wieder der Tenor dass ich sie nicht in ihre 430 km entfernte Wohnung im 4. Stock liesse.


    Also : ich bleibe dran und verbuche den Tag unter „negativst“


    Alles Gute Ute

  • Oh wie schade, Ute! Trotzdem ist es wohl ihre Art zu zeigen, dass sie Dir nahe steht, weil sie bei Dir "die Sau rauslassen" kann. Anders kann sie vermutlich gar nicht mehr, wie "liebevoll" ging, weiß sie wohl auch nicht mehr annähernd (wenn sie es je wusste, ich weiß ja nicht, wie sie früher war).

    Dir hilft jetzt wohl einfach am ehesten: aufstehen, Krönchen richten und Dein Leben weiterleben - bis zum nächsten Mal. Aber dann bist Du vielleicht innerlich schon wieder etwas mehr gewappnet. :)

  • Ach Ute, wie blöd für dich.. anfangs fühlte ich mich auch immer persönlich angegriffen, irgendwann sagte ich an einem "bösen Tag" mal "also heute hast du aber schlechte Laune" . Da war meine Mutter ganz erstaunt und sagte nach einer Weile ganz nachdenklich "ja ...stimmt, ich weiß auch nicht". Dann habe ich irgendwas erzählt und konnte sie etwas umstimmen. Jedenfalls habe ich es nicht für mich angenommen und litt hinterher nicht so.. klingt sicher profan und jede Situation ist ja wieder anders, aber so habe ich halt langsam die Kurve bekommen, mich nicht persönlich für ihre Laune verantwortlich zu fühlen..

    Liebe Grüße an euch alle

    • Offizieller Beitrag

    Hallo UteSchnute, schön zu lesen, wie Sie so humorvoll und pragmatisch die vielen guten Ideen hier aufnehmen und ausprobieren. Respekt bei so viel Verletzungen!


    Bei der "neuen Version in der Begegnung", die Sie SchwarzerKater vorgeschlagen haben, kam mir das Bild: Jetzt kommt die Tochter2.0, die mit Wissen, Witz und Experimentierfreude die Boshaft abperlen lässt und mit viel Geduld die "filiale Reife" übt - diese große Entwicklungsaufgabe, die wir lernen können, wenn unsere Eltern von uns abhängig und dement werden und wir Kinder die elterlichen Funktionen übernehmen.

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo UteSchnute, schön zu lesen, wie Sie so humorvoll und pragmatisch die vielen guten Ideen hier aufnehmen und ausprobieren. Respekt bei so viel Verletzungen!


    Bei der "neuen Version in der Begegnung", die Sie SchwarzerKater vorgeschlagen haben, kam mir das Bild: Jetzt kommt die Tochter2.0, die mit Wissen, Witz und Experimentierfreude die Boshaft abperlen lässt und mit viel Geduld die "filiale Reife" übt - diese große Entwicklungsaufgabe, die wir lernen können, wenn unsere Eltern von uns abhängig und dement werden und wir Kinder die elterlichen Funktionen übernehmen.

    Ihr Martin Hamborg

    Hallo Herr Hamborg,

    Dankeschön 🌸

    Dieses immer mal wieder schlechte Gewissen, meiner Mutter „die Wohnung zu nehmen“, kommt immer mal wieder hoch.

    Immer wieder dieses Thema bei ihr. Wirklich immer wieder. Sie fragt seit November 2021 immer wieder, warum sie nicht in ihre Wohnung zurückkann. Das ist seltene harmlose Version. Wenn ich Ihr dann wieder geduldig erkläre dass wir das mit Pflegedienst und Nachbarn 4x versucht haben, was immer nach 1-2 Wochen im KH endete, tut sie das ab als „so schlimm war das doch garnicht“. Doch. Es war sogar noch schlimmer.


    Kein Anderer existiert mehr für sie. Nur ihre Wohnung.

    Sie steht momentan noch leer aber ich bin gerade dabei, sie auf diesem unangenehmen Wohnungsmarkt zu verkaufen: es ist noch ein sehr hoher Abtrag (meine Eltern haben die Wohnung erst im Rentenalter mit 70 gekauft) vorhanden, die Zinsbindung läuft bald aus etc.


    Aber ich fühle mich natürlich grässlich schuldig Ihre geliebte Wohnung zu verkaufen.


    Ich erinnere mich dann daran dass sie dort jeden Pfleger/ Arzt/ mich übel behandelt hat, keine Medikamente nehmen wollte, nichts getrunken und kaum und schlecht gegessen hat und nur einsamst war, da sie aus diesen 4 Stockwerken ohne Fahrstuhl garnicht mehr raus kam.


    Dieses hartnäckige Schuldgefühl mit dem ich diskutiere und das immer wieder wie eine Blase nach oben pluppt, gerne auch morgens nach dem Aufwachen oder abends statt einzuschlafen.


    Als eine Angehörige habe ich auch eine Form der Demenz: ich drehe mich im Kreis und erzähle immer wieder das Gleiche. Mein Mann guckt mich manchmal schon komisch an🥺Alles Gute Ute

  • usw. Die Schimpferei über meine Person (wie ich aussehe, was ich alles (nicht) mache und (nicht) kann), habe ich einfach so hingenommen und gesagt, dass es mir leid tut, dass ich so bin, es aber leider auch nicht mehr ändern kann



    das widerstrebt mir so! Aber ich werde es versuchen. Danke Dir❤️

  • Liebe (r) Schwarzerkater,

    Ich bin schon um mein Postfach herumgeschlichen und habe gehofft, dass jemand von Euch antwortet.

    Mir geht es mit lauter Selbstzweifeln, da meine Mutter so unglücklich scheint gepaart mit den Verletzungen, die sie mir wieder zugefügt hat, richtig schlecht. Heute Nachmittag bin ich extra noch mal zu meinem Mann ins Büro gefahren um ihn zu fragen, ob er diese Woche mit zu meiner Mutter kommt: aber sein Schreibtisch quillt wirklich über, Mitarbeiter sind krank und Baustellen machen Probleme. Er hat es einfach nicht verdient, dann auch noch beschimpft zu werden und würde wahrscheinlich auch zu … sauer werden, wenn meine Mutter wieder so böse zu mir würde.


    Aber Schwarzerkater ich hatte Deine Mail erst nur angelesen und dann wirklich genüsslich wie eine Lindtpraline nach dem Abendessen genossen: Du hattet garnicht gesagt dass Du meine Mutter kennst 😉🌸. Du hast mich mit Deinem Schreiben echt wieder zurechtgerückt.


    Mein Mann wird im Büro gelassen und ich werde auch mal wieder etwas Traurigkeit zeigen wenn es zu arg wird.


    Sonntag war mein Kopf seit längerem mal wieder richtig frei: ich hatte mit einem meiner Söhne Unterricht auf 2 von unseren temperamentvollsten Islandpferden bei einer sehr anspruchsvollen Trainerin: nach einer Reitsommerpause war ich schon wieder halb verzagt (jaja Verzagen kann ich gut) ob das mit 56 noch Sinn macht so ganz rasend sportlich zu reiten. Ob ich meine Pferde nicht irgendwann verkaufen sollte und lieber Yoga…so ein Ute-Blabla.

    Naja man hat die Trainerin bis aus der Halle heraus gehört und andere sagten dann: man ihr hattet ja stressigen Unterricht und ich war STOLZ und ZUVERSICHTLICH alles meistern zu können.

    Also das ist mein herzallerliebstes Ablenkungsmanöver. Sorry Vinur und Rán dass ich auch nur mit dem Gedanken…


    Also liebe Schwarzerkater wirklich 1000 Dank dass Du diese tiefen Täler schon durchschritten bist und uns so wirklich anschaulich und helfend daran teilhaben lässt ❤️

    Worte können halt nicht nur Verletzen sondern auch heilen. ❤️‍🩹

    Deine Ute

  • Liebe Ute,

    Wir müssen vor allem auch Geduld mit uns selbst haben, dass wir eben nicht wie auf Knopfdruck umswitchen können mit dem Rollentausch. Jahrelang waren wir dran gewöhnt, dass unsere Mütter zuerst für uns und später für sich selbst sorgen konnten. Das alles sind Bahnungen im Gehirn, die für eine Veränderung in der Richtung oder Ausprägung o.ä. Zeit brauchen und ebenso brauchen neue Bahnungen, wenn wir unsere Einstellungen und unser Verhalten ändern, Zeit und "Training". Ich habe mal ein sehr interessantes Buch dazu gelesen, falls es jemanden interessiert: G.Hüter "Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn"

    Von daher müssen wir unser anderes Verhalten und Denken einüben, Rückschläge sind damit enthalten 😉

    Liebe Grüße

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