Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Als Ersatz fürs Liken: ich danke Euch für Eure verstehenden, nachdenklichen und so hilfreichen Worte.

    Mir helfen sie nicht nur im Umgang mit meiner dementen Mutter (die für mich derzeit noch der "lockerste Fall") ist, sondern genauso bei meinen kranken Kindern und Enkeln (die teils durch die Borderline-Mama schwer geschädigt sind).

    Es tut einfach gut, sich hier auszutauschen und Menschen zu erleben, die sich und den anderen immer wieder neue Erkenntnisse, Entwicklungen und auch Fehler zugestehen. Niemand kann und muss immer sofort auf jede Situation perfekt reagieren und schnellstens drauf eingestellt sein, alle brauchen dafür Zeit - Zeit, die in unserer Gesellschaft gerne ignoriert und mit Unsinn aufgefüllt wird.

    Danke!

  • Meine Güte, ihr lieben alle, da hat offensichtlich keiner von uns hier nur für sich allein das Unglück gepachtet.. vermutlich sind wir auch deshalb so gnädig miteinander. Den Begriff des "toxischen" Vaters werde ich mir merken, der wirkt auch bei mir noch nach seiner Lebenszeit, aber wenigstens die Angst ist nun mit ü60 weg und ich denke mittlerweile, dafür war es auch für meine Mutter gut, dass sie heimatfern nur einen Pflegeplatz bekommen hat, sie erwähnt meinen Vater max.1mal pro Jahr..

    Leider ist nun die Hauptbezugsperson meiner Mutter im Heim unerwartet verstorben, mit der sie seit 3 Jahren täglich zusammen saß. Das ist sehr sehr schade für sie und nun wird vermutlich wieder der Drang nachhause verstärkt auftreten.. dieses wurde nun gerade aufgelöst. Bin gespannt :|

    Liebe Grüße an euch alle

  • Hallo Ihr alle Schwarzerkaters, Roses und Ericas undsoweiter,

    Dankeschön an Euch von ganzem Herzen!


    Nach Schwarzerkaters 2 letzten Briefen konnte ich mich echt wieder entspannen. Immer wieder dieses: jetzt haben wir im Griff - juhu - Erleichterung - Glück - und dann wieder unzählige offene Wunden - oh nichts ist mehr zu ertragen.


    Cut: werde ich dran denken


    Eis: Du hast Recht Schwarzerkater der Vergleich ist einfach und richtig


    Heimleitung: die Leiterin und die Pflegeleitung schimpfen oft richtig mit mir dass ich selbstbewusster bleiben soll und mir mal vor Augen halten soll, was ich zB für Prachtjungs habe und was für ein emphatischer Mensch ich wäre. Auch die Ärztin unterstützt mich sehr, ihre (verstorbene) Grossmutter könnte eine Zwillingsschwester meiner Mutter sein. Das ist sehr hilfreich.


    Ich hatte Euch doch erzählt dass einer von unseren Drillingen, E, 16, oft mit zu meiner Mutter kam - er wollte auch mit - mein Mann war da eh nicht so begeistert von: E ist sehr introvertiert, schien mit allem umgehen zu können (Drilling O hat bei Besuchen ununterbrochen geweint) - aber nun scheint E einen Burnout zu haben - er kann sich nicht mehr entspannen (er schreibt nur 1er, das hat er nicht von mir) - ob E nicht mal doch zu viel erlitten hat bei meiner Mutter. Ab nächster Woche ist er in Behandlung, wir haben eine Jugend - Psychotherapeutin "ergattert", grosse Erleichterung.


    Tschüss von Ute <3

    Einmal editiert, zuletzt von Alfskjoni ()

  • Liebe Alle,


    gestern bin ich zu meiner Mutter gefahren und hatte schwarzerkaters Worte "auf Abruf gespeichert":

    Eisthema

    Null (keine Diskussionen eingehen)


    Nach dem letzten Besuch ging es mir ja richtig schlecht - nächste Woche habe ich eine Darmspiegelung.


    Um mir mal etwas Abstand zu gönnen habe ich meiner Mutter gesagt, ich hätte heute wenig Zeit, wollte sie aber sehen und ihr erzählen, ich könne erst wieder in 2 Wochen kommen wegen eines kleinen Darmeingriffs (ein Rettungsanker für mich für eine dringend benötigte Miniauszeit).

    Sie hat sich nahezu gefreut mich zu sehen (habe gemerkt es ist eventuell zukünftig besser nicht immer genau zu sagen, wann ich komme: sie scheint sich dann mental sehr negativ darauf vorzubereiten) und ich habe ihr gesagt, dass ich dann erst in 2 Wochen wiederkommen kann und dass sie ja verstünde dass die Gesundheit vorgeht und dass ich dann jetzt auch losmüsse.


    Da blitzte dann meine Ex-Mutter mit ihrem totalen Verständnis für wenig Zeit auf und ich konnte mich freundlich verabschieden.


    Status gestern und heute: mir geht es gut, Entspannung meinerseits.


    Alles Gute Ute

    • Offizieller Beitrag

    Hallo UteSchnute, erstmal bitte schnell den Namen im vorletzten Satz ändern.

    Die Begegnung mit so viel Gift einer geliebten Großmutter kann Einem schon die Füße wegziehen, super dass er so schnell professionelle Hilfe gefunden hat.


    Mit diesem Gedanken möchte ich den Begriff der "toxischen" Mutter auf den einer toxischen Beziehung ändern: So wie Sie schreiben, verteilt Ihre Mutter eine Menge Gift in die Familie und Sie versuchen sich mit dem ein oder anderen Antiserum, um das auszuhalten. Aber auch ein Antiserum hat Nebenwirkungen - Ihr schlechtes Gewissen ist nur eines davon. Es wird auch davon genährt, dass Sie Ihre Mutter lieben und es sich damit verbietet, sie als toxisches Wesen wahrzunehmen. So geraten Sie beide in einen Teufelskreis.


    Um im Bild zu bleiben: Gifte sollten wir meiden oder auf homöopathische Dosierungen verdünnen. Bei einer toxischen Beziehung können wir uns ändern, wenn wir die Muster verändern. Beide Wege sind m.E. richtig, also Sie gehen in die richtige Richtung - wie das Weisheit des Wortes schon sagt.


    Das andere hilfreiche Bild ist das des trotzigen Kindes - in der Demenz verlieren wir unsere kompetenten Bewältigungsmuster und frühere wichtige Bewältigungsformen bekommen wieder Macht.

    Auch Krisen können diese Form der Regression auslösen - die Demenz ist also wie eine chronische Krise, die eine neue Form der Bewäligung braucht.


    In den alten Kulturen und großen Familien übernehmen Peers, also die Gruppe der Mitkinder wichtige Erziehungs- oder Entwicklungsimpulse. So bleibt die Autorität bei den Eltern, ohne dass sie diese beweisen oder erkämpfen müssen. (So wie Lehrer, wenn einige herausfordernde Schüler es schaffen, die Selbstregulation der Klassengemeinschaft aufzulösen)

    Wenn dann die tief in uns verankerten Verhaltensweisen einer Beutetierherde wach werden, weil keine Autorität uns vor dem potenziellen Feinden schützt, wird so wie bei Pferden um eine höhere Rolle gekämpft. Nun sind wir Menschen (eigentlich) keine Beutetiere mehr und wir könnten - so wie Gerald Hüther unermüdlich erzählt - in der Familie und in den Teams jeden Tag bis in das hohe Alter über uns hinauswachsen, getragen von der Geborgenheit unter einer charismatischen Führung.

    In meinem Buch (IQM Demenz in der Altenhilfe, Springer) beschreibe ich, wie wir unter diesem Gedanken seit Jahren mit unseren mittleren Leitungskräften einen Workshop auf einem Pferdhof machen - am ersten Tag üben alle das Führen durch einen schwierigen Parkuhr - ich filme. Am zweiten Tag werten wir die Erfahrungen und Filme aus und übertragen es auf die Führungsaufgaben in den Teams, die im Krisenfall einfach reibungslos funktionieren müssen.


    Warum mache ich diesen Gedankenflug?

    Sie beschreiben wunderbar, wie Sie auf den wilden Ponys reiten und ich dachte, wer so reiten kann, hat die natürliche Autorität, um eine toxische Beziehung zu verändern. Ihre Mutter braucht dringend genau das, was Sie offensichtlich perfekt beherrschen.


    Sie müssen es (einfach) nur übertragen, damit Ihre Mutter sich mit der starken Tochter geborgen fühlen kann und die Sicherheit erfährt, die sie so dringend benötigt, um selbst aus den toxischen Mustern zu kommen.

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo zusammen,

    Heute klinke ich mich nochmal hier ein. Es fällt mir gerade schwer die Situation meiner Mutter mitauszuhalten.. wie bereits oben geschrieben, ist ihre Freundin im Heim verstorben und meine Mutter muss sich neu orientieren, klagte gestern, dass es so langweilig sei und sie soviel schlafe auch am Tag. Ich besuche sie nun seit drei Jahren mindestens 1mal pro Woche, wozu ich mich jedesmal sehr aufraffen muss. Wie ihr ja vermutlich auch erlebt, zieht es mehr Energie als man zurückbekommen würde - also ich ziehe jedenfalls keinerlei Kraft daraus. Ist auch eigentlich ok... nur geht nun mal das eigene Leben mit Höhen, Tiefen, Anforderungen und eigenen Wehwechen bis Krankheiten weiter parallel und dann kostet es mich noch mehr Kraft mich aufzuraffen zum Pflegeheim. Und es macht mir etwas Angst gerade, wie lange und wie überhaupt das alles noch so weiterläuft. Da fühle ich mich gerade in einer "Sandwichposition". Auf der einen Seite quasi die einzige Besucherin meiner Mutter, die ich meist als fordernd empfinde und deren Wünsche ich natürlich nicht erfüllen kann (gefühlt konnte ich das wohl nie). Auf der anderen Seite ist mein Einsatz als Oma auf ziemliche Entfernung gewünscht, was ich eigentlich auch gerne mache, was aber anstrengt... schon länger kein richtiger Urlaub, dafür seit einigen Wochen mit corona "beschäftigt ", was letztendlich doch viel Kraft gekostet hat, auch wenn ich akut nicht so schwer erkrankt war. Nächste Woche wird im Haus umgebaut und parallel eine kleine OP bei mir als Folge meines Unfalls vor 1 Jahr.

    Sorry, muss heute mal ein bisschen jammern..

    Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag!

    Liebe Grüße

  • Hallo Rose, ja auch dafür ist dieses Forum gut, sich mal von der Seele zu schreiben, zu jammern, was einen bedrückt.

    Das Gefühl von der dementen Mutter "aufgefressen" zu werden, alles andere nur noch mit schlechtem Gewissen zu tun, obwohl auch das nötig ist, für andere Angehörige wichtig und sinnvoll ist, aber es dann selbst nicht mehr genießen zu können - das kenne ich zu gut.

    Und auch die Dinge, die eigentlich Freude machen würden - die Enkel betreuen z.B. - wird dann zur Anstrengung, weil es ja nur zwischen die anderen Aufgaben und Belastungen eingepfercht werden kann: da kann einem einfach das Jammern kommen. Helfen kann ich Dir nicht, aber Dich verstehen - mir geht es auf meine Weise derzeit ähnlich und auch mir fehlt die Aussicht, wie lange und überhaupt wie alles weitergehen soll, kann, wird...

    Dir und allen anderen auch trotzdem einen schönen Sonntag, irgendein kleiner Lichtstrahl kommt meistens dann doch irgendwann durch, wenn die Wolken gar so dunkel sind!

  • Hallo schwarzerkater, da haben wir ja gleichzeitig geschrieben und ich finde mich auch in Deinen Worten wieder.

    Einfach gut, dass wir dieses Forum haben, in dem wir nicht ausschließlich die Sorgen mit unseren dementen Angehörigen schildern dürfen, sondern auch klagen dürfen, die anderen Belastungen unseres jeweiligen Lebens und Alltags bejammern dürfen und auch daraus Kraft ziehen dürfen.

    Es ist so wichtig, mit all dem nicht allein zu stehen, sondern miterleben zu können, dass es den anderen Betroffenen ähnlich geht, wir keine Versager sind, sondern große Lasten tragen, manchmal zu groß und dann ist das Verständnis der ähnlich Erlebenden schon eine Hilfe beim Tragen.

  • Vielen lieben Dank, schwarzer Kater und ecla, für euer offenes Ohr/Auge. Ja, die Verbundenheit hier ist mir schon sehr hilfreich, sonst würde ich noch mehr an mir zweifeln und schuldig fühlen für mein Genervt-sein..

    Und ecla, was du schreibst, dass man die eigentlich schönen Dinge nicht so genießen kann, das geht mir auch so. Wenn ich z.B.einen schönen Spaziergang hier in der Gegend mache , denke ich, hier sollte ich mal mit Mama herschieben, doch dann fällt mir wieder ein, dass sie bei unseren derartigen Versuchen kaum nach rechts und links geschaut hat, sondern höchstens missmutig sagt "Zuhause ist es aber auch schön". Wenn ich bei meinen Enkeln bin, bedaure ich, dass meine Mutter die jüngsten noch nicht gesehen hat, weil es zu weit weg ist und ihr die zweistündige Fahrt zu anstrengend wäre.. in meinen Gedanken ist sie dann meist dabei und ich sage mir oft, dass sie als Oma bei meinen Kindern wenigstens öfter war und diese Zeit hatte. Trotzdem schwingt das schlechte Gewissen noch meist mit.

    Geht es euch ähnlich?

  • Ihr Lieben hier,


    ich fühle so mit Euch - sie sitzen einem immer auf der Schulter, sind immer - egal was man tut - auf irgendeiner Ebene im Kopf, man wacht nachts auf und denkt als Erstes an sie ... Wie energieraubend das ist - und Ihr seid schon viel länger dabei als ich, meinen Respekt und dicke fette virtuelle Umarmungen!

    Genau, man macht nichts mehr wirklich losgelöst und voll konzentriert - und niemand bereitet einen darauf vor. Dieses Allein-Zuständig-Sein ist so kräftezehrend, und wie Ihr schon schreibt, man ist ja selbst in der einen oder anderen Art eingeschränkt. Ich genehmige mir ab morgen drei Tage Urlaub - seit Sommer 19 ... Selbst schuld, sagen da viele ... so machen wir immer weiter - und dafür sollten wir uns wenigstens gegenseitig loben.

    Alles Liebe an alle hier

    Nelly

  • Hallo Nelly,

    Interessanterweise hat es bei mir irgendwann aufgehört, dass ich nachts oder morgens beim Aufwachen als erstes an meine Mutter denke. Vermutlich ein Prozess der Gewöhnung auch für uns, dass man Verantwortung abgeben kann. Du fühlst dich offensichtlich noch enorm stark gebunden, das sind so eingefahrene Muster ... Ich habe mir irgendwann gesagt, wenn ich mich mehr zurückziehe, ist meine Mutter quasi gezwungen, sich für andere zu öffnen, da sie letztlich auch ein kommunikativer Typ ist.

    Mir wurde auch immer vom Personal gesagt "bei uns zeigt sie das nicht", "ihre Mutter reagiert nur bei Ihnen so" - und prompt fühlt man sich wieder schlecht und schuldig, oder? Dabei sollte man eigentlich nur die sachliche information daraus hören...

    Ich wünsche dir ein paar schöne Urlaubstage!!

    Liebe Grüße

  • Liebe Rose, Du kannst ja nun wirklich nichts dazu, dass die Freundin Deiner Mutter gestorben ist - und trotzdem fühlst Du Dich - wie wir alle - schuldig.

    Quatsch! Deine Mutter lebt nicht auf einer Einsiedleralm. Sie ist unter Leuten in der Einrichtung, und die meinen es gut mit ihr.

    Wer meint es denn gut mit Dir?

    Alles Gute Ute

    Einmal editiert, zuletzt von Alfskjoni ()

  • Lieber Herr Hamborg,

    ich freue mich immer sehr, wenn Sie mir/ uns so wertvolle Tipps geben.


    Da für mich als Newcomerin auf diesem Gebiet immer "ganz schön viel drinsteht" in Ihren Briefen, brauchte ich diesmal ein bisschen Zeit zum "Begreifen".


    Also werde ich


    1. mir gestatten, meine Mutter als toxisches Geschöpf anzusehen (es ist leider fast das Einzige, was von ihr übriggebliebene ist)
    2. ich klopfe mir auf die Schulter, dass ich doch den richtigen steinigen Pfad eingeschlagen habe (aber ich habe ja u.a. das Forum als "Wanderschuhe + Wegzehrung")
    3. ich reite vorwärts und mache die Beine zu - so brechen Pferde nicht nach links/ Rechts/ oben/ unten aus. Wichtig ist das energische VORWÄRTS (ein Pferd könnte sonst zB steigen)
    4. ich habe eine funkelnde Krone auf dem Kopf. Den Kopf lasse ich nicht hängen, sonst muss ich die Krone wieder aufheben. Zu mühsam.

    LG von Ute Knüpfer

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Schicksalsgemeinschaft, es ist schön zu lesen, wie Sie sich gegenseitig unterstützen und Mut machen.


    Nur eins gefällt mir nicht, das Wort "Jammern". Für Ihre so lange und intensive Begleitung, für die besonderen Herausforderungen gibt es keine einfache Lösung, kein Knopf zum Ausstellen und niemand hat den Anspruch hier, dass Sie es einfach so und ganz schnell hinkriegen und alle zufrieden sind.


    Zur Demenz gehören die Schwankungen, das auf und ab, Lichtblicke, keine Wunder und furchtbare Rückschläge. Es ist das "richtige Leben" in einer extremen Herausforderung.

    Diesen spiralförmigen Entwicklungsprozess mit Höhen und Tiefen - den ich bei Ihnen wahrnehme - will ich nicht despektierlich als Jammerei bezeichnen und damit die Abwärtsrichtung in die depressive Symptomatik verstärken!

    Ich kann damit um, weil das Leben nicht immer einfach ist und ich hoffe, mir fällt immer mal etwas hilfreiches ein.

    Heute dachte ich daran, wie es wäre, wenn Sie alle ein kleines persönliches Symbol finden, in denen Ihre Mütter die Verbundenheit erkennen würden. An anderer Stelle habe ich schon dazu geschrieben.

    Es könnte auch ein Strauß Blumen mit einer Bildkarte (Ihr Bild/Ihr Name!) sein. Wenn Sie sicher sind, dass die Blumen auch ankommen, kann dies über verbindliche Betreuungskräfte erfolgen - Ihre Mütter haben den Anspruch auf Betreuung und diese könnte mit einem wunderbaren Ritual beginnen: "Frau XX, ich habe schöne Blumen von Ihrer Tochter für Sie, schauen Sie mal die Karte..."

    Lässt sich das im Heim nicht umsetzen sehe ich immer noch die Möglichkeit über Ehrenamtliche. Mitglieder aus dem Seniorenbeirat besuchen die Heime und die Rolle als "Blumenfee" kann auch im Ehrenamt sehr motivieren!

    Alles Gute und viel Kraft Ihr Martin Hamborg

  • Ich lebe ganz bewusst mein eigenes Leben, arbeite auch viel (obwohl ich es eigentlich als Rentnerin nicht müsste), aber die Arbeit gibt mir Struktur und Halt.

    Lieber Schwarzerkater,


    so ist es auch bei mir, an den beiden Tagen, an denen ich in meinem Ehrenamt tätig bin, bin ich absorbiert, abends geschafft, aber zufrieden. Ich liebe es, an diesen beiden Tagen ein ganz konkretes ZIel zu haben. Wenn ich das nicht hätte, wäre es schlimm.

    Ich habe ja erst im April mit meiner Arbeit aufgehört, und nur drei Wochen später eskalierte es mit den Eltern. Ich habe noch gar keine Zeit gefunden, den Abschied von meiner sehr geliebten Berufstätigkeit zu verarbeiten.


    Es macht mir Hoffnung und Mut, dass der erste Gedanke am Morgen und in der Nacht, bei jedem Aufwachen, irgendwann auch mal etwas anderes sein wird als Elternalarm ...

    Zur Demenz gehören die Schwankungen, das auf und ab, Lichtblicke, keine Wunder und furchtbare Rückschläge. Es ist das "richtige Leben" in einer extremen Herausforderung.

    Diesen spiralförmigen Entwicklungsprozess mit Höhen und Tiefen - den ich bei Ihnen wahrnehme - will ich nicht despektierlich als Jammerei bezeichnen und damit die Abwärtsrichtung in die depressive Symptomatik verstärken!

    Vielen Dank für diese wohltuenden Sätze - ich lese einige von Ihnen immer wieder durch, sie sind meine "Korsettstangen". An die Schwankungen muss man sich erst gewöhnen, an die Unberechenbarkeit. Es trifft einen ja mehr oder weniger doch ziemlich unvorbereitet, auch wenn man schon viel gelesen hat, die Realität ist schon etwas anderes ...

    Natürlich denke auch ich (und vielleicht auch einige in meinem Freund*innenkreis), ich würde zu viel klagen. Ich merke, wie ich die Erzählungen immer mehr reduziere, dosiere. Ich will niemandem auf die Nerven gehen.

    Jedoch gibt es auch positive Effekte: Durch meine Erfahrungen mit meinen Eltern hat eine Freundin die ihrigen vom Betreuten Wohnen überzeugt.

    Wie gut, dass man hier so viel von den Erfahrungen und durch Sie lernen kann, es ist ja schon alles sehr neu, überraschend und auch überfordernd.

    Bin sehr froh über dieses Forum hier!


    Herzlichste Grüße

    Nelly

  • Hallo UteSchnute, danke für die Rückmeldung und die kreative Art, wie Sie meine Gedanken weiterführen!

    Viel Erfolg auf diesem schwierigen Ritt, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Alle,


    Ich fahre ja wegen eines kleinen Eingriffs im Darm (alles 100% bestens) erst wieder Freitag zu meiner Mutter.

    Das waren dann ausnahmsweise 2 Wochen, die ich nicht da war.

    Natürlich habe ich im Heim bei den Pflegerinnen Bescheid gesagt, meiner Mutter natürlich auch.

    Was macht sie? Ruft wiederholt 450 km entfernte Ex-Nachbarn an, so dass die mich schließlich kontaktieren. Meine Mutter könne mich nicht erreichen, ich wäre doch im KH.

    Da könnte man ja Mitleid haben- ich hab natürlich bei meiner Mutter angerufen: im 2. Satz sagte sie mir natürlich direkt dass es IHR so schlecht ging (nach mir wurde garnicht gefragt) und dass ich ja garnicht für sie einkaufen gehen können(sie hat Allinclusive und kann den Edeka 10 Min zu Fuß erreichen).


    Ich hatte Gottseidank Schwarzenkaters NULL (Diskussionen haben Null Effekt) im Kopf und habe mich bei meiner Mutter freundlich und ruhig bedankt, dass Sie sich Sorgen gemacht hätte (jaja) und habe das Telefonat beendet mit dem Satz dass ich ja wie verabredet diesen Freitag käme.


    🤷‍♀️Nachdem meine Mutter bei jedem Anruf zu mir sagte, sie würde sich umbringen wenn ich nicht etwas ändern würde (sie wollte Wohnung neben uns oder bei uns einziehen oder in ihre alte Wohnung, eigentlich ja nur dahin), habe ich leider Ihre Telefonnummer gesperrt, das Heim weiß Bescheid.

    Ich hatte sonst immer Tag und Nacht Herzklopfen bis in die Ohren.


    Warum hat die Natur das so gemacht, dass alte Menschen mit Demenz sich nur noch um sich selbst drehen? Hat das irgendeinen Nutzen? Damit sie überleben? So wie Baby scheien und so zeigen „hallo hier bin ich kümmere dich um mich“

    Weil wir doch alle davon betroffen sind.


    Zeit sich auf Freitag vorzubereiten

    Null, toxisch, Krone, geradeaus reiten, Freude und Liebe bewahren.

    Alles Gute Ute 🌸

  • Ach, Ute, du schreibst so herrlich humorvoll trotz all dieser Aufregung - aber es ist toll, dass du dadurch eine gewisse innere Distanz hin bekommst!! Das bewahre dir bitte! ;)

    Gut gemacht mit dem Blockieren, geht gerade nicht anders und es werden wieder andere Zeiten kommen, meine Mutter weiß seit ca.1 Jahr nicht mehr wie es geht mich anzurufen. Die Nummer kann sie nicht erinnern, sie hat einen Zettel damit dort kleben und die Nummer zusätzlich in einem Heftchen notiert, doch dafür scheint ihr Problemlöseverhalten nicht mehr zu reichen.

    Interessanterweise schafft sie es manchmal einen Knopf zu drücken, wo die Nr.meiner Schwester eingespeichert ist und ruft mal um 22 Uhr , aber auch mal um 4 Uhr morgens an, dass sie nun wieder nachhause will...

    Am nächsten Tag scheint dies aber vergessen.


    Und vergiss irgendeinen Grund für die Erfindung der Demenz zu suchen, es ist für nichts gut in meinen Augen. Wozu ist es denn gut, dass junge Menschen ungewollt sterben? O.ä. Es gibt nichts für alles einen Sinn, manches wird uns vor die Füße geschmissen und wir müssen einen Umgang damit finden..


    Liebe Grüße

  • Zeit sich auf Freitag vorzubereiten

    Null, toxisch, Krone, geradeaus reiten, Freude und Liebe bewahren.

    Alles Gute Ute 🌸

    Ich ergänze noch: wenn bösere Worte meiner Mutter auf mich einprasseln: denken: „ich bin gut, ich mache alles richtig“ - habe irgendwo gehört das Gehirn kann immer nur eine Sache denken: so hab ich es auch bei Reitprüfungen gemacht: statt zu denke oooooh da kommt der Halleneingang mein Pferd wir wieder im Galopp scheuen es wird zur Seite springen ich werde herunterstürzen und dabei mit dem Fuß im Bügel hängenbleiben das Pferd wird dann gegen meinen Kopf treten…(so war das wirklich vorher😳) einfach, wirklich einfach denken: ich kann das. Sonderbar wie einfach das ist. Und total funktioniert.


    Also Ute:

    1. Null: Diskussionen bringen NULL

    2. meine Mutter ist halt toxisch: da hab ich keine Aktien gegen- unsere Beziehung ist toxisch

    3. Kopf gerade, damit die Krone nicht abfällt

    4. ich bin ein guter Mensch und mache das Richtige !!!

    5. ich freue mich, meine Mutter zu sehen und dass sie in so einer schönen gepflegten Einrichtung ist


    Diese 5 Punkte lerne ich bis morgen auswendig.


    Ich wünsche Euch einen schönen Donnerstag.

    Alles Gute Ute 🌸

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