Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

  • Hallo Rose, ja auch dafür ist dieses Forum gut, sich mal von der Seele zu schreiben, zu jammern, was einen bedrückt.

    Das Gefühl von der dementen Mutter "aufgefressen" zu werden, alles andere nur noch mit schlechtem Gewissen zu tun, obwohl auch das nötig ist, für andere Angehörige wichtig und sinnvoll ist, aber es dann selbst nicht mehr genießen zu können - das kenne ich zu gut.

    Und auch die Dinge, die eigentlich Freude machen würden - die Enkel betreuen z.B. - wird dann zur Anstrengung, weil es ja nur zwischen die anderen Aufgaben und Belastungen eingepfercht werden kann: da kann einem einfach das Jammern kommen. Helfen kann ich Dir nicht, aber Dich verstehen - mir geht es auf meine Weise derzeit ähnlich und auch mir fehlt die Aussicht, wie lange und überhaupt wie alles weitergehen soll, kann, wird...

    Dir und allen anderen auch trotzdem einen schönen Sonntag, irgendein kleiner Lichtstrahl kommt meistens dann doch irgendwann durch, wenn die Wolken gar so dunkel sind!

  • Hallo schwarzerkater, da haben wir ja gleichzeitig geschrieben und ich finde mich auch in Deinen Worten wieder.

    Einfach gut, dass wir dieses Forum haben, in dem wir nicht ausschließlich die Sorgen mit unseren dementen Angehörigen schildern dürfen, sondern auch klagen dürfen, die anderen Belastungen unseres jeweiligen Lebens und Alltags bejammern dürfen und auch daraus Kraft ziehen dürfen.

    Es ist so wichtig, mit all dem nicht allein zu stehen, sondern miterleben zu können, dass es den anderen Betroffenen ähnlich geht, wir keine Versager sind, sondern große Lasten tragen, manchmal zu groß und dann ist das Verständnis der ähnlich Erlebenden schon eine Hilfe beim Tragen.

  • Vielen lieben Dank, schwarzer Kater und ecla, für euer offenes Ohr/Auge. Ja, die Verbundenheit hier ist mir schon sehr hilfreich, sonst würde ich noch mehr an mir zweifeln und schuldig fühlen für mein Genervt-sein..

    Und ecla, was du schreibst, dass man die eigentlich schönen Dinge nicht so genießen kann, das geht mir auch so. Wenn ich z.B.einen schönen Spaziergang hier in der Gegend mache , denke ich, hier sollte ich mal mit Mama herschieben, doch dann fällt mir wieder ein, dass sie bei unseren derartigen Versuchen kaum nach rechts und links geschaut hat, sondern höchstens missmutig sagt "Zuhause ist es aber auch schön". Wenn ich bei meinen Enkeln bin, bedaure ich, dass meine Mutter die jüngsten noch nicht gesehen hat, weil es zu weit weg ist und ihr die zweistündige Fahrt zu anstrengend wäre.. in meinen Gedanken ist sie dann meist dabei und ich sage mir oft, dass sie als Oma bei meinen Kindern wenigstens öfter war und diese Zeit hatte. Trotzdem schwingt das schlechte Gewissen noch meist mit.

    Geht es euch ähnlich?

  • Hallo ecia25 und Rose60, es ist und tut wirklich gut, in einer Schicksalsgemeinschaft zu sein.

    Und mir geht es auch so ..., dass die schönen Dinge nicht mehr denselben Glanz besitzen wie früher ... Auf der anderen Seite gibt es auch Episoden, wo ich doppelt genieße, weil ich kurzzeitig bewusst loslassen kann.

    Schwer fällt mir vor allem, dass durch die Demenz meiner Mutter alles irgendwie in der Schwebe zu sein scheint. Man spielt (aus gutem Grund) wie in einem Theaterstück, kann miteinander nichts klären, nichts abschließen ... doch genau das braucht man eigentlich zum Loslassen. Aber es gibt keine Alternative, mit ihr gemeinsam loszulassen - das kann nur ich von meiner Serite aus tun ... Selbst wenn ich meiner Mutter "reinen Wein einschenken würde", es würde überhaupt nichts POSITIVES bringen. Es kommt nichts mehr bei ihr davon an. Da bin ich sicher. Also spielen wir weiter und immer weiter .... und manchmal träume ich, dass meine Mutter plötzlich doch merkt, was hier eigentlich los ist und wieder so richtig böse wird.


    Also arbeite ich weiter an mir und übe mich im Aus- und Durchhalten sowie darin, dieses Schicksal auch noch in mein Leben zu integrieren. Die Menschheit insgesamt ist ja nicht arm an harten Schicksalen ... also werden wir das auch schaffen. Und manchmal scheint ja tatsächlich die Sonne und es ist richtig schön! In diesem Sinne, liebe Grüße in die Runde.

  • Ihr Lieben hier,


    ich fühle so mit Euch - sie sitzen einem immer auf der Schulter, sind immer - egal was man tut - auf irgendeiner Ebene im Kopf, man wacht nachts auf und denkt als Erstes an sie ... Wie energieraubend das ist - und Ihr seid schon viel länger dabei als ich, meinen Respekt und dicke fette virtuelle Umarmungen!

    Genau, man macht nichts mehr wirklich losgelöst und voll konzentriert - und niemand bereitet einen darauf vor. Dieses Allein-Zuständig-Sein ist so kräftezehrend, und wie Ihr schon schreibt, man ist ja selbst in der einen oder anderen Art eingeschränkt. Ich genehmige mir ab morgen drei Tage Urlaub - seit Sommer 19 ... Selbst schuld, sagen da viele ... so machen wir immer weiter - und dafür sollten wir uns wenigstens gegenseitig loben.

    Alles Liebe an alle hier

    Nelly

  • Hallo Nelly,

    Interessanterweise hat es bei mir irgendwann aufgehört, dass ich nachts oder morgens beim Aufwachen als erstes an meine Mutter denke. Vermutlich ein Prozess der Gewöhnung auch für uns, dass man Verantwortung abgeben kann. Du fühlst dich offensichtlich noch enorm stark gebunden, das sind so eingefahrene Muster ... Ich habe mir irgendwann gesagt, wenn ich mich mehr zurückziehe, ist meine Mutter quasi gezwungen, sich für andere zu öffnen, da sie letztlich auch ein kommunikativer Typ ist.

    Mir wurde auch immer vom Personal gesagt "bei uns zeigt sie das nicht", "ihre Mutter reagiert nur bei Ihnen so" - und prompt fühlt man sich wieder schlecht und schuldig, oder? Dabei sollte man eigentlich nur die sachliche information daraus hören...

    Ich wünsche dir ein paar schöne Urlaubstage!!

    Liebe Grüße

  • Hallo Nelly, bei mir ist es auch so, wie Rose schreibt ... Anfangs (als meine Mutter noch nebenan wohnte und dann im Pflegeheim, wo sie jetzt seit einem Jahr ist) war meine Mutter in Endlosschleife in meinen Gedanken, auch morgens beim Aufwachen. Das ist jetzt nicht mehr so .... es lässt wirklich nach (wenn es auch nicht völlig aufhört).

    Ich lebe ganz bewusst mein eigenes Leben, arbeite auch viel (obwohl ich es eigentlich als Rentnerin nicht müsste), aber die Arbeit gibt mir Struktur und Halt. Das ist eine Hilfe. So findest du vielleicht auch etwas, das dir hilft gegen die Endlosgedanken. Liebe Grüße

  • Liebe Rose, Du kannst ja nun wirklich nichts dazu, dass die Freundin Deiner Mutter gestorben ist - und trotzdem fühlst Du Dich - wie wir alle - schuldig.

    Quatsch! Deine Mutter lebt nicht auf einer Einsiedleralm. Sie ist unter Leuten in der Einrichtung, und die meinen es gut mit ihr.

    Wer meint es denn gut mit Dir?

    Alles Gute Ute

    Einmal editiert, zuletzt von Alfskjoni ()

  • Lieber Herr Hamborg,

    ich freue mich immer sehr, wenn Sie mir/ uns so wertvolle Tipps geben.


    Da für mich als Newcomerin auf diesem Gebiet immer "ganz schön viel drinsteht" in Ihren Briefen, brauchte ich diesmal ein bisschen Zeit zum "Begreifen".


    Also werde ich


    1. mir gestatten, meine Mutter als toxisches Geschöpf anzusehen (es ist leider fast das Einzige, was von ihr übriggebliebene ist)
    2. ich klopfe mir auf die Schulter, dass ich doch den richtigen steinigen Pfad eingeschlagen habe (aber ich habe ja u.a. das Forum als "Wanderschuhe + Wegzehrung")
    3. ich reite vorwärts und mache die Beine zu - so brechen Pferde nicht nach links/ Rechts/ oben/ unten aus. Wichtig ist das energische VORWÄRTS (ein Pferd könnte sonst zB steigen)
    4. ich habe eine funkelnde Krone auf dem Kopf. Den Kopf lasse ich nicht hängen, sonst muss ich die Krone wieder aufheben. Zu mühsam.

    LG von Ute Knüpfer

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Schicksalsgemeinschaft, es ist schön zu lesen, wie Sie sich gegenseitig unterstützen und Mut machen.


    Nur eins gefällt mir nicht, das Wort "Jammern". Für Ihre so lange und intensive Begleitung, für die besonderen Herausforderungen gibt es keine einfache Lösung, kein Knopf zum Ausstellen und niemand hat den Anspruch hier, dass Sie es einfach so und ganz schnell hinkriegen und alle zufrieden sind.


    Zur Demenz gehören die Schwankungen, das auf und ab, Lichtblicke, keine Wunder und furchtbare Rückschläge. Es ist das "richtige Leben" in einer extremen Herausforderung.

    Diesen spiralförmigen Entwicklungsprozess mit Höhen und Tiefen - den ich bei Ihnen wahrnehme - will ich nicht despektierlich als Jammerei bezeichnen und damit die Abwärtsrichtung in die depressive Symptomatik verstärken!

    Ich kann damit um, weil das Leben nicht immer einfach ist und ich hoffe, mir fällt immer mal etwas hilfreiches ein.

    Heute dachte ich daran, wie es wäre, wenn Sie alle ein kleines persönliches Symbol finden, in denen Ihre Mütter die Verbundenheit erkennen würden. An anderer Stelle habe ich schon dazu geschrieben.

    Es könnte auch ein Strauß Blumen mit einer Bildkarte (Ihr Bild/Ihr Name!) sein. Wenn Sie sicher sind, dass die Blumen auch ankommen, kann dies über verbindliche Betreuungskräfte erfolgen - Ihre Mütter haben den Anspruch auf Betreuung und diese könnte mit einem wunderbaren Ritual beginnen: "Frau XX, ich habe schöne Blumen von Ihrer Tochter für Sie, schauen Sie mal die Karte..."

    Lässt sich das im Heim nicht umsetzen sehe ich immer noch die Möglichkeit über Ehrenamtliche. Mitglieder aus dem Seniorenbeirat besuchen die Heime und die Rolle als "Blumenfee" kann auch im Ehrenamt sehr motivieren!

    Alles Gute und viel Kraft Ihr Martin Hamborg

  • Ich lebe ganz bewusst mein eigenes Leben, arbeite auch viel (obwohl ich es eigentlich als Rentnerin nicht müsste), aber die Arbeit gibt mir Struktur und Halt.

    Lieber Schwarzerkater,


    so ist es auch bei mir, an den beiden Tagen, an denen ich in meinem Ehrenamt tätig bin, bin ich absorbiert, abends geschafft, aber zufrieden. Ich liebe es, an diesen beiden Tagen ein ganz konkretes ZIel zu haben. Wenn ich das nicht hätte, wäre es schlimm.

    Ich habe ja erst im April mit meiner Arbeit aufgehört, und nur drei Wochen später eskalierte es mit den Eltern. Ich habe noch gar keine Zeit gefunden, den Abschied von meiner sehr geliebten Berufstätigkeit zu verarbeiten.


    Es macht mir Hoffnung und Mut, dass der erste Gedanke am Morgen und in der Nacht, bei jedem Aufwachen, irgendwann auch mal etwas anderes sein wird als Elternalarm ...

    Zur Demenz gehören die Schwankungen, das auf und ab, Lichtblicke, keine Wunder und furchtbare Rückschläge. Es ist das "richtige Leben" in einer extremen Herausforderung.

    Diesen spiralförmigen Entwicklungsprozess mit Höhen und Tiefen - den ich bei Ihnen wahrnehme - will ich nicht despektierlich als Jammerei bezeichnen und damit die Abwärtsrichtung in die depressive Symptomatik verstärken!

    Vielen Dank für diese wohltuenden Sätze - ich lese einige von Ihnen immer wieder durch, sie sind meine "Korsettstangen". An die Schwankungen muss man sich erst gewöhnen, an die Unberechenbarkeit. Es trifft einen ja mehr oder weniger doch ziemlich unvorbereitet, auch wenn man schon viel gelesen hat, die Realität ist schon etwas anderes ...

    Natürlich denke auch ich (und vielleicht auch einige in meinem Freund*innenkreis), ich würde zu viel klagen. Ich merke, wie ich die Erzählungen immer mehr reduziere, dosiere. Ich will niemandem auf die Nerven gehen.

    Jedoch gibt es auch positive Effekte: Durch meine Erfahrungen mit meinen Eltern hat eine Freundin die ihrigen vom Betreuten Wohnen überzeugt.

    Wie gut, dass man hier so viel von den Erfahrungen und durch Sie lernen kann, es ist ja schon alles sehr neu, überraschend und auch überfordernd.

    Bin sehr froh über dieses Forum hier!


    Herzlichste Grüße

    Nelly

  • Hallo UteSchnute, danke für die Rückmeldung und die kreative Art, wie Sie meine Gedanken weiterführen!

    Viel Erfolg auf diesem schwierigen Ritt, Ihr Martin Hamborg

    Hallo Alle,


    Ich fahre ja wegen eines kleinen Eingriffs im Darm (alles 100% bestens) erst wieder Freitag zu meiner Mutter.

    Das waren dann ausnahmsweise 2 Wochen, die ich nicht da war.

    Natürlich habe ich im Heim bei den Pflegerinnen Bescheid gesagt, meiner Mutter natürlich auch.

    Was macht sie? Ruft wiederholt 450 km entfernte Ex-Nachbarn an, so dass die mich schließlich kontaktieren. Meine Mutter könne mich nicht erreichen, ich wäre doch im KH.

    Da könnte man ja Mitleid haben- ich hab natürlich bei meiner Mutter angerufen: im 2. Satz sagte sie mir natürlich direkt dass es IHR so schlecht ging (nach mir wurde garnicht gefragt) und dass ich ja garnicht für sie einkaufen gehen können(sie hat Allinclusive und kann den Edeka 10 Min zu Fuß erreichen).


    Ich hatte Gottseidank Schwarzenkaters NULL (Diskussionen haben Null Effekt) im Kopf und habe mich bei meiner Mutter freundlich und ruhig bedankt, dass Sie sich Sorgen gemacht hätte (jaja) und habe das Telefonat beendet mit dem Satz dass ich ja wie verabredet diesen Freitag käme.


    🤷‍♀️Nachdem meine Mutter bei jedem Anruf zu mir sagte, sie würde sich umbringen wenn ich nicht etwas ändern würde (sie wollte Wohnung neben uns oder bei uns einziehen oder in ihre alte Wohnung, eigentlich ja nur dahin), habe ich leider Ihre Telefonnummer gesperrt, das Heim weiß Bescheid.

    Ich hatte sonst immer Tag und Nacht Herzklopfen bis in die Ohren.


    Warum hat die Natur das so gemacht, dass alte Menschen mit Demenz sich nur noch um sich selbst drehen? Hat das irgendeinen Nutzen? Damit sie überleben? So wie Baby scheien und so zeigen „hallo hier bin ich kümmere dich um mich“

    Weil wir doch alle davon betroffen sind.


    Zeit sich auf Freitag vorzubereiten

    Null, toxisch, Krone, geradeaus reiten, Freude und Liebe bewahren.

    Alles Gute Ute 🌸

  • Ach, Ute, du schreibst so herrlich humorvoll trotz all dieser Aufregung - aber es ist toll, dass du dadurch eine gewisse innere Distanz hin bekommst!! Das bewahre dir bitte! ;)

    Gut gemacht mit dem Blockieren, geht gerade nicht anders und es werden wieder andere Zeiten kommen, meine Mutter weiß seit ca.1 Jahr nicht mehr wie es geht mich anzurufen. Die Nummer kann sie nicht erinnern, sie hat einen Zettel damit dort kleben und die Nummer zusätzlich in einem Heftchen notiert, doch dafür scheint ihr Problemlöseverhalten nicht mehr zu reichen.

    Interessanterweise schafft sie es manchmal einen Knopf zu drücken, wo die Nr.meiner Schwester eingespeichert ist und ruft mal um 22 Uhr , aber auch mal um 4 Uhr morgens an, dass sie nun wieder nachhause will...

    Am nächsten Tag scheint dies aber vergessen.


    Und vergiss irgendeinen Grund für die Erfindung der Demenz zu suchen, es ist für nichts gut in meinen Augen. Wozu ist es denn gut, dass junge Menschen ungewollt sterben? O.ä. Es gibt nichts für alles einen Sinn, manches wird uns vor die Füße geschmissen und wir müssen einen Umgang damit finden..


    Liebe Grüße

  • Hallo Ute und Rose - ich wollte Ute antworten, dann hat Rose es aber schon auf den Punkt gebracht. Genau! Demenz ist eine schwere Krankheit, sonst nichts.


    Wir Menschen tendieren dazu, überall einen Sinn in allem für uns zu suchen und manchmal auch zu finden - das gibt dem Leben Struktur und ist daher sicher nicht verkehrt. Doch gemeinsam mit meiner einen Coaching-Freundin haben wir mal den Satz formuliert: Der einzige Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Wir sind "hier" und müssen so gut es halt geht "durchs Leben" gehen. Sicher gibt es einen höheren Sinn, aber es genügt, wenn wir hier das tun, was gerade ansteht.


    Und da haben wir mit der Demenz unserer Angehörigen alle Hände (und Köpfe) voll zu tun. Und wie Herr Hamborg schon schrieb (und es sich bei uns allen immer wieder bestätigt) ist das ein Prozess mit vielen Aufs und Abs.


    Von den Dementen selbst können wir leider keine Rücksicht mehr erwarten ... wenn Liebe und Rücksicht dennoch ab und zu hervorblitzen, ist das ein großes Geschenk. Ich habe das ja mit meiner Mutter jahrelang erlebt ...


    Manchmal denke ich, dass ich das Schicksal mit meiner dementen Mutter schon sehr gut angenommen und verarbeitet habe. Dann kommt ein Tag wie der gestrige:


    Meine Mutter freut sich, uns zu sehen (sonst ist es ihr oft gleichgültig). Wir finden - wie immer - wenig Gesprächsstoff. Ihre Sätze wirken klar, aber trotzdem verworren. Sie fragt mehrmals, wie es uns geht und wo wir jetzt hinfahren. Ich sage (wie immer): Nach Hause! Sie fragt (anders als sonst): Nach Hause? Wo ist das denn? Ich antworte irgendwas, bin total verwirrt ... Wir uns meine Mutter haben ja zig Jahre Haus an Haus gelebt. Darauf sagt meine Mutter, während sie klein und zerbrechlich vor mir sitzt recht klar, aber mit kleiner Stimme: Ich denke, das wird jetzt nichts mehr ...


    Ich habe sofort verstanden, was sie meint und ich habe so schrecklich weinen müssen auf dem Heimweg. Und auch jetzt kommen mir noch die Tränen.


    Soviel dazu: Es sind also noch manche Täler zu durchschreiten: von den Dementen selbst und auch von uns. Da müssen wir wohl oder übel durch.


    Liebe Ute, das schaffst du auf jeden Fall! Du bist innerlich schon so weit gekommen. Und ganz wichtig ist es weiterhin, dass wir aus unserem Leben trotz der Last das Beste an schönen Eindrücken herausholen. Wir haben doch nur das eine Leben und es hilft den Dementen nicht, wenn wir uns vor Kummer und Leid verzehren.


    Gut, dass es dieses Forum gibt. Nichtbetroffene können wir damit nicht immer belasten - die haben ihr eigenes Leben mit teilweise anderen Aufgaben. So kann man nicht genug dankbar sein, dass hier ein Platz für unsere Sorgen oder vielleicht auch nur Gedanken ist. Alles Liebe.

  • Zeit sich auf Freitag vorzubereiten

    Null, toxisch, Krone, geradeaus reiten, Freude und Liebe bewahren.

    Alles Gute Ute 🌸

    Ich ergänze noch: wenn bösere Worte meiner Mutter auf mich einprasseln: denken: „ich bin gut, ich mache alles richtig“ - habe irgendwo gehört das Gehirn kann immer nur eine Sache denken: so hab ich es auch bei Reitprüfungen gemacht: statt zu denke oooooh da kommt der Halleneingang mein Pferd wir wieder im Galopp scheuen es wird zur Seite springen ich werde herunterstürzen und dabei mit dem Fuß im Bügel hängenbleiben das Pferd wird dann gegen meinen Kopf treten…(so war das wirklich vorher😳) einfach, wirklich einfach denken: ich kann das. Sonderbar wie einfach das ist. Und total funktioniert.


    Also Ute:

    1. Null: Diskussionen bringen NULL

    2. meine Mutter ist halt toxisch: da hab ich keine Aktien gegen- unsere Beziehung ist toxisch

    3. Kopf gerade, damit die Krone nicht abfällt

    4. ich bin ein guter Mensch und mache das Richtige !!!

    5. ich freue mich, meine Mutter zu sehen und dass sie in so einer schönen gepflegten Einrichtung ist


    Diese 5 Punkte lerne ich bis morgen auswendig.


    Ich wünsche Euch einen schönen Donnerstag.

    Alles Gute Ute 🌸

  • Ich hätte noch eine Sache zur Ergänzung, Tipp meiner Therapeutin, damit ich nicht buchstäblich einknicke: mit geradem Rücken und erhobenem Kopf sitzen wie eine Therapeutin und denken "sie meint nicht mich" ;)

    Ich bin auch bei meiner Mutter überfällig, hatte eine OP mit vielen Schmerzen u.v.m. und kein anderer geht hin...

    Liebe Grüße

  • Liebe Rose, gute Besserung, geh erst hin wenn Du wirklich kannst und willst und 1000 Dank für den Punkt, den ich unter 3. einfügen werde:

    Kopf hoch, grader Rücken


    ❤️Alles Gute Ute

  • Liebe Ute,

    Ich war heute schon im Heim und bin immer froh, wenn ich es überstanden habe, schlimm irgendwie so zu denken, aber meine Mutter war etwas auf Krawall heute. Zum Glück hatte ich yellow Press über die Queen mit gebracht, das war ein gutes Thema und als nach 30 sek.nicht-sprechen das Thema "nachhause" kam, habe ich mit der Aufforderung nach einem luftschnappen draußen die Kurve bekommen und musste dann noch "einkaufen" - 1 Std. Besuch reicht dann.

    Ich habe tatsächlich diesmal gewartet, bis ich mich stabiler fühlte, sonst wird's schwieriger.

    Alles Gute für dich ;)

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