Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Ute Schnute,


    ich lese hier hin und wieder auch noch mit und freue mich sehr, dass es Dein Mut belohnt worden ist und Deine Mutter auf Dich eingehen konnte. Man kann nicht immer darauf hoffen, aber manchmal funktioniert es doch noch.


    Liebe Grüße

  • Liebe (r) Teutoburger,

    Dankeschön.

    Aber je näher der nächste Freitag kommt um so mehr schrumpft mein Mut, meine Zuversicht wieder- es ist so (zu) viel passiert.


    Alles Gute Ute 🌸

    • Offizieller Beitrag

    Hallo UteSchnute, herzlichen Glückwunsch für dieses wichtige Erlebnis. Sie haben offensichtlich alles "richtig" gemacht, d.h. die Richtung stimmte.


    - Sie bestimmen den Zeitpunkt für den Besuch, sind dann einfach da und erleben Ihre Mutter in der Lage in der sie gerade ist, mal offen mal nicht so offen. Vielleicht hat der Rückzug durch Corona etwas Klärendes gehabt?

    - Ihre Grenze "...bitte nicht schimpfen..." hat mir gut gefallen! Damit nehmen auch kleine Kinder ihren überforderten Müttern den Wind aus den Segeln. Da schwingt auch bei Menschen mit Demenz tief im Inneren etwas an.

    - ... und dann noch Ihre Komplimente... Komplimente gehen immer und kommen an, wenn Sie authentisch sind. Meiner Meinung nach müssen Sie auch nicht 100% stimmen - ein stimmiges Prozent kann schon ausreichen und dann bis zu 100mal ergänzen? Da gilt mein Prinzip weniger ist mehr mal nicht.


    Vielleicht wird Ihre Mutter jetzt dauerhaft weich, so wie wir es zum Glück oft erleben. In jedem Fall haben Sie erlebt, dass dies tief in ihr steckt, selbst wenn es mal einen Rückfall gibt.

    Falls Sie der Mut verlassen sollte: Sie haben sich viel Handwerkszeug erarbeitet und im Zweifel ist es besser zu gehen als zu kämpfen - damit helfen Sie auch Ihrer Mutter, um aus dem Kampfmodus gegen sich und andere herauszukommen.

    Also viel Mut, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo alle zusammen,


    ich komme gerade vom Elternbesuch. Mein Experiment, mich mit meinem Strickzeug einfach zu ihnen zu setzen und nur wenig zu sprechen, um damit eine ruhige Atmosphäre zu schaffen, ist mir schon zweimal ganz gut gelungen. Ich kam darauf, weil es auch zu Hause immer so war: Hauptsache, man war da, gefragt wurde nicht viel, sie wurschtelten vor sich hin und ich saß am Tisch und blätterte in Anzeigenblättchen ... Meine Mutter plappert vor sich hin, mein Vater arbeitet seine immer gleichen Fragen ab, lebt jemand in unserer Wohnung, wann können wir zurück. Manchmal ist es echt schwierig, ihn zu verstehen, heute hat es etwas gedauert, bis ich von "Ventilator bei Aldi" kaufen auf das kam, was er wirklich wollte: Tiefkühlessen der Johanniter, wenn sie wieder zu Hause sind. Ich sage meist, ich habe es verstanden, ich kümmere mich. Nachdem es die letzten zwei Wochen stimmungsmäßig sehr übel war bei ihnen - sie bekommen ihr Essen wieder aufs Zimmer, weil sie beide nicht laufen wollen - das tut ihnen aber nicht gut, keinerlei Abwechslung zu haben. Mein Vater hatte dazu große Atemprobleme, lag wohl an den Nebenwirkungen eines Medikaments der PIA, das wurde geändert. Jetzt sieht er wieder besser aus und atmet nicht mehr so schlecht.

    Erstaunlicherweise hat er heute zum allerersten Mal etwas gut gefunden: Ein toller Pfleger, der ihn perfekt rasiert habe! Ansonsten streiten sie sich nach wie vor, er wirft ihr dummes Gebabbel und ihre Verwirrung vor, sie ihm die Wortfindungsstörungen und die Langsamkeit beim Sprechen.


    Ich habe eine ganz tolle 100-Minuten-Doku gesehen, "Mitgefühl - Pflege neu denken" (3sat-Mediathek) über eine modellhafte Demenz-WG in Dänemark. Ich habe einiges dabei gelernt, aber es hat mich auch bedrückt und meine "disziplinierte Depression" - so nenne ich das, wie ich mich fühle, niedergeschlagen, aber ich mache immer weiter - verstärkt. Was man alles machen könnte in Sachen Kümmern, Beschäftigung und Freiraum lassen. Das ist natürlich in einem herkömmlichen Pflegeheim und so ganz allein schwer leistbar...


    Liebe Grüße

    Nelly

  • Ihr Lieben,

    Heute mal etwas Positives: nach all dem Gezeter und den Vorwürfen über lange Zeit seitens meiner Mutter nach meinem heutigen kurzen Besuch inkl. Versorgung mit Pflegemitteln etc.hatte meine Mutter den Wunsch , mich mal richtig feste zu drücken, ich sei doch ihr "bestes Stück" und es sei immer so schön, wenn ich komme.. Halleluja 8) dass ich das noch erlebe.

    Liebe Rose60, ich hoffe, es ist so positiv weitergegangen .... Auf jeden Fall sind solche kleinen Lichtblicke tröstende Leuchtfeuer auf dem schwierigen Weg. An denen darf und soll man sich freuen, Kraft auftanken.

    Meine Mutter hat mir vor Wochen mal ein kleines von ihr ausgemaltes Ausmalbild geschenkt (die Frau, die früher mal einen IQ weit, weit über dem Durchschnitt hatte ...) und ich habe geheult vor Rührung und Freude. Liebe Grüße

  • Ach ja: und ich werde ein Buch schreiben über „mein Leben als Demenztochter“. So richtig mit den Anfängen vor Jahren, Verletzungen, Hoffnungen, Versuch von Betreuung zuhause, Suche eines Heimplatzes, aber was erzähle ich Euch.

    Liebe UteSchnute, auch für dich freue ich mich über deine letzten positiven Erfahrungen - da gilt dasselbe, was ich auch für Rose60 schrieb.

    Und ja, schreib doch ein Buch ... eins, das sehr realistisch über all die eigenen Erfahrungen berichtet ... und das trotzdem Hoffnung gibt, dass man das alles überstehen kann (und ja auch muss). Ich selbst konnte mich und meine Erfahrungen in manchen sehr rührend geschriebenen Erfahrungsberichten nicht wiederfinden ... erst in diesem Forum traf ich auf Menschen, denen es ähnlich ging wie mir. Liebe Grüße

  • Hallo hier bin ich. Nach meinem Freitagsbesuch…es war ganz schrecklich und mein Herz krampft sich noch immer zusammen.

    Natürlich wurde meine Mutter wieder von jedem angesprochen, was sie in der Einrichtung mache.

    Und ich bin der abscheulichste Mensch der Welt. Ich bin kalt, verwöhnt, egoistisch, schiebe sie ab, will meinen Willen durchsetzen, hätte vor Jahren ihren teuren Fön gewollt, lasse mit mir nicht reden.

    Sie will wieder gerichtlich gegen mich vorgehen.

    Eine Bekannte, die sonst nie eine Rolle spielte, ruft nun wöchentlich bei meiner Mutter an und „will sich um meine Mutter kümmern, wenn sie wieder in ihrer Wohnung wohnt“.


    Sie könne gerichtlich gegen mich vorgehen, da ich die Unwahrheit sage ob ihres Gesundheitszustandes.


    Die Tabletten machen sie krank.


    Sie braucht mich nicht, ich solle aus ihrem Leben verschwinden, sie will nur wieder in ihre Wohnung und es reicht, wenn dann 3 Stunden täglich jemand kommt (das hatten wir ja zwischen den 5 Krankenhausaufenthalten ausprobiert: es hat mit den nettesten Betreuerinnen nicht geklappt).


    Krankenhaus? Da war doch garnichts. Schlaganfälle? Hatte sie nicht. Alles nur ganz harmlos.


    Ich hab ihr dann noch gesagt dass ich jetzt eh das Hassobjekt bin: als sie noch in ihrer Wohnung war hat sie jedem erzählt was sie für eine böse gleichgültige Tochter hat die sich um nichts kümmert (430 km entfernt, berufstätig, 3 Teenager,…).

    Und nun, 17 km von uns entfernt, erzählt sie auch wieder jedem Taxifahrer/ Betreuer/ Arzt, wie schrecklich ihre Tochter ist.


    Zu uns zu Besuch kommen möchte die auch nicht🤷‍♀️.


    Ich war dann noch kurz bei der Heimleiterin: meine Mutter schließt sich weiter bei allem aus, sie würde sich typisch für ihr Krankheitsbild verhalten.


    Einfach schlimm!!!

    Heute ist mein Mann in NRW und löst die Wohnung auf.


    Wenn meine Mutter in dieser sehr schlimmen Stimmung ist: sollte ich dann sofort wieder gehen?


    Alles Gute von Ute mit‘m Krampf im Magen

  • Ja, Ute, wieder gehen!! Wenn es doch an dem Tag eh nicht besser wird, du schadest nur dir selbst und hilfst deiner Mutter nicht..

    Du könntest gehen mit dem Satz "schade, dass du heute so schlechte Laune hast, ich komme nächste Woche wieder" o.ä. wie es zu dir passt. Du kannst dich ja zwischendurch bei den Pflegern nach ihr erkundigen, ob alles ok ist. Ich würde mal ein paar Wochen Pause machen, ich war lange Zeit genau so ne schlimme Tochter wie du ;) habe angeblich die ganze Rente in meinem Haus gehortet etc. "Jeder" sagte auch , dass meine Mutter nicht ins Heim gehört, es hat sich mit der Zeit alles gelegt. Ist doch eher ein Vorteil, dass deine Mutter mit diesem Verhalten nicht bei euch auflaufen will. Sie kämpft... Gegen das Vergessen, die Demenzerkrankung, gegen Angst (?)..

    In solch einer Verfassung können ihr die Profis sicher besser helfen.

    Ich würde mir an deiner Stelle irgendwas Gutes gönnen😉 es ist schon schlimm mit uns "furchtbaren, bösen Töchtern"..

    Lass es los, du kannst deine Mutter aktuell nicht überzeugen und läufst nur gegen die Wand...

    Gib die Hoffnung nicht auf!

    Herzliche Grüße

  • Ach Ute, mach es genauso wie Rose60 schreibt: Bleib sachlich-authentisch und geh wieder, nicht diskutieren, keine Verteidigung, nicht widersprechen, nichts von früher sagen, gar nichts von alldem.

    Meine Mutter hat mich auch einmal mittags rausgeworfen und beschimpft, ich war danach kein Mensch mehr ... und abends lächelte sie mich fröhlich an.


    Geh eine Weile nicht hin (in Absprache mit dem Pflegeheim) und hoffe aufs Vergessen. Du kannst ja mal zwei Wochen wegbleiben - das wird deine Mutter gar nicht merken. Sollte sie beim nächsten Besuch wieder wütend werden, einfach sehr freundlich verabschieden und gehen. Und dann immer so weiter. Abstand - versuchen - ggf. bleiben oder gehen ...


    Ich hatte letztens meine Tochter mit bei meiner Mutter (die Tochter ist jetzt 37 und war zeitweise viel mit ihrer Oma zusammen, weil wir ja Haus an Haus wohnten ... sie und meine Mutter waren ein Herz und eine Seele, meine Tochter hat Oma früher sogar mit in den Urlaub genommen). Fazit: Meine Mutter kennt ihre Enkeltochter nicht mehr. Sie wollte, dass sie schnell wieder verschwindet, konnte mit ihr NULL anfangen. Es war schrecklich ... und diesen Eindruck musste ich dann mit in den Urlaub nehmen ...


    Also: Wir können es noch so gut meinen mit unseren dementen Angehörigen, aber die Demenz führt ein eigenes Leben.


    Ute, halte erst mal Abstand und freu dich an deiner tollen Familie und anderen guten Dingen. Das ist überlebensnotwendig.

  • Liebe Ute,


    ich musste es auch erst lernen, Danke an Rose60 und Schwarzerkater, dass einfach gehen und eine Zeitlang wegbleiben erlaubt ist, bis man sich wieder stabiler fühlt.

    Stärkstärk an alle!

    Liebe Grüße

    Nelly

  • 🥲🥹🥹Mein Mann- macht mit einem unserer Söhne und meinem Schwager die Wohnung klar für den Makler- hat sich dann noch von den jahrzehntelangen Nachbarn meiner Mutter, früher ja auch von mir und meinem Vater, verabschiedet - diese Nachbarn waren ein Segen für meine Mitter und mich: sie haben mich in diesem Demenzalptraum traumhaft unterstützt. Ich war ja immer 430 km weg.

    Natürlich habe ich ihnen etwas Geld gegeben- weil das was diese Familie geleistet hat war nicht selbstverständlich.

    Noch heute hat meine Mutter mir vorgehalten, ich hätte der Familie F. Geld gegeben.

    Und leider erzählte Herr F. meinem Mann auch, dass meine Mutter nie gut auf mich zu sprechen war. Aua. Ich wusste es ja. Will es aber immer nicht wissen.

    Also kann ich in der jetzigen Phase keine Wunder mehr erwarten.

    Über meinen Vater hat sie bei mir und auch bei meinem Vater selbst immer wirklich übelst hergezogen: von ihm schwärmt sie plötzlich. Das hat Papa echt mal verdient.


    Ein Kapitel ist abgeschlossen. Leider kann ich ja meiner Mutter nichts vom Wohnungsverkauf sagen, hat mir auch die Ärztin von abgeraten: sie haben das bei ihrer ähnlich veranlagten Oma auch so gehandhabt.


    So . Genug gejammert. Jetzt mach ich erst mal Sandwiches für die beiden hungrigen Drillinge, die nicht mit zum Wohnungsauflösen gefahren sind.


    Alles Gute Ute 🌸

  • P.S. Ich muss wohl mal endlich anfangen kein liebes Mädchen sein zu wollen 😎

    Warum solltest Du ein liebes Mädchen sein wollen? Wenn Deine Mutter das bis jetzt nicht erkannt hat, wird sie es auch nicht mehr sehen - oder es geht ihr dann wie mit Deinem Vater und da weißt Du dann aber auch, dass das nur die Demenz ist und nicht mehr Deine Mutter. Sehr traurig, aber leider wohl harte Wahrheit, so wie Du es bisher schilderst.

  • Wie wahr Ecia, aber so ein 56 Jahre altes Muster ist ganz schön eingebrannt. Mein Mann regt sich da über mich immer richtig auf (und ist meine beste Stütze💪🏻) lg Ute

  • ein 56 Jahre altes Muster ist ganz schön eingebrannt

    Das stimmt. Andererseits bietet diese Demenz deiner Mutter auch eine große Chance, die alten unpassenden Muster abzustreifen: Deine Mutter existiert jetzt in einer anderen Version. Ihre negativen Merkmale mögen stärker hervortreten und doch ist sie jetzt eigentlich die Bedürftige, Schutzsuchende. Du hast aber doch ALLES getan, was ein guter, liebevoller Mensch in dieser Situation für sie bestmöglich tun kann ... du hast ihr die beste Hilfe besorgt, die es gibt. MEHR GEHT NICHT, selbst wenn du dich vierteilen würdest. Ich kann dir nur raten: Versuche, nicht mehr an früher zu denken, wirf ihr nichts vor (auch in deinem Inneren nicht). Das nützt niemandem, v.a. dich bringt es in eine Endlosschleife. Da lässt sich leider jetzt nichts mehr ändern - es ist dafür leider zu spät. Und es ist doch auch egal, heute ist heute und heute hast du ein schönes Leben ... eigentlich. Sag dir immer wieder, dass du ALLES getan hast, was irgend möglich ist. Sie mag dazu sagen, was sie will. Und - wie ich schon schrieb - gehe auf Abstand. Lass deine Mutter wüten und sich wehren. Das ist ihr Recht, aber auch ihr eigener Weg aus diesem Leben (nicht deiner), beeinflusst durch diese schreckliche Krankheit. (Wir werden einmal unseren eigenen Weg gehen.) Du hast eine so tolle Familie, an der kannst du dich festhalten, dich ausweinen und vor allem erfreuen.

    Geh wirklich einfach seltener zu deiner Mutter - du hilfst weder dir noch ihr durch deine Anwesenheit.

    Nebenbei: Meine Tochter und ich haben jetzt auch beschlossen, dass sie nicht mehr zur Oma geht. Niemand hat etwas davon. Meine Mutter beginnt, im Augenblick zu leben - das ist ehrlich gesagt nicht einmal die schlechteste Art, die restliche Zeit des Lebens zu erfahren. Ich hoffe es bleibt so ... und dann finde ich diese Version meiner Mutter gar nicht mal so schrecklich. Alles Dominante fällt langsam von ihr ab und sie wird weicher.

    Ich hoffe, das passiert bei euch auch so. Aber erst einmal lebe dein Leben und tu, was dir in deinen jetzigen Jahren gut tut und was ansteht.

    Verzeih mir bitte meine offenen Worte, aber ich bin - glaube ich - ca. 10 Jahre älter (und außer diesem Deseaster gibt es in meiner Familie auch noch andere fürchterliche Schicksale, die mich inzwischen ziemlich geschliffen haben ...)

    Alles Liebe <3

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