Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Liebe Schwarzerkater, Deine Worte werde ich auch meiner Schwester nahezubringen versuchen, denn die kann sich noch sehr über die Egozentrik unserer Mutter ereifern - eben weil sie die schon immer hatte. Aber ich glaube, die wird auch mit der Demenz nicht mehr verschwinden, beobachtete ich diesen Anteil schon bei vielen alternden Menschen eher sich steigernd.

    Aber Mutter tut niemandem mehr was damit - sie lebt einfach nur noch sich selbst vor sich hin.

    Danke für Deine Ausführungen, die helfen mir auf jeden Fall.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, die gegenseitige Unterstützung, das Mut machen und die wertvollen Beiträge haben mich gefreut. Dem kann ich mich anschließen und möchte nur kurz ergänzen:

    - Hallo Nelly, das Strickzeug ist eine super Idee, Sie greifen dabei ein altes positives Muster auf und das führt wieder ein wenig in eine neue Normalität. Kommen kritische Themen hat es sich bewährt, diese einfach zur Kenntnis zu nehmen, Sie sagen, Sie kümmern sich und dann kommt Ihre neue alte Stärke an, weil es Sie nicht mehr "bekümmert". Weiter so!


    - Hallo Ute Schnute, wollen Sie auch von meiner Seite noch mal lesen, dass es gut die Litanei der Vorwürfe zu unterbrechen? Es liest sich so, als wenn sich Ihre Mutter in solchen Situationen richtig heiß läuft, das müssen Sie nicht durch Ihre Anwesenheit verstärken oder? Vielleicht hat Ihre Mutter intuitiv gespürt, dass die Wohnung nun aufgelöst wird, vielleicht strahlen Sie dies bei dem Besuch aus. Wie die anderen schon sagen: Ein bisschen Abstand tut gut und verstärkt vielleicht sogar die Bindung.


    Hallo SchwarzerKater, wenn Ihre Mutter nun immer mehr die Augenblicke leben lernt, wird es bald auch für Ihre Tochter einfacher. Auch für die großen Enkel gilt: Bleiben und verstärken, wenn es gut ist. Gehen, wenn die Beziehungsgestaltung aus irgendwelchen Gründen nicht gelingt.

    Ihnen ein schönes letztes Oktoberwocheende! Ihr Martin Hamborg

  • Lieber Herr Hamborg, danke für Ihre Worte. Noch als meine Mutter zu Hause war, verschwand ihre Enkeltochter immer mehr aus ihrer Erinnerung, obwohl sie eigentlich regelmäßig zu Besuch kam (und wie gesagt haben wir quasi immer beinahe beieinander gelebt). Oma und Enkeltochter waren sich unheimlich wichtig. Ich weiß nicht, warum ausgerechnet sie bei meiner dementen Mutter so früh gelöscht war. Auch in Bezug auf mich bin ich nicht sicher, ob sie das "Konstrukt Tochter" noch richtig erfasst. Aber ich habe merkwürdigerweise gar nicht so sehr ein Problem damit. Wenn ich sehe, dass es ihr gut geht, verzichte ich gerne aufs Wiedererkennen und der Enkeltochter geht es ebenso. Das ist tausendmal angenehmer als die aggressive Version meiner Mutter, die wir auch erlebt haben und die mir ziemlich zugesetzt hat (daher verstehe ich die anderen hier sehr gut).

  • Hallo Ihr alle, hach, dieses Forum ist Lebenselixier. Ihr glaubt garnicht, wie oft ich Euch und Herrn Hamborg zitiere bei meinem Mann, Pflegern, Ärztin etc.


    Also jaja - es gibt keinen Holzhammer als Emoji. Aber den habt Ihr mir ja alle auf den Kopf gekloppt: Abstand.

    Und nicht die Ute-Methode: wenn ich noch ein bisschen warte/ lieber bin/ mehr erkläre.


    Jaja Ute! 8)

  • denn die kann sich noch sehr über die Egozentrik unserer Mutter ereifern - eben weil sie die schon immer hatte. Aber ich glaube, die wird auch mit der Demenz nicht mehr verschwinden, beobachtete ich diesen Anteil schon bei vielen alternden Menschen eher sich steigernd.

    Aber Mutter tut niemandem mehr was damit - sie lebt einfach nur noch sich selbst vor sich hin.

    Liebe ecia25, ja die zunehmenden Beschwerlichkeiten des Alterns fordern auf Widerstandskräfte heraus, die zeitlebens genutzt wurden und an die man gewohnt ist. Da andere Kompensationsmöglichkeiten oft nicht gegeben sind, verstärkt man eben die alten Widersstandsmuster. Es sei denn, man wird weise ... :-). Aber das passiert nicht oft. Bei der Demenz passieren wohl ähnliche Abläufe, nur dass ringsherum und oft nicht nachvollziehbar alles Mögliche zerstört wird. Ich habe ja die beginnende Demenz meiner Mutter ehemals gar nicht erkannt und stand völlig geschockt vor ihrer immer mehr zunehmenden Wut auf mich ... Da habe ich das noch sehr auf mich bezogen. Aber jetzt wird es für mich besser. Liebe Grüße.

  • Liebe UteSchnute, auch für dich freue ich mich über deine letzten positiven Erfahrungen - da gilt dasselbe, was ich auch für Rose60 schrieb.

    Und ja, schreib doch ein Buch ... eins, das sehr realistisch über all die eigenen Erfahrungen berichtet ... und das trotzdem Hoffnung gibt, dass man das alles überstehen kann (und ja auch muss). Ich selbst konnte mich und meine Erfahrungen in manchen sehr rührend geschriebenen Erfahrungsberichten nicht wiederfinden ... erst in diesem Forum traf ich auf Menschen, denen es ähnlich ging wie mir. Liebe Grüße

    Schwarzerkater ich bin nächstes Jahr 2 Wochen auf Römö. Nur ich, kein Hund, kein Mensch. Da wird der 1. Entwurf zusammengebaut. Bin schon beim Strukturieren. :/LG Ute <3

  • Und nicht die Ute-Methode: wenn ich noch ein bisschen warte/ lieber bin/ mehr erkläre.

    Liebe Ute,


    ich habe da auch meine Erfahrungen mit gemacht. Wenn wegen der Demenz arge Charaktereinbrüche da waren und meine Anwesenheit dem anderen nicht gut getan haben, dann habe auch ich den Raum verlassen, war spazieren, habe andere Sachen im Heim erledigt (Gespräche) oder ich war etwas einkaufen gegangen. Entweder war danach alles besser, dann bin ich geblieben und wenn nicht, dann bin ich ohne schlechtes Gewissen gegangen.


    Ich denke, man sollte hier immer individuell entscheiden. Meine Erfahrung ist auch die, dass es manchmal klar und offensichtlich gewesen ist, wenn schlimme Aussetzer da waren, und man praktisch zum schlimmsten Dieb und Mörder abgestempelt worden ist oder wenn es eher etwas diffus gewesen ist.


    Anfangs ist das tatsächlich nicht so leicht, aber es wird mit der Zeit bei einem selbst besser. Aber es gibt natürlich auch immer mal wieder Situationen, die einen überfordern können. Da war und ist dieses Forum, und seine Mitschreiber, einfach nur Gold wert.


    Beste Grüße an Dich und alle anderen, die hier mitlesen

  • Hallo Ihr, ich habe in den letzten 2 Tagen hoffentlich einen neuen Meilenstein genommen.


    Nach dem freitäglichen Besuch bei meiner Mutter war ich niedergeschlagen wie lange nicht/ noch nie.

    Und dann war ich auch noch nicht mal bei Mc Donalds, weil die Kinder Ferien haben und zuhause warteten 🫤ich muss mich ja selbst ein bisschen verulken und „gutlaunen“🥹.


    Nun Ihr habt mir ja alle zu Recht entgegengerufen HALTE ABSTAND.


    Aber da war immer noch so ein Gefühl: da ist noch mehr.


    Und dann habe ich gegoogelt: Demente Narzisten“…

    ….und dann habe ich gedacht: Hey!


    Ich zitiere:


    „….

  • Danke, Ute, da sind viele hilfreiche Gedanken auch für mich dabei.

    Ich würde meine Mutter zwar nicht als narzistisch bezeichnen , aber durch die Demenz mit deutlich eingeschränkter Wahrnehmung eher ich-bezogen.

    Den Punkt "Verzeihen" finde ich wichtig, da man mit innerem Groll auf Dauer auch die eigene Seele verletzt. Ich hatte vor einiger Zeit ein wichtiges Gespräch mit dem Heimseelsorger, saß in Tränen aufgelöst vor ihm, hatte permanent das Gefühl nicht genug zu tun, nicht genug zu sein , das war schlimm.. Er empfahl mir, dringend "die Fäden in der Hand " zu behalten, also grundsätzlich den Rahmen, die Dauer von Besuchen vorzugeben. Das war für mich sehr hilfreich. Immer noch habe ich das Gefühl eines (mittlerweile kleineren) inneren Magneten, doch mit der Zeit stärkt es mich eben so zu handeln wie mir empfohlen wurde und meine Mutter scheint mehr Respekt mir gegenüber zu haben.

    Was, denkst du, würde schlimmstenfalls passieren, wenn du mehr auf Abstand gehst? Liebesverlust von deiner Mutter? Bist du davon noch abhängig im jetzigen Alter? Kannst du deine Energie mittlerweile auch mehr in die Menschen geben, die dir guttun?

    (Nur zum Nachdenken ;) )

    Bin auch gespannt, was andere zum obigen Text meinen.

    Liebe Grüße

    Rose60

  • Liebe Rose,

    ja was habe ich für Ängste bei dem Abstand?

    Meine Mutter hat zwischen bettlägerigen Demenzen Phasen immer sehr rüstige: ich glaube, das liebe Kind ist mal wieder das Problem: ich kann schlecht ertragen, wenn sie jedem Taxifahrer, der einen entfernten Bekannten, die sie wöchentlich anruft, jedem Pfleger, jedem Bewohner erzählt, dass ich sie eingesperrt habe gegen ihren Willen.


    Und dass Sie einfach und nie Ruhe gibt bis sie ihr Ziel erreicht hat.

    Auch wenn mir die Pflegeleitung, die Heimleitung, die Ärztin, mein Mann sowieso, die Nachbarn F., die so traumhaft die letzten 5 Monate geholfen haben,... versichern, dass sie definitiv nicht mehr alleine leben kann.

    Ich hab da noch dieses dumme Kinderohr, das es der Mutter recht machen will. Und das nervt mich auch, wie alle anderen.



    Aber ich trete bei ihr wirklich gut und ruhig auf. Da bin ich recht zufrieden.

    Nur innendrin ist dann bei mir anschliessend oft Wirbelsturm.



    Das mit dem Verzeihen geht interessanterweise. Unglaublicherweise. Zumeist.



    Alles Gute Ute

  • Liebe Ute -


    danke für's Googlen: Ich erkenne meine Mutter darin wieder. Ich habe ein paar Tage jetzt nur mitgelesen, mit meiner Mutter lief es recht gut. Wir haben telefoniert, unterschiedliche Bekannte haben sie mit zum Gottesdienst genommen. Am Freitag bin ich dann zu ihr gefahren, wollte eigentlich bis einschl. heute bleiben, bin aber gestern schon zurück. Es war nicht mehr auszuhalten. Ab 3.20 Uhr (ca.) war jedes Mal die Nacht zuende. Meine Mutter ist ja immer schon nachts ab und an aufgestanden, hat alle Türen aufgemacht und ist dann wieder ins Bett. Dieses Mal ist sie aufgestanden, schimpfte vor sich hin, dass ich ihr "alles genommen" habe, sie "fertigmachen will" usw. Tür zu meinem Zimmer aufgerissen, Licht im Flur an (ich habe die Birnen in meinem Zimmer deswegen lose gedreht). Das Ganze alle 15 Min. bis ich dann gegen 4.30 Uhr einfach aufgestanden bin. An Schlafen war eh nicht mehr zu denken. In der Nacht von Sonntag auf Montag der nächste "Höhepunkt": Ich wurde nicht nur beschimpft, sondern mit irgendwelchen Sachen (Hosen, T-Shirts, Taschen) beschmissen. Da hatte ich schon beschlossen, am Montag zu fahren. Fazit: ich werde das nächste Mal im Hotel schlafen. Da kann ich schlafen und auch in Ruhe duschen - meine Mutter ist jedes Mal hinterher ins Bad, wenn ich geduscht habe, weil sie nicht wusste, wo ich bin. Obwohl ich es ihr gesagt habe.


    Ihre Nachbarn hatten mich da schon abgefangen und mir gesagt, dass sie 2x hingefallen ist, aber nicht ins Krankenhaus wollte. Dass sie ja keinen Adventskranz kaufen solle, weil sie Angst wegen Feuer haben (also habe ich erst einmal alle Streichhölzer eingesammelt und weggeworfen) usw. Das hat meine Mutter bei einer der Nachbarinnen mitbekommen und sich fürchterlich aufgeregt. Da war sie auf einmal offen für Umzug in betreutes Wohnen, Vorsorgevollmacht usw. Leider war kein Drucker da, um das Papier auszudrucken und direkt unterschreiben zu lassen. Aber von da an ging es bergab.


    Wenn sie sich aufregt, bekommt sie jetzt Wutanfälle und schmeißt Dinge durch die Gegend. Als sie mitbekommen hat, dass ich am Nachmittag fahre, hat sie meine Tasche, Schuhe, Klamotten durch die Gegend geworfen, dann die Sachen in meinem bereits fast gepackten Koffer rausgeholt und im gesamten Zimmer verteilt, ebenso Kissen, Bettdecken usw. Aber sie ist das ja nicht gewesen.


    Sie wollte dann ihre Bekannte anrufen, hatte aber meine Telefonnummer gewählt. Dann wollte sie zur Bekannten gehen, die habe ich dann erst einmal vorgewarnt, aber sie ist dort wohl nicht aufgetaucht. Woher sie meine Telefonnummer hat, weiß ich nicht - ich leere den Telefonspeicher, wenn ich bei ihr bin, weil ich keine 60 Nachrichten bekommen möchte. Auch wenn sie geblockt ist, es stresst mich, wenn ich so viele Nachrichten dann sehe. Momentan geht alles wieder von vorne los: Um 9 Uhr haben wir telefoniert. Jetzt habe ich schon wieder ein gutes Dutzend Nachrichten auf der Voicemail. Ich hatte dann nochmal kurz angerufen, da ging sie auf mich los: ich hätte irgendwelche Zettel bei ihr rumgeschmissen (nein, habe ich nicht), ich soll gefälligst kommen und die einsammeln. Nein, ich werde mich jetzt nicht 8 Stunden in den Zug setzen und ein paar Zettel einsammeln, die sie rumgeschmissen hat. Ich bin dabei wirklich ruhig geblieben, aber sie flippte immer mehr aus. Fazit: Sie meinte, ich soll meine Klappe halten und legte auf. Die Nachrichten hören natürlich nicht auf.


    So kann das wirklich nicht weitergehen. Wenn sie die Vorsorgevollmacht nicht unterschreibt, dann muss ich leider den Gerichtsweg einschlagen. Ich sehe nicht, wie sie noch lange in ihrer Wohnung wohnen kann. Deswegen werde ich diese Woche bei einem Heim nachfragen, was Konditionen für betreutes Wohnung etc. sind. Mein Vater war dort in Kurzzeitpflege und der demente Vater einer Freundin war dort - beide wurden dort sehr gut betreut. Meine Mutter hat seit meinem letzten Besuch deutlich abgebaut und wird mir gegenüber immer aggressiver. Ich hatte gestern mit Bekannten von ihr gesprochen und ihnen davon erzählt, sie haben mich wirklich aufgebaut und unterstützt. Ich bin mir sehr bewusst, dass es sein kann, dass meine Mutter nie wieder ein Wort mit mir spricht, wenn sie in betreutes Wohnen / Heim gehen muss. Und ich werde einen Arzttermin (vorgeblich wegen einer anderen Sache) ausmachen und dort mit ihr hingehen. Ich hoffe, das sind erste Schritte, die funktionieren werden. Sie sieht immer noch nicht, dass sie abbaut - ich bin ja diejenige, die "sie nicht alle hat" und "bekloppt ist".

    Sorry für den langen Post, aber alles runterzuschreiben hat mir gerade wirklich geholfen.

  • Liebe Tanja,

    Was Du aushältst!

    Auf jeden Fall würde ich, auch für Deine Gesundheit, nur noch zu klar definierten Zeiten zu Deiner Mutter fahren und definitiv im Hotel übernachten. Sie könnte Dir auch mal gefährlich werden? Und Du brauchst unbedingt Erholungsphasen beim Besuch.


    Kaputter Drucker? ohje! Du hast Recht Vorsorgevollmacht/ ges. Betreuung müssen sofort her.

    Hast Du keinen „Charmbolzen“, der beim Unterschriftstermin dabei ist? Bei mir war es mein Mann. Freund/ Bekannter/ Nachbar/ Arzt? Denn sie braucht Hilfe.und DU auch❤️.


    Meinst Du, zu ihr passt noch betreutes Wohnen?

    Die Heimleiterin sagte mir, man kann das mit einer Frage abklären: Kann sie noch nachts alleine sein? nein! Würde ich auch mal sagen bei Deiner Mutter. In fremder Umgebung ist sie (anfangs) vielleicht noch …spezieller.


    Langes Schreiben: Du es ging doch nicht kürzer bei Dir…sonst hättest Du nicht alles gesagt! Ich fand’s interessant und spannend und hab mich gefragt, wie Du DAS aushält.


    Ich nehme mir auch immer vor: also Ute nur 3 Sätze…alles klar.


    Alles Gute Ute 🌸

  • Hallo Tanja,

    "Betreutes Wohnen" bedeutet eigentlich eine eigene seniorengerechte Wohnung mit der Möglichkeit einen Pflegedienst dazuzubuchen.. das meinst du vermutlich nicht, oder?

    Da ist wohl ein Pflegeheimplatz notwendig, erstmal über Kurzzeitpflege oft möglich. Wenn du die Vollmacht nicht bekommst , Antrag auf rechtliche Betreuung stellen, geht formlos beim zuständigen Betreuungsgericht, dauert aber ne Zeit.

    Hausarzt einschalten? Begib dich bitte nicht mehr in Gefahr, im aktuellen Zustand kannst du deine Mutter nicht "retten", aber dich erstmal. Es tut mir sehr leid für dich, du hast soviel Einsatz gezeigt und trotzdem diese Entwicklung und immer den Wind von vorne...

    Hast du schon mit dem sozialpsych. Dienst der Stadt gesprochen? Die kennen sich vor Ort ja gut aus. Notfalls die Nachbarn instruieren den RTW zu rufen?

    Meine Güte, welche Auswüchse diese Krankheit haben kann.. ich weiß aber wirklich von einigen solcher Fälle, die dann durch die Psychiatrie gezähmt wurden, leider nicht selten und dafür gibt's die!!

    Liebe Grüße und alles Gute für dich und deine kämpfende Mutter,

    Rose 60

  • Ihr Lieben (Rose, Ute, Tanja),

    wenn ich mir Utes und Tanjas Schilderungen so durchlese, meine ich fast, dass ich da mit meiner Mutter noch recht glimpflich davongekommen bin. Ihre Aggressivität ging vor vielen Jahren los (schlimm genug und aus heiterem Himmel), aber damals wusste ich nicht, dass es eine Demenz wird, weil die Fassade noch komplett funktionierte.

    Tanja, ich habe dem was Rose schreibt, nichts hinzuzufügen. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt aber völlig zweitrangig, ob deine Mutter narzisstisch war oder ist. Die Demenz hat mit Sicherheit von ihrem Geist Besitz ergriffen und sie ist schlicht nicht mehr zurechnungsfähig und muss vor sich selbst geschützt werden (sowie du und andere vor ihr). Ich muss immer an die Worte der Hausärztin denken, die zu mir deutlich sagte: Das ist nicht mehr ihre Mutter! Na klar war sie es noch, ist sie es noch heute. Aber sie ist krank und braucht Hilfe. Die Sache mit der Vollmacht ... natürlich wäre es toll, wenn deine Mutter noch eine (mit Trick) unterschreibt. Aber es muss auch so gehen. Versäume lieber keine Zeit mit der Hoffnung auf den besten Augenblick. Geh nun den Weg, den Rose vorgeschlagen hat. Bevor noch etwas Schlimmeres passiert! Es ist zwar ein wenig komlizierter als mit Vollmacht. Aber ich bin ja nun ein Beispiel dafür, dass es auch ohne funktioniert. Und, liebe Tanja, ich glaube nicht, dass deine Mutter bei angemessener Pflege weiter so wütend und aggressiv bleibt. In guten Einrichtungen kennt man sich mit den Besonderheiten der Dementen aus und weiß sie zu nehmen. Ich denke manchmal, dass die Pflegerinnen im Heim meiner Mutter zaubern können. Es geht da so gelassen zu ... und funktioniert trotzdem. Hab also Mut und glaube an Besserung!!!!


    Zu dem von Ute geposteten Text:

    Den Text kenne ich sehr gut, allerdings aus anderem traurigen Anlass (betrifft den Vater meines kleinen Enkelkindes). Das alles treibt mich noch mehr um als die Demenz meiner Mutter.


    Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Mutter keine toxisch-narzisstische Persönlichkeit hat(te), ein wenig Narzissmus ist ja normal und steckt in jedem von uns. Insofern passen manche Punkte auf viele Menschen.

    Natürlich hatte auch sie Ecken und Kanten, war eher so der borstige Typ (wie meine Tochter sagt, obwohl sie ihre Oma immer sehr lieb hatte), halt sehr, sehr dominant! Aber kein toxischer Mensch.


    Die Demenz hat damals leider erst einmal die negativen Aspekte nach oben gespült. Aber hier lautet die "Weisheit der Stunde": Egal was war, JETZT ist meine Mutter schwer krank, alles Vergangene muss zurücktreten." Erst mal!


    Obwohl ich aber meine, nicht unter meiner Mutter gelitten zu haben (bis auf die Jahre der Demenz) tue ich mich dennoch nicht leicht, meine Mutter so zu sehen, sie so zu besuchen. Ich hoffe, dass es besser wird und arbeite daran. Meine so stabilen Muster kann ich heute nicht mehr nur auf meine Erziehung zurückführen - da hat sich im Laufe der Jahre so vieles angesammelt, was auf den Prüfstand gehört.


    Ich denke nur, dass man sich im aktuellen Fall immer sagen muss, dass das jetzige Verhalten auf die Krankheit zurückzuführen ist. Das hilft mir. Ich versuche es möglichst nicht mit früher in Verbindung zu bringen. Ganz sicher haben wir alle viele Wunden aus der Vergangenheit, und wenn etwas davon ganz schlimm quält, lohnt es sich bestimmt, Hilfe zu suchen.


    Wir (Töchter, Söhne) müssen den ersten Blick auf uns richten (was können wir leisten, wie geht es uns noch gut ... ) und dann erst auf unsere dementen Angehörigen (was benötigen sie von uns WIRKLICH). So wie im Flugzeug, wo man bei einem Notfall auch erst selber die Schwimmweste anlegt und erst dann anderen helfen kann.


    Legen wir also alle unsere stabilen und gut sitzenden Schwimmwesten an, besorgen uns Sauerstoff und gehen DANN daran, unseren Müttern zu helfen. Alles Liebe.

  • Liebe Tanja,

    ich habe vieles ähnlich wie du (und andere) erlebt. Meine Mutter ist vermutlich auch eine Narzistin. Hauptopfer war mein Vater - ich habe sie in meinem Erwachsenenleben intuitiv immer auf Abstand gehalten. Und als ich Kind war, hatte sie meist keine Zeit für mich, dafür hatte ich in den ersten Jahren eine sehr liebevolle Oma und bis heute eine ebensolche Tante.

    Meine Mutter und ich hatten immer eine sehr distanzierte Beziehung, ich war mir immer bewusst, dass alles was ich tue falsch und nicht gut genug ist. Mit Beginn der Demenz hatte meine Mutter einen schweren Unfall, ein Sturz bei einer ihren nächtlichen Aktivitäten. Und ab da konnte ich den Abstand nicht mehr halten, weil ich ja helfen musste. Und da ging es richtig los: Beschimpfungen, Lügen, Anschuldigungen, Telefonterror rund um die Uhr. Ich fühlte mich regelrecht erschlagen. Bsp.: ich putze bei ihr die Fenster, habe wie jede Woche den Einkauf erledigt, gekocht.....Madame liegt auf ihrem Pflegebett und telefoniert: "mir geht es ja so schlecht, keiner hilft mir und meine Tochter hat sich auch seit Monaten nicht mehr blicken lassen".

    Ich war völlig fertig, mein Sohn war zwei Jahre zuvor gestorben und ich noch dabei, mich selber wieder zu finden und zusammenzusetzen. Ich konnte damals nicht mehr schlafen, hatte schlimme Panikattacken, viel zu hohen Blutdruck u.s.w. Eine Psychologin hat damals festgestellt, dass es sich bei meiner Mutter vermutlich um eine Narzistin handelt. Mir hat diese Einsicht sehr geholfen, vieles was passiert war, konnte ich verstehen und bestimmte Muster bei mir selbst erkennen. Kennst du die Seite "Töchter narzistischer Mütter"? Fand ich damals sehr hilfreich. Auf jeden Fall weiß ich nicht, ob ich ohne diese Einsichten den weiteren Weg meiner Mutter in die Demenz hätte so gut begleiten können. Vermutlich wäre ich gesundheitlich auf der Strecke geblieben.

    Auf jeden Fall, hat die Demenz meine Mutter sehr verändert, sie ist zwar immer noch die barsche Frau, die meint, außer ihr sind alle doof und unfähig, aber mir gegenüber ist sie sehr friedlich geworden und letztens hat mir doch eine Bekannte, die sie im Pflegeheim besucht hat, erzählt, dass sie gesagt hat "wie lieb ich sei"!!!!????

    Also an alle die noch in der "kriegerischen Phase" sind - bitte nicht den Mut verlieren!

    LG never

  • Liebe alle -


    ganz lieben Dank für's Zuhören, für die guten Tipps und vor allem auch für euren Zuspruch. Das hat mir Mut gemacht und mich auch bestärkt, dass es so nicht weitergehen kann.

    ich bin mir tatsächlich nicht mehr sicher, ob betreutes Wohnen das richtige für sie ist. Ich habe aber noch den Kontakt vom Seniorenheim / betreuten Wohnen gefunden, wo mein Vater zur Kurzzeitpflege war. Dort war auch der Vater einer Freundin in der Demenzabteilung untergebracht und sie hatten nur Gutes zu berichten. Ich werde morgen Kontakt aufnehmen und dort mal nachfragen bzw. mir alles erklären lassen.

    Und dann mal wieder die Krankenkasse anfunken, wobei die sehr hilfreich sind.

    Der Tipp, dass die Nachbarn im Notfall ein RTW holen, ist gut - eine Nachbarin (die nervigste, muss ich zugeben) hat angedroht die Polizei zu holen, wenn irgendwas ist. Die anderen beiden sind da verständnisvoller. Einmal ist sie gefallen, da hat sie ihnen verboten, ein RTW zu holen. Die beiden netteren meinten schon, dass sie sich davon nicht noch einmal abbringen lassen.

    Ute: Charmebolzen - da muss ich überlegen. Vielleicht ihre Bekannte Ulla. Ansonsten gibt es niemanden - ich habe keine Geschwister oder einen Partner.

    Ich weiß jetzt zumindest, wie es weitergeht und auch wenn es hart wird, es ist der richtige Weg.

    Ich wünsche euch allen einen schönen Abend. Danke euch, dass ihr mir Mut macht.

    Alles Liebe, Tanja

  • Liebe Tanja,

    Wenn einmal ein entscheidender Weg eingestielt ist, sollte es entspannter werden, jedenfalls wenn du das Gefühl hast, deine Mutter ist dann unter Beobachtung und Versorgung. Ich habe mehrmals erlebt, dass eine Stabilisierung erfolgte, wenn die alten Menschen nicht mehr sich selbst überlassen waren und vorher mit dem selbstständigen Leben überfordert waren.

    Daher nochmal der Hinweis, dass ein Altenwohnheim nun eigentlich angesagt ist, in einer eigenen Wohnung findet keine obligatorische Betreuung statt. So ist es jedenfalls in NRW, da lebt man im sogen.betreuten Wohnen trotzdem einsam auf sich gestellt, könnte nur bei Bedarf einen Notknopf drücken, damit jemand kommt. Im Altenheim schaut man nach meiner Erfahrung regelmäßig nach den Bewohnern unter irgendeinem Vorwand und es gibt ein Angebot zur Beschäftigung. Die Pflege wird dokumentiert und regelmäßig kann ein entspr.Arzt hinzugezogen werden, die Wäsche und medik. Versorgung wird erledigt. Damit könntest du viel ruhiger werden..

    Ich war heute noch bei meiner Mutter und statt der anfangs lange Zeit vielen Vorwürfe und Anschuldigungen gegenüber Freundin, ich habe sie unter Vortäuschung falscher Tatsachen hierher gebracht, reiße mir ihre ganze Rente unter den Nagel etc., bin ich nun die liebe Tochter, die als einzige vernünftig mit ihr redet etc. Geht doch ;)

    Freu dich auf die Zeit, wenn es hoffentlich bald eine gute Lösung gibt - nun, wo es sich zuspitzt und deine Betreuung ganz offensichtlich nicht mehr ausreicht!

    Liebe Grüße

    Rose 60

  • Liebe Tanja, dann melde ich mich auch nochmal ... einfach um das zu bekräftigen, was Rose schreibt.


    Noch ein Wort zur Art des Heimes: Meine Mutter ist in einem Pflegeheim, das betreutes Wohnen und Pflege kombiniert. Da es nur relativ wenige Bewohner/innen gibt, kann man auf verschiedene Bedürfnisse aller eingehen.


    Meine Mutter bekommt alles, was sie braucht. Ich empfinde ihr zunehmendes Vergessen als große Gnade. Zwar spricht sie immer mal davon, nach Hause zu wollen, aber sie entfernt sich immer mehr von mir - ich habe praktisch kaum noch Bedeutung für sie. Die Phase, die Rose beschreibt (mit "späten" Komplimenten an mich) haben wir ausgelassen. Meine Mutter hat mich nie gelobt, wollte aber auch selbst keine Komplimente (das war einfach ihre borstige Art und sie ist sich in der Demenz treu geblieben).


    Aber, liebe Tanja, schau doch bitte nach vorn. Wenn du dafür gesorgt hast, dass deiner Mutter notwendige Hilfe zuteil wird, die du jetzt unter keinen Umständen mehr geben kannst, darfst du guten Gewissens dein eigenes Leben leben. Nur um das geht es. Wir haben alle nur dieses eine Leben. Von deiner Mutter musst du dich verabschieden ... alle bisherigen guten und schlechten Zeiten und Erlebnisse mit ihr liegen im Gestern und das kommt nicht zurück.


    Das mag traurig sein ... hier und da ..., aber es bietet auch eine Chance. Es gibt so viele gute Dinge, die noch zu tun sind ...


    In meinem Fall gibt es immer noch traurige Phasen (die vielleicht auch normal sind), aber ich habe wenigstens die Chance zu leben und weiß meine Mutter bestmöglich betreut. Und allein dafür bin ich dem kleinen Pflegeheim unendlich dankbar.

    Ich drücke alle Daumen für einen guten Weg für deine Mutter und für dich. <3

  • Liebe Rose60, liebe schwarzerkater -


    lieben Dank für eure aufmunternden Worte. Heute früh geht es mir nicht so gut, wahrscheinlich noch die Nachwirkungen vom Besuch. Meine Mutter "malträtiert" mich wieder mit Anrufen, aber dank neuem Handy sehe ich die SMS nur, wenn ich aktiv nachschaue. Das senkt den Stress-Level schon deutlich, habe ich festgestellt.

    Rose: Danke für die Info zum betreuten Wohnen in NRW. Das hilft mir sehr.

    Ich habe gestern noch die Einrichtung angeschrieben und gefragt, was machbar ist. Als nächstes kommt der Antrag für eine Pflegestufe. Das hatte ich meiner Mutter so verkauft, dass sie dann Hilfe bekommen könnte, wenn sie sie benötigt, sie aber nicht zwangsweise annehmen muss. Das kam in dem Moment auch gut an. Vielleicht klappt es ja.

    Liebe Grüße & einen schönen Tag euch,

    Tanja

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, wieder ein mal war ich beeindruckt von den wertvollen Gedanken und Anregungen. Einige möchte ich aufgreifen und weiterführen.


    Demenz verstärkt das Widerstandsmuster, danke für diese "Weisheit der Stunde", SchwarzerKater! Ich möchte nur hinzufügen: Dann sollten wir es nicht noch mehr verstärken und mit dem besten Gefühl jeden gegenseitig aufschaukelnden Konflikt vermeiden! Mit dieser Erkenntnis oder wie es die Pflegekräfte lernen (sollen) "Verstehenshypothese" ist es mit besten Gewissen möglich, aus dem Konflikt zu gehen, Grenzen zu setzten und die Situation zu verlassen! Sie hilft uns vorher die "Schwimmweste" anzulegen, für manche auch eine "kugelsichere Weste" - bitte immer schon vor dem Besuch!


    Die andere "Verstehenshypothese" lädt zum Handeln mit einem guten Gewissen ein: Vielleicht bin ich die Tochter einer narzisstischen Mutter, die nur aus der Beziehungsfalle kommt, wenn sie sich selbst ändert.

    Dabei ist nicht die Diagnose mit Krankheitswert wichtig, sondern die Frage, wie sehr war das Persönlichkeitsmerkmal für mich toxisch, wie sehr haben meine Eltern auf meine Kosten mit mir ein giftiges Spiel gemacht?


    Wenn wir auf Grundlage dieser Erklärung das Spiel nicht mehr mitmachen und (endlich mal) an uns denken, uns schützen und unsere Liebe durch Abstand und Klarheit zeigen... hat das weniger Nebenwirkungen als die "Ute-Methode" - Ihre humorvolle Selbstbetr-achtung freut mich immer wieder neu!


    Manchmal hilft es ein wenig, wenn wir uns klar machen: Das was wir unseren Eltern erklären wollen, erklären wir eigentlich uns selbst - so oft bis wir es verstanden haben!

    Dann ist es auch einfacher, den "inneren Wirbelsturm" in die richtige Richtung abziehen zu lassen ... und sich das selbst zu erlauben oder noch einmal die Erlaubnis hier aus unserer Runde zu holen!


    Bei Ihrem Gedanken, Rose60, kam mir der Gedanke Verzeihen ist auch ein Selbstschutz der sogar alte Verletzungen heilen kann - aber der Weg dahin ist oft sehr steinig und es ist schwer dabei die Orientierung zu behalten.

    Wie geht es uns, wenn wir sagen: Wir verzeihen Dir jetzt Deine Bosheit gegen mich ...? (obwohl sie immer wieder weh tut, sie unrecht ist und Folge einer schweren Krankheit)


    Allen eine eine gute Woche und ich bin gespannt auf die neuen "Weisheiten der Stunde"!

    Ihr Martin Hamborg

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