Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Lieber Buchenberg,


    danke für die Zeilen und Gedanken,


    auch wir werden jetzt hier vor Ort mit entsprechende Einrichtungen Kontakt aufnehmen.

    Die Besuchsmöglichkeiten und Begleitung bleiben wichtig und so wird es hoffentlich irgendwann einfacher, wenn auch wohl nicht leichter.

    Lieben Gruß und einen guten Sonntag für alle

    Harzhexi

  • Auch als sie vor zwei Tagen klarer schien und auf einen deutlich beeinträchtigteren Bewohner im Rollstuhl zuging "ach, da ist ja mein Schatz" und ihn liebevoll streichelte (der Mann rief immer "Taxi, Taxi, Taxi..) - da konnte ich zum Glück schon wieder schmunzeln und mir wurde noch deutlicher, dass meine Mutter eine ganz andere Wahrnehmung von Menschen hat, ein bisschen wehmütige Distanz sozusagen bei mir.

    Ach Rose, solche Momente sind richtig .... allerliebst. Daran kann man sich dann wieder aufrichten.


    Zu meiner Situation .... ich bin momentan wie hinter Glas.


    Hier nur die Kurzfassung. Mein Schwager, Bruder meines Mannes ist gerade vor Kurzem verstorben. Lange dramatische Geschichte ... er war bereits schlimm pflegebedürftig, ist von seiner Schwester + Ehemann sehr lange gemobbt worden, konnte sich nicht wehren. Alle lebten zusammen ... auch der 98jährige Vater lebt noch. Wir haben den Schwager immer da rausholen wollen, hätten ihm einen neuen Start ermöglicht, aber er wollte seinen Vater nicht im Stich lassen ...(der jetzt seinen Sohn begraben hat). Sehr traurige dramatische Sache ....


    Mitten in die Beerdigung hinein (2 Tage vor Weihnachten) kam ein Anruf vom Pflegeheim: Meine Mutter war gestürzt, kam für einen Tag/eine Nacht ins Krankenhaus zur Diagnostik. Zum Glück nichts gebrochen, aber seitdem hat die Demenz wohl nochmals einen Schub bekommen: Sie spricht kaum noch, zerrupft sich die Pampers mit entsprechenden Folgen im Zimmer. Nahrung wird durchgekaut und ausgespuckt. Mit ihr reden hilft Null. Sie versteht es nicht mehr. Die Pflegekräfte nehmen das mit einem Schulterzucken als gegeben hin ("Kann man nichts machen ...", sagen sie und räumen alles wweg und putzen ...).


    Ich bete nun (genau wie du), dass meine Mutter nicht jede Phase der Demenz noch mitmachen muss, aber nicht mein Wunsch zählt, sondern der Weg und das Urteil wird "woanders" bestimmt. Ich hoffe, dass meine Mutter bis zum Schluss dort bei diesen lieben Menschen bleiben darf. Vorerst sagt man mir nichts Gegenteiliges.


    Ich weiß genau, dass es weiter bergab geht und wir nicht viel tun können .... außer beten. Für sie und für uns. Ansonsten gehen wir tapfer den Weg weiter und hoffen!!!!


    Dies ist die Kurzfassung, liebe Rose60. Aber du bist ja auch schon im Schicksalertragen geübt.

    Halten wir uns an den verbleibenen guten Dingen aufrecht. Alles Liebe

  • Ach Mist, liebe schwarzer Kater, da habt ihr wirklich viel Elend vor Augen und im Kopf.

    Wir können nicht alle "retten" - diese Erfahrung habe ich so viele Jahre gemacht, sowohl privat als auch beruflich. Es ist bitter, wenn man zuschauen muss.. doch um nicht zu "verbittern" , lass uns immer wieder"der Sonne zuwenden" mit oft erheiternden und/oder sonstwie wohltuenden Kleinigkeiten.


    Meine derzeit Lieblings -Spruchkarte "man muss mit allem rechnen - auch mit dem Schönen" (meine Überraschung zu Weihnachten erst ein Ultraschallfoto vom nächsten Enkelkind;))


    Möge es deinem Schwager nun besser gehen!


    Liebe Grüße

  • Ach Ihr Lieben!

    Was Du,schwarzerkater, da erzählst, ist ja wieder eine Wahnsinnslast, in die Du Dich fügen musst. Aber Du hast den richtigen Weg ja schon erkannt und auch schon das Gehen drauf erprobt.

    Auch Du, Rose, liest Dich, als hättest Du den hilfreichen Weg gefunden. Sowas klingt immer schön.


    Und doch wissen wir alle, dass wir uns noch so gut in der momentanen Phase zurecht finden können, wenn eine neue, andere Phase kommt, müssen auch wir nicht Dementen uns immer wieder neu sortieren und einfinden.

    Das hört einfach nicht auf und geht den "erfahrenen, alten Hasen und Häsinnen" genau so, wie den Neulingen auf diesem Spezialgebiet.


    Und es tut so gut, von Euch allen zu lesen, zu erfahren, das jede und jeder sein Päckchen zu tragen hat und das oft Riesenpakete sind, niemand von uns ist allein mit so etwas, auch wenn der Inhalt der Pakete Unterschiede aufweist.

    Es tut gut, zu lesen, dass alle Taktiken lernen können, mit der schmerzlichen Lage umzugehen, immer besser umzugehen, um nicht selbst dran zu zerbrechen.


    Dieses Forum ist einfach ein Segen, das kann ich nur immer wieder betonen.

  • Hallo in die Runde,


    ecia25 und ihr anderen,


    ihr sprecht mir aus der Seele und die Päckchen wiegen und wir setzen uns immer wieder mit Lebenssituationen und Lebenskrisen auseinander.


    Lasst uns zuversichtlich bleiben und mit einem guten Gedanken morgen in die neue Woche starten.

  • Liebe Harzhexe,

    Es war sehr schwer aber ich habe meine Mutter 430 km entfernt von ihrer (nun aufgelösten -pssst weiß sie nicht) Wohnung in meiner Nähe in einem gepflegten Altersheim einquartiert. 17 km entfernt. Also nicht zu nah, ein bisschen Abstand ist immer gut 😊.

    Entspannung meinerseits? Langsam ja nach dem ganzen Stress.

    Hat die demente Giftigkeit meiner Mutter abgenommen? Nein.

    Aber es ist nur zu empfehlen.

    Nur gut dass an meinem Heimatort meiner Mutter kein Heimplatz zu bekommen war.

    Alles Gute Alfi🌸

  • Liebe Tanja,


    Meine Mutter wird 88 und lästert immer über die alten 90jährigen 🥹

  • Liebe alle -


    Ich muss hier auch eine Lanze brechen: Der soziale Dienst des Krankenhauses, in dem sie ist, hat mir sehr geholfen und auch die Dame der Krankenkasse war super.

    Die Erfahrung hab ich auch zu 99% gemacht.


    Die einzige, die sich wirklich unterirdisch schlecht benahm/ benimmt ist meine Mutter.


    Alle sind böse/ unqualifiziert/ primitiv/ frech/ einfach/ dick/ hässlich.


    Hab schon öfter als Entschuldigung in den Krankenhäusern Honig/ Schokolade/ etc. verteilt❤️

  • Viele Menschen suchen eben dauernd nach einem Feindbild, die für ihre komplexe und Ängste verantwortlich sind, so wie in unserer Gesellschaft "die Politiker ", "die Ausländer " herhalten müssen.

    Und für deine Mutter bist du für alles mögliche verantwortlich, wenn sie es schon selbst in ihrem Narzissmus nicht sein kann und du hast dich nun ganz schlau entschieden, diese Schuldgefühle nicht (mehr immer) anzunehmen. Da wird der/die Narzisst/in depressiv , irgendwann kommt er, derAbsturz.

    Und dann kannst du vllt endlich innerlich wachsen, vllt kein Doppelwumms, aber ein kleiner schon mal.

    Bis zum 31.1.fließt noch viel Wasser den Rhein runter... Du kriegt es gut hin, wenn ich überlege, welche selbstzweifel du im Sommer noch hattest ;)

    Liebe Rose,

    Deine Mail hat mich seit gestern wie ein Luftkissen getragen.

    Ja das mit dem Absturz ist zu erkennen.


    Dienstag habe ich Geburtstag und hab meine. Mann gefragt ob wir morgens (er ist seit Jahren zum ersten Mal zu meinem Geburtstag nicht auf irgendeiner Baustelle) zu meiner Mutter fahren wollen.

    Sein Gesicht kannst Du Dir vorstellen. Warum ich mir das an meinem Tag antuen will etc. Also wieder mal ich die dachte so und ab meinem Geburtstag wird es schön mit Mutti.

    Jaja das alte Muster.

    Wie gut dass mein Mann das gesagt hat (sonst hättet Ihr es gesagt da hab ich keine Sorge 😉)

    Und ich habe auch nur 2,7% ein schlechtes Gewissen.


    Das Wechselbad der Emotionen bei Deiner Mutter ist speziell und noch unerfühlt von mir.

    Sonderbar dass wir, die so da sind für unsere Mütter, so unwichtig für sie scheinen/ sind.


    Alles Gute Ute 🌸❤️🌸

  • Schwarzerkater ohohoh ich fühle so mit Dir❤️

  • Das klingt so, als gehe der Abbau recht rasant voran, vllt auch tageweise sehr unterschiedlich.. Jedenfalls musst du nun nicht mehr zweifeln, dass du mit der Unterbringung alles richtig gemacht hast und das hat jedenfalls auch mir geholfen, nicht dagegen zu halten, sondern ein nötige Schutzschild innerlich aufzubauen.

    Rose und wie das hilft!!!

    Wenn dann meine Mutter so ungeschminkt mit geschlossenen Augen auf dem Bett liegt (nach einer Salve Boshaftigkeit gegen mich mir das Pulver verschossen) sehe ich die sehr alte Frau und muss mich zusammenreißen sie nicht anzutippen weil sie dann mindestens wie bewusstlos aussieht.

    Oft klappt sie dann plötzlich wieder die Augen auf und legt noch mal einen nach mit richtig hasserfüllten Sätzen nachdem ich mich schon fast entspannt hatte.

    Das ist dann schon ein bisschen gruselig, und das mir wo ich in dem einzigen Steven King Buch das ich je gelesen habe nicht über die ersten 2 Seiten, auch nach mehreren Versuchen, hinausgekommen bin 🥹


    Bei meinem letzten Besuch war sie zum Schluss einfach eingeschlafen: seit einem Jahr bin ich nicht mit einer Schimpfsalve verabschiedet worden oh das war wirklich schön!!!

  • Hallo Alfi,


    danke für deine Zeilen ...


    Mir graut schon vor dem nächsten "Mutterumzug" und dem, was dann kommt.


    Und an alle hier....ihr seit so herzlich und offen!!


    Lieben Gruß zum Abend

    Harzhexi

  • Mir graut schon vor dem nächsten "Mutterumzug" und dem, was dann kommt.

    Du das braucht es wirklich nicht, Ihr bewegt Euch damit nach bestem Wissen und Gewissen in die richtige Richtung und das hab ich in dieser Situation verstanden: Aktion hilft, Stagnation macht schlaflose Nächte.


    Eine schöne Woche wünscht allen Alfi❤️

  • Wir können nicht alle "retten"

    Stimmt, liebe Rose. Zumindest nicht in der Form, die einem selbst richtig erscheint. Wir alle wählen unseren Weg aus mehreren Möglichkeiten im Rahmen der Umstände und müssen mit den Konsequenzen leben und sterben. Insofern lass uns ab und zu schauen, ob wir noch auf dem wirklich gewünschten Weg sind oder ob wir abbiegen müssen. Alles Liebe.

  • Dieses Forum ist einfach ein Segen, das kann ich nur immer wieder betonen.

    Liebe ecia, das liegt vermutlich daran, dass es uns zwingt zu reflektieren. So lernen wir nicht nur den Umgang mit Demenz, sondern auch viel fürs gesamte Leben.


    Gut, dass sich hier so viele Menschen gefunden haben, denen das wichtig ist. Das macht mir auch insgesamt Hoffnung fürs Leben (wenn ich das mal so "groß" formulieren darf.) Liebe Grüße

  • Hab schon öfter als Entschuldigung in den Krankenhäusern Honig/ Schokolade/ etc. verteilt

    Liebe Alfskjoni, wie schön! Ich finde das richtig toll, denn so kannst du die narzisstische Grundeinstellung deiner Mutter (die wohl auch vor der Demenz schon da war) mit positiver Energie völlig ins Leere laufen lassen. Ganz liebe Grüße, du machst es toll.

  • Liebe harzhexi, ach wie furchtbar. Ich frage mich natürlich, was die Betreuer in einer Einrichtung für Demenzkranke erwarten .... Aber auch ich kenne solch Verhalten aus anderen Zusammenhängen mit anderen Behörden.


    Schau doch vielleicht mal nach anderen Einrichtungen und rede vorher unbedingt mit anderen Angehörigen. Für mich war z.B. wichtig, dass das Heim meiner Mutter entspricht. Meine Mutter war nie an "Spielchen" und "Beschäftigung" interessiert. Sie war immer schon egozentrisch (nicht egoistisch), aber daher auch nicht so leicht in ein Schema zu kriegen.


    In ihrem Heim gibt es keine offensichtliche Beschäftigung. Meine Mutter wird in Ruhe gelassen und genauso möchte sie das. Es passieren halt so die Dinge, die passieren. Die Pflegerinnen sitzen mittendrin, mal kommt jemand mit Medikamenten, mit dem Essen .... Zeitungen liegen hier und da ... Wie zu Hause.


    Vielleicht braucht deine Mutter etwas, was das jetzige Heim nicht bietet?


    Nebenbei gesagt hoffe ich, dass die Pflegerinnen auch noch lange mit der fortgeschrittenen Demenz meiner Mutter klarkommen und sie nicht mehr umziehen muss.


    Alles Liebe und viel Kraft!

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