Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Stimmt, ich erinnere mich auch an sehr unterschiedliche Gesichtsausdrücke, manchmal sah sie schon gestresst aus im Gesicht mit irgendwie wirrem Blick, sogar ein bisschen bösartig, dann wurde es kein schöner Besuch.. in den letzten Monaten meist deutlich entspannter und stabiler und wirklich friedlich, was aber auch eher ihre Grundstimmung ist.

    Also die Hoffnung nicht aufgeben 😉

  • am

    Danke für die Schilderung.

    Es ist erschütternd- ich dachte auch immer wieder, ich/wir hätten etwas falsch gemacht.

    Einen Tag vorher noch entspannt und freundlich beim Kaffee zusammen gesessen- klare, sinnvolle Unterhaltung… einen Tag später haltlose Vorwürfe,

    absurde Anschuldigungen und ein Gesichtsausdruck, der mir bis heute Angst macht. Wie- ja, wie besessen 😳

    Fratze.


    So kann ich es leider nur nennen.


    Ich hatte immer Angst vor Psychohorrorfilmen und war, wenn ich mal kurz einen sah, wie versteinert.


    Nun bin ich mittendrin und kann nicht abschalten.

    Lg Alfi

  • Mittlerweile werde ich nicht mehr beschimpft - meine Mutter kann das einfach nicht mehr. Aber ich merke, dass mich das ständige Niedermachen dort deutlich mehr angegriffen hat, als ich dachte. Ich habe mal irgendwo gelesen "Die Seele des Menschen ist zerbrechlicher als man denkt. Es dauert

    Liebe Tanja,

    Darf ich ein klitzekleines Bisschen neidisch sein?

    Du siehst ja wie genau richtig Du alles gemacht hast.


    Ja man bleibt beschädigt, sonst würde ich nicht immer so flüchten.


    Die Pflegeleiterin sagte ganz richtig ich solle die Ereignisse nicht mit nach Hause nehmen in meinem Kopf.

    Sie setzen sich da aber gemütlich rein.

    Lg Alfi

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, die plötzlichen Wechsel in der Stimmung, die wahnhafte Verzerrung und akute Verwirrtheitsphasen können sehr unterschiedliche Ursachen haben.


    Oft ist es kein Wahn, wenn sich ein Mensch mit Demenz nicht in seiner oder ihrer Wohnung zuhause fühlt.

    Es hilft eine einfache Erklärung: Je mehr die Demenz zunimmt, um so mehr wird der innere Bezugsrahmen zur Erklärung der Welt in die Vergangenheit verschoben. Oft leben diese Menschen in der subjektiven Welt als junge Mütter oder als Kinder und dann ist es nur folgerichtig, wenn die geliebte Tochter mit der geliebten Schwester oder Mutter verwechselt wird.


    Manchmal hilft die "Re-orientierung" - d.h. Bilder in der Wohnung oder vertraute Möbelstücke führen dazu, dass der innere Bezugsrahmen wieder stärker in die Gegenwart "(ver-)rückt". Oft habe ich dann den Satz gehört: "Ja das sind meine schönen Möbel - aber die wurden hier in die fremde Wohnung gestellt."

    Der Mensch braucht die alte tiefe Geborgenheit der eigenen Kindheit. Gerade wenn diese nicht immer nur geborgen war - das Bedürfnis ist und bleibt stark, nicht nur weil "es im Kopf nicht mehr stimmt".


    Das Zuhause steht dabei mehr als Bild für vertraute geborgene Beziehungen.

    Je häufiger das Zuhause in der eigenen Wohnung nicht mehr erlebt wird, desto eher gelingt vielleicht noch ein "zuhause" in einer geborgenen Gemeinschaft - im Heim (wie daheim). Die "Symbolsprache der Verwirrtheit" ist dabei sogar manchmal ein Appell für einen Umzug.


    Auch Wechsel mit unerwarteter Klarheit sind eine wichtige Informationsquelle, weil sie uns Hinweise geben, wodurch eine plötzliche Verwirrtheit ausgelöst werden kann. Ein "Klassiker" ist das fehlende Trinken.

    Solche Wechsel wären bei einem echten Wahn nicht möglich, es sei denn der oder die Wahnkranke ist in der Psychiatrie und weiß, mit welchen Aussagen eine Entlassung wahrscheinlich ist...


    Ich hoffe, diese Erklärungen führen zu neuen Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten - ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen...

    Allen ein schönes Wochenende, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr Hamborg,

    1000 Dank für Ihren Beitrag, den ich schon mehrfach gelesen habe und wie bei einem Wimmelbild immer etwa neues entdecke oder neu verstehe.

    Langsam fühle ich mich fortgeschritten.

    Immer wieder jedoch dieses nagende Gefühl, nicht zu genügen.


    Lg Alfi

  • Hallo alle hier ich,

    Habe heute einen 2. Kleiderschrank zu meiner Mutter gebracht, mit einem meiner Söhne.

    Sie hat einfach zu viele Sachen.

    Sie war leicht wirr da unvorbereitet, hat erst etwas über den Schrank genörgelt aber wollte ihn auch unbedingt selbst einräumen.


    Die immer wieder gleiche …Leier…ihre Wohnung…oder 2 Zimmer im betreuen Wohnen im Heim…was garnicht geht.

    Alles im Heim ist schrecklich, alle sind blöd.


    Sie ist in ihrer Trauerwelt sie selbst und ihre Wohnung gefangen.


    Kein anderer ist wichtig oder existiert.


    🤷‍♀️lg von Alfi

  • Liebe alle -


    am Samstag war ich bei meiner Mutter. Nach den vergangenen Besuchen, die sie teilnahmslos im Pflegestuhl eher lag statt saß, war die am Samstag im Rollstuhl und gut drauf, begrüßte mich mit meinem Namen. Ich hatte mich schon gefreut, dass es ihr besser ging. Aber leider zu früh gefreut... Neben meinem Namen hat sie genau noch 5 Worte zu mir gesagt: Du Mistvieh - als ich meinte, sie kann nicht in alle Zimmer einfach reinfahren (wir haben mit ihr im Rollstuhl Runden im Heim gedreht) und als ich dann sagte, ich müsse mich dann mal langsam wieder aufmache, gab es ein "Hau endlich ab". Zwischenzeitlich hielt sie mich für eine neue Pflegerin und hat mir gesagt, dass ihre "dusselige Tochter sie ja nie besuchen kommt".

    Alfskjoni: Also nichts zum neidisch sein. Ich habe mir dann eher ein Beispiel an Dir genommen, bin zwar nicht zu McDonald's, sondern zum Starbucks und habe mir einen großen Frappuccino gegönnt.

  • Hallo Herr Homburg, hallo ihr Lieben…

    vielen Dank für die Ratschläge. Ich bin irgendwie erleichtert, dass alles zum Krankheitsbild der Demenz passt. Es ist zwar schwer, aber es macht es leichter. Das mit der Re Orientierung hilft bei meiner Mutti auch. Sie zweifelt dann und fragt, was los mit ihr sei. Gestern war es wieder gruselig, sie war völlig panisch und wollte in ihre Wohnung. „Dann will ich dich nicht mehr sehen. 😔“

    Hab ihr ein Fläschchen Orangensaft (250ml- damit komme ich am besten klar, weil ich den Überblick habe, wieviel sie getrunken hat. Die Liter Flasche wurde oft schlecht) gegeben. Und siehe da, der Verstand war wieder da. Sie hat sich sogar entschuldigt.

    Wünsche allen einen gemütlichen brückentag!

  • Liebe Tanja, das ist schlimm. Eine so schreckliche Krankheit. Du brauchst viele liebe Gedanken als Gegenpol für deine Seele. Hier schicke ich dir viele davon ❤️❤️❤️❤️☀️☀️☀️☀️

  • Liebe Tanja,

    Das ist wirklich schlimm, so beschimpft zu werden, wo du dich extra auf den Weg gemacht hast.. ich habe es nicht mehr auf dem Schirm, wie früher euer Verhältnis war vor der Demenz. Aber wenn es da nicht viel besser war, würde ich(!) noch seltener hinfahren/-gehen und zwischendurch mich bei den Pflegern erkundigen.. schade um die Zeit,in der du etwas Schöneres hättest machen können.

    Tut dir irgendwas Gutes!!

    Liebe Grüße

  • Hallo Tanja, ich sehe es wie Rose

    Rede doch mit der Pflegerinnen, schildere ihnen alles... und geh nicht mehr hin. Das musst du nicht aushalten. Und am Ende hilfst du nicht einmal jemandem damit. Lass dich nicht seelisch kaputt machen und such dir unbedingt Beistand. Alles Liebe

  • Liebe Rose60, liebe Alfskjoni, liebe schwarzerkater -


    danke euch für euren Zuspruch und die lieben Worte - und die <3 <3 Ich habe jetzt erst einmal recht spontan in 2 Wochen ein verlängertes Wochenende in London gebucht, ich hoffe, es hilft.

    Rose60: Wir hatten vor der Demenz ein okay Verhältnis. Sie hat halt häufig versucht, mir ihren Willen aufzuzwingen (mach mal was mit Deinen Haaren; Warum läufst Du immer nur in Jeans rum, In den Klamotten schaut Dich nie ein Mann an) - und rückblickend denke ich, sie war auch etwas eifersüchtig auf das Verhältnis zu meinem Dad, der mich immer unterstützt hat. Er hat auch meine Mutter auf Händen getragen, aber das zählte dann nicht. Das kommt jetzt wahrscheinlich mit der Demenz raus. ich fahre jetzt erst einmal nicht mehr zu ihr. Am Ende hat sie kein Zeitgefühl mehr. Ich hatte nur die Hoffnung, dass wir diese Biestigkeiten überwunden hatten.

    Alles Liebe! :)

  • Liebe Tanja,

    Das klingt nach einem guten Plan. Und es klingt eben danach, dass deine Mutter dich nicht so angenommen hat, wie du bist, dich kleidest etc - und das ist verletzend, spätestens wenn man schon erwachsen ist. Dann kannst du nur einen Haken dran machen, es wird nicht mehr nachzuholen sein. Viele Töchter laufen noch ein Leben lang der fehlenden Anerkennung der Mutter nach, ich war selbst ü50, als ich das endlich erkannt habe, dass ich mich immer "falsch" fühlte.. das ist ein wichtiger Schritt, danach tappt man nicht mehr so schnell in die Falle und kann sich von dem Anspruch befreien, die Anerkennung bestenfalls woanders finden. Als Kind waren wir abhängig von den Eltern, jetzt nicht mehr!!


    Liebe Grüße 8)

  • Liebe Tanja, deine Reisepläne sind super. Ich wünsche dir viel Spaß und Sorglosigkeit. Das brauchst du. Ich bin auch gerade auf dem Weg in einen fernen Urlaub. Die Sorgen reisen mit, aber sind klein und fest verpackt im Koffer wo sie hoffentlich die nächsten beiden Wochen bleiben. Alles Liebe

  • Liebe Rose60, liebe schwarzerkater, liebe Alfskjoni -


    ganz ganz herzlichen Dank für eure lieben Worte - sie helfen wie immer sehr. Ich plane fest, eine gute Zeit in London zu haben, ich habe schon ein Abendessen mit 2 lieben Kolleginnen / Freundinnen eingeplant. Und mir fest vorgenommen, keine Sorgen einzupacken. Nächste Woche ist es soweit.


    Rose60: Ich denke, meine Mutter wollte eher ein MiniMe, mein Dad wollte vieles anderes machen als seine Eltern das bei ihm gemacht haben. Also hat er mich einfach vieles machen lassen. Zerrissene Jeans als ich 13 oder 14 war, hatte ich bei meinem ersten London Besuch gesehen und fand ich cool. Mein Dad wurde in der Kleinstadt, in der wir wohnten und in der er aufgewachsen war, darauf angesprochen. Seine Antwort: Das ist jetzt in, hat sie in London gesehen. Meine Mutter hat sich nur geschämt: Wie kannst Du nur so rumlaufen. Ich trage immer noch zerrissene Jeans. :)

    Eine schöne Rest-Woche euch allen!
    Liebe Grüße

  • Liebe Tanja,

    Gut so!

    Ja genau meine Mutter sagte letztens sogar wörtlich zu mir „ich wollte immer dass Du so wirst wie ich“

    Gruselgrusel nein danke.

    Mein Vater und ich kamen auch richtig gut klar, meine Mutter war da sehr eifersüchtig. Und ist es immer noch, auch wenn er lange tot ist.


    Tanja meine zerrissenen Jeans sind:

    In den Augen meiner Mutter: ungebügelte Sachen, dunklere Sachen „Du bist so schrecklich norddeutsch geworden“, sie findet mich ungekämmt, hm was noch. Einiges.

    Und wenn dann im Heim jemand sagt „Frau E Sie haben aber eine hübsche Tochter“ dann kann sie das einfach nicht fassen.


    „In Dementiae veritas“


    Wenn ich das so richtig gebaut habe:


    Nicht nur im Wein, auch in der Demenz liegt die Wahrheit- und die sieht in meinem Fall leider so aus, dass nun richtig klar herauskommt, dass meine Mutter mich nie gemocht hat. Das Wort „richtig“ vor „gemocht“ habe ich dann doch weggelassen, sonst hätte ich die Situation wieder verharmlos.


    Und die kleine Tochter meiner Mutter in mir steht mit hängenden Schultern da und trauert. Und das erwachsene starke Ich nimmt die Kleine an die Hand. Ha! Wäre doch gelacht!


    Dementia übersetzt heißt auch Torheit.

    Hm.


    Wir lassen uns jedenfalls nicht zum Narren machen.


    Viel Spaß in London. Vielleicht isst Du Scones mit clotted cream und Erdbeermarmelade.

    Ok es ist offensichtlich ich esse gerne.


    Lg Alfi 🌼

  • Liebe Alfskjoni -


    da muss ich direkt antworten. Ich habe wirklich geschmunzelt bis losgeprustet, als ich Deinen Post gelesen habe. Dunkle Sachen waren ein Graus für meine Mutter: O-Ton: Schon wieder ein schwarzer Anzug? O-Ton Dad: Wunderbar, lässt sich mit allem kombinieren.

    Ich trage heute noch häufig fröhliches Schwarz. :)

    Ich denke, als Kind hat mich meine Mutter gemocht - da habe ich ja auch gemacht, was sie gesagt hat. Seitdem ich einen "eigenen Kopf" habe, immer weniger. Sie hatte einen Mann für handwerkliche Dinge - mein Dad hat mir alles beigebracht, damit ich "keinen Mann brauche. Du kannst das selbst" - das war sein Spruch. Und gut so, denn sonst hätte meine Mutter nach seinem Tod im Dunkeln gesessen (weil Glühbirne austauschen war nicht), hätte keinen Handtuchhalter mehr gehabt, die Schranktüren wären abgefallen und noch ganz viele solcher Sachen, die ich dann repariert habe. Fand sie unweiblich. Ich bin froh, dass ich das alles kann.

    Ich fürchte, ich war ihr immer zu unabhängig, ich hatte eine eigene Meinung und ich habe viele Dinge ganz anders gemacht, als sie wollte, dass ich sie mache.


    Und ja: auf jeden Fall Scones mit Clotted Cream (für mich ohne Erdbeermarmelade). Sind gesetzt.

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