Meine Mutter, 87, möchte unbedingt wieder in ihre Wohnung und lehnt mich und meine Familie ab

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  • Aber mir wurde einmal in ähnlicher Situation von meiner Therapeutin gesagt: "Jetzt hast du diesen Dr...haufen von allen Seiten 1000mal angeschaut, mit Stöckchen drin herumgestochert. Nun weißt du, dass er nie besser (riechen) wird." (Ich wiederhole sinngemäß, was mir damals half).

    Nicht mit denselben Worten, aber ähnlich dachte ich heute Mittag, als ich nach der Arbeit zum Sport fuhr. Mein Gedanke war: "Das was war, ist vorbei, kann ich nicht ändern. Das was kommt, ist noch nicht da, darüber muss ich mich (noch) nicht sorgen/ärgern.....also: was zählt ist jetzt."

    Und in dem Moment habe ich mich einfach mal über die Sonne gefreut, die endlich mal wieder länger schien...trotzdem mein Rheuma heute meint, meinen Nacken so ziemlich außer Gefecht zu setzen, konnte ich mich einfach über die Sonne freuen! (Keine Sorge, ich bin schmerztechnisch so einiges gewöhnt, dagegen ist mein Nacken pipifax).

  • Dazu fällt mir die Spruchkarte ein, die mir zum Abschluss meiner Reha eine Frau in die Hand gedrückt hat, ohne meine Vorgeschichte zu kennen:

    " du kannst nicht zurück gehen und den Anfang verändern, aber du kannst jederzeit anfangen, das Ende zu verändern "

  • Hallo in die Runde,

    ich hatte schon mal unter einem anderen Thema geschrieben aber jetzt ist meine Schwiegermitter seit 6 Wochen im Heim. Es funktioniert alles gut. Seit einer Woche ruft sie mehrmals am Tag an und weint bitterlich, dass sie wieder nach Hause will. Wir sagen ihr dann, dass der Arzt gesagt hat, dass sie noch bleiben muss. Aber so langsam zermürbt uns das. Hat vielleicht jemand einn Ratschlag?

    Ein schönes Wochenende wünscht Euch Elfriede

  • Ach liebe elfriede das ist schwer.


    Bei meiner Mutter hat es auch nach fast 3 Jahren nicht gebessert, sondern verschlechtert, durch die immer stärker werdende Demenz und Gebrechlichlichkeit, dass meine Mutter sich zur falschen Zeit am falschen Ort fühlt. Obwohl sie die PflegerInnen und auch teilweise die Kontakte zu den Mahlzeiten etc. sehr genoss.

    Mein Tipp?

    Ich habe keinen. Das ist schlimm.

    Wenn Du das Gefühl hast, sie ist gut und viel besser als vorher aufgehoben: das muss leider reichen. Und wenn sie trotz Unmut aufblüht: super. Und wenn es ihr langsam schlechter geht: das ist auch normal.

    Denke an das Vorher und nachher. Und dann wirst Du beruhigt sein.


    Manche empfehlen, sich sehr rar zu machen. Das hat bei mir auch am ehesten geholfen. Mit rar meine ich: mindestens 2-Wochen- Abstände.


    Und frag mal die PflegerInnen, wie sie ist wenn Du nicht da bist.


    Kopf hoch: es ist so schwer, die Verantwortung für eine unglückliche Person zu haben, aber was sagte mal die Pflegeleiterin zu mir: „Sie mussten ja eine realistische Lösung finden“.


    Lg Alfi🐞

    Einmal editiert, zuletzt von Alfskjoni ()

  • Hallo Ihr alle,


    Ich habe eine sehr kräftezehrende Woche hinter mir:


    Montag rief mich meine Lieblingspflegeleiterin an:


    Meiner Mutter geht es rapide schlechter und schlechter.

    Die Ärztin käme wenn ok für mich morgen und würde mit meiner Mutter den letzen, palliativen Weg besprechen.

    Wer sich von meiner Mutter noch verabschieden wolle, sollte das jetzt tun.


    Das kam sehr plötzlich.

    Ich fühlte mich als wenn mein Stoffwechsel auf Turbo gestellt wurde. Und dumpf und traurig und… erleichtert.

    Ich habe dann all meine Aktivität aufs Notwendigste beschränkt, also auf Autopilot- so ist der Tag immer noch 5.30-22.30 minus 1/2 Std Mittagsschlaf dick gefüllt, mein Mann ist grad 2 Wochen im Süden auf einer unserer Baustellen.


    Worst-Case-Szenario abklopfen: Bestatter vor Ort, Ausweis für Bestatter hinterlegen, Kapsel mit Asche nach NRW, Kleine Beerdigung, Entrümpelung Zimmer. Sie hat ihr eigenes Bett, das geht nicht mehr, ich sollte es schon abholen, Heimhausmeister hat es bis zur Entrümpelung im Keller verschwinden lassen. Puh. Keinen Abzocker-Entrümplern erliegen, hab Garten-und Hausmeisterservice gefunden. Was noch? Coole schwarze Handtasche und Stiefel, beides aber alltagstauglich, besorgen. Meine Mutter steht ja auf teure Sachen. Ok eigentlich in ultra hell, aber Nö.

    und dann dieses Surreale: sie LEBT doch! Und dann soll ich planen!

    Jetzt ist aber alles geschafft und alle wissen was zu tun ist und es ist Ruhe eingekehrt.

    Handy immer an. Von 22-6 ruft Heim nicht an.


    Das gibts: unser Bürgermeister hat 2x die Jungs mit zur Schule genommen. Ist DAS toll?


    Fahre jetzt jeden Abend ins Heim:


    Mittwoch war ein Sohn mit: meine Mutter, nur noch halb so viel, lag winzig und schrumpelig im Bett und setzte sich wie ein welkes Blümchen mit hängendem Kopf mal kurz auf und redete natürlich negativ aber erträglich.


    Donnerstag schlief sie so fest dass ich wieder fuhr.


    Heute war es fast ein bisschen lustig: Pflegerin kam mit rein, Bett war leer, sie sagte „Ihre Mutter ist wohl im Bad“ dabei saß sie am Fenster gut sichtbar aber winzig auf dem Sessel.

    Meine Mutter wird wohl langsam unsichtbar. Das meine ich wirklich so. Mein Mann hatte mal eine Baustelle bei einer alten Dame, wo der Bewegungsmelder einfach nie ging. Nur bei ihr nicht.

    Ein paar Tage später war sie tot.


    Erstaunlicherweise hab ich garkeine Berührungsängste mit dem Tod. Ich. Unglaublich. Man kann also wirklich über sich hinauswachsen.


    So spielt das Leben.


    Aktueller Gemütsstand: aufgedreht. Oder doch supermüde? Den Begriff t…müde verkneife ich mir lieber.


    Alles Gute Alfi

  • Ach, liebe Alfskjoni , das geht aber gerade rapide.. ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Du hattest soviel Kummer in den letzten Jahren und hast wegen deiner Mutter gekämpft.

    Nun wirst du den letzten Weg mit ihr auch noch schaffen, soweit du das willst. Lass dich unterstützen soviel es geht. Gibt es einen Hospizdienst als Begleitung? Einen Seelsorger?

    Ich denke an dich!

    Alles erdenklich Gute - ist schon krass, was man schafft, wenn es sein muss..

  • Liebe Alfskjoni, ich wünsche Dir viel Kraft für diese schwere Zeit. Bei meiner Mutti ging es damals auch so schnell als sie im Heim war.

    Die Pflegerinnen haben mir damals sehr geholfen.

    Liebe Grüße Elfriede

  • Liebe elfriede dankeschön🐝.

    Du bist ja auch so ein früher Vogel 🐦.


    Liebe ALLE ❤️.


    Mir geht es jetzt gefasst bis gut, der Besuch gestern war so friedlich und lieb wie ich es mir immer gewünscht habe.


    Ein bisschen „durch den Wind“ scheine ich aber zu sein:

    Um 5.30 schmeiße ich immer unseren uralten Terrier durch die Terrasse in den Garten und gehe dann mit der riesengroßen weißen Schäferhündin am Feld spazieren. Sie kommt dann durch den Flur zur Haustür.


    Nun es kam der kleine blinde und taube Terrier zur Haustür und die Hündin saß verständnislos draußen vor der Terrassentür 🙃.


    Heute Abend bleibe ich nach Absprache mit den Pflegern 1x Zuhause, morgen Abend fahre ich dann mit einem Sohn, wenn er dann noch möchte, ins Heim.


    Einen schönen unverwirrten Samstag wünscht Alfi ❤️

  • Liebe Alfskjoni


    ach Mensch, das kam jetzt doch irgendwie schnell und vermutlich hast du mit dieser Entwicklung gar nicht gerechnet. Du hast alles gut gemacht und Deiner Mutter im Heim ein Leben in Fürsorge und Würde ermöglicht. Dass sie es nicht zu schätzen weiß, hat mit Dir nichts zu tun.

    Wenn Du es kannst, mach' um Deinetwillen Deinen Frieden mit ihr, Dein Leben wird weitergehen.

    Ich schicke eine Umarmung und gute Gedanken, LG - SunnyBee

  • Mir geht es jetzt gefasst bis gut, der Besuch gestern war so friedlich und lieb wie ich es mir immer gewünscht habe.

    Liebe Alfskjoni ,


    dass es Dir "gut" geht, freut mich. Vielleicht kannst Du am Ende des Lebens noch einen friedlichen Abschluß finden.


    Du "darfst" an der Stelle wirklich alles empfinden.


    Viel Kraft für die bevorstehende Zeit.


    Du bist auch schon auf alles vorbereitet, was formal auf Dich zu kommt. Das ist doch gut?! Ich finde es nicht schlimm, ist doch klug und vorausschauend.


    Wir hatten die Beerdigung meiner Schwiegermutter (bis hin zu den Liedern!) schon 5 Jahre vor ihrem Tod mit ihr gemeinsam geplant. Wir haben beim Tod nur noch anrufen müssen. Da konnten wir uns auf die emotionalen Dinge konzentrieren. Wir waren bis zur Abholung durch den Bestatter bei ihr.

    Meine Großmutter (Unfalltod!) hat nicht nur alles geplant, sondern auch noch alles bezahlt.

  • Worst-Case-Szenario abklopfen: Bestatter vor Ort, Ausweis für Bestatter hinterlegen,

    Kleiner Tipp am Rande: Der Bestatter braucht für's Amt für die Sterbeurkunden nicht nur den Ausweis, sondern auch das Stammbuch mit Geburtsurkunde, Heiratsurkunde. Hatten wir damals bei meinem Schwiegervater nicht gewusst, sonst hätten wir uns schon vorab rechtzeitig auf die Suche nach dem Stammbuch gemacht.


    Um 5.30 schmeiße ich immer unseren uralten Terrier durch die Terrasse in den Garten...

    Du SCHMEIßT Deinen Terrier in den Garten? 😎😅


    Scherz beiseite..... ich wünsche Dir viel Kraft und gute Nerven, für das was jetzt noch kommt. ❤


    Liebe Grüße

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Alfkjoni, auch ich möchte Sie wie die anderen hier im Forum in diesem „Turbo“ mittragen und unterstützen! Es ist eine ganz wichtige Zeit für Sie und für Ihre Mutter und ich bin beeindruckt, wie schnell Sie alles Formale geregelt haben um dann die letzte Zeit mit Ihrer Mutter zu gestalten.


    Ihre Mutter hat jetzt mit dem Erleben der Vergänglichkeit die Möglichkeit noch ganz viel „nachzuholen“, um die Erfahrung einer guten Mutter zu machen. Zum Glück haben Sie als Tochter gelernt, die alten Muster zu unterbrechen oder weg-zu-atmen, falls diese zwischendurch hochkommen.


    Es freut mich, dass Sie darin Unterstützung haben, - sogar vom Bürgermeister und ich wünsche Ihnen viel Kraft und Offenheit für die nächste Zeit. Es kann auch sein, dass diese neue Erfahrung Ihrer Mutter auch wieder etwas Lebenskraft gibt und sie den neuen Frieden noch länger erleben möchte.


    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Herr martinhamborg ,

    ja ich bin selbst erstaunt, wie ich das auf die Reihe bekommen habe: und nun ist einfach nur noch Zeit da. Ich fahre jetzt jeden 2. Abend hin, ausser noch Gefühl auch noch öfter.

    Heute kam ich zu Abendbrotzeit, meine Mutter isst immer noch so einen Bissen, wenn überhaupt. Sie lag im Bett und...war so schlecht drauf wie in ihren besten Zeiten. Die Pfleger sind böse, keine kümmert sich, keiner gibt ihr Tabletten (? wollte sie doch nie und damit wurde ja aufgehört nach Gespräch zwischen ihr und ihrer Ärztin).

    Ich war sehr überrascht und etwas überfordert.

    Die Pflegerin erzählte mir meine Mutter schläft den ganzen Tag und ist nur 10 Minuten zu den Mahlzeiten wach. Und sonst auch fast nicht ansprechbar ist.

    Ok also das war krass. Ich hab natürlich die Agro-Phase erwischt.


    Vorhin hab ich noch ein bisschen gearbeitet und mir dann...1/2 Lindt-Osterhasen (mittelgross, also NICHT so ein kleiner) ...man kann nur sagen "reingepfiffen". Na toll.


    Was für eine Situation!


    Mir ist auch noch einmal ein immer wiederkehrendes Muster bei meiner Mutter - egal ob nun jetzt oder...immer..., aufgefallen:


    es sind immer andere alles Schuld. Und wenn nicht Personen dann das Wetter usw.. So hatte sie nie Zugang zu sich selbst. Und jetzt natürlich erst recht nicht mehr.


    Vielleicht hätte sie sich früher mal psychologisch helfen lassen sollen.


    Ach ja ich wurde übrigens nicht ausgeschimpft. Immerhin!


    Alles Gute Alfi

  • Hallo Alfskjoni

    du machst das gut, wie Du für Deine Mutter da bist. Dass sie sich beklagt, ist vielleicht die letzte Form der Kommunikation, die ihr geblieben ist ... immerhin kein Geschimpfe für Dich!

    Vorhin hab ich noch ein bisschen gearbeitet und mir dann...1/2 Lindt-Osterhasen (mittelgross, also NICHT so ein kleiner) ...man kann nur sagen "reingepfiffen". Na toll.

    Kenn' ich total ... immer wenn ich Kämpfe mit meiner Mutter ausgefochten habe ... war auch lange Teil meiner Therapie. Lindt-Schokolade ist aber auch was Feines ...

    es sind immer andere alles Schuld. Und wenn nicht Personen dann das Wetter usw.. So hatte sie nie Zugang zu sich selbst.

    So war meine Mutter auch immer. Wenn ich sie mal auf ihr "mütterliches Versagen" angesprochen habe, dann hieß es immer "Das wusste ich nicht ... " - also "Nicht-Wissen" war ihre Entschuldigung. Sie hat sich allerdings zeitlebens nie bemüht, sich zu irgendwas zu informieren (sie war ja so toll und hatte das nicht nötig).

    Ach, Alfi - lassen wir das hinter uns und freuen uns an unserem Leben mit unseren Familien! Ich wünsche Dir jetzt die Ruhe und die Besonnenheit, mit dieser besonderen Situation gut umzugehen und Deine Mutter begleiten zu können.

    Alles Liebe, SunnyBee

  • Liebe Alfi,

    Ich verstehe dich. Insgeheim hofft man doch, dass "auf den letzten Metern" doch noch ein paar liebe Worte der Anerkennung oder gar Liebe über die Lippen kommen.. sieht leider nicht so aus, als könne deine Mutter das. Wer weiß, warum sie von ihrem Leben, vllt von sich(?) so enttäuscht ist, dass jede/r und alles von ihr abgewertet wird ..

    Schade für sie - und das bei einer so liebenswerten Tochter (so wie du hier rüberkommst😉)

    Ich denke an dich in diesen Tagen

    Liebe Grüße

    Rose60

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