Professionelle Psychologische Hilfe

  • Hallo,


    ich habe in Beiträgen gelesen das sich einige von Euch professionelle psychologische? Hilfe gesucht haben um die Pflege und den Umgang mit Demenz besser zu meistern. Darf ich fragen wie ihr hier vorgegangen seit und ob euch das wirklich geholfen hat? Geht das über den Hausarzt oder sucht man sich einfach einen Psychologen/Therapeuten? Wir sind hier sehr ländlich, das Angebot hier in der Gegend ist leider recht überschaubar.


    Ich erwäge diesen Schritt zu gehen bin aber zugegeben hier sehr sehr ängstlich und zögerlich. Ich war noch nie in psychologischer Behandlung (obwohl es wohl seit vielen Jahren angebracht wäre).

    Bei mir gibt es viele Baustellen die nicht nur die Pflege und Demenz meines Vaters betreffen. Unter anderem Despressionen seit meiner Jugendzeit die in Phasen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Seit mein Vater pflegebedüftig ist sind meine Probleme so in den Hintergrund getreten das es mir vermeintlich deutlich besser geht. Das mag widersinnig klingen aber ich habe wohl einfach nicht mehr die Zeit mich mit mir selbst auseinanderzusetzen.


    Aktuell habe ich zwei Wochen Urlaub (heute letzter Tag) und so von 8-16 Uhr (Papa in Tagespflege) wochentags tatsächlich frei. Ich habe kein Problem die zeit mit schönen Aktivitäten zu füllen aber trotzdem musste ich leider merken das die Probleme von früher recht schnell wieder aus den Löchern kriechen. Dazu kommen natürlich viele neue Probleme z.b. die Pflege die in der Familie ausschließlich bei mir lastet.

    Ich bin bisher immer innerlich davor zurückgeschreckt den Schritt zur professionellen Hilfe zu wagen. Ich habe einfach Angst wenn ich anfange meine ganzen verschlossenen Schubladen zu öffnen, das ich dann nicht mehr funktioniere. An mir hängt die Pflege, mein Betrieb, da kommen bei mir direkt Zukunftängste hoch.

  • Hallo Sohn83, ich kann leider keine klare Empfehlung geben. Aus meiner eigenen Erfahrung (und nicht nur im Hinblick auf die Bürde der Demenz meiner Mutter) möchte ich jedoch zu bedenken geben, dass es wirklich nicht einfach ist, jemanden zu finden, der/die zur eigenen Persönlichkeit passt. Da kann manchmal mehr Schaden als Nutzen angerichtet werden. Ich hatte das Glück, gleich zwei sehr gute Coaching-Expertinnen zu finden, die mir und meiner Situation kein fertiges Konzept übergestülpt sondern sich in meine Situation eingearbeitet und mich dann beraten haben. Ohne das alles hätte ich vieles nicht durchgehalten.

    Wir haben alle unseren sehr individuellen Weg, auch wenn sich manches gleicht. Nicht wenige "Therapeuten" haben eigene starre Konzepte, die ihnen nicht einmal bewusst sind. Hier wäre ich vorsichtig, denn dadurch kann Leid(en) erzeugt und nicht verhindert/vermindert werden. Für eine Person mag z.B. etwas stimmen und passen, was für andere Personen nicht geht oder nicht wünschenswert ist (Trennungen z.B.).


    Ich hatte - wie gesagt - einfach Glück, kann aber kein Such- und Findekonzept anbieten. Es scheint mir aber so, dass Herr Hamborg eine ähnliche Strategie verfolgt wie die, von der ich schrieb. Das lese ich immer aus seinen Beiträgen heraus. Vielleicht weiß er Rat, wo man da suchen kann???

  • Hallo, ich hatte einfach Glück. Auf Grund meiner ebenso Vielfachbelastungen mit kranken Kindern, Schwiegerkind, dadurch beeinträchtigten Enkeln + die Demenzkranke Mutter war es bei mir vor zwei Jahren auch fast schlagartig zu viel, so dass ich schnell begleitende Hilfe brauchte.

    Ein Familienmitglied (derer ja auch mehrere wegen der Problematiken Therapien haben) fand heraus, dass die Ehefrau eines Therapeuten auch vom Fach ist, die war bereit, mit mir die Probestunden zu halten - und es passte auf Anhieb, so dass ich jetzt immer noch regelmäßig (wenn auch nicht mehr wöchentlich) bei ihr meine Termine habe und mit Erleichterung nach Hause komme.

    Allerdings: ich habe eine Fahrstrecke von 1,5 Stunden einfach zu ihr, das ist es mir jedoch wert.

    Also persönliche Empfehlungen sind immer gut. Ansonsten: den Mut haben, auch bei verschiedenen Therapeut*innen Probestunden auszumachen.

    Wie schwierig das ist, kann ich nachvollziehen. Für mich war ein Hauptgrund es bis fast zum Zusammenbruch hinauszuzögern die Tatsache, dass mein Vater auch ein solcher war, der aber zu Hause schon eher tyrannisierender Psychopath war, hingegen als Therapeut extrem geschätzt. Ich musste erst lernen, mir nicht immer vorzustellen, wie meine Ärzte, Therapeuten etc. vielleicht genauso schlimm zu ihren Familien sind, wie er es war, das war eine extreme Hürde. Sie zu überwinden hat sich gelohnt.

  • Hallo Sohn83 -


    ich hatte sehr viel Glück. Eine Freundin ist Psychologin und ich hatte mit ihr eigentlich wegen einer Empfehlung gesprochen, sie dann aber gefragt, ob sie vielleicht willens wäre. Ich wusste nicht, ob das überhaupt möglich wäre, weil wir uns kennen. Aber zumindest in meinem Fall machte es das einfacher, eben, weil sie mich lange kennt und weiß, wie ich bin - und auch die Veränderungen direkt bemerkt hat. Andererseits habe ich ihr natürlich schon vorher vertraut. Ich habe wirklich Glück, dass das klappt und wir beide auch Freundschaft und professionelle Beratung trennen können.

  • Hallo Sohn83,

    Ich würde dich gerne ermutigen, habe wegen "besonderer" Vorgeschichte im Laufe der Jahre wirklich etliche psychol. Berater und Psychotherapeuten gehabt, die mir in der jeweiligen Phase sehr weiter geholfen haben.

    Ich habe es tatsächlich im großen und ganzen so erlebt, wie es wohl eigentlich heutzutage sein soll, dass mir nichts übergestülpt wird, sondern man gemeinsam und systematisch überlegt, was gerade im Vordergrund an Problemen steht, wie man es angehen könnten,so dass es für mich auch passt.

    Heutzutage wird dafür die sogen. Verhaltenstherapie favorisiert, da wird zunächst nicht die komplette Vergangenheit aufgewühlt, wenn es für dich "dran" ist, kann es natürlich Thema werden.

    Also ich habe einige gute Freundinnen zum Reden, aber eine systematische Herangehensweise mit einem Psychotherapeuten hat da deutliche Vorteile.

    Die Chemie sollte natürlich stimmen für ein Vertrauensverhältnis.

    Die Vorgehensweise ist so, dass dir (ohne ärztliche Überweisung) 5 oder 6 sogen.probatorische Sitzungen zustehen über die Krankenkasse, dann stellt der Therapeut ggf.einen Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse.

    Die niedergel. Psychotherapeuten sind verpflichtet in einer gewissen Zeitspanne einen Ersttermin anzubieten, du kannst über Google suchen, den Hausarzt fragen o.ä.

    Wenn du also mit dem Therapeuten nicht klar kommst , suchst du weiter.

    Wenn du es nie ausprobierst, verpasst du eine gute Chance. Es kann letztendlich nichts dabei passieren, du bekommst ja keine Gehirnwäsche und bist frei zu entscheiden. Ein Therapeut hat nicht die Aufgabe dir irgendwas vorzuschreiben, auf gute Ideen kann man dich jedoch bringen, die Ausführung liegt in deiner doch immerhin erwachsenen Hand.;)

    Ich wünsche dir ein gutes Bauchgefühl!

    Liebe Grüße

  • Lieber Sohn83, alles Gute dabei! Hat Ihr Hausarzt vielleicht auch eine Idee bzgl. Eines Psychologen?

    Mir persönlich hilft hier dieses Forum extrem viel. Zuerst hat es mich echt Überwindung gekostet so private Dinge zu erzählen aber mittlerweile „traue“ ich mich und mein Rückrat wird sehr gestärkt durch Euch. Lg Ute 🌸

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Sohn83, auch ich möchte Ihnen Mut machen, diesen Schritt zu gehen.

    Rose60 hat das Verfahren genau beschrieben, im Rahmen der Krankenversicherung gibt es die psychologische oder ärztliche Psychotherapie, die mit den probatorischen Sitzungen beginnt - es ist vom Gesetzgeber gewünscht, dass alle wirklich so lange suchen bis die "Chemie stimmt" und damit die Wirkung besser ist.

    Die approbierten Therapeuten haben eine lange fundierte Ausbildung und verlieren ihre Zulassung, wenn sie "Mist" bauen. Leider sind die Wartezeiten oft sehr lang, aber zumindest probatorische Sitzungen oder eine schnellere Hilfe durch "psychotherapeutische Sprechstunden" müssen kurzfristiger angeboten werden.


    Psychologische und ärztliche Psychotherapeut*innen haben unterschiedliche Möglichkeiten des Zugangs und der Stabilisierung, weil beide unterschiedliches Handwerkszeug mitbringen und verschiedene Schwerpunkte setzen können. Entscheidend ist Ihr Vertrauen und die Bereitschaft Sie im Sinne Ihres Auftrages therapeutisch zu unterstützen.


    So wie Sie schreiben, lese ich folgenden Auftrag: Sie wünschen sich eine begleitende stabilisierende Psychotherapie - stützend und nicht aufdeckend, weil Sie Sorge haben dass Sie von alten Sachen überwältigt werden. Sie wünschen sich Klärungshilfen in den familiären Konflikten oder Enttäuschungen, Unterstützung für die berufliche Leistungsfähigkeit und als pflegender Angehöriger (vielleicht in der Trauerarbeit), eine Stärkung Ihrer inneren Kraft, um so scheibchenweise alte Verletzungen abzuarbeiten und ...


    Der Auftrag des Klienten spielt eine immer größere Rolle in der Psychotherapie und auf dieser Basis lernen Sie die passenden Profis kennen. Auch ich würde an Ihrer Stelle eher unter den Verhaltenstherapeut*innen suchen, die mit Ihnen eine Vielzahl pragmatischer Hilfen erarbeiten können (sollten).

    Auf zwei Aspekte weise im in diesem Zusammenhang immer hin: Sofort antidepressiv wirken gleichmäßiger Ausdauersport wie Spaziergänge, Walken oder Joggen und Lichttherapie, die Sie auch mit Ihrem Vater zusammen machen können. Ich habe das hier schon häufig beschrieben.


    Private Kassen übernehmen oft auch Leistungen von Heilpraktiker*innen, aber da kommt es zu 100% auf die persönliche Kompetenz an - es gibt nur minimale Anforderungen an die Ausbildung.


    Da im ländlichen Raum die Auswahl immer schlechter wird, ist ein (auch ergänzendes) persönliches Coaching vielleicht auch über Ihren Betrieb noch eine Möglichkeit. Ihr Auftrag umfasst ja die drei Ebenen (Sie für sich persönlich, zu Ihrem Vater und in Ihrem Betrieb). Sie könnten z.B. auch bei Kapazitäten und Ausbildungszentren nachfragen, ob es in Ihrer Region Menschen gibt, denen das zugetraut wird. Ich denke z.B. an die systematisch-hypnotherapeutische Ausbildung von Gunter Schmidt, Heliuskliniken, Heidelberg. Dieser pragmatische, ressourcenorientierte und konsequent würdigende Ansatz gefällt mir persönlich sehr gut.


    Vorsichtig wäre ich bei allen, die Ihnen schnelle Heils-Versprechungen machen, denn Profis sind immer nur eine Klärungshilfe und Unterstützung für Ihre innere Arbeit. Aber da habe ich bei Ihnen keine Sorge, dass Sie auf selbsternannte Wunderheiler hereinfallen.


    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der Suche des passenden Helfers

    Ihr Martin Hamborg

  • Mir persönlich hilft hier dieses Forum extrem viel. Zuerst hat es mich echt Überwindung gekostet so private Dinge zu erzählen aber mittlerweile „traue“ ich mich und mein Rückrat wird sehr gestärkt durch Euch. Lg Ute 🌸

    Liebe UteSchnute,

    mir ging es wie Dir, kann mich nur anschließen. Erst habe ich nur gelesen, dann mich zögerlich getraut, etwas zu schreiben und bin jetzt sehr froh über die ganze Unterstützung und Zuwendung, die ich hier in nur kurzer Zeit erfahren habe.

    Es geht mir seitdem wirklich schon besser. Kompliment an alle, die uns in der Erfahrung schon voraus sind, Ihr seid toll!

    Heute konnte ich beim Elternbesuch zum ersten Mal relativ gelassen bleiben, dank der vielen Ratschläge hier.


    Liebe Grüße an alle

  • Liebe Nelly, ist das nicht toll wie wir uns unterstützen können?


    Ich habe es öfter mal dass ich nach dem Schreiben denke: oh neiiiin viel zu persönlich und impulsiv geschrieben - aber dann sage ich mir: nun so fühle ich halt gerade 1:1 - also sollte ich es doch so lassen.


    Wie schön dass Du relativ :) gelassen bleiben konntest.

    Alles Gute Ute

  • Meine Hausärztin hat mich deswegen einmal zu einem Psychologen geschickt. Da ich aber weder den Kopf unter dem Arm noch einen Strick dabei hatte, sah er überhaupt keinen Anlaß für eine weitere Behandlung...


    Ich finde den Austausch mit "Gleichgesinnten" auch sehr hilfreich, und wenn mir einmal alles über den Kopf wächst, dann mache mir einfach Luft und brülle und schreie vor mich hin...


    LG Zimt

  • Liebe/r Zimt -


    Deine Erfahrung mit Psychologen tut mir wirklich leid. Sowohl ich als auch eine Freundin haben sehr gute Erfahrungen gemacht. Mir persönlich hat meine Psychologin während einer ganz schlimmen Zeit mit meiner Mutter sehr geholfen. Vielleicht findest Du noch eine/n andere/n und gibst ihnen einen zweite Chance?

    Liebe Grüße

    Tanja

  • Hallo an alle, die Erfahrungen mit Psycholog*innen haben oder auf der Suche sind: meine persönlichen sind gut, ich bin nach jahrzehntelangem Zögern (weil mein Vater auch einer aus dieser Zunft war) schließlich doch zu einer gegangen, für die ich zwar eine weite Anfahrt habe, zu der der Draht aber auf Anhieb gut war.

    Meine jüngste Tochter, an Depressionen un kPTBS erkrankt, hat im Laufe der Jahre solche und solche erlebt, aber glücklichweise immer wieder den Mut gehabt, so lange zu suchen, bis sie wieder jemanden gefunden hatte, der/die zu ihr passte.

    Mein kranker Sohn hat nach einer Phase, die für ihn hilfreich war, wieder aufgehört und dann keinen mehr gefunden, der zu ihm passt und wegen so vieler sonstiger Arzttermine auch einfach resigniert.

    Psychologen sind halt auch einfach nicht nur gut oder schlecht, sondern müssen schon fast wie Lebenspartner genau zu ihren Patient*innen passen und das ist einfach nicht leicht zu finden.

    Viel Glück allen, die noch auf der Suche sind.

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