Gerichtliche Betreuung - Welche Kosten, wer zahlt?

  • Lieber Herr Hamborg, danke, dass Sie die Würde erwähnen. Ich hatte das ganz vergessen. Diese erkannte man auch als beeinträchtigt in Bezug auf die Schilderung des Verhaltens meiner Mutter. Es ist ja so: Man nimmt bei Demenz eben nicht bewusst sein eigenes Recht auf Verwahrlosung wahr, sondern man WEISS aufgrund der Erkrankung einfach nicht mehr, dass man sich ab und zu zum Wohle seines Körpers auch mal waschen und umziehen sollte. Im Begutachtungsbogen des MDK wird ja auch gefragt, ob man das noch selbstständig kann oder nicht. Insofern kann ich berichten, dass die zuständigen Stellen (Betreuungsgericht) ohne Zögern verstanden, worum es ging. Und es ist gut, wenn sich Carolina89 bei den einschlägigen Stellen erkundigt.

  • Mit "Verwahrlosen" meine ich bei meiner Mutter nicht, dass sie sich nicht mehr wäscht, oder in der Wohnung putzt.

    Sie fand heute sogar ihre vergammelten Kartoffeln im Schrank.


    Sie bezahlt Rechnungen nicht mehr, legt sie einfach in Schubladen und ihre Wühlkistchen.

    Heute ging ich hin die Uhren umstellen, die nicht funkgesteuert sind und verschwand wieder.

    Wenig später bekam ich einen Anruf, dass ihre Papiere verschwunden sind.

    Sie würde morgen gleich zum Fotografen gehen um neue Passbilder für die Ausweise zu machen.

    Morgen ist Feiertag, sagte ich ihr.

    Die Papiere fanden sich in einem Wühlkistchen wieder an.

    Ich war ja dann ein zweites Mal bei ihr.

    Sie sagte jetzt wird es Sommer.

    Na ja, warm genug wars ja, abgesehen davon dass es Winter wird.

    Nebenbei fand ich dann eine Rechnung vom Steuerberater.

    Obwohl ich ihr die vorgelesen habe, glaubte sie nicht, dass es eine Rechnung ist.

    Es wird täglich mehr an Rechungen und Dingen, die geklärt werden müssen.

    Ich mag nicht mehr, schalte das Gericht ein.

    Danke für eure zahlreichen Antworten.

    Aber wie schreibe ich dem Gericht, dass Mutter nichts mehr bezahlt?

    Mir ist die Wortwahl abhanden gekommen.

  • Liebe Carolina89, die Sache mit dem Waschen/Umziehen war ja nur EIN sichtbarer Fakt. Alles andere hatten wir auch - es fiel nur nicht so auf, weil wir (nebenan wohnend) ohnehin sukzessive alles übernommen haben. Die meisten finanziellen Verbindlichkeiten wurden zum Glück automatisch abgebucht. Ansonsten: Meine Mutter aß mit bei uns (oder eben nicht) usw. usf. Suchen wurde zu unserer Hauptbeschäftigung. Rechnungen, Schlüssel .... alles verschwand irgendwo. Meine Mutter behauptete, es würden andere Leute in ihrem Haus wohnen, die alles verschmutzen, wegräumen usw. Die Demenz entwickelt sich ja nicht von jetzt auf gleich. Meine Mutter war vordem hochintelligent, hatte alles im Griff, ihre Finanzen sowieso. In ihrem Haus konnte man vom Fußboden essen.


    Die Probleme haben wir alle kurz und knapp ans Gericht geschrieben (einfach die Punkte aufgezählt wie sie waren). Ich glaube, so wie du es hier schreibst, ist es klar genug. Vielleicht kontaktierst du für die Formulierung die schon erwähnten Hilfsmöglichkeiten (die Herr Hamborg erwähnte), auch den Hausarzt oder eben einen Anwalt. So ähnlich musste ich das auch machen - anfangs war es ein riesiger Berg, aber so langsam kommt man ans Ziel. Die Anwältin hat mir da auch sehr geholfen ... und eine Beratung kostet noch nicht so viel.

    Sag dir immer, dass du ja mit deinem Tun deiner Mutter nur hilfst und sie nicht etwa bloßstellen oder ärgern möchtest. Sie selbst kann es nicht mehr, also ist es ein Akt der Nächstenliebe, ihr die nötige Hilfe zukommen zu lassen. Alles Gute.

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    • Offizieller Beitrag

    Hallo Carolina89, auch ich möchte Sie - so wie SchwarzerKater und OiOcha - in Ihrer Entscheidung bestärken.

    Wenn das Betreuungsgericht die Not und den Leidensdruck Ihrer Mutter nicht verstehen kann oder will, haben sie ja immer noch die Möglichkeiten weitere Informationen zu geben und im Notfall den Rechtsweg weiter zu gehen.

    Manche Richter brauchen länger und missverstehen etwas - das ist zum Glück menschlich und in unserem System berücksichtigt.

    Ihnen viel Erfolg und alles Gute, Ihr Martin Hamborg

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