unruhezustände tags und nachts

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • guten tag, wir pflegen meine demente Mutter seid drei Jahren intensiv, d.h. wir ( mein Mann und ich) sind abwechselnd tag und nacht bei ihr, weil sie ständig auf der Suche nach ihren Elteren und Geschwistern ist und dabei alleine gefährliche Situationen auslöst- hinausgehen, Treppen steigen etc.. Auf Medikamente spricht sie leider nicht an und wir erleben fast jede Nacht wie sie vehement jemanden sucht.


    und tagsüber geht es dann weiter..


    hat irgendjemand ähnliche Erfahrungen???

  • Hallo Rosaliechen, willkommen im Forum.

    Wir hatten meine Mutter mit Demenz bis vor einem Jahr zu Hause (nebenan wohnend).


    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es schwierig ist, mit Worten durchzudringen. Meine Mutter (in ihrer von früher gewohnten Selbstständigkeit) machte, was ihr in den Sinn kam. Dazu gehörte, dass sie im letzten Jahr zu Hause KEINE Nacht mehr im Bett verbrachte, sondern allerhöchstens im Sessel schlief. Neben ihr zu sitzen hätte nichts gebracht, sie höchstens noch mehr verwirrt. Wir hatten mehrere Bewegungsmelder installiert und so piepste es, wenn meine Mutter in komische Situationen geriet, wenn sie bspw. das Haus verlassen wollte. Somit standen wir jedesmal nachts senkrecht, wenn der Alarm losging. Wir haben außerdem sämtliche Gefahrenquellen entfernt, aber 100%ig ist das nicht möglich. Wir hatten z.B. ihre Treppe abgesperrt (sie war bereits gestürzt), aber sie schaffte es, die Absperrung wieder zu beseitigen.

    Mir wurde vom Arzt gesagt, dass ich ihr bitte keine Beruhigungsmittel geben solle, da sonst die Sturzgefahr noch größer wäre. Ebenso haben wir ein Bettgitter wieder abgebaut, weil auch das eher problematisch war. Wir haben sie wohl oder übel laufen lassen müssen.


    Jetzt im Pflegeheim fügt sich meine Mutter in die dortige Ordnung und ist bisher wohlbehütet durch das Jahr gekommen. Alle sind sehr zufrieden.


    Meine Mutter war übrigens überzeugt, dass ihre Eltern mit im Haus wohnten (seit 50 Jahren verstorben), aber das war eigentlich eine ziemlich unspektakuläre Sache. Ich habe das Spiel gut mitspielen können und fand es am Ende gar nicht mal so unangenehm, da auch ich meine Großeltern sehr geliebt habe und nun waren sie halt irgendwie "wieder da". Das war fast noch das Netteste an der ganzen Sache.


    Am Ende haben wir die Pflege nicht durchhalten können, weil meine Mutter keine Hilfe von außen annahm und auch nicht bereit war, ausreichend zu trinken und zu essen (sie meinte immer, sie habe schon gegessen und zwingen konnte ich sie nicht). Das führte zu Mangelerscheinungen und die sind jetzt erfreulicherweise beseitigt.

    So richtig kann man wahrscheinlich gar nicht anderen raten, weil jeder Fall einzigartig ist.


    Alles Gute.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Rosaliechen,


    Schlaf-Wachrhythmusstörungen / Schlafstörungen sind ein sehr belastendes Problem, vor allem wenn wie Sie beschreiben auch noch Gefahrensituationen dabei entstehen.
    Möglicherweise empfiehlt es sich hier, zweigleisig zu fahren. Einerseits nachts die Risiken minimieren, also das Wachsein sicherer zu machen, andererseits zu versuchen, das Durchschlafen zu fördern.
    Für die Sicherheit können Sie einige Maßnahmen ergreifen. Dazu gehört
    - Stolperfallen beseitigen (lose Kabel, Teppichläufer etc.).
    - für Licht sorgen - mittels Bewegungsmeldern, um Stürze in der Dunkelheit zu minimieren

    - je nach Boden und ob Schuhe genutzt werden bzw. wenn toleriert, können Strümpfe mit Antirutschfunktion zur Sicherheit beitragen

    - Treppenstufen und Schwellen sichtbar machen, einerseits durch Licht, aber es wird auch empfohlen z.B. mit Neoprenhaftstreifen (wie Pakettesa oder Panzer-Tape) die Kanten der Stufen zu bekleben

    - um ein unbemerktes Verlassen der Wohnung zu verhindern gibt es technische Hilfsmittel, z.B. sog. Klingelmatten die bei Betreten einen Warnton von sich geben; manchmal reicht aber auch ein einfaches Windspiel über der Tür, so dass ein Geräusch entsteht wenn sie geöffnet wird. Sie finden unter dem Stichwort "Wohnraumanpassung" eine Reihe von Checklisten im Internet, die zur Sicherheit beitragen können und Risiken reduzieren helfen. Hier z.B. .

    Grundsätzlich gilt die Faustregel: Erst Maßnahmen der Schlafhygiene, dann Medikamente. Trotzdem kann es natürlich sinnvoll sein, die Stabilisierung des Schlaf- Wachrhythmus zumindest einige Zeit mittels Medikamenten zu unterstützen. Sie schrieben, dass Medikamente keine Wirkung gezeigt hätten. Was wurde bisher denn versucht?
    Das Schlafengehen sollte ritualisiert werden und der Tagschlaf, falls vorhanden, nach Möglichkeit begrenzt (die Empfehlung lautet etwa 20-30 Minuten max.);
    wurde ggfs. in letzter Zeit etwas an der Schlafumgebung geändert? Ich habe bereits erlebt, dass selbst der Austausch eines alten Weckers gegen einen modernen, erhebliche Unruhe und Sucherei in der Nacht ausgelöst haben - als Beispiel.
    Könnten Bilder der gesuchten Personen auf dem Nachttisch ggfs. zur Beruhigung beitragen?
    Wenn Sie Ihrer Frau Mutter erklären, welche Uhrzeit ist und wo die gesuchten Personen sind - beruhigt sie sich dann schnell wieder und lässt sich leicht wieder zu Bett bringen?
    Oftmals geht es hierbei wie um einen "Versuch + Irrtum"-Modus, bis man eine gute Lösung findet....

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust


  • hallo rosaliechen,


    Willkommen im Forum. Das kenne ich an schlechten Tagen von meinem Papa auch. Da liegt auch der Teufelskreis, zu wenig oder schlechter Schlaf verschlechtert zumindest bei meinem Papa die Symptome der Demenz massiv.

    das kennt ja auch jeder bei sich selbst, fehlt der Schlaf ist nicht unbedingt mit Höchstleistungen zu rechnen.


    Ich habe bei ihn gute Erfahrungen mit Baldrian gemacht. Abends vor dem Schlafen bekommt er das als Tablette, so konnte ich die nächtlichen wachphasen sehr deutlich minimieren.

    Wie Herr Gust geschrieben hat, Rituale sind wichtig. Ich versuche so weit möglich feste Zeiten einzuhalten. Bei ihm ist das gegen 22 uhr abends bis 7 uhr morgens.


    Der ablauf ist dann immer der gleiche. ich ziehe meinen Papa aus, dann geht es ins Bad. Im Schlafzimmer ist dann zum anziehen des Schlafanzuges bereits das Licht gedimmt.

    Bei uns hilft es auch das ich ihm im Bett nochmals sage welcher Tag morgen ist und wann er am nächsten Tag aufsteht. Dann versichere ich ihm nochmal das er keine Angst haben muss zu verschlafen weil ich ihn wecke. Das scheint ihm nochmal Sicherheit zu geben, ist aber halt sehr speziell auf den Charakter meines Papas abgestimmt.

  • Vielen Dank für die Antworten, wir haben schon einiges mit meiner Mutter ausprobiert, und auch verschiedene Medikamente (Risperidon,Pimpamperon,Lorazepan) auf Anraten des Facharztes gegeben, da meine Mutter auch an Angstzuständen leidet, wenn sie allein ist.

    Sie sieht Dinge und Menschen, die nicht da sind und steigert sich in die Situation hinein, z. B. die Enkelin hängt kopfüber im Baum, ihr muss geholfen werden etc. .


    Die Medikamente setzen Mutter völlig außer Kraft, sie konnte nichts mehr, weder laufen, noch Stuhlgang kontrollieren oder alleine essen.

    Sie war nur völlig apathisch. Das wollten wir auch nicht.

    Ohne Medikamente besitzt meine Mutter noch diese Kompetenzen.

    Das erleichert die Betreuung, ist aber auch sehr anstengend, rund um die Uhr für sie da zu sein. Bei der Verständigung mit meiner Mutter kommt erschwerend hinzu, dass sie fast gar nichts mehr hört. Wir arbeiten viel mit Körpersprache.

    Wir haben feste Schlafzeiten, die aber dann nichts nützen, sie steigt wieder aus dem Bett.

    Mitterweile können wir verschiedene Phasen verzeichnen:

    48 Stunden am Stück wach und sehr aufgedreht, ängstlich, ständig auf der Suche nach etwas etc., außerdem spricht sie dann stundenlang und dann folgt ein Tag der Erschöpfung, an dem sie nur schläft- dann können wir sie rütteln und schütteln, sie schläft wieder ein.

    So leben wir von Welle zu Welle.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Rosaliechen, es es beeindruckend, was Sie und Ihr Mann für Ihre Mutter tun und so von Welle zu Welle leben. So können Sie den enormen Leidensdruck mildern, aber vielleicht gelingt es doch, die Halluzinationen und Ängste zu behandeln. Bei den schweren Nebenwirkungen der Neuroleptika stellte ich mir die Frage, ob der Psychiater eine Lewybody Demenz ausgeschlossen hat? Bei dieser seltenen Demenz ist die sog. neuroleptische Sensibilität oft erst das Symptom, das zu dieser Diagnose führt.

    Ihnen weiterhin viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Guten Tag, nun stellt sich noch ein anderes Problem bei meiner 92 jährigen dementen Mutter. Sie verweigert ihr Essen und ihre Getränke:" Es schmeckt alles komisch", sagt sie. Vorher aß sie im Stundentakt Brot und Obst etc. und trank auch immer gut Tee und Wasser.

    Seit vorgestern versuche ich nun ihr etwas schmackhaft zu machen. Vergeblich.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo rosaliechen,

    dafür könnte es viele Gründe geben: Wurden die Medikamente umgestellt? Manche hinterlassen einen metallischen Geschmack im Mund. Wie steht es um die Zahn- bzw. Mundgesundheit (z.B. Karies, vereiterte Zahnwurzeln, Pilzinfektion)? Und schließlich: War Ihre Mutter erkältet, oder an Grippe erkrankt? Haben Sie sie auf Covid getestet...?


    Ich drücke die Daumen, dass Sie die Ursache schnell herausfinden können...


    Freundliche Grüße

    S. Sachweh

  • Zusätzlich zu den von Frau Sachweh genannten möglichen Gründen führt Demenz auch zur Veränderung Des Geschmackssinnes. Meiner Mutter schmeckte auch absolut nichts mehr (das bezog sich auf Essen und Getränke). Alles schmeckte komisch, wurde liegengelassen und weggeschüttet. Nur Süßes ging noch. Meine Mutter nahm kiloweise ab, dehydrierte zum Schluss.

    Im Pflegeheim bekommt sie daher immer alles gesüßt, aber auch da gibt es zuweilen Probleme, mit denen man dort aber einigermaßen zurecht kommt.

    Leider war die Verweigerung von Nahrung und vor allem von Flüssigkeit ein Hauptgrund, warum ich die Pflege alleine nicht mehr bewältigen konnte.


    Aber vielleicht ist "nur" einer der von Frau Sachweh genannten Gründe maßgeblich. Alles Gute.

  • Bei meiner Mutter wurde vor einiger Zeit das Medikament zum magenschutz erhöht (omeprazol) weil ihr alles nicht mehr schmeckte, allerdings auch übelkeit dabei. Sie war immer gute Esserin, seitdem geht's wieder.

    Liebe Grüße

  • Meiner Mutter geht es ähnlich wie bei der Mutter von schwarzerkater: Sie liebt süßes Essen: Schokolade, Fruchtjoghurt, Eis. Aber auch Gummibärchen oder Cola, beides mochte sie früher nicht. Eine Beraterin bei ihrer Krankenkasse sagte mir, dass dies auch ein Zeichen der Demenz ist.

  • Ja, das kann ich bestätigen, meine Mutter har früher NICHTS Süßes gegessen. Hatte sie mal der Höflichkeit halber ein Stück Kuchen gegessen hat, musste Sie danach sofort zum Kühlschrank gehen und eine Scheibe Wurst essen. Und jetzt; je süßer je lieber und so viel wie sie kriegen kann. Obwohl, es sind ja immer die Schwestern und Pfleger, die alle Kekse und Pralinen aufessen....

    Also, Rosaliechen, versuche es doch mal mit süßen Säften oder süßen Speisen. Natürlich nur, wenn das möglich ist. Bei einer Zuckerkrankheit funktioniert das leider nicht.

    Im Gegenteil zu schwarzerkater, ist bei meiner Mutter seit Beginn der Demenz jedoch immer das Zuviel (und das Falsche) essen ein Problem, in acht Jahren von Konfektionsgröße 44 zu 52 :huh:

    VG never20

  • es gibt bei Demenz immer mal ein Auf und Ab

    Das musste ich auch lernen und es war nicht leicht. Da erkennt man eine neue Entwicklung, stellt sich drauf ein - und plötzlich ist sie wie weggeblasen. Wenn man das dann kapiert hat, ist sie wieder da und vielleicht sogar heftiger als zuvor...

    Das irritiert ganz schön und da sind die vielen Berichte und Kommentare der hier Schreibenden äußerst hilfreich, sich damit zurechtzufinden. Mal wieder ein Danke von mir.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!