Kochen für Demenz

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  • Bisher habe ich für zwei Demenzkranke und zwei Gesunde täglich frisch gekocht – weitgehend unter Verzicht auf industriell verarbeitete Kost (Wurst, Schinken, Fertiggerichte etc.). Wir sind noch Fleisch gewohnt, essen aber kein Schwein und unser Verbrauch an Gemüse, Salat und Obst – mit Verzicht auf „schnelle Kohlehydrate“ - ist im grünen Bereich. Das hat jetzt drei Jahre lang gut funktioniert, aber seit seiner letzten Krankheitsphase isst der Schwiegervater nur noch ganz wenig, am Abend vielleicht überhaupt nichts. Das macht mir und den anderen Stress und Schwiegermutter fängt bei solchen Missessen gerne das Weinen an.

    Ich versuche jetzt zu Junkfood zurückzukehren: Den Fett- und Zuckeranteil erhöhen, Weißbrot statt Vollkorn, Kartoffeln statt Gemüse etc. Der Schwiegervater war früher viel auf Montage unterwegs und ist mit Junkfood groß geworden. Er hat zwar davon Diabetes bekommen, aber das lässt sich noch mit Insulinzugabe steuern.
    Es ist noch zu früh, über geänderte Koch-Ergebnisse zu berichten, aber ich würde mich über eure Erfahrungen freuen – gerne auch mit Rezeptvorschlägen.

    LG Buchenberg

  • Hallo Buchenberg, Essen war bei uns die Katastrophe. Meine Mutter wurde viermal täglich von mir beköstigt (natürlich frisch gekocht, nur "gute" Nahrung). Aber egal, wie wenig ich auf ihren Teller legte, sie schob das Essen auf dem Teller hin und her, aß, wie ein bockiges Kleinkind, meinte dann sogar ab und zu "Das schmeckt nicht.". Süßes funktionierte besser, aber Milchreis und Grießbrei mochte sie auch nicht. Lediglich Nachtisch, aber auch den nicht immer.

    Eigentlich eher eine Lappalie (wenn man die anderen Probleme bedenkt), aber es verfolgte mich bis in die Träume. Dagegen aß meine Mutter plötzlich Marmeladengläser leer, vertilgte komplette große Pralinenkästen etc. Ich denke, die Demenz ruft auch kleinkindhaftes Verhalten hervor, verändert das Geschmacksverhalten.


    Im Pflegeheim bekommt meine Mutter, was sie möchte, aber auch da nimmt sie jetzt Essen teilweise wieder aus dem Mund etc. Irgendwie kommen die Pflegekräfte aber damit klar. Sie stehen auf dem Standpunkt (wie ich): Mit 89 und Demenz hat man das Recht, auch ungesunde Dinge zu essen, wenn man möchte. Im Rahmen natürlich. So wird das Gewicht meiner Mutter überprüft, die Ärztin schaut, ob sonst soweit alles passt. Wunder kann man nicht (mehr) erwarten. Es geht um Lebensqualität. Fazit: Lieber Fastfood als gar kein Essen.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Buchenberg,

    versuchen Sie doch einmal, das gesunde Essen, das Sie bisher zubereitet haben, entweder stärker herzhaft zu würzen, oder durch Süßmittel "demenzgerechter" zu machen - dazu raten Ernährungsprofis angesichts des abgestumpften Geschmackssinns der Erkrankten, der irgendwann nur noch die Geschmacksrichtung süß wahrnehmen kann. Auch, wenn es uns unvorstellbar eklig erscheinen mag: Manche Menschen mit Demenz verzehren Eier mit Senfsoße oder Rührei mit Spinat in gezuckerter Form mit großer Freude, und genießen ihr Gulasch, wenn sie ihren Schokopudding hineingerührt haben...


    Es grüßt Sie herzlich

    S. Sachweh

  • Hallo Buchenberg,


    ja das mit dem Essen ist so eine Sache. Das habe ich auch durch.

    Mein Papa liebte z.b. Brot, Semmeln, Baguette, Brezen ... aber die letzten 2 Jahre wollte er praktisch ausschließlich Toast zum Frühstück und Abendbrot. Ich habe das akzeptiert.


    Während ich hier schreibe sehe ich auch gerade einen Beitrag von Fr. Sachweh aufploppen. Gerade süß geht bei meinem Papa auch immer. Ich habe dann sein essen einfach ein wenig süßer abgeschmeckt.


    Ebenfalls gewöhnungsbedürftig können auch die Portionsgrößen im Alter sein, man hat vielleicht einen ehem. guten Esser vor sich der plötzlich nach ein paar bissen satt ist. Das ist aber bei vielen alten Menschen nicht ungewöhnlich.


    Was z.b. bei meinem Papa immer geht sind Suppen. Auch jetzt im Pflegeheim gibt es täglich eine Vorspeißensuppe die er mit großem Genuss ißt. Vielleicht einen Versuch wert weil man so auch die Flüssigkeitsmenge etwas regulieren kann

    Einmal editiert, zuletzt von Sohn83 ()

  • Auch, wenn es uns unvorstellbar eklig erscheinen mag: Manche Menschen mit Demenz verzehren Eier mit Senfsoße oder Rührei mit Spinat in gezuckerter Form mit großer Freude, und genießen ihr Gulasch, wenn sie ihren Schokopudding hineingerührt haben...

    Genau, Frau Sachweh, so sieht man es bei uns im Pflegeheim auch. Jedoch ist selbst das keine Garantie dafür, dass meine demente Mutter es isst. Aber solange sie überhaupt etwas isst, ist es in Ordnung.

  • Hallo,

    recht herzlichen Dank für all eure Ideen. Also werde ich mit Junkfood noch warten!

    Suppen und Eintöpfe haben bisher gut funktioniert und von Agavendicksaft habe ich eine Literflasche in Gebrauch. Da ich für vier Personen koche, müsste ich das „Spezialgericht“ mehr am Tisch nachwürzen.

    Heute Mittag gab es pürierte Kürbissuppe mit Schafskäse, dazu (erstmals!) eine Scheibe Baguette. Nach dem Weißbrot hat der Schwiegervater zuerst gegriffen und dann den Teller blitzblank gegessen. Allerdings aß er mit zwei Stunden Verspätung, vorher steckte er wieder im „Wachkoma“.


    Liebe Grüße Buchenberg


    Nachtrag 31.12.
    Hat geholfen: bayrischer Kartoffelsalat, Nürnberger Bratwürste mit süßem bayrischem Senf. Der Senf wurde separat und löffelweise verspeist.

    Außerdem lasse ich jetzt beim Essen immer dieselbe CD laufen: bar classics piano. Mindestens besänftigt das meine Nerven und die meiner Frau!


    Nachtrag 02.01.23

    Blattsalat mit Ananasstückchen hat allen geschmeckt, auch den Nichtdementen.


    Nachtrag 03.01.23

    Funktioniert: Fenchelgemüse süsssauer mit Mandarinen und Huhngeschnetzeltes auf Reis.


    Nachtrag 04.01.23

    Funktioniert: dicke Linsensuppe mit einem Krönchen Schlagsahne.


    Nachtrag 07.01.23
    Funktioniert: Kartoffelsalat gesüsst mit Preiselbeeren.

    Funktioniert nicht: Bratkartoffeln mit Speck. Davon blieb übrig. Demnächst serviere ich Bratkartoffeln mit Ketchup.


    Funktioniert: Blattsalat mit Preiselbeeren


    Funktioniert: Friseesalat mit Pfirsich aus der Dose


    Funktioniert: Rindersuppe mit selbst gemachtem Eierstich angesetzt mit Bier


    Wurde nicht aufgegessen:

    Gurkensalat mit geriebenem Apfel und hartgekochtem Ei (als Reaktion darauf sagt die demente Gattin zu ihrem noch dementeren Mann: "Du solltest dich schämen!" Er weiss nicht wie ihm geschieht.


    Funktioniert: Putenschnitzel mit Kartoffel-Selleriestampf, dazu dunkle Soße mit Pflaumenmus gesüßt.


    Funktioniert: Linsensuppe gesüsst mit Preisselbeeren.


    Funktioniert nicht mehr: Backofenhähnchen das etwas Schärfe durch Chilli hatte. "Das schmeckt nicht!" Das Bruststück ohne Knochen blieb auf dem Teller liegen.


    Funktioniert: Bregenwurst mit süssem bair. Senf und Kartoffel-Fenchel-Stampf.


    Funktioniert: Rinderbraten mit Kichererbsenmuss gesüsst mit Preisselbeeren


    Funktioniert: Ratatouille gesüsst mit Preisselbeeren


    Funktioniert: Backofenkartoffeln überbacken mit einer Sosse aus Honig, Sojasosse und Öl


    Funktioniert prima: Salat mit Obststücken - frisch oder aus der Dose.


    Funktioniert: Weisse-Bohnen-Eintopf mit Cocosmilch.

    17 Mal editiert, zuletzt von Buchenberg () aus folgendem Grund: Nachtrag

  • Meine Mutter isst überwiegend Süßes, obwohl sie Diabetikerin ist.

    Brot mit Marmelade, Cappuccino, Krapfen, mal ein Wiener Würstchen, Eier, 5 Minuten Terrine, Weingummi, Joghurt mit Früchten.....

    Früher stand sie nur am Herd und brutzelte für Vater. Bei den beiden drehte sich alles ums Essen.

    Ich habe eine Zeit lang mit ihr und bei ihr gegessen, und ich hatte eine Salatphase mit Steak, Fisch usw.

    Irgendwann motzte sie wie ein kleines Kind "Bäh, immer nur Salat."

    Das ist bestimmt 3,4 Jahre her.

    Sie wollte immer wieder eine Dönerrolle.

    Bekam sie eine, motzte sie auch....zu groß, schmeckt nicht usw.


    Aber da war sie schon dement.

    Je mehr ich zurück denke, desto mehr fällt mir auf wie lange sie sich schon seltsam verhalten hat.

    Weil ich ihr sagte, dass sie bei Diabetes nicht so ein Zeug essen soll, "schmuggelte" sie Weingummis und versteckte sie.

    Wenn ich sie fand, sagte sie, dass sie für mich wären.

    Immer eine Ausrede parat😵‍💫

  • Hallo Carolina,

    der Schwiegervater hat auch Diabetes. Früher hat er alles gegessen, was man ihm vorgesetzt hat. Dass er wenig und wählerisch isst, ist ganz neu. Durch meine „Demenzküche“ bekommt er weiter abwechslungsreiche Kost, aber mit einem Sahnehäubchen. Ansonsten ist er ganz lieb und „pflegeleicht“. Unser Problem ist eher seine Frau, die mit dem „Argument“ „das ist MEIN Mann!“ die Oberhoheit über alles und jedes beansprucht, obwohl sie nichts mehr ohne fremde Hilfe erledigt bekommt.
    Seit neuestem habe ich deshalb die Sitzordnung am Esstisch geändert. Die beiden Dementen sitzen sich nicht mehr gegenüber, sondern nebeneinander, damit die Frau sein Essverhalten nicht mehr ständig kommentieren kann. ("H., was ist mit dir? Schmeckt es dir nicht?")

    LG Buchenberg

    4 Mal editiert, zuletzt von Buchenberg ()

  • Unsere Demenzkranken essen ungern mit Messer und Gabel. Zum selber Schneiden fehlt ihnen Kraft und von der schmalen Gabel fällt ihnen oft etwas herunter, vor allem bei Eintopf, Salaten und Reisgerichten.
    Wir haben gute Erfahrungen mit GÖFFEL gemacht. Ein Göffel hat die Größe eines Suppenlöffels mit vier abgerundeten Zinken an der Spitze mit denen man auch etwas aufspießen kann – also ein Zwitter von Gabel und Löffel. Meine Frau und ich benutzen dann ebenfalls Göffel, damit sich niemand schlecht behandelt vorkommt.

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