Einer gesund, einer krank - wir kann die Unterbringung erfolgen???

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    Guten Tag, ich bin neu hier und versuche mal, unseren Fall kurz zusammenzufassen, weil ich hoffe, (Teil-)Anregungen oder Impulse zu bekommen, da wir momentan feststecken...

    Ich denke zu Bearbeitung unseres Falls wäre es sinnvoll, viele Hintergrundinformationen zu liefern, das würde den Rahmen zum Einstieg aber sprengen. Mein/unser Beratungsbedarf bezieht sich auf folgende Konstellation:


    Mein Vater (91) und seine Frau (82, nicht meine Mutter, daher die etwas umständliche Beschreibung) haben bis zum Herbst in ihrem Reihenhaus gelebt.

    - Er wurde körperlich zunehmend gebrechlich, ihm werden aber ärztlicherseits "keine alltagsrelevanten kognitiven Einschränkungen" bescheinigt.

    - Sie ist körperlich recht fit, allerdings ist hier die ärztliche Einstufung "mittelgradige Demenz", "am ehesten Alzheimer Typ" (eine genauere Diagnose liegt mir leider nicht vor). Sie ist nicht in der Lage, Ihre Situation einzuschätzen und mit anscheinend einfachen Alltagsaufgaben (z.B. einen Kugelschreiber holen) überfordert.

    Ein Sturz meines Vaters mit Scapula-Fraktur brachte die beiden (wir konnten organisieren, dass sie zusammenbleiben konnten) über die Chirurgie in die Geriatrie eines Krankenhauses, von dort auf ärztlichen Rat in die Kurzzeitpflege. Von dort konnten sie direkt in die Langzeitpflege der Einrichtung ziehen und haben jetzt eine kleine abgeschlossene Einheit mit zwei Zimmern für sich.

    Die Situation wäre an sich gut gelöst, allerdings entsteht nun eine große Unsicherheit über den "richtigen" Umgang mit der Frau meines Vaters. Sie wehrt sich z.T. verbal aggressiv gegen den Verbleib in der Einrichtung, will "nur nach Hause", ist der Meinung, die Betreuung meines Vaters und den Haushalt alleine stemmen zu können. (Vorsichtige) Andeutungen, dass es auch für sie Indikationen für eine Heimunterbringung gibt, kann sie überhaupt nicht verarbeiten und reagiert entsprechend.

    Hauptleidtragender ist mein Vater, der 24/7 ihrem Drängen, ihren Vorwürfen und ihren Beschimpfungen ausgesetzt wird. Dieser Druck führt bei ihm - obwohl mit der Wohnsituation in der Einrichtung d'accord und sich der Risiken bewusst - zur Resignation, und er bedrängt wiederum mich, dass sie beide nun unbedingt wieder zurück in die häusliche Umgebung wollen.

    Dies führt zu immer wiederkehrenden Endlos-Diskussionen (mit ihm) und einer fortschreitenden Eskalation zwischen den beiden.

    Beratungsbedarf bestünde meinerseits in verschiedener Hinsicht:

    - Wir Angehörige (beider Familienseiten) halten eine Rückkehr in die häusliche Umgebung für unverantwortlich, zumal dankbare "Hilfestellungen" wie etwa eine 24/7 Kraft, die im Haus wohnt rigoros abgelehnt wird und wir im Alltag keine ausreichende Betreuung sicherstellen können. - Gibt es Instanzen, die eine solche Entscheidung generell verhindern könnten (Ärzte?)

    - juristisch (wenn es zum Äußersten käme): Beide haben Vorsorgevollmachten. Sie haben sich gegenseitig eingesetzt, mein Vater zusätzlich mich, seine Frau einen Neffen. Bei ihr ist die Lage verhältnismäßig klar, aber ab wann geht die Pflicht und das Recht, seinen Aufenthalt zu bestimmen, auf mich über?

    - Die Vorstellung meines Vaters ist immer noch, er könne/müsse sich mit seiner Frau "einigen". Daher hofft er auf ihre Einsicht und darauf, dass sie über ihren Zustand "informiert" werden müsste. - Nach allem was ich bisher gelesen habe, ist das eine Sackgasse, und wir müssen andere Wege finden, ihr den Übergang in die neue Situation zu vereinfachen. (Angebote des Heims an Tagespflege oder anderen Aktivitäten teilzunehmen, lehnt sie energisch ab, Gegenstände oder Erinnerungsstücke aus der Wohnung will sie absolut nicht im Zimmer haben (sofern sie sie erkennt...). - Sie wird aktuell mit Mirtazapin und Melperon behandelt, eine positive Veränderung ist kaum zu erkennen.

    - Ich denke, insbesondere mein Vater braucht fachkundige Unterstützung im Umgang mit seiner Frau. Selbsthilfegruppen o.ä. sind aber aufgrund der eingeschränkten Mobilität wenig praktikabel. Vielleicht gibt es hier auch "mobile" Hilfsangebote?

    Die Fragen lassen sich sicher nicht direkt beantworten und klären, aber hilfreich wären für mich schon oder Antworten und Anregungen auf einzelnen Aspekten

    Vielen Dank schon einmal für's Lesen, alles Gute für das Neue Jahr und viele Grüße.

    HaBi




  • Ihre Frage





    - Ich denke, insbesondere mein Vater braucht fachkundige Unterstützung im Umgang mit seiner Frau. Selbsthilfegruppen o.ä. sind aber aufgrund der eingeschränkten Mobilität wenig praktikabel. Vielleicht gibt es hier auch "mobile" Hilfsangebote?

    Ich habe gefunden, dass es teilweise Online-Beratungen bzw. Selbsthilfegruppen gibt. Oder aber auch telefonische Beratungen.


    Vielleicht kriegt er das mit einer VK hin, wenn man ihm alles richtig einrichtet.

  • Hallo HaBi,


    ich erzähle mal, wie es uns erging, als meine Frau und ich ihre Eltern zu uns holten. Ihr Vater, damals 89, war dement und Diabetiker, ihre Mutter (85) war von Pflege, Haushalt und Eigenheim völlig überfordert und nach einem Kreislaufkollaps im Krankenhaus gelandet. Wahrscheinlich hatte sie damals schon ein beginnende Demenz.

    Wir hatten allerdings den großen Vorteil, dass wir den Schwiegereltern „Umzug auf Probe“ aka „Urlaub“ für acht oder vierzehn Tage anbieten konnten.

    Wie ist es uns ergangen? Der Schwiegervater ist ein umgänglicher, lieber Mensch, dem es wichtig ist, dass er gut behandelt und gut versorgt wird. Er meinte, er sei in einem Hotel. Das war für ihn okay. Seine Frau wehrte sich jedoch gegen alles und jedes und machte Stress ohne Ende („ich will nach Hause!“, „ich bringe mich um!“).

    Erstens betonten wir ihr gegenüber immer, was für ihren Mann wichtig und gut ist. Dagegen hatte sie keine guten Argumente.

    Zweitens ließen wir ihr die formelle Freiheit: „Du kannst gehen, wohin du willst. Aber dein Mann bleibt hier!“

    Drittens bekam sie ein spezielles „Vorteilspaket“: Wir haben eine freundliche Hausärztin, die sich um sie kümmerte, dann kam ein Kardiologe, eine Neurologin, Fußpflegerin, Augenärztin, neue Brille, neue Zähne, neue Hörgeräte, Grauer Star-OP an beiden Augen.

    Irgendwann (vielleicht nach einem Jahr) fand sich die Schwiegermutter „ihrem Mann zuliebe“ mit ihrer neuen Lebenssituation ab.

    Liebe Grüße! Buchenberg

  • Hallo Buchenberg, herzlichen Dank für den Erfahrungsbericht!

    Vielleicht können wir hier nochmal Anregungen umsetzen. Die "Technik": "Dein Mann kann aber nicht zuhause sein" haben wir am Anfang teil-erfolgreich anwenden können, allerdings war das temporär. Da sie der Überzeugung ist "kann er wohl, und was er nicht kann, kann ich dann übernehmen" (nein, kann sie nicht!), und er stellenweise einknickt "vielleicht könnte ich die Treppen ja doch mit einem zusätzlichen Handlauf schaffen?", hält das Ganze maximal bis wir zur Tür raus sind, dann ist mein Vater wieder ihrem Drängen "das geht doch, das ist doch unsere Entscheidung, ich will nur noch hier weg" ausgesetzt.... Die Perspektive "Du musst vielleicht ein Jahr so aushalten" ist für ihn mit 91 auch nicht so vielversprechend...

    Danke, ich denke, von solchen Erfahrungen "lebt" das Forum, und ich freue mich darüber.

  • Die "Technik": "Dein Mann kann aber nicht zuhause sein" haben wir am Anfang teil-erfolgreich anwenden können, allerdings war das temporär. Da sie der Überzeugung ist "kann er wohl, und was er nicht kann, kann ich dann übernehmen" (nein, kann sie nicht!),

    Hallo HaBi,

    die Erfahrungen auch hier im Forum zeigen, dass bei Demenzkranken die Ansichten von Familienangehörigen deutlich weniger zählen als ärztliche oder sonstige fachliche bzw. sachkundige Urteile und Diagnosen - am besten schriftlich, weil es ja schnell wieder vergessen ist.

  • Hallo HaBi und willkommen im Forum, leider habe ich auch nicht DIE Idee, wie das klappen könnte.


    Für mich war schon meine EINE Mutter eine große Herausforderung, weil eben die Demenz einhergeht mit dem fatalen Symptom der fehlenden Krankheitseinsicht. Möglicherweise kann man den Vater also im besseren Umgang mit den Krankheitssymptomen "schulen" (hierfür würde ich nach Angeboten der Krankenkassen vor Ort googeln ... es gibt da hier und da welche). Aber hier spielt natürlich auch die langjährige routinierte Beziehung der beiden, die Rollenverteilung und die Persönlichkeit beider mit hinein. Wie flexibel ist man da noch für eine Verhaltensänderung (es ist nicht unmöglich, aber auch nicht leicht). Zudem hat man mit über 90 mit sich selber zu tun (wir sehen das am 98jährigen Schwiegervater, der körperlich stark abbaut und jetzt auch starke Anzeichen von Demenz zeigt).


    Zu meinem Fall: Meine Mutter wäre eher ins Feuer oder aus dem Fenster gesprungen als in ein Heim zu gehen, nicht einmal Pflegehilfe war gewünscht (von mir nur wenig, von fremden Menschen nur unter Protest). Ein Sturz/ein Zusammenbruch nahm mir die Entscheidung ab (und ihr auch). Die entsprechenden Stellen (Krankenhaus etc.) ließen gar keine Zweifel mehr zu und meine Mutter kam in ein von uns ausgesuchtes Pflegeheim. Heute weiß sie NICHTS mehr von früher und so schlimm es ist, dadurch kann sie bestmöglich betreut und gepflegt werden.


    Ich würde also über Szenarien nachdenken, wie man notwendige Tatsachen (Heim) auch gegen den Widerstand der Betroffenen schafft ... es ist ja nicht als Strafe und Bösartigkeit, sondern als Hilfe gedacht. Die dementen Personen wissen nicht mehr, was sie dringend benötigen, wir aber schon und entsprechend müssen wir handeln (Das fällt mir z.B. gar nicht leicht, aber ich MUSS es tun!).


    Wir hatten z.B. mit der Hausärztin gesprochen, die auch ohne den eingetretenen Notfall meine Mutter mal ins Krankenhaus eingewiesen hätte zur medizinischen Abklärung und dann wäre der nächste Schritt leichter gewesen.

    Ich selbst habe mich mit dem Schritt sehr schwer getan, aber die Hausärztin war froh, dass es so einen noch glimpflichen Verlauf genommen hat. Auch für sie war es schrecklich, die Verwahrlosung meiner Mutter zu ertragen, die sie (und ihre Oma .... ebenfalls Hausärztin) über Jahrzehnte betreut hatten und daher gut als damalige Persönlichkeit ohne Demenz kannten.


    Liebe(r) Habi, es wird sicher nicht leicht und es kostet Kraft und Mut ... daher wünsche ich dir von ganzem Herzen genau das plus absolute Klarkeit, welches der richtige Weg ist.

  • Hallo HaBi und alle anderen!

    Meine Mutter in ein Heim zu bringen war auch ein Kapitel fuer sich - aber dennoch höchst notwendig (mir wurde die Entscheidung auch aufgrund eines Sturzes aus der Hand genommen).

    Ich hatte vorher die Erfahrung gemacht, dass meine Versuche irgendetwas zu ordnen (z.B. Arztbesuch, Kontrolle im Krankenhaus) nach Versprechungen dann doch irgendwie untergraben wurden und sogar telefonisch eingestellt wurden (!!!) von meiner Mutter - die ansonsten nichts mehr auf die Reihe gebracht hatte.

    Als ich den Pflegedienst - also "fremde Leute" mit eingespannt hatte, hat alles reibungslos geklappt, da keine Gegenmeldungen von Muttern kamen (sie traute sich vielleicht nicht?). Also auch hier eine Möglichkeit fuer dich HaBi, euren Hausarzt oder ähnlichem zu bitten, "ein ernstes Gespräch" mit der Frau deines Vaters zu haben?! Mit etwas Glueck hilft es wenigsten fuer eine kurze Zeit.....

    Liebe Gruesse

    Weit Weg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo HaBi,


    willkommen im Forum.

    Sie haben hier bereits hilfreiche Antworten bekommen. Ich möchte ergänzen:

    ganz generell zum Aufenthaltsort: im Zweifel kann eine (zwangsweise) Unterbringung nur durch ein Gericht beschlossen (bzw. bestätigt) werden. Voraussetzung ist grundsätzlich, dass die Person sich oder Dritte gefährdet.
    Ich bin kein Jurist und Rechtsberatung können wir hier nicht bieten, jedoch zu Ihrer Frage, wann Sie als Unterbevollmächtigter den Aufenthaltsort bestimmen können im Sinne der Vollmacht bzw. wann diese greift:
    Ich schätze das so ein bzw. habe das so verstanden, dass Ihr Herr Vater geistig fit ist ("keine alltagsrelevanten kognitiven Einschränkungen"). Daher kann er auch jedwede Entscheidungen über einen Umzug treffen und Ihre Vollmacht wäre dem nachgelagert. Sie wären aber andererseits m.E.n. auch nicht verpflichtet, einen Umzug zu organisieren.

    (Auch) Pandemiebedingt haben sich viele online-Angebote, auch Selbsthilfegruppen und Beratungen in Sachen Demenz etabliert. Ggfs. wenden Sie sich an Ihre regionale Alzheimer Gesellschaft oder die Senioren-/Pflegebevollmächtigte Ihrer Kommune, um da eine konkrete Info zu bekommen, falls Sie online nicht fündig werden.

    Vielleicht mögen Sie zu meiner besseren Vorstellung noch mitteilen, seit wann das Antidepressivum und das Neuroleptikum verordnet sind?

    Hier hat der User Buchenberg etwas in Klammern gesetzt, was ich nochmal hervorheben möchte:
    <<Irgendwann (vielleicht nach einem Jahr)>>

    Manchmal ist die Zeit einer der wichtigsten Verbündeten pflegender Angehöriger. Zumindest ist sie zuverlässig.

    Vielleicht können Sie im Augenblick kaum etwas anderes tun, als Ihren Vater weiter darin zu bestärken, dass die jetzige Wohnsituation die bestmögliche ist (da Hilfe Zuhause abgelehnt würde) und ihm immer wieder "Verschnaufspausen" von den Auseinandersetzungen zu bieten.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Hallo Herr Just, vielen Dank für Ihre Einschätzung!


    In der Tat bietet das Forum die Möglichkeit, Beiträge zu den verschiedenen Aspekten zu erhalten, wofür ich sehr dankbar bin. (@alle, die geantwortet haben!)


    Mein Vater hat gestern im Alleingang und unabgesprochen versucht, seiner Frau durch Benennung ihrer Diagnose zu "erklären", warum sie nicht nach Hause können, was wir bisher vermieden haben. - Ich weiß noch nicht, wie viel davon "angekommen" ist, jedenfalls berichtet er, kurzfristig sei sie "zornig bis traurig", anschließend bei einem Spaziergang "normal" gewesen.


    Die Medikamente wurden erstmals Anfang November verordnet, eine Anpassung der Dosierung erfolgte Anfang Dezember.


    Mit der Einrichtung konnte ich gestern eine Art "Krisensitzung" organisieren, wo Pflege und Sozialer Dienst miteinander beraten, ob sie unterstützend etwas tun können.


    Ansonsten haben Sie mit der Verlässlichkeit der Zeit wohl Recht. Für mich ist das weniger ein Problem als für meinen Vater, der natürlich viel unmittelbarer und ununterbrochen mit der Situation konfrontiert ist.


    Nochmal : vielen Dank!


    Hans B.

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