Wechsel Krankenhaus ins Pflegeheim

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  • Ja, liebe Annette, das ist genau die Situation, wie sie hier schon oft beschrieben wurde. Da hilft es einem als Betroffenem in dem Moment wenig , dass das Elternteil dement ist. Es sind ja noch die gefühlt selben Menschen, die uns das Alles an den Kopf werfen und in dem Moment auch oft noch genau wissen, wie sie uns treffen können. Da wirst du erst etwas Zeit zur Erholung brauchen, von daher finde ich die Ansage besser erst wieder am Wochenende zu kommen, auf jeden Fall gut und sinnvoll.

    Nach meiner Erfahrung hat meine Mutter umso mehr aufgedreht, je schlechter mein Gewissen war, ich bin anfangs oft mit Tränen in den Augen aus dem Heim gekommen und zweifelte auch oft genug, da meine Mutter so überzeugend sein konnte.

    Später habe ich erfahren, dass sie herum erzählt hat, ich habe sie unter Vortäuschung falscher Tatsachen dort hingeholt, hätte ihr gesagt, dass ich sie zu mir nehme etc. Nichts davon stimmte, vllt.hat meine Mutter es sich aber so zusammen gereimt.

    Es kann sehr verletzend sein und man muss sich etwas innerlich schützen und wappnen, mit kompetenten Menschen darüber sprechen..

    Vielleicht belohnst du dich als Entschädigung mit irgend etwas ;)

    Du schaffst das, so wie wir alle irgendwann.


    Liebe Grüße

  • Ach liebe Anette Rose hat das sehr einfühlsam erklärt.

    Status Quo nach über einem Jahr Heimaufenthalt meiner Mutter (schönes ordentliches Heim, großes Zimmer, Terrasse):


    Szenario 1

    Wenn es meiner Mutter schlecht geht ist sie fast freundlich und lieb zu mir, redet dann ein bisschen wirr, aber alles ist gut und sie meckerst nur ein bisschen über das Essen, die alten Leute im Heim (sie selbst ist 88). Und sagt dass sie ja eh bald stirbt.


    Szenario2:

    Wenn sie in einer mobilen Phase ist, droht sie mit Anwalt, sie könne alles alleine und es wäre kein Problem für sie, 430 km entfernt in ihrer alten Wohnung alleine zu leben (bin die einzige Tochter und noch lebende Verwandte). Das Heim wäre ein Gefängnis, nur deshalb ginge es ihr schlecht, ich käme nie, das Wetter ist schuld und schlechter als zuhause, 33 an qm sind zu klein und ein Loch etc. etc.


    Und dann Anette gibt es noch Mischtage: erst ist sie froh dass ich komme und dann kommt Szenario 2 und dann gerne noch mal 1 und wieder 2..


    Was predigten mir alle immer: Abstand.


    Du wirst das schaffen: geh immer nur geradeaus und lass Dich nicht auf 121212 - unendlich ein.

    Ganz ehrlich: ich arbeite auch noch hart dran.


    Kopf hoch von Alfi❤️

  • Liebe Rose60 und Alfi,

    vielen Dank für eure lieben Worte. Die Situation ist noch so neu und ich trauere auch noch um meinen Vater. Ich hoffe, dass ich das alles besser hinkriege und wie ihr sagt, mit mehr Abstand. Wir wohnten unser ganzes Leben im selben Haus (eigene Wohnungen), da ist es für mich besonders schwer. Eure Unterstützung tut mir wirklich sehr gut und hilft mir sehr.

    Ich wünsche euch einen schönen Tag und lasst es euch gut gehen!!

  • Und dann Anette gibt es noch Mischtage: erst ist sie froh dass ich komme und dann kommt Szenario 2 und dann gerne noch mal 1 und wieder 2..

    Das hadt du sehr gut beschrieben mit den Szenarien, Alfi. Und ich kenne das von zu Hause und auch der Psychiatrie. Derzeit gibt es leider nur Szenario 2.

  • Dankeschön Anette. Hab es mühsam erlitten.

    Hab heute schon seit 5 wachgelegen (ok um 5.45 geht eh der Wecker), da ich heute um 10.30 meine Mutter besuche und nicht weiß ob 1 oder 2 mit Ausrufezeichen.

    Letzte Woche war ich mit ihr beim Arzt und es war 2122222222221222222. Ganz schlimm.

    🤷‍♀️versuche wenn’s ganz schlimm wird zu im Sekundentakt zu denken „ich bin gut“- das hat mir auch bei einer für mich sehr schweren und Angsteinflössenden Reitprüfung geholfen: hab irgendwo gelesen das Gehirn kann immer nur eine Sache denken. Also Alfi nicht vergessen das zu tun!


    Einen schönen Tag wünscht Alfi🍄

  • Ich denke, meine Mutter ist dort gut aufgehoben. Aber meine Mutter lehnte schon immer Fremdes ab und wollte auch nie in Urlaub und später auch keine Freunde mehr treffen. Nur noch Familie und zu Hause sein. Deshalb befürchte, dass meine Mutter sich dort - und egal wo - nie wohl fühlen wird.

    Liebe Anette, die Abläufe sind meist ähnlich ...

    Und auch bei uns war es so, dass sich meine Mutter mit einsetzender Demenz immer mehr von allem zurückzog. Zudem war sie zeitlebens unbiegsam und unbeugsam, autark, fleißig, stark und sehr klug (messerscharfer Verstand). Wir hatten ein gutes Verhältnis ... Nach dem Tod meines Vaters wurde die Persönlichkeitsveränderung meiner Mutter aber deutlich und hat großes Leid bei mir und allen verursacht.


    Die Hausärztin meiner Mutter, die die Demenz zuerst erkannte, sagte: "Das ist nicht mehr Ihre Mutter."


    Aber wie ist die Realität ... Rose hat das so schön beschrieben ... Da sitzt die Mutter, sieht so aus wie früher, verhält sich teilweise auch ähnlich ... und dann richtet sie die geballte Ladung Frust an unsere Adresse. Wie soll man sich nicht angesprochen fühlen ...


    Mit dem Verstand kann ich mir sehr gut erklären, warum demente Personen so handeln (ich habe mich an anderen Stellen dazu geäußert), aber man hat ja als Mensch nicht nur den Verstand.


    Es ist wirklich völlig "normal", wie wir uns als Angehörige fühlen, liebe Anette und ebenso kann ich dir versichern, dass es wieder besser werden wird, nicht wie früher aber anders gut.


    Leider oftmals nicht von heute auf morgen, aber der Druck wird nachlassen. Du kannst FÜR DICH nur alle Strategien probieren, die es FÜR DICH erträglicher machen, z.B.


    1. dir immer wieder mit dem Verstand sagen, dass es keine andere Lösung für euch gab aus Gründen A, B, C ... (Gründe vielleicht mal aufschreiben);


    2. dich damit trösten, dass du das Bestmögliche für deine Mutter getan hast und tun wirst (gutes Heim, stets Sorge für ihr Wohlergehen tragen, sie großzügig mit guten Dingen versorgen ... falls möglich);


    3. daran denken, dass du die Pflicht hast, DEIN eigenes Leben zu leben (es ist endlich und du musst es gut nutzen und auch an deinen späteren Lebensverlauf denken ...)


    4. dich von deiner früheren Mutter verabschieden und anerkennen, dass die frühere Beziehung zu Ende ist (mag sie gut, weniger gut oder schlecht gewesen sein) .... es kann nun nichts mehr MIT deiner Mutter aufgearbeitet werden.


    5. überlegen, wie du mit dem jetzigen Alltag umgehst ... da deine Mutter nun alles hat, was sie braucht, kannst du dich zurückziehen (Demenz hat neben all den schrecklichen Facetten den "Vorteil", dass deiner Mutter wegen des Verlustes zeitlicher Orientierung nicht auffällt, wie oft du sie besuchst).


    6. Vor allem musst du anerkennen, dass deine Mutter schwer krank ist. Auch das Gehirn ist ein Organ und es ist durch die Demenz schwer beschädigt. Das Problem ist, dass wir die Symptome der Demenz auf der Basis "Gesunder" interpretieren. Das würde uns nie einfallen bei einem Unfallopfer, das sich Beine und Arme gebrochen hat. Da ist es offensichtlich, dass dieser Mensch nicht laufen und greifen kann.


    Liebe Anette, das sind meine sehr vom Verstand her zusammengefassten Ratschläge.

    Sie helfen ganz bestimmt, aber sei dir sicher, dass es ein längerer Prozess ist, bevor es sich wieder richtig gut für dich anfühlt.

    Das ist bei mir nicht anders. Ich habe zum Glück ab und zu immer noch psychotherapeutische Hilfe, die mich immer wieder in meine Mitte holt.

    Vielleicht täte dir (und deiner Familie) mal eine Auszeit gut (Kur, Reise an einen schönen Ort, wunderschöne Unternehmungen)? Etwas, was dich auf andere Gedanken bringt?


    Ich bin mir absolut sicher, dass deine Mutter sich eingewöhnen wird. Wenn meine Mutter das geschafft hat, schafft das jeder. Meine Mutter hatte immer alles im Griff. Sie war immer wie ein Fels in jeder Brandung, hat vor keiner noch so schweren Aufgabe kapituliert. Aber sie hat stets ganz offen kommuniziert, dass sie NIE (!!!) in ein Heim gehen wird und dann lieber ins Wasser oder Feuer geht. Und jetzt ist sie friedlich und .... man kann sagen .... zufrieden in einem Heim, das uns passend für sie in ihrer Persönlichkeit erscheint.


    Alles, alles Liebe dir, liebe Anette.

  • Liebe Anette K,


    du hast mein Mitgefühl. Ich weiß sehr gut wie du dich im Moment fühlst. Aber du wirst auch wieder bessere Tage haben. Man gewöhnt sich an die neue Situation dann läuft es besser. Deine Gefühle sind ganz normal, mir ist es vor zwei Monaten genau so gegangen, aber jetzt geht es mir bereits ein gutes Stück besser.


    Wir Angehörigen von Dementen sind das Trauern ja leider nur zu sehr gewohnt, wir nehmen lange und stückweise Abschied von der Person die wir von früher kannten und müssen gleichzeitig weiterhin ständig für die Person da sein. Jetzt seit ihr mit dem Heimumzug in eine neue Phase mit vielen Veränderungen eintreten, das dauert bis man sich wieder gesammelt hat.

    Auch wenn du dich vielleicht nicht danach fühlst versuche etwas für DICH zu machen. Spazieren gehen, Familie, Sport, Essen gehen, Kino, Freunde treffen etc... es hilft.


    Auch mein Papa wohnte bis vor zwei Monaten mit mir in meinem Elternhaus (getrennte Wohnungen, Haus gehört aber seit über 10 Jahren mir). Das ist nochmals eine besondere Herausforderung weil man ständig an die Person von früher erinnert wird. Manchmal habe ich fast den Eindruck es spuckt zu Hause, die Geister der Vergangenheit .... Ich glaube würde ich woanders wohnen wäre es vielleicht leichter ....
    Bei mir ist es dann auch noch der Familienbetrieb ein Haus weiter. Darin verbringe ich meine Arbeitstage und diesen Betrieb verbinde ich noch mehr mit meinem Papa als das Wohnhaus weil wir das zusammen über 25 Jahre aufgebaut haben.
    Bis er mit 80 nach Herzanfall von einem auf den anderen Tag plötzlich zum echten Pflegefall wurde hat er da noch täglich 4-6 Stunden gearbeitet.

    Jetzt nach zwei Jahren Pflege bin ich wenigstens soweit das ich seinen Schreibtisch leergeräumt habe.


    Vielleich beruhigt dich ja es das es sogar Leuten vom Fach genau so geht wie Dir/Uns. Vor ein paar Wochen hat mich die Leiterin von Papas ehem. Tagespflege angerufen und sich nach dessen befinden erkundigt (was mich sehr gefreut hat). Wir haben ein wenig am Telefon geredet, die Leiterin hatte ihren ebenfalls dementen Vater täglich mit in der Arbeit (Tagespflege) und ihn seit Weihnachten in einem Heim untergebracht. Ihr und Ihrer Schwester (ebenfalls in der Altenpflege) ging es ganz genau so wie uns allen hier.


    Hier im Forum hat mal jemand sinngemäß gesagt:

    Niemand findes es schlimm/verwerflich das Kinder zur Ausbildung in Kindergarten und Schule bei Fachpersonal geschickt werden. Warum sollte das bei dementen anders sein wenn man diese zur Pflege in professionelle Hände gibt.

    (sorry ich weiß nicht mehr wer und habe den Beitrag auf anhieb nicht gefunden, vielleicht wurde er ja vom Verfasser gelöscht)


    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft. Du hast die richtige Entscheidung getroffen.

  • 1. dir immer wieder mit dem Verstand sagen, dass es keine andere Lösung für euch gab aus Gründen A, B, C ... (Gründe vielleicht mal aufschreiben);

    Das ist ein guter Rat, denn genau das überlege ich immer wieder. Hätte es nicht doch eine Möglichkeit gegeben, dass meine Mutter zu Hause bleiben kann. Aber in Gesprächen wird mir dann immer wieder bewusst gemacht, dass wir schon lange an unserer Grenze waren. Danke für deine liebe und ausführliche Nachricht

  • . Manchmal habe ich fast den Eindruck es spuckt zu Hause, die Geister der Vergangenheit .... Ich glaube würde ich woanders wohnen wäre es vielleicht leichter ....

    Genau so geht es mir auch, lieber Sohn83. Empfinde das Haus grad eher als Last, da auch meine es gerade benutzt, um mir Vorwürfe zu machen.

  • ich bin gut“- das hat mir auch bei einer für mich sehr schweren und Angsteinflössenden Reitprüfung geholfen: hab irgendwo gelesen das Gehirn kann immer nur eine Sache denken.

    Das muss ich erst mal lernen und wenn die Mutter grad was anderes über mich sagt, schwer daran zu glauben. Aber ich versuche es :).

    Erhole dich gut von deinem Besuch heute.

  • Dankeschön. Du es ist eine Übungssache.


    Heute war es mit meiner Mutter so entspannt wie es letzte Woche unentspannt war:

    Ihr ging es schlecht- dann ist sie -leider nur dann- ruhig und nahezu freundlich zu mir.


    Ich konnte aufatmen. Entspannen.


    Viel Kraft wünscht Dir Alfi🍄

  • Mein Bruder war heute bei meiner Mutter. Sie denkt, dass sie im Krankenhaus ist und will immer einen Arzt sprechen wegen der Entlassung. Nach 5-10 Minuten hat sie wieder alles Erklärte vergessen und fragt das gleiche von vorne. Mein Bruder hat ihr heute nicht gesagt, wo sie ist, sondern sie vertröstet. Als ich mit ihr vor ein paar Tagen redete, dass sie nun nicht mehr nach Hause und hier gut betreut ist, hat sie mich schlimm beschimpft. Was ist jetzt der beste Weg? Ehrlich sein oder vertrösten? Ich bin eigentlich für ehrlich sein, aber sie weiß am nächsten Tag bzw. oft kurz danach nichts mehr von dem Gespräch.

  • Hallo Annette,

    Man kommt sich zunächst blöd und gemein vor, wenn man mit klären Ansagen und ehrlichen Worten nicht weiterkommt. Mir wurde daher auch die Methode "vertrösten" als Alternative genannt, weil meine Mutter die Wahrheit einfach nicht annehmen konnte und wollte. Die Erklärungen kommen partout nicht an, die Logik und das Gedächtnis fehlen dafür.

    Ich habe dann teils gesagt, wir warten mal, was der Arzt sagt, ob und wann meine Mutter nachhause kann.. sie erzählt nach über drei Jahren noch öfter, dass sie in Kurzzeitpflege ist. Das ist oft schwer auszuhalten, aber es ist wie auf einer kindlichen Stufe und wir müssen den Rollenwechsel annehmen.

    Deine Mutter ist auch noch relativ neu in der Situation, manches macht ihr vllt Angst, Verlust der gewohnten Umgebung, Kontrollverlust etc.

    Das ist eine schwierige Phase für alle Beteiligten.

    Du schaffst das - so wie soviele schon hier.

    Diese Anspannung wird nicht bleiben, man gewöhnt sich an vieles.

    Liebe Grüße

  • Was ist jetzt der beste Weg? Ehrlich sein oder vertrösten? Ich bin eigentlich für ehrlich sein, aber sie weiß am nächsten Tag bzw. oft kurz danach nichts mehr von dem Gespräch.

    Liebe Annette, ich sehe es genauso wie Rose. Sie hat es ausführlich beschrieben und ich stimme ihr Wort für Wort zu.

    Zwar wird von außen oft geraten, man solle die Wahrheit sagen, damit die Person in der neuen Lebenssituation ankommen kann. Das mag bei pflegebedürftigen Nichtdementen durchaus richtig sein. Es klappt vielleicht auch bei Demenzkranken in einem frühen Stadium bzw. wenn bestimmte Denkvorgänge noch funktionieren. Ab einem gewissen Zeitpunkt kannst du mit klaren und einfühlsamen Gesprächen aber absolut NICHTS Verlässliches mehr erreichen. Alles was gesagt wurde ist kurze Zeit später gelöscht, außerdem fehlt der zeitliche und logische Zusammenhang. Ob man nun Wut oder Zustimmung im Gespräch erreichte .... es spielt keine Rolle mehr.

    Ich kann ehrlich sagen, dass es schwer aushaltbar ist, wenn man gewohnt ist, eigentlich alle Karten immer auf den Tisch zu legen. Aber es ist unser Part als Angehörige, die demente Person zu beobachten und dann die richtigen tröstenden Worte zu finden.

    Meine Mutter spricht jetzt (nach ca. 1,5 Jahren) beim Abschied immer noch davon, dass sie ja bald nach Hause kommt. Ich sage dann in sehr ruhigem Ton: "Ja, das müssen wir mal abwarten. Schauen wir mal, wie es jetzt weitergeht." Und das stellt sie zufrieden ... sie wird ja auch lieb betreut in ihrem Heim, besser könnte ich das auch nicht.

    Meinem sechsjährigen Enkel erklären wir bei bevorstehendem Krankenhausaufenthalt auch nur in passenden Worten (und nicht komplett), was auf ihn zukommt.

    Was ich nicht machen würde: der Mutter sagen, sie wäre im Krankenhaus. Ich würde schon sagen, dass es sich um eine Kurzzeitpflege handelt, damit sie wiederhergestellt werden kann.


    Liebe Annette, irgendwann (keiner weiß, wann es der Fall sein wird) kann deine Mutter ihr Zuhause nicht mehr erinnern, selbst wenn sie davon spricht. Das ist ohne Frage bitter. Aber du kannst das aushalten, wenn du die richtigen Worte findest (z.B. Wir warten mal ab, was die Ärzte sagen ...) und du kannst beobachten, ob deine Mutter ansonsten im Rahmen ihrer Persönlichkeit zufrieden wirkt. Frag unbedingt die Pflegerinnen, wie es deiner Mutter geht. Auch solltest du schauen, wie sie den Aufenthalt in der Pflegeeinrichtung erklären. Und du selbst musst immer ruhig und liebevoll bleiben. Ich selbst hab dann schon auch zugegeben, dass ich traurig bin ....


    Es wird mit der Zeit ganz sicher leichter, Anette.

    Ich habe jetzt - nach 1,5 Jahren - auf jeden Fall ein besseres Gefühl als am Anfang.


    Alles Liebe

  • Frag unbedingt die Pflegerinnen, wie es deiner Mutter geht.

    Die Pflegerinnen berichten, dass sie bereits ein kleines bisschen ruhiger ist, aber immer nach Hause will und sich dort auf nichts einlassen will, da sie eh bald nach Hause kommt. Außerdem kann sie mit den "alten und kranken Leuten dort nix anfangen ", sagt sie.

    Derzeit ist sie dort (noch) nicht glücklich und es fühlt sich wie ein Krankenhaus an, obwohl wir ihr es gemütlich gemacht haben (dachten wir)....

  • Außerdem kann sie mit den "alten und kranken Leuten dort nix anfangen ", sagt sie.

    Liebe Anette,

    Meine Mutter ist auch die einzige junge und fitte Frau zwischen all den dementen und alten. In ihrer Welt.

    Nur an manchen Tagen redet sie sätzeweise einsichtiger.

    Wir können nur ruhig zuhören.

    Wenn Du Dich aufregst oder diskutierst, geht es Euch beiden danach noch schlechter.


    Kopf hoch Du machst alles perfekt ❤️


    Lg Alfi🌸

  • Derzeit ist sie dort (noch) nicht glücklich und es fühlt sich wie ein Krankenhaus an, obwohl wir ihr es gemütlich gemacht haben (dachten wir)...

    Liebe Anette, es wird einem schnell klar, dass demente Personen mehr und mehr in ihrer eigener Welt leben.


    Unsere Bemühungen, es ihnen schön zu machen, kommen nicht mit Sicherheit bei ihnen an. Sie verstehen nicht (mehr), was das alles soll und fokussieren sich stattdessen auf irgendein Hauptziel (hier: Ich will nach Hause.)


    Auch werden sie eventuell nie mehr auf diese Weise glücklich, wie wir es von früher gewohnt sind. Manchmal entwickelt sich bei ihnen eine Art Zufriedenheit, die uns fremd ist. Zum Beispiel sitzen sie einfach nur da und schweigen. Ich schau dann immer bei meiner Mutter, ob sie dabei angestrengt oder traurig wirkt. Sie war eine Person, die früher auf ALLES geachtet hat und sofort eine passende Reaktion parat hatte. Dies hat völlig aufgehört und es ist sehr fremd und neu für mich.


    Meine Psychotherapeutin riet mir, nach und nach aus der quälenden Bewertung des Verhaltens meiner Mutter zu gehen, sie so SEIN zu lassen und mich nicht mehr angesprochen zu fühlen. Das ist sehr, sehr schwer und ich bin noch lange nicht am Ziel. Aber immer mehr wird mir klar, dass hier der Weg vielleicht das Ziel ist. Also die Arbeit an mir selbst.


    Die einzige Möglichkeit, die wir haben ist, an unserem Verhalten etwas zu ändern ... das ist immer schwer und hier ist es nochmal eine besondere Herausforderung, weil es eine fest zementierte Beziehungsebene berührt. Ich habe schon viel dazu geschrieben und auch Buchenberg hat kürzlich in einem anderen Post irgendwo Erklärungen aufgeführt.


    Liebe Anette, mein Rat an dich sind zwei Sätze:

    1. Weniger ist mehr! Es genügt, wenn du deiner Mutter vielleicht nonverbal mit kleinen Gesten oder ein paar tröstenden Worten zeigst, dass du auf ihrer Seite bist. (z.B. Es ging leider nicht anders. Du musst erst mal wieder auf die Beine kommen und wir haben das leider nicht mehr geschafft zu Hause ...).


    2. Wenn eine Strategie nicht klappt, wähle eine andere. Man tendiert dazu, immer mehr von demselben zu geben, vielleicht noch mehr zu erklären, noch mehr gemütliche Dinge ins Heim zu bringen ... Aber es kann auch sein, dass deine Mutter erst mal gar nichts da haben will, gar nicht getröstet werden will, sondern zunächst mit sich und der neuen Welt ins Reine kommen muss.


    Es ist wirklich ein langer Prozess und es wäre gelogen, ihn schön zu nennen. Deshalb sei nicht ungeduldig mit dir selbst ... sieh diese Traurigkeit als normal an. Es wird aber auf jeden Fall besser werden.


    Wichtig sind kleine Leuchttürme, die aus dem Meer der Verzweiflung ragen. Um sie zu finden, kann man auf das schauen, was momentan im Leben immer noch schön ist (Familie, Freunde ...) und sich bewusst schöne Dinge zu gönnen (ein schönes Essen, gute Musik). Man muss nicht unbedingt in Heiterkeit verfallen, auch Weinen kann dabei befreiend sein.


    Anette, schreib einfach ins Forum, wenn dir danach ist. Ich wünsche dir einen guten Wochenbeginn.


    (Auch wir gehen heute wieder ins Pflegeheim und noch immer ist das mit Beklemmung verbunden, aber im schönsten Fall nehme ich ein warmes und dankbares Gefühl mit nach Hause und freue mich, dass meine Mutter dort so gut behandelt wird: Da liegt ein leckeres Stück Bäckerkuchen auf ihrem Teller ... oder die Zeitung liegt schon neben der Kaffeetasse ..., die Pflegerin kommt sofort mit der Kaffeekanne .... Alles Kleinigkeiten, aber sehr beruhigend.)

    • Offizieller Beitrag

    Hallo AnetteK, über die zahlreichen Erfahrungen und Tipps, die Sie in den letzten Tagen bekommen haben, habe ich lange nachgedacht.

    Es zeigt sich hier immer wieder, wie lange es dauert und wie oft wir uns das Richtige immer wieder vor Augen halten müssen.

    Vermutlich haben Sie sich das "6Punkte-Programm", von Ihnen SchwarzerKater, schon ausgedruckt und sicher auch viele andere Erkenntnisse.


    Die unheilvolle Macht der schlechten Erfahrungen und die Macht des Schlechten Gewissens brauchen diese guten Rat-schläge, im eigentlichen Wortsinne, denn Sie dürfen weggeschlagen oder vertrieben werden!


    Wiederholungen gehören zum Trauerprozess und dem sehr langsamen Schritten in eine neue Rolle und einen neuen Lebensabschnitt.

    Tröstlich ist, es wird Ihnen irgendwann gelingen und auf diesem Weg werden Sie wiederum anderen in einer ähnlichen Situation bestehen und helfen!

    Du schaffst das, so wie wir alle irgendwann


    Zwei Gedanken sind mir noch wichtig:

    Sie fragen nach dem "Ver-trösten". Nur die Vorsilbe ist unglücklich, denn Trost geht immer und ist bei Trauer und Neubeginn sehr wichtig, für Ihre Mutter und für Sie im Haus der Eltern.

    Die objektive "Wahrheit" hilft Ihrer Mutter nicht, denn das "Zuhause" wird durch die Demenz immer mehr das Zuhause der Kindheit. Wenn Sie das beachten, finden Sie vielleicht gute Antworten in diesem Konflikt. Sie können diese problemlos üben - auch für sich selbst. Ihre Mutter vergiss sie schnell, aber die Beziehungsgestaltung mit einer immer souveräneren Tochter hinterlässt m.E. auch bei der Demenz Spuren.


    Ihnen viel Geduld (und auch entlastende Tränen), Ihr Martin Hamborg

  • Guten Morgen,

    Ich wollte euch von meinem gestrigen Besuch bei meiner Mutter erzählen.

    Sie war dieses Mal nicht agressiv gegen mich, aber sehr traurig. Sie sagt, dass sie so sehr Heimweh hat und sie sich freut, wenn sie endlich nach Hause kommt.

    Sie denkt immer noch, sie sei im Krankenhaus. Ich habe sie getröstet und ihr nicht gesagt, dass sie dort bleiben soll, sondern ich habe versucht, sie abzulenken und gesagt, dass sie hier doch gut versorgt sei etc. Sie konnte auch nichts schlechtes über die Einrichtung sagen. Aber sie lässt sich auf nichts einlassen, ist lieber alleine in ihrem Zimmer. Sie meinte, dass sie lieber ins Bett liegt und weint, als dass sie sich dort zu den anderen Bewohnern sitzt. Sie ist mental sehr schwach geworden. Redete viel über ihre Eltern, die zu Hause sind. Kannte gestern fast niemand mehr. Aber dieses Heimwehgefühl ist bei ihr sehr sehr stark. Ein junger Pfleger hat mir gestern erzählt, dass sie den ganzen Tag umher läuft und verzweifelt ist. Das tat mir sehr weh.

    Als ich dann gegangen bin, bat ich die Pflegerin, sie zu holen, damit sie ein bisschen abgelenkt ist und am Beschäftigungsprogramm teilnehmen kann oder einfach nur zusieht. Beim weggehen habe ich dann auch gesehen, dass sie tatsächlich mitgeht. Aber vermutlich hat sie es dort nur wenige Minuten ausgehalten.

  • Hallo Annette,

    Das ist sehr traurig mit anzusehen und mitzufühlen. Meiner Mutter wurden anfangs bald vom Neurologen des Hauses stimmungsaufhellende Tabletten verordnet, das schien etwas zu helfen. Dass die neuen Bewohner anfangs möglichst nichts mitmachen wollen, kenne ich von mehreren Fällen, was sich nachher geändert hat.

    Aber man muss auch irgendwie akzeptieren, dass die dementen Menschen es in ihrem Tempo angehen lassen.

    Ich habe es bei meiner Mutter so gedeutet, dass sie nicht zu der Gruppe der stärker dementiell veränderten dazu gehören wollte, anfangs hat sie die orientierten Bewohner gar nicht so recht wahrgenommen, schien mir.

    Dann ist sie aber mit der Zeit auf einzelne getroffen, mit denen sie noch relativ normal sprechen konnte.

    Also ich würde deiner Mutter diese Zeit zugestehen, man muss es auch für sich irgendwie aushalten und vllt nach dem Besuch eine schöne Aktion dagegen setzen. Und akzeptieren "das ist nun das Leben meiner Mutter, sie schafft das" - irgend so ein Mantra quasi.

    Liebe Grüße

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