Wechsel Krankenhaus ins Pflegeheim

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  • Hallo Anette K,


    es ist ein Kraftakt das aktuell auszuhalten. Ich wünsche dir da viel Kraft. Es dauert seine Zeit. Vor zwei Monaten hätte ich es mir auch noch nicht vorstellen können.

    Schwarzerkater hat in ihrer so treffenen und einfühlsamen Aufzählung ja bereits alles Wichtige erwähnt.

    Vielleicht kann ich dir aber noch ein oder zwei Anregungen geben die bei uns funktioniert haben.


    Obwohl mein Papa früher ein extrem geselliger Mensch war der überall bekannt war (das genaue Gegenteil von mir) hat er seit der Demenz und den Wortfindungsstörugen große Probleme Kontake zu knüpfen.

    Ich weiß nicht wie es im Heim deiner Mama gehandhabt wird. Ich habe ich gleich zu Beginn darum gebeten, bitte kein Essen aufs Zimmer bringen und ihn so viel als irgend möglich in den Gemeinschaftsraum holen.

    Die Mahlzeiten nimmt er alle im Gemeinschaftsraum mit den immer gleichen 4-5 Leuten ein. Ich finde es ja ein wenig Schade das so viele noch recht mobile Bewohner in seinem Heim sich alle Mahlzeiten aufs Zimmer bringen lassen und dort allein essen, für die Gemeinschaft ist das nicht förderlich.
    Wer selbst schon mal auf einer Kur war wird sich vielleicht erinnern das man mit seinen Tischnachbarn am schnellsten Kontake knüpfen konnte.


    Auch hat es gut funktioniert das ich gleich anfänglich darauf geachtet mit Papa nicht lange auf seinem Zimmer zu hocken. Konnte er nicht gehen ging es ab in den Rollstuhl und wir haben das Heim erkundet uns Leuten vorgestellt. Etwas Smalltalk betrieben etc.. Mein Papa erinnert sich vielleicht nicht daran aber viele der anderen Bewohner, so gehen diese auch ganz anders auf ihn zu weil er nach nicht mehr "fremd" ist.


    Wenn ich ihn jetzt (nach zwei Monaten im Heim) besuche ist er praktisch nie auf seinem Zimmer. Er sitzt im Gemeinschaftsraum, schaut dort mit anderen mal Fernsehen oder trinkt Kaffee etc... Unterhalten tun sie sich nicht groß aber er ist halt in seiner Gemeinschaft.

  • Ich habe nur die Befürchtung, dass wenn sie denkt, sie sei im Krankenhaus und sie eh bald entlassen wird, dann wird sie sich nie dort einlassen. Aber wenn ich ihr sage, sie ist nicht im Krankenhaus sondern in der Kurzzeitpflege, dann regt sie sich sehr auf und hat es trotzdem nach 10 Minuten wieder vergessen.

  • Die Mahlzeiten nimmt er alle im Gemeinschaftsraum mit den immer gleichen 4-5 Leuten ein.

    Vielen Dank für deine Nachricht. Meine Mutter isst auch immer am Gemeinschaftstisch mit. Aber dann steht sie sofort auf und läuft rum. Ich muss ihr und uns noch Zeit lassen..... Ich hoffe, dass es besser wird.

    Heute schaut die neue Ärztin bei ihr vorbei

  • Hallo Annette,

    Dann bringt es auch nichts reinen Wein einzuschenken, die Erklärung deiner Mutter mit dem Krankenhaus wird das sein, was sie gerade verkraftet so wie meine Mutter die unendliche Kurzzeitpflege.

    Du kannst ja sagen, dass deine Mutter "für die Zeit, die sie dort ist" mitmachen bzw.sich Aktivitäten anschauen kann, ob sie es macht, ist aber dann ihre Sache. Du darfst nun die Kontrolle abgeben!!

    Die Ideen von Sohn83 finde ich gut, das kann man ja ausprobieren.

    Was bei uns mal funktioniert hat, war, dass ich immer mal bewundernde Worte für das Heim eingestreut habe, wie sauber es ist, wie gepflegt die Bewohner aussehen, wie lieb die Pfleger mit ihnen umgehen.. manchmal hat meine Mutter diese Sätze dann auch angebracht.

    Bitte erwarte nicht, dass deine Mutter in wenigen Tagen umschwenken kann.

    So wie in anderen Trauerprozessen geht manchmal eine Zeit lang nur "annehmen und aushalten" - wobei annehmen nicht gut finden bedeutet..

    Mir ist es auch sehr schwer gefallen, lange.. und das schlechte Gewissen nagt bei uns Töchtern besonders ausgeprägt, leider, es ändert aber nichts an der Sachlage an sich, dass du Verantwortung übernommen hast, für das Leben deiner Mutter UND deins sowie damit auch deiner Familienangehörigen, weil du vllt nach und nach entspannter bist. Und das ist definitiv auch KEIN Egoismus.

  • Liebe Annette -


    bei meiner Mutter ist es sehr ähnlich. Sie denkt zwar nicht, dass sie im Krankenhaus ist, sondern wahlweise im Hotel oder zuhause bei ihrer Mutter. Die sucht sie dann auch immer. Aber die Pflegekräfte sind sehr gut darin, dass im Gemeinschaftsraum gegessen wird. Und da hat meine Mutter dann doch ein paar Kontakte geknüpft. Das tut ihr gut, auch wenn die Unterhaltungen nicht immer so nachvollziehbar sind (und sie auch häufig meint, sie will weg, die Leute sind alle dusselig usw.). Ich gebe zu, mir tut es auch schon etwas gut - ich kann seit einigen Tagen wieder besser schlafen und wache nicht 4-5x die Nacht auf und liege wach.

  • Sie meinte, dass sie lieber ins Bett liegt und weint, als dass sie sich dort zu den anderen Bewohnern sitzt. Sie ist mental sehr schwach geworden. Redete viel über ihre Eltern, die zu Hause sind. Kannte gestern fast niemand mehr. Aber dieses Heimwehgefühl ist bei ihr sehr sehr stark.

    Liebe Anette, ich will dir nur sagen, dass es mir so geht wie dir: Die Traurigkeit meiner Mutter kann/konnte ich tausendmal schlechter ertragen als ihre Wut. Wenn eine Person aggressiv ist, scheint sie in ihrer Kraft zu sein (was nicht immer stimmt). Verzweiflung ist viel schlechter auszuhalten, weil sie hilflos macht.

    Es macht mich heute noch traurig, meine Mutter da sitzen zu sehen wie ein Häufchen Elend (diese ehemals starke, kluge und lebenspraktische Frau).


    Ich weiß auch gar nicht, ob ich sie trösten könnte (was hier oft geraten wird und sicher Sinn macht) oder ob ich nicht selber Trost brauchen könnte.

    Vielleicht - liebe Anette - hilft es, dann ganz authentisch zu sein und die eigene Traurigkeit zu zeigen. Oder wenn einem die Worte fehlen, einfach zu schweigen.


    Frag doch im Heim - wie Rose60 schreibt - nach stimmungsaufhellenden Mitteln.


    Auf der anderen Seite hat deine Mutter ebenfalls ein Recht auf Traurigkeit und von mir selbst kann ich sagen, dass ich mir in ähnlichen Fällen eher wünschte, dass meine Traurigkeit respektiert wird.


    Letzten Endes kann sich noch vieles ändern und wandeln .... und wenn deine Mutter Beschäftigungen nicht mitmachen will, dann macht sie eben nicht mit. Meine Mutter hat so etwas nie gewollt und jetzt will sie es auch nicht mehr. So wird sie natürlich in Ruhe gelassen ... und ist trotzdem dabei. Die Beschäftigung ist kein MUSS, so denke ich mir.


    Bleib trotzdem zuversichtlich, es kommen bessere Zeiten für deine Mutter .... vor allem werden die Pflegekräfte wissen, wie man mit Eingewöhnungsschwierigkeiten umgeht und sicher ihr Bestes geben.

  • Liebe TanjaS,


    es freut mich zu lesen das es DIR besser geht.


    Zur Traurigkeit.

    Als hätten wir es hier angezählt hatte mein Papa gestern auch so einen Tag. Ich könnte es nicht mal benennen ob er jetzt besonders klar oder besonders verwirrt war. Jedenfalls fing er mitten unter dem Besuch an sehr traurig zu werden. Er würde ja nie mehr nach Hause kommen und kenne sich immer noch nicht aus. Besonders als er meinte außer mir würde ihn nie jemand besuchen hat mich das doch sehr getroffen.

    Aus dieser Stimmung war er nicht mehr herauszureißen.


    Was ich stark merke es hängt viel an den Pflegern. Diese rotieren bei ihm (jedenfalls meine Beobachtung) im Wochentakt durch die Stockwerke 1-4. Das aktuelle 2er Team (Nachmittag) sagt mir auch am wenigstens zu. Da ist eine Pflegerin dabei diese strahlt einfach Unfreundlichkeit und Hektik aus (natürlich ein subjektiver Eindruck) aber wir wissen ja alle nur zu gut wie schnell die dementen auf Stimmungen reagieren. Letzte Woche war Nachmittag eine andere Pflegerin, deren ganzes Auftreten, Umgang mit Bewohnern und Ausstrahlung würde ich einfach als mütterlich bezeichnen, da merkt man sofort das die Bewohner viel gelöster wirken.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Anette K, auch ich möchte Ihnen viel Kraft wünschen, die Traurigkeit auszuhalten und keine unnötige Diskussion aufzugreifen.

    Menschen mit Demenz dürfen trauern, wir brauchen nur den richtigen Moment abzuwarten, wo wir die Trauer dann in positive Erinnerungen oder ein entspanntes Lied umlenken können.

    Vielleicht kennen Sie bei Ihrer Mutter die richtigen Schlüssel dafür! Anekdoten Ihrer Großmutter könnten da eine gute Quelle gegen das Heimweh im Heim sein.


    Offensichtlich sucht sich Ihre Mutter den Rückzug aber auch den Kontakt auf dem Flur. Dort sollte sie so oft wie möglich freundlich angesprochen werden, von Mitarbeitenden, Mitbewohner*innen und Angehörigen. Gibt es in der Einrichtung diese Kultur?


    Der Gedanke an die Entlassung aus dem Krankenhaus ist ein wichtiger Strohhalm für Ihre Mutter, doch das Gespräch über das Heimweh und Beobachtungen, so wie sie Rose60 vorgeschlagen hat, wird ein Schritt in die Lösung. (z.B. "Die sind ja alle sehr nett hier")

    Ihr Martin Hamborg

  • Der Gedanke an die Entlassung aus dem Krankenhaus ist ein wichtiger Strohhalm für Ihre Mutter, doch das Gespräch über das Heimweh und Beobachtungen, so


    Frag doch im Heim - wie Rose60 schreibt - nach stimmungsaufhellenden Mitteln.

    Ich danke allen für die guten Wünsche und Ideen.

    Grad komme ich zurück vom Besuch im Pflegeheim. Uns wurde Kaffee und Kuchen serviert und es könnte so schön sein.....

    Aber es ist sehr schwierig, die Zeit mit meiner Mutter zu verbringen. Ich kann sie nur sehr schwer ablenken, innerhalb weniger Minuten/Sekunden verfällt sie in das gleiche Muster. Sie sagt immer nur den Satz "Ich will heim". Manchmal gepaart mit Vorwürfen, manchmal mit Verzweiflung. Sie sieht nichts schönes und interessiert sich für nichts. Sie sagte mir , dass sie hier ihre wertvolle Zeit verplempert und sie sich umbringen wird.Ich habe das Gefühl, dass ihr mein Besuch gar nichts bringt und sie und mich nur traurig macht. Auf jeden Fall muss ich die Besuchszeit reduzieren und nur kurz bleiben, denn meine Mutter steigert sich nur rein.

    Morgen habe ich ein Gespräch mit der Hausärztin wegen (stimmungsaufhellenden) Medikamenten.


    Danke fürs Zuhören, ich habe das Gefühl, dass sich meine Posts hier immer sehr ähneln und ich euch immer das gleiche berichte.

    Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.

  • Hallo liebe Anette K,


    schreibt hier so oft du willst, dafür brauchst du dich nicht rechtfertigen. Ich schreibe auch immer wieder das gleiche :-). Wichtig ist es das es Dir gut tut!

    Und mal mit ein wenig Augenzwinkern, wir sind hier in einem Demenzforum wenn wir nicht mit Wiederholungen umgehen können wer dann :-).


    Ich wünsche dir das das mit den Stimmungsaufhellern gut klappt. An einem Tag vor ein paar wochen, als mein Papa so ein richtige Tief hatte, habe ich mich bei ihm mehrfach bedankt. Bedankt dafür das er diesen so wichtigen Schritt (Heim) gemacht hat damit es ihm langfristig besser geht. Bei ihm bedankt weil ich sehe das er alles in seiner Macht stehende tut um seinen Gesundheitszustand zu verbessern. Bedankt weil ich sehe das dies und das schon nach so kurzer Zeit besser geworden ist.

    Ich denke das Muster kannst du verstehen, Das hat damals wirklich gut funktioniert und ich streue das auch jetzt immer wieder mal in Unterhaltungen ein.


    Ihm gibt das jedenfalls immer ein kleines Hoch und manch mal kann ich so einen depressiven Gedankenkreisel durchbrechen.


    Vielleicht einen Versuch wert? Kommt halt immer auf die Persönlichkeit an.

  • Meine Mutter ist trotz starker Demenz so schlau, dass sie

    manches sofort durchschaut. Dann sagt sie, du brauchst mir nichts vorzumachen oder lenk nicht ab. Da wundert man sich sehr, dass sie das spürt. Auch weiß sie genau, was sie sagen muss, um mich zu treffen. Das hat sie ihr ganzes Leben schon so gemacht. Ihre Persönlichkeit war leider schon immer sehr schwierig, aber aufgrund ihrer Depressionen haben (vor allem) mein Vater und wir schon immer Rücksicht genommen.

  • Hallo Annette,

    Wenn es sich wiederholt, was du schreibst, macht es auch nichts. Wir warten hier nicht nur auf Erfolgsmeldungen, weil so viele hier deine Situation kennen. Und nun hast du die Hausärztin kontaktiert wegen möglicher Medikamente, das ist doch ein wichtiger Schritt, auch wenn man vorher nicht voraussehen kann, ob es wirkt. Du hast es wenigstens versucht und das ist besser als sich abzuwenden in dem Fall.

    Mir fällt es nach drei Jahren noch schwer, wenn wieder eine traurige Situation bei meiner Mutter aufkommt. Vor zwei Tagen war sie gar nicht so traurig, erzählte mir, ihr Bruder sei zu Besuch da gewesen (seit vielen Jahren tot), aber sie hat sich sehr gefreut über den Besuch und das fand ich schön. Gleichzeitig merke ich, wie sie sich zunehmend aus meiner /unserer Welt entfernt und das fällt mir schwer. Für mich ist es seit über drei Jahren deutlich mehr Belastung als Freude, wöchentlich hinzugehen wegen der unschönen gemeinsamen Vergangenheit in der Familie und ich wünsche mir sogar, dass ich mit leichterem Herzen noch öfter hingehen könnte, doch es ist wie es ist.

    Immerhin: bislang war ich die einzige regelmäßige Besucherin, egal was ich als Entlastung versucht habe, nichts klappte. Da ist es sogar erleichternd, wenn sie es in ihrer Welt nun anders erlebt und meint besucht zu werden oder sich mit ihrer Tischnachbarin "unterhalten " zu haben, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung nur noch lautieren kann.

    Es gab phasenweise mal leichtere Besuche, aktuell nicht. Ich habe auch versucht mal eine tv Sendung anzuschalten zum gemeinsamen Erleben, meine Mutter versteht überhaupt nicht, worum es geht, deutet alles komplett falsch, kann vermutlich die Sprache nicht entsprechend schnell verarbeiten, also auch das keine Lösung.

    Wenn ich einfach mal eine halbe Minute ruhig bin, wird sie nervös, weil sie nichts zu erzählen hat - sie hat sich immer gern angeregt unterhalten und nun fehlen die Worte, die Gedanken, die Interessen, die Erinnerung... und prompt geht's wieder los "eigentlich kann ich ja alles allein, ist ja Quatsch, dass ich hier bin, wäre viel besser zuhause aufgehoben, hätte mir doch jemand nehmen können " usw.usf. Das scheinen die letzten verbleibenden Gedanken zu sein, einzementiert..

    Liebe Grüße an alle

  • Liebe Annette, sage dir also immer, dass du alles in deiner Macht stehende für deine Mutter getan hast: Du hast einen Platz für sie mit Sorgfalt ausgewählt, du lässt sie nicht im Stich, sondern schaust nach ihr und prüfst, dass es ihr gut geht ... Mehr kannst du nicht machen. Alles Liebe ...

    Wenn mich meine Mutter den ganzen Mittag massiv bearbeitet, dann komme ich schon ins Zweifeln und überlege, ob es daheim für sie besser wäre. Aber ich vergesse dabei, dass es zu Hause genau die gleiche Situation war. "Ich will nach Hause ", den ganzen Tag und die 24-Stundenhilfe konnte das auch nicht stemmen.

    Ich hatte vor 4 Jahren Darmkrebs und darf nicht schwer tragen. Mein Mann und meine Tochter holen mich immer zurück auf den Boden der Realität und sagen, dass wir keine andere Wahl hatten.

    Aber wie kann ich das bei mir verinnerlichen? Meine Mutter hat so starken Einfluss auf mich und ich möchte gerne, dass sie zufrieden ist.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Anette K,

    Wenn mich meine Mutter den ganzen Mittag massiv bearbeitet, dann komme ich schon ins Zweifeln und überlege, ob es daheim für sie besser wäre.

    dazu ein Gedanke: daran, da Ihre Frau Mutter auch schon im vorigen Zuhause genau dort hin wollte - "Ich will nach Hause.". Der Ort ist dabei nicht so entscheidend, wie das Gefühl. Das Daheim-Gefühl. Das kann "demenzbedingt" verlorengehen, ist aber nicht notwendigerweise an bestimmte Räume gekoppelt. Beispielsweise könnte sich ein Mensch, der mit vielen Geschwistern aufgewachsen ist wohler fühlen, wenn er viel Zeit in einem Gemeinschaftsraum mit anderen verbringt - als Beispiel.
    Die Frage wäre also, was bedeutet "Zuhause" für Ihre Mutter? Und kann man Wege finden, ihre dieses Zuhause-Gefühl vor Ort zu verschaffen....und bestimmt muss auch die Zeit (Gewöhnung) ihren Beitrag tun. Trotzdem wollte ich diesen Gedanken noch einwerfen - vielleicht gibt es etwas sehr "typisches", was zum Daheimgefühl Ihrer Mutter noch beitragen könnte.
    Weiterhin viel Kraft.

    Es grüßt Sie

    Jochen Gust

  • Oh wie ich das kenne.. am besten würde ich an deiner Stelle den Gedanken loslassen, dass du sie zufrieden stellen kannst und musst, weil es ganz ganz offensichtlich NICHT in deiner Macht steht. Da hilft es nur die eigenen Gedanken und Verhaltensmuster zu verändern. Kannst du dich professionell beraten lassen? An einer psychol. Beratungsstelle, einem Psychotherapeuten? Ich vermute wie bei vielen hier, auch bei mir, stecken da alte Muster aus der Kindheit dahinter. Ich habe auch schon als Kind mich verantwortlich gefühlt meine Mutter glücklicher zu machen, dabei war es nicht meine Aufgabe und die Ursache für ihre traurigen Zeiten lagen definitiv nicht bei mir, trotzdem sitzen solche Muster seeehr tief. Wenn man sich dessen bewusst ist, kann man lernen dagegen zu steuern.

    Kannst du damit etwas anfangen? Also ich würde mir von professioneller Begleitung einiges versprechen.

    Vor allem wenn du schreibst, Zuhause wollte sie auch schon "nachhause" - da wird es doch klar. Diesen Ort gibt es in der aktuellen Phase offensichtlich nicht mehr und das ist schwer auszuhalten. Du kannst nur versuchen dir etwas gutes zu tun um die Situation besser zu ertragen, aber du hast die Lösung für deine Mutter nicht in der Hand!!

  • Sie lehnt alles von zu Hause im Heim ab, da dies in ihre Wohnung gehört und nicht ins Heim. Man darf keine Bilder aufhängen, da sie da morgen weg geht. Sie wehrt sich so massiv. Aber sie beschreibt zu Hause ihre Wohnung in ihrem Heimatort. Doch manchmal sagt sie, dass ihre Mutter zu Hause wartet, manchmal dass ihr Mann zu Hause wartet (alle bereits verstorben) und dass sie es zu Hause auch alleine schaffen wird.

  • Ich habe auch schon als Kind mich verantwortlich gefühlt

    Ja, genau das kenne ich auch. Ich hatte zwei Sitzungen bei einer Therapeutin, vermutlich macht es Sinn, nochmal dorthin zu gehen. Danke Rose, ich glaube das brauche ich. Nachdem mein Vater gestorben ist, fühle ich mich noch mehr in der Verantwortung.

  • Mein Mann und meine Tochter holen mich immer zurück auf den Boden der Realität und sagen, dass wir keine andere Wahl hatten.

    Liebe Annette, es ist Gold wert, dass deine Familie dies permanent sagt. Auch wenn es eine Zeit dauern wird, verfestigt sich dieser Gedanke dann auch bei dir. Ab einem bestimmten Alter (ich vermute, recht früh) haben wir alle diese einzementierten Glaubenssätze. Am Ende ist es egal, ob unsere Eltern uns das anerzogen haben oder ob die Gedankenkreisel sich aus anderen Gründen bei uns eingenistet haben. Bei meiner Mutter war es definitiv nicht so, dass sie mir das Gefühl gegeben hätte, ich müsse sie glücklich machen. Dafür war sie aber immer ein Muster an Kraft, Energie und Autarkie ..., der Gedanke an ein Heim brachte sie in Rage (schaffe ich alles alleine, wie immer) und ich habe es kaum aushalten können, sie SO zu erleben: Wütend auf Gott und die Welt.


    Aber wie auch immer, vielleicht findest du psychologische Hilfe für DICH. Und vorerst mal dir den Satz von oben in großen Buchstaben auf A4-Blätter (schon das Aufschreiben wird dir helfen) und verteile sie in deinem Umfeld.


    Sei geduldig mit dir, denn es IST eine schreckliche Situation, ein schmerzhafter Abschied von der Person (wie auch immer sie früher war) und von manchem aus deiner Vergangenheit. Das klappt nicht von heute auf morgen. Deshalb sage ich auch, such dir zwischendurch schöne Inseln, mach Gutes für dich.


    Und - ganz wichtig - besuche deine Mutter nicht so häufig oder bleib nur kurz da. Häufige/lange Besuche helfen weder ihr noch dir. Respektiere auch, dass sie nichts von zu Hause da haben mag (das kann in einigen Monaten schon wieder anders aussehen). Bei meiner Mutter war das auch so.

    Ich würde vielleicht auch nicht immer von der Endgültigkeit des Heimaufenthaltes sprechen bzw. es nicht einmal erwähnen, lieber immer im Jetzt bleiben und auf den Nachhausewunsch mit Verständnis reagieren: "Du, das glaube ich dir, dass du lieber zu Hause wärst ..., das wäre mir auch lieber. Aber jetzt müssen wir erst mal sehen, wie es mit dir weitergeht. Die geben sich ja hier alle Mühe, dass es besser wird mit dir ..."


    Was ich mir abgewöhnt habe: Ich frage nie "Wie gehts dir denn?", sondern fange gleich an mit irgendeinem Fakt "Ach ihr trinkt ja grad Kaffee. Der Kuchen sieht ja wirklich gut aus ..." Ich gebe mir Mühe, nichts zu triggern. Meistens gelingt es mir, was nicht bedeutet, dass ich die Besuche als Glückseligkeit empfinde. Aber das wäre vielleicht auch zu viel verlangt.


    Ich wünsche dir weiter einen guten Weg. Du bist erst am Anfang .... es wird hundertprozentig besser!

  • Vielen lieben Dank für deine aufbauenden Worte. Ich habe hier im Forum

    schon viel von euch gelernt, erfahren und auch angewandt im Umgang mit meiner Mutter.

    Und wie du schreibst, muss ich noch etwas geduldiger mit mir sein.

    Ich freue mich, dass es für dich und deine Mutter schon so viel besser ist.

    Das gibt mir Zuversicht.

  • Nachdem mein Vater gestorben ist, fühle ich mich noch mehr in der Verantwortung.

    Liebe Anette,

    du fühlst dich in der Verantwortung, aber hast du auch die Mittel und Möglichkeiten, bei deiner Mutter etwas zu bewirken? Da könnte ich drei Fragezeichen hinter diese Frage setzen.
    Meine Schwiegermutter hat immer wieder depressive Phasen und wenn sie nicht depressiv ist, dann ist sie mit allem und jedem unzufrieden. Auf Medikamente wollen wir (noch) nicht zurückgreifen. Um ihre Stimmungsschwankungen wenigstens etwas auszugleichen, kontaktierten wir eine anerkannte Fachärztin für Psychotherapie und Psychiatrie. Ihre Antwort war:

    „Die Richtlinienpsychotherapie ... erfordert beim Patienten kognitive Kapazitäten, um dem Therapieregime folgen und therapeutische Inhalte behalten und umsetzen zu können. Dies ist bei hirnorganischen Störungen wie einer Demenz nicht mehr möglich.“


    Wenn du keine Möglichkeit hast, einzugreifen und etwas zu bewirken, dann kannst du dir hundertmal sagen: "Ich fühle mich in der Verantwortung". Du bist und bleibst aber gegenüber den Gefühlen, Ängsten und Vorstellungen deiner Mutter hilflos und kannst sie nicht mehr ändern.

    Liebe Grüße!
    Buchenberg

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