Und täglich grüßt das Murmeltier ...

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  • Ich mal wieder.

    Heute Besuch im Pflegeheim (wie - fast - jeden Sonntag) ...

    Mutter hatte schlechte Laune, weil ich ihr Zimmer aufgeräumt habe - aber sonst droht Vermüllung, wie bereits, als sie noch in ihrem Haus lebte. Allerdings heftige Diskussionen über jeden Fetzen Papier ... "das brauche ich noch!" ... dabei bekommt sie jeden Tag die Zeitung. Gebunkerte, verdorbene Lebensmittel (Mandarinen, garantiert noch von Weihnachten) habe ich entsorgt. Ausserdem habe ich sie gezwungen überredet, ihre Kleidung (seit mindestens 4 Wochen getragen) zu wechseln und ihr Komplimente gemacht, weil sie am Donnerstag eingewilligt hatte, zu duschen ... "Deine Haare sehen so viel besser aus ..." ... Alles in allem: Anstrengend.

    Sie hatte also schlechte Laune und wollte sie an mir auslassen. Wenn sie mich verletzen will, lästert sie gerne über meine Figur. Laut und bevorzugt so, dass alle mithören können. Nur schade, dass sie micht damit nicht mehr verletzt und es nicht mehr funktioniert 8o Äußeres war meiner Mutter schon immer extrem wichtig und sie beurteilt auch Mitmenschen nach ihrem Aussehen. Hab' ich nie kapiert ...

    Sie hat auch einen neuen Tischnachbarn, einen Herrn (nicht dement, so glaube ich jedenfalls, sitzt aber im Rollstuhl ...), so Typ "lüsterner Onkel", wenn Ihr wißt, was ich meine ... Er sagt zu jeder weiblichen Pflegekraft "Du tätest mir gefallen, wie wär's mit uns?". Mir tun die Pflegekräfte leid, die müssen ihn den ganzen Tag aushalten, ohne ihm auf die Finger hauen zu können ...

    Mein Stiefvater war auch so ... Sex war eines seiner Lieblingsthemen, das war für uns Kinder so unglaublich peinlich ... eines Tages hat er sich tatsächlich mal bei mir beschwert, dass meine demente Mutter keinen Sex mehr mit ihm hatte ... davon bin ich immer noch traumatisiert.
    Ich hoffe, ich habe kein Gruseln bei Euch ausgelöst, aber ich musste das jetzt loswerden. Allen noch ein schönes Rest-Wochenende!

    LG, SunnyBee

  • Liebe Sunny,

    Nein Du löst keinen Grusel sondern Mitgefühl aus!!!!

    Wenn nicht hier wo dann sollten wir unsere Nöte loswerden.

    Ich denke fast immer, wenn ich mein Geschreibsel noch mal lese: oh nein also DAS zwar nun zu persönlich 🥹.


    Du machst das toll mit dem Schlechte-Laune-Abhaken und ich werde Dir nacheifern.

    Lg Alfi 🐽

  • Alfskjoni

    Ganz ehrlich: dieses Forum ist für mich wie Therapie - nur eben rund um die Uhr.

    Immer wenn man denkt, man hat jetzt schon alles gehört und gesehen ... dann guckt man wieder in den Abgrund.

    Du machst es auch gut - bleib' dabei!

    LG, SunnyBee

  • Liebe Sunnybee,

    Gut wenn du das hier loswerden kannst! Ich fühle mit dir, kenne diese peinlichen Situationen seit früher Kindheit, meine Mutter konnte keine Pflegerin zulassen, weil mein Vater sie "nicht in Ruhe gelassen hätte", was in der Demenz natürlich noch enthemmter wurde. Das ist zum Glück vorbei.. meine Mutter ist bei dem Thema leider auch sehr offenherzig, auch darum ziehe ich mich zurück, ich will das alles nicht mehr. Ich räume auch nicht ihre Schubladen im Heim auf, sondern berichte dem Pflegepersonal.

    Verwelkte Blumen und uralte Zeitschriften werfe ich manchmal heimlich weg.

    Alles Gute!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SunnyBee, die schlechte Laune Ihrer Mutter kann ich mir sehr gut vorstellen, denn Sie greifen ja direkt in ihr ureigenstes (Un)-Ordnungssystem ein - offensichtlich gelingt Ihnen das besser als den Pflegekräften.


    Respekt für Ihre Stärke, dass Sie dann auch noch danach die Folgen der schlechten Laune aushalten. Trotz der Demenz, weiß Ihre Mutter Sie zu kränken oder vorzuführen.

    In den Teams empfehle ich da gerne eine Arbeitsteilung: Eine räumt auf, die andere übernimmt danach die Ablenkung oder validiert den Ärger.

    Ihr Martin Hamborg

  • Hach,

    ich muß meinen eigenen Thread auch mal wieder entstauben ... *pust* ...

    Heute war ich mit meinem Mann bei meiner Mutter im Pflegeheim - wir wollten anschließend noch ins Kino, welches fußläufig in der Nähe des Pflegeheims liegt (wie praktisch ...). Das hat den Vorteil, dass ich unmittelbar nach dem Besuch gleich auf andere Gedanken komme und was Schönes mit meinem Mann unternehme.

    Ich habe meiner Mutter frische Blumen mitgebracht, das liebt sie sehr. Leider gießt sie immer viel zu viel, so dass ich gelegentlich wieder was mit nach Hause nehme um es zu "retten". Dann bekommt sie halt was Neues. Heute fing sie wieder davon an, dass sie Heimweh hat und nach Hause will. Sie wüßte nicht, warum sie eigentlich hier sei, ihr fehle doch nichts. Auf meine Nachfrage, wie sie das denn dann mit der Versorgung machen will, meinte sie: "Ich such' mir jemanden!" Konkreter wurde sie nicht und wechselte flugs das Thema. Mein Mann meinte später auch, dass ihre Demenz deutlich fortschreitet und er das auch bemerkt.

    Wir haben dann ein Spiel gespielt, aber da sie die Regeln nicht mehr versteht, schummelt sie gnadenlos, um zu gewinnen.

    An Ostern hole ich sie mal wieder zum Mittagessen zu uns, mal schauen, wie sie das verkraftet.

    Alles in allem ist sie wesentlich friedlicher geworden als am Anfang, allerdings leider nicht wirklich netter mir gegenüber. Aber das ist okay, da warte ich ja auch nicht mehr drauf. Inzwischen erlaube ich mir, auch mal 2 - 3 Tage nicht anzurufen, das tut mir auch gut.

    Ich brauch' grad viel Energie für meine Arbeit, aber es ist auch gut einen anderen Fokus zu haben, sonst würden sich meine Gedanken im Kreis drehen. Ich bin froh, dass ich mein Leben abgrenzen konnte - dass ich gelernt habe, meiner Mutter gegenüber Grenzen zu setzen, hat mir auch in anderen Lebensbereichen geholfen.

    Euch allen noch einen schönen Sonntagabend, LG - SunnyBee

  • Heute fing sie wieder davon an, dass sie Heimweh hat und nach Hause will. Sie wüßte nicht, warum sie eigentlich hier sei, ihr fehle doch nichts. Auf meine Nachfrage, wie sie das denn dann mit der Versorgung machen will, meinte sie: "Ich such' mir jemanden!"

    Hallo SunnyBee das sagt meine Mutter wortwörtlich auch oft.

    Und dann noch dass ich nur immer alles falsch mache und dass sie jemanden anderen sucht.


    Nungut.

    Demente leben nur noch in Emotionen.

    Diskutieren klappt nie.

    Also sag ich oft nichts und gehe alsbald wieder.


    Mein Mann war seit Jahrzehnten zum ersten Mal wieder im KH: Nierensteine. Aua. Just an dem Tag Anruf aus dem Heim: meine Mutter ist im KH. In einem anderen als mein Mann. Bin hingefahren, vorher Sachen im Heim eingesammelt, durfte nicht zu ihr da sie in der Notaufnahme geparkt war wg Bettenmangel. Hatte die Sachen dagelassen.


    Am nächsten Tag Besuch: ich hörte sie schon im Gang rumgiften, das ging dann so weiter.

    Hab den Oberarzt instruiert.

    Es mussten nur Medikamente neu eingestellt werden, sie ist zurück im Heim.


    Nun heute an 16 Uhr geb ich mir noch mal das Heim und dann ausnahmsweise noch mal eine Woche später, da hat sie Geburtstag.


    Hey aber dann eine fette 2-Wochen-Luxus- Pause.


    Meinem Mann geht’s gut ❤️, nur „da“ muss noch eine Schiene rausgezogen werden.


    Frohe Ostern 🐰🐇🐣

  • Hej Alfskjoni


    schön, von Dir zu hören. Unsere Mütter sind wirklich "Schwestern im Geiste" ... ;)

    Und dann noch dass ich nur immer alles falsch mache und dass sie jemanden anderen sucht.

    Ich wette, sie hat noch nie konkrete Schritte unternommen, sich "jemand anderen" zu suchen, das ist also nur 'ne vage Drohung, bei der sie aber weiß - oder vielmehr spürt - daß es Dich trifft ... das ist nicht nett, zeigt aber auch eine gewisse Hilflosigkeit ihrerseits ...

    Diskutieren klappt nie.

    Also ehrlich gesagt: ich diskutiere kaum noch, reine Zeitverschwendung ... wenn es darum geht, meine Mutter bei irgendeinem Thema zu beruhigen, dann erkläre ich ihr ganz geduldig, aber diskutieren mag ich nicht mehr, habe ich schon tausendmal ohne Erfolg gemacht ...

    Mein Mann war seit Jahrzehnten zum ersten Mal wieder im KH: Nierensteine. Aua.

    Oh, das ist schmerzhaft ... da merkt man wieder, daß man auch an anderer Front noch gebraucht wird.


    Hey aber dann eine fette 2-Wochen-Luxus- Pause.

    Aber sowas von!

    Ich habe meine Mutter an Ostern hier (+ Schwiegermutter, warum nicht beide auf einmal, dann hab' ich's hinter mir ...) und danach besuche ich sie eine Weile wieder "nur" im Heim. Ich habe ein bißchen Hoffnung, daß mein Bruder und ich mittelfristig auf einen 14-tägigen Besuchsrhytmus, bei dem wir uns abwechseln, umstellen können, aber ich glaube wir sind noch nicht ganz soweit ...

    Ich bin ja noch - wie es so schön heißt - "erwerbstätig", und hab' da auch 'ne Menge Streß, das ist manchmal schon ganz schön viel zu stemmen.


    Mein Bruder war gestern im Heim und wollte das ganze Altpapier aus ihrem Zimmer mitnehmen, aber da zetert sie immer: "Das BRAUCHE ich noch! Ich muss das durchschauen und werfe es dann selber weg!" Tja, darauf sind wir früher noch reingefallen, inzwischen weiß ich, daß sie es NIE wegwerfen wird und wenn das ganze Zimmer vollgemüllt ist ...

    Zum Glück ist mein Bruder der "Altpapier-Beauftragte" ... 8o


    Frohe Ostern, liebe Grüße, SunnyBee

  • Hallo Alle und SunnyBee ,


    Nein es bleibt bei boshaftesten Drohungen. Aber als sie es noch mehr auf die Reihe bekommen hat hat sie schon übel herumtelefoniert, immer mit Verbindung durch die Auskunft 1188 oder so, da kostete ein Anruf dann gerne EUR 50 und mehr. Das war als die noch in dieser „ich habe Superkräfte“ Phase war.


    Wollte sie heute im Heim besuchen, sie war aber doch noch im KH, also bin ich dann da hin gefahren. Sie war gestürzt, aber wohl alles ok. Hat es natürlich abgetan.

    Die Zimmernachbarin ist sehr nett, ca. 65, sie hat eine Mütze auf und ist ganz schwarz um die Augen, das hab ich noch nie gesehen 🥹.


    Nun bin dann wieder nach Hause gefahren.

    Bin mit dem Heim so verblieben, dass ich anrufe am Nachmittag ob sie da ist.

    Ich glaube: sie werden sie noch dabehalten.


    Fahre aber erst mal nicht wieder hin.


    Lg Alfi 🐝

  • Liebe Alle & schwarzerkater ,


    Bald sollten wir unsere Gruppe die „Hermes-Schnack-Gruppe“ (hab den Strich über dem e nicht gefunden) nennen 🐝.

    Schön wenn der optimistische Duft verbindet.


    Anruf vorhin im KH: viel Wasser in der Lunge. Hab der Schwester gesagt dass ich aber heute und morgen nicht komme „ich sag’s Ihrer Mutter“. Na toll fühle mich direkt wieder schlecht und da kann die freundliche Schwester nicht zu.

    Peile Dienstagabend an. Weil ich finde das gehört sich so.


    Euch allen schöne Feiertage🐞

    Lg Alfi

  • Ja, irgendwie muss man wohl letztlich seiner inneren Stimme folgen ..., allein mit dieser "Stimme" müssen wir uns auseinander setzen und schließlich einigen ... bei genauer Betrachtung der aktuellen Umstände. (Krankenhaus ist ja eine besondere Situation).

    Ja da hast Du Recht, und es ist auch nicht so ein übles Gefühl wie ins Heim zu fahren 🤷‍♀️

  • Hallo Alfskjoni und alle,

    Hab der Schwester gesagt dass ich aber heute und morgen nicht komme „ich sag’s Ihrer Mutter“. Na toll fühle mich direkt wieder schlecht und da kann die freundliche Schwester nicht zu.

    Ich glaube, der Besuch im Krankenhaus darf ruhig auch eher kurz ausfallen: Du schaust nach Deiner Mutter und generell nach dem Rechten, zeigst Präsenz und gut ist. Du kannst ja der Schwester gegenüber erwähnen, dass Dein Mann derzeit gesundheitlich auch angeschlagen ist und dass Du halt überall gebraucht wirst. Ist ja auch so.

    Du hast keine übermenschlichen Kräfte, sonst müsstest Du Dir ein Cape umbinden ...


    Wer weiß ... wenn es Deiner Mutter nicht so gut geht, dann ist das Thema "Geburtstag" eh nicht im Vordergrund ...


    In eigener Sache: meine Mutter baut kognitiv weiterhin ab. Das ist mir Ostersonntag beim Mittagessen (anwesend: Mann, Sohn, Schwiegermutter, Mutter und ich) aufgefallen. Meine Mutter kann einer Unterhaltung nicht mehr wirklich folgen ... sie hat so 6 -7 Standardthemen, bzw. -sätze, die sie gelegentlich - auch ohne jeden Zusammenhang - einwirft. Das soll den Anschein erwecken, dass sie am Gespräch teilnimmt, tut sie aber nicht wirklich.


    Irgendwie hat mich das traurig gemacht, weil es wieder ein neuer Abschnitt ist, in dem eine Fähigkeit verloren geht ... Andrerseits ist sie viel umgänglicher geworden und sagt oft, dass sie sich in dem "Haus" (sie meint das Pflegeheim) wohl und gut aufgehoben fühlt.


    Allen eine gute Woche! LG, SunnyBee

    Einmal editiert, zuletzt von SunnyBee ()

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SunnyBee, schön zu lesen, dass Ihre Mutter nun umgänglicher geworden ist, auch wenn es schmerzhaft ist, mit anzusehen, wie sehr sie abbaut. Aber offensichtlich hat sie eine sehr schwierige Phase ihrer Demenz abgeschlossen: sie muss nicht mehr gegen sich, gegen Sie und die ganz Welt kämpfen (auch um die Ausfälle infolge der Demenz zu überdecken). Wichtig ist, dass Sie die Muster vermeiden, die bisher zu dem schwierigen Verhalten geführt haben.


    Es ist (auch) ein gutes Zeichen, dass sie sich mit ihren 5 Themen beteiligt und zeigt, dass sie dazugehört und gehört wird- ohne die Erwartung eines intensiven Gespräches. Oft ist es völlig ausreichend, das Thema kurz aufzugreifen und dann wieder das andere Gespräch weiterzuführen. Vermutlich finden Sie validierende Standardantworten, die wie ein Ritual Geborgenheit vermitteln.

    (Das gemeinsame Kaffeetrinken mit Ihrer Schwiegermutter kann also zu einem Erfolgsrezept werden)

    Lässt sie sich jetzt besser versorgen und bekommt sie im Heim noch ihr Glas Wein?

    Alles Gute, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo martinhamborg und alle,

    Lässt sie sich jetzt besser versorgen und bekommt sie im Heim noch ihr Glas Wein?

    Ja, sie bekommt standardmäßig am Abend ihr Glas Wein - wenn sie es am Tisch nicht ganz trinkt, nimmt sie es mit in ihr Zimmer. Im Sommer werden wir ihr ab und an auch mal ein Bier/Radler mitbringen und vielleicht gemeinsam im Garten trinken.

    Ob sie sich besser versorgen lässt? Ich denke ja, Duschen ist nach wie vor schwierig, aber ich diskutiere das nicht mehr.

    Gestern hatte sie großen Besuch von meinen beiden Stiefschwestern mit ihren Familien. Seit dem Tod meines Stiefvaters und den darauffolgenden Auseinandersetzungen mit der sogenannten "Erbengemeinschaft" haben mein Bruder und ich den Kontakt auf ein absolutes, "nur-wenn-es-unbedingt-sein-muss"-Maß heruntergefahren. Das (gemeinsame) Testament ist mir relativ wurscht, mein Stiefvater hatte es seinerzeit aufgesetzt und meine Mutter hat es unterschrieben, wobei ich rückblickend denke, dass sie bereits damals nicht verstanden hat, was sie da unterschrieben hat. Aber sei's drum ...

    Was mich aber damals echt auf die Palme gebracht hat, war der Versuch, meiner Mutter nicht den ihr zustehenden Erbteil zukommen zu lassen, es ging um Konten und Aktiendepots, die den beiden gemeinsam gehörten, d.h. 50% gehörte schonmal nicht zur Erbmasse. Darüber gab es unschöne Diskussionen, aber schlußendlich habe ich mich durchgesetzt und meine Mutter hat das bekommen, was ihr zusteht. Da gab es z.B. Vorwürfe, dass meine Mutter sich auf Kosten des Stiefvaters ein schönes Leben gemacht hätte, dabei hatte sie durchaus eigenes Vermögen und hat ihm das Haus zur Hälfte überschrieben.

    Wie dem auch sein, der Kontakt besteht praktisch nicht mehr, aber die Stiefschwestern rufen meine Mutter regelmäßig an und besuchen sie, was ich wirklich anständig finde.

    Gestern habe ich dann so gedacht, dass die Demenz in dieser Hinsicht eigentlich auch was Gutes ist, denn meine Mutter fragt NIE, warum wir uns denn nicht mal alle gemeinsam treffen. Es ist ihr in drei Jahren noch nicht aufgefallen, dass es keine "Familien"-Treffen mehr gibt und sie hinterfragt das nicht, so dass ich es auch nicht erklären muss.

    Mit diesem durchaus positiven Gedanken allen ein schönes Wochenende,

    SunnyBee

  • Hallo zusammen,

    meine Mutter war bei meinem heutigen Besuch im Pflegeheim in Topform ...

    Wir saßen beim Kaffeetrinken im Gemeinschaftsbereich und jemand brachte das Gespräch unglücklicherweise auf die Gegend, aus der meine Mutter stammt. Und sofort ging es los ...

    "Ich will nach Hause, das ist nicht meine Heimat, ich gehe wieder, ich will in mein Haus ... ".

    "Aber alle Kinder wohnen doch so weit weg, da wärst Du doch ganz alleine ... ".

    "Das ist mir egal, ich brauche niemanden ... ".

    Ich will das nicht überbewerten, weil sie sich dann ja wieder für jeden Telefonanruf von mir bedankt ... aber weh tut's manchmal schon ein bisschen. Ich weiß manchmal gar nicht, was ich mir eigentlich von ihr wünsche ... ein bisschen liebevolle Zugewandheit, aber die war eben nie da ...

    Jemand aus der Runde sagte noch zu ihr: "Sie haben aber eine nette Tochter!", da blieb sie stumm ...

    Gelegentlich blitzt noch dieser Wille auf ... "Ich will!" ... aber es geht halt nicht mehr.

    Ich fühle mich müde und kraftlos und ertappe mich erschrocken bei dem Gedanken "Wie lange?" ... Ich gehe auf die Sechzig zu und muss noch ein paar Jahre arbeiten und vor allem(!) meine Gesundheit erhalten ... Abgesehen von ihrer Demenz ist meine Mutter gesünder als ich, ich muss deutlich mehr Tabletten nehmen ...

    Nun ja, ich gehe jetzt ins Bett, morgen beginnt eine neue Woche ... der Monat Mai ist klasse wegen der vielen Feiertage, an denen ich nicht arbeiten muss ...

    Gute Nacht, SunnyBee

  • Ich fühle mich müde und kraftlos und ertappe mich erschrocken bei dem Gedanken "Wie lange?" ... Ich gehe auf die Sechzig zu und muss noch ein paar Jahre arbeiten und vor allem(!) meine Gesundheit erhalten ... Abgesehen von ihrer Demenz ist meine Mutter gesünder als ich, ich muss deutlich mehr Tabletten nehmen ...

    Liebe SunnyBee, das sind wohl Gedanken, die vielen hier nicht fremd sind.

    Ich gehe schon auf die 70 zu ... ich kann es manchmal kaum glauben, gerade "gestern" war ich doch noch so jung.


    Mir sagte vor längerer Zeit eine gute Bekannte, die eine demente Tante jahrelang begleitet hat: "Oftmals werden Demenzkranke auch besonders alt, weil sie sich um nichts mehr Sorgen machen müssen/können."


    Meine Mutter ist - abgesehen von der Demenz - auch recht gut beisammen, im Gegensatz zu mir.

    Man weiß natürlich nie, aber bisher wirkt sie recht stabil.

    Ich bemühe mich daher, den Stress wegen der Demenz meiner Mutter möglichst oft "nach hinten zu schieben" (er tut mir nicht gut) und trotz der Belastung einigermaßen gut zu leben. Gar keine leichte Aufgabe, aber ich muss sie angehen, es gibt keinen Plan B.


    Liebe SunnyBee, diese Gedanken gehen nicht oder nicht so schnell weg, das kann man kaum erwarten. Mach trotzdem das Beste für dich daraus!

  • ach liebe SunnyBee ,


    Hast Du das geschrieben oder ich?

    Sogar das Alter stimmt 🥳.


    Obwohl es meiner Mutter täglich wirklich schlechter geht war mein Samstagsbesuch auch wieder unterirdisch.

    Meine Mutter schien klar, war aber grottig boshaft drauf.

    Einiges mag einer hartnäckigen noch nicht ganz behobenen Verstopfung zuzuschreiben zu sein, aber sie ist ja immer so und das auch ohne.


    Nun man (frau) soll ja mit dementen Menschen, schon gar wenn es so schlecht um sie steht, nich diskutieren und alles gelassen hinnehmen.

    Nun 2.: die Hausärztin in eine ganz gefühlvolle liebe Person: sie wäre ja sowas von böse und kalt „Mutti Frau Dr K weint doch eher mit den Patienten mit“ - nein also das könnte ich nicht beurteilen, ich hielte ja eh immer zu den anderen


    Das Heim befände sich im „Ostblock“ :

    „Mutti Du wir sind hier in Niedersachsen“


    Ich wäre ja schon immer frech gewesen, schon als 2-Jährige wäre ich zu meinem angeheirateten Cousin (mein Opa hatte neu geheiratet, der Cousin war mein ein und alles, bis wir an die Schweizer Grenze zogen, da war ich 3) so frech gewesen.

    Das hat mich wirklich getroffen. Mal wieder.


    Nun ich hatte ja unsere Gebrauchsanleitungen im Kopf „how to behave with dementia patient“ aber ich hab ihr gesagt dass es ja nun schon immer so gelaufen ist dass sie meinen Vater und mich nur kritisiert und schlecht gemacht hat und sie sich selbst engelsgleich in die Höhe hebt.


    Nun dann machte sie dieses verbockte Gesicht und gab langsam immer noch boshaft Ruhe.


    Hab dann noch ein bischen gesmalltakt und bin dann unglücklich gegangen.


    Glanzleistung.


    Aber ich wollte es echt sagen.


    Eure Alfi❤️

  • Obwohl es meiner Mutter täglich wirklich schlechter geht war mein Samstagsbesuch auch wieder unterirdisch.

    Meine Mutter schien klar, war aber grottig boshaft drauf.

    Meine liebe Alfi, mir kommt ein Gedanke (aus eigener Erfahrung mit dem Vater meines Enkels, du weißt ...) in den Sinn:

    Wenn deine Mutter NUR bösartig ("narzisstisch") und NICHT dement wäre, dann müsstest du tatsächlich immer darauf achten, dich nie aus der Fassung bringen zu lassen, nicht auf das gewohnte Muster anzuspringen! Solche Menschen wollen oft andere leiden sehen, allein daraus ziehen sie ihre Befriedigung. Man muss also ihre Angriffe möglichst ins Leere laufen lassen, sie von sich abperlen lassen.


    Das ist schwer! Und ... natürlich reagiert jeder "normale" Mensch genauso wie du es beschreibst. (... meine Tochter musste mühsam lernen, das nicht mehr zu tun).


    Aber, deine Mutter IST ja auch noch dement. Das heißt, dass es sowieso egal ist, welche Strategie du ihr gegenüber anwendest. Sie wird daraus nichts mehr "lernen" können ... bzw. sie vergisst es, behaupte ich mal. Ausnahmen bestätigen die Regel.


    Insofern (lange Rede, kurzer Sinn!) sei nachsichtig mit dir, dass du dich auf ihr böses Spiel mal wieder eingelassen hast. Das hat an der Gesamtlage nichts geändert. Bleib stattdessen weiterhin ganz bei dir und selbst wenn deine Mutter dir etwas anderes weismachen will: DU warst und bist okay, das Problem steckt in/bei deiner Mutter ... sie ist die Person, die dir nie gutgetan hat.

    Mach in Gedanken die Tür zu ... und mach sie erst zu gegebener Zeit in professioneller Art ("ich tue, was ich tun muss") wieder auf.


    Alles Liebe, liebe Alfi. Mein Beitrag war lang, aber ich kenne eben dieses Thema von einer anderen Seite sehr gut. (leider ...).

  • Hallo Alfi,

    Ich persönlich finde es gut, dass du deiner Mutter das Verhalten dir und deinem Vater gegenüber mal gespiegelt hast!! Vor allem auch für dein eigenes Gefühl von Selbstwirksamkeit, sich wehren können. Daran wird deine Mutter nun nicht sterben, aber für "dein Leben und Erleben" kann es gut sein.

    Du gibst ja oft genug klein bei.

    Deine Gegenargumente bei Kritikpunkten deiner Mutter werden sie allerdings eher dazu bewegen noch mehr dagegen zu halten, das trägt dann - nach meiner Außenansicht weder zu deiner noch zu ihrer Beruhigung bei. Gibt es vllt eine bessere Strategie? Dass du so tust, als nimmst du die Kritik ernst ?

    Wenn meine Mutter in ihrer aggressiveren Phase gegen Pfleger gewettert hat und ich sagte, ich rede mal mit der/dem, hat sie zurück gezogen "nein bloß nicht"..

    Nur so als Beispiel.

    Ist denn jetzt der Zustand tatsächlich so akut ernst? So wie deine Mutter noch reden und sich aufregen kann, klingt es ja noch nach gewisser Stärke.

    Liebe Grüße

    • Neu
    • Offizieller Beitrag

    Insofern (lange Rede, kurzer Sinn!) sei nachsichtig mit dir, dass du dich auf ihr böses Spiel mal wieder eingelassen hast. Das hat an der Gesamtlage nichts geändert. Bleib stattdessen weiterhin ganz bei dir und selbst wenn deine Mutter dir etwas anderes weismachen will: DU warst und bist okay, das Problem steckt in/bei deiner Mutter ... sie ist die Person, die dir nie gutgetan hat.

    Mach in Gedanken die Tür zu ... und mach sie erst zu gegebener Zeit in professioneller Art ("ich tue, was ich tun muss") wieder auf.

    Danke schwarzerkater für diese so wirkungsvollen einfachen Worte!

    Ihr Martin Hamborg

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