Und täglich grüßt das Murmeltier ...

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Liebe Alfi -


    ich schließe mich den anderen an: Geh nicht auf's Sommerfest, wenn Dein Bauchgefühl Dir sagt, Du möchtest nicht. Ich bin ein großer Verfechter des Bauchgefühls. Meins liegt sehr selten falsch.


    SunnyBee; Alfskjoni: Unsere Mütter scheinen sich sehr ähnlich zu sein. Ich höre dann auch immer "Stell Dich doch nicht so an" oder "Du nimmst alles immer viel zu ernst". Gut ist auch "rede doch nicht so einen Unsinn" - immer, wenn sie etwas nicht hören will.


    Auch wenn ich weiß, dass ich es nicht ändern kann und sie es nach 5 Minuten wieder vergessen hat: Es tut trotzdem weh. Abstand hilft mir. Und ich denke nicht, dass meine Mutter merkt, ob ich alle 2 Wochen zu Besuch komme oder alle 4 Wochen.

    Euch noch eine schöne Rest-Woche!

    LG Tanja

  • Mein Favorit dazu "schaff dir mal ein dickes Fell an!!" (Wurde mir von Kind an gesagt🙄)

    Zum Glück habe ich dann in einer Therapie gelernt, dass Sensibilität auch was Gutes sein kann

  • Rose60 ; TanjaS

    Zum Glück habe ich dann in einer Therapie gelernt, dass Sensibilität auch was Gutes sein kann

    Genau! Ich dachte tatsächlich viele Jahre, dass ICH das Problem bin ... bis ich mit Mitte Vierzig drauf gekommen bin, dass Feinfühligkeit eigentlich eine gute Sache ist, weil es mir hilft, mich in andere Menschen hinein zu versetzen - eine Fähigkeit, die ich bei meiner Mutter schmerzlich vermißt habe.

  • Rose60: Den Spruch kenne ich auch von meiner Mutter. Dabei ist sie einer der dünnhäutigsten Menschen, die ich kenne.


    SunnyBee: Ich habe auch immer gedacht, dass ich das Problem bin. Ich habe stundenlang darüber nachgedacht, was ich getan oder gesagt habe, dass meine Mutter mich so anschreit und niedermacht. Aber nein, ich war nicht das Problem. Keine von uns ist das.

  • Ha!

    Also früher hat sie mich sehr oft zum Weinen gebracht und dann sagte sie immer ich solle „mit dem Gebrülle aufhören“.


    Und jetzt, besonders seit ich verheiratet bin (22 Jahre, also nicht nur jetzt 🤩) und Ihr sachlicher, ruhiger begegne, sagt sie oft ich bin kalt. Sie behandelt mich wie eine Zitrone, wo man nur lange genug quetschen muss, bis Saft rauskommt.


    Aber wie bei Euch: wenn man auch nur normal antwortet, ist sie beleidigt, gekränkt, boshaft.

    Das ist aber schon lange richtig richtig krass bei ihr. Wer weiß wann diese extreme Wesensveränderung oder auch Wesens…Konzentration los ging.

    50 Jahre sehr hoher Blutdruck bei meiner Mutter sind kein Pappenstiel.


    Und dann hatte sie ja vor 2 Jahren eine HerzklappenOP und ist nun besonders…speziell. Also noch boshafter als sonst.


    Das Forum ist super.

    Was ich wirklich, also wirklich traurig finde, dass wir uns nicht auf einer reellen sondern nur auf einer imaginären Insel befinden und uns so auch nie mal alle an einem gemütlichen Holztisch in einem gemütlichen Café treffen können 🫖

    Lg Alfi

  • Hallo Alfi,


    so oft ging mir dieser Gedanke bereits durch den Kopf...

    Gespräche mit euch, so wie du es beschreibst, führen zu können...


    Lieben Gruß

    Harzhexi

  • Was ich wirklich, also wirklich traurig finde, dass wir uns nicht auf einer reellen sondern nur auf einer imaginären Insel befinden und uns so auch nie mal alle an einem gemütlichen Holztisch in einem gemütlichen Café treffen können

    Da stimme ich total zu!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo in die Runde, den Wunsch nach einer echten Begegnung und Kennenlernen am großen runden Holztisch kann ich gut nachvollziehen, denn hier ist eine offene unterstützende Atmosphäre entstanden, in die immer wieder Mitlesende herzlich aufgenommen werden.

    Ob dies trotz oder wegen die sicheren Anonymität möglich ist, oder warum, könnten Wissenschaftler untersuchen oder nicht ...


    Aber ich persönlich finde es wertvoll, wie es ist und freue mich an den vielen Beiträgen von Menschen, die durch unschöne Charaktereigenschaften ihrer Mütter eine hohe Sensitivität und Empathie entwickelt haben und ausleben können.

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo zusammen,

    ich habe mich ein bisschen rar gemacht, weil ich mit meinem neuen Job derzeit wirklich gut ausgelastet bin ...

    Dabei ist mir aber zum Thema "Angst vor Demenz" - welche mich ja auch immer wieder anschleicht - dieses eingefallen: solange ich noch in der Lage bin, Neues dazu zu lernen, bin ich wohl noch nicht betroffen ... ;) Und tatsächlich muss ich im Moment viel Neues lernen, das ist anstrengend, macht aber auch Freude. Ebenso die Erkenntnis, dass ich auch in meinem Alter noch Kompetenzen habe, die ich durchaus positiv in die Arbeitsabläufe einbringen kann.

    Bei meiner Mutter läuft es mal so, mal so ... zur Zeit kommt es sehr auf ihre Tagesform an. Neulich wollte sie unbedingt, dass ich ihren Koffer mitbringe ... da kam bei mir sofort der Gedanke, dass sie packen und gehen will/wird, wobei das natürlich sehr, sehr unwahrscheinlich ist, da sie das schon allein vom Kraftaufwand her gar nicht hinkriegt. Vielleicht will sie den Koffer einfach nur sehen und das Gefühl haben, dass sie "Optionen" hat ... :/

    Zur Zeit verbringen die Bewohner des Heims viel Zeit im Garten, fast jeden Nachmittag trifft sich eine Gruppe derjenigen, die körperlich etwas fitter sind, im Garten und sitzt in einer Runde. Das gefällt meiner Mutter und ich bin froh, dass sie etwas Anschluß gefunden hat, wobei sie sich natürlich dennoch bei mir über andere Bewohner beschwert (dement, doof, unruhig, etc. ...). Ich gehe nicht auf Diskussionen ein und reagiere wenig bis gar nicht auf Anschuldigungen ... sie hat keine Macht mehr über mich. Sie wird im Heim wirklich gut versorgt, versteht sich gut mit der Alltagsbetreuung (" ... eine gute Seele ... ") und ist gesundheitlich eigentlich gut dran, auch wenn sie das natürlich anders sieht.

    Euch allen ein schönes Wochenende!

    LG, SunnyBee

    Einmal editiert, zuletzt von SunnyBee ()

  • Hallöchen,


    ich wollte mich mal wieder melden und berichten, wie es zur Zeit so läuft: Am Wochenende habe ich (ausnahmsweise mal zusammen mit meinem Mann) meine Mutter im Pflegeheim besucht. Wie fast jedes Mal jetzt im Sommer und bei gutem Wetter sitzen wir im Garten des Pflegeheims und es gesellen sich im Laufe des Nachmittags andere Bewohner und auch Angehörige dazu, so dass dann ein mehr oder weniger großer Kreis entsteht, was eigentlich sehr nett ist. In der Zwischenzeit kennt man sich ein bisschen und ich plaudere auch mal mit anderen Angehörigen, bzw. Bewohnern.


    In den letzten Wochen habe ich folgende Beobachtung gemacht: Meine Mutter nimmt an Gesprächen nicht wirklich teil, sie wirft gelegentlich Bemerkungen (eher zusammenhanglos) in eine laufende Unterhaltung ein. Meistens beklagt sie sich über irgendwas, gerne auch über mich und meinen Bruder (auch wenn wir direkt daneben sitzen) und wartet dann auf eine Reaktion der anderen. Zum Beispiel spricht sie auch furchtbar gerne von "ihrem" Haus und dass sie wieder dorthin zurück will. Die anderen (Bewohner und/oder Angehörige) gehen darauf ein und erklären ihr, dass das Haus inzwischen verkauft wurde (jaaa, inzwischen haben es alle - außer meiner Mutter - mitgekriegt ...) und dann regt meine Mutter sich fürchterlich auf und macht giftige Bemerkungen über mich und meinen Bruder (wir sitzen immer noch daneben ...) und mir ist das alles schrecklich peinlich und ich würde mich am liebsten aus der Situation rausnehmen und flüchten ...


    Zum Glück war mein Mann dabei, da hat sie sich etwas zusammengenommen (bei ihm traut sie sich nicht alles), aber sie kann noch schlimmer ...

    Ich habe so ein bisschen den Verdacht, dass z.B. nicht alle Angehörigen anderer Bewohner eine Demenzerkrankung so richtig einordnen können - etliche Bewohner des Pflegeheims sind halt einfach nur pflegebedürftig aufgrund körperlicher Einschränkungen, aber sie sind eben nicht dement ...


    Meine Überlegung ist: 1) Ich kann nun wirklich nicht jeden, der mit meiner Mutter Kontakt hat, dahingehend coachen, wie mit ihr am besten umzugehen ist. 2) Ich mag keine Auseinandersetzung in dieser Runde, ich will nicht unsere eh schon komplizierte und fragile Familienbeziehung vor allen anderen ausbreiten. 3) Ich kann ihr manipulatives Verhalten nicht ausstehen, das kenne ich von früher und genau wie früher tut es mir nicht gut.


    Bisher ist meine Strategie, dass ich meine Mutter einfach reden lasse und sowohl sie als auch die - sicherlich gutgemeinten - Versuche der anderen Anwesenden auf sie einzureden, einfach ignoriere. Aber dabei hören die anderen halt nur die Seite meiner Mutter und wissen nicht, dass das meiste davon einfach nicht stimmt ...


    Bin grad etwas irritiert ...


    LG, SunnyBee

  • Ich kann dich gut verstehen!

    Du weißt das es nicht stimmt was Sie sagt! Versuch bei dir zu bleiben! Was die anderen denken können wir nicht wirklich beeinflussen. Es ist doch wertvoll das du immer wieder hingehst, Dich dem aussetzt. Du weißt das du gutes tust, das ist das was zählt! Sei stolz auf dich und gönn dir auch mal eine Pause!

  • Ach Sunny, ich kann Dich sooo gut verstehen und sage nur „Gänsefüßchen“ zu Deinem Text, der auch meiner ist.

    Du ich hab mich ja total rausgenommen: die Pflegerinnen gehen mit meiner Mutter zum Arzt etc. . Menschenaufläufe mit meiner Mutter meide ich nicht nur sondern schließe sie aus: sie gerät da auch richtig in Fahrt und stellt mich als Boshaftigkeit und Kälte in Persona dar: ich bin genau wie Du oft zu kraftlos um alle immer einzuweihen und ja, viele Außenstehende gehen zu „normal“ an das Verhalten meiner Mutter heran und gießen dadurch noch Öl ins Feuer mit Diskussionen etc..


    In dieses Muster des „normal herangehen“ falle ich selbst noch oft genug zurück wo ich denke ich könnte sie doch in einen Rollstuhl packen und zum Kanal spazieren: Nö is nich drin: dann kommen wir an den anderen „Krüppeln“ (so nennt sie andere Bewohner) vorbei etc.

    Und ob ich nun 10 Min oder 3 Stunden da wäre: ich bin und bleibe die Schlechtigkeit in Person, auch wenn sie dann wieder fragt wann ich endlich komme.


    Was ich sagen will: Du machst alles supergut, vermeide Gruppen, spreche mit der Pflegeleitung, warum Du Dich so rausnimmst.


    Und wir machen weiter.


    Alles Gute Alfi❤️

  • Liebe alle -


    bei SunnyBee und @Alfskjoni finde ich mich bzw. meine Mutter in den Erzählungen immer irgendwo wieder. schwarzerkater: meine Mutter spricht momentan auch nur noch sehr wenig. Ich habe sie am Wochenende besucht und sie hat vielleicht zwei Sätze gesprochen. Wenn sie spricht, fragt sie, ob ich ihre Mutter schon gesehen hätte.

    Insgesamt scheint es sehr schnell mit ihr bergab zu gehen. Sie kann nicht mehr alleine gehen, sie isst und trinkt kaum noch. Die Pflegerinnen sind super - sie bieten ihr immer wieder Essen und Getränke an. Meine Mutter nickt dann und beißt vielleicht einmal ins Stück Kuchen und das war's dann. Den Rest schiebt sie teilweise aggressiv weg. Entsprechend hat sie wieder abgenommen.

    Mit einer der Pflegerinnen habe ich mich länger unterhalten - der Arzt vom Heim hat eine palliative Versorgung empfohlen, auch, damit sie nicht weiter dem Stress ausgesetzt ist, bei nicht lebensbedrohlichen Situationen ins Krankenhaus zu kommen. Ich habe vorhin mit dem Arzt telefoniert und bekommen die Einwilligungserklärung zugeschickt.

    Momentan bekomme ich bei jedem Anruf des Heims einen Knoten im Magen. :-(

    • Offizieller Beitrag

    In den letzten Wochen habe ich folgende Beobachtung gemacht: Meine Mutter nimmt an Gesprächen nicht wirklich teil, sie wirft gelegentlich Bemerkungen (eher zusammenhanglos) in eine laufende Unterhaltung ein. Meistens beklagt sie sich über irgendwas, gerne auch über mich und meinen Bruder (auch wenn wir direkt daneben sitzen) und wartet dann auf eine Reaktion der anderen. Zum Beispiel spricht sie auch furchtbar gerne von "ihrem" Haus und dass sie wieder dorthin zurück will. Die anderen (Bewohner und/oder Angehörige) gehen darauf ein und erklären ihr, dass das Haus inzwischen verkauft wurde (jaaa, inzwischen haben es alle - außer meiner Mutter - mitgekriegt ...) und dann regt meine Mutter sich fürchterlich auf und macht giftige Bemerkungen über mich und meinen Bruder (wir sitzen immer noch daneben ...) und mir ist das alles schrecklich peinlich und ich würde mich am liebsten aus der Situation rausnehmen und flüchten ...

    Liebe SunnyBee,


    es ist sehr gut nachvollziehbar, dass die Reaktion Ihrer Mutter sie aufgewühlt hat und Ihre Gefühle und auch Ihren Fluchtmodus kann man absolut nachvollziehen.

    Ich finde "schwarzerkater" hat hier einen schönen Ansatz gefunden, um in und mit diesen Situationen besser umzugehen.

    Dass die demente Person unpassende Bemerkungen macht, ist absolut typisch. Das war bei meiner Mutter auch so. Ich habe das auch nie korrigiert, sondern es irgendwie ins Gespräch integriert.

    Auch habe ich nie (und würde es auch nie tun) von mir aus sensible negativ belastete Themen angesprochen. Den Hausverkauf würde ich also von mir aus nicht ansprechen, sondern eher etwas vage bleiben. Dazu gehört Fingerspitzengefühl und es ist auch eine große Herausforderung, nicht gerade dadurch den Frust der dementen Person hervorzurufen. Trotzdem stand für mich eher im Vordergrund, meine Mutter - wie auch immer - nicht in die negative Spirale rutschen zu lassen. Ich würde also die anderen nichtdementen Personen bitten, nicht immer wieder das Thema "Hausverkauf" mit gut gemeinten Reaktionen zu befeuern. Davon hat niemand etwas, denn auf irgendeine Einsicht ist bei einer dementen Person wirklich nicht zu hoffen.

    Vor allem, wenn sich gegenwärtige Situationen bzw. Geschehnisse mit alten Erinnerungen an schöne oder auch schwierige Zeiten vermischen. Wenn echte Erlebnisse mit Phantasiegeschichten ausgeschmückt werden, was ist dann noch wahr? Und was ist real?

    Nachfragen, korrigieren oder intensive Gespräche mit viel Text überfordern Menschen mit einer Demenz, machen sie regelrecht unsicher oder verwirren sie noch mehr. Einige kommen sich in solchen Situationen auch "dumm" oder "vorgeführt" vor. Die Reaktion darauf lässt i.d.R. nicht lange warten und äußert sich dann in Form von verbaler oder im schlimmsten Fall in nonverbaler Aggressivität. Leider richtet sich diese dann häufig gegen die Menschen, die man liebt und von denen man geliebt wird, denen man vertraut und deren Liebe man sicher ist.

    Es ist wirklich schwierig mit einem demenziell veränderten Familienmitglied umzugehen, da sich die Rollen vertauschen und das Verhalten verändert.

    Es kommt zu Enttäuschungen, Missverständnissen und auch Wut. Aber sehen Sie bitte auch immer die schönen Seiten, nehmen Sie die Aussagen Ihrer Mutter nicht allzu ernst und auch gerne mal mit Humor. Sie kann ja nichts dafür, dass sie erkrankt ist.

    Abschließend möchte MicAl zitieren und Ihnen ganz viel Kraft senden und wünschen.

    Ich kann dich gut verstehen!

    Du weißt das es nicht stimmt was Sie sagt! Versuch bei dir zu bleiben! Was die anderen denken können wir nicht wirklich beeinflussen. Es ist doch wertvoll das du immer wieder hingehst, Dich dem aussetzt. Du weißt das du gutes tust, das ist das was zählt! Sei stolz auf dich und gönn dir auch mal eine Pause!

  • Hallo TanjaS ,

    Ich verstehe gut, dass du dich vor einem Anruf des Heimes fürchtest. Wenn es ernst wird - und das klingt nach deiner Beschreibung so - ist man doch wieder einfach nur Tochter und emotional. Es freut mich, dass der Arzt bereits palliative Versorgung angeraten und initiiert hat und wünsche euch gutes Durchkommen durch die vllt letzte Lebensphase.

    Herzliche Grüße

    Rose 60

  • Ich war gestern bei meiner Mutter, diesmal tatsächlich erst nach zwei Wochen. Wie mir einige hier schon geschrieben haben, hatte sie es offensichtlich gar nicht wirklich auf dem Schirm. Es war wie immer eine Herausforderung für mich und ich muss immer sehr flexibel reagieren. Einerseits desorientiert, fand die Wege nicht allein, angeblich war sie in den vier Jahren noch nie im Garten des Heimes, obwohl sie fast täglich hingeht.. dann kommen aber auch ganz überraschend richtig vernünftige Fragen, z.B. "hast du dich als Kind genug beachtet gefühlt, ich musste mich doch soviel um xy kümmern"(meinen behind. Bruder) und dann wieder, wie es ihrer Mama und ihren Brüdern geht, angeblich sie im Hof die großen Blumentöpfe aus eigener Tasche bepflanzt... Also zwischendurch bin ich fast sprachlos und sie fragt mich in letzter Zeit ganz liebevoll, wie es mir selbst denn eigentlich geht und ich müsse mich doch um so viele Menschen kümmern - wow...

    Dann macht es mich richtig traurig, dass ich ihr nicht mehr geben kann, weil ich gerade so anhaltend erschöpft bin.

    Liebe Grüße an alle

    • Offizieller Beitrag

    Liebe Rose60,


    viele Angehörigen von Menschen mit Demenz berichten über Belastungen bzw. Trauer angesichts der Situation, in der sie sich befinden. Einerseits möchten Sie empathisch mit Ihrer Mutter umgehen und sie verstehen, auf der anderen Seite haben auch Sie Ihre eigene Welt mit den verschiedenen alltäglichen Herausforderungen. Viele Angehörige bezeichnen dieses Gefühl als ein Gefühl des "Hin-und Her-Gerissen-Seins". Mit diesem Dilemma zurechtzukommen ist eine schwierige Aufgabe. Dennoch sollten Sie auch auf sich selbst achten. Es ist wichtig, dass Sie Ihre eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick verlieren und für sich selbst freie Zeit planen. Dabei kann Ihnen ein tabellarisches Tagebuch helfen, in dem Sie sich notieren, ob und welche Bedürfnisse Sie für sich an diesem Tag befriedigt haben und was Ihnen helfen kann, sich ganz bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen. Vielleicht hilft Ihnen dabei die Erkenntnis, dass Sie es nicht nur für sich selbst tun, sondern auch für Ihre Mutter. Denn: keine gute Sorge für andere, ohne gute Selbstfürsorge.


    Ich wünsche Ihnen alles Gute und grüße Sie herzlich,


    Yvonne Kotschik

  • Liebe MicAL, Alfskjoni, schwarzerkater, TanjaS, Rose60,


    vielen Dank für Eure lieben Worte - bei Euch fühle ich mich immer gut verstanden und aufgehoben. Ich stelle immer wieder fest, dass es keinen Sinn macht, diese Themen mit Leuten zu besprechen, die keine dementen Angehörigen haben, weil sie es einfach nicht verstehen. Man muss es tatsächlich erlebt haben ...


    juliasiebers

    Liebe Frau Siebers,

    danke für ihren Beitrag.

    Leider richtet sich diese dann häufig gegen die Menschen, die man liebt und von denen man geliebt wird, denen man vertraut und deren Liebe man sicher ist.

    Sie kennen meine Familiengeschichte nicht - Liebe ist ein Gefühl, das sich meiner Mutter gegenüber nicht mehr so recht einstellen will. Meine Mutter war schon immer ein egozentrischer Mensch, diese Eigenschaft ist in der Demenz leider sehr dominant geworden. Geblieben ist bei ihr die Annahme, dass sie mich (immer noch) herumkommandieren kann und ich springe, wenn sie es will ... Wie dem auch sei, unsere Beziehung ist kompliziert, aber ich schütze mich (und meine Familie) indem ich auf meine Grenzen achte.


    Aber sehen Sie bitte auch immer die schönen Seiten, nehmen Sie die Aussagen Ihrer Mutter nicht allzu ernst und auch gerne mal mit Humor. Sie kann ja nichts dafür, dass sie erkrankt ist.

    Ich nehme die Aussagen meiner Mutter tatsächlich nicht allzu ernst und manchmal kann man durchaus Humor finden, in den Sätzen, die sie so raushaut ... Die schönen Seiten zu sehen, daran muss ich wohl noch arbeiten, siehe oben. Ich kümmere mich um meine Mutter, weil ich es als moralische Aufgabe akzeptiert habe, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Nachfragen, korrigieren oder intensive Gespräche mit viel Text überfordern Menschen mit einer Demenz, machen sie regelrecht unsicher oder verwirren sie noch mehr.

    Genau da liegt das Problem: ICH kann mit der Demenz meiner Mutter ganz gut umgehen, weiß, wie ich welche Themen vorsichtig zu umschiffen habe und wie ich sie wieder beruhigen kann, wenn sie sich aufregt. Andere Menschen, die nicht regelmäßig Kontakt mit ihr haben oder die keine Erfahrung mit Demenzkranken haben, können das nicht so gut.

    Ich hoffe, dass sich demnächst eine Gelegenheit ergibt, die Angehörigen und Bewohner, die meistens mit meiner Mutter im Garten sitzen, für dieses heikle Thema zu sensibilisieren ... meine Erwartungen sind allerdings zugegebenermaßen nicht sehr hoch.


    Euch allen eine gute Zeit, bis bald!

    SunnyBee

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!