Und täglich grüßt das Murmeltier ...

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  • Hallo Mauerflower,

    Ich glaube, als Angehöriger ist es besonders schwer die Demenz zu sehen, weil ja der gleiche Mensch (äußerlich) diese Sprüche von sich gibt .. und wenn es bei deiner Mutter eine besondere Demenzform ist, ist es ohne entsprechende Kenntnisse natürlich noch schwieriger.

    Meine Mutter hat die Demenzdiagnose auch erst später offiziell bekommen, aber das Gefühl war bei meiner Schwester und mir schon länger dazu da, meine Schwester hatte viel mehr daran zu knacken, was die Leute im Ort nun denken .

    Es ist eine schwierige Phase, wir hier wissen das immerhin

  • Liebe Mauerflower -


    die Sprüche kenne ich auch gut - die könnten von meiner Mutter stammen. Deswegen war ich nicht einmal dabei, als die die Vorsorgevollmacht unterschrieben hat. Der Pfarrer ihrer Kirche und 2 sehr gute Bekannte aus ihrer Kirche haben mit ihr darüber gesprochen und sie hat dann unterschrieben.

    Ich konnte ihre Beschimpfungen und Gemeinheiten auch zunächst nicht einordnen, das war eine sehr harte Zeit. Mittlerweile ist die Demenz soweit vorangeschritten, dass sie kaum noch spricht.

    Alles, alles Gute!

  • Hallo Herr Hamborg,


    in der Tat hat er sich erholt, wenngleich wieder die altbekannten teils krassen täglichen Schwankungen zu beobachten sind.


    Was die von ihnen erwähnte Risikoabschätzung angeht, bin ich höchst unsicher. Es kommt immer wieder vor, dass er mir oder auch dem Pflegedienst gegenüber den Wunsch äußert, doch endlich "geholt zu werden". Eine konkrete Absicht dies selbst hervorzurufen, aber bisher nicht. Letztlich habe ich spitze, scharfe,... Gegenstände aber auch wegen der immer wieder geäußerten Drohung "Wenn ..., dann zerstech ich euch die Reifen/zerkratze euch das Auto" entfernt. Da ich ihn generell als eine Art "Die-Gelegenheit-war-günstig-Typ" einschätze (v.a. was weniger schwerwiegende Dinge angeht), bleibe ich wohl eher dabei.


    Sicherlich hat auch dies dazu geführt, dass er bspw. mit einem Tortenheber Schrauben lösen will und nun noch mehr jede Gelegenheit nutzt, um Scheren, Gartenwerkzeuge und Co. an sich zu nehmen und zumindest versucht zu nutzen (ob sinnvoll oder nicht).


    Die Medikamenteneinnahme ist durchwachsen. So ist er dem PD gegenüber oft recht freundlich, aber oft finden wir Tabletten (mal ganz, mal teilweise) im Müll, neben der Toilette usw. Dies liegt nicht an mangelndem Einsatz, denn er ist durchaus in der Lage die Tabletten unterm Gebiss zu behalten und ist auch nicht verlegen die Tabletten blitzschnell auszuspucken, wenn sich ein Blick auch nur kurz von ihm abwendet. Die Kamera beweist dies eindeutig, aber selbst mit diesem Beweis leugnet er vehement dies zu tun.


    Das Bedarfs-Psychopharmakon habe ich bisher selten genutzt. Wenn er es aber, wie am letzten Samstag, wirklich einnimmt, entfaltet es eine gute Wirkung. An besagtem Tag war er kaum zu bändigen und schlief schließlich fast durch.


    LG

    • Offizieller Beitrag

    Hallo enh2292, gut, dass Sie so aufmerksam und wachsam sind und dann entsprechend reagieren können.


    Es hat sich ja gezeigt, dass Ihr Großvater die Psychopharmaka braucht, um den Wahndruck zu mindern und er Sie dann auch so sehen kann, was Sie wirklich für ihn sind.


    Werden diese Medikamente geschickt ausgespuckt, ist das leider ein Problem, weil auch das Risiko der Nebenwirkungen bei den plötzlichen Absetz-versuchen steigen kann. Können Sie das mit dem Arzt besprechen, eigentlich braucht Ihr Großvater die Medikamente in Tropfenform und davon möglicherweise weniger, je nachdem wie viel er ausspucken konnte. Grundsätzlich ist zwar der Ambulante Dienst verpflichtet so lange dabei zu bleiben, bis alles geschluckt wurde, aber Ihr Großvater hat offensichtlich hohe schauspielerische Fähigkeiten, sodass es tatsächlich eher um eine Änderung der Form der Medikamente gehen sollte.

    Viel Klarheit, Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo schwarzerkater, bei Lesen Ihrer Antwort kam mir die Frage: Haben Sie den Eindruck, Ihrer Mutter ist es gleichgültig oder ist sie gleichmütig? Auch wenn Ihre Mutter den Besuch gleich wieder vergisst, wissen wir nicht, wie wichtig er tief im Inneren ist. Wichtig ist mir nur, dass Sie in dieser Zeit genau so viel auftanken können, wie Ihre Mutter!

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo zusammen,


    ich erinnere mich, dass jemand (tja, ich erinnere mich leider nicht wer ... ) in einem Thread davon geschrieben hatte, wann denn nun für eine demenzerkrankte Person der "richtige" Zeitpunkt sei, in ein Pflegeheim zu ziehen.


    Ich habe vor ein paar Tage mein übliches abendliches Telefonat mit meiner Mutter geführt und sie hat mir ganz aufgeregt erzählt, was für einen schönen Tag sie hatte. Sie saß nachmittags im Garten des Pflegeheims, wie sie es bei gutem Wetter eigentlich immer macht und wurde von den Bewohnern der "Erdgeschoss-Station" eingeladen, sich zu ihnen zu gesellen. Es wurden Liederhefte verteilt und die Damen sangen dann ca. 1 Stunde lang Volkslieder, von denen meine Mutter viele noch kannte. Sie war ganz glücklich, dass sie wieder einmal "Anschluß" gefunden hatte und dass sie noch in der Lage ist, Kontakte zu knüpfen. Sie kann sich zwar keine Namen merken, weiß aber genau, wo welche Aktivität stattfindet.


    Als meine Mutter vor über zweieinhalb Jahren ins Pflegeheim zog, hatte ich gehofft, dass es der "richtige" Zeitpunkt ist ... viele hatten mir gegenüber ihre Zweifel ausgedrückt, im Sinne von "so dement ist sie doch noch nicht ... ", "sie ist doch noch fit ... ", "für's Pflegeheim ist es noch zu früh ... ", etc. Abgesehen davon, dass ich die Pflege, bzw. Betreuung bei mir oder woanders gar nicht hätte leisten können, war meine Hoffnung, dass sie noch "fit" genug ist, um im Pflegeheim "anzukommen" und in den Rhythmus, die Aktivitäten und eine Beziehung zum Personal und den anderen Bewohnern hinein zu finden.


    Meine Mutter weiß jetzt: Zum Kartenspielen gehe ich in den 2. Stock, zum Singen in's Erdgeschoß und im Garten treffe ich auch immer jemanden. Sie weiß, wann die Gottesdienste stattfinden und dass der Pfarrer seinen kleinen Hund mitbringt.


    Es ist ja immer ein Auf und Ab, aber ein positives Feedback tut auch mal gut.


    In diesem Sinne allen ein schönes Wochenende,

    SunnyBee

  • Hallo zusammen,


    ich wollte mich auch mal wieder melden und berichten, wie es bei uns so geht.


    Ich hatte ja schon angedeutet, dass es manchmal ein Problem ist, dass andere Bewohner oder Besucher die Demenz meiner Mutter nicht richtig einschätzen können und deshalb auch gelegentlich Konfliktsituationen entstehen. Mir ist bewußt, dass es vermutlich unmöglich ist, dies zu vermeiden ...


    Neulich wieder ein Beispiel davon: ein Bewohner, der im selben Stockwerk wie meine Mutter wohnt - ehemaliger Priester, wohl immer noch in der Seelsorger-Rolle verhaftet - saß im Garten, ein Stück entfernt von meiner Mutter und mir. Er winkt mich zu sich und meint: "Machen Sie ihrer Mutter doch mal klar, dass ihr Haus verkauft wurde."


    Im ersten Moment war ich sprachlos ... dann meinte ich: "Herr (...), Sie wissen doch, dass meine Mutter dement ist, was nützt es, wenn ich ihr das erzähle und sie vergißt es innerhalb eines halben Tages wieder? Sie regt sich jedes Mal wieder von Neuem auf und das möchten wir ihr ersparen."


    Etwas später, als ich darüber nachdachte, merkte ich, dass ich diese Bemerkung eigentlich ganz schön übergriffig fand.


    Aber auch daran lässt sich vermutlich wenig ändern, es leben nun mal sehr unterschiedliche Menschen zusammen. Aber es hat mir (wieder) bewußt gemacht, dass meine Mutter schutzbedürftig ist, vor einer Realität, die sie aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr begreifen kann.


    Ansonsten läuft es im Moment ziemlich ruhig, falls meine Mutter giftig wird, weiß ich mich zu distanzieren.


    Liebe Grüße an alle und ein schönes Wochenende,

    SunnyBee

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SunnyBee, unpassende und übergriffige Bemerkungen lassen sich im Heim kaum verhindern. Oft übe ich mit Mitarbeitenden, wann Sie eingreifen müssen, wenn jemand bloßgestellt wird, wie sie schützen können oder wann sie nur trösten können.


    Die Bemerkung des Mitbewohners war eine Einladung zum Gespräch, er fühlt vielleicht mit und er macht sich Gedanken - Sie informieren ihn und leisten damit einen kleinen Beitrag zum besseren Umgang untereinander.


    Die andere Frage nach dem "richtigen" Zeitpunkt für das Heim haben Sie m.E. eigentlich schon beantwortet: Ihre Mutter hat sich gut eingelebt, sie kann Ihren Alltag und die Kontakte bestimmen und gestalten und ist in ihrer Demenz mehr oder weniger getragen und gestaltet damit aktiv ihren letzten Lebensabschnitt. Sie wird als Person wahrgenommen und die Beziehung zu den Pflegenden wird vielschichtiger und damit für die letzte Phase "besser".

    Das alles spricht dafür, dass es genau richtig war.


    Für andere ist richtig, so lange wie irgend möglich zu warten und erst zu handeln, wenn gar nichts mehr geht. Das ist m.E. der schwerere Weg für einen Neuanfang, aber es kann dem gegenseitigen Einvernehmen entsprechen.

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo alle,


    ich möchte mich auch mal wieder melden und meinen Thread entstauben ...

    Es gibt eigentlich nicht viel Neues zu berichten, was ja nur bedeuten kann, dass wir inzwischen tatsächlich in einer gewissen "Routine" angekommen sind. Und das finde ich gut, denn es nimmt für mich so viel Stress raus ...

    Meiner Mutter geht es soweit gut, körperlich ist sie relativ fit und braucht erfreulich wenig Medikamente. Die zeitliche Orientierung lässt deutlich nach, ebenso das Kurzzeitgedächtnis. Sie ist insgesamt ruhiger als am Anfang (Jahresbeginn 2021) und ich denke, es hat sich eine gewisse Zufriedenheit - oder zumindest Akzeptanz - eingestellt. Wie Ihr Euch denken könnt, macht das den Umgang mit ihr wesentlich angenehmer.

    Gelegentlich beschwert sie sich bei meinem Bruder über mich und bei mir über meinen Bruder ... aber das kennen wir und zum Glück haben mein Bruder und ich ein gutes Verhältnis und können damit umgehen.

    Das einzige, was bei mir ab und an Stress auslöst ist das Thema "Alkohol" ... eine Tischnachbarin bekommt abends auch Wein und zwar mehr als ein Glas, wenn sie es möchte ... das macht meine Mutter eifersüchtig und sie möchte dann auch mehr, obwohl die Absprache ist, dass sie abends ein Glas (vorzugsweise als Schorle) bekommt. Wenn sie nicht mehr bekommt, kann es vorkommen, dass sie übellaunig wird und das Personal beschimpft, das ist mir dann furchtbar peinlich, weil alle so nett zu ihr sind und sich große Mühe geben.

    Ich spüre, wie mich das Thema "Alkohol" immer wieder triggert ... durch die Alkoholsucht meines Stiefvaters (durch ihn begann meine damals schon demente Mutter mehr zu trinken ...) habe ich mit den beiden Dinge erlebt, über die ich heute noch nicht sprechen kann, es ist zu belastend. Jedenfalls kann ich damit immer noch nicht sachlich umgehen, ich reagiere immer wieder emotional ...

    Tja, ich dachte, ich lasse das heute mal hier (wenn nicht hier, wo dann?), vielleicht geht's mir dann besser.

    Euch allen einen schönen Tag und viel Kraft im Umgang mit den Angehörigen.

    LG, SunnyBee

  • Hallo SunnyBee ,

    Das hört sich doch alles super an!

    Und wenn Du Deine Mutter überraschst und sie einfach noch ein Glas mehr trinken kann?


    Alkohol ist nicht mein Ding, Aber wenn ich dement wäre und meine Tischnachbarin 2 Dickmanns und ich nur einen bekommen würde, wäre ich auch extremst übellaunig und neidisch, wirklich!


    Alles Gute Alfi 🍫

  • Das mit den Triggern und Alkohol kenne ich übrigens: alle männlichen Mitglieder meiner Familie waren ihm verfallen und sind auch zum Teil mit ihm umgekommen

  • Liebe Sunny Bee,

    Insofern sprich doch einfach mit dem Heim, wie die es sehen. Ich denke, es wird da auch lockerer gesehen (wenn die Nachbarin zwei Gläser Wein bekommt). Dann empfehle ich, es so zu machen, wie Alfi es vorschlägt.

    Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere dementen Eltern eine schwere nicht heilbare Krankheit haben. Sie werden nie mehr ganz gesund, selbst wenn sie sich erstklassig gesund ernähren würden. Dann kann man ihnen diese Freuden doch auch lassen, was nicht bedeutet, dass sie es damit übertreiben.

    Ich sehe es wie meine Vorschreiberinnen. Zumal ja die Kontrolle schon dadurch gegeben ist, dass Deine Mutter sich den Alkohol nicht selbst unbegrenzt nehmen kann, sondern ihn so oder so zugeteilt bekommt.

    Daher stimme ich besonders schwarzerkater zu, die empfiehlt, dass Du mit dem Heim sprichst, die können Dich da sicher gut beraten.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SunnyBe, schön zu lesen, dass sich Ihre Mutter immer besser einlebt und nun um ihr Bedürfnis (nicht zu kurz zu kommen?) kämpft. Wenn es keine medizinischen Gründe gegen ein zweites Glas gibt, ist es besser den Konflikt zu vermeiden. Im Unterschied zu früher gibt es im Heim den kontrollierten Umgang, klare Grenzen und das Glas Wein oder der Eierlikör hat eine entspannende Wirkung.

    Für Ihre Mutter ist ein mögliches Risiko also sehr begrenzt.


    Auf der anderen Seite liegen Ihre Bilder, Erfahrungen und Verletzungen als Tochter, die sich durch dieses Thema wieder verstärken.


    Vielleicht gelingt es Ihnen, die Entscheidung für ein zweites Glas oder den Konflikt ganz in die Hände der Pflegenden zu legen und Ihre eigenen Gedanken zu stoppen. Sie haben dafür sicher gute Strategien entwickelt.

    Ihr Martin Hamborg

  • Hallo Alfskjoni , schwarzerkater , ecia25 , martinhamborg


    danke für Eure Rückmeldungen.

    Ich habe das Thema auch mit meinem Bruder besprochen und er redet bei seinem Besuch mal mit den betreuenden Pflegekräften, wie das alles einzuordnen ist ...

    Ich hatte das Thema "Alkohol" ja auch schon mit der Hausärztin meiner Mutter besprochen und sie hatte mir damals die Menge (1 Glas Wein) empfohlen und das war auch mein Bauchgefühl. Meine Mutter kann nicht selbst entscheiden, wann es genug ist, wenn ich ihr die Flasche hinstellen würde, würde sie trinken, bis sie vom Stuhl fällt (hatten wir alles schon ...). Sogar bei "nur" 2 Gläsern Wein bin ich nicht sicher, ob sie es verträgt und nicht vielleicht stürzt (hatten wir auch schon ...). Also ist das 2. Glas schon irgendwie kritisch ...

    Ich bin durchaus dafür, meiner Mutter eine Freude zu machen - ich bringe ihr oft Blumen, Schokolade, Brezeln oder etwas Neues zum Anziehen mit - aber beim Alkohol ziehe ich echt eine Grenze.

    Nach dem Gespräch mit meinem Bruder habe ich gemerkt, dass auch er von den Erfahrungen traumatisiert ist. Unser Aufwachsen war einsam und ohne wirkliche Nähe und ich bin dankbar, dass heute wenigstens wir beide Nähe zueinander empfinden und die Erfahrung mit der pflegebedürftigen Mutter gemeinsam schultern können.

    Euch alles Gute!

    LG, SunnyBee

  • Hallo zusammen,


    heute war ich bei meiner Mutter im Pflegeheim und der Besuch war nicht schön ... Zur Zeit beschäftigt sie das Thema "Haus" wieder sehr und sie fragt ständig danach, je nach Situation sagen wir (mein Bruder und ich) ihr dann auch mal die Wahrheit, nämlich dass das Haus verkauft wurde. Das ist jedesmal vollkommen neu für sie und sie regt sich auf ... aber ehrlich gesagt, weiß ich einfach nicht mehr, wie ich reagieren soll, sie lässt einfach nicht locker ...

    Und das leidige Thema "Duschen" ... kurz gesagt: sie will einfach nicht und das Pflegepersonal kann sie nicht zwingen. Ausserdem schläft sie teilweise in ihren Klamotten und wechselt sie wochenlang nicht. Es gibt zuwenig Personal mit zuwenig Zeit, um da groß auf sie einzugehen und sie vielleicht mit gutem Zureden zu motivieren, das kann ich irgendwie schon verstehen. Und wenn ich nicht jedes Wochenende aufräumen würde, würde sie ihr ganzes Zimmer vermüllen ... heute habe ich wieder gebunkerte, verschimmelte Lebensmittel "entsorgt", die sie teilweise versteckt hatte, gottseidank weiß ich in etwa, wo ich suchen muss ... aber es ist jedesmal ein Kampf "Das BRAUCHE ich noch!"

    Also, ich bin heute einfach nur müde von dem Besuch ... sie hat in drei Jahren noch nicht einmal gesagt, dass es schön ist, dass sie in unserer Nähe wohnt und dass mein Bruder und ich sie jedes(!) Wochenende besuchen. Ich habe wirkliche keine großen Erwartungen an sie, aber momentan fühlt es sich einfach nur sehr nach "Pflicht" an ....

    Nachdenklich und müde - liebe Grüße, SunnyBee

    Einmal editiert, zuletzt von SunnyBee ()

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SunnyBee, gibt es eine Möglichkeit, die "Wahrheit" um den Verkauf des Hauses zu vermeiden? Manchmal kann es ausreichen, wenn Sie sagen, "ich bin neulich vorbeigefahren, es sah sehr schön aus ... weißt Du noch als wir das neue Wohnzimmer bekommen haben ... usw."

    Die Erlebniswelt Ihrer Mutter geht zunehmend in die Vergangenheit und da haben die Diskussionen um die Gegenwart (eigentlich) keinen Platz mehr.


    Schwieriger ist das Ablehnen der Hilfe zu ertragen. Das Schlafen in lange nicht gewechselter Kleidung ist ein ethisches Dilemma, selbst wenn zunehmend mit gesundheitlichen Risiken zu rechnen ist, ist der Einsatz von unmittelbarem Zwang nur mit richterlicher Genehmigung möglich. Bis dahin ist es ein langer Weg all das auszuhalten und im richtigen Moment nur Schadensbegrenzung leisten zu können. Es ist wirklich eine sehr "lästige" oder lastvolle Pflicht zu der es wenig Alternativen gibt.


    Manchmal hilft Verständnis, oft haben die Menschen als Kinder Angst gehabt und mussten schnell in den Bombenkeller fliehen, aber diese Generation wird nun auch schon über 90zig. Bekommt Ihrer Mutter Antidepressiva oder gibt es Hinweise auf psychotisches (wahnhaftes oder verzerrtes) Erleben?

    Wenn wir über das "Recht auf Verwahrlosung" diskutieren, ist es aus meiner Sicht erforderlich, den Einfluss von psychischen Erkrankungen (in und zusätzlich) zur Demenz zu beachten.

    Ihnen viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Hallo martinhamborg

    Danke für Ihren Input - Sie haben recht: das Ablehnen der Hilfe, des "Gutgemeinten" ist schwer zu ertragen. Jemand hat in einem früheren Thread mal davon berichtet, dass es oft diese bestimmten Broschüren für Pflegeheime gibt, auf denen die (dementen) Senioren lächelnd, proper gepflegt und adrett abgebildet sind, daran muss ich im Moment oft denken, denn die Wirklichkeit - zumindest für mich - sieht anders aus.

    Meine Mutter hatte schon immer ein wirres "System" (wenn man es denn so nennen kann ...) was den Umgang mit Kleidung angeht ... getragene Kleidung hat sie immer auf Stühlen abgelegt, vermutlich in der Absicht das Kleidungsstück nochmal zu tragen. Sie hat nur nie irgendwas in die Wäsche getan, geschweige denn Kleidung gewaschen ... und so wurden die Kleiderberge auf den Stühlen immer höher, und, und ... jedenfalls habe ich mit relativ jungen Jahren zuhause die Wäschepflege übernommen, sonst hätten mein Bruder und ich keine saubere Kleidung gehabt.

    Ich weiß auch nicht so recht, woran es liegt, dass sie ihre Kleidung nicht wechselt, sie hat definitiv genug im Schrank. Vielleicht braucht sie Hilfe beim An- und Ausziehen und will es nicht zugeben?

    Ich bin leider sehr geruchsempfindlich und ich kann sie "riechen" (andere noch nicht ...), das empfinde ich als belastend.

    Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, bald mit der Pflegeleitung zu sprechen, ob man meine Mutter vielleicht mal alle paar Wochen zum Duschen motivieren könnte - von meiner Seite aus muss es sich nicht jede Woche sein, aber wenn es dokumentiert wäre, würde ich mich besser fühlen ...

    Was den Hausverkauf angeht ... es geht nicht darum die "Wahrheit" zu vermeiden, das machen wir größtenteils und wissen damit umzugehen. Aber meine Mutter hat Phasen, in denen sie das Thema intensiv beschäftigt und sie fragt dann auch ganz konkret nach, immer und immer wieder, und lässt einfach nicht los ... Ich habe es bereits gefühlt tausendmal erklärt und ich mag einfach nicht mehr die Vorwürfe und die Streiterei über mich ergehen lassen ...

    Freundliche Grüße, SunnyBee

    • Offizieller Beitrag

    Hallo SunnyBee, die Erfahrungen mit Ihrer Mutter zeigen, dass sich ein lange bestehende Problem mit der Demenz verstärkt. Der Vorteil ist, Sie haben damals Lösungswege erarbeitet, die vielleicht heute noch die Richtung weisen können. Wie reagiert Ihre Mutter, wenn Sie sagen, dass sie sehr unangenehm riecht?

    Ich habe viele Gespräche mit demenzkranken Menschen geführt, die naturgemäß ihren eigenen Geruch nicht wahrnehmen. - In meinem Zivildienst in Bethel habe ich den starken Uringeruch auf der Station auch "nur" noch einen Tag nach meinem freien langen Wochenende wahrgenommen und dann 9 Tage nicht mehr.

    Diese heiklen Themen beginne ich gern mit den Worten: "Darf ich Ihnen etwas unangenehmes sagen?" und "Ist es gut, wenn man Freunde hat, die sich trauen etwas Schwieriges anzusprechen?"


    Wenn Sie das Hausthema nicht vermeiden können, dann können Sie es vielleicht begrenzen: "Mutter das haben wir ausführlich ausdiskutiert, ... ich wünsche mir dass Du Vertrauen hast, was mein Bruder und ich in Deinem Sinne machen!"

    Haben Sie ähnliche Sätze schon ausprobiert?

    Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

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