Und täglich grüßt das Murmeltier ...

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  • Liebe Alfi -


    ich habe gerade Deine Zeilen gelesen und dachte zum wiederholten Male, dass unsere Mütter Schwestern im Geiste waren. Meine hat auch immer behauptet, ich sei als Kind schon "frech" und "ungezogen" gewesen (mein Dad war schuld). Eigentlich meinte sie damit eher, dass ich nicht ihrer Meinung war, sondern eine eigene hatte. Und die habe ich heute noch und bin stolz darauf. Ich weiß, es ist alles einfacher, wenn man es nicht mehr durchmachen muss, aber: Hoch erhobenen Hauptes gehen und dann fix ab zu McDonald's oder Eisdiele und sich selbst was Gutes tun. Ganz liebe Wünsche!!

  • Liebe TanjaS ,

    Also heute war es WIRKLICH und eher unerwartet unterirdisch.


    Kam nach 3 Tagen wieder: die Pflegerin erzählte mir schon, dass meine Mutter sehr unruhig sei und dass sie die Ärztin um Beruhigungsmittel gebeten hat.

    Sie klingele ständig und sei wirklich übellaunig.

    So wie vor 3 Jahren als sie ins Heim kam eigentlich.

    Dann kam mir noch die Betreuungsfrau (soziale Betreuung oder so) entgegen: auch mit dem Latein am Ende: sie schmettere jedes Wort ins Negative.

    Sie wolle versuchen, meine Mutter am Wochenende draußen im Rollstuhl spazierenzuführen und sagte mir auch ungefragt, dass sie so gut verstehen können, dass ich immer nur kurz bleibe.


    Nungut ich bin dann trotzdem guter Dinge und Zimmer gegangen:

    Oha meine Mutter saß auf einem Sessel mit einem extrem übellaunigen Gesichtsausdruck.


    Schon ihr zweiter Satz war gegen - neue Version und ultraverletzend - gegen meinen Mann. Er wäre das letzte und er wäre an allem Schuld: ich wäre vorher nicht so gewesen.

    Nun. Ich hab ihr laut gesagt, dass ich seit fast 25 Jahren glücklich verheiratet bin dass sie da gerade sehr boshaftes sagt und bin gegangen.

    Egal in welcher Situation sie sich befindet und ohne Hoffnung auf: ich gehe mal kurz um den Block und komme dann wieder.


    Betreuerin kam mir noch entgegen, hab es ihr kurz geschildert und wir haben uns lieb verabschiedet und Pflegerin auch informiert (sie hatte es schon befürchtet 🥹).


    Wie fühle ich mich?

    🐽bin sauer auf sie

    🐽trauere um meinen Vater, der immer als Puffer diente (und das irgendwie brauchte?🥹)

    🐽ohne Hoffnung


    Was mich wundert, und nicht nur mich:

    Dass sie sich ohne Medikamente so wacker hält


    Worst case:

    Situation x passiert und ich ging im Groll


    Kann ich das ändern?

    Nein Punkt


    Alles Gute Alfi

  • Liebe Alfi,

    So wie du deine Mutter beschreibst, wird meine sicherlich auch, wenn sie die Demenz erwischt. Aus schwierigen Persönlichkeiten werden unerträgliche. Und trotzdem bleibt (oder fühlt man sich) als Kind in der Verantwortung...


    Deine Beschreibung der Situation hat mich zu einem Gedanken geführt, der mich schon länger beschäftigt. Unter https://www.deutsche-alzheimer…/Umgang-und-Kommunikation findet man Tips zur Kommunikation. Zuerst fand ich das hilfreich. Mittlerweile habe ich fast immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal ungeduldig oder auch "menschlich" reagiere.


    Für mich ist es auch so etwas wie eigene "Seelenhygiene" und auch ausdrücklich, meinen Vater als eigenständig denkende und handelnde Person ernst zu nehmen. Ich zeige Grenzen auf und meist kann mein Vater das auch (noch) einsortieren.


    Also hast du aus meiner Sicht alles richtig gemacht. Hilfe anbieten, Besuche machen und wenn nicht erwünscht und gewertschätzt, muss man sich selbst schützen. Jeder hier weiß, wie schwer das ist. Aber sicherlich oft der richtigere Weg.


    Ich wünsche Dir viel Kraft für die weiteren Besuche...

    Liebe Grüße Sabine

  • Liebe Alfi,

    so wie du den letzten Besuch bei deiner Mutter beschreibst, kann ich deinen Frust und auch deine Enttäuschung sehr gut verstehen.

    Es ist eben nicht immer so einfach, alle Verhaltensweisen und Reaktionen unserer kranken Eltern einfach so weg zu stecken.

    Wir alle hier kennen die vielen guten Empfehlungen, wie man man mit den erkrankten Menschen umgehen soll und wie man sich in solchen Situationen verhalten soll.

    Aus meiner Sicht fühlt es sich trotzdem immer wieder wie ein Spagat an. Ich ertappe mich oft dabei, wenn ich innerlich wütend auf meine Mutter werde, trotz dass ich weiß, es ist die Krankheit. Oder sich nicht angesprochen fühlen, das ist auch nicht immer einfach.

    Bei dem, was du schreibst , sehe ich viele Parallelen zum Verhalten meiner Mutter.

    Sie wahr früher allerdings eher ein recht fröhlicher Mensch, hat viel gelacht, manchmal sogar zuviel aus meiner Sicht. Jetzt ist sie nur noch verbittert, man sieht es schon an ihrem Gesichtsausdruck. Ich weiß nicht, wie ich ihr mal eine Freude machen könnte, selbst wenn wir zu Besuch kommen, kommt kaum ein Lächeln von ihr. Immer unzufrieden und als Folge davon wird sie aggressiv.

    Das ist dann auch der Punkt, wo ich an meine Grenzen komme und mal durchaus menschlich reagiere.

    Ich hoffe, du hast dich heute schon wieder ein bisschen erholt vom gestrigen Tag und es geht dir etwas besser. Tu dir was Gutes.

    Ich umarme dich in Gedanken und wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit. 🍀❤️

    Liebe Grüße

    Stern

  • Hallo Alfi,

    ich verstehe ebenfalls deinen Frust sehr gut, man nimmt allen Mut zusammen und geht zu Besuch, und wird dann so frustriert. Wir sind in dem Fall keine Profis mit emotionalem Abstand, sondern direkte Angehörige.. deine Mutter KANN es nicht besser und das scheint leider so zu bleiben. Längst nicht alle dementen Heimbewohner sind lieb und gutmütig, das kenne ich auch von einer anderen Dame, die nachts alle 5 Minuten geschellt hat - und die Pfleger sind dann wohl verpflichtet, jedesmal hinzugehen, das ist heftig..

    Hör auf deinen Bauch ! Du machst nichts falsch!

  • Schon ihr zweiter Satz war gegen - neue Version und ultraverletzend - gegen meinen Mann. Er wäre das letzte und er wäre an allem Schuld: ich wäre vorher nicht so gewesen.

    Liebe Alfi,


    das könnte meine Mutter gewesen sein. Das ist halt das letzte Aufbäumen der sterbenden Narzisse, die die Kontrolle über ihre "Opfer" verloren hat. Das es ein anderer Einfluß ist, ist vermutlich Ihre einzige Erklärungsmöglichkeit.


    Das macht es nicht einfacher für eine Tochter.


    Wie fühle ich mich?

    🐽bin sauer auf sie

    🐽trauere um meinen Vater, der immer als Puffer diente (und das irgendwie brauchte?🥹)

    🐽ohne Hoffnung

    Das ist so sehr nachvollziehbar und diese Gefühle sind so etwas von legitim. Trauere um Deinen Vater, er hat ebenfalls viel gelitten.


    Was mich wundert, und nicht nur mich:

    Dass sie sich ohne Medikamente so wacker hält

    Meine Mutter ist auch dem Tod schon vielfach von der Schippe gesprungen. "Sie hätte noch was zu erledigen und müsse auf mich aufpassen." hat sie mal einem Arzt gegenüber gesagt. Was objektiv gesehen völliger Quatsch war, denn: Sie will einfach die Kontrolle nicht aufgeben, sie wehrt sich dagegen mit Händen und Füßen, auch wenn die Kämpfe unsinnig sind und keinerlei Aussicht auf Erfolg haben.


    Worst case:

    Situation x passiert und ich ging im Groll


    Kann ich das ändern?

    Nein Punkt

    Andere Frage: Würde es etwas an Deinen Gefühlen ändern, wenn sie bei der letzten Begegnung nett gewesen wäre? Du leidest dann eigentlich mehr: "Als sie endlich nett ist, geht sie?!"


    So viel Schmerz und Verletzungen. Ich frage mich immer, warum hat die Natur soetwas eingerichtet? Was ist der Sinn dahinter? Damit wir keinen Schmerz, sondern Erleichterung empfinden und deshalb ein schlechtes Gewissen haben?

    Das kann/sollte es auch nicht sein.

    Bisher habe ich keine Erklärung gefunden, so sehr ich auch gesucht habe.

  • Worst case:

    Situation x passiert und ich ging im Groll


    Kann ich das ändern?

    Nein Punkt

    Liebe Alfi, da mache ich ein dickes Ausrufungszeichen dran. Denk dir einfach immer:


    Die Situation ist für dich/für uns alle außergewöhnlich schwierig (die Gründe kennst du selbst) und sie läuft nicht nach einem schon vertrauten "Drehbuch". --- Ist es da ein Wunder, dass wir zeitweise auf der Bühne des Lebens umherirren und den Ausgang nicht finden?

    Nein, es ist kein Wunder! Es ist wie es ist. Punkt!


    Heute ist es ein bisschen Groll (oder ein bisschen mehr) und morgen (oder heute) knuddelst du dein Pferdchen ... oder jemanden anders. ;)


    Deine Mutter muss ihren Weg gehen, ob es ihr nun gefällt oder nicht. Du hast die möglichen Rahmenbedingungen geschaffen, mehr KANNST DU NICHT (und musst bzw. sollst du auch nicht).

    Schau mal: Du gehst doch deinen Weg auch. Wir alle müssen das tun.


    Und ganz praktisch gesehen: Besuche deine Mutter selten ... wenn es dir nicht gut tut. Häufige Besuche machen es nicht besser. Alle im Pflegeheim werden dich verstehen. Ich bin absolut sicher.


    Hab ein schönes Pfingstwochenende!

  • liebe Sabine,

    Ich dachte erst „Weiß ich doch schon alles“ hab aber dann doch auf den Link geklickt: natürlich war dem NICHT so 😉: ich dachte zuerst, wenn die (Achtung ich kann das Wort einfach nicht richtig aussprechen) Palliativphase eintritt, ist das so wie „Zack bum“ (Ihr wisst schon) also ich war schon erst mal arg gestresst und mitgenommen. Aber nach diesem DINGDONG geht es ruhiger aber normal weiter und es gibt kein definiertes Zeitfenster bis zum Tag x. Es kann Stunden bis Jahre dauern. Das wurde mir in diesem Link auch noch einmal ganz genau erklärt.


    Da hast Du so Recht mit dem Kontrollverlust.

    So richtig gut ging es ihr eigentlich wenn jemand 24 Stunden bei ihr ist und sie ihn ständig direkt und indirekt abkanzeln kann (mein Vater und ich als Kind).


    Wenn mein Mann früher auf Geschäftsreise in NRW war hat er oft einen kurzen Abstecher zu meiner Mutter gemacht. Sie hat sich dann immer total aufgebrezelt und mich natürlich bei ihm -siehe oben 😉-.

    Mein Mann dann oft: „Ich weiß garnicht was Du hast ich komm mit Deiner Mutter super klar“ . 🤨

    Na in den letzten 3 Jahren hat ers kapiert.


    Dieses sich wie ein Zirkuspferd in der Manege aufführen (Wortlaut von einer von Euch): das können sie, die Narzisten.


    Lg Alfi 🐝

  • Mein Mann dann oft: „Ich weiß garnicht was Du hast ich komm mit Deiner Mutter super klar“ . 🤨

    Na in den letzten 3 Jahren hat ers kapiert.

    Das Thema hab ich grade mit meinem Mann, der erst jetzt, nach ihrem Tod, versteht, warum ich mit meiner Mutter einige bestimmte Probleme hatte, die er gar nicht nachvollziehen konnte. Er löste nämlich in seiner Rolle meinen von ihr heiliggesprochenen Vater ab und konnte daher gar nichts falsch machen. Im Gegenteil, sie mahnte mich immer, ihn nur ja gut zu behandeln, ihm die Wünsche von den Augen abzulesen, fast als wäre ich zu ihm ein Monster.

  • Gesichtsausdruck. Ich weiß nicht, wie ich ihr mal eine Freude machen könnte, selbst wenn wir zu Besuch kommen, kommt kaum ein Lächeln von ihr. Immer unzufrieden und als Folge davon wird sie aggressiv.

    Liebe Stern0709 ,


    Ja das ist wirklich wirklich unabänderlich.

    Aber: wir lernen, vielleicht gerade deshalb ein geniessendes Leben zu führen.

    🌸 Lg Alfi

  • das könnte meine Mutter gewesen sein. Das ist halt das letzte Aufbäumen der sterbenden Narzisse, die die Kontrolle über ihre "Opfer" verloren hat. Das es ein anderer Einfluß ist, ist vermutlich Ihre einzige Erklärungsmöglichkeit.


    Das macht es nicht einfacher für eine Tochter.

    Liebe Valentina61 ,


    Wenn ich Euch das nicht alles schon Jahrelang mitteilen könnte, könnte ich das alles längst nicht so gut verstehen: Man kommt sonst immer wieder in die Rolle des traurigen, in der Ecke stehenden Kindes 🤷‍♀️. Ist so. Lg Alfi❤️

  • heiliggesprochenen Vater

    Ha! kenn ich auch: „pass auf so einen Mann hat man nie für sich alleine, andere finden den auch gut“. „Mutti ich glaube er mag mich wirklich“- ungläubiger Gesichtsausdruck ihrerseits 🥹

  • Dieses sich wie ein Zirkuspferd in der Manege aufführen (Wortlaut von einer von Euch): das können sie, die Narzisten.

    Darüber habe ich lange nachgedacht. Ich für meinen Teil sehe meine demente Narzisse eher als Zirkusdirektor, der seine "Pferde"gruppe in der Manege dirigiert. So ohne Worte nur mit Körpersprache.


    Sie selbst wollen sich ja eigentlich nicht bewegen/arbeiten. Sie stehen im Rampenlicht, weil die anderen soooo schön nach ihrer Pfeife tanzen bzw. sie die Strippen ziehen und sie sich die Wirkung der eigenen Kinder auf andere sich selbst zuschreiben.

  • Sie stehen im Rampenlicht, weil die anderen soooo schön nach ihrer Pfeife tanzen bzw. sie die Strippen ziehen und sie sich die Wirkung der eigenen Kinder auf andere sich selbst zuschreiben.

    meine Mutter war schon immer diese Version: ich bin die Schönste, fleißigste, erfolgreichste, beliebteste.


    Und alle anderen sind nicht nur weniger sondern nichts.


    Und wenn dieses „Superwomanmantra“ nicht zieht, weil andere offenkundig in irgendwas mehr Können, Materielles, Liebe oder Sympathie bekommen, dann erfolgt die gnadenlose Zerstückelungstaktik.


    Eigentlich total einfach zu durchschauen.


    Aber fürs Durchschauen hab ich 56 Jahre gebraucht.

    Nunja aber seit 2 Jahren 🤓 versteh ichs immerhin 🧐

    Schönen Sonntag an Euch von Alfi🐝🥳

  • meine Mutter war schon immer diese Version: ich bin die Schönste, fleißigste, erfolgreichste, beliebteste.


    Und alle anderen sind nicht nur weniger sondern nichts.


    Und wenn dieses „Superwomanmantra“ nicht zieht, weil andere offenkundig in irgendwas mehr Können, Materielles, Liebe oder Sympathie bekommen, dann erfolgt die gnadenlose Zerstückelungstaktik.


    Eigentlich total einfach zu durchschauen.

    Ja, eigentlich. Gräm Dich nicht. Mir ist es erst Jahre (!) nach Ende meines einschlägigen Studiums aufgefallen. Nennt man Betriebsblindheit.


    Meine Mutter war eher der maligne Typ (andere Seite der Narz-Skala). Sie war immer die ärmste, schwächste, kränkste und bedauernwerteste.


    Auf die Art und Weise, hatte sie eine ganze Armee von mitleidigen Helfern, die alles immer alles für sie erledigt haben. Sie hat erfolgreich den Eindruck vermittelt, als ob sie sich aufopfern um alle (Mann, Tochter) kümmern würde, dafür sammelte sie Beifall. War aber nicht so. Parallele Realität halt. Ihre Realität vermittelt sie jetzt immer noch:


    Sie ist halt die Arme, mit der bösen Tochter und dem dementen Mann. Sie hat sich immer nur aufgeopfert, ist nie verwöhnt worden und will sich jetzt richtig verwöhnen lassen.

  • Hallo Alfskjoni,


    das ist wirklich traurig, dass Deine Mutter Dich immer noch so lieblos behandelt, obwohl Du für sie da bist und ihr so viel Gutes getan hast. Respekt, dass Du sie besuchen gehst und die innere Stärke findest, Dich dem immer wieder auszusetzen.

    Ich denke immer, dass wir - die Angehörigen in der Pflege und Betreuung - auch ein Vorbild für unsere Kinder sind, in der Art und Weise wie wir mit dieser sehr speziellen Situation umgehen. Ich möchte bspw. meinem Sohn gerne vermittlen, dass ich an dieser schwierigen und emotional belastenden Lage nicht zerbreche, sondern daran wachse und mich als Mensch weiter entwickle. Er kennt natürlich (selbst jung erwachsen) die eine oder andere Geschichte aus meiner Kindheit, aber es ist mir irgendwie wichtig, ihm zu zeigen, dass man im Leben auch große Schwierigkeiten überwinden kann und dass sowas ganz einfach zum Leben dazu gehört.

    Ich hoffe inständig, dass es mir gelungen ist, ihm mehr Liebe und Zuwendung zu schenken, als ich erhalten habe.

    meine Mutter war schon immer diese Version: ich bin die Schönste, fleißigste, erfolgreichste, beliebteste.

    Ach ja, das kenne ich so gut ... meiner Mutter ist es (immer noch) enorm wichtig "bewundert" zu werden. Sie fand sich immer unglaublich toll und ich habe Jahrzehnte gebraucht, bis ich mich als längst erwachsener Mensch gefragt habe: "Ja, warum eigentlich?". Nach dem frühen Tod meines Vaters hat sie sich ganz auf andere verlassen, zu unserem Glück gab es gute Menschen, die uns geholfen und unterstützt haben. Und ich musste sehr schnell erwachsen werden ...

    Heute fällt es mir zunehmend schwer, zusätzlich zu Betreuung und Pflege, auch noch "Bewunderung" aufzubringen, deshalb lass ich es bleiben.

    Liebe Alfskjoni , bleib' ganz bei Dir und mach' so weiter, Du machst es gut!

    Liebe Grüße, SunnyBee

  • Ich denke immer, dass wir - die Angehörigen in der Pflege und Betreuung - auch ein Vorbild für unsere Kinder sind, in der Art und Weise wie wir mit dieser sehr speziellen Situation umgehen. Ich möchte bspw. meinem Sohn gerne vermittlen, dass ich an dieser schwierigen und emotional belastenden Lage nicht zerbreche, sondern daran wachse und mich als Mensch weiter entwickle. Er kennt natürlich (selbst jung erwachsen) die eine oder andere Geschichte aus meiner Kindheit, aber es ist mir irgendwie wichtig, ihm zu zeigen, dass man im Leben auch große Schwierigkeiten überwinden kann und dass sowas ganz einfach zum Leben dazu gehört.

    Ich hoffe inständig, dass es mir gelungen ist, ihm mehr Liebe und Zuwendung zu schenken, als ich erhalten habe.

    Wow, liebe SunnyBee, das sind so wichtige Worte! Nur so kann man den Kreis an (teils erfahrener) Lieblosigkeit durchbrechen. Wie gut, dass es Menschen gibt, die genau das machen. Danke!

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Alfskjoni, schade, dass dieser verletzende Persönlichkeitsanteil Ihrer Mutter bei dem letzten Besuch wieder so belastend war!


    Beim Lesen der Beiträge kam mir der Gedanke, das sind alles gut verständliche Einschätzungen aus vielen schmerzhaften persönlichen Erfahrungen mit einem demenz-werdenden Elternteil, dass bei den eigenen Kindern so traumatisch wirkende Fehler gemacht hat.


    - Aber ist dieser Anteil die ganze Person?

    - Wie kann auch eine Person mit Demenz andere Persönlichkeitsanteile entfalten, z.B. wenn toxische Muster nicht mehr bedient werden?

    - Was passiert, wenn wir mehr auf diese weichen Anteile achten und das andere - wie Sie es schon so gut können - ignorieren?

    - Wie können wir uns schützen (auch) vor Rückfällen und wirksam handeln, weil wir toxische Muster nicht mehr "verstärken"?


    Ihnen wünsche ich weiterhin die Gelassenheit und Lebensfreude, die Sie trotz allem und trotz stürmischer Zeiten immer wieder finden.

    Ihr Martin Hamborg

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