Wie geht es euch - Kapitel V

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  • Nachdem der letzte Thread zum allg. Austausch schon so lang ist, mache ich mal einen neuen auf.

    Heute war mein Besuch im Heim und meine Mutter nicht gut gelaunt, es ist eben immer nach Tagesform. Einen kurzen Spaziergang lehnte sie ab, die Gespräche waren schwierig. Sie hält es sehr schlecht aus, wenn mal 10 Sekunden keiner was sagt, weiß aber eben auch nichts zu berichten. Dass meine Schwester vor 1 Woche da war, mit ihr zu Mittag essen war, war vermutlich alles weg, wollte sie aber auch nicht ausfragen.

    Dafür hat sie immer wieder nach ihrer Mama und ihren Brüdern gefragt, ich habe diesmal gesagt, es gehe allen gut . Ich kann/will ihr doch nicht jedesmal neu die "Todesnachrichten" überbringen.

    Wer denn bloß auf die Idee gekommen sei, sie dort hinzuholen, was mit ihrer Rente passiere...

    Mein Impuls ist irgendwie wieder, ich muss ihr was bieten, sie aus der gefühlten Langeweile und Traurigkeit rausholen, doch es ist ja seit Monaten alles immer ganz schnell vergessen..

    Es lässt mich traurig zurück , diese blöde Krankheit,

    Liebe Grüße an euch alle

  • Liebe Rose60,


    ich denke es ist okay, schlechte Tage zu haben. Auch dir und mir geht es ja mal ähnlich. Wenn ich nun an mich denke, dann würde ich dann wohl auch lieber allein sein, als das mir jemand hilft (oder helfen will) - ich denke das wäre bei meinem dementen ich nicht anders. Es kommen hoffentlich wieder bessere Tage, an denen sie hoffentlich wieder empfänglicher ist, wenn du versuchst sie herauszuholen.


    Ich hoffe ich spamme hier nicht zu viel, aber da die letzten Tage sehr bewegt waren, möchte auch ich nochmal Gebrauch machen. Zusammengefasst geht es mir gerade eher nicht so gut. Gestern war mal wieder die Putzhilfe da, statt zu putzen hatte Opa aber eine neue Idee: sie soll ihm den Haustürschlüssel zur Sicherheit nachmachen lassen, denn er wüsste nicht was ich noch alles so mit ihm machen würde und betrügen würde ich ihn sowieso.


    Ich ließ ihn links liegen, fand aber im Laufe des Tages heraus, dass er nicht nur die Nachbarn mehrmals täglich anruft und über meine vermeintlichen Schandtaten berichtet. Was bei den Nachbarn noch ok ist, da sie es besser wissen, ist anderen gegenüber einfach unangemessen. Ich weiß zwar was ich gemacht habe und was nicht, da er aber durchaus noch "überzeugend telefoniert", weiß ich nicht wie dies bei weiter entfernten Personen rüberkommt.


    Als ich seine Wäsche am nachmittag holte, gab er wieder irgendeinen Kommentar ab und es ging mit mir durch. Böse fragte ich, ob er wüsste was er zur Putzhilfe gesagt hätte. Er verneinte. Drei oder vier mal wiederholte ich mich: "Dann überleg mal gut!". Natürlich weiß ich, dass es nichts bringt, aber ein anderes Ventil war in dem Moment auch nicht da.


    Als ich mich verzogen hatte, überlegte ich und entschied mich, ausgehende Anrufe (mit Ausnahme Papa, Ich, 110/112) vorerst zu sperren. Ich werde nach und nach Nummern auf eine Positivliste setzen, die um seinen Zustand Bescheid wissen und nichts falsch verstehen können. Auch das Telefonbuch habe ich vorerst versteckt, was in den letzten Wochen seine liebste Lektüre war. Ich habe keine Ahnung, ob dies ein zu harter Einschnitt ist, aber andererseits muss dies wohl manchmal sein. Hat dazu irgendwer Erfahrungen gemacht?


    Ich nehme gleich wieder die Hunde mit, die lenken manchmal ihn und ebenso mich ab, wenn sie durch den Garten tollen - und sollte es unerträglich werden, bleibt mir die Flucht in den Wald. Auch wenn ich die Anregung von Buchenberg "Aufsicht" eher als "Hilfestellung" zu begreifen gut fand, so fühlte ich mich vor allem gestern und auch gerade eher wieder als Aufsicht.


    Tatsächlich musste ich aber auch kurz Grinsen, denn immerhin reagierte er auf meine Aufforderungen zu überlegen damit, dass erstmal weiter Kreuzworträtsel mit falschen lösungen befüllt wurden.


    martinhamborg gibt es eigentlich Zeitpunkte an denen es hinsichtlich dem Fortschreiten der Phasen kein zurück mehr gibt? Also Vergessenes das vergessen bleibt? Wenn ich mir so die Kamerabilder von gestern anschaue, erkenne ich einen nie da gewesen Gesichtsausdruck, der mich irgendwie ratlos macht...

  • Hallo enh2292,
    letzten Mittwoch Abend hatte Schwiegermutter in Panik (oder Wut?) die Verwandtschaft angerufen und gejammmert, meine Frau und ich wollten sie umbringen. Die Wohnung, in der sie lebt, sei schon verkauft usw.
    Lässt sich das noch toppen?


    Wir nahmen das zum Anlass für einen Rundbrief an alle Telefonkontakte der Schwiegermutter, in der wir über den aktuellen Stand ihrer Erkrankung berichteten, ohne auf diesen Inhalt einzugehen.


    Die Reaktion darauf war positiv.

    Gruß Buchenberg

  • Hallo,

    Rose60

    Ich kann/will ihr doch nicht jedesmal neu die "Todesnachrichten" überbringen.

    Das kenne ich gut von meiner Mutter ... es handelt sich aber nicht um Todesnachrichten, sondern es geht darum, daß wir (Erbengemeinschaft, ich mit Vollmacht für sie) das Haus verkauft haben. Anfangs haben wir ihr das noch erzählt - immer und immer wieder, weil sie es ständig wieder vergessen hat - wohl in der etwas naiven Hoffnung, dass bei ihr Einsicht in die Notwendigkeit vorhanden ist. Es hat sie einfach nur jedesmal fürchterlich aufgeregt und sie hat immer mehrere Tage gebraucht, um sich wieder zu beruhigen. Meistens hatte sie es aber am nächsten Tag bereits wieder vergessen. Inzwischen thematisiere ich es einfach nicht mehr ... wenn sie fragt, ob das Haus noch steht, sage ich "Ja" - stimmt ja auch.

    Es ist hart, zu lernen mit dieser Krankheit umzugehen ... alles Gute für Dich!


    enh2292 Du findest immer wieder den absurden Witz in einer Demenz-Situation, der mich dann auch zum Schmunzeln bringt.

    Mit Sinn für Humor geht vieles leichter ...


    LG, SunnyBee

  • Buchenberg Ohje, da fällt mir spontan wenig ein... (außer vielleicht noch einen Fernsehtechniker als unabhängigen Dritten dazu zu rufen ;) ). Die Idee mit dem Rundschreiben klingt super. Das Thema "Telefon" kam heute zwar nicht auf, da ich aber nicht glaube, dass das so bleibt, werde ich mich damit mal am Wochenende beschäftigen. Danke!


    SunnyBee Das freut mich :) Recht hast du auf jeden Fall, wobei ich auch glaube, dass es natürlich eine Art unbewusste Strategie ist, mit solchen Dingen fertig zu werden. Wie erfolgreich das ist, weiß ich aber noch nicht.


    Allerdings sei auch dazu gesagt, dass ich schon seit vielen Jahren mit meinen Großeltern immer wieder in die absurdesten Situationen geriet. Regelmäßig um Weihnachten, Ostern und an anderen Feiertagen von denen selten mehr als der offizielle Name bekannt war, aber irgendwie gefeiert werden (mussten), hatte ich den Gedanken das Erlebte in einer Art Drehbuch festzuhalten. Verwirklicht habe ich das nie. Allerdings hatten sie auch abseits solcher Tage ein Talent dafür in seltsame Situationen zu geraten. Teilweise selbstverschuldet, aber auch völlig unbeteiligt. Lustig aber allemal :)


    Noch kurz zum heutigen Tag: Vieles an der aktuellen Situation ist neu. Allerdings habe ich das Gefühl, dass sich vieles in einem gewissen Rhythmus wiederholt. Entweder ist Opa (so wie gestern und heute) extrem getrieben und - mit Abstrichen natürlich - recht selbstständig, oder aber gefühlt nur im Bett liegend, kraftlos und hilfebedürftig. Morgen kommt dann jemand, der vielleicht sein Auto kaufen möchte. Er scheint zwar mit dem Fahren abgeschlossen zu haben, wie er aber reagiert, wenn dann alles unter Dach und Fach ist, weiß ich nicht. Ich hoffe er nimmt es gelassen. Immerhin brachte er das Thema "Verkauf" selbst auf...


    Auch wenn es schon spät ist, tut es echt gut, sich hier auszutauschen. Ich denke schlafen klappt gleich ganz gut. Gute Nacht euch!

  • enh2292

    Ich hab' auch noch was Absurdes ... meine Mutter schleppt immer ihre Handtasche mit sich herum, darin finden sich manchmal die aberwitzigsten Sachen, zumal sie einen Hang zur Kleptomanie hat ... jedenfalls schaue ich ab und zu mal in die Handtasche, auch damit sie nicht zu schwer wird.

    Neulich fand ich einen großen Tannenzapfen ... ich fragte meine Mutter, warum sie den in ihrer Handtasche hat und sie meinte: "Als Erinnerung!". Ich fragte, an was er sie denn erinnern sollte und sie antwortete: "Das weiß ich nicht mehr". :)

    Wir haben dann den Tannenzapfen auf den Tisch gelegt ...

  • Zum Thema Handtasche und Packen fällt mir ein wunderbarer Dokumentarfilm aus den 90er Jahren ein, der einen Oskar gewonnen hat oder nominiert war: Complaints of a dutiful daughter. Eine Tochter dokumentiert mit wunderbarem Humor die Alzheimer-Erkrankung ihrer Mutter. Finde leider den Film nirgendwo online in Ganzheit, aber Youtube hat einige Ausschnitte.

  • Mein Impuls ist irgendwie wieder, ich muss ihr was bieten, sie aus der gefühlten Langeweile und Traurigkeit rausholen

    Liebe Rose,

    hast du das Gefühl, dass sich deine Mutter langweilt. Manchmal denke ich das auch bei meiner Mutter. Aber letztens hat sie von sich aus gesagt, dass der Tag so schnell vorbei geht. Da aufgrund ihrer Demenz das Zeitgefühl verloren ist, kann es sein, dass meine Mutter den Tag anders wahr nimmt als wir.

  • Hallo Ihr Lieben,


    ist es bei Euren Angehörigen auch das Schlafbedürfnis so extrem?

    Manchmal besuche ich meinen Mann, da sagt er, er will sich hinlegen oder auch wenn ich ihn mal heim geholt gleich nach dem Frühstück heißt es, ich gehe auf die Couch. Auch das morgendliche Aufstehen ist jedes mal ein Akt. Vor halb 9 bring ich ihn einfach nicht aus dem Bett. Deswegen war es auch mit der Tagespflege so anstrengend, Abholung schon gegen 8 Uhr, das war schier un- möglich (vor dem Pflegeheim habe ich ihn dann früh selbst gefahren) Auch im Heim ist er der Letzte der geweckt wir. Oder kann es auch an Langeweile liegen, was meint Ihr?

  • Meine Mutter schläft auch untertags ständig ein. Da scheint sie dann allerdings sehr aktiv zu träumen und immer wieder kommt es vor, dass sie dann aus einem Traum so halb aufwacht, auf ihrem Telefon den Knopf mit unserer Nummer drückt und dann sehr wirres Zeug redet. Inzwischen weiß ich dann, dass sie gerade noch geschlafen hat und kann sie dann halbwegs lenken. Oft ist es dann wohl so, dass sie sofort nach Gesprächsende wieder einschläft. Was für uns belastender ist, wenn sie dann in einem Dämmerzustand ununterbrochen am Telefon rumdrückt und es dann mindestens alle zwei Minuten bei uns klingelt.

    Aber ich glaube, diese Schlafzustände hängen auch mit den Veränderungen im Gehirn zusammen und eher nicht mit Langeweile.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Glueck55, ein hohes Schlaf- und Ruhebedürfnis erleben wir häufig bei Menschen, die trotz der Demenz in sich ruhen und nicht - aus welchen Gründen auch immer - von einer inneren Unruhe getrieben sind. Ich lese also das was Sie schreiben als ein gutes Zeichen.


    Hallo enh2292, auf Ihre Frage: Häufig kommt irgendwann eine Phase der Demenz, in der das „Vergessen des Vergessenen und des Vergessens“ zu einer deutlichen inneren Entspannung führt. Auch bei Ihrem Großvater haben Sie dies schon beschrieben, mit jeder entspannten Ablenkung, mit den tollenden Hunden oder Ihrem Humor können Sie dies verstärken - Diskussionen, Erwartungen von Einsicht und Lösungen führen in die andere Richtung. Das kennen Sie.


    In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, dass Sie immer seltener in die Falle tappen und sich provozieren lassen. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie zwei Ihrer Rollen stärken, die des Beobachters und die des vertrauten Enkels, der Entscheidungen treffen und sich gleichzeitig auf die alte sichere Beziehung rückbeziehen kann.


    Der Rundbrief von Ihnen Buchenberg ist auch eine super Idee, um die negativen Folgen im Umfeld zu mildern! Je weniger Energie Sie in die direkte Auseinandersetzung stecken, desto weniger dramatisch könnte es werden.


    Zur Beobachterrolle gehört auch die Wahrnehmung, ob, wann und wie sich Ihr Großvater möglicherweise in eine wahnhafte Verstrickung verwickelt, in der Sie die Rolle des Bösen bekommen.

    Sollte sich ein stabiles Wahnsystem entwickeln, reicht die Ablenkungsmanöver- und Humorstrategie vielleicht nicht mehr aus. Streit ist dann auch der falsche Weg, aber Sie könnten mit einer freundlich, fürsorglichen Betroffenheit und Abgrenzung reagieren. Aber dazu schreibe ich weiter, wenn es soweit ist.

    Jetzt wünsche ich Ihnen erstmal, dass der Autoverkauf gut geht!


    Ihr Martin Hamborg

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Rose60, wenn Ihre Mutter nach Geschwistern oder Eltern fragt, steckt m.E. kein Informationsbedürfnis dahinter, sondern die alte neu erlebte Sehnsucht nach Kontakt, Begegnung und Geborgenheit. Je mehr Sie in diese Richtung „validieren“ können, im Sinne von biografisch wertschätzend abzulenken, um so besser.

    Ein Fotobuch mit diesen Personen kann Wunder bewirken, der Austausch von Anekdoten und Erinnerungen aus. Ihre Mutter lebt jetzt in dieser Welt und da können Sie ihr mit allen guten Erfahrungen begegnen!

    Ihr Martin Hamborg

  • Danke , Herr Hamborg, das klingt nach einer guten Idee mit solch einem Fotobuch. Allerdings habe ich keinen Zugriff auf solche Fotos und möchte auch an einzelne Personen selbst nicht erinnert werden . Irgendwie ist es mit meiner Herkunftsfamilie in beide Richtungen sehr schwierig für mich, aus triftigen Gründen. Das macht es für mich noch schwieriger meine Mutter zu besuchen.

    Schon vor längerer Zeit hatte ich meiner Mutter ein Foto ihrer Mama als ältere Frau mitgebracht, sie hat es versteckt und in den Alben von meiner eigenen Familie mit meinen Kindern erkennt sie niemanden wieder, in meiner Tochter sieht sie grundsätzlich mich.

    Ich werde mich mit dieser Idee aber gerne Mal beschäftigen und zu ihrer Mama und ihren Brüdern vllt entsprechend was zusammenstellen.

    Das mit den schönen gemeinsamen Erinnerungen ist ein Teil meines Problems - es gibt sie einfach kaum, jedenfalls überhaupt nicht auf der Zeitstufe, in der meine Mutter sich gerade noch auskennt.


    Denken Sie, @HerrHamborg, es macht Sinn, nun noch eine neue fremde Person für regelmäßige Besuche zu etablieren?

  • SunnyBee Genau mein Humor, musste kurz doch recht laut vor mich hin giggeln. :) Ist der Tannenzapfen noch da? Wenn ja, wird er toleriert oder als Störung betrachtet? Mein Opa hätte ihn wohl längst entsorgt.


    @Glueck55 Bei meinem Opa ist es extrem wechselhaft. Entweder ist es tatsächlich so, dass er sich nach dem Frühstück direkt wieder hinlegt und vielleicht kurz mittags/nachmittags für einen Snack aufsteht, um dann aber meist gegen Abends etwas länger als durchschnittlich wach ist. Oder aber, er ist wirklich von morgens (7:30-8:30) bis abends (ca. 20:00) auf den Beinen und wirkt zwischendurch immer mal wie getrieben. An den verschlafenen Tagen ist es tatsächlich auch so, dass man meinen könnte, es geht zeitnah zu Ende. Woran es liegt, kann ich leider nicht ausmachen. Denn eintreten kann ein solch verschlafener Tag (oder auch Tage) mit und ohne anstehendem Ereignis.


    martinhamborg Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Zumindest in den letzten Tagen gelang mir dies fast immer ganz gut. Schwierig wird es dann bei Themen, die wir eigentlich schon zu Genüge ausdiskutiert haben. Heute beispielsweise die Frage, warum er denn keinen Schlüssel für die Kellertür nach draußen mehr hat. Der Grund dafür ist, dass er die Haustür stets zusätzlich mit einer Kette absichert und die Kellertür kein Panikschloss hat. Im Ernstfall müssten wir uns also an einer der beiden Türen vergreifen. Ein Panikschloss habe ich sogar schon beschafft, allerdings fehlte es mir bisher schlicht an der Energie es einzubauen und in Erfahrung zu bringen wie das geht. Im besten Fall merkt er vom Einbau nämlich nichts.


    Auch der Autoverkauf ist geglückt. Er wollte zwar nicht dabei sein und nach der Nachricht direkt in einer sechsfachen Schleife den Fahrzeugbrief suchen, aber er schien es mit Fassung zu tragen.


    Abschließen möchte ich dir Rose60 noch eine Anregung geben. Tatsächlich habe ich auch mit meiner Oma häufig mittels "Fotos sichten" eine gute Zeit verbracht. Auch werde ich es wohl mal mit meinem Opa versuchen, nachdem er gestern einen Umschlag fand und wir diesen gemeinsam sichteten. Nunja, warum du das nicht magst, hast du ja nachvollziehbar geschildert. Da meine Oma aber bspw. vor allem von Landschaftsbildern und Ansichtsfotos aus dem Urlaub angetan war, gibt es vielleicht solche Sehnsuchts- oder Lieblingsorte auch bei deiner Mutter? Wenn ja, dann kann man da vielleicht ansetzen und entsprechend neutrale Fotos ausdrucken oder vielleicht auch anderweitig beschaffen!? Wenn sie noch in der Lage ist solche Erinnerungen abzurufen, glaube ich, dass es eine wirklich angenehme Beschäftigung sein kann.


    Eine gute Woche für euch alle :)


    Da ich am Wochenende mal Hilfe von Aussen mobilisieren konnte, was das Aufräumen des Kellers bzw. auch das Entfernen mehrerer kleiner aber unkritischer Schimmelstellen betrifft, habe ich den Plan auch einen Rundbrief zu schreiben, noch nicht umgesetzt. Entgegen meinen Erwartungen war die immer noch aktive Telefonsperre aber kein Thema. Verblüffend ist in dem Zusammenhang auch, dass er mich seitdem nicht mehr angerufen hat, obwohl er mich noch erreichen könnte. Auch mein Vater, der sich sonst gerne mal provozieren lässt, war vor Ort, ohne dass es zu nennenswerten Streitigkeiten kam. Gestern war es fast schon verdächtig harmonisch. Ich hoffe es hält noch einige Zeit an, allerdings steigt die "Angst".


    Nochmal zum Thema Humor: Einerseits lässt es mich schmunzeln, andererseits ärgert es mich auch gelegentlich (einer Konfrontation lässt sich meist aus dem Weg gehen). So habe ich die verschiedensten Akkus und Ladegeräte für die diversen Garten- und Hausgeräte in seinem früheren Hobbykeller aufgereiht, um sie zu nutzen. An die Anschaffung scheint er sich aber nicht zu erinnern, denn wann immer er sie sieht, flucht er "Kerrlokerl, was stehen hier Geräte rum" vor sich hin und schließt nicht selten mit einem "Der Junge kauft und kauft und kauft" ab.


    Gestern habe ich grob auf dem Dachboden für Ordnung gesorgt (kurz gesaugt und ein Insektenvernichter, den mit blauem Licht, aufgestellt). Als mein Vater auf der Leiter stand und diesen Begutachtete, stand ich im 1. OG, als Opa auf der ersten Treppenstufe die neue Kamera mit Blick auf die Haustür entdeckte. Natürlich fragte er, was dass denn sei. Da mein Vater sie jedoch auch erst kurz vorher gesehen hat und wohl noch vom UV-Licht das Insekten anziehen soll verträumt war, sagte er, dass dies gegen Insekten sei, ich es kürzlich besorgt hätte und dass das gut so ist. Ich hoffe Kamera und Gerät sind somit akzeptiert (wobei bisher nie Kontrollgänge auf den Dachboden führten...)

  • enh2292

    Ist der Tannenzapfen noch da? Wenn ja, wird er toleriert oder als Störung betrachtet? Mein Opa hätte ihn wohl längst entsorgt.

    Nein, den habe ich längst entsorgt. Meine Mutter hortet leider ... Wenn ich sie machen lassen würde, wäre jeder Quadratzentimeter freie Fläche in ihrem Zimmer belegt. Ich entsorge (oder bringe zurück) jede Woche Papier, Zeitungen, Zeitschriften, gebunkerte Essensreste, Servietten (vorzugweise schöne, bunte, die sie irgendwo hat mitgehen lassen ...), Zweige (im Herbst jede Menge bunte Blätter ...), Kugelschreiber, Löffel und sonstiges Besteck aus der Küche und vieles mehr...


    Sei froh, dass Dein Opa Dinge entsorgt ... das Haus meiner Mutter war zum Schluß so vollgestopft, dass es grenzwertig war ... siehe meine Schilderung in meinem 1. Post.


    Ich glaube Humor ist auch eine Überlebensstrategie ... wenn ich nicht in der Lage gewesen wäre, auch mal die absurd-witzige Seite mancher Situationen zu sehen, wäre ich verrückt geworden ...


    Du hast mal erzählt, dass Dein Opa immer nach den Kontoauszügen fragt ... das macht meine Mutter auch. Allerdings drücke ich ihr seit ca. anderthalb Jahren denselben Kontoauszug in die Hand, nämlich den, den ich zuletzt ausgedruckt habe. Ich habe keine Lust mehr, ihre Kontoauszüge auszudrucken und speichere sie nur noch ... Sie hat noch nie gemerkt, dass es immer derselbe Auszug ist ... LG, SunnyBee

  • Ich gehe mal direkt auf den Titel dieses Threads "Wie gehts es Euch".

    Mir geht es im Moment eigentlich erstaunlich gut. Ich scheine wieder in eine mir wohlbekannte Phase gefallen zu sein wo die Sorgen irgendwann so groß werden das bei mir zumindest ein Teil der Emotionen abschaltet und eine rationale Ruhe und Klarheit einkehrt.


    Ich kenne das von mir auch aus Extremsituationen erst hetze ich mich ab und bin maximal nervös, unruhig und sorgengeplagt. An dem Punkt wo es dann oft bei anderen in genau diese Richtung kippen würde, kippe ich in eine Ruhe und emotionsgedämpfte Rationalität ab.


    Aus diesem Grund habe ich auch bei meiner Psychologin etwas auf die Bremse gedrückt und meinen Abstand zwischen den Stunden auf zwei Wochen verlängert. So eine Therapie ist einerseits sehr hilfreich, anderseits ist bei mir viel hochgekommen was meinen gefühlten Stress massiv erhöht hat.


    So nun zu meinem "Sorgenkind". Sein Zustand hat sich nochmals deutlich verschlechtert, er wirkt abwesend, verwirrt, apathisch, kraftlos. Er schläft extrem viel und ist oft kaum ansprechbar.


    Sonntag Vormittags war ich bei ihm, da saß er ihm Rollstuhl (an Rollator ist ihm Moment nicht zu denken) im Gemeinschaftsraum und war ein klein wenig wacher. Er verschüttete dann ein Glas Wasser, also habe ich ihn in sein Zimmer gebracht und umgezogen. Dies (kurz stehen/festhalten) um die Hose/Windel hochzuziehen hat ihn so angesprengt das er praktisch übergangslos in seinem Sessel eingeschlafen ist.

    Der Neurologe sowie der Bereitschaftsarzt haben ihn am Wochenende gesehen, die Vitalwerte sind alle okay, Blutdruck wieder deutlich besser.

    Die von mir angedachte Blasenentzündung wurde mittlerweile aber ausgeschlossen.


    Am Samstag Vormittag habe ich mich fast ein Stunde mit einem Pfleger unterhalten und wir sind alles mögliche in seiner Akte durchgegangen. Unser gemeinsamer Verdacht sind im Moment die Wassertabletten. Da kam vor einem Monat eine neue hinzu (wegen starker Wassereinlagerungen in den Beinen).

    Die Wassereinlagerungen sind weg aber etwa eine Woche nachdem die Tabletten angesetzt wurden hat dann sein Zustand sich so massiv verschlechert. Womöglich wird da zuviel Wasser ausgeschwemmt. (Mir war nicht bekannt da da eine Tablette hinzu gekommen ist) Ich habe ihm dann geziehlt Sportgetränke besorgt (mit Elektrolyten bla bla) und hatte wie bereits geschrieben am Sonntag durchaus den Eindruck einer leichten Verbesserung seines Zustandes.


    Natürlich ist auch ein Infekt möglich (Corona wurde ausgeschlossen). Aber kein Fieber, kein Schnupfen, kein Husten nichts.


    Warum ich, als Laie mich da auf Spurensuche begeben muss erschließt sich mir nicht. Mann könnte meinen wenn solch eine massive Verschlechterung eintritt würde mal einer vom Fachpersonal (oder einer der zwei Ärzte seitdem) einen Blick darauf halten ob es vielleicht mit einer geänderten Medikation zusammenhängt. Gewogen wurde er dann auch, da bin ich erstmals erschrocken. 69,3 kg, vor 4 Monaten bei Aufnahme waren wir noch bei 77kg (der Mann ist 174cm groß und wog einmal 135 kg!) Letzte Wage vor 10 Tagen war noch 71,5 kg. Das würde alles zu den Wassertabletten passen.


    Ich warte jetzt mal ab wie es sich ohne diese Tabletten die nächsten Tage entwickelt, sollte es zu einer deutlichen Verbesserung kommen werde ich diesen Punkt ansprechen.


    Punkt ansprechen ist ein weiteres Stichwort. Ursprünglich hatte ich ja einen Verdacht auf eine Blasenentzündung, den ich mehrfach geäußert habe. Mir wurde gesagt es wird ein entsprechender Test im Heim gemacht, ich muss deshalb nicht zu Doktor etc..
    Nach 5 Tagen (und zweimaligen vertrösten) wurde immer noch kein Test durchgeführt weil sie aktuell keine haben ....


    Da war ich dann froh das ich mich da bereits in meiner "rationalen Phase" befand sonst wäre ich womöglich unleidlich geworden. Ich habe noch während des Gesprächs mit den (sichtlich verlegenen) Pflegern mein Handy gezückt und zwei Apotheken angerufen. In der zweiten (keine 300 Meter vom Heim entfernt) hatten sie Test, 10er Pack 6,30 EUR. Also dort hin gegangen und ins Heim gebracht, dauerte keine 10 Minuten. Es ist keine Blasenentzündung aber so konnten wir das wenigstens ausschließen.

    Aber ehrlich? bei fast 5000 mtl. fürs Heim haben die keinen Urintest der mich in der Apotheke 63 cent / Stück kostet? Das der Test negativ war ist dabei ganz unerheblich. Ich warte jetzt ab wie es sich ohne Wassertabletten entwickelt und dann bitte ich die Pflegeleitung zu einem ersten Gespräch denn dieses Verhalten finde ich fahrlässig.


    Freitag war dann großer Bahnhof vor dem Heim unser Ministerpräsident war für den Spatenstich des Heimneubaus für 39 Millionen da.

    Einmal editiert, zuletzt von Sohn83 ()

  • Hallo sohn83,

    Da bin ich auf deine "Wasserstandsmeldung" die nächsten Tage gespannt, verstehe dass es dich ärgert. Es ist leider immer wieder so, dass die Pfleger natürlich emotional nicht so nah dran sind und durch Mitarbeiterwechsel geht schon mal was durch ..

    Ich halte es durchaus für möglich, dass der Wasserentzug zuviel ist fürs Hirn. Denn das braucht ja ne gewisse Wassermenge für die Durchblutung. Eigentlich sollte sich ein Arzt die Dokumentation anschauen und abwägen, ob dicke Beine oder Schlappheit("Pest oder Cholera" quasi).

    Möglich ist jedoch auch, dass der Körper immer schwächer wird, das ist die sicher bewusst..?

    Liebe Grüße

  • Hallo rose,


    Vielen Dank für deine Antwort. Ja ich bin mir bewusst das es auch der natürliche Krankheitsverlauf sein kann, deswegen möchte ich auch erstmal abwarten wie es sich entwickelt.


    Es ist halt dieser wirklich massive körperliche Abbau von einem Tag auf den anderen der mich stutzig macht. Der Mann ist wie ausgeschaltet. Ich habe mit meinem Vater schon einige "Schübe" mitgemacht. Aber so wie aktuell kenne ich es bei ihm eigentlich nur mit einem zusätzlichen Faktor also z.b. während starkem Fieber, Corona oder eben zuletzt vor 4 Monaten bei einer Blasenentzündung. Daher bin ich halt am "suchen".

  • SunnyBee Na gut, ich verstehe. Als ich das geschrieben hatte, hatte ich eher vor Augen, dass eine Reaktion a la "Was macht denn der Tannenzapfen hier?" erfolgen würde ;)


    Als ich deine Aussage las, das ich doch froh sein solle, dass er was entsorgt, musste ich auch kurz schmunzeln. Klar, einerseits hast du Recht, allerdings geht er hier recht seltsam vor (inkonsequent trifft es auch ganz gut). Meine Oma war wohl zeitlebens in gewisser Form kauf- und sammelsüchtig, sodass ich in den letzten Monaten nahezu jeden zweiten oder dritten Tag verwundert die Hände auf die Augen legte. Das da was im Argen war, war mir klar, aber was sich hinter den vielen Türen und Schranktüren tatsächlich verbarg, war mit in der Masse nicht klar.


    Hunderte Seifenstücke, hunderte Deo-Roller (scheinbar war irgendwann ein Ausverkauf,da an vielen noch 0,20 €-Preisschilder kleben), hunderte ebenfalls laut Preisschild stark reduziert gekaufte Handtücher (tatsächlich nutzten sie immer dieselben Handtücher mit einem unverwechselbaren Motiv, Tischdecken, Kerzen und vor allem auch Kleidung die ich jetzt soweit aussortiert habe, dass zwei ganze Kellerräume gänzlich vollgestopft, aber noch begehbar sind. In seinem alten Hobbykeller habe ich in einer alten Alukiste sogar ein Gebiss gefunden, was laut ihm wohl seinem Schwiegervater gehört haben muss. Kurzerhand verglich er es damals mit seinem und als ich kurz abgelenkt war, war dann nicht mehr ganz klar, welches Gebiss nun welches ist... :D


    Entsorgt hat er über die Jahre tatsächlich nichts davon. Kurz nach Omas Tod kam aber u.a. direkt meine zwar alte, aber auch vorher schon liebgewonnene Sonnenbrille, die ich ihr irgendwann mal schenkte (sie wollte sie immer aufsetzen) in die Tonne - weg war sie. Hätte sie gerne als Andenken behalten, aber ich werds verkraften.


    Auch unterstehen dort die Mülltonnen einem strikten Management. Wie oft habe ich schon mit ihm gestritten, dass er doch bitte damit aufhört, den Inhalt neu zu organisieren. Ich muss heute noch lachen, als er mich für die in seinen Augen fehlerhafte Entsorgung eines dünnen ca. 50 cm Stücks Styropor rügte (oder rügen wollte). Vor meinen Augen holte er dieses ja praktisch nicht mehr kleiner zu machende Stück heraus, fragte was ich mir dabei gedacht hätte und brach es sodann in der Mitte durch, um es an Ort und Stelle gleich wieder zu entsorgen. "So!", sagte er noch rechthaberisch, bevor ich mich lachend etwas zurückziehen musste.


    Was das Thema Kontoauszüge angeht, beneide ich dich in der Tat ein wenig. Er war früher im Rechnungswesen und so absurd es klingt, es ist wohl in gewisser Weise seine letzte Leidenschaft. Hier schafft er es, wenn auch immer seltener, einen ganzen Nachmittag mit Lupe und Lampe am Tisch zu sitzen und durch sein Mäppchen zu blättern. Hier hätte uns vielleicht auch früher auffallen können, das vielleicht etwas nicht stimmt, denn bei der Sparkasse wird pro Kalenderjahr auch die Nummer aufgedruckt um den wievielten Auszug es sich handelt. In letztem Jahr waren es stolze 119 Auszüge... Da es rund um dieses Thema immer wieder Ärger gibt, vermeiden ich und mein Vater es so gut es geht, ihm welche mitzubringen. Drei oder viermal ist er sogar mit dem Taxi zur mittlerweile recht weit entfernten Filiale gefahren, nur für diese blöden... Bei der Nachbarin erfragt er regelmäßig die Öffnungszeiten.


    Das Problem dabei ist nun, dass er durch seinen immer mal wiederkehrenden Betrugswahn nicht einfach kurz guckt ob alles ok ist, sondern in alle Richtungen ermittelt. Über die letzten Monate habe ich vieles versucht. Bringe ich ihm Auszüge mit, dann hinterfragt er jeden Umsatz, will Belege für 2,57 € vom Bäcker sehen und wittert Verrat als dieser leider nicht mehr Vorlag. Bringe ich keine mit, dann habe ich was zu verbergen. Gebe ich ihm Rechnungen z.B. aus dem Baumarkt, dann hinterfragt er meist jeden Posten. Gebe ich sie ihm nicht, dann habe ich mir bestimmt noch was für mich gekauft und versuche es zu verheimlichen.


    Am Nachmittag vor Omas Todestag kam ich nach dem Krankenhausbesuch zu ihm und kaum hatte ich geparkt, kam er mit einem Auszug wedelnd aus der Terrassentür und war merklich aufgeregt. "Kannst du mir mal sagen, was du vorgestern für 118,xx € im Bauhaus gekauft hast??", fragte er böse obwohl wir alles besprochen hatten . Da es leider absehbar, dass es einer der letzten Besuche war, war ich natürlich überhaupt nicht in Stimmung für solche Fragen, aber ebenso wenig auf einen lauten Schlagabtausch aus. Im Vorbeigehen nahm ich den Auszug, machte Konfetti draus und ging hinein.


    "Ey! Ja, da haben wir dann wohl den Beweis! Na warte! Ich hol jetzt den K (Nachbar), soll die Welt ruhig mal erfahren was du so machst", sagte er.


    Im Esszimmer sah ich damals das Mäppchen, kurz hatte ich überlegt es ins Klo zu werfen, entschied mich aber dagegen. Stattdessen heftete ich einen guten Stapel aus, warf ihn in die Luft und sagte bevor ich direkt wieder fuhr: "Ich würde die Zeitung anrufen, die kennen dich ja bestimmt noch!" Letzteres hat den Hintergrund, dass er mal, als ich noch klein war, in seiner Wut, dass ein beliebtes Fastfoodrestaurant mit M die Annahme seines 100 € Scheins verweigerte direkt die gegenüber liegende Lokalredaktion aufsuchte, dort aber abblitzte.


    Wenn es dann mal nicht um sowas geht und er ganz der alte ist, tut mir sowas natürlich Leid und auch ich habe schon so mancher wirklich nett vorgetragenen Bitte nach "seinen Auszügen" nachgegeben. Dennoch habe ich wohl schon öfters davon geträumt, wie das Ding versehentlich in Flammen aufgeht.


    Was mir aufgefallen ist, dass die Maxime "Aus den Augen, aus dem Sinn", auch was die Mappe angeht immer besser funktioniert. Seit einiger Zeit lagert diese direkt auf dem Esstisch und mein spontaner Einfall einfach ein passende Pappkiste falsch herum drauf zu stellen, ließ das Thema für über eine Woche verstummen...


    Gestern wurde es aber wieder akuter, da das Auto verkauft ist und die Käuferin schon letzte Woche Freitag zu unserem Unwissen via Sofortüberweisung gezahlt hatte. Auch die musste übrigens gestern schmunzeln, denn auch wenn er erst nicht dazu kommen wollte, so stand er dann doch in der Garage. Er ließ es sich nicht nehmen, nochmal an der Scheibe zu klopfen: "Welchen Betrag sind wir Ihnen dann jetzt noch schuldig?"


    Da ich nicht wirklich einschätzen konnte, wie es ihm wegen des Verkaufs ging (immerhin nannte er das Auto stolze 18 Jahre sein Eigen), atmete ich tiefer ein als gewöhnlich und versuchte so gut es ging, mein Grinsen zurückzuhalten. Immerhin hatte er einen freundlich gestimmten Gesichtsaudruck, als sie schließlich losfuhr und abbog. Thema war es nicht mehr.


    Auch wenn die Phasen sehr wechselhaft sind und ich tatsächlich auch etwas Spaß daran habe, den Humor der Sache etwas intensiver zu betonen, so spiele ich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken mich zwecks Einwilligungsvorbehalt ans Betreuungsgericht zu wenden. Die neue Partnerin seines Neffen hat es mir aufgrund ihrer Erfahrungen mit seiner Schwester nahe gelegt. Ich weiß das sie Recht hat, das Formular liegt sogar schon ausgefüllt bereit und auch wenn sie mich sogar wegen meiner Untätigkeit ("mache ich gleich morgen früh") nochmal anrief um mich zu bestärken, kämpfe ich hier noch mit mir selbst...


    Es bleibt spannend :)

  • enh2292


    Hallo,

    Dein Bericht war wieder sehr lebendig geschrieben und mit Deinem Opa ist mit Sicherheit für Abwechslung gesorgt ...

    Die Schilderung seiner Persönlichkeit erinnert mich sehr an den Mann meiner Mutter, eine Art "Möchtegern-Lehrer-Typ", sehr besserwisserisch und rechthaberisch, bis zu dem Punkt, an dem ihm alle freiwillig aus dem Weg gingen.

    Mir fällt auf, dass Du noch sehr viel mit ihm diskutierst - bringt das was, wenn er es vermutlich doch recht schnell wieder vergisst? Ich gebe zu, dass ich mir da bei meiner Mutter inzwischen das Leben einfacher mache und nicht mehr so viel diskutiere ...

    Die Kaufwut kenne ich auch gut, ich habe bei meiner Mutter im Haus mindestens 200 T-Shirts gesichtet ... und das war nur die Spitze des Eisbergs. Ich denke, es ist ein Symptom von Demenz, dass man beim Einkaufen den Überblick verliert ... Naja, irgendjemand freut sich jetzt über eine Menge T-Shirts und meine Mutter hat noch mehr als genug ...

    LG, SunnyBee

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