Wie geht es euch - Kapitel V

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  • Auch wenn die Phasen sehr wechselhaft sind und ich tatsächlich auch etwas Spaß daran habe, den Humor der Sache etwas intensiver zu betonen, so spiele ich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken mich zwecks Einwilligungsvorbehalt ans Betreuungsgericht zu wenden.

    Hallo enh2292,

    aus Sicht deiner Eltern bist du ein verantwortungsvoller Mann, dem man mit der Betreuung des dementen Großvaters eine schwierige Aufgabe anvertraut hat.
    Aus Sicht deines Großvaters bist du ihm gegenüber - ohne Demenz und noch mehr mit Demenz - nur ein naseweises Kind.
    Durch diese starre Hierarchie im Kopf deines Opas werden die Konflikte und Diskussionen mit deinem Opa ausgelöst ("getriggert").
    In dieser Situation für einen Einwilligungsvorbehalt zu sorgen,

    hieße mit Kanonen auf Spatzen zu schießen.

    LG Buchenberg

  • Ich ärgere mich so über den Typen, der in dem Seniorenhaus meiner Mutter die Pflegeplatzvermietung macht. Dem merkt man so richtig an, wie er die Macht über die Angehörigen, die ja schon in einer gewissen Zwangslage sind, genießt. Als wir die Rechtmäßigkeit der Bürgschaft, die ich unterschreiben mußte, hinterfragte, sagte er süffisant, wenn ich nicht unterschreibe, gäbe es eben keinen Platz. Das grenzt schon fast an Erpresssung.

    Aktuell ist meine Mutter dort zur Kurzzeitpflege, aber wir haben zum Ausdruck gebracht, dass sie dort auf Dauer bleiben soll. Da war seine Reaktion, das müsse ein Gremium entscheiden, ob man sie überhaupt im Hause behalten wolle. Ich glaube, er hat unser Entsetzen richtig genossen, dass meine Mutter nach der Kurzzeitpflege quasi auf der Straße sitzen könnte.


    Das macht mich richtig wütend. Bei uns liegen ob der Situation schon die Nerven blank, da wünscht man sich eigentlich Unterstützung und nicht so ein großkotziges Verhalten.

  • SunnyBee An einen Möchtegern-Lehrer-Typ habe ich tatsächlich noch nicht gedacht, aber der Rest trifft es doch tatsächlich sehr genau...


    Die Diskussionen haben in dem Bericht vielleicht einen zu hohen Stellenwert eingenommen, natürlich lasse ich mich immer noch zu der ein oder anderen Diskussion hinreißen, aber zumindest versuche ich diesen so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen. Ansonsten gab und gibt es ja noch die vielen, ich nenne es mal Ermahnungen, die irgendwie Diskussionscharakter haben. Du hast definitiv recht, dass es nicht wirklich sinnvoll ist, sie zu führen. Wenn ich aber so über meine Tage nachdenke, dann, ist es mitunter deutlich zeitaufwändiger einer Diskussion in Form des umherirrenden Opas aus dem Weg zu gehen. Auch kann ich noch nicht einschätzen, wann eine Konfrontation vielleicht der schnellere Weg wäre, da er sein Anliegen eh schon vergessen hat. Der Dialog


    "Ach Mensch, ich wollte dich doch irgendwas fragen..."

    "Ist ja nicht schlimm, ich bin ja noch etwas hier. Wenn es dir einfällt, sag einfach Bescheid"


    kommt so sicher mehrmals täglich vor.



    Schwieriger ist da schon eher meinem Vater klar zu machen, dass er weder allzu viel erwarten kann, noch davon ausgehen kann, dass sich durch Ansprache irgendwas zum positiven verändert. Er ist zwar so gesehen auf meiner Seite, allerdings trägt das auch nicht unbedingt zur Entspannung bei.


    Das meine Oma dement sein könnte, vermuteten wir anfangs auch. Dies konnte die Hausärztin allerdings entkräften, wobei aber auch zu sagen ist, dass Wahn und Co. ihren und unseren Alltag oft beeinflusst haben. Die offensichtliche Kauf- und Sammelsucht, die sie in fitteren Zeiten doch recht gut verbergen konnte und die zumindest im höheren Alter nicht mehr so akut war, bringe ich eher mit einem Kindheitstrauma (Flucht aus Pommern 1944) in Verbindung. Nur selten erzählte sie mir zeitlebens etwas davon. Gerne würde ich hier mehr herausfinden, allerdings war bisher außer ein paar Urkunden oder sehr kurzen Briefen nichts zu finden. Was ich sonst so an Dokumentationen gefunden habe, lässt leider nichts gutes erwarten. Dies ist auch eigentlich nicht so wichtig, beschäftigt mich aber mitunter sehr.


    Frage am Rande: Es ist nun bald zwei Monate her, dass sie gestorben ist. Natürlich hat die Trauer nachgelassen, aber dennoch überkommt sie mich noch recht regelmäßig, wenn auch deutlich kürzer. Ich weiß, jeder trauert anders, aber bleiben solche kurzen Episoden oder lassen auch sie nach? Ich weiß, dass es für sie eine Erlösung und der Umstieg auf palliative Versorgung richtig war, aber dennoch vermisse ich sie sehr und zweifle auch manchmal daran...


    Zimt Echt eine verdammt blöde Situation. Es ist ja leider nicht nur im Pflegekontext so, dass zwar Gesetze existieren, diese aber von Unternehmen schlicht missachtet werden - ohne dass es großartige Konsequenzen gäbe.


    Da ihr euch gewisser Weise in einer Notsituation befindet, ist es natürlich umso dreister, dass dies so schamlos ausgenutzt wird. Ich kann dir auch keine verlässliche Rechtsberatung bieten, aber wenn es euch im Ernstfall nicht finanziell überfordert, würde ich unterschreiben und mich im Nachgang um einen Widerruf bemühen und ggf. auch dafür in den Kampf ziehen.


    Und auch dann mag das Ergebnis vielleicht ernüchternd sein. Denn auch wenn ihr siegreich wärt, ist nicht davon auszugehen, dass eine solche Praxis neuen Personen gegenüber auch zwingend aufgegeben wird. Ich habe erst letztens etwas gelesen, ich meine es ging um Versicherungen, in dem es darum ging, dass Unternehmen geltendes Recht seit Jahren sanktionslos immer wieder missachten. Nicht nur wurden Verbraucher regelmäßig über lange Zeit hingehalten, sondern dann auch noch mit einem Klagerisiko konfrontiert, obwohl sie vertragsgemäße Ansprüche geltend machen wollten. Ein solches Vorgehen ist nicht illegal, aber natürlich moralisch höchst verwerflich.


    Der Artikel hier ist schon etwas älter, aber klingt soweit einleuchtend (auch wenn er etwas kompliziert geschrieben ist). Vielleicht passt er ja auch zu eurer Situation.


    Seniorenheim - und die erwünschte Schuldbeitrittserklärung eines Dritten | Rechtslupe

  • Buchenberg Wahrscheinlich hast du Recht. Ich denke, oder bilde mir zumindest ein, dass wenn solch ein Einwilligungsvorbehalt bestünde, es in gewisser Weise ruhiger würde. Soll er meinetwegen mit dem Nachbarn auf Sparkassen-Tour gehen (als ich gestern noch nicht da war, hat er die Putzhilfe zum Toast kaufen geschickt und sich im Anschluss direkt für eine solche Tour beim Nachbarn angemeldet), dann kommt er halt unverrichteter Dinge zurück. Da ich ja zwischenzeitlich seine Karte mittels Mikrowelle außer Betrieb setzte und die neue noch auf sich warten lässt, ist dies ja zurzeit praktisch ein Einwilligungsvorbehalt light.


    Einerseits klingt es anmaßend, das letzte Wort haben zu wollen. Aber andererseits haben wir ihm nie etwas verwehrt oder an Geld entwendet (was er ja immer wieder behauptet) und haben das auch nicht vor. Wenn ich mir nun vorstelle, dass ich den mittlerweile unzähligen Streitereien meine dann rechtskräftige Sturheit entgegenbringen kann, klingt dies wirklich "gut".


    Und nochmal am Rande: Früher hat er mir immer gezeigt, wo ich im Ernstfall was finde. Unter anderem gibt es einen Umschlag mit rund 1000 €. Seit dem Krankenhaus in 08/22 fehlen allerdings vier Umschläge mit je 1000 €, wie er sagt. Seit er 2000 mit dem Rauchen aufgehört hat, hätte er dort das Geld gespart, damit wir uns endlich mal einen Urlaub auf Lanzarote erlauben könnten (früheres Lieblingsreiseziel). Einerseits süß, andererseits völliger quatsch. Als ich entgegnete, wir könnten auch so dorthin sagte er, er würde doch nicht mehr verreisen... und da nun auch das Geld futsch ist, erst recht nicht mehr.


    Zu deinem Rundbrief: Auch wenn die letzten Tage harmonisch waren, so wurde ich wider Erwarten darauf aufmerksam, dass er jetzt allen Anrufern (Neffe und Nichten) seine Geschichten anvertraut. Sie haben seine seltsamen Erzählungen auch schon bemerkt, aber mir auch gesagt, dass ich mir nicht allzu viele Gedanken machen solle (hatte erwähnt, dass ich, wenn ich sowas höre, rechtfertigen will). Da sie immer nur bei ihm anrufen und nicht umgekehrt, habe ich jetzt immerhin schon drei Verbündete. Es fühlt sich zumindest gut an, kurz mit ihnen drüber gesprochen zu haben.

  • @enh2292


    Zu deiner Frage bzgl. Trauer.

    Ja die Trauer lässt normalerweise irgendwann nach. Das ist ein schleichender Prozess und dauert.

    Einen typischen Zeitplan gibt es da zwar nicht aber aus persönlichem empfinden trifft es das "tradionelle" Trauerjahr recht gut. Trotzdem kann es bei einem Menschen dem man nahe gestanden hat auch Jahre später noch zu Situationen kommen wo man wieder Trauer/Verlust empfindet. Das ist aber nicht so belastend wie "frische" Trauer.

    Persönlich halte ich es auch für wichtig und richtig die Trauer zuzulassen.

  • enh2292 : bzgl.deiner Frage zum Thema Trauerzeit möchte ich sagen, es ist kein linearer Prozess, sondern verläuft eher in Wellen, so wie bei dir, dass plötzlich mal wieder ne Phase aufkommt, man durch etwas stärker erinnert wird oder auch einfach so und da ist es wirklich gut, wenn man z.B.mal die Tränen laufen lässt, falls diese kommen.

    Dann kommt es aber eben sehr drauf an, in welcher Beziehung man zum Verstorbenen stand, ob man Kind, Enkelkind oder gar Lebenspartner war. Bei einem alten Menschen kann man definitiv eher annehmen, dass die Zeit für diesen um ist,beim Lebenspartner/Ehepartner/in ist es was viiiel viel heftigeres. Das ist so ein tiefer Schmerz für sehr lange Zeit, wie man es sich kaum vorstellen mag und dauert durchaus weit über das "Trauerjahr"(das hat mehr steuerliche Gründe) hinaus, eher mal drei für die heftigste Zeit. Ähnlich vermutlich wenn man ein Kind verliert.

    LG Rose 60

  • Mir dreht sich gerade ein wenig der Kopf


    Ich komme gerade vom Hausarzt und habe mit dem die Laborwerte meines Vaters besprochen. Die Nierenwerte, Entzündungswert (CRP 15,9) sind schlecht. Elektrolythe sind in der Norm, was aber auch damit zu tun haben könnte das ich ihm extra Getränke mit Elektrolythen gebracht habe. Der Arzt meinte auch es könnte da mehrere Gründe geben warum der Entzündungswert so hoch ist, das könnte eine Infekt sein aber z.b. auch ein Tumor.


    Der Arzt stellt mehr oder weniger frei ob man ihn ins Krankenhaus überführen soll damit das abgeklärt wird. Einerseits wäre das medizinisch notwenig andererseits reagiert mein Vater sehr extrem auf Krankenhaus und Ortswechsel. Dann ist da die Gefahr mit dem langem Wochenende wo wieder nichts im Krankenhaus geschieht. Da stellt sich die Frage ob er diese Aufregung überhaupt verkraften kann. Bleibt er ihm Heim in seiner vertrauten Umgebung kann das natürlich auch schief gehen.

    Heute Mittag schaut ihn sich der Hausarzt an und informiert sich sobald er ein genaues Zeitfenster weiß. Dann bin ich auch vor Ort und wir können weiteres besprechen.


    Das ist jetzt wieder eine grauenhafte Situation wo ich nicht weiß was ich tun soll. Ich habe mich mit meiner Schwester besprochen und diese tendiert wie auch ich dazu ihn nicht ins Krankenhaus zu geben.

  • Ach, lieber sohn83, das tut mir leid, diese Aufregung und Zweifel, besonders vor einem Feiertagswochenende.. die Frage stellt sich ja, was macht man mit einer Diagnose? Würde man noch eine Therapie beginnen, die mehr als palliativ ist? Ich wünsche dir sehr, dass der Hausarztbesuch heute dir bei der Klärung hilft..

    Die Richtung kennen wir ja alle, nur die Frage des Zeitpunktes nicht. Diese Phasen der Ungewissheit sind immer schrecklich und anstrengend, du hast den Verlauf eh nicht komplett in der Hand. Einerseits ist das immer ein Gefühl von Kontrollverlust, was auch für die Fraktion "Planer" wie mich schwer ist, andererseits kann es auch entlastend sein zu denken "et kütt wie et kütt", wie die Rheinländer denken..

    Ich denke an dich (bei Zeit) - heute ist die Beisetzung meines Bruders und ich bin echt nervös seit gestern.

    Liebe Grüße alles Gute für euch!

  • Hallo Rose,


    danke für deine lieben Worte, nein eine Therapie würden wir wohl nicht mehr beginnen.

    Ich wünsche Dir für die heutige Besetzung viel viel Kraft.

  • Hallo Sohn83,

    das ist eine sehr belastende Situation und ich fühle mit Dir.

    Ich glaube, Du und Deine Schwester seid mit Eurem Empfinden auf dem richtigen Weg, d.h. nicht ins Krankenhaus wg. langem Osterwochenende - ich kann mir nicht vorstellen, dass über die Feiertage diagnostisch irgendwas passiert, da macht es Sinn dem Vater die Aufregung und den Ortswechsel zu ersparen.
    Ich würde vielleicht ein Stück weit dem Hausarzt vertrauen, ob er eine Empfehlung für die Situation hat ... eventuell kann man ja im Pflegeheim selber genauer hinschauen und ihn über die Feiertage im Auge behalten. Wichtig ist ja zunächst mal, dass er stabil bleibt und keine Schmerzen hat.

    Alles Gute für Euch - LG, SunnyBee

  • Hallo Buchenberg,


    das mit den Zucker ist gut gemeint Danke. Aber auf die Ernährung habe ich im Heim nur bedingt Einfluß. Noch dazu bei einem Diabetiker.

  • Hallo Sohn, auch ich kann mich Rose und SunnyBee nur anschließen und würde den Vater sicher vor Ostern nicht mehr ins Krankenhaus bringen - im Vertrauen auf den Hausarzt. Mal sehen, was er sagt.


    Rose, Dir wünsche ich heute viel Kraft bei der Beisetzung Deines Bruders.

  • Liebe Rose, auch ich wünsche dir viel Kraft ❤️. WIr haben auch erst vor kurzem den Schwager beerdigt nach einem tragischem Leben. Wir müssen alle so viel aushalten. Alles alles Liebe für dich.

  • Hallo in die Runde,


    ich lese hier mit, würde gerne oftmals zu einigen etwas schreiben, aber dann kommen so gute Antworten, das meine Antwort überflüssig wird. :)


    Zu mir ist zu sagen, dass es zur Zeit besser mit dem Putzen funktioniert. Wir sprechen öfters darüber und meine liebe Mama putzt etwas mehr. Manchmal denkt sie aber auch, sie etwas gemacht, hat sie dann aber nicht.

    Ansonsten machen wir manches zusammen. Es funktioniert also ganz gut.


    Ich wünsche allen viel Kraft auf den unterschiedlichen Wegen und hoffentlich ein paar kleine Inseln, die etwas Entspannung bringen können.


    Ich denke auch, dass man viel Aushalten muss. Es ist ja nicht nur Demenz, auch sonst gibt es im Umfeld einiges, was einen stark beanspruchen kann. Das ist bei mir zur Zeit der Fall.

  • So ein kleines Update vor mir.


    War jetzt knapp 3 Stunden bei meinem Papa. Heute macht er tatsächlich wieder einen besseren Eindruck. Nachdem ich gestern nicht drin war (eigener Arzttermin) und dann die schlechten Blutwerte hatte ich eigentlich viel schlimmeres erwartet. Ich war recht nervös aber als ich ins Zimmer gekommen bin und er friedlich in seinem Sessel geschlafen hat war ich tatsächlich sofort beruhigter. Ich kann seinen Tageszustand selbst vom schlafenden Gesicht praktisch sofort richtig einschätzen.



    Dem Hausarzt ging es ähnlich er war (nach den Blutwerten) eigentlich angenehm überrascht und so wurde die Krankenhaus Option gemeinsam verworfen.


    Von den Pflegern habe ich ähnliches Feedback (gerade im Bezug auf die Osterfeiertage) bekommen das wir mit dem Krankenhaus/Ortswechsel/Aktivierungsmangel bei ihm evtl. viel kaputt machen.



    Die Wassertabletten wurden jetzt reduziert. Papa bekommt die nächsten 10 Tage täglich eine Infusion (Bauch) Ringerlösung mit Elektrolyten. Heute war die in der Apotheke leider nicht vorrätig also start morgen. Ich bin dann täglich drin und überwache ihn während er etwa 45 minuten am Tropf hängt damit er sich diesen nicht rausreißt. Dann sehen wir weiter. Trotzdem hat mir der Hausarzt auch nochmal klar gemacht das bei seinen aktuellen Werten es durchaus auch schnell wieder zu einer Verschlechterung kommen kann.


    Ich bin jetzt doch ein ganzes Stück beruhigt.

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