Wie geht es euch - Kapitel V

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  • Hallo Taybeere,

    Diese alten Aufträge kommen mir bekannt vor, wie der von deinem Vater. Du hast deinen Job definitiv gemacht, sobald alle für sich selbst als Erwachsene einstehen können!!

    Und kümmern bedeutet ja nicht, dass du alles selbst machen musst, da würde ich mich nicht mehr dran gebunden fühlen, also nur soweit du das willst und vor allem schaffst.

    Bzgl. Geburtstag erinnert es mich an meine Mutter, die von solchen Tagen seit Jahren überfordert war und dann sehr gereizt verbal um sich schlug, das hat mich auch viel Nerven gekostet. In diesem Jahr konnte sie sich keine zwei Minuten merken, warum wir an ihrem Geburtstag zusammen saßen, seitdem fühle ich mich auch deutlich weniger unter Druck. Das ist das Positive am Fortgang der Demenz.

    Liebe Grüße

  • Töchterliche Liebe? würde das nicht beinhalten, dass ich sie in den Arm nehmen kann und trösten?

    Nein, gar nicht unbedingt.

    Ich lebte nun viele Jahre in dem Glauben, dass ich für meine Mutter überhaupt keine Liebe empfand, auch keine töchterliche und wunderte mich nur immer, was ich trotzdem für sie tat, damit es ihr gut geht.

    Jetzt nach ihrem Tod fühle ich, dass das doch eine Form der Liebe war, jetzt kann ich Wärme fühlen, wenn ich dran denke, dass sie so sanft sterben durfte, dass ihr alles erspart geblieben war, was sie auf keinen Fall wollte - und doch schon als drohende Möglichkeit im Raum stand. Da ist doch so ein Gefühl in mir, das mich erstaunt denken lässt, ob nicht doch in mir irgendwo die Liebe zur Mutter geschlummert hat.

    Trotzdem konnte ich sie auch nicht in den Arm nehmen, was glücklicherweise durch die Entfernung und die seltenen Begegnungen nicht auffiel, zumal sie auch kein Armnehm-Mensch war.

    Vielleicht hast Du noch die Chance, bei Dir irgendwann auch zu entdecken, dass es nicht nur die Verpflichtung durch Dein Versprechen ist (das ich zwar für gut gemeint halte, aber für schädlich für Dich), sondern doch auch tief drinnen diese Wärme für die Mutter vorhanden ist.

  • Liebe schwarzer Kater,

    ich kann mir gut vorstellen (und nachempfinden), dass deine Trauer derzeitig auch durch dieses langsame Abschiednehmen entsteht, es geht in der Demenz immer weiter vom gewohnten ursprünglichen Menschen zurück, auf dem Weg ins Jenseits, wann auch immer das sein wird. Und das ist eben schmerzhaft. Hast du denn das Gefühl, dass deine Mutter leidet, so dass du soviel Mitleid empfindest?

    Jeder Fall ist ja anders, aber Mitleid habe ich derzeit nicht so mit meiner Mutter, sie hat nun ein deutlich entspannteres Leben als die ganzen Jahre vorher.. ich stelle jedoch auch fest, dass die Mimik sich verändert hat, die Augen trüber werden.

    Hilft dir mehr Abstand, um der Situation nicht so oft ausgeliefert zu sein? Deine Mutter scheint ja nicht mehr so von einem Besuch zu profitieren..

    Liebe Grüße

  • Liebe Ecia,

    Es freut mich, wenn du noch Gefühle der Wärme und Liebe im Nachhinein feststellen kannst. Ich wünsche dir liebe Menschen, die dich begleiten in dieser Zeit, wo sicher noch manches hochkommen kann die ersten Monate nach dem Todesfall. Es braucht seine Zeit..

    Liebe Grüße

  • Dass deine Mutter das nicht zu schätzen weiß, liegt nicht an dir, sondern in erster Linie an ihrer Demenz. Ohne diese Demenz würden vielleicht bestimmte Schwierigkeiten gar nicht auftauchen bzw. viel leichter handhabbar sein für beide Seiten.

    Liebe Schwarzerkater,


    ich werde versuchen, mir Deine Worte immer wieder vor Augen zu halten.

    Das Verhältnis zu meiner Mutter war mein ganzes Leben lang eine Sinuskurve, in der die großen Ausschläge rückblickend immer etwas damit zu tun hatte, dass ich nicht dem Idealbild der Tochter entsprach... Egal, ich bemühe mich auch nicht mehr....

    Ich bin auch selbst sehr traurig und momentan weine ich viel, weil es schwer ist, einem Menschen wie meiner Mutter (dieser ehemals starken Person) beim langsamen Untergang zuzuschauen.

    Das mit dem weinen kann ich so gut nachempfinden. so geht es mir mehrmals täglich, den bei allem Ärger und Frust ist es meine vormals hoch intelligente Mutter die plötzlich hilfloser und hilfebedürftiger als meine jüngste, dreijährige Enkeltochter... nur dass man der Kleinen z.B. spielerisch beim Ankleiden helfen kann und das gut funktioniert, meine alte Dame mich aber eher an ein Holzweibchen erinnert, dass störrisch und steif vor einem steht und dauernd behauptet, man täte ihr weh, auch wenn man sie nicht berührt.... Es ist so traurig und was mir noch sehr zu schaffen macht ist die unendliche Hilflosigkeit, der man ausgeliefert ist.

    Und ich gebe zu mit Hilflosigkeit kann ich sehr schlecht umgehen.... eben so wenig wie mit der Tatsache das man der Tatenlosigkeit ausgeliefert ist...

    Darf ich sagen, dass ich Dich Umarme und Dir Kraft und Stärke schicke?

    Liebe Grüße

    Taybeere

  • Ich bin auch selbst sehr traurig und momentan weine ich viel, weil es schwer ist, einem Menschen wie meiner Mutter (dieser ehemals starken Person) beim langsamen Untergang zuzuschauen. Sie tut mir sooo unendlich leid. Sie war eine sehr gute Person, ... Und jetzt spricht sie nicht mal mehr und schaut durch mich hindurch ....

    Liebe schwarzerkater,

    Ich frage mich: Was ist der Grund und der Inhalt deiner Trauer?

    Eigentlich kann es nicht das Mitleid mit deiner Mutter sein. Sie ist ja ganz bei sich und fühlt für sich kaum Mangel noch Defizit.

    Vielleicht hast du doch noch viele Fragen an deine Mutter offen - Fragen, auf die sie nicht mehr antworten kann?

    Oder ist es das lange Sterben deiner Mutter, und dein langes Abschiednehmen, das keinen Abschluss finden kann?


    Liebe Grüße!

    Buchenberg

  • Guten Abend Ihr Lieben


    ich wünsche allen ein gutes neues Jahr.


    Ich habe mal wieder ein Problem und hätte gerne Eure Meinung dazu gehört, bzw. gelesen.


    Ich bin normalerweise ein Mal in der Woche für mehrere Stunden bei meiner Mutter. Nun hat es sich so ergeben, weil sie sich alleine auch nicht mehr duscht oder Haare wäscht, dass ich das übernommen habe. Es klappt, wenn auch mit einigem maulen, aber was mich umtreibt ist die Tatsache, dass es mich jedes Mal eine gewisse Überwindung kostet. Sie macht inzwischen fast nichts mehr alleine, steht da, will dass ich ihr beim Entkleiden helfe, beim Waschen, beim Abtrocknen, beim Ankleiden ....


    Ich bin Mutter von vier Kindern, Großmutter von sieben Enkeln. Sie alle zu betreuen, den Po zu putzen und sauber zu machen hat mich nie angefochten, das gleiche für meine Mutter zu tun fällt mir unendlich schwer... Ist das normal ?


    So, das wars für heute, das restliche Dilemma immer zu wiederholen bringt nichts, es scheint sich alles schubweise zu verschlimmern und es gibt wöchentlich neue Dinge, an denen ich schuld bin... Ist eben so.


    Liebe Grüße

  • Hallo Taybeere,

    Ich kann das auch nicht, habe meinen Mann bis zum Tod gepflegt mit vielen eigentlich unangenehmen Verrichtungen und es hat mir nichts ausgemacht, genauso meine Kinder früher und Enkel heute aus der Windel zu holen - aber heute meiner Mutter auf der Toilette zu helfen, weil sie kaum eine Bewegung von sich aus hinbekam, ist mir so schwer gefallen. Eben habe ich noch daran gedacht und mich fast schuldig gefühlt, da bin ich direkt erleichtert über deine Frage hier!

    Es hat mich total angerührt, wie hilflos ich meine Mutter heute erlebt habe..

    Kannst du keinen Pflegedienst zum Duschen einschalten? Das hatte meine Mutter noch als sie allein lebte..

    Liebe Grüße

  • Liebe taybeere, auch ich schließe mich den Vorschreiberinnen an.

    Ich konnte meine fünf Kinder, meine Enkelkinder, auch Pflegekinder in der Körperpflege ungehemmt versorgen, auch bei Durchfällen etc.

    Aber bei meiner Mutter kam ich absolut an meine Grenzen, konnte da überhaupt nichts machen - sie hatte auch Betreuerinnen von außerhalb der Familie, die sich in der Hinsicht kümmerten. Meine Schwester duschte sie hin und wieder, aber selbst das hätte ich nicht gekonnt.

    Bei der Mutter ist das einfach etwas ganz anderes.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Taybeere, danke, dass Sie das Thema eingebracht haben! Wie so oft möchte ich mich den anderen Beiträgen anschließen und Ihnen wünschen, dass Sie nicht über diese innere Grenze gehen. Sie hat mit Sicherheit einen wichtigen Sinn!

    Oft habe ich Angehörigen angeboten:


    Wir "Profis" die Pflicht (= die Pflege, die belastend ist) - Sie die Kür (Alles was gut geht, gegenseitig Freude bereitet und den Lebensabend sinnstiftend gestaltet).


    Wenn Ihre Mutter ambulante Pflege annehmen lernt, hat das einen hohen Wert, weil wir nicht wissen, was noch alles an Hilfe notwendig wird.

    Auch für Ihre Mutter kann es wichtig sein, dass sie eine Tochter behält, die stark bleibt und die nicht über ihre Grenzen geht.

    Viel Kraft, Ihr Martin Hamborg

  • Oft habe ich Angehörigen angeboten:


    Wir "Profis" die Pflicht (= die Pflege, die belastend ist) - Sie die Kür (Alles was gut geht, gegenseitig Freude bereitet und den Lebensabend sinnstiftend gestaltet).

    Diese schöne Maxime diente meiner Frau und mir, den heutigen desaströsen Besuch bei Schwiegermutter aufzuarbeiten und zu verarbeiten.
    Wir kamen an, und diese alte, zerbrechliche Person wacht auf und begrüßt uns mit lauter Stimme: "Ich will nicht.... ! Ich will .....!!!"

    Meine Frau ignoriert die Stimme und sieht nur ihre äußerliche Schwäche. Ich übersehe die äußerliche Schwäche und bin von der entschiedenen, entschlossenen Stimme genervt.

    Buchenberg und Frau

  • Hallo an Alle,


    ich habe wieder Mal zwei eigentümliche Tage hinter mir, von denen ich gerne berichten möchte.


    Gestern, Donnerstag, regulärer "Muttertag" verlief recht ausgeglichen und ruhig, wobei es sicher auch daran lag, dass ich mir im Vorfeld vorgenommen habe, mich nicht auf die Palme bringen zu lassen, also Angriffe "keiner kümmert sich", "Du beraubst mich meiner sozialen Kontakte", "ich werde abgestellt", und dergleichen mehr zu ignorieren, schlicht und ergreifend nicht zu hören.... Sehr schwer, gebe ich zu, aber da genug zu erledigen war, hat es geklappt.... Das erklärt sie, und im gleichen Atemzug will sie keine Kontakte zu anderen, die sind nicht ihr Niveau, das will sie nicht....


    Heute hingegen war ihre Taktik auf "ich mach ja immer alles falsch", "Du redest nicht mit mir" (ich war in einem anderen Raum und habe geputzt, sie saß im Wohnzimmer und hatte laut Musik laufen...

    Sie hat sich dann zwar beruhigt, war aber dann wieder verärgert, weil ich mich an Kriegsereignisse nicht erinnern konnte ( ich wurde nach dem Krieg geboren!)

    Trotz Ausflug und Essen gehen unzufrieden und weinerlich.... Ruf mich an wenn Du zu Hause bist.... Warum das denn ? Das ist mein einziger Kontakt zur Außenwelt.... Nach drei Stunden intensiver "Außenwelt"!!!!


    Und ich stehe da und frage mich ob ich ihr unrecht tue.... Will sie schikanieren, manipulieren, verletzen oder ist es ein Abbild ihrer Krankheit? Inzwischen sind wir bei mehreren Anrufen täglich, ohne jeden Sinn, wenn sie mich nicht erreichen kann "wo hast Du Dich den rumgetrieben?", vielleicht spaßig gemeint, kommt aber bei mir nicht mehr lustig an.... als ich sagte ich hatte Kopfschmerzen und habe mich eine Stunde hingelegt..... "Das kann ich ja nicht wissen, ich wünsche informiert zu werden.".....


    Für mich ist das ganze im Moment schwer zu durchschauen.... wie viel ist klar, wo ist nichts mehr klar, wo manipuliert sie, wo ist sie hilflos..... Sie will den ganzen Tag mit allen möglichen Leuten telefonieren, da sie schlecht sieht kann sie nicht richtig wählen und erklärt, das Telefon sei defekt und ich solle kommen.... möglichst sofort und gleich..... wenn ich bei ihr bin, geht dieser Wunsch nach telefonieren weiter.... ruf mal diesen an, ruf mal jenen an und wenn ich sage, dass derjenige grade arbeitet und nicht telefonieren kann, wird mir erklärt ich beraube sie ihrer sozialen Kontakte. Anfangs habe ich versucht, die Leute noch ein wenig vor ihrer "Telefonitis" zu schützen, inzwischen bin ich so weit, dass ich sie machen lasse.... ich kann nicht jeden retten und alles organisieren und glätten.... Vielleicht etwas egoistisch?


    So, nun habe ich wieder eine Menge geschrieben und gebe zu etwas verloren zu sein.


    Liebe Grüße Taybeere

  • Vielleicht etwas egoistisch?

    Nix egoistisch, sondern Eigenschutz!

    In jedem Hilfsberuf (z.B. Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Pflegebeufe usw.) lernt man den Eigenschutz als einen ganz wichtigen Faktor - nur die pflegenden und betreuenden Angehörigen meinen, sie müssten über sich und ihre Möglichkeiten, Fähigkeiten und Kräfte hinauswachsen, um nur ja möglichst perfekt zu sein und wundern sich dann, wenn sie früher oder später zusammenbrechen, psychisch völlig ausgelaugt sind, gute Beziehungen dran zerbrechen usw.

    Da hab ich es mir bei meiner Mutter im Vergleich zu meiner Schwester letztlich auch leicht gemacht: ich hab einfach alle sonderbaren bis verletzenden Verhaltensweisen innerlich auf ihre Demenz geschoben, konnte so mit ihr relativ entspannt umgehen (wie wenig entspannt es dennoch war, nehme ich jetzt nach ihrem Tod erst wahr, indem ich plötzich viel entspannter bin) und musste mein Verhalten nicht danach abwägen, wie ich ihr Verhalten im Moment einschätze.

    Dafür hatte ich dann auch keinen Streit mehr mit Muttern, keine Vorwürfe, keine Selbstvorwürfe und wir konnten bis zu ihrem Tod sehr freundlich miteinander umgehen.

    Schütz Dich gut!

  • In jedem Hilfsberuf (z.B. Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Pflegebeufe usw.) lernt man den Eigenschutz als einen ganz wichtigen Faktor - nur die pflegenden und betreuenden Angehörigen meinen, sie müssten über sich und ihre Möglichkeiten, Fähigkeiten und Kräfte hinauswachsen, um nur ja möglichst perfekt zu sein und wundern sich dann, wenn sie früher oder später zusammenbrechen, psychisch völlig ausgelaugt sind, gute Beziehungen dran zerbrechen usw.

    Liebe ecia25,

    Da magst Du schon Recht haben ... Man lernt, wenn man diese Berufe erlernt.... Pflegende Angehörige lernen das nicht, sie werden mehr oder weniger ins kalte Wasser geworden, müssen sich mit Situationen auseinandersetzen, die sie so nie gewollt und erwartet haben und haben zu allem Überfluss noch die moralische Verpflichtung sich um die Menschen zu kümmern, die sich um sie gekümmert haben, als sie "klein und hilflos" waren. Wie oft bin ich mit der Aussage konfrontiert worden "es ist doch Deine Mutter, dann ist es Deine verdammte Pflicht und Schuldigkeit.... "

    Da Grenzen zu ziehen fällt mir persönlich extrem schwer.

    Ich bin sehr weit davon entfernt, perfekt zu sein.


    Liebe Grüße

  • Das mit der Pflicht und Schuldigkeit sagen aber auch vor allem die, die nicht wissen, wieviel Kraft so eine längere Pflege kostet. Es geht ja oft um Jahre und meist ohne dass man den Endpunkt der Belastung zeitlich absehen kann. Also würde ich mich an den Menschen orientieren, die mehr über die Hintergründe kennen. Man lernt ein Leben lang und wir alle hier wissen, wie schwer Abgrenzung sein kann - das ist KEIN Egoismus, vor allem nicht, wenn man noch Familie hat, für die man auch noch Nerven behalten möchte.

    Liebe Grüße

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