Wie geht es euch - Kapitel V

Datenschutzhinweis: Bitte achten Sie darauf, dass Sie im Forum keine persönlichen Daten von sich selbst oder von Dritten posten. Auch sollten Ihre Angaben keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Ich bin seit einigen Jahre mit Hilfe eines Therapeuten dabei, vieles aufzuarbeiten und ich kann das nur empfehlen. Es ist ein schmerzhafter Prozess, aber er hilft. Und ja, es hilft mir auch mit der Demenzerkrankung meiner Mutter umzugehen.

    Mach' weiter so - wir gehen den Weg gemeinsam

    Das macht mir Mut, endlich mit einer Therapie anzufangen.

  • Viele von uns haben ja auch (falls Kinder vorhanden und/oder mit anstrengendem Beruf) lange nicht wirklich Zeit sich um ihr Seelenleben zu kümmern und oft melden sich alte Verletzungen der Herkunftsfamilie, wenn ein Elternteil stirbt oder schwer pflegebedürftig wird.

    Ja, genau so ist. Die eigene Hilfsbedürftigkeit schwelt bei vielen schon unterschwellig seit Jahrzehnten vor sich her und irgendwann muss man sich endlich um sich kümmern.

  • Meine Mutter wollte immer den Balkon herunterspringen.

    Bzgl. Selbstmorddrohungen, eine Freundin von mir hatte bei ihrer Tochter, nachdem die mit Selbstmord gedroht hat um ihre Mutter zu erpressen, die Polizei gerufen. Die Tochter ist dann in die Psychatrie gekommen mit allem drum und dran. Krasser Schritt aber wirkungsvoll.

    Ich weiß nicht ob ich sowas könnte, aber man darf halt nicht darauf eingehen.

  • Selbstmorddrohungen, eine Freundin von mir hatte bei ihrer Tochter, nachdem die mit Selbstmord gedroht hat um ihre Mutter zu erpressen, die Polizei gerufen.

    Ich habe es dem Hausarzt gesagt. Meine Mutter hat es bestritten. Wenn die Person nicht gegenüber der Polizei oder Sanitäter dabei bleibt, können die nichts machen.


    Selbst erlebt.

  • Hallo zusammen -


    den Satz "ich spring vom Balkon" habe ich von meiner Mutter auch öfters gehört, bevor sie ins Heim kam. Beim 1. Mal war ich noch sehr erschrocken. Als das immer öfter kam (manchmal mehrmals am Tag, wenn ich bei ihr war), konnte ich das weniger ernst nehmen. Irgendwann habe ich ihr mal gesagt: Aus der Höhe von knapp 2 Metern wird das nicht viel bringen. Und außerdem landest Du dann in dem Dreck der Nachbarn - die hat sie gehasst, weil sie immer der Meinung waren, dass sie nicht so mega-sauber wie sie selbst sind. Das fand sie dann wohl nicht so toll. Das Thema war damit durch - sie hat sich natürlich ein neues gesucht. Aber: Bei meiner Mutter war das reine Aufmerksamkeitshascherei.

  • Hallo TanjaS

    hach, ich musste grad so an meine Mutter denken ... in der Anfangszeit im Heim hat sie oft gesagt "Ich ess' jetzt nix mehr, bis ich sterbe ... " um dann pünktlich zur nächsten Mahlzeit am Tisch zu sitzen ...

    Sie sagt manchmal immer noch "Ich sterbe jetzt ... " oder "Dann sterbe ich ..." aber ganz ehrlich: inzwischen hat das für mich seinen Schrecken verloren und wenn man bedenkt, welche Art von Beziehung wir haben, dann eh.

    Seitdem ich es aufgegeben habe, auf ihre Liebe und Anerkennung zu warten, bin ich viel freier und lebe mein Leben, wie es mir gefällt ...

    Alles Gute, SunnyBee

  • Liebe SunnyBee -


    ja, das Thema Essen ist bzw. war generell so eine Sache. Bevor sie ins Heim kam, hat immer jemand das Essen aus ihrem Kühlschrank geklaut. Im Heim bekam sie dann angeblich nie was zu Essen, die wollen sie verhungern lassen - was natürlich nicht stimmte, zumal ich manchmal da war, wenn es Kaffee & Kuchen gab und sie gleich zwei Portionen aß (wenn es ihr gut schmeckte). Und ich neue Kleidung kaufen musste, weil sie zugenommen hatte. Dann gab's auch die Phase "ich esse nichts mehr, ich will sterben" im Heim. Ich hatte dann mit den Pflegerinnen gesprochen und sie beruhigten mich, dass meine Mutter ganz normal alle Mahlzeiten essen würde. Das beruhigt und lässt einen solche Aussagen der Eltern auch besser einordnen.

    ALles Gute euch allen!

  • SunnyBee : dein letzter Satz (ich kriege das Kopieren nicht hin..) ist eine sehr gute Entwicklung!! Mir geht's ebenso, wir sind längst erwachsen und nicht mehr wie Kinder von der Anerkennung der Eltern abhängig, das ist sehr befreiend 😊

    LG

  • Valentina61 : das Testament ist über 30 Jahre alt und nie geändert worden, meine Schwester hat Jahrzehnte jeden Tag Stunden bei meinen Eltern verbracht, ich habe mich (psychisch krank durch die Umstände dort) auf Abstand gehalten, wenn auch nicht Kontaktabbruch und daher war ich die "böse" Tochter, die sich nicht kümmert. Dabei habe ich wesentliche Dinge wie Anträge auf Pflegegrad, rechtliche Betreuung für meinen Vater eingestielt und eigentlich wollte ich auch nichts von der Familie haben, wollte nicht eine einzige Erinnerung bei Haushaltsauflösung und kann nicht nachvollziehen, wie meine Schwester freiwillig dort leben kann - aber so sind wir/ist die Wahrnehmung verschieden.

    Die Erinnerungen habe ich (leider) lebenslang dabei und Versuche mich Tag für Tag davon zu distanzieren und mich schönen Dingen zuzuwenden, meistens gelingt es 😊

    Mit potentiellen Erbe beschäftige ich mich, wenn der Fall eingetreten ist.

    Immerhin könnte mir das Heim bestätigen, dass ich mich seit über vier Jahren reichlich kümmere.

    Liebe Grüße

  • Ein Erbe ist ja (leider) nicht an das Kümmern gebunden. Mir gruselt es schon davor. Mir wäre es Recht, wenn mein Eltern alles verjubeln. Aber so wird es nicht kommen.


    Ich muss mich dann mit meiner Schwester, zu der wir seit 30 Jahren keinen Kontakt haben und meiner Nichte, die ihre Mutter zugrunde gerichtet hat, auseinandersetzen. Jede bekommt den gleichen Teil, auch wenn ich die einzige bin, die sich um die Alten kümmert. So ist es eben.

  • Ja richtig, schwarzerkater , jeder muss für sich entscheiden, und es ist vermutlich gut, wenn ihr euch die Nerven aufspart.

    Mit Demenz hat es in unserem Fall nur zu tun, dass meine Mutter nach dem Tod meines Vaters unfähig war, solche Dinge abzuändern, bevor die mentale Einschränkung deutlich wurde. Es ist aber nicht das, was mich aktuell belastet und so lasse ich alles auf mich zukommen.

  • schwarzerkater

    Ich würde genauso handeln!

    Ich will nichts aus dem Haushalt, es sei denn, ich finde durch Zufall das handgeschriebene Rezeptbuch ihrer Schwiegermutter, meiner Oma väterlicherseits. Das war nämlich war nicht aufzufinden, als meine Oma vor 20 Jahren ins Heim kam und ich meine, dass meine Mutter dieses für mich sehr wertvolle Büchlein mal hatte.

  • Hachja, Thema Erben, sollten meine Eltern ins Heim kommen, würde ihr Haus früher oder später unter den Hammer kommen. Stört es mich? Ein klares "Jein" ;) Also mir ist es lieber, dass meine Eltern gut versorgt sind. Trotzdem würde es mich etwas ärgern, weil ich schon vor Jahren mal angeschnitten habe, ob sie schon mal überlegt haben, wie sie es regeln wollen. Mein Bruder hat nämlich damals ein Grundstück bekommen. Oha, die Reaktion war heftig "Du willst uns wohl unter die Erde bringen". Thema war für mich gegessen. Mein Mann und ich stehen auf soliden finanziellen Füßen, ich bin nicht aufs Erbe angewiesen. Aber so ein klitzekleines bisschen würde es mich doch ärgern 8o


    Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende :)

  • Ach Finja, hast Du das gut mit Deinem Bruder! Du kannst jetzt immer sagen: Kümmer‘ Du Dich! Denn er mit seinem Grundstück steht ja eher in der Schuld Deiner Eltern. Ansonsten: Euch beiden wünsche ich bei der Bewältigung des Alltags, dem ganzen Papierkram etc. ganz, ganz viel Kraft :thumbup: . Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, Eure Eltern in einer Tagespflege unterzubringen?

  • Unsere Abwägung: Anwalt einschalten, Pflichtteil einklagen! Gewinn? Viel Geld, aber braucht man das in unserem Alter noch ...? Die Tochter steht auf sehr stabilen eigenen Füßen!!!

    Unsere Entscheidung: Wir klagen nichts ein und wollen gar nichts.

    Ich werde es trotzdem machen. Ich trete ja nicht gegen Geschwister oder irgendwelche Verwandte an, sondern gegen einen "Pflegedienst".

  • den Satz "ich spring vom Balkon" habe ich von meiner Mutter auch öfters gehört, bevor sie ins Heim kam.

    Meine Mutter hat - vor dem Zerwürfnis - immer gesagt, sie macht es nicht, weil sie mir nicht weh tun will.

    Nach jeder schweren (lebensbedrohlich) Krankheit hat sie gesagt: "Ich habe nur überlebt, weil ich mich noch um Dich kümmern muss."


    Jetzt überlebt sie seit "Jahren" prima. War wohl auch nur eine Lüge, um mir Schuldgefühle einzureden. Ich stehe schon seit Jahrzehnten auf eigenen Beinen und bin finanziell unabhängig.

  • Die Erinnerungen habe ich (leider) lebenslang dabei und Versuche mich Tag für Tag davon zu distanzieren und mich schönen Dingen zuzuwenden, meistens gelingt es

    Auch "Enterbung" ist ja ein Statement, dass Eltern Ihren Kindern "antun". Und das wird auch noch öffentlich gemacht. Rache über den Tod hinaus?


    Genau dafür hat der Gesetzgeber den Pflichtteil eingeführt.


    Was macht das mit uns, die wir schon auf der emotionalen Seite so kurz gehalten wurden?


    Die Erinnerungen wird man wohl nie wirklich los.... Doch wir sind hier auf einem guten Weg.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!